The Book of Boba Fett

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Boba Fett ist zweifellos eine der beliebtesten Nebenfiguren des Franchise, bereits in „The Empire Strikes Back“ wusste der enigmatische Kopfgeldjäger viele Fans von sich einzunehmen. Über die Jahre hinweg versorgten Romane und Comics das Fandom mit mehr Fett, u.a. wurde in der Comicserie „Dark Empire“, verfasst vom kürzlich verstorbenen Tom Veitch und bebildert von Cam Kennedy, enthüllt, dass Boba seinen eher unrühmlichen Tod in „Return of the Jedi“ überlebt hatte. Mit „Attack of the Clones“ verpasste ihm George Lucas schließlich einen Hintergrund, der sich sehr von dem unterschied, was diverse EU-Autoren zuvor über seine Vergangenheit berichtet hatten. Dass Disney sich Boba Fetts Popularität nicht entgehen lassen würde, war von Anfang an ziemlich klar. Lange wurde spekuliert, bei dem Anthologie-Film, bei dem Josh Trank Regie führen sollte, handle es sich um einen Boba-Fett-Film. Sein Live-Action-Debüt in einem Disney-Projekt feierte Boba schließlich in der zweiten Staffel von „The Mandalorian“, gespielt von Jango-Fett-Darsteller Temuera Morrison. Dieselbe Staffel teaserte am Ende auch die zweite Star-Wars-Realserie „The Book of Boba Fett“ an. Und hier sind wir also: Die komplette erste Staffel (ob es eine zweite geben wird steht aktuell noch nicht fest) ist komplett auf Disney+ anschaubar und umfasst sieben Episoden.

Handlung
Nachdem Boba Fett (Temuera Morrison) seine Rüstung zurückbekommen hat, kehrt er zusammen mit Fennec Shand (Ming-Na Wen) nach Tatooine zurück und übernimmt Jabbas altes Territorium. Damit ist es aber nicht getan, als neuer Daimyo muss er sich erst einmal einen Namen machen und Verbündete finden, denn nur mit Fennec und Jabbas altem Folterdroiden 8D8 (Matt Berry) wird er nicht allzu weit kommen. Während einige einflussreiche Einwohner der nahe gelegenen Stadt Mos Espa, etwa die Cantinabesitzerin Garsa Fwip (Jennifer Beals) Bobas Anspruch akzeptieren, sind andere wie beispielsweise der Bürgermeister Mok Shaiz (Robert Rodriguez) und sein Twi’lek-Handlanger (David Pasquesi) weit weniger einsichtig. Zudem haben diverse Parteien ein gesteigertes Interesse an Tatooine, darunter die Spice schmuggelnden Pykes und die Zwillinge, zwei Hutts aus Jabbas Verwandtschaft. Verbündete findet Boba in zwei Gamorreanern, die zuvor für Jabba und Bib Fortuna arbeiteten, dem Wookiee Black Krrsantan (Carey Jones) und den Mitgliedern einer Cyborg-Gang.

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Boba Fett (Temuera Morrison)

Während sich Boba Fetts Syndikat und die Pykes für den Krieg gegeneinander rüsten, erfahren wir in Rückblicken, was sich in der Zeit zwischen „Return of the Jedi“ und Bobas Auftauchen in der zweiten Mandalorian-Staffel ereignet hat: Nachdem er sich aus dem Sarlacc retten kann, wird Boba von einer Gruppe Tusken gefangen genommen, deren Respekt er nach und nach erringt und der er hilft, gegen die Agenten der Pykes zu kämpfen. So wird Boba Teil des Stammes, doch die Zugehörigkeit hält nicht lange an, denn die Tusken werden augelöscht. So muss Boba nun eine neue Bestimmung finden. Nachdem er Fennec Shand davor rettet, in der Wüste zu sterben, beginnt sich ein Plan zu formen: Warum nicht Jabbas altes Imperium übernehmen?

Konzeption und Struktur
Mehr noch als „The Mandalorian“ arbeitet „The Book of Boba Fett” die Western-Elemente von Star Wars heraus, zusätzlich hat die zweite Star-Wars-Serie allerdings auch einen deutlich erhöhten Pulp-Faktor, der sich auf diese Weise im etwas geerdeteren „The Mandalorian“ nicht findet. Rückblickend betrachtet scheint es mir aber besonders eine Inspirationsquelle zu geben, die in der Rezeption allerdings eher selten erwähnt wird (Ming-Na Wen selbst verwies in einem Interview allerdings auf die Parallelen): Francis Ford Coppolas „The Godfather“ und „The Godfather Part II“ scheinen in mehr als einer Hinsicht (Achtung, schlechtes Wortspiel) Pate gestanden zu haben – und das nicht nur, weil Boba sich hier als Gangster statt als Kopfgeldjäger versucht. Gerade die Flashback-Struktur, derer sich die ersten vier Episoden bedienen, erinnert stark an „The Godfather Part II“, die Beziehung zwischen Boba und Fennec Shand hat Parallelen zu der zwischen Vito Corleone und Luca Brasi und letztendlich ist Vito Corleone das, was Boba Fett am Ende werden will bzw. werden soll: Der Gangsterboss, der mit Respekt herrscht. Wenn Boba in der finalen Szene durch die Straßen Mos Espas schlendert und von alle begrüßt wird, erinnert das unweigerlich sowohl an Don Fanucci als auch an Vito Corleone in den Rückblicken in „The Godfather Part II“.

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Fennec Shand (Ming-Na Wen)

Leider funktioniert diese Herangehensweise hier nicht wirklich. Man verstehe mich nicht falsch: Ich habe es durchaus genossen, „The Book of Boba Fett“ anzusehen, ich habe mich nicht gelangweilt und hatte meinen Spaß mit der Serie, da sie viele coole Elemente und sehenswerte Bestandteile hat. Letztendlich ist „The Book of Boba Fett“ aber ein Werk, das nie über die Summe seiner Einzelteile hinauswächst und, anders als „The Mandalorian“, nie wirklich zusammenfindet. Mir erscheint es fast ein wenig, als wäre das Konzept dieser Serie als fixe Idee im Writers‘ Room entstanden: „Wäre es nicht cool, aus Boba Fett Vito Corleone zu machen?“, hätte dann aber nicht die entsprechenden Anpassungen erhalten. Das beginnt bereits bei der Ausführung dieser Idee, da nie völlig klar wird, wie Boba sein Vorhaben eigentlich wirklich durchzuführen gedenkt bzw. wie die kriminelle Unterwelt von Tatooine diesbezüglich funktioniert. Zu Beginn besteht Bobas „Organisation“ nur aus Fennec Shand und Jabbas altem Folterdroiden (was für eine Verschwendung des komödiantischen Talents von Matt Berry) – hat er Anspruch auf Jabbes altes Imperium, nur weil er Bib Fortuna getötet und sich im Palast breitgemacht hat? Immerhin erkennen ja einige der Bewohner von Mos Espa Bobas Autorität an, nur, weshalb?

Hinzu kommen einige massive erzählerische Probleme. Ich kann verstehen, weshalb man die Flashback-Struktur für die ersten vier Folgen wählte: Einerseits wollte man direkt an die Mid-Credits-Szene aus der zweiten Mandalorian-Staffel anknüpfen, andererseits aber auch erzählen, was zwischen „Return of the Jedi“ und „The Mandalorian“ geschehen ist. Aber auch hier will alles nicht so recht zusammenfinden, nicht zuletzt, weil es den Flashbacks nicht wirklich gelingt, zu vermitteln, dass sie eine Zeit von fünf Jahren abdecken – die Einteilung bleibt relativ schwammig, es gibt keinen Indikator dafür, wie lange Boba beispielsweise bei den Tusken war. Zudem haftet der Strukturierung der Flashbacks eine gewisse Willkür an. Das Idealbeispiel für eine derartige Struktur ist neben „The Godfather Part II“ für mich immer „Batman Begins“ wo die Rückblicke stets Fragen beantworten, die in der Gegenwartshandlung zuvor aufgeworfen werden.

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Garsa Fwip (Jennifer Beals)

Und dann ist da natürlich noch der Umstand, dass „The Book of Boba Fett“ nach vier Folgen und dem Abschluss der Flashback-Handlung temporär jegliches Interesse am Protagonisten und seinem Wirken verliert und uns stattdessen gefühlt zwei Folgen aus der dritten Staffel von „The Mandalorian“ zeigt; in der fünften Folge kommt Boba überhaupt nicht vor, in der sechsten hat er das, was man gerne als „non speaking cameo“ bezeichnet – und das in seiner eigenen Serie. Die finale siebte Folge schließlich, in der die Schlacht um Mos Espa gezeigt wird, zeigt die Probleme der Serie noch einmal kondensiert: Wie die gesamte Staffel hat auch diese Abschlussfolge viele coole Ideen, seien es die Scorpenek-Droiden oder der Rancor in Aktion, in letzter Konsequenz will aber alles nicht so recht zusammenfinden, was zum Teil auch an der Regieführung liegt – hier schwankt die Serie mitunter stark. Gerade die inszenatorischen Schwächen der siebten Folge, die den Titel „In the Name of Honor“ trägt, hat mal wieder zu Übersprungshandlungen bei Star-Wars-Fans geführt, die per Petition erreichen wollten, dass Robert Rodriguez nie wieder im Franchise aktiv wird. So idiotisch ich derartige Reaktionen auch finde, Rodriguez‘ Folgen (eins, drei und sieben) waren definitiv die schwächeren dieser Staffel, und auch der sehr unfokussierten sechsten Folge, „From the Desert Comes a Stranger“, merkt man an, dass Dave Filoni im Regie-Bereich noch das eine oder andere lernen muss. Die diesbezüglich stärksten Folgen waren zweifelsohne Kapitel 2, „The Tribes of Tatooine“ von Steph Green und Kapitel 5, „Return of the Mandalorian“ von Bryce Dallas Howard. Letztere hat auch in den beiden Mandalorian-Staffeln sehr gute Arbeit geleistet und ein gewisses Händchen für die weit, weit entfernte Galaxis bewiesen; vielleicht wäre sie eine gute Kandidatin für einen wie auch immer gearteten Star-Wars-Film.

Boba und das Ensemble
Boba Fetts Charakterisierung war über die verschiedenen Medien hinweg nie besonders kohärent. Die Figur, wie sie in Episode V und VI auftaucht, gibt einem als Autor, der den Kopfgeldjäger weiterentwickeln soll, auch nicht allzu viel an die Hand. Selbst vor Episode II war seine Persönlichkeit über das Badasstum hinaus nicht unbedingt konsistent, mitunter wurden ihm sogar zolibatäre Tendenzen angedichtet. Nach „Attack of the Clones“ konzentrierte man sich in den Legends-Romanen und -Comics stärker auf Boba als Träger des mandalorianischen Vermächtnisses von Jango, er erhielt nicht nur eine Jugendbuchserie, die schildert, wie er mit dem Tod seines Vater umgeht und die Klonkriege erlebt, in der Buchreihe „Legacy of the Force“ macht ihn Autorin Karen Traviss gar auf seine alten Tage zum neuen Mandalore. „The Book of Boba Fett“ möchte uns nun einen Boba zeigen, der nach dem Ausflug in den Sarlacc endgültig genug davon hat, sich als Kopfgeldjäger seine Brötchen zu verdienen. Von seinem Tusken-Stamm lernt er den Wert der Gemeinschaft, um anschließend als ehrbarer Gangsterboss Mos Espa bzw. Tatooine (wie groß genau sein Einflussgebiet nun ist, wird nicht definiert) zu kontrollieren. Ob diese Entwicklung konzeptionell zu dem rücksichtslosen Kopfgeldjäger, den wir in Episode V kennen lernen, oder den vorherigen Darstellungen passt, ist sicher diskutabel, aber selbst wenn wir davon ausgehen, scheitert „The Book of Boba Fett“ letztendlich an der Umsetzung. Für mich persönlich ist Bobas Entwicklung einerseits zu plakativ und andererseits nicht unbedingt nachvollziehbar, was primär an der unsauberen Erzählweise liegt. In welche Richtung das gehen soll, zeigt sich bereits in Kapitel 2, und allein von dieser Folge ausgehend hätte das auch funktionieren können, hätte man nicht beschlossen, in den Schnellvorlauf zu gehen und die Tusken gleich in der nächsten Episode offscreen niederzumetzeln. Vielleicht wäre es besser gewesen, den Stamm stattdessen zur Grundlage von Bobas kriminellem Imperium zu machen. Erschwerend hinzu kommt Bobas schiere Naivität und Blauäugigkeit in der Gegenwartshandlung: Wie genau hat er sich seinen Weg zur Macht eigentlich vorgestellt? Selbst nachdem er zwei Gamorreaner auf seine Seite gebracht hat, ist er allen anderen Fraktionen nach wie vor gnadenlos unterlegen, ein erstes Attentat überlebt er durch schieres Glück. Boba scheint einfach nicht das zu haben, was man als Gangsterboss braucht, sowohl im Bezug auf Verstand als auch auf Rücksichtslosigkeit. Ich denke, hier liegt ein Problem vor, dass viele Geschichten haben, die vorgeben, einen Antihelden oder Schurken als Protagonisten zu haben: Die kreativen Köpfe haben Angst davor, zu weit zu gehen und ihr Publikum zu entfremden. Egal ob Maleficent im nach ihr benannten Film oder Dracula in „Dracula Untold“, beide Filme haben dasselbe Problem wie „The Book of Boba Fett“. Selbst die rücksichtslose Brutalität, mit der Boba in der zweiten Mandalorian-Staffel gegen die Sturmtruppen vorging, findet sich hier nicht. So ungern ich das sage, Boba Fett ist in seiner eigenen Serie einfach zu nett. Erschwerend hinzu kommt der Umstand, dass wir keinen wirklich Einblick in Bobas Charakter vor dem Sturz in den Sarlacc erhalten und so nicht einmal ein wirkungsvoller Kontrast etabliert wird – die Serie verlässt sich fast ausschließlich auf seinen im Fandom vorherrschenden Ruf.

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Black Krrsantan (Carey Jones)

Die Charakterisierung der anderen Figuren lässt leider ebenfalls zu wünschen übrig. Wie bereits erwähnt stellt „The Book of Boba Fett“, gerade im Figurenbereich, eine Reihe wirklich cooler Konzepte vor, arbeitet sie dann aber kaum aus. Dafür, dass Fennec Shand beispielsweise neben Boba eigentlich die zentrale Figur der Serie ist, erfahren wir kaum mehr über sie, als wir aus ihren Auftritten in „The Mandalorian“ ohnehin schon wissen. Zudem bleibt ihre Beziehung zu Boba merkwürdig undefiniert. Mina-Na Wen tut mit dem Material, das sie bekommt, was sie kann, aber es ist einfach nicht besonders viel. Mit dem Wookiee Black Krrsantan, den Cyborg-Bikern oder dem von Danny Trejo gespielten Rancor-Trainer verhält es sich sehr ähnlich. Überall wäre sehr viel Potential vorhanden, aber Dave Filoni, Jon Favreau und Robert Rodriguez belassen es bei einer sehr oberflächlichen Ausarbeitung.

Noch schwerer wiegt der Mangel an wirklich eindringlichen Antagonisten – Bobas Feinde bleiben über weite Strecken undefiniert und gesichtslos. Zu Beginn scheinen die beiden Hutt-Zwillinge die primären Antagonisten zu sein, das hat sich aber nach ihrem zweiten Auftritt bereits wieder erledigt. Die Pykes, die wir bereits aus „The Clone Wars“ und „Solo“ kennen, rücken schließlich als die Unterweltfraktion an, die das größte Interesse an Tatooine hat, liefern aber kein wirkliches Gesicht mit: Weder der Bürgermeister von Mos Espa, noch der Sprecher des Syndikats eignen sich wirklich als funktionierender Antagonist. Natürlich ist da noch Cad Bane (Corey Burton), doch dieser taucht viel zu spät und zu wenig auf, um in dieser Rolle funktionieren zu können. Durch diese Gesichtslosigkeit verliert Bobas Sieg am Ende an Bedeutung. Es hätten ja nicht gleich Qi’ra und Crimson Dawn sein müssen, die sich viele Fans in dieser Rolle gewünscht haben, aber irgendjemand, der frühzeitig als funktionierender Antagonist aufgebaut worden wäre, hätte der Serie gut getan.

Mandalorian Staffel 2,5? Verordnung im Franchise
Manchmal könnte man fast den Eindruck bekommen, Filoni, Favreau und Rodriguez ging es weniger darum, tatsächlich eine Geschichte mit Boba Fett zu erzählen, sondern stattdessen eine ganze Menge an Vorarbeit für künftige Serien zu leisten. Die visuell extrem beeindruckende Ringwelt Glavis etwa wirkt für ihr kurzes Vorkommen in der fünften Folge beispielsweise zu aufwendig, weshalb wohl davon auszugehen ist, dass sie auch in zukünftigen Projekten wieder auftauchen wird. Neben derartiger Vorarbeit finden sich auch viele Rückbezüge. Im Guten wie im Schlechten ist „The Book of Boba Fett“ stark im Franchise verwurzelt. Prinzipiell ist das erst einmal positiv, gerade im Vergleich zur Sequel-Trilogie, wo man konstant versuchte, das Rad neu zu erfinden, anstatt sich existierender Ressourcen zu bedienen. Dass die Macher der Disney-Serien sehr wohl sowohl mit dem alten als auch dem neuen Kanon vertraut sind und keine Hemmungen haben, sich daraus zu bedienen, zeigt sich immer wieder, von subtilen Verweisen auf Comics aus den frühen 2000ern, etwa „Jango Fett: Open Season“ in „The Mandalorian“ Staffel 2 oder hier nun „Outlander“, bis hin zur Umsetzung von Figuren, die bislang nur in Romanen, Comics oder Animation auftauchten. Cobb Vanth (aus Chuck Wendigs Aftermath-Trilogie, gespielt von Timothy Olyphant) und Ahsoka (aus „The Clone Wars“ und „Rebels“, gespielt von Rosario Dawson) tauchten beide bereits in „The Mandalorian“ auf und dürfen auch in „The Book of Boba Fett“ vorbeischauen, zusätzlich gesellen sich nun Black Krrsantan (aus diversen Comics) und Cad Bane („The Clone Wars“) dazu – und ich bin sicher, dass wir beide nicht zum letzten Mal gesehen haben. Auch darüber hinaus ist die Liebe zum Detail wirklich beeindruckend. So taucht in der zweiten Episode beispielsweise die in Episode IV erwähnte Tosche Station auf, bei der es sich tatsächlich um eine exakte Nachbildung des Sets handelt, das in einer geschnittenen Szene aus „A New Hope“ zu sehen ist. Das nenne ich Hingabe.

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Cad Bane (Corey Burton)

Leider kompensiert das nicht den Bruch nach den ersten vier Folgen. Man verstehe mich nicht falsch, die fünfte Folge, „Return of the Mandalorian“, ist zusammen mit der zweiten die beste der Staffel und besticht durch wirklich gelungene Regiearbeit von Bryce Dallas Howard und vielleicht eine Spur zu viel Fanservice (andererseits: viel Prequel-Liebe), aber in einer Serie mit dem Titel „The Book of Boba Fett“ ist eine Folge, die wunderbar als Auftakt für die dritte Mandalorian-Staffel hätte fungieren können, irgendwie fehl am Platz. Und wenn dann die darauffolgende Episode nochmal ihren Fokus auf Din Djarin (Pedro Pascal) legt und es zudem Auftritte von Grogu, Luke Skywalker (mit verbessertem, aber noch nicht optimalem CGI-Gesicht) und Ahsoka gibt, während der eigentliche Protagonist auf ein stummes Cameo reduziert wird, dann stimmt etwas ganz und gar nicht. Spätestens hier wird man den Eindruck nicht los, dass „The Book of Boba Fett“ letztendlich „The Mandalorian“ Staffel 2,5 ist und in erster Linie dazu dient, Dinge für Kommendes vorzubereiten. Offenbar wollte man zum Auftakt der tatsächlichen dritten Staffel Din und Grogu bereits wieder als Duo zeigen, weshalb ihre Wiedervereinigung als B-Plot ins Finale gepackt wird. All das lenkt nicht nur die Aufmerksamkeit von Boba Fett ab, sondern sorgt gleichzeitig dafür, dass auch die Mandalorian-Aspekte nicht ausreichend gewürdigt und eher „nebenbei“ abgearbeitet werden. Gerade das Auftauchen von Luke, Ahsoka und Grogu halte ich hier für höchst kontraproduktiv, da ihre Auftritte automatisch alles überschatten.

Soundtrack

Beim Soundtrack haben wir eine ähnliche Situation wie bei „Solo: A Star Wars Story“: Ludwig Göransson, der die Scores der beiden Mandalorian-Staffeln komponierte, steuerte ein Thema für die Titelfigur bei, während ein anderer Komponist, in diesem Fall der mir bislang unbekannte Joseph Shirley, der wohl vor allem als „Score Programmer“ (was auch immer das sein mag) an diversen Göransson-Scores mitarbeitete und dort auch zusätzliche Musik lieferte, die Ausgestaltung übernahm. Das Ergebnis ist leider bei weitem nicht so überzeugend wie John Powells Solo-Score: Wie nicht anders zu erwarten orientiert sich Shirley sehr stark am von Göransson kreierten Mandalorian-Sound, lieferte aber eine, man möchte fast sagen, verwässerte Version davon – im Guten wie im Schlechten weniger experimentell, aber auch weniger markant, zumindest abseits des Hauptthemas, das ein ziemlich eingängiger Ohrwurm ist, auch wenn ich mir nicht sicher bin, ob es wirklich zu Boba Fett passt. Göranssons Mandalorian-Thema taucht zusammen mit Din Djarin natürlich ebenfalls auf und zudem dürfen zwei Williams-Themen in der sechsten Episode Gastauftritte absolvieren, während Grogus Training erklingen sowohl Yodas Thema als auch das Machtthema. Ohnehin rückt die Musik, die wir während des Aufenthalts auf Lukes bislang namenlosem Akademie-Planeten hören, stilistisch deutlich näher an Williams heran. Es ist allerdings schade, dass Williams‘ ursprüngliches Boba-Fett-Motiv aus „The Empire Strikes Back“ nicht ein einziges Mal erklingt, das wäre wirklich ein nettes musikalisches Easter Egg gewesen.

Fazit: Während „The Book of Boba Fett” viele coole Elemente, Figuren und Ideen hat, kommt das alles doch nie zu einem großen Ganzen zusammen. Strukturelle und erzählerische Probleme sowie die unausgegorene Entwicklung der Titelfigur und zwei Episoden, die eher aus „The Mandalorian“ Staffel 3 zu stammen scheinen, sorgen schließlich dafür, dass die Soloserie des allseits beliebten Kopfgeldjägers zu einer äußerst unrunden Angelegenheit mit sehr viel verpasstem Potential wird und deutlich hinter den beiden Mandalorian-Staffeln zurückbleibt.

Trailer

Bildquelle (© 2021 Lucasfilm Ltd. & ™. All Rights Reserved.)
Bildquelle Black Krrsantan
Bildquelle Cad Bane

Siehe auch:
The Mandalorian – Staffel 1 & 2
Jango Fett: Open Season
Outlander

The Mandalorian: Staffel 1 & 2

Spoiler für beide Staffeln!
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Während die Sequels die Star-Wars-Fangemeinde zutiefst gespalten zurückgelassen haben, scheinen die beiden Staffeln von „The Mandalorian“ exakt das Gegenteil bewirkt zu haben – im Großen und Ganzen hat diese erste Live-Action-Serie von Jon Favreau und Dave Filoni verschiedene Fraktionen des Fandoms wieder zusammengebracht. Eine Betrachtung dieser Serie meinerseits ist im Grunde lang überfällig, deshalb halten wir uns gar nicht erst lange mit Vorgeplänkel auf, sondern starten direkt durch.

„This is the Way“: Handlung und Struktur von Staffel 1
Ende der 90er erschien bei Dark Horse die Miniserie „Crimson Empire“ – nachdem ich die erste Staffel von „The Mandalorian“ gesehen hatte, empfand ich sie gewissermaßen als Disney-Gegenstück, wenn auch eher auf konzeptioneller denn inhaltlicher Ebene. In beiden Fällen nahm man sich einen Aspekt, der in der OT nicht allzu ausgiebig erforscht wurde – in „Crimson Empire“ die Rotgardisten des Imperators, in „The Mandalorian“ die Mandalorianer, und schuf eine größtenteils eigenständige und in sich geschlossene Geschichte mit einem neuen Protagonisten und nur marginalen Verbindungen zu den Filmen. Im Falle von „The Mandalorian“ ist das Din Djarin (Pedro Pascal), ein enigmatischer mandalorianischer Kopfgeldjäger, der fünf Jahre nach der Schlacht um Endor im Auftrag eines mit dem Restimperium verbündeten Klienten (Werner Herzog) auf Arvala-7 ein besonders „Gut“ sicherstellen soll. Bei diesem Gut handelt es sich um das 50 Jahre alte Kleinkind einer sehr langlebigen Spezies, die Din Djarin zwar unbekannt ist, den Zuschauern jedoch sehr vertraut sein dürfte – und das nicht nur, weil „The Child“ alias Baby Yoda alias Grogu seit dem Start der ersten Staffel praktisch allgegenwärtig war. Din Djarin liefert den liebenswerten kleinen Kerl wie vereinbart ab, bekommt dann allerdings Zweifel, da ziemlich klar ist, dass das Imperium nicht unbedingt an seinem Wohlergehen interessiert ist. Nachdem es ihm gelungen ist, mit Hilfe einiger mandalorianischer Kameraden mit dem Kind zu entkommen, beginnt eine Odyssee, die ihn zu mehreren Outer-Rim-Planeten führt. Während er eine Antwort auf die Frage sucht, was denn nun mit seinem Schützling zu tun ist, trifft der Mandalorianer neue Verbündete wie die ehemalige Rebellenoffizieren Cara Dune (Gina Carano), aber auch Gegner wie die Attentäterin Fennec Shand (Ming-Na Wen). Sein Weg führt ihn schließlich zurück zum Ursprung des Auftrags, denn der imperiale Moff Gideon (Giancarlo Esposito), der letztendlich hinter der Suche nach dem Kind steckt, ist immer noch erpicht darauf, seinen Preis zu erhalten.

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Din Djarin (Pedro Pascal) und Grogu

Serien haben meistens entweder einen durchgehenden Handlungsstrang mit „offenen“ Episoden wie etwa „Game of Thrones“ oder sie gehen nach einem bestimmten Schema vor – am deutlichsten bei Krimiserien zu beobachten: Neue Folge, neuer Fall, der innerhalb einer Episode (manchmal auch zwei) abgeschlossen ist. Aber selbstverständlich finden sich auch alle möglichen Mischformen – in diese Kategorie kann man auch „The Mandalorian“ einordnen. Es gibt einen übergeordneten Handlungsstrang, aber vor allem in der Mitte der ersten Staffel sind die einzelnen Folgen relativ in sich geschlossen. Vor allem die Episoden 4 bis 6 könnte man relativ mühelos untereinander austauschen. Strukturell erinnern diese mitunter an die Quests eines Spiels: Um auf seinem Weg weiterzukommen, muss Din Djarin das Problem einer anderen Person lösen – dieses Element wird vor allem in Staffel 2 noch deutlich stärker, da hier das Ziel des Mandalorianers eindeutiger ist.

Was die erste Staffel darüber hinaus auszeichnet, ist ihr sehr gemäßigtes und ausgeglichenes Erzähltempo. Das fällt besonders im Vergleich mit der fast zeitgleich erschienenen neunten Episode der Skywalker-Saga auf, bei der genau das Gegenteil der Fall war. Hier hatte man stets das Gefühl, J. J. Abrams wolle einen partout nicht zur Ruhe kommen lassen – man könnte ja über das gerade gesehene nachdenken. „The Mandalorian“ dagegen wählt genau den entgegengesetzten Ansatz, nimmt sich Zeit, lässt Figuren und Setting atmen. Das führt in letzter Konsequenz dazu, dass die erste Staffel strukturell sehr gut ausbalanciert ist, gerade weil sie sich die nötige Zeit nimmt: In den ersten drei Folgen wird der Status Quo (Mando und Kind als ungleiches Duo) etabliert, in den zweiten drei beibehalten, aber immer wieder auf die Probe gestellt und in den letzten beiden schließlich ernsthaft gefährdet.

„You are a clan of two“: Figuren und Setting
Wie bereits erwähnt arbeitet zumindest die erste Staffel ausschließlich mit neuen Figuren, die jedoch an die bekannte Ikonographie geknüpft sind. Die Sturmtruppen als Repräsentanten eines (stark geschwächten) Imperiums sind selbst dem „Casual Fan“ des Franchise ebenso vertraut wie der ikonische mandalorianische Helm. Wie üblich bei Star Wars spielen Archetypen eine wichtige Rolle. Aus dem wilden SW-Genre-Gemisch legen Favreau und Filoni ihren Fokus auf den Western – passend dazu entspricht Din Djarin dem Archetypen des wortkargen und mysteriösen Revolverhelden, der oft genug von Clint Eastwood dargestellt wurde. „The Mandalorian“ geht allerdings noch mehr ins Extrem, indem das Gesicht des Protagonisten nie gezeigt wird – bzw. erst in der letzten Episode der ersten Staffel. Es ist durchaus ein Risiko, wenn die Hauptfigur nicht nur relativ unnahbar, sondern auch konstant maskiert ist.

Grogu/Baby Yoda ist vor allem aus Marketing-Sicht ein Geniestreich, wie sich immer wieder zeigt, die Dynamik zwischen ihm und Din Djarin funktioniert allerdings auch in der Serie ziemlich gut. Die Charakterisierung unseres Protagonisten ist zwar zurückhaltend, aber wirkungsvoll. Bei einer Figur wie dem Mando besteht die Gefahr, dass er auf sein „Badasstum“ reduziert wird, was hier aber erfreulicherweise nicht der Fall ist. Din Djarin ist zwar kompetent, aber keinesfalls hyperkompetent und gerät immer wieder in knifflige Situationen, in denen er Hilfe braucht oder an denen er schlicht scheitert. Obwohl er zumindest zu Beginn keine eigene Agenda verfolgt, sondern nur Aufträge erfüllt und insgesamt ein relativ passiver Protagonist ist, ist sein Wachstum und die Entwicklung seines Charakters doch deutlich spürbar. Pedro Pascal holt mit Stimme und Körpersprache sehr viel aus einem sehr minimalistischen Charakter heraus, dessen Gesicht zudem fast nie zu sehen ist. Trotzdem, oder gerade deshalb, fungiert der Mando als Fenster in diesen Teil der Star-Wars-Galaxis; da er ein Einzelgänger ist, lernen wir zusammen mit ihm all die neuen, von einem exzellenten Cast dargestellten Figuren kennen, ohne dass es überfordernd wäre oder allzu künstlich daherkommt. Auch was diesen betrifft, erinnerten sich Favreau und Filoni an eine alte SW-Tugend: Die Nebenfiguren sollten markant sein. Die tiefgründigsten sind sie nun nicht unbedingt, vor allem, weil der Fokus eben auf Mando und Grogu liegt und kaum eine in mehr als zwei oder drei Episoden auftaucht, aber sie sind einprägsam und bleiben im Gedächtnis, egal ob Carl Weathers als Greef Karga, Gina Carano als Cara Dune, Bill Burr als Migs Mayfeld oder Taika Waitit als IG-11.

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Cara Dune (Gina Carano) und Greef Karga (Carl Weathers)

Auf dieselbe Art gelingt es Favreau und Filoni auch sehr gut, den aktuellen Status Quo zu vermitteln: Das Imperium ist auf dem Rückzug, die Neue Republik aber noch nicht stark genug, um im Outer Rim wirklich für Ordnung zu sorgen – aus diesem Grund geht es recht gesetzlos zu. Zusätzlich erforschen wir die mandalorianische Kultur. In meiner Rezension zur Legends-Miniserie „Jango Fett: Open Seasons“ habe ich bereits einen kurzen Abriss über die Geschichte der Mandalorianer im Franchise gegeben, weshalb ich das hier nicht noch einmal tun werde. Ohnehin würde ich besagte Miniserie durchaus als ansprechende Lektüre für Fans von „The Mandalorian“ empfehlen, allerdings kommt man an die gedruckte Ausgabe in der Zwischenzeit ziemlich schwer heran. Wie dem auch sei, in Staffel 1 erfahren wir, dass die Mandalorianer ihre Helme nie abnehmen und ein praktisch religiöses Verhältnis zu ihrer Ausrüstung haben – zumindest Ersteres widerspricht dem bisher im Disney-Kanon (und auch in Legends) Etablierten, diese Diskrepanz wird aber in Staffel 2 aufgeklärt, da Din Djarin zu einer besonderen, extremistischen Gruppierung gehört. Alles in Allem war ich mit der bisherigen Darstellung der Mandalorianer in „The Clone Wars“ und „Rebels“ nicht allzu zufrieden, „The Mandalorian“ rückt sie allerdings, zumindest empfindungsmäßig, wieder näher an die Legends-Interpretation.

Auch sonst ist „The Mandalorian“ erfreulicherweise sehr geerdet. Zwar verfügte man über ein verhältnismäßig hohes Budget, aber eben doch nicht ganz auf der Höhe eines Star-Wars-Kinofilms. Zudem muss natürlich für weniger Geld mehr Material entstehen. Wie schon George Lucas bei der OT mussten Filoni und Favreau deshalb öfter kreativ werden und das Maximum aus dem ihnen zur Verfügung stehenden Material herausholen und nebenbei auch gleich noch in bester SW-Tradition die Effekttechnik vorantreiben. Die Planeten etwa sind nicht unbedingt die kreativsten (und zudem wieder sehr wüstenlastig, nicht zuletzt bedingt durch die Genre-Ausrichtung), aber „The Mandalorian“ holt deutlich mehr aus seinen Welten heraus als beispielsweise die Sequels – man bekommt ein Gespür für die Planeten, kann sie tatsächlich erforschen und erfährt, wie es sich dort lebt. Auf handwerklicher Ebene funktioniert ebenfalls alles ziemlich gut, in beiden Staffeln haben Filoni und Favreau ein sehr gutes Gespür dafür, wann sie in die Vollen gehen können und wann sie sich besser zurückhalten sollten. Besonders die Action wirkt handgemacht und bodenständig und trägt viel zur Atmosphäre bei. Der Humor ist angemessen und funktioniert ebenso gut – meistens ist ohnehin Grogu derjenige, der für die humoristischen Momente zuständig ist.

„A friendly piece of advice, assume that I know everything”: Staffel 2 – Gemeinsamkeiten und Unterschiede
In Staffel 2 gibt es einige massive Änderungen bezüglich des erzählerischen Konzepts der Serie, die sich aber sehr langsam und schleichend etablieren. Genau genommen beginnt er bereits mit dem kurzen Gastauftritt des aus „The Clone Wars“ und „Rebels“ bekannten Darksabers am Ende des Finales von Staffel 1. Ab diesem Zeitpunkt finden immer mehr Inhalte und Figuren aus anderen Ecken des SW-Universums ihren Weg in die Serie. Din Djarin sucht praktisch die gesamte Staffel nach einem sicheren Ort für Grogu bzw. nach seinen Angehörigen, findet sich in noch mehr Quid-pro-Quo-Situationen wieder und muss sich natürlich abermals mit alten Feinden auseinandersetzen – findet aber auch neue Verbündete, die manch einem Zuschauer durchaus vertraut sein dürften. Los geht es direkt in Folge 1 der zweiten Staffel mit Cobb Vanth (Timothy Olyphant), der nicht nur eine allzu bekannte Rüstung trägt, sondern seinerseits der Aftermath-Reihe, einer Romantrilogie von Chuck Wendig, entstammt. Gerade diese Verwendung eines bislang äußerst obskuren Charakters zeigt den Kontrast in der Herangehensweise von Favreau und Filoni auf der einen und den Regisseuren und Autoren der Sequels auf der anderen: Hier geschah eine intensive Beschäftigung mit der Materie, die sich bereits in Staffel 1 andeutete und in Staffel 2 praktisch überdeutlich ist. „The Mandalorian“ versucht nicht, zu rekreieren oder zu unterlaufen, sondern greift auf alles verfügbare Material, sei es OT, PT, aktuelles EU oder Legends, zurück, um seine eigene Geschichte zu erzählen. Fans freuen sich über die Anspielungen und Querverweise, gleichzeitig gelingt es Favreau und Filoni aber auch, das Ganze so zu gestalten, dass man als Neuling nicht das Gefühl hat, zum Verständnis müsse man erst eine SW-Enzyklopädie wälzen. Stattdessen fühlen sich die „neuen alten Figuren“ eher an wie eine natürliche Fortführung der Charaktere, die bereits in Staffel 1 vorgestellt wurden und größtenteils auch wieder mit von der Partie sind.

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Din Djarin (Pedro Pascal) und Boba Fett (Temura Morrison)

Zugegebenermaßen ist das Argument, dass es in Staffel 2 mit der Rückkehr bzw. Realwerdung diverser Figuren aus Filmen, Animationsserien und der Literatur vielleicht etwas übertrieben wurde, nicht völlig von der Hand zu weisen. Zu Cobb Vanth gesellen sich die Clone-Wars- und Rebels-Veteraninnen Bo-Katan Kryze (Katee Sackhoff, die der animierten Version der Figur auch ihre Stimme lieh) und Ahsoka Tano (Rosario Dawson), Legends-Inhalte wie die Dark Trooper und der Planet Tython und natürlich die Filmschwergewichte Boba Fett (Temura Morrison), Luke Skywalker (Mark Hamill?) und R2D2 (as himself). Im Großen und Ganzen denke ich jedoch, dass Favreau und Filoni die Balance gerade noch halten können, eben weil sie sich in Staffel 1 auf die neuen Figuren konzentrierten, diese anständig etablierten und nie den Kern aus den Augen verlieren. Bei einem Luke Skywalker besteht natürlich immer die Gefahr, dass er alles überschattet, das emotionale Highlight der Folge ist aber dennoch unzweifelhaft der Abschied von Din und Grogu. Die bereits in anderen Medien etablierten Figuren übernehmen nie das Ruder oder usurpieren die Geschichte.

Deutlich schwerer wiegen in meinen Augen einige strukturelle Mängel in Staffel 2, die alles in allem deutlich weniger ausgewogen und balanciert wirkt als Staffel 1. Besonders die ersten beiden Folgen nehmen sich noch reichlich Zeit für, in Ermangelung eines besseren Wortes, „Nebensächlichkeiten“ (wobei diese durchaus zur Charakterentwicklung beitragen), während spätere Folgen geradezu gehetzt wirken – zumindest im Vergleich zur Erzählweise von Staffel 1. Am schwächsten fällt für mich hier „The Tragedy“, die sechste Folge der zweiten Staffel aus, bei der immerhin Robert Rodriguez Regie führte. Diese markiert Boba Fetts großen Auftritt und weiß ihn auch durchaus cool zu inszenieren, aber das ganze Drumherum will einfach nicht so recht passen, von der Ineffektivität der Sturmtruppen (dazu später mehr) über die Inszenierung der Action bis hin zum Planeten Tython selbst. Gerade in Bezug auf die effektive Gestaltung der Planeten ist ausgerechnet Tython, die legendäre Heimatwelt der Jedi, die Ausnahme, die gezeigte Welt ist sehr ernüchternd und schlicht langweilig ausgefallen.

„I’m a simple man making his way through the galaxy, like my father before me”: Alte Freunde
Werfen wir doch noch einen ausführlicheren Blick auf die Figuren, die entweder zurückkehren oder sogar ihr Live-Action-Debüt feiern. Cobb Vanth stammt, wie bereits erwähnt, aus Chuck Wendigs Aftermath-Trilogie. Interessanterweise erlangt er dort Boba Fetts Rüstung ein wenig anders, als er es in der Folge „The Marshal“ selbst erzählt, wobei es sich dabei sowohl um einen Retcon als auch um eine Lüge der Figur handeln könnte. Ansonsten gibt es nicht allzu viel über ihn zu sagen, bereits in der Aftermath-Trilogie war er eine eher unwichtige Nebenfigur, die wohl platziert wurde, um Boba Fetts Rückkehr in die Wege zu leiten (wenn auch nicht unbedingt spezifisch in dieser Serie), was dann ja auch umgesetzt wurde. Es bleibt noch zu erwähnen, dass die Besetzung der Figur mit Timothy Olyphant ein netter Casting-Gag für Fans der HBO-Serie „Deadwood“ ist.

Bo-Katan Kryze hat da schon eine deutlich längere Geschichte hinter sich, sie trat erstmals in der vierten Staffel der Animationsserie „The Clone Wars“ auf, zuerst als Teil der Death Watch, einer Gruppe radikaler Mandalorianer, die sich der pazifistischen Ideologie von Bo-Katans Schwester Satine, der Herzogin von Mandalore, nicht unterwerfen will. Als jedoch der wiederauferstandene Darth Maul die Macht auf Mandalore übernimmt, verbündet sie sich widerwillig mit den Jedi, um Maul aufzuhalten. In „Rebels“ kämpft sie schließlich gegen den Einfluss des Imperiums und möchte ihrem Volk die Freiheit von imperialer Knechtschaft bringen. Dort erringt sie auch das Darksaber, das als mandalorianisches Herrschaftssymbol fungiert. Dieses wird ihr jedoch zwischen dem Ende von „Rebels“ und dem Beginn von „The Mandalorian“ von Moff Gideon abgenommen. Bo-Katan wird hier als Vertreterin der „gemäßigten“ Mandalorianer verwendet, im Gegensatz zu Din Djarin und seinen Kameraden aus der ersten Staffel, den sog. „Children of the Watch“. Nach wie vor möchte sie das Beste für ihr Volk und hat deshalb auch eine offene Rechnung mit Moff Gideon. Sie zeigt unserem Protagonisten, dass der häufig erwähnte „Weg“, den die „Children of the Watch“ immer wieder verbal beschwören, eben nicht alternativlos ist.

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Grogu und Ahsoka Tano (Rosario Dawson)

Ahsoka Tano dürfte noch einmal deutlich bekannter und populärer sein als Bo-Katan, auch sie stammt aus „The Clone Wars“, beginnt dort als Anakin Skywalkers Padawan, tritt dann jedoch noch vor Ende des Krieges aus dem Jedi-Orden aus, bekämpft zusammen mit Bo-Katan auf Mandalore Maul und überlebt Order 66, um sich später den Rebellen anzuschließen. Hier treffen gewissermaßen zwei Handlungsstränge aufeinander, denn Ahsoka sucht offensichtlich Großadmiral Thrawn, der sich bereits in „Rebels“ als Problem erwies. Ahsoka ist die erste (mehr oder weniger) ausgebildete Jedi, die in der Serie auftaucht. Angesichts der Tatsache, dass sie weiße Lichtschwerter führt, die einen schönen Kontrast zur dunklen Klinge des Darksabers abgegeben hätten, wurde eifrig spekuliert, ob sie wohl am Finale beteiligt sein würde, letztendlich entschied man sich aber, den mandalorianischen Aspekt zu betonen und Boba Fett und Bo-Katan bei der Rettung Grogus assistieren zu lassen. Ahsoka weist nur den Weg nach Tython, schafft aber auch eine tiefere Verbindung zwischen Grogu und Din, unter anderem, indem sie seinen Namen und etwas von seiner Vergangenheit enthüllt und die Kommunikation erleichtert. Ich persönlich war nie der größte Ahsoka-Fan, zu Beginn von TCW fand ich sie ziemlich unausstehlich. Sie hat sich zweifelsohne entwickelt, ist aber nach wie vor keine Figur, an der ich besonders hänge. Allerdings kann ich gut verstehen, dass ein Live-Action-Auftritt Ahsokas etwas Besonderes darstellt, wenn man mit ihr aufgewachsen ist. Anders als bei Bo-Katan bediente man sich hier nicht der Sprecherin der Serien (das wäre Ashley Eckstein gewesen), sondern wählte mit Rosario Dawson eine Darstellerin, die deutlich bekannter ist, ihre Sache aber sehr gut macht.

Temura Morrison ist ein Sonderfall: Er ist der erste Darsteller der Filme, der in dieser Serie auftaucht, das allerdings in einer Rolle, die er bisher noch nicht gespielt hat (sofern wir das Nachsychronisieren einiger Sätze in der Special Edition der OT ignorieren). Natürlich gilt aber: Wenn Boba Fetts Gesicht zu sehen sein soll, muss Temura Morrison unter der Maske stecken. Boba Fett ist eine der beliebtesten SW-Nebenfiguren, der ganze Hype um ihn war mir allerdings stets ein wenig suspekt, selbst unter Einbeziehung des Legends-Materials – ich empfand tatsächlich Jango immer als den Interessanteren der beiden. Aber „The Mandalorian“ hat es in nur wenigen Episoden geschafft, mir die Figur näher zu bringen. Obwohl ich „seine“ Episode als die schwächste der Staffel empfinde, hat Rodriguez es zumindest geschafft, ihn wirklich ansprechend zu inszenieren, was in den folgenden Episoden fortgesetzt wird. Nebenbei wurde Jango nun auch im Disney-Kanon wieder offiziell zu einem „echten“ Mandalorianer erklärt, nachdem „The Clone Wars“ das in Zweifel gezogen hatte. Alles in allem wirklich ein exzellenter Auftritt mit einer Seismischen Bombe als Sahnehäubchen, der zeigt, wie gut und wirkungsvoll sich Prequel-Material in die Post-Endor-Ära integrieren lässt, wenn man es nur ordentlich anstellt. „The Mandalorian“ hat es tatsächlich geschafft, mich für die angekündigte Serie „The Book of Boba Fett“ zu begeistern.

Und schließlich: Luke Skywalker. Ist sein Auftauchen eine logische Entwicklung aus der Handlung? Oder ein Versuch, von „The Last Jedi“ enttäuschte Fans der Figur zurückzugewinnen? Wahrscheinlich eine Mischung aus beidem. Ich möchte hier das Fass „Luke in den Sequels“ gar nicht erst groß aufmachen, da ich mit Lukes Zustand in Episode VIII verhältnismäßig wenig Probleme hatte, zumindest im Vergleich zu vielen anderen, ich fand nur seinen Weg zu diesem Zustand absolut nicht überzeugend. Lukes Auftauchen ist tatsächlich eine logische Handlungsentwicklung aus dem Ruf, den Grogu auf Tython ausgesandt hat, denn wer hätte auch sonst kommen sollen? Ezra Bridger? Cal Kestis? Fanservice ist sein Auftauchen zweifelsohne, aber funktionierender Fanservice, der sich logisch aus der Geschichte ergibt. Nicht ganz so gut funktioniert die auf Lukes Gesicht angewandte Technik, was in der Rezeption der entsprechenden Szene aber interessanterweise nur eine untergeordnete Rolle spielte. Und auch ich kann nicht behaupten, dass ich die Rückkehr des auf der Höhe seiner Kräfte stehenden Luke nicht genossen hätte.

„They all hate you, Mando. Because you’re a legend!”: Die größte Schwäche
Neben der einen oder anderen Struktur- bzw. Balanceschwäche in Staffel 2 ist es vor allem die Darstellung der Imperialen, die Anlass zur Kritik gibt. Die Zielgenauigkeit der Sturmtruppen (oder besser: ihr Mangel an derselben) ist ja bereits seit Jahrzehnten Sujet diverser Witze, sodass man sich inzwischen fragt, ob Obi-Wans Ausspruch in „A New Hope“ als zynischer Scherz gemeint war und er sich wundert, dass sie überhaupt etwas getroffen haben: „Only imperial stormtroopers are so precise.“ Unter Disney erreichte die Unfähigkeit imperialer Soldaten allerdings noch mal ein ganz anderes Level, besonders in „Rebels“ kennt ihre Inkompetenz keine Grenze, und leider knüpft „The Mandalorian“ daran an, vor allem in Staffel 2. Das finde ich besonders schade, weil es der Serie ansonsten gelingt, mit begrenzten Mitteln sehr viel zu erreichen – in Staffel 1 gab es da durchaus entgegengesetzte Tendenzen. In Episode 4, „Sanctuary“, gelang es Regisseurin Bryce Dallas Howard etwa sehr gut, einen einzelnen AT-ST als große Bedrohung zu inszenieren. „The Mandalorian“ hätte die Chance gehabt, die Sturmtruppen auf dieselbe Art wieder zu ernstzunehmenden Gegnern zu machen. Vor allem die dritte Episode der zweiten Staffel, „The Heiress“, (ironischerweise ebenfalls von Bryce Dallas Howard inszeniert) zeigt die Soldaten des Restimperiums als extrem inkompetent.

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Moff Gideon (Giancarlo Esposito)

Leider erstreckt sich das auch auf die Kommandoriege. Giancarlo Esposito ist ein hervorragender Schauspieler, Moff Gideon profitiert ungemein von seiner Besetzung und wirkt primär deshalb als ernstzunehmender Gegner, betrachtet man allerdings seinen „Masterplan“ in Staffel 2, steckt da leider nicht allzu viel dahinter. Die Serie versucht zu vermitteln, dass er im Finale zuerst die Trümpfe in der Hand hat, aber leider agiert er im Grunde relativ sinn- und kopflos, ohne Alternativplan, sollten die Dark Trooper versagen. Diese sind die wirkliche Gefahr, die vom Imperium ausgeht, werden dann aber ihrerseits von Luke ziemlich schnell niedergemacht – auch hier fragt man sich, ob es nicht erzählerisch besser gewesen wäre, hätten sie dem Jedi-Meister zumindest etwas mehr entgegenzusetzen gehabt. In diesem Kontext ist der Umstand, dass Gideons tatsächliche Pläne bezüglich Grogu völlig nebulös sind, auch nicht unbedingt hilfreich. An dieser Stelle wollte man sich wahrscheinlich noch alle Möglichkeiten offen halten: Arbeitet Gideon autonom oder dient er einem Meister wie Thrawn, Snoke oder gar Palpatine ? Und was ist sein langfristiges Ziel? Das Mysterium in allen Ehren, aber hier wären etwas handfestere Absichten zur wirkungsvollen Definition des Charakters bessere gewesen.

Die interessanteste (zumindest im weitesten Sinne) imperiale Figur ist der von Bill Burr gespielte Migs Mayfeld, der als Ex-Imperialer zumindest einiges von dem Potential ausschöpft, das bei Finn in den Sequels vorhanden gewesen wäre. Leider vermisst man im Disney-Kanon außerhalb der Literatur bislang Figuren wie beispielsweise Gilad Pellaeon, die als aufrechte, prinzipientreue „ehrbare“ Imperiale einen Gegenstück zu den sadistischen und/oder inkompetenten Fanatikern bilden. Von dieser Sorte bietet „The Mandalorian“ mehr als genug, beispielsweise Rick Famuyiwa als Valian Hess (sehr sprechender Name) in der siebten Folge der zweiten Staffel. Was ich mir wünsche, wäre ein imperiales Gegenstück zu „Rogue One“; dieses erste Spin-off zeigte die dunkleren Seiten der Rebellen und half dabei, der Fraktion zusätzliche Facetten zu verleihen. Für das Imperium wäre eine differenziertere Darstellung in den bewegten Medien überfällig.

„Do the magic hand thing“: Ludwig Görannsons Score

Das musikalische Vermächtnis des Franchise ist immer ein Thema für sich, John Williams‘ Klänge sind essentiell für Star Wars. Bislang traute man sich bei Disney noch nicht, sich allzu weit davon zu entfernen. Dass Williams selbst die Sequels vertonen würde, stand nie in Frage, und auch die Komponisten anderer Projekte, sei es Kevin Kiner („Rebels“), Michael Giacchino („Rogue One“), John Powell („Solo“) oder Gordy Haab (die meisten Spiele, darunter auch „Jedi: Fallen Order“) blieben sowohl stilistisch als auch leitmotivisch sehr nah an Williams. Für „The Mandalorian“ wandten sich Favreau und Filoni an den schwedischen Komponisten Ludwig Göransson, der in vielen seiner Scores eine modernere Sensibilität an den Tag legt und darüber hinaus auch in der Popmusik aktiv ist, unter anderem als Produzent von Jung-Lando-Darsteller Donald Glover alias Childish Gambino. Göranssons Scores zeichnen sich zumeist durch interessante Stil-Mischungen aus – gute Beispiele sind etwa seine Musik für die beiden Creed-Filme sowie „Black Panther“, für den er den Oscar gewann. Oft mischt Göransson traditionelles Orchester mit Hip-Hop-, R&B- oder Electronica-Elementen und, im Fall von „Black Panther“, auch mit afrikanischen Percussions.

Die Musik von „The Mandalorian“ spiegelt die Handlungsentwicklung sehr gut wider. Die Scores der ersten Staffel sind stilistisch recht weit von traditioneller Star-Wars-Musik entfernt. Das Orchester spielt zwar durchaus eine zentrale Rolle und hin und wieder findet sich auch eine stilistische Williams-Anleihe, aber mindestens ebenso stark ist der Einfluss der Western-Soundtracks von Ennio Morricone. Alles in allem funktioniert das ziemlich gut, Göransson etabliert sofort ein eigenes Klangspektrum für die Serie und liefert dazu noch ein ziemlich eingängiges Titelthema sowie eine ganz Reihe anderer Leitmotive, die allerdings zu Beginn eher schwer herauszuhören sind. In manchen Fällen übertreibt er es allerdings mit dem elektronischen Ambiente und den Effekten und Verzerrungen, zumindest für meinen Geschmack. Gerade die Repräsentation der Dark Trooper durch Dubstep fand ich etwas zu viel.

Mit Ausnahme von ein, zwei extrem subtilen Andeutungen des Machtthemas (wenn überhaupt nur die ersten zwei, drei Noten) taucht in der ersten Staffel kein bereits existierendes leitmotivisches Material auf. Das ändert sich erst mit der zweiten Folge der zweiten Staffel, „The Passenger“: Das erste Williams-Thema, das zu hören ist, ist ausgerechnet der Marsch des Widerstands aus den Sequels. Dieses Thema ist in einer recht modernisierten Version am Ende der Episode zu hören, als sich Din Djarin mit den beiden Piloten der Neuen Republik unterhält. Außerdem taucht der Marsch auch in der Folge „The Siege“ während Cara Dunes Konsversation mit dem Republik-Piloten auf. In der zweiten Hälfte der Staffel nimmt die Anzahl an leitmotivischen Verweisen dann deutlich zu. Nicht nur findet sich im Score der Episode „The Jedi“ ein Hinweis auf Yodas Thema, Keviner Kiners Leitmotiv für Ahsoka aus „The Clone Wars“ wird sogar ziemlich ausgiebig verwendet und im Finale erklingt schließlich ein volles Statement des Machtthemas. Ich persönlich finde es sehr schön, dass die musikalische Welt der Serie mit der von Williams etablierten langsam zusammenwächst, ohne dabei jedoch ihre Individualität zu opfern.

Fazit
Nach den spaltenden Episoden VIII und IX dürfte „The Mandalorian“ genau das sein, was das Franchise nötig hatte: Eine Serie, die das Fandom wieder vereinigen kann und die fast jedem etwas zu bieten hat. Natürlich ist auch „The Mandalorian“ nicht perfekt, kleine Schwächen und Schönheitsfehler finden sich schließlich überall, aber im Großen und Ganzen weiß die Serie nicht nur zu überzeugen, sie dürfte, vielleicht zusammen mit „Rogue One“, das bislang beste Produkt der Disney-SW-Ära sein. Und wie es aussieht hat man sich bei Disney bereits ausgiebig Notizen gemacht, denn die zweite Staffel dient als Sprungbrett für diverse neue Serien, darunter „Rangers of the New Republic“, „Ahsoka“ und „The Book of Boba Fett“. Ob diese Serien das halten können, was „The Mandalorian“ verspricht, wird sich erst noch zeigen, aber wenn sie qualitativ überzeugen können, wäre es möglich, dass sie und nicht die Sequels zum dominierenden Faktor dieser Ära des Franchise werden.

Trailer Staffel 1
Trailer Staffel 2

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Siehe auch:
Jango Fett: Open Seasons
Star Wars: Das ultimative Ranking

Jango Fett: Open Seasons

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Meine lang überfällige Rezension zu den ersten beiden Staffeln von „The Mandalorian“ wird definitiv irgendwann in diesem Jahr kommen, vorher gilt es allerdings, noch etwas Vorarbeit zu leisten und die Mandalorianer ein wenig genauer unter die Lupe zu nehmen. Exemplarisch soll dies anhand der vierteiligen Dark-Horse-Miniserie „Jango Fett: Open Seasons“ (ursprünglich 2002 erschienen) geschehen, da diese, obwohl im Fan-Bewusstsein nicht allzu präsent, viele Grundlagen schuf. Die Mandalorianer als solche gehen weit zurück, Boba Fett feierte bekanntermaßen im Zeichentrick-Segment des „Star Wars Holiday Specials“ sein Debüt, bevor er einem weit größeren Publikum in „The Empire Strikes Back“ vorgestellt wurde. Die meines Wissens nach erste Erwähnung der Mandalorianer als Gruppe taucht in Dondald F. Gluts Romanfassung von Episode V auf, in welcher Boba Fetts Rüstung (aber nicht unbedingt Fett selbst) als mandalorianisch identifiziert wird und die Mandalorianer wiederum als Gruppe böser Krieger, die von den Jedi besiegt wurden, charakterisiert werden. Im weiteren Verlauf des EU tauchten Fett und die Mandalorianer immer mal wieder sporadisch auf, in den alten Marvel-Comics wurden beispielsweise mandalorianische Supercommandos erwähnt, die in den Klonkriegen kämpften. In der von Kevin J. Anderson verfassten Miniserie „Tales of the Jedi – The Sith War“, die knapp 4000 Jahre vor „A New Hope“ spielt, gab sich schließlich Mandalore der Unbezähmbare, der erste in einer langen Reihe mandalorianischer Anführer, die Ehre. Anderson enthüllte außerdem, dass es sich bei den Mandalorianern zumindest ursprünglich nicht um Menschen, sondern um „Taung“, Angehörige einer grauhätuigen, nichtmenschlichen Spezies handelte. Diesen Handlungsstrang griffen die beiden Knights-of-the-Old-Republic-Spiele sowie die gleichnamige Comicserie von John Jackson Miller auf und erläuterten, wie sich die Mandalorianer als Gruppe entwickeln, als Armee die Republik bedrohen und wie es schließlich zum Demografiewandel innerhalb des Volkes kommt. Auch Boba Fetts Hintergründe wurden in frühem Legends-Material erläutert, in der Kurzgeschichte „The Last One Standing: The Tale of Boba Fett“ von Daniel Keys Moran, erschienen in der Anthologie „Tales of the Bounty Hunters“, wurde er als Jaster Mereel identifiziert, was „Attack of the Clones“ natürlich gehörig über den Haufen warf. Dort sorgte George Lucas persönlich für einen neuen Hintergrund für den gefürchtesten Kopfgeldjäger der Galaxis und machte aus ihm einen unveränderten Klon des Kopfgeldjägers Jango Fett, der von diesem als Sohn großgezogen wird. Wie später der Junior ist natürlich auch Jango Fett in mandalorianischer Rüstung unterwegs. Ob es sich bei Jango und Boba Fett tatsächlich um Mandalorianer handelt, wird in Episode II allerdings nicht weiter erörtert. Hier knüpft „Jango Fett: Open Seasons“ an.

Inhaltlich setzt die von Haden Blackman geschriebene und von Ramón F. Bachs gezeichnete Miniserie kurz nach „The Phantom Menace“ an: Count Dooku, bereits der neue Sith-Schüler von Darth Sidious, hat den Kopfgeldjäger Jango Fett als Vorlage für die zu erschaffende Klonarmee, die im kommenden Krieg kämpfen soll, ausgewählt. Nun bemüht er sich, die Hintergründe Fetts zusammenzusetzen. Von einem ehemaligen Kameraden Fetts erfährt Dooku, dass dieser auf dem Planeten Concord Dawn geboren wurde und auf einer Farm mit seiner Familie aufwuchs. Besagte Familie gerät unverhofft in einen Konflikt zwischen mandalorianischen Söldnern unter Führung von Jaster Mereel und einer Gruppe abtrünniger Mandalorianer, die sich als „Death Watch“ bezeichnet und von einem gewissen Tor Vizsla kommandiert wird. Nur Jango überlebt und wird fortan Protegé von Jaster. Einige Jahre später stirbt Jaster in einer weiteren Konfrontation mit Death Watch und Jango übernimmt die Führung der Mandalorianer, nur um Vizsla auf Galidraan in die Falle zu gehen: Durch eine Intrige gelingt es ihm, die Jedi auf die Mandalorianer aufmerksam zu machen – hier begegnen sich Dooku, zu diesem Zeitpunkt noch ein Meister des Ordens, und Jango zum ersten Mal. Jango überlebt als einziger und gerät in Gefangenschaft. Wie er entkommt, seine neue Rüstung erhält und schließlich Tor Vizsla tötet, erfährt Dooku von Jango selbst, der nun in der Rahmenhandlung auftaucht, um mit Dooku über die Bedingungen des Vertrags zu verhandeln.

„Jango Fett: Open Seasons“ zählt nicht unbedingt zur Crème de la Crème der Legends-Comics, im Gesamtkontext ist die Miniserie zwar kurzweilig und unterhaltsam, aber nicht herausragend. Gerade die Charakterisierung der Figuren bleibt eher funktional – vier Hefte sind nun einmal relativ wenig Raum für mehrere Jahrzehnte. Gerade dem Zerwürfnis bzw. dem ideologischen Konflikt zwischen Jaster Mereel und Tor Vizsla wird recht wenig Platz eingeräumt, sodass Vizsla nur ein recht brutaler und eindeutig böser, aber nicht wirklich interessanter Charakter ist. Auch viele andere Figuren bleiben ziemlich oberflächlich, wobei Jango, als Fokus der Geschichte, noch am besten wegkommt. Ein besonderes Highlight ist hierbei die Dialogszene zwischen Jango und Dooku, in welcher der Kopfgeldjäger zeigt, dass er einem Machtnutzer durchaus ebenbürtig sein kann, ohne dass es zum Kampf kommt. Natürlich handelt es sich bei „Open Seasons“ auch nicht um eine tiefgreifende Erforschung mandalorianischer Kultur – primär etabliert Blackman hier die „guten“ Mandalorianer, die einem Kodex folgen, und die „bösen“ Mandalorianer in Gestalt von Death Watch. Die ausgiebige Auseinandersetzung mit dieser Kultur erfolgt erst in den Werken von Karen Traviss, primär den Republic-Commando-Romanen und ihren Beiträgen zur Buchreihe „Legacy of the Force“. Traviss war es auch, die die mandalorianische Sprache entwickelte – zugleich sind ihre Romane mitunter allerdings auch von einer gewissen Bevorzugung der mandalorianischen Charaktere und ihrer Lebensweise geprägt. Deutlich interessanter ist „Open Seasons“ im Hinblick auf die weitere Entwicklung der Mandalorianer.

Zum einen greift Blackman Boba Fetts ursprüngliche Identität als Jaster Mereel auf und macht daraus eine eigenständige Figur, die zum Mentor von Bobas Vater Jango wird. Und zum anderen handelt es sich bei „Open Seasons“ um eine der ersten positiven Darstellungen der Mandalorianer. Die beiden Fetts werden in den Filmen primär als relativ rücksichtslose Kopfgeldjäger und eindeutige Widersacher der Helden dargestellt, und auch in früheren Ledgends-Werken, primär den „Tales of the Jedi“, kommen sie nicht besonders gut weg. Der Einfluss, den die Miniserie auf weitere Werke hatte, ist nicht zu unterschätzen, da sie die Grundlage für die Mandalorianer der Prequel-Ära lieferte und somit quasi das Fundament für das legte, was Karen Traviss später in ihren Republic-Commando-Romanen weiter ausbaute. Mehr noch, auch die Darstellung der Mandalorianer in „The Clone Wars“ verdankt „Open Seasons“ einiges. Während Traviss‘ Ideen und Konzepte für die Animationsserie weitestgehend ignoriert wurden, griffen Dave Filoni und George Lucas einige Elemente aus der Miniserie auf, primär die terroristische Mandalorianer-Gruppierung Death Watch, die auch in der Serie von einem Vizsla angeführt wird – allerdings Pre Vizsla und nicht Tor. Seither haben sich die Mandalorianer im Disney-Kanon in diverse Richtungen entwickelt, sei es in späteren Clone-Wars-Staffeln, in „Star Wars: Rebels“ oder natürlich in „The Mandalorian“, welches, nebenbei bemerkt, „Open Seaons“ inhaltlich in sehr groben Zügen als Jangos Kanon-Vorgeschichte neue Gültigkeit verleiht.

Zum Schluss noch ein paar Worte zu Ramón F. Bachs, dessen prominenteste Star-Wars-Arbeiten neben „Open Seasons“ wohl „Jedi vs. Sith“ und der Republic-Handlungsbogen „Infinity’s End“ sind. Bachs Zeichnungen passen ganz gut zum „funktionalen“ Charakter dieser Miniserie; für mich persönlich gehört er weder zu den stärksten, noch zu den schwächsten Star-Wars-Comickünstlern. Gerade seine Actionszenen sind äußerst dynamisch, seine Gesichter hingegen wirken für meinen Geschmack immer ein wenig zu kantig.

Fazit: Für sich allein betrachtet ist „Jango Fett: Open Seaons“ ein actionreicher und kurzweiliger, aber nicht besonders in die Tiefe gehender Origin-Comic für die Titelfigur, im Kontext der Entwicklung der Mandalorianer, gerade auch im Hinblick auf „The Clone Wars“ und den Disney-Kanon, aber essentielle Lektüre.

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Dark Disciple

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Als Disney Lucasfilm erwarb, wurde „The Clone Wars“ nach Staffel 5 recht plötzlich abgesetzt. Es gab zu diesem Zeitpunkt bereits fertig animierte und vertonte Episoden (etwa die halbe sechste Staffel), die als „The Lost Missions“ gesendet und veröffentlicht wurden, allerdings hatten Dave Filoni und sein Team noch weitere Episoden in unfertigem Zustand auf Lager. Von einigen wurde animierte Story Reels veröffentlicht, während zwei Handlungsbögen in andere Medien transferiert wurden. Hierzu gehört auch ein achtteiliger Arc um Asajj Ventress und Quinlan Vos, den Christie Golden als Roman mit dem Titel „Dark Disciple“ adaptierte. Golden konnte mit drei Romanen, die sie als Teil der Reihe „Fate of the Jedi“ (dt. „Das Verhängnis der Jedi-Ritter“) verfasst hatte, bereits Star-Wars-Erfahrung sammeln, und darüber hinaus hat sie sich auch schon in diversen anderen Franchises geschrieben, u.a. „World of WarCraft“, „StarCraft“ und „Star Trek“.

„Dark Disciple“ ist der fünfte Erwachsenenroman der neuen Einheitskontinuität und der erste, der während der Klonkriege spielt. Die Handlung folgt Quinlan Vos, der vom Jedi-Rat den eher ungewöhnlichen Auftrag bekommt, Count Dooku zu töten, und zwar als Attentäter. Um diesen Auftrag auszuführen wendet sich Vos an Dookus ehemalige Schülerin Asajj Ventress. Mithilfe einer Tarnidentität versucht er, ihr Vertrauen zu erlangen, muss aber schon bald feststellen, dass sie weitaus cleverer ist, als er angenommen hat, denn sie durchschaut seine Tarnung ziemlich mühelos. Dennoch ist Ventress der Sache nicht abgeneigt, da sie ihren ehemaligen Meister nur allzu gerne tot sehen würde. Die beiden setzten ihr Vorhaben in die Tat um, allerdings gibt es zwei Dinge, mit denen sie nicht gerechnet haben: Dookus Gerissenheit und die wachsenden Gefühle füreinander.

Sowohl Asajj Ventress als auch Quinlan Vos sind Figuren, die ursprünglich aus dem EU stammen und bei denen es sich lohnt, ihre Legends-Inkarnation mit der TCW-Version zu vergleichen. Ventress trat im EU vor allem in der ersten Clone-Wars-Serie von Genndy Tartakovsky und in diversen Comics und Romanen auf. Zwar hatte der Charakter einige interessante Ansätze, diese wurden in meinen Augen aber kaum ausgeschöpft. Ventress in TCW war als Attentäterin Dookus noch enttäuschender, in Staffel 3 begann sie allerdings, interessanter zu werden. Dort sagt sie sich von ihrem ehemaligen Meister los und beginnt eine Karriere als Kopfgeldjägerin; sie wird zur Grenzgängerin, was sie als Figur spannender macht.

Quinlan Vos trat in erster Linie als Protagonist der von John Ostrander verfassten Republic-Comics auf und war ein mit sich selbst ringender Jedi, der stets auf der Schwelle zwischen Licht und Dunkelheit wandelte; nebenbei ist er auch eine meiner Lieblingsfiguren. In TCW hatte Vos nur einen einzigen Auftritt und zwar in der Folge „Hunt for Ziro“. Leider hatte die Clone-Wars-Version bis auf das Aussehen und die telemetrischen Fähigkeiten kaum etwas mit dem von John Ostrander geschaffenen Charakter gemein und verkam zum Sprücheklopfer. Glücklicherweise ist Quinlan Vos in Goldens Roman näher am Comicgegenstück, auch wenn es trotz allem nicht derselbe Charakter ist. Es gibt tatsächlich auch einige Anspielungen, zumeist allerdings mit einem Twist versehen: So ist Tholme nach wie vor der Jedi, der Vos ausgebildet hat, im Gegensatz zum Legends-Kanon überlebt er die Klonkriege allerdings nicht, sondern ist zu Beginn der Handlung bereits tot.

Der Kern des Romans ist ohne Zweifel die Beziehung zwischen Vos und Ventress, die sich von widerwilligen Gefährten bis hin zu Liebhabern wandelt. Trotz des Fokus auf die beiden muss ich sagen, dass mir das Ganze ein wenig zu schnell geht, was in TCW allerdings durchaus öfter der Fall ist und nicht per se an Golden liegen muss, sondern auch auf die dem Roman zugrunde liegenden Skripts zurückzuführen sein könnte. Es ist zwar bei Weitem nicht so schlimm wie im Darth-Maul-Arc, als dieser es in nur einer Folge schaffte, quasi die gesamte kriminelle Unterwelt der Galaxis (Hutt-Clans, Schwarze Sonne etc.) unter sich zu vereinen, aber dennoch. Davon einmal abgesehen funktioniert die Dynamik Vos-Ventress aber ziemlich gut, ihre Interaktion ist amüsant und sie sind definitiv ein besseres Pärchen als Anakin und Padmé. „Dark Disciple“ gelingt es durchaus, Ventress noch die eine oder andere neue Facette abzugewinnen. Tatsächlich tut diesem Handlungsstrang der Serie die Romanadaption gut, da Golden an einigen Stellen weitaus expliziter und düsterer werden kann, als dies in der Animationsserie möglich gewesen wäre – so wirkt es zumindest auf mich.

Ab hier Spoiler für die weitere Handlung!
Was ich wirklich interessant fand ist die Tatsache, dass sich „Dark Disciple“ in der zweiten Hälfte, wenn auch sehr grob, an Ostranders Klonkriegscomics mit Vos orientiert. Gerade hier rückt die Figur stärker an die ursprüngliche Version heran, vor allem was Handlungen und Motivation angeht. Wie in den Comics versucht Vos, Dooku vorzugaukeln, er habe sich der Dunklen Seite angeschlossen, wobei ihm selbst nicht klar ist, ob er wirklich nur vortäuscht. Das Ziel ist dabei letztendlich nicht nur die Ermordung Dookus, sondern auch Aufdeckung der Identität von Dookus Meister. Um das zu bewerkstelligen wird Vos, nach Ventress und Savage Opress, zum dritten Schüler des Count. Gerade an dieser Stelle wird auch deutlich, wo der erste Vierteiler handlungsmäßig geendet hätte, da es eine mehrmonatige Pause gibt. Was Vos in Dookus Diensten allerdings getan hat, erfährt man kaum. Leider ist der Rest des Romans weniger gelungen als der erste Teil, da die Frage, auf wessen Seite Vos nun wirklich steht, einfach nicht interessant genug geschildert wird und das Hin und Her ab einem bestimmten Zeitpunkt auch nicht mehr spannend ist.

Insgesamt muss ich leider sagen: In den Comics wurde dieser Grundplot weitaus besser dargestellt, vor allem deshalb, weil wir tatsächlich gesehen haben, was Vos in Dookus Diensten zu tun gezwungen war und wie sehr in seine Besessenheit tatsächlich auf die Dunkle Seite gezogen und ihn gleichzeitig geblendet hat.

Und dann wären da auch noch ein paar Clone-Wars-typische Schwächen, etwa das verzwungene Auftauchen von Anakin und Obi-Wan – warum nicht mal jemand anderes verwenden? In diesem Kontext hätte sich Aayla Secura angeboten, da diese auch in der Einheitskontinuität Vos‘ Padawan war und in TCW bislang zwar vorkam, aber nach ihrem Debüt in Staffel 1 kaum etwas zu tun hatte. Auch Dooku bleibt, in bester Clone-Wars-Manier, hinter seinem Potential zurück. Gerade hier wäre es interessant gewesen, eine aktive Meister-Schüler-Beziehung zwischen ihm und Vos zu zeigen, leider gibt es nur einige einzelne kurze Szenen, die in diese Richtung gehen.

Im Vergleich mit den anderen Romanen der Einheitskontinuität schneidet „Dark Disciple“ dennoch ziemlich gut ab, weil die Geschichte, die der Roman erzählt, nicht wirkt, als hätte die Story Group die Handlung beschnitten. Sowohl „A New Dawn“ als auch „Tarkin“ und „Lords of the Sith“ wirken, als habe man bestimmte Aspekte zurückgehalten, um sie in „Rebels“ verwenden zu können, was den Romanen jeweils nicht gut getan hat und dafür sorgt, dass sie hinter ihren Möglichkeiten zurückbleiben. Auch hatte zumindest ich das Gefühl, dass die Handlung für die Protagonisten keinen allzu großen Unterschied macht. Das ist natürlich der Vorteil von sekundären bzw. EU-Figuren wie Vos und Ventress, deren Schicksal noch nicht festgeschrieben ist.

Fazit: „Dark Disciple“ ist einer der, wenn nicht gar der beste Roman der Einheitskontinuität und passt qualitativ und inhaltlich durchaus gut zu den stärkeren späten Clone-Wars-Folgen. Vor allem die erste Hälfte ist äußerst gelungen, während die zweite an einigen Schwächen leidet, die allerdings weit weniger gravierend ausfallen, wenn man nicht mit John Ostranders Republic-Comics vertraut ist.

Siehe auch:
Star Wars: The Clone Wars
A New Dawn
Tarkin
Lords of the Sith

Star Wars: The Clone Wars

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Ganz zu Beginn meiner Laufbahn als Blogger habe ich schon einmal einen ausführlichen Artikel zu „Star Wars: The Clone Wars“ geschrieben; zu diesem Zeitpunkt umfasste die Serie gerade einmal anderthalb Staffeln. Seither hat sich die Lage in der weit, weit entfernten Galaxis stark geändert. Disney hat Lucasfilm gekauft, das alte Erweiterte Universum zur Legende erklärt und „The Clone Wars“ nach fünfeinhalb Staffeln beendet. Dennoch ist die Animationsserie, neben den sechs Filmen, versteht sich, das einzige Stück Star Wars, das vor dem Disney-Deal entstand und es in den neuen Einheitskanon geschafft hat, was zu einer recht ironischen Umkehrung führte: Vorher überschrieb TCW großzügig das Erweiterte Universum, jetzt ist die Serie dagegen dafür verantwortlich, dass es einige Elemente aus dem alten EU in den Einheitskanon schaffen, darunter Dathomir und die Schwestern der Nacht, Planeten wie Onderon oder auch nur kleine Details wie Quinlan Vos‘ telemetrische Fähigkeiten. Tja, so ändern sich die Dinge.

Da „The Clone Wars“ nun beendet ist, drängt es sich geradezu auf, die gesamte Serie einmal kompakt zu bewerten. Mein erster Eindruck war ja nicht gerade positiv, und nach dem Abfassen meines erste Artikels habe ich die Serie auch nicht mehr regelmäßig verfolgt, sondern nur sporadisch immer mal wieder einen Blick hineingeworfen. Für diesen Artikel habe ich dann in den letzten Wochen allerdings massives Binge-Watching betrieben und die gesamte Serie, inklusive Pilotfilm, in der richtigen, chronologischen Reihenfolge konsumiert, um mir ein umfassendes Urteil bilden zu können.

Konzeption und Struktur
Letztendlich konzentriert sich „The Clone Wars“ eher auf Einzelgeschichten als auf die durchgehende Handlung und ist eine Anthologieserie. Natürlich gibt es eine übergreifende Handlung, der Krieg zwischen Republik und Separatisten, der letztendlich in der Auslöschung des Jedi-Ordens und der Gründung des Imperiums mündet. Da es sich bei TCW aber trotz allem letztendlich um eine Kinder- bzw. Jugendserie handelt, stehen die einzelnen Abenteuer eindeutig im Vordergrund, während der Kriegsverlauf sehr viel weniger Aufmerksamkeit bekommt. Darüber hinaus erlaubt das Anthologieformat, immer wieder unterschiedliche Figuren ins Zentrum zu rücken. Zwar sind Anakin, Ahsoka und Obi-Wan die mit Abstand präsentesten Figuren, aber diverse Prequel-Nebefiguren und für die Serie geschaffenen Charaktere bekommen doch hin und wieder ihren Tag im Rampenlicht, darunter Mace Winud, Padmé Amidala, Aayla Secura, Kit Fisto, R2D2 und C-3PO, und selbst Schurken wie Count Dooku, Asajj Ventress oder General Grievous stehen mitunter im Fokus.
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Das Anthologieformat besitzt sowohl Vorzüge als auch Nachteile. Ein eindeutiger Vorteil ist die Vielseitigkeit, denn im Grunde ist für jeden etwas dabei, ein Stück weit deckt TCW das gesamte Star-Wars-Spektrum ab, von eher düsteren, grimmigen und kriegerischen Inhalten über das typische Abenteuer, das mysteriös-fantastische bis hin zu Albernheiten und sehr humoristisch angehauchten Episoden. Diese Stärke ist aber auch gleichzeitig eine Schwäche, denn so wirkt TCW mitunter ziemlich unausgewogen, vor allem dann, wenn eine sehr leichtherzige Episode auf eine sehr düstere folgt. Tatsächlich hätte ich mir mehr Fokus auf die Hintergründe des Krieges bzw. das Große Ganze gewünscht. Unabhängig von der Qualität der einzelnen Schlachten und Missionen ist es schwierig, diese in einen Gesamtzusammenhang einzuordnen. Man merkt, dass Dave Filoni, George Lucas und die anderen Verantwortlichen ihren Fokus stärker auf die Einzelgeschichte und weniger auf den großen Plan legen, dem die Klonkriege folgen. Manche Angriffe der Separatisten wirken geradezu kontraproduktiv, weshalb etwa greifen die Streitkräfte der Konföderation Kamino an, obwohl Darth Sidious die Klonanlagen definitiv noch braucht? Im alten EU gab es zwar ebenfalls einen Angriff auf Kamino, dieser wurde allerdings von einer Fraktion innerhalb der Separatisten durchgeführt, die mit Dookus Führung nicht unbedingt einverstanden war, und darüber hinaus wurde besagter Angriff von Sidious und Dooku manipuliert, sodass er fehlschlagen musste. Und dann gibt es noch ein paar Folgen, die mit den Klonkriegen im Grunde gar nichts zu tun haben. Dazu gehören zum Beispiel diverse Folgen mit R2D2 und C-3PO im Fokus, aber auch der Mortis-Dreiteiler, die Mission von Mace Windu und Jar Jar Binks und im Grunde der gesamte Maul/Mandalore-Handlungsstrang. Das sagt nichts per se über diese Folgen aus, aber es ist doch auffällige, wie viele es von ihnen gibt – letztendlich heißt die Serie immer noch „Star Wars: The Clone Wars“ und nicht „Star Wars: Jedi Adventures“. Wahrscheinlich bin ich durch die Werke von James Luceno zu sehr verwöhnt und stelle an eine Jugendserie zu hohe Anforderungen, aber ich hätte mir mehr Fokus und Zusammenhang gewünscht.

In diesem Zusammenhang ist die nicht-chronologische Ordnung ebenfalls eine Schwäche, denn sie ist mitunter ziemlich verwirrend: In den Staffeln 1 bis 3 werden die Folgen zum Teil munter durcheinandergeworfen, und wer sich dessen nicht bewusst ist, ist etwas verwirrt, dass Ziro in Staffel 3 noch im Gefängnis sitzt, wo er doch schon am Ende von Staffel 1 befreit wurde.

The Clone Wars vs. Expanded Universe
Vor allem zu Beginn fand ich „The Clone Wars“ äußerst frustrierend. Bis 2008, als der Pilotfilm ins Kino kam, waren die Klonkriege die Zeit im SW-Universum, die am besten „dokumentiert“ war: Es gab eine genaue Timeline über 36 Monate, die besagte, was wann geschah, und das Ganze war im Großen und Ganzen in sich stimmig. Als „The Clone Wars“ begann, setzte es sich konstant über das alte EU hinweg. Zugegebenermaßen waren manche Änderung nötig; nachvollziehbarer Weise wollte man die Serie zu Beginn des Konflikts starten, und wenn Ahsoka als Anakins Padawan fungieren sollte, musste sein Ritterschlag natürlich vorverlegt werden. Mein Hauptproblem war jedoch, dass durch TCW Werke ersetzt wurden, die meiner Meinung nach schlicht die besseren Geschichten erzählten. Darüber hinaus fand (und finde) ich viele der Änderungen eher kontraproduktiv. Nehmen wir beispielsweise einmal Ryloth; sowohl im EU als auch in TCW ist Ryloth der Heimatplanet der Twi’leks, aber im EU ist er durch die komplexe und widersprüchliche Gesellschaft der Twi’lek sowie der einzigartigen klimatischen Verhältnisse sehr interessant, man hätte wunderbare Geschichten damit erzählen können. In TCW dagegen ist Ryloth ein ziemlich langweiliger und austauchbarer Wüstenplanet. Für die meisten Änderungen und Abweichungen vom EU ist wohl George Lucas selbst verantwortlich; hätte Dave Filoni als alleiniger Verantwortlicher fungiert, wäre wohl weitaus näher am EU geblieben.

In diesem Zusammenhang hat der Disney-Deal sogar geholfen, denn nun gibt es für mich zwei Star-Wars-Universen, die ich separat voneinander betrachten kann, nur die sechs Filme gelten für beide. Das eine ist das „alte“ SW-Universum, in dem alle Legends-Werke stattgefunden haben, die mir zusagen (ohne TCW), das andere ist die jetzt geltende Einheitskontinuität. In gewisser Weise habe ich so meinen Frieden mit TCW und den Kanonproblemen gemacht. Als Fan hat man’s halt nicht leicht.

Entwicklung
Wie bereits erwähnt war TCW vor allem zu Anfang eine ziemliche Enttäuschung. Das beginnt schon beim Pilotfilm. Dieser besteht aus den ursprünglichen ersten vier Folgen der Serie – und das merkt man leider auch ziemlich gut, denn genau so wirkt er auch: Wie vier zusammengeschnittene Folgen einer Serie. Die Kinoauswertung tut dem Material definitiv keinen Gefallen, sie schadet der Dramaturgie und wirft ein schlechtes Licht auf die Serie – die vielen enttäuschten Rezensionen sind in meinen Augen absolut keine Überraschung. Leider ging es in der ersten Staffel nicht sehr viel besser weiter, die Geschichten sind ziemlich uninteressant, die bereits etablierten Figuren gewinnen kaum an Tiefe und die neu eingeführten sind zum Teil wirklich extrem flach und klischeehaft, am schlimmsten ist in meinen Augen Dr. Bindi, der stereotype Dr.-Mengele-Verschnitt. Das soll nicht bedeuten, dass es in der ersten Staffel nicht auch gelungene Episoden gibt, etwa „Ambush“ oder „Rookie“, aber selbst diese werden zum Teil durch den wirklich unerträglichen Kampfdroidenhumor beeinträchtigt. Glücklicherweise geht es ab Ende von Staffel 1 langsam aufwärts, nicht zuletzt dank wirklich interessanter neuer Figuren wie Cad Bane und besser durchdachter, spannenderer Handlungsbögen. Ziemlich gelungen finde ich etwa den Geonosis-Vierteiler in Staffel 2, in dessen ersten beiden Folgen ordentliches Kriegsfeeling aufkam, während die zweiten zwei Episoden gelungen mit einem Horror-Element arbeiten. Erfreulicherweise sammeln sich bis zum Ende der Serie doch einige ziemlich gute Einzelepisoden und Mehrteiler an. Selbst Material, das nur bedingt (oder gar nicht) mit den Klonkriegen zu tun hat, weiß doch den Zuschauer für sich einzunehmen. Besonders hervorheben möchte ich an dieser Stelle zwei Vierteiler: Die Umbara-Episoden und Ahsokas Austritt aus dem Jedi-Orden – beide gehören definitiv mit zum Besten, was TCW zustande gebracht hat.

Ähnliches lässt sich auch über die Animation berichten, die konstant von Staffel zu Staffel besser wird. Auch hier sorgt der Pilotfilm erst einmal für einen negativen ersten Eindruck: Zwar ist er für Fernsehverhältnisse nicht schlecht animiert, aber wenn man einen Film im Kino sieht, erwartet man doch einen gewissen Standard – und an diesen Standard kommt der Pilotfilm einfach nicht heran; ein weiterer Grund, weshalb er im Kino nichts zu suchen hatte. Während Hintergründe und Raumschlachten ziemlich gut rüberkommen, sind zu Anfang vor allem die Figuren problematisch. Die Mimik ist ziemlich eingeschränkt, die Bewegungen wirken marionettenhaft, und darüber hinaus ist auch die Physik nicht immer stimmig. Glücklicherweise bessert sich das kontinuierlich. Ich muss auch zugeben, ich bin nicht unbedingt der größte Fan des kantigen Animationsstils, der stark auf dem der Clone-Wars-Zeichentrickserie von Genndy Tartakovsky beruht. Vor allem in diesem Zusammenhang ist Binge-Watching von großem Nutzen, denn nach einigen Folgen ist man unweigerlich im Stil drin, sodass er kein allzu größer Störfaktor mehr ist, man aber dennoch die Verbesserungen bemerkt. Um das Mal an einem spezifischen Element festzumachen: Darth Maul, der ab Staffel 4 mitmischt, hat eine ziemlich ausgeprägte Mimik, die in dieser Form in Staffel 1 sicher noch nicht möglich gewesen wäre.

Figuren und Sprecher
Gerade in der Figurenzeichnung hat „The Clone Wars“ doch einige Probleme. Auch hier ist vor allem (aber nicht ausschließlich) die erste Staffel betroffen. Von einer Serie, die auf einer Filmreihe basiert, könnte man theoretisch durchaus erwarten, dass sie den bereits etablierten Figuren neue Facetten abgewinnt, das passiert allerdings eher selten. Vor allem bei zwei Figuren ist das über den Verlauf der gesamten Serie hinweg recht problematisch: Count Dooku und General Grievous. Vor allem Ersterer hatte in den Prequels und im EU einige sehr interessante Eigenschaften: Edelmann, enttäuschter Idealist, Charismatiker. Kaum etwas davon hat es in die Serie geschafft, Dooku wird auf die reine Funktionalität reduziert. Noch schlimmer ist es bei Grievous, der nie über den Schurkenstereotyp hinauskommt. Seiner Charakterisierung aus „Die Rache der Sith“ wird absolut nichts hinzugefügt, Grievous ist und bleibt ein Gimmick-Schurke. Um wie viel interessanter war er da in James Lucenos „Labyrinth des Bösen“.
tcwvillains
Erfreulicherweise gibt es aber auch Gegenbeispiele. Anakin Skywalker ist so eines: Die Serie ist weitaus besser darin, Anakin nachvollziehbar und interessant darzustellen als die Prequels. Der Konflikt und die Zwiespältigkeit der Figur wird hier gelungener ausgearbeitet, Anakin ist glaubhafter heroisch, während seine dunkle Seite trotzdem hervortritt, das aber in besserem Ausmaß und subtiler als in „Angriff der Klonkrieger“. Auch Asajj Ventress macht im Verlauf der Serie eine durchaus passable Entwicklung durch. Und dann wäre da noch Darth Maul… Ich war und bin kein Fan dieses Zurückholens einer beliebten Figur, vor allem weil man merkt, dass die Clone-Wars-Macher unbedingt von Mauls Popularität profitieren wollten, zuerst, indem sie den eher plumpen Maul-Captain-Ersatz Savage Opress einführten und dann auch noch Maul selbst zurückbrachten. Sofern man über die ungeschickte Integrierung hinwegsieht lässt sich nicht leugnen, dass Maul in „The Clone Wars“ trotz allem die interessantere Figur ist – was zugegebenermaßen auch nicht so schwer zu bewerkstelligen war, denn in „Die dunkle Bedrohung“ war Maul letztendlich nur ein Gimmick, ein ziemlich cooles zwar, aber ein Gimmick nichtsdestotrotz. Die TCW-Version dagegen hat Ambitionen und muss damit klarkommen, dass sie von ihrem Meister im Stich gelassen wurde. Sehr gute Arbeit leistet die Serie auch in Bezug auf die Klone, die im Großen und Ganzen sehr gelungen und differenziert dargestellt werden, viele der Episoden mit Klonfokus gehören zu den besten der Serie.

Ein Bereich, in dem TCW definitiv brilliert sind die Sprecher. In der deutschen Version hat man, wo möglich, jeweils die Originalsprecher der Filme verpflichtet, die Qualität der Synchro ist allerdings nicht unbedingt berauschend, im Gegensatz zum Original. Zwar kehrten hier nur ein paar der Schauspieler der Filme zurück, u.a. Samuel L. Jackson und Christopher Lee (nur im Pilotfilm) und Anthony Daniels, Daniel Logan, Liam Neeson und Pernilla August (die beiden Letzteren nur in kleinen Gastauftritten), aber davon unabhängig ist der Cast wirklich extrem talentiert. In fünfeinhalb Staffeln kommen natürlich ziemlich viele Sprecher zusammen, weshalb ich hier nur ein paar hervorheben möchte. James Arnold Taylor zum Beispiel klingt wirklich fast genauso wie Ewan McGregor, auch Tom Kane (Yoda) und Matt Latner kommen den Filmversionen verdammt nahe. Ebenfalls sehr bemerkenswert sind Nika Futterman (Asajj Ventress) und Sam Witwer – Letzterer sprach bereits in „The Force Unleashed“ Starkiller und den Imperator, hier ist er die Stimme von Darth Maul und dem Sohn aus der Mortis-Trilogie. Eine besonders große Bandbreite zeigen Dee Bradley Baker, der es schafft, Dutzenden von Klonen eine distinktive Stimme zu geben, und Corey Burton, der so unterschiedliche Charaktere wie Count Dooku, Ziro the Hutt und Cad Bane spricht. Mein Favorit unter den Sprechern ist der leider 2012 verstorbene Ian Abercrombie, der ein grandioser Ersatz für Ian McDiamird als Palpatine bzw. Darth Sidious war und die Doppelidentität perfekt vermittelte. Während die Sidious/Imperator-Stimme noch verhältnismäßig einfach nachzuahmen ist, ist Palpatine als Oberster Kanzler weitaus schwieriger.

Musik
Ähnlich wie viele andere Aspekte der Serie fand ich die Musik, komponiert von Kevin Kiner, zu Anfang, speziell was den Score des Pilotfilms angeht, nicht besonders überzeugend. Auch hier gibt es glücklicherweise eine positive Entwicklung. Der Score des Films ist ein eher unausgereiftes Konglomerat an verschiedenen Stilen, die nicht so recht zusammenpassen; hier ein wenig Williams, dort etwas, das eher nach Hans Zimmer klingt, und dann auch noch E-Gitarren-Riffs, die auf ein Metal-Album passen, aber in einem SW-Score nichts verloren haben. Mein Hauptkritikpunkt war allerdings das Fehlen der Williams-Themen, bis auf den Main Title, das Machtthema, eine Andeutung des Imperialen Marsches und eine ziemlich merkwürdige Platzierung des Cloud-City-Themas hat es kaum leitmotivisches Material in Kevin Kiners Score geschafft. Ab Staffel 2 ändert sich das erfreulicherweise. Das Machttehma bleibt weiterhin fester Bestandteil der Musik und der Imperiale Marsch wird recht häufig, oft auch nur fragmentarisch, zitiert, um auf Anakins Schicksal zu verweisen, Prinzessin Leias Thema hat einen Gastauftritt auf Alderaan, Yodas Thema ist öfter zu hören und auch das Sidious/Sith-Thema bekommt einige markante Einsätze. Ein wenig seltsam finde ich allerdings, dass die PT-Themen sehr unterpräsentiert sind – gerade deren Einsatz hätte sich angeboten. Lediglich zwei Leitmotive, die nur in den Prequels zu hören sind haben es in die Serie geschafft: Das Battle-of-the-Heroes-Thema ist in Staffel 3 (Mortis-Trilogie, als der Sohn Anakin die Zukunft zeigt) und noch einmal in Staffel 5 (Yodas Vision vom zerstörten Jedi-Tempel) zu hören, und Qui-Gons Thema taucht auf, wenn der verstorbene Jedi-Meister in einer Machtvision zu sehen ist. Andere, etwa die Motive von Grievous, der Handelsföderation oder Anakin, von Across the Stars ganz zu schweigen, fehlen, hätten perfekt integriert werden können; auf diese Weise hätte man viele Szenen prägnanter gestalten können.

Immerhin hat Kiner durchaus einige neue Themen geschaffen, die er über den Verlauf der Serie entwickelt, etwa für Ahsoka, die Republik und Asajj Ventress. Diese sind funktional bis gut, bleiben aber letztendlich hinter den Themen des Maestro zurück. Insgesamt ist die Musik von TCW gut, hätte aber, durch die Verwendung von einigen der unbekannteren Williams-Themen wirklich grandios werden können.

Fazit
Nachdem ich die Serie nun einmal in kurzer Zeit komplett gesehen habe, bin ich immer noch nicht ihr größter Fan, muss aber zähneknirschend zugeben, dass sie sich definitiv zum Besseren entwickelt hat. Sie ist immer noch nicht die Repräsentation „meiner“ Klonkriege, das bleibt den diversen Comics und Romanen, die zwischen 2002 und 2005 erschienen sind, vorbehalten, aber es gibt definitiv diverse Einzelfolgen und Mehrteiler, die in die Nähe besagter Werke kommen oder anderweitig schlicht verdammt unterhaltsam sind. Somit hinterlässt „Star Wars: The Clone Wars“ bei mir insgesamt einen recht zwiespältigen Eindruck, denn nach wie vor gibt es viele, das mich massiv stört. Aber TCW hat auch bewiesen, dass es richtig gut, düster und erwachsen sein kann, einem Konflikt wie den Klonkriegen angemessen. Wenn nur der Droidenhumor nicht wäre…

SWR: Spark of Rebellion

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Nein, in diesem Artikel geht es nicht um den Südwestrundfunk, sondern um die erste Doppelfolge von „Star Wars Rebels“, die gleichzeitig die Funktion eines Pilotfilms hat. Ich weiß ehrlich gesagt noch nicht, ob ich in Zukunft über alle Folgen der Serie schreiben werde, ob ich mir einzelne Exemplare rauspicke, die mich entweder beeindruckt oder aufgeregt haben oder ob ich am Ende der Staffel eine Überblicksdarstellung schreibe, aber da es sich bei „Spark of Rebellion“ um das erste bewegte Material der neuen Einheitskontinuität handelt, wollte ich diesen Umstand würdigen.
Bei „Star Wars Rebels“ handelt es sich im Grunde um den de facto Nachfolger von „Star Wars: The Clone Wars“. So ähnlich, wie TCW die Zeit zwischen Episode II und III überbrückte, tut „Rebels“ dasselbe für die Zeit zwischen Episode III und IV. Wer meinen Blog schon länger verfolgt, weiß, dass ich TCW aus mehreren Gründen nicht unbedingt positiv gegenüberstehe, weshalb ich auch „Rebels“ eher mit gemischten Gefühlen entgegensah. In der Tat ist Dave Filoni, der TCW produzierte, auch bei „Rebels“ wieder an Bord, es gibt allerdings auch einige Faktoren, die mich positiver stimmten, u.a. die Mitarbeit von Greg Weisman (der mit „Gargoyles“ für eine meiner Lieblingszeichentrickserien verantwortlich ist) und auch die Tatsache, dass George Lucas nicht mehr mitredet, denn von ihm kamen viele der kreativen Entscheidungen, die ich bei TCW, nun sagen wir mal, eher fragwürdig fand.

Handlung
Auf Lothal trifft der junge Ezra Bridger (Taylor Gray) eher durch Zufall auf die Crew der Ghost. Beide versuchen, dem Imperium mehrere wertvolle Kisten abzunehmen, was zur Folge hat, dass sie schließlich alle gemeinsam fliehen müssen. So findet Ezra heraus, dass es sich bei besagter Crew, die aus der Twi’lek Pilotin Hera Syndulla (Vanessa Marshall), dem Ex-Jedi Kanan Jarrus (Freddie Prinze jr.), dem Lasat Zeb Orrelios (Steven Blum), der Mandalorianerin Sabine Wren (Tiya Sircar) und dem Astromech-Droiden Chopper besteht, nicht einfach nur um gewöhnliche Diebe handelt, vielmehr begehen sie gezielt Sabotage-Akte gegen das Imperium. Da Ezra nun unfreiwillig bei ihrer nächsten Mission dabei ist, muss er sich entscheiden, ob er sein altes Leben weiterführen oder Teil der Crew werden und gegen das Imperium kämpfen will…

Umsetzung und Figuren
Um ehrlich zu sein, als im Vorfeld die Figuren der Serie vorgestellt wurden, war ich nicht besonders begeistert, so schlimm, wie ich es befürchtet hatte, ist es dann allerdings nicht gekommen. Im Grunde versucht SWR eine ähnliche Figuren-Dynamik aufzubauen, wie man sie in der OT findet. Das zeigt sich schon daran, dass Zeb auf einem von Ralph McQuarries ursprünglichen Entwürfen für Chewbacca basiert (darüber hinaus posiert er in dieser Folge als haarloser Wookiee). Auch bei einigen der anderen Figuren lassen sich Elemente der OT ausmachen. Ezra erinnert an Luke (kombiniert mit einer Prise Ahsoka), Kanan erscheint ein wenig wie eine Mischung aus Han Solo und Obi-Wan, Heras schnippische Kommentare erinnern an Prinzessin Leia und dass Chopper an R2 angelehnt ist dürfte wohl niemanden verwundern.
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Die Crew der Ghost (von links nach rechts): Sabine (Tiya Sircar), Ezra (Taylor Gray), Kanan (Freddie Prinze jr.), Zeb (Steven Blum) und Chopper

Erfreulich ist, dass mir keine der Figuren wirklich auf die Nerven gegangen ist, so wie es bei Ahsoka war, die ich praktisch von ihrem ersten Auftritt an nicht leiden konnte. Besonders bei Sabine, einer Mandalorianerin in pinker Rüstung, die gleichzeitig Sprengstoffexpertin und Graffiti-Künstlerin ist, hatte ich so meine Bedenken, aber (bisher, wohlgemerkt!) ist so noch nicht wirklich negativ aufgefallen. Allerdings gibt es unter der Crew der Ghost leider auch keine Figur, bei der ich sagen könnte: „Allein wegen diesem Charakter würde ich die Serie weiterverfolgen.“ Alle Figuren bleiben in der ersten Folge noch recht blass, Motive und Hintergründe bleiben fast völlig unerwähnt, wobei für mich persönlich Kanan noch am interessantesten ist. Zugegebenermaßen kann man in 45 Minuten nur eine bestimmte Menge an Material unterbringen. Dementsprechend ist die Story des Piloten auch ziemlich einfach gehalten und dient vor allem dazu, die Figuren, ihren Platz in der Crew und ihre Dynamik vorzustellen. Die verschiedenen Sprecher sind dabei in Ordnung, es sticht allerdings keiner wirklich hervor.
Das größte Manko ist in meinen Augen die Darstellung des Imperiums. Ja, „Rebels“ ist eine Serie, die sich vornehmlich an Kinder und Jugendliche richtet, aber müssen die Imperialen wirklich derart ineffektiv und schlicht blöd sein? Da steht Kanan bewegungslos da, baut seelenruhig sein Lichtschwert zusammen und die Sturmtruppen schießen daneben. Und derartiges ist leider die Regel, nicht die Ausnahme. Zwar waren die Sturmtruppen schon in der OT nicht unbedingt die Effektivsten, aber die Darstellung hier erreicht ein völlig neues Level an Unfähigkeit, das an die Kampfdroiden aus den Prequels und TCW erinnert. Kinderserie hin oder her, das muss nun wirklich nicht sein.
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Die Pilotin der Ghost: Hera (Vanessa Marshall)

Das heißt nun allerdings nicht, dass dieser Pilot völlig misslungen wäre. Es gab durchaus gelungene Momente, etwa als Kanan sich als Jedi enthüllt (trotz der danebenschießenden Sturmtruppen), die Aktivierung des Holocrons und das erste Auftauchen des Inquisitors am Schluss – auf diesen freue ich mich besonders, wird er doch von Jason „Lucius Malfoy“ Isaacs gesprochen. Insgesamt ist diese erste Doppelfolge vor allem funktional. Sie etabliert, aber viel mehr erreicht sie nicht.
Noch ein nettes kleines Detail für Fans: Das ISB (Kürzel für „Imperial Security Bureau“), eine aus dem EU stammende Behörde, hat es mit „Spark of Rebellion“ in die neue Einheitskontinuität geschafft. Ich hoffe, dass dies auf weitere, ähnlich geartete Detailinformationen ebenfalls zutreffen wird.

Der Animationsstil
„Rebels“ bemüht sich, mit seinen Animationen den Stil der Gemälde von Ralph McQuarrie einzufangen. Dies sorgt vor allem für durchaus gelungene Hintergründe, das Figurendesign dagegen ist eher mäßig. Im Gegensatz zu TCW, bei dem die Figuren insgesamt ziemlich kantig waren, herrschen nun runde Formen vor. Gerade im Vergleich zu den letzten TCW-Folgen ist der Detailgrad allerdings wieder merklich zurückgegangen, was wohl damit zusammenhängt, dass das Budget zum Serienstart noch sehr niedrig ist. Alles wirkt insgesamt sehr sauber und geleckt (was für eine Star-Wars-Serie natürlich nicht unbedingt optimal ist) und gerade bei der Animation von Ezras Haaren oder den Wookiees fällt auf, wie detailarm das Ganze noch ist. Besonder auffällig ist dies bei Obi-Wans Gastauftritt ins Form eines Hologramms, besonders, wenn man sein Design mit dem aus TCW vergleicht: Der allseits bekannte und beliebte Jedi-Meister sieht mit dem Mondgesicht, dass er hier hat, schlicht seltsam aus. Lange Rede, kurzer Sinn: Der Animationsstil ist recht gewöhnungsbedürftig und es gibt eindeutig noch sehr viel Raum für Verbesserungen.

Die Musik
Es ist schon ein wenig ironisch: Der Komponist von „Rebels“ ist Kevin Kiner, der bereits die Musik für TCW schrieb. Seine Clone-Wars-Musik war mir, vor allem zu Beginn der Serie, zu weit vom typischen, von John Williams geprägten Star-Wars-Sound entfernt, sowohl was die Leitmotive als auch den Stil angeht – harte E-Gitarren-Riffs passen meiner Meinung nach nun wirklich nicht zu Star Wars. Bei „Rebels“ ist es genau andersherum. An zu vielen Stellen, vor allem beim Action-Underscoring, kopiert Kiner einfach eins-zu-eins Musik aus Episode IV, nur dass diese von einem kleineren Ensemble gespielt wird, was, gerade im Vergleich zum Original, stark negativ auffällt. Ich bin immer für stilistische und leitmotivische Kontinuität, aber nicht durch direkte Übernahme. Auch Fehlplatzierungen von Themen (in diesem Fall vom Hauptthema (bzw. Lukes Thema) und Leias Thema) finde ich nicht besonders prickelnd.
callus
Die Repräsentanten des Imperiums: Agent Kallus (David Oyelowo) und völlig unfähige Sturmtruppen

Der Score von „Spark of Rebellion“ ist immer dann am besten, wenn Kiner sich zwar der Themen von John Williams bedient, aber eigene Variationen verwendet. Gut gefallen haben mir zum Beispiel die Einsätze des Machtthemas, das tatsächlich geholfen hat, den entsprechenden Momenten mehr Gewicht zu verleihen, und die Andeutungen des Imperialen Marsches, der allerdings nicht voll erklingt, sondern nur in Fragmenten, denn, mal ehrlich, so bescheuert, wie die Imperialen hier agieren, haben sie eine kräftige Performance einfach nicht verdient. Auch das Ende der Episode ist interessant, da hier ein Thema zu hören ist, das wegen des Chors zwar vage an das Palpatine/Sith-Thema erinnert, aber doch klar eine eigenständige Komposition ist – dass Kiner nicht einfach besagtes Williams-Thema für den Inquisitor recycelt ist definitiv zu begrüßen.

Fazit: „Spark of Rebellion“ bemüht sich in meinen Augen zu sehr damit, den Charme der OT (speziell von Episode IV) zu reproduzieren, anstatt etwas Eigenes zu etablieren. Potential ist zwar durchaus vorhanden, bislang bleibt aber alles eher funktional anstatt wirklich überzeugend. Somit ist der Gesamteindruck, den ich vom Piloten von „Star Wars Rebels“ habe, eher mäßig. Der Serienstart ist zwar nicht unterirdisch, aber damit mir die Serie gefällt ist noch gewaltige Qualitätssteigerung nötig.