GoT: First of His Name

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Diese Woche bin ich aufgrund universitärer Umstände leider ein wenig später dran. Wir haben schon wieder die Staffelhalbzeit erreicht, weshalb es an der Zeit ist, ein Zwischenfazit zu ziehen. Die vierte Staffel begann extrem stark, hat mit den Folgen drei, vier und fünf dann allerdings ziemlich auch stark nachgelassen. Bislang gab es in jeder Staffel einige eher unspektakuläre Zwischenepisoden, auch wenn man sich bisher keinen so großen Fehltritt wie den in Episode 3 geleistet hat. Hoffentlich erreicht die Staffel gegen Ende wieder dieselbe Qualität, die die ersten beiden Folgen aufwiesen, das Potential ist zweifelsohne vorhanden.

King’s Landing
Die Episode beginnt mit der Krönung Tommens und veranlasst mich, gleich einem kleinen Detail unnötige Aufmerksamkeit zukommen zu lassen. Wer die Romane gelesen und gut aufgepasst hat, wird bemerken, dass in der Königstitulatur der Serie etwas fehlt. Bei Martin lautet diese (in diesem Fall): Tommen aus dem Haus Baratheon, der erste seines Namens, König der Andalen, der Rhoynar und der Ersten Menschen, Lord der Sieben Königslande und Protektor des Reiches. In der Titulatur der Serie fehlen die Rhoynar, bei denen es sich um den dritten in Westeros lebenden Menschenstamm handelt. Die Ersten Menschen waren, wie der Name schon sagt, die ersten Menschen, die von Essos nach Westeros kamen. Ihnen folgten später die Andalen, die große Teile des Kontinents eroberten; die Ersten Menschen findet man fast ausschließlich im Norden, während die Andalen fast alle anderen der Sieben Königreiche bevölkern, bis auf Dorne, das von den Rhoynar bevölkert wird, die noch später einwanderten.
Diese Entscheidung wurde bereits in der ersten Staffel getroffen, wohl vor allem aus zwei Gründen: Erstens wusste man noch nicht, ob Dorne überhaupt vorkommt (in Staffel 1 gibt es nur eine winzige Referenz) und zweitens wollte man den unbelesenen Zuschauer wohl nicht verwirren (was der Königstitel aber wahrscheinlich ohnehin tut). Trotzdem finde ich es schade, dass die Rhoynar ausgeklammert wurden, gerade wenn man bedenkt, welche Bedeutung ihnen in dieser Staffel (und vielleicht auch den kommenden, dazu später mehr) zuteil wird. Wie dem auch sei: „Long may he reign.“
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Tommen (Dean-Charles Chapman) wird vom Hohen Septon (Paul Bentley) gekrönt

Nachdem der King’s-Landing-Teil der letzten Episode vor allem Jaime im Fokus hatte, ist es dieses Mal Cersei, die im Mittelpunkt steht und mit mehreren anderen Figuren spricht. Den Anfang macht Margaery Tyrell, der gegenüber sich Cersei für ihre Verhältnisse geradezu jovial und ehrlich verhält. In den Romanen ist sie gegenüber Joffrey beispielsweise äußerst blauäugig, während sie hier zu erkennen scheint, wie ihr Sohn wirklich war.
Allgemein ist auffällig, dass Cersei in dieser Episode äußerst positiv gezeichnet wird, was in der Serie eine gewisse Tradition hat. Man fragt sich, welche Absicht Benioff und Weiss hier verfolgen. In „A Feast for Crows“ wird Cersei POV-Charakter, wodurch ihre Handlungen zwar teilweise nachvollziehbarer, sie selbst aber nicht sympathischer wird. Soll Serien-Cersei positiver wahrgenommen werden oder wollen Benioff und Weiss einen stärkeren Kontrast schaffen, indem sie bei Cerseis Charakterisierung eine ähnliche Änderung vornehmen wie bei der Roten Hochzeit: Schockwirkung statt Entwicklung?
Ansonsten wird hier „offiziell“ beschlossen, was ohnehin schon jedem klar war: Margaery wird Tommen heiraten.
Über die bevorstehende Hochzeit diskutieren im Anschluss Cersei und Tywin. Und wieder einmal wird auf die Eiseren Bank von Braavos verwiesen, was darauf schließen lässt, dass ihre Rolle in der Serie größer ausfällt als in den Romanen. Dort ist es Cersei, die sich letztendlich weigert, die Schulden der Krone zurückzuzahlen. In der Serie wird die Situation vereinfacht und verschlimmert: Die Goldminen der Lannister sind abgebaut und die Familie – nicht nur die Krone – hat massive Schulden bei der Eisernen Bank.
Da Tywin nicht den Prozess seines Sohnes mit ihr diskutieren möchte, wendet sich Cersei stattdessen an Oberyn Martell, der ebenfalls Richter beim Prozess ist. Dies wiederrum ist eine Hinzufügung, die ich außerordentlich genossen habe, da sie Oberyns andere Seite zeigt: Er ist auch liebender Vater, der seiner Tochter ein Gedicht schreibt. Nebenbei werden auch Oberyns Bastardtöchter, die Sandschlangen erwähnt (und zwar alle acht, wenn auch nur eine, Elia, beim Namen), was die Hoffnung weckt, dass sie in der Serie irgendwann vorkommen und wir Dorne zu Gesicht bekommen werden.
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Oberyn (Pedro Pascal) und Cersei (Lena Headey) unterhalten sich über ihre Kinder

Meereen
Jenseits der Meerenge steht Daenerys vor eine schwierigen Entscheidung: Da die Flotte von Meereen nun unter ihrer Kontrolle steht, wäre sie mit den Unberührten und ihrem Söldnerheer nun endlich in der Lage, in Richtung King’s Landing aufzubrechen, vor allem, da nach Joffreys Tod die Zustände in den Sieben Königslanden immer chaotischer werden. Aber Daenerys entscheidt sich stattdessen, erst einmal in Meereen Erfahrungen als Königin zu sammeln, besonders, da in Yunkai und Astapor wieder alte Gewohnheiten ausgebrochen sind (Bonuspunkte für die Erwähnung des Metzgerkönigs Cleon) – man hört fast schon das kollektive Aufstöhnen der Nichtbuchleser, die Dany und ihre Drachen endlich in Westeros sehen wollen.
Der Daenerys-Handlungsstrang von „A Storm of Swords“ endet etwa an dieser Stelle mit einer ähnlichen Szene in etwas anderem Umfeld (Jorah ist zu diesem Zeitpunkt bereits im Exil), da aber noch fünf Episoden dieser Staffel ausstehen, fragt man sich, wie viel Material aus „A Dance with Dragons“ noch übernommen wird, oder ob es stattdessen weitere Dehnungen gibt.

Eyrie
Littlefinger und Sansa treffen auf der Eyrie ein. Wie erwartet wurde der Abstecher zu den Fingers gestrichen, und es gibt noch einige andere Änderungen: Sansa wird nicht als Littlefingers uneheliche Tochter, sondern als seine Nicht ausgeben. Immerhin der Name Alayne bleibt, man fragt sich allerdings, weshalb die Änderung vorgenommen wurde. Hat Littlefinger überhaupt Geschwister? Die Bastardtochter wäre eindeutig die bessere Alibiidentität. Und die Haare hätte man Sansa auch färben können.
Mit der Darstellung der Eyrie, bzw. der Umgebung der Eyrie (die Festung selbst gefällt mir eigentlich recht gut) in der Serie war ich nie ganz zufrieden, sie sieht irgendwie zu zugänglich aus. Nebenbei, in Staffel 1 sah die Umgebung auch irgendwie anders aus, die Eyrie war höher und die Berge auf der linken Seite waren auch nicht da – oder liegt es am Blickwinkel?
Lysa Arryn dagegen hat sich kaum verändert, Robin ist ein wenig älter geworden, aber, anders als Bran, immerhin noch nicht im Stimmbruch. Hier gibt es auch weiterhin einige subtile und weniger subtile Änderungen gegenüber der Vorlage, und nicht alle sind ganz glücklich. Littlefinger war im Roman zwischen seinem Fortgehen aus King’s Landing und der Violetten Hochzeit nicht auf der Eyrie, während er in der Serie bereits Vorbereitungen getroffen und sich mit Robin Arryn angefreundet hat (bei Martin ist das Verhältnis zwischen beiden eher unterkühlt). Das ist nicht weiter tragisch. Allerdings erscheint es unpassend, dass Robin über Alaynes wahre Identität bescheid weiß – einem Kind so etwas zu sagen ist schon riskant, und bei diesem Kind gilt das doppelt.
Obwohl Kate Dickie, wie so viele andere Serienfiguren auch, um einiges attraktiver ist als ihr Buchgegenstück muss trotzdem noch einmal betont werden, dass sie in meinen Augen die ideale Lysa Arryn spielt: Hochnäsig, arrogant, aber gleichzeitig unsicher und massiven Stimmungsschwankungen unterworfen.
Im Anschluss wird nebenbei gleich das größte Mysterium der ersten Staffel aufgelöst: Wer hat Jon Arryn ermordet? Das Ganze geschieht ziemlich nebensächlich, während die Szene bei Martin um einiges dramatischer war. Auch hier stellt sich die Frage, wie es wohl weitergeht, da Marillion in der Serie in Staffel 1 seine Zunge verliert und scheinbar nicht anwesend ist.
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Lysa Arryn (Kate Dickie), ihr Sohn Robin (Lino Facioli), Littlefinger (Aidan Gillen) und Sansa (Sophie Turner) auf der Eyrie

Immerhin hat Sansa wie im Buch das Vergnügen, den Lustschreien ihrer Tante zu lauschen. Ein wenig später führen beide ein nettes Gespräch unter vier Augen, dass noch einmal Lysas labilen Geisteszustand illustriert. Die Aussicht, mit dem nächsten, geistig nicht ganz stabilen Kind verheiratet zu werden, gefällt Sansa ebenso wenig wie die Tatsache, dass Lysa zwar wankelmütiger, insgesamt aber auch nicht viel angenehmer ist als Cersei. Irgendwie wird es einfach nicht besser für das arme Mädchen.

Auf dem Weg zur Eyrie
War die letzte Arya/Sandor-Szene ziemlich überflüssig, geht es nun wieder aufwärts. In dieser Episode wird vor allem an Syrio erinnert: Das könnte bedeuten, dass Aryas Reise nach Braavos – immerhin Syrios Heimat – näher rückt. Möglicherweise bereitet die Serie allerdings auch etwas anderes vor, immerhin haben wir Syrio weder im Roman noch in der Serie sterben sehen. Es existiert sogar die Theorie, Syrio sei in Wahrheit Jaqen H’gar, der nach Aryas Flucht in die Schwarzen Zellen gebracht wurde, wo er das Gesicht wechselte. Während das theoretisch möglich ist, scheint das doch recht weit hergeholt, allerdings kann man nicht leugnen, dass noch etwas kommen könnte. In einer Welt, in der Blitzlords wieder auferstehen, kann man sich des Todes von jemandem, dem man nicht beim Sterben zugesehen hat, nicht sicher sein.

Auf dem Weg in die Flusslande
Pod und Brienne sind eindeutig das neue, grandiose Duo der Serie. Hier bewegen wir uns bereits auf Feast-for-Crows-Terrain (dort ist Pod nicht von Anfang an dabei, sondern folgt Brienne und schließt sich ihr „offiziell“ erst ein wenig später an). Die Probleme, die er mit seinem Pferd hat und der Blick, mit dem Brienne das Ganze quittiert, sind unbezahlbar. Immerhin wächst Briennes Respekt vor Pod ein wenig, nachdem sie etwas mehr über ihn erfährt, er darf ihr sogar bei ihrer Rüstung helfen.

Nördlich der Mauer
Erstaunlich, aber wahr: Diese kleine Angelegenheit mit Bran, Locke und Jon erledigt sich bereits in dieser Folge. Wie ich erwartet hatte, ist es reines Dehnmaterial, das weder den Plot, noch die Charaktere irgendwie weiterbringt, es entfernt lediglich Figuren, die ihren Zweck ohnehin erfüllt haben, nämlich Locke, Karl und Rast (obwohl ich zugegebenermaßen kein Problem damit gehabt hätte, wäre uns Noah Taylor noch ein wenig erhalten geblieben). Aber immerhin zieht sich das Ganze nicht über noch mehr Folgen. Es gibt noch eine kleinere, wenn auch recht brutale Actionszene, die wohl die bislang ziemlich dialoglastige vierte Staffel ein wenig auflockern soll, aber insgesamt wirkt das Ganze ziemlich unnötig. Immerhin, Crasters Frauen bekommen ein wenig Rache, Karl ein Schwert durch den Mund und der von Bran besessene Hodor darf Locke den Hals umdrehen. Am Ende kehrt alles wieder zum Anfang zurück: Bran, Hodor und die Reeds marschieren weiter nach Norden und Jon und Co. kehren zur Mauer zurück. Wenigstens ist Craster’s Keep als zukünftiger Handlungsort nun ausgeschlossen.

Fazit: Eine weitere, eher unspektakuläre Füller- bzw. Aufbau-Episode, die immerhin den ziemlich unnötigen Handlungsstrang um die Meuterer der Nachtwache beendet. Da in der nächsten Folge Tyrions Prozess beginnt, kommt hoffentlich wieder mehr Schwung und Substanz in die Staffel.

Game of Thrones Staffel 4:
Two Swords
The Lion and the Rose
Breaker of Chains
Oathkeeper

Siehe auch:
Game of Thrones Staffel 1
Game of Thrones Staffel 2
Game of Thrones Staffel 3

GoT: Oathkeeper

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Wie schon „Breaker of Chains“ löste auch „Oathkeeper“ einige heftige Diskussionen aus, vor allem unter Buchlesern. Während die Episode der letzten Woche allerdings in erster Linie negativ aufgenommen wurde, sind die Meinungen dieses Mal sehr gespalten. Der Grund: „Oathkeeper“ dürfte die Episode sein, die sich inhaltliche am weitesten von der Vorlage entfernt (fast die gesamte zweite Hälfte enthält „serieneigenes“ Material), und nicht nur das, sie beinhaltet bereits Material, das (vermutlich) aus „The Winds of Winter“ stammt.
Insgesamt war „Game of Thrones“ bisher eine ziemlich genau Adaption der Vorlage. Natürlich gibt es immer Buchpuristen, die an jeder kleinen Änderung herummeckern, aber wenn man Serien wie „True Blood“ oder „The Walking Dead“ zum Vergleich heranzieht, hält sich die Serie sehr genau an Martins Romane (wobei es am anderen Ende des Spektrums durchaus auch Zuschauer gibt, die sich den Ansatz der beiden oben erwähnten Serien wünschen). Ich persönlich denke trotz allem, dass die Abweichungen letztendlich wieder zum Romaninhalt zurückführen und nicht in eine völlig andere Richtung gehen werden, so ähnlich wie das beispielsweise bei Gendrys Besuch auf Dragonstone war: Das Ziel ist dasselbe, nur der Weg ist ein wenig anders. Trotzdem gibt „Oathkeeper“ durch das Ende bereits einen kleinen Vorgeschmack darauf, wie es sich anfühlen könnte, wenn George R. R. Martin „The Winds of Winter“ nicht rechtzeitig beendet. Einigen Buchlesern hat das gar nicht gefallen, schon allein, weil man unerwartet gespoilert wird, und vielleicht auch ein wenig, weil dadurch der Wissensvorsprung verloren geht. Viele andere fanden die Episode allerdings gerade aus diesen Gründen gelungen, da sie sich zum ersten Mal wirklich überraschen lassen konnten. Ich persönlich würde lügen, wenn ich sagen würde, dass die letzte Szene nicht zumindest sehr interessant ist.
Der Titel der Folge ist wieder einmal recht mehrdeutig, in erster Linie bezieht er sich auf Briennes neues Schwert und dessen symbolische Bedeutung, aber auch Karl hält einen Eid ein…

Meereen
Ein weiteres Mal fängt eine Folge dort an, wo die letzte endete, allerdings in einem etwas intimerem Rahmen: Missandei unterrichtet Grauer Wurm in der Gemeinen Zung – beide verspüren darüber hinaus starke Sympathie für einander – oder sogar mehr (ich glaube, es gibt schon Shipper)?
Der Angriff auf Meereen wird fortgesetzt, und spielt sich dabei recht ähnlich ab wie im Roman, nur sehr stark vereinfacht. Bei Martin dringen Ser Jorah, Ser Barristan (auf beide ist Daenerys zu diesem Zeitpunkt ziemlich wütend) und der starke Belwas, zusammen mit einigen anderen, durch die Kanalisation in die Stadt ein und regen die Sklaven zu einem Aufstand an, während der Rest von Danys Armee die Stadt belagert und mit Rammböcken die Tore öffnet. In der Serie dagegen infiltrieren lediglich Grauer Wurm und einige andere Unberührte die Stadt und ermutigen die anderen Sklaven zum Aufstand – wobei das alles ziemlich schnell und scheinbar einfach vonstatten geht.
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Daenerys (Emilia Clarke) überblickt Meereen

Die eigentlich Eroberung geschieht offscreen, was einerseits wohl auch aus Budgetgründen so ist, und andererseits im Buch ebenfalls der Fall ist, da das Ganze aus Daenerys Sicht geschildert wird, die beim eigentlichen Blutvergießen nicht anwesend ist. Die Bestrafung der ehemaligen Herren von Astapor passiert auf ähnliche Weise wie in der Vorlage, allerdings werden sie im Roman nicht entlang der Straße gekreuzigt, sondern auf dem großen Platz von Meereen, wo jeder auf den nächsten zeigt. Es ist noch erwähnenswert, dass Buch-Daenerys das später bereut und dass Emilia Clarke diese Strafe ebenfalls für keine gute Idee hält. Die Söhne der Harpyie, die sich sicher bald zu Wort melden, dürften jedenfalls nicht begeistert sein.

Auf dem Weg zur Eyrie
Ungeschickt, wenn alle zur Eyrie wollen, da Sandor und Arya in dieser Folge aber nicht vorkommen und Littlefinger und Sansa in der nächsten Folge ihr Ziel erreichen (der Abstecher zu den Fingers wird wohl allerdings gestrichen werden, er ist aber auch nicht wirklich essentiell), kann man das noch akzeptieren. Auf Littlefingers Schiff gibt es noch ein kurzes Intermezzo, bei dem endgültig die Antwort auf die Frage, wer für Joffreys Tod verantwortlich ist, gegeben wird – für alle, die es nach letzter Folge immer noch nicht herausgefunden haben. Während Littlefinger von seinen neuen Freunden spricht, zeigt die Kamera bereits Olenna und Margaery. Außerdem gibt Olenna ein paar Minuten später zu, dass sie es war.

King’s Landing
In „Oathkeeper“ ist der King’s-Landing-Anteil dieses Mal um einiges kleiner als in den letzten drei Episoden, und interessanterweise steht fast ausschließlich Jaime im Mittelpunkt. All diese Szenen mit ihm wären exzellent, wäre da nicht dieser kleine Vorfall in der letzten Episode gewesen. Wie ich erwartet hatte, wird die Vergewaltigung praktisch ignoriert, was fürchterlich inkonsequent daherkommt. Am deutlichsten wird dies im Gespräch zwischen Cersei und Jaime, denn die beiden unterhalten sich, als wäre nichts passiert; ihr Verhälnis scheint sich nicht verändert zu haben. So, wie sie ist, hätte diese Szene gepasst, wenn Jaime sich in der letzten Folge nach der Frage, weshalb er eine hasserfüllte Frau liebt, einfach umgedreht und die Septe verlassen hätte oder der Sex einvernehmlich gewesen wäre. War besagte Szene in der letzten Episode völlig an Jaimes Charakterisierung vorbei, so stimmt die Szene in dieser Episode absolut nicht mit Cerseis etablierter Persönlichkeit überein. Um einmal Tyrion zu zitieren: „Cersei is as gentle as King Maegor, as selfless as Aegon the Unworthy, as wise as Mad Aerys. She never forgets a slight, real or imagined. She takes caution for cowardice and dissent for defiance.” Sich nach so etwas einfach ruhig mit ihrem Bruder zu unterhalten ist völlig out of character für eine Figur, die über die letzten drei Staffeln hinweg als unglaublich nachtragend charakterisiert wurde, schon allein, weil das eine „normale“ Person mit ziemlicher Sicherheit nicht tun würde, geschweige denn Cersei Lannister.
Ebenso bei Jaime: In dieser Folge verhält er sich (wenigstens für seine Verhältnisse) wieder äußerst sensitiv und sympathisch, bei Cersei ist er derjenige der einsteckt, er ermuntert Tyrion (im Roman hat er seinen Bruder nicht in der Zelle besucht) – das ist nicht vielschichtig, das ist schlampig charakterisiert, und ich stimme da mit vielen anderen überein, dass es sich bei der Vergewaltigung um den wohl bisher größten Fehltritt der Serie handelt (und das selbst, wenn man alle andere Faktoren, die zum Online-Aufschrei geführt haben, außer acht lässt), was wirklich schade ist, da es an einer Szene hängt, die gerade einmal fünf Minuten geht. Und letztendlich läuft das Ganze auch einem grundsätzlichen Thema von Martins Romanen zuwider: Handlungen haben Konsequenzen.
Davon unabhängig ist die Abschiedsszene mit Jaime und Brienne wirklich außerordentlich gut gelungen und fast schon niedlich, wenn auch beide ein wenig höflicher zueinander sind als im Roman. Dafür fehlt aber Podricks „Ser Milady“ nicht.
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Margaery (Natalie Dormer), Tommen (Dean-Charles Chapman) und Ser Pounce

An anderer Front planen die Tyrells schon ihre nächsten Schritte. Leider stellt Lady Olenna in Aussicht, nach Highgarden zurückkehren, was wohl bedeutet, dass sie auch aus der Serie (zumindest vorläufig) verschwindet, was ich absolut nicht gutheißen kann. Sie ermuntert Margaery, sich gleich an Tommen heranzuschmeißen, damit sie und nicht Cersei ihn kontrollieren kann.
Der folgende erste Versuch ist allerdings ein wenig merkwürdig. Grundsätzlich wäre diese Szene gelungen (immerhin taucht hier erstmals Fanliebling Ser Pounce auf), wären da nicht die Umstände. Dass Margaery nachts bei Tommen auftaucht wirkt einerseits unnötig zweideutig und ist andererseits recht unlogisch, nachdem Cersei erst kurz zuvor angeordnet hat, dass die Wachen verdoppelt werden (oder hatte sie Hilfe von Varys?). Mit anderen Worten: Diese Szene wäre sehr gut gelungen, hätte sie einen anderen Kontext gehabt.

Castle Black
Jon hat es sich zur Aufgabe gemacht, die neuen Rekruten zu trainieren. Unter diesen findet sich nun auch Locke, der ganz sympathisch rüberkommen kann, wenn er das will, und der beweist, dass er ein ganz guter Menschenkenner ist – jedenfalls weiß er, wie er mit Jon reden muss.
Es wird auch noch einmal deutlich, dass die Rollen von Ser Alisser und Janos Slynt in der Serie praktisch vertauscht sind, da Slynt in den Romanen derjenige ist, der den Ton angibt, während Thorne eher eine beratende Funktion inne hat. Letztendlich wird sich vermutlich Thorne zur Wahl zur des neuen Lord Commander aufstellen lassen und nicht Slynt.
Ab diesem Zeitpunkt beginnen sich die Änderungen stärker auszuwirken, denn in der Tat wird nun ein Ausflug zu Crasters ehemaligem Wohnsitz in die Wege geleitet, da Thorne und Slynt hoffen, auf diese Weise Jon Snow loszuwerden. Und natürlich kommt Locke ebenfalls mit, da er Jon und Sam belauscht hat, die überlegen, ob Bran wohl bei Craster Halt gemacht hat.

Nördlich der Mauer
Im letzten Drittel dieser Episode bewegt sich die Serie noch weiter von den Romanen weg. Bei Craster haben sich die Meuterer inzwischen eingerichtet. Karl Tanner, der in der dritten Staffel Craster tötete, hat sich als ihr Anführer etabliert und trinkt nun aus Mormonts Schädel. Die Szene, die die Grausamkeit der Meuterer illustrieren soll, ist dabei in mehr als einer Hinsicht problematisch. Nach der kontroversen Episode der letzten Woche sind mehrere graphische Vergewaltigungen nicht unbedingt die beste Idee (wobei man zugegebenermaßen wahrscheinlich kaum die Episode in wenigen Tagen umschneiden kann, aber auch so ist es unnötig), außerdem zieht sich das Ganze viel zu lang und es gibt Logikprobleme: Warum töten die Meuterer Ghost und Summer nicht einfach? Darüber hinaus offenbart sich eine Tendenz dieser Staffel gerade hier noch einmal besonders stark. „Game of Thrones“ wird von Grautönen bestimmt (bei der Vorlage ist das noch stärker der Fall), es gibt nur wenige Figuren, die wirklich durch und durch und ohne Abstufung böse sind, etwa Joffrey, Gregor Clegane oder Ramsay Snow/Bolton. Staffel 4 fügt diesen Buchcharakteren mit dem Magnar von Thenn (der im Roman zwar vorkommt, aber kein sadistischer Kannibale ist) und nun Karl weitere hinzu, was ich für kontraproduktiv halte – und selbst Figuren, die eigentlich Sympathieträger sind, werden unnötigerweise verdunkelt, allen voran Jaime und, in geringerem Ausmaß, Ygritte, als wollten Benioff und Weiss verhindern, dass der Zuschauer zu sehr mit ihnen sympathisiert.
In welche Richtung sich das Ganze entwickelt, nachdem die Meuterer Bran und Kompanie gefangen genommen haben, lässt sich bereits abschätzen, und leider befürchte ich, dass das dieser Handlungsstrang letztendlich in einer inhaltlich ziemlich unnötigen Streckung gipfeln wird, die weder Figuren noch Handlung in irgendeiner Art und Weise voranbringt. Aber man soll den Tag nicht vor dem Abend loben.
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Der Anführer der Weißen Wanderer (Richard Brake)

Der wirklich interessante Teil folgt erst nach der Gefangennahme der Reeds: Ein Weißer Wanderer bringt Crasters letztes Kind in das Land des Ewigen Winters hoch im Norden, dort wo die Weißen Wanderer wohnen. Besagtes Baby wird vom Chef-Wanderer berührt, wodurch es eisblaue Augen bekommt, somit erfahren wir, wie die Wanderer für Nachwuchs sorgen. Zugegebenermaßen fand ich diese Szene nicht ganz so revolutionär wie einige andere, der hohe Norden ist zwar in der Tat Neuland, am im Großen und Ganzen wurde hier aber nur etwas bestätigt, das die Romane bereits andeuten und das die Fans bereits seit langem vermuteten (Crasters Söhne dienen Nachwuchs für die Wanderer). Beinahe interessanter ist die Tatsache, dass der Anführer der Weißen Wanderer (der aufgrund der Hörner bereits den Spitznamen „Darth Walker“ bekommen hat) im Promomaterial von HBO als „Night King“ bezeichnet wird. Bei diesem handelt es sich um eine mythische Figur in Westeros, der der dreizehnte Lord Commander der Nachtwache war, sich in eine Weiße Wanderin (ja, das ist die korrekte feminine Form) verliebte, sich zum Nachtkönig krönte und allerhand Grausamkeiten beging, bevor er vom König des Nordens und dem König jenseits der Mauer besiegt wurde. Diese Bezeichnung wurde inzwischen wieder entfernt, aber dennoch stellt sich die Frage, ob er Chef der Weißen Wanderer in der Tat mit jenem Nachtkönig identisch ist, oder ob da nur jemand einen falsche Beschreibung verfasst hat. Außerdem würde mich interessieren, wie eine Weiße Wanderin aussieht.

Fazit: „Oathkeeper“ hätte eine wirklich gute Folge werden können, gäbe es da nicht ein paar unschöne „Wenns“ in Form von Logiklöchern, unnötigen Dehnungen und dem Fehltritt der vorangegangenen Episode.

Game of Thrones Staffel 4:
Two Swords
The Lion and the Rose
Breaker of Chains

Siehe auch:
Game of Thrones Staffel 1
Game of Thrones Staffel 2
Game of Thrones Staffel 3

GoT: Breaker of Chains

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Nach den intensiven Ereignissen der letzten Episode dient „Breaker of Chains“ vor allem der Nachbearbeitung der Violetten Hochzeit und der Vorbereitung zukünftiger Ereignisse. Die dritte Folge der vierten Staffel fällt damit um einiges schwächer aus als die ersten beiden, gerade weil man merkt, dass es sich um eine „Übergangsfolge“ handelt. Hauptschauplatz ist nach wie vor King’s Landing, die anderen Handlungsstränge werden eigentlich nur kurz angerissen (gottseidank aber nicht alle). Bis auf eine Ausnahme ist das Hauptstadtmaterial auch der gelungenste Teil dieser Episode, die restlichen Figuren treten irgendwie auf der Stelle.

King’s Landing
„Breaker of Chains“ beginnt genau dort, wo „The Lion and the Rose” aufgehört hat: Joffrey ist soeben in den Armen seiner Mutter gestorben, Tyrion wurde festgenommen und Ser Dontos flüchtet mit Sansa, während die Glocken vom Tod des Königs künden. Der ehemalige Ritter bringt Sansa zu einem Schiff, das im Nebel stark an die Black Pearl erinnert. Littlefinger, der hier sein Staffel-4-Debüt gibt, wartet dort bereits auf sie und belohnt nebenbei gleich Ser Dontos; statt Gold gibt es allerdings Armbrustbolzen.
Diese Szene hat leider nicht auch nur Ansatzweise dieselbe Wirkung wie die ähnlich gearteten Ereignisse im Roman, weil die ganze Vorarbeit fehlt. Bei Martin verspricht Ser Dontos Sansa, in Littlefingers Auftrag, wie sie allerdings nicht weiß, ihr bei der Flucht zu helfen. Er „inszeniert“ das Ganze nach dem Vorbild eines romantischen Liedes, das Sansa sehr gefällt, in dem der Narr Florian zum Ritter wird und seine geliebte Jonquil rettet. Nach der gelungenen Rettung erfährt sie allerdings, dass Ser Dontos nicht aus Ritterlichkeit, sondern des Goldes wegen gehandelt hat, was ihr Weltbild abermals erschüttert. Da Ser Dontos allerdings erst zwei Folgen zuvor wieder eingeführt wurde, und das Lied von Florian und Jonquil nicht einmal erwähnt wird, fehlt dieser Aspekt leider vollkommen.
Littlefinger selbst hält vom Wohlfühlabstand weniger denn je – leider fehlt mir im deutschen das Äquivalent, denn das Wort „creepy“ beschreibt ihn hier sehr gut. Da Lord Baelish bereits sehr genau über die Details der Violetten Hochzeit bescheid weiß, kann man wohl davon ausgehen, dass er auch in der Serie seine Finger im Spiel hatte – mehr noch, er muss seine Finger im Spiel gehabt haben, damit die Rettung Sansas und die Hochzeit so funktionieren konnten, wie sie es taten.
Margaery dagegen scheint keine Beteiligung am Tod ihres Ehemannes zu haben, ihre Reaktion in der vorangegangenen Episode wirkte authentisch, und das Gespräch mit ihrer Großmutter bestätigt das. Während Margaery die aktuelle Situation eher kritisch sieht, legt Olenna ihrer Enkelin dar, weshalb der Tod Joffreys gut für sie und das Haus Tyrell ist – das Ganze kommt fast schon einem Geständnis gleich: „The next one should be easier.“
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Cersei (Lena Headey) trauert um Joffrey (Jack Gleeson)

Diese Ansicht teilt Lord Tywin, der keine Zeit verliert. Joffrey ist noch nicht einmal begraben, als Tywin bereits damit beginnt, Tommen zu bearbeiten – im Beisein seines toten Bruders und seiner trauernden Mutter. Diese Szene gehört eindeutig mit zu den besten dieser doch eher durchwachsenen Folge, sowohl Dean-Charles Chapman als auch Charles Dance und Lena Heady spielen hier exzellent. Lord Tywin gibt den gelassenen Lehrer und entreißt somit seinen Enkel Cerseis Klauen. Die Intention ist eindeutig: Joffrey war ein verdorbener und schwer zu kontrollierender König, Tommen dagegen wird „weise“ sein und auf seine Ratgeber (sprich: Tywin) hören. Cersei muss das alles (inklusive der unbeschönigten Aussage, dass Joffrey kein guter König war) mitanhören und zusehen, wie ihr Vater ihren Sohn unter seine Fittiche nimmt. Diese wie die folgende Szene sind spezifisch darauf ausgelegt, Cerseis Leid zu zeigen bzw. es zu vergrößern – genau das ist allerdings bei Jaimes und Cerseis kleinem Intermezzo in Baelors Septe der Fehler. Im Grunde genommen ist das Problem ein ähnliches wie bei Ser Dontos: Umfeld und Aufbau der Vorlage fehlen. Zwei kleine Details sind hier signifikant: Im Roman kommt Jaime erst zu diesem Zeitpunkt in King’s Landing an, findet Cersei in der Septe vor und die beiden schlafen miteinander. In der Serie dagegen ist Jaime bereits seit mehren Wochen wieder in der Stadt (wodurch die Situation eine völlig andere ist, es wurde explizit gesagt, dass Cersei Jaime praktisch seit seiner Rückkehr ausgewichen ist) und mehr noch, die Szene wurde eindeutig als Vergewaltigung inszeniert – was bereits einige sehr negative Reaktionen im Fandom nach sich gezogen hat. Während das natürlich Cerseis Leiden in der Tat noch verstärkt (und wohl vor allem in Hinblick auf ihre Charakterisierung geschehen ist), ist es für Jaimes Entwicklung ziemlich kontraproduktiv. Möglicherweise wollten Benioff und Weiss damit zeigen, dass Jaime trotz seiner Wandlung noch immer kein „Guter“ ist, aber dennoch wirkt es irgendwie erzwungen und unpassend. Die Frage, die sich nun stellt, ist, ob dieses Ereignis in Zukunft noch Bedeutung haben wird oder ob man sich entschließt, es einfach zu ignorieren, denn etwas derartiges ist natürlich, sowohl für Jaime und Cersei als auch für deren Verhältnis, enorm einschneidend.
Bald darauf besucht Lord Tywin persönlich Littelfingers Bordell (wie ich sagte, das inoffizielle Zentrum von King’s Landing) und unterbricht Prinz Oberyns kleine Orgie. Charles Dance läuft in dieser Folge wieder zu absoluter Hochform auf, nach der Belehrung Tommens folgt nun dieses Gespräch mit Oberyn, in dem auch Pedro Pascal zeigen darf, dass er der Hand des Königs durchaus das Wasser reichen kann. Wir erfahren nebenbei gleich etwas über Oberyns Vergangenheit und seine Affinität zu Giften, auch wenn sein Spitzname immer noch nicht fällt, und schließlich wird er in den Kleinen Rat und als Richter zu Tyrions Verhandlung berufen. Außerdem zeigt sich, dass Tywin Daenerys und ihre Drachen inzwischen miteinkalkuliert und deshalb die Einigkeit aller Sieben Königslande sucht.
Für Tyrion hat sich die Situation leider nicht verbessert. Nach Shae schickt er nun auch Podrick davon, und das in einer fast schon berührenden Szene. Man kann sich schon ausrechnen, dass dies Podrick dazu veranlassen, sich mit Brienne in der nächsten Folge auf den Weg zu machen.
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Tywin (Charles Dance) und Oberyn (Pedro Pascal) schließen ein wackeliges Bündnis

Auf dem Weg zur Eyrie
Gehörte die letzte Arya/Sandor-Szene zu den Highlights der entsprechenden Folge, ist diese hier eher redundant (vielleicht hängt es auch damit zusammen, dass dieses Mal die Hähnchen fehlen). Jedenfalls bringt die Szene mit dem Bauern und seiner Tochter das ungleiche Duo nicht wirklich weiter, die inhaltliche Aussage gab es in ähnlicher Weise schon öfter, obwohl es ganz amüsant ist, wie Arya sich immer für ihren „Vater“ entschuldigt. In „A Storm of Swords“ liegt Sandor zu diesem Zeitpunkt bereits im Sterben. Man fragt sich unweigerlich, wie es hier weitergeht – ich meine, in einem der Trailer den Titanen von Braavos gesehen zu haben. Möglicherweise gelangt Arya allerdings erst gegen Ende der Staffel (vielleicht in der letzten Folge) nach Essos, weshalb es nun nötig ist, diesen Handlungsstrang auszudehnen. Leider fühlt er sich in dieser Folge auch genau so an.

Castle Black
Auch auf Castle Black verhält es sich ähnlich: Sowohl bei Sam und Gilly als auch bei Jon Snow und dem Rest der Wache bereiten sich Benioff und Weiss auf Dehnungen vor. Die Schlacht um Castle Black kommt den offiziellen Ankündigungen zufolge erst in den letzten beiden Folgen der Staffel, was bedeutet, dass man die betroffenen Figuren irgendwie beschäftigen muss. Aus diesem Grund fürchtet Sam um Gillys Sicherheit (zu viele Vergewaltiger in der Gegend) und bringt Gilly… ausgerechnet ins Bordell nach Molestown. Obwohl Sam darauf besteht, dass es keine zusätzlichen Aufgaben für Gilly neben putzen und kochen gibt, wirkt das Ganze doch ziemlich widersinnig. Ich an Gillys Stelle wäre da auch eher eingeschnappt.
Interessanterweise zeigt sich Alisser Thorne in der folgenden Versammlung dieses Mal beinahe als Stimme der Vernunft. Auch hier bahnen sich Dehnungen an: Edd und Grenn, die Überlebenden vom Gemetzel bei Crasters Keep, kehren zurück (im Buch treffen sie bereits vor Jon Snow, Sam und Gilly ein) und erzählen, dass die Meuterer sich dort eingenistet haben. Da sie Mance Rayder verraten könnten, dass Castle Black völlig unterbesetzt ist, was diesen zum sofortigen Angriff veranlassen könnte, muss man sie möglichst schnell zum Schweigen bringen. Hier bahnt sich eine Beschäftigungstherapie für Jon Snow an – er wird vermutlich nicht längere Zeit in einer Eiszelle verbringen. Es stellt sich die Frage, ob das wirklich nötig ist.

Dragonstone
Auf Dragonstone geht es immerhin ein wenig voran, auch wenn es Stannis viel zu lange dauert, weshalb er ziemlich biestig wird. Die folgende Konversation zwischen Shireen und Davos ist dagegen allerliebst, hier haben wir wieder einmal zwei Figuren, zwischen denen die Chemie einfach stimmt. Wie schon in ihrer Unterhaltung mit Melisandre beweist Stannis‘ Tochter erneut, dass sie eine sehr scharfe Zunge hat. Abermals wird die Eiserne Bank von Braavos erwähnt, und dieses Mal sogar plotrelevant. Die Bank ist dafür bekannt, die Feinde mächtiger Schuldner, die ihr Geld nicht zurückzahlen können, zu finanzieren. Tycho Nestoris taucht eigentlich erst in „A Dance with Dragons“ auf – es ist Cersei und nicht Tywin, die sich weigert, die Schulden des Reiches bei der Eisernen Bank zu bezahlen – und interagiert mit Jon Snow. Aus einem der veröffentlichten Kapitel aus „The Winds of Winter“ ist allerdings bekannt, dass er auch mit Stannis eine Abmachung trifft; vielleicht wird dies vorgezogen.

Auf dem Weg nach Castle Black
Auch bei den Wildlingen gibt es nicht Neues: Die Thenns sind garstig, und selbst Ygritte gibt sich heute ziemlich grimmig und erschießt einfach wehrlose Väter. Es scheint gerade so, als versuche diese Folge, die Zuschauerympathie für Jaime und Ygritte zu zerstören. Nebenbei: Bin ich der einzige, den Styr an Eric Banas Nero aus „Star Trek“ erinnert?

Meereen
Bei Daenerys wird es langsam Zeit für einen Wandel, zum Glück ist Meereen die letzte Stadt, die ihr im Weg steht. Wie Robert Baratheon wird auch Daenerys bald lernen, dass erobern und regieren nicht dasselbe sind.
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Oznak zo Pahl (Daniel Naprous)

Die Armee der Unberührten nimmt Aufstellung, die Meereener sind aber nicht bereit, einfach aufzugeben und wollen, dass die Champions der verfeindeten Fraktionen miteinander kämpfen – sie schicken Oznak zo Pahl (Daniel Naprous), der gleich mal einen guten ersten Eindruck macht, in dem er Daenerys beleidigt und vor ihr pinkelt. Im Buch ist der starke Belwas Daenerys‘ Champion, da dieser in der Serie allerdings nicht vorkommt, übernimmt Daario dieses Aufgabe.
Danys Ansprache stammt ebenfalls nicht von Martin, in „A Storm of Swords“ wird Meereen auf ähnliche Weise erobert wie Yunkai in der Serie, die Stadt wird durch einen Schleichweg infiltriert. Zu diesem Zeitpunkt ist Ser Jorah bereits in Ungnade gefallen und wird nach erfolgreicher Eroberung der Stadt verbannt. In der Serie dagegen gibt es noch kein Anzeichen dafür.
Der Cliffhanger, mit dem diese Episode endet, funktioniert alles in allem ziemlich gut; ich halte es für unwahrscheinlich, dass die eigentliche Eroberung wie im Buch verläuft. Die Sklaven Meereens werden Daenerys wahrscheinlich die Tore öffnen, sodass nicht zwei Städte auf dieselbe Art erobert werden.

Fazit: „Breaker of Chains“ ist eine eher durchwachsene Episode, vor allem wegen der Misscharakterisierung Jaimes und weil die Handlungsstränge, die nicht in King’s Landing spielen, einfach nicht so recht vorankommen. Die bisher schwächste Folge der vierten Staffel.

Game of Thrones Staffel 4:
Two Swords
The Lion and the Rose
Oathkeeper

Siehe auch:
Game of Thrones Staffel 1
Game of Thrones Staffel 2
Game of Thrones Staffel 3