Pirates of the Caribbean: Dead Men Tell No Tales – Soundtrack

Spoiler!
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Track Listing:

01. Dead Men Tell No Tales
02. Salazar
03. No Woman Has Ever Handled My Herschel
04. You Speak of the Trident
05. The Devil’s Triangle
06. Shansa
07. Kill the Filthy Pirate, I’ll Wait
08. The Dying Gull
09. El Matador del Mar
10. Kill the Sparrow
11. She Needs the Sea
12. The Brightest Star in the North
13. I’ve Come With the Butcher’s Bill
14. The Power of the Sea
15. Treasure
16. My Name Is Barbossa
17. Beyond My Beloved Horizon

Nachdem Hans Zimmer bei drei Pirates-Scores federführend war und bei einem zumindest die musikalische Grundlage lieferte, auch wenn sein Name aus vertraglichen Gründen nicht im Abspann des Film stehen durfte, scheint er nun endgültig die Karibik verlassen zu haben. An seiner Statt schwingt nun Geoff Zanelli, ein langjähriger Zimmer-Mitarbeiter, den Taktstock. Zwar hat Zanelli schon bei vielen Filmen zusätzliche Musik geliefert, so komponierte er etwa das Spanier-Thema in „Pirates of the Caribbean: On Stranger Tides“ und arrangierte die Wilhelm-Tell-Ouvertüre für „The Lone Ranger“, „Dead Men Tell No Tales“ dürfte jedoch seine mit Abstand prominenteste Solo-Arbeit sein. Durch die Verpflichtung eines Komponisten aus Zimmers Remote Control Productions bleibt natürlich erst einmal der Sound des Franchise unangetastet, und auch die Themen werden nahtlos weitergeführt, schließlich gehören die Pirates-Filme zu den wenigen, die ein Thema haben, das den meisten Nicht-Filmmusikfans vertraut ist.

Bei einem Film wie diesem hat der Komponist natürlich kaum freie Hand, und so verwundert es kaum, dass Zanelli, bzw. die Regisseure und das Studio, sehr sicher spielen. Tatsächlich spielen sie zu sicher. Bislang versuchte zumindest jedes Pirates-Sequel, die stilistische und instrumentale Palette zu erweitern, im Fall von Teil 2 und 3 sehr erfolgreich, bei Teil 4 eher weniger. Insgesamt leidet dieser Score unter fast denselben Problemen wie die Musik von „On Stranger Tides“: Zu viel Recycling, zu große Liebe zum Temp-Track, zu wenig Variation der bekannten Themen. Wenigstens ein Problem des Vorgängers wurde immerhin beseitigt; „Dead Men Tell No Tales“ hat ein anständiges Album bekommen, das den Score angemessen repräsentiert. Etwas problematischer sind leider Aufnahme und Abmischung, die hier deutlich schlechter ausfallen als bei den Vorgängern, sodass die synthetischen und elektronischen Elemente deutlicher und vor allem unangenehmer herausstechen.

Zusätzlich zu den bereits bekannten Melodien, die ich weiter unten besprechen werde, steuert Zanelli drei neue Themen bei. Das zentrale neue Leitmotiv des Films gilt Carina Smyth; es handelt sich dabei um eine sehnsuchtsvolle Melodie, die oft von den Streichern gespielt wird und vor allem ihre Suche nach ihrem Vater repräsentiert. Carinas Thema passt recht gut zum anderen romantischen Material der Filmreihe, tut sich mit der Eigenständigkeit aber etwas schwer. Sein Debüt feiert dieses Thema bereits im ersten Track, Dead Men Tell No Tales, direkt am Anfang – es ist die erste Musik, die im Film zu hören ist. Auch sonst ist es prominent vertreten, in No Woman Has Ever Handled my Herschel ist eine positivere Variation zu hören, in The Brightest Star in the North erklingt die imposanteste Version, hier schöpft das Thema sein Potential aus. Die Stellung als de facto Hauptthema dieses Films wird durch das Abspannstück Beyond my Beloved Horizon unterstrichen, hier erklingt es prominent direkt nach dem obligatorischen Einsatz von He’s a Pirate.

Das zweite neue Thema gilt dem von Javier Bardem gespielten Captain Armando Salazar. Hier verfremdet und manipuliert Zanelli alle möglichen Instrumente, darunter diverse Holzbläser, E-Gitarre und Cello. Unglücklicherweise sind die Noten, die diese bearbeiteten Instrumente spielen, fast dieselben, aus denen Blackbeards Thema in „On Stranger Tides“ besteht. Salazars Thema mag noch harscher und unangenehmer klingen, aber es ist dennoch im Grunde dasselbe Thema und hat mich bereits im Kino fürchterlich irritiert, da ich jedes Mal einen Auftritt von Ian McShane erwartet habe. Wenn Zanelli schon ein Thema aus „On Stranger Tides“ für Salazar recycelt, wäre doch sein eigenes Spanier-Thema weitaus besser geeignet, schließlich jagte Salazar einmal für die spanische Krone Piraten. Wie dem auch sei, Salazars Thema ist ebenfalls sehr dominant und taucht zum ersten Mal im Track Salazar auf, erklingt aber auch prominent in The Devil’s Triangle, El Matador del Mar sowie I’ve Come with the Butcher’s Bill, The Power of the Sea und Treasure, den drei Tracks, die das Finale untermalen.

Und schließlich hätten wir da als drittes noch ein neues Action/Abenteuer-Thema, das ein wenig an He’s a Pirate erinnert und in der zweiten Hälfte von No Woman Has Ever Handled my Herschel zum ersten Mal zu hören ist. Weitere prominente Einsätze finden sich in Kill the Filthy Pirate, I’ll Wait, Kill the Sparrow und I’ve Come with the Butcher’s Bill. Allzu viel gibt es über dieses Thema nicht zu sagen. Insgesamt fällt, wie bereits erwähnt, ein gewisser Mangel an Variation dieser Themen auf. Carinas Thema ist diesbezüglich noch am besten, aber schon Salazars Thema hätte durchaus etwas mehr Abwechslung vertragen können und das neue Abenteuer-Thema ist zwar sehr unterhaltsam, hat aber kaum erzählerischen Mehrwert und klingt fast immer gleich.

Und nun zu den alten Themen: Eine ganze Menge kehrt zurück, mitunter sind die Rückkehrer aber ein wenig problematisch, da „Dead Men Tell No Tales“ in mancher Hinsicht dort weitermacht, wo „On Stranger Tides“ aufhörte: Bekannte Themen werden umgedeutet. Ich bin nicht pauschal gegen derartige Maßnahmen, wenn es erzählerisch Sinn ergibt (man denke nur an Smaugs Thema im dritten Hobbit-Film, das auf den an der Drachenkrankheit leidenden Thorin übergeht) aber gerade in den Pirates-Filmen wirken derartige Umdeutungen oft unmotiviert und tragen dazu bei, dass sich die Scores der Filme 4 und 5 sehr recycelt anfühlen.

Nun denn, wie nicht anders zu erwarten kehrt He’s a Pirate zurück, eröffnet wie gewohnt den Abspann (Beyond my Beloved Horizon) und ist auch in einigen Action-Szenen vertreten (am Ende von No Woman Has Ever Handled my Herschel und, besonders bombastisch, im letzten Drittel von El Matador del Mar). Die Jack-Sparrow-Themen dürfen natürlich ebenfalls nicht fehlen, besonders Jacks heroisches Thema hat es Zanelli (oder den Regisseuren) angetan; es scheint hier fast Jacks primäre thematische Repräsentation zu sein, was ich etwas merkwürdig finde. In den ersten vier Filmen wurde es primär für parodistische Zwecke verwendet und kontrapunktiere oft absurde Situationen: Jack steht auf einem absaufenden Boot, Jack befreit sich aus einem Sarg und benutzt die Knochen als Ruder oder er distanziert sich in Davy Jones Reich von einer Horde Doppelgänger. Besagtes heroisches Thema taucht unter anderem in der Mitte von No Woman Has Ever Handled my Herschel und am Ende von El Matador del Mar auf, wird in She Needs the Sea gleich zwei Mal angespielt, und ist auch am Ende von Treasure und My Name is Barbossa vertreten.

Und dann wären da noch die tatsächlichen Umdeutungen. Wie schon in „On Stranger Tides“ wird Becketts Thema hier verwendet, um die Briten, dieses Mal angeführt von David Wenham, insgesamt zu repräsentieren, es taucht jedoch nur ein oder zwei Mal eher subtil auf, u.a. am Anfang von I’ve Come with the Butcher’s Bill als Ostinato. Es besteht natürlich die Möglichkeit, wie bei jeder Umdeutung, dass das in diesem Zusammenhang die Themen nicht wirklich repräsentativ sind und erzählerische Funktion haben, sondern lediglich gespielt werden, weil Regisseure und Cutter der Meinung waren, sie würden an dieser Stelle gut passen und sich nicht vom Temp Track lösen konnten. Wie dem auch sei, eine Umdeutung finde ich sogar relativ clever: Das Liebesthema aus „At World’s End“, speziell die Variation aus dem Stück Up Is Down, fungiert in diesem als Thema für Henry Turner, was ich durchaus passend finde. Die entsprechenden Einsätze sind in Kill the Filthy Pirates, I’ll Wait zu hören. Ein kompletter Einsatz aller Phrasen erklingt darüber hinaus am Ende von My Name Is Barossa, ebenso wie das Liebesthema aus Teil 1 (wer da wohl wiedervereint wird?).

Schließlich gibt es noch eine Umdeutung, die mich höchst zwiegespalten zurücklässt. In „Dead Men Tell No Tales“ taucht tatsächlich mein Lieblingsthema dieses Franchise, ach, was sage ich, Hans Zimmers beste Komposition überhaupt auf: Hoist the Colours. Zwei Mal taucht dieses Thema in Zanellis Score auf, einmal eingewoben in die Action-Musik von Kill the Filthy Pirates, I’ll Wait, und einmal in The Dying Gull, wobei dieser Track quasi ausschließlich aus Hoist the Colours besteht. Ich bin ja nun wirklich der allerletzt, der sich über ein Vorkommen dieses Themas beschwert, und ich war hocherfreut, als ich es auf dem Album (noch vor Kinobesuch) hörte. Aber der Kontext ist fragwürdig. Der erste Einsatz untermalt Jacks abgehalfterte Crew, während die zweite den Aufbruch mit der Dying Gull, Jacks aktuellem marodem Schiff begleitet. Hoist the Colours, die Hymne der Bruderschaft, dient hier als parodistisch-kontrapunktierendes Thema, was ich nicht besonders gelungen finde – dazu ist dieses Thema zu gut. In „At World’s End“ gab es zwar „komische“ Variationen, aber es wurde immer ehrlich und nie parodierend verwendet.

Dennoch sind die beiden Stücke für mich ohne Zweifel die Highlights des Albums, zusammen mit El Matador del Mar und The Brightest Star in the North. Nach diesem Track folgen primär Actionstücke, diese erreichen allerdings nie die flüssige Eleganz von Kill the Filthy Pirates, I’ll Wait, werden zunehmend gleichförmig und führen fast schon zu Ermüdungserscheinungen. Auch die düster-atmosphärischen Stücke, etwa Shansa oder You Speak of the Trident sind wenig bemerkenswert.

Fazit: Geoff Zanellis erster Solo-Pirates-Score hat durchaus seine Highlights, aber auch einige massive Schwächen; der Recyling-Faktor ist sehr hoch, der Grad an Variation bekannter oder neuer Themen eher niedrig. Zanellis Arbeit ist kein völliger Reinfall und weiß streckenweise durchaus zu unterhalten, aber von „At World’s End“, dem Goldstandard dieses Franchise, ist „Dead Men Tell No Tales“ weit entfernt.

Bildquelle

Siehe auch:
Pirates of the Caribbean: Dead Men Tell No Tales
Hoist the Colours

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300: Rise of an Empire

kinopoisk.ru
Story: Nicht nur die Spartaner kämpfen gegen die Perser. Parallel zur Schlacht um die Thermophylen stehen sich die Flotten von Athen und Persien gegenüber. Die Athener werden dabei von Themistokles (Sullivan Stapleton) angeführt, der zehn Jahre zuvor Dareios (Yigal Naor), den Vater des Perserkönigs Xerxes (Rodrigo Santoro) bei der Schlacht um Marathon getötet hat, während die Perser von der Griechin Artemisia (Eva Green) angeführt werden. In der Schlacht von Salamis stehen sich beide Widersacher schließlich zum letzten Gefecht gegenüber…

Kritik:
Die Filmadaption von Frank Millers „300“ ist der Inbegriff von „Style over Substance“, und gibt darüber hinaus ein formidables Guilty Pleasure ab. Einerseits war es angesichts des Erfolgs nur eine Frage der Zeit, bis „300“ in irgendeiner Form fortgesetzt wurde, andererseits gab es dafür allerdings verhältnismäßig wenig Möglichkeiten, da nun einmal fast alle Hauptfiguren am Ende des Films sterben. Vielleicht hätte man die Schlacht von Plataiai inszenieren können, mit der „300“ endet, allerdings entschied man sich schließlich für einen anderen Weg.
„300: Rise of an Empire“ ist nun weder Sequel noch Prequel, sondern beides zusammen. Die Handlung des Films erzählt sowohl die Vorgeschichte von „300“, spielt parallel dazu und endet danach. Da Zack Snyder nun verstärkt in die Verfilmung des DC-Universums eingebunden ist, fungierte er bei „300: Rise of an Empire“ nicht mehr als Regisseur, sondern nur noch als Produzent und Drehbuchautor. An seiner statt nahm Noam Murro im Regiestuhl platz. Abermals dient ein Comic von Frank Miller als Vorlage, dieses Mal der bisher unveröffentlichte „Xerxes“.
Letztendlich findet sich bei der 300-Fortsetzung erst einmal mehr vom Selben – kaum jemand hätte wohl so etwas wie Tiefgründigkeit, gelungene Dialoge oder gut ausgearbeitete Figuren erwartet. Stattdessen gibt es, wie schon im Vorgänger, blutige Kämpfe und eine dichte Atmosphäre. Wie bei Fortsetzungen üblich muss alles noch größer und opulenter sein. Dennoch lässt sich nicht leugnen: Während der 300-Look 2007 neu war, hat man sich inzwischen an ihn gewöhnt, nicht zuletzt, weil sich andere Filme und Serien, etwa „Spartacus“, eines ähnlichen Designs bedienen.
In einem Punkt ist „300: Rise of an Empire“ seinem Vorgänger allerdings eindeutig überlegen. Der von Rodrigo Santoro gespielte Xerxes, der auch in diesem Film wieder vorkommt, war und ist als Antagonist ziemlich langweilig. „Rise of an Empire“ enthüllt nun allerdings, dass Artemisia, dargestellt von Eva Green, die eigentliche Kraft hinter Xerxes‘ Thron ist. Als Schurkin des Films macht sie eine weitaus bessere Figur als der in Gold gewandete Gottkönig, vor allem natürlich wegen Eva Green, die beim spielen von Artemisia sichtlich Spaß hat. Die Drehbuchautoren haben ihr sogar einen tragischen Hintergrund verpasst, der zwar relativ klischeehaft ist, aber halbwegs gut funktioniert.
Ähnliches lässt sich leider nicht über Themistokles sagen: Sullivan Stapleton fehlt es an Gerard Butlers Charisma, die Figur ist schlicht uninteressant.
Neben diesen beiden Neuzugängen kehrt fast der gesamte Cast des Vorgängers in kleineren Rollen zurück, sowohl David Wenham als auch Lena Heady und Andrew Tiernan sind wieder zu sehen, um den Zuschauer daran zu erinnern, welche Fortsetzung er da anschaut. Darüber hinaus schaut der Film immer mal wieder bei den Thermophylen vorbei, er beginnt sogar damit, dass Xerxes Leonidas‘ Leiche köpft.
Obwohl „Rise of an Empire“ dem Design des ersten Films ziemlich treu bleibt, wurden doch die Fantasy-Elemente stark zurückgeschraubt. Von Xerxes‘ Goldbad in einem Rückblick einmal abgesehen sind sie nämlich kaum vorhanden, dieses Mal kämpfen ausschließlich Menschen für die persische Armee und keine Orks. Selbst Ephialtes wirkt weniger entstellt als noch in „300“. Gerade dies hat allerdings auch zur Folge, dass dem Sequel einiges vom Charme des Originals abgeht. Insgesamt ist die Action zwar noch blutiger, dafür aber weniger kreativ, was sich wiederum negativ auf das Gesamtbild auswirkt: Obwohl „Rise of an Empire“ nun wirklich kein langer Film ist – nur knapp über eineinhalb Stunden und damit eine Viertelstunde kürzer als „300“ – gibt es in der Mitte doch merkliche Längen, was bei einem Film dieses Genres einfach nicht sein sollte.
Die Filmmusik stammt dieses Mal vom holländischen Komponisten Tom Holkenborg (alias Junkie XL), einem weiteren Zögling von Hans Zimmer, der bereits für „The Dark Knight Rises“ und „Man of Steel“ zusätzliche Musik lieferte und wohl von Zack Snyder empfohlen wurde. Der Soundtrack klingt in der Tat wie „Man of Steel“, erweitert um einige exotische Elemente und den für in der Antike spielende Filme obligatorischen Klagegesang. Traurigerweise ist die Musik immer noch origineller als Tyler Bates‘ Score für „300“, allerdings nur ein wenig.
Fazit: Das Beste an „300: Rise of an Empire“ ist eindeutig Eva Green. Ansonsten: Wer mit „300“ schon nichts anfangen konnte, dem wird die Fortsetzung sicher nicht gefallen, wer nicht genug vom Stil des Erstlings bekommen kann, dem dürfte der Film zusagen, und wer „300“ nur „ganz nett“ fand, kann sich „Rise of an Empire“ eigentlich sparen, es sei denn, man ist Eva-Green-Fan.

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