GoT: Sons of the Harpy

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„Sons of the Harpy“ ist mal wieder eine der Folgen mit übergreifendem Thema, in diesem Fall religiöser bzw. traditioneller Extremismus. Vor allem Ersterer ist bei Melisandre natürlich niemals weit, dieses Mal kommt es allerdings aus anderer Quelle, denn der Glaube der Sieben wird militanter und auch die Söhne der Harpyie, Traditionalisten mit religiösem Eifer, greifen zu extremeren Mitteln. Beide werden durch ihre Aktionen einander quasi gegenübergestellt, was dieser Episode eine interessante Aktualität verleiht.

Dorne
Jaime und Bronn sind auf dem Weg nach Dorne, wobei sie noch einmal das Für und Wieder dieser Mission diskutieren. Das Gespräch bestätigt noch einmal, wie anders Jaimes Motivation im Vergleich zu den Romanen ist, was auch mit einer weiteren Änderung der letzten Staffel zu tun hat. Bei seiner Befreiung in den Romanen wirft Tyrion seinem Bruder unter anderem auch an den Kopf, wen Cersei alles mit Sex gefügig machte, was zur weiteren Entzweiung der Zwillinge beiträgt, während dies in der Serie nicht geschieht. Hier scheint Jaime eher darauf versessen zu sein, Cerseis Gunst zurückzugewinnen. Deswegen kann auch niemand anderes Myrcella aus Dorne retten; „It mus be me.“

Sobald die beiden an Land sind, dauert es nicht lange, bis sie entdeckt werden; was folgt ist ein weiterer Actioneinschub, den ich allerdings durchaus gelungen finde. Mir gefällt die Dynamik zwischen Bronn und Jaime, und die Szene illustriert auch schön, wie der Königsmörder langsam lernt, mit seinem Handicap besser umzugehen und es im Kampf einzusetzen.
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Die Sandschlangen: Obara (Keisha Castle-Hughes), Nymeria (Jessica Henwick) und Tyene (Rosabell Laurenti Sellers)

Anderswo sucht Ellaria Sand die drei ältesten Sandschlangen, Oberyn Martells Bastardtöchter, auf. Insgesamt gibt es acht Sandschlangen in den Romanen (und in der letzten Staffel sprach Oberyn auch einmal von derselben Anzahl). Auch in den Romanen sind Obara (Keisha Castle-Hughes), Nymeria (Jessica Henwick) und Tyene (Rosabell Laurenti Sellers) die dominantesten Sandschlangen, während die anderen entweder abwesend oder zu jung sind. Obara entspricht relativ genau den Beschreibungen aus dem Roman, auch dort ist der Speer ihre Hauptwaffe. Nymeria hat in der Serie dagegen ihre Messer gegen eine Peitsche getauscht (die bei Martin Obara führt). Tyene unterscheidet sich am meisten von ihrem Romangegenstück, da sie dort, anders als in „Game of Thrones“, nicht die Tochter von Ellaria, sondern das Kind einer Septa und darüber hinaus blond ist (was hier, bei den geänderten Verwandtschaftsverhältnissen natürlich unsinnig wäre). Das unschuldige Äußere wurde allerdings gut getroffen.

Von diesen Äußerlichkeiten abgesehen lässt sich allerdings noch nicht allzu viel über die Sandschlangen sagen, da die Szene inhaltlich kaum etwas Neues offeriert: Die Sandschlangen wollen Rache an den Lannisters und wissen nun, dass Jaime in der Gegend ist, um Myrcella heimzuholen. Es ist nicht schwer zu erraten, dass uns hier eine Konfrontation bevorsteht.

King’s Landing
In der Hauptstadt bemüht sich Cersei, ihre Macht weiter zu sichern, in dem sie den Kleinen Rat noch weiter verkleinert und alles daran setzt, die Tyrells zu entmachten: Lord Mace soll nach Braavos gehen, um mit der Eisernen Bank zu verhandeln, während Ser Loras, den Cersei nach wie vor nicht heiraten möchte, von den Spatzen überwältigt und eingesperrt wird. In den Romanen verhält sich dies ähnlich, ist allerdings (mal wieder) weitaus komplexer. Ich denke, für die Serie funktioniert es, so wie es ist, allerdings ist es schon schade, dass Loras in „Game of Thrones“ um so vieles flacher und uninteressanter ist als in den Romanen.

Dafür ist der Hohe Spatz hier fast interessanter als in der Vorlage, wo er wie der typische, verstockte Fanatiker wirkt, während er in der Serie weitaus sympathischer erscheint – was ein wenig Humor alles ausmacht. In der Zwischenzeit ist er auch wirklich zum Hohen Septon aufgestiegen und Cersei versucht sich das zunutze zu machen; mit seiner Hilfe gedenkt sie, sich Loras Tyrells endgültig zu entledigen. Als „Gegenleistung“ schlägt sie dem Hohen Septon vor, die militärischen Orden des Glaubens wieder zu erlauben, die zwei Jahrhunderte zuvor von den Targaryen verboten wurden. Im Vergleich dazu ist es in den Romanen der Hohe Spatz, von dem die Initiative ausgeht, wobei Schulden, die die Krone beim Glauben hat, ebenfalls eine Rolle spielen. Derweil entledigt sich Cersei Loras, indem sie ihn an der Belagerung von Dragonstone teilnehmen lässt – Stannis‘ Inselfestung tauchte bislang in dieser Staffel überhaupt nicht auf.
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Lancel Lannister (Eugene Simon), gezeichnet mit dem siebenzackigen Stern

Wie dem auch sei, da die Spatzen sich nun bewaffnen dürfen, machen sie sich auch gleich an die Arbeit, marschieren durch die Straßen von King’s Landing, zerstören alles, was sie für sündig halten, stürmen Littlefingers Bordell und machen kurzen Prozess mit allem, das ihrem Glauben widerspricht. Die gesamte Montage ist recht plakativ, unterlegt von einem ominösen Chor, dazu die Zwischenschnitte von Lancel, dem der siebenzackige Stern in die Stirn geschnitten wird. Diese, man möchte fast sagen, Machtübernahme des Glaubens ist bei Martin weitaus subtiler dargestellt, man kann allerdings kaum die Aktualität einer derartigen Szenerie und die Brutalität, zu der religiöse Fanatiker in der Lage sind, leugnen.

Margaery ist natürlich nicht begeistert, dass ihr Bruder eingesperrt wurde, und zum ersten Mal beginnt ihre Fassade leicht zu bröckeln. Tommens Versuche, Loras zu befreien, erweisen sich als wenig erfolgreich, er wird nicht einmal zum Hohen Spatz vorgelassen, und auch die Bevölkerung scheint gegen ihn zu sein – das alles könnte noch ziemlich unangenehm für den jungen König werden. Und natürlich auch für seine Mutter…

Castle Black
Auf der Mauer passiert dieses Mal nicht besonders viel. Stannis stellt fest, dass er Jon Snow zwar nicht mag (nun, wen mag Stannis schon?), aber doch zumindest respektieren kann, und auch Melisandres Interesse am neuen Lord Commander der Nachtwache steigt genug, um ihn verführen zu wollen. Nun kann man spekulieren ob HBO hier nur wieder Fanservice einbaut oder ob das tatsächlich handlungsbedeutend ist – ich tendiere dabei fast eher in Richtung des Letzeren, immerhin zeigt es Jon Snows Reifungsprozess weiter und man kann spekulieren, dass Melisandre eventuell ein weiteres Schattenbaby zeugen möchte, eventuell, um Roose Bolton kurz und schmerzlos umzubringen; auch in Jon Snows Adern fließt ja königliches Blut, das des Königs des Nordens (und sollte R+L=J zutreffen, sogar mehr als das).

Stannis hat derweil eine kleine Konversation mit seiner Tochter, in der sich zeigt, dass er sie trotz seines kalten Äußeren wirklich liebt. Um ehrlich zu sein bereitet es mir Probleme, Buch-Stannis in einer ähnlichen Situation zu sehen – viele der Figuren wurden für die Serie sympathischer und zugänglicher gemacht. Die Art und Weise, wie Stannis sein Ziel verfolgt, passt nun allerdings wieder besser zu seinem Charakter.

Winterfell
In der Gruft von Winterfell rekapituliert Littlefinger eines der zentralen Ereignisse der Vorgeschichte der Serie (bzw. der Romane): Das Turnier von Harrenhal, bei dem Rhaegar Targaryen mehr oder weniger der Grundstein für Roberts Rebellion legte, indem er seinen Turniersieg nicht seiner Frau Elia Martell, sondern Lyanna Stark widmete. Während dieses Ereignis in den Romanen sehr präsent ist, wird es, wenn ich mich recht erinnere, in der Serie hier zum ersten Mal detailliert dargestellt. Auffällig ist auch, dass Rhaegar in dieser Folge noch einmal (in Meereen) sehr prominent erwähnt wird; wird hier etwas aufgebaut, das vielleicht sogar über die Romane hinausgeht? Immerhin werden in Staffel 5 zum ersten Mal Flashbacks eingesetzt, vielleicht überlegen sich Benioff und Weiss, uns auch noch andere, wichtige Ereignisse der Vergangenheit zu zeigen, wahrscheinlich nicht mehr in dieser, aber doch vielleicht in der nächsten Staffel.

Im Anschluss an die Rekapitulation erläutert Littlefinger seine Pläne noch ein wenig: Er erwartet, dass Stannis Winterfell bald erobert – somit wäre Sansas Zeit als Ramsays Verlobte (bzw. Ehefrau) eher kurz bemessen. Tatsächlich macht diese Aussicht den Plan ein wenig logischer, und wie wir wissen sucht Stannis ja auch tatsächlich einen (bzw. eine) Stark, den er den Lords des Nordens vorsetzen kann. Die Frage ist nur: Wie und wo sieht Littlefinger den Vorteil für sich, denn Stannis würde ihn mit ziemlicher Sicherheit hinrichten lassen. Was Littlefingers Rückkehr nach King’s Landing bedeutet, lässt sich jedenfalls noch nicht absehen.

Auf dem Weg nach Meereen
Tyrion und Jorah haben in dieser Folge nur eine recht kurze Szene, die vor allem aus Exposition besteht: Anhand der Hinweise, die er von Jorah bekommen hat, deduziert Tyrion, in welcher Lage er sich befindet und wiederholt dabei gleich noch einmal für den Zuschauer, wie die beiden in diese Lage gekommen sind. Das könnte langweilig sein, aber die Art, wie Peter Dinklage deduziert ist natürlich höchst unterhaltsam.

Meereen
Das Ende der Folge bringt uns nach Meereen, wo das erste „schockierende“ Ereignis dieser Staffel stattfindet, von dem ich aktuell allerdings noch nicht weiß, wie ich es bewerten soll. Das Episodenfinale gehört definitiv Ser Barristan Selmy, denn es ist auch gleichzeitig sein Finale. Nach einem kurzen (aber gelungenen) Gespräch mit Daenerys verlässt Ser Barristan die Große Pyramide. In den Straßen der Stadt sind derweil die Söhne der Harpyie wieder aktiv und töten Freigelassene in einer Aktion, die an die der Spatzen zu Beginn der Folge erinnert und eine Parallele zieht: Noch mehr Extremisten, die rücksichtlos gegen alles vorgehen, das ihren Ansichten widerspricht. Es kommt zu einer Auseinandersetzung zwischen den Söhnen und einer Gruppe von Unbefleckten unter Grey Worms Führung, der auch der einzige ist, der überlebt. Kurz darauf stößt Ser Barristan dazu, was für ihn letztendlich tödlich endet.
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Ser Barristan Selmy (Ian McElhinney)

Wie gesagt, ich weiß noch nicht, wie ich diese Wendung bewerten soll. Es ist definitiv schön, endlich einmal Barristan den Kühnen in Aktion zu sehen, und nun wird auch klar, wie er sich seinen Ruf erworben hat, denn bevor er selbst niedergestreckt wird, mäht er noch einen ganzen Haufen Feinde nieder. Dies ist allerdings auch eine weitere, enorme Abweichung von den Romanen, wo Ser Barristan nach wie vor am Leben ist. In „A Dance with Dragons“ verschwindet Daenerys zusammen mit Drogon; während ihrer Abwesenheit ist es Barristan, der als „Hand der Königin“ quasi ihre Regierungsgeschäfte übernimmt. Es war schon von vornherein klar, dass diese Episode wohl ausgespart wird, dennoch ist Ser Barristans Tod ein herber Verlust und großer Einschnitt für Daenerys. Ich hoffe, das wird in den kommenden Episoden auch angemessen umgesetzt.

Fazit: „Sons of the Harpy“ ist sehr schwierig zu bewerten, da es sich hierbei um eine Überleitungsepisode handelt, deren Ereignisse zu stark auf Kommendes hin aufbauen, aus diesem Grund können sie auch erst bewertet werden, wenn man weiß, in welche Richtung sich die Handlungsstränge bewegen.

GoT: High Sparrow

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Nein, die Titelfigur dieser Episode ist nicht mit Captain Jack Sparrow verwandt und ja, dieser Witz ist ziemlich lahm, aber da der Hohe Spatz von Jonathan Pryce, der in den Pirates-Filmen Elizabeth Swanns Vater Weatherby Swann spielte, dargestellte wird, musste das einfach sein.

Braavos
Die Episode beginnt im Haus von Schwarz und Weiß, wo Arya von Jaqen etwas über das Konzept dies vielgesichtigen Gottes, der die verschiedenen Verkörperung des Todes in allen Kulturen darstellt, im Glaube der Sieben ist eine solche Verkörperung der Fremde. In den Romanen werden in diesem Zusammenhang allerdings weder R’hllor noch der ertrunkene Gott genannt, sondern andere Götter wie die schwarze Ziege von Qohor. Gerade R’hllor bietet sich auch als Aspekt des vielgesichtigen Gottes überhaupt nicht an, da er ja laut seiner Anhänger für Licht und Leben steht, während sein namenloser Widersacher Kälte und Tod verkörpert. Aber das nur am Rande. Das Aussehen des Inneren von Aryas Ausbildungstätte entspricht, wie schon das Äußere, ziemlich genau den Buchbeschreibungen, wobei ich sagen muss, dass ich mir das alles beim Lesen irgendwie größer vorgestellt habe.

Nachdem sie sich langsam eingewöhnt hat, taucht in Aryas Zimmer eine weitere Einwohnerin des Hauses von Schwarz und Weiß auf, die in der Serie vorerst völlig namenlos bleibt, bei der es sich aber wohl um „the waif“ (die Herrenlose) handelt, eine Attentäterin, die zwar 36 Jahre alt ist, aber wie ein dünnes, kleines Mädchen aussieht und von der Arya einiges lernt, unter anderem Braavosi. In der Serie dagegen wird sie von der auf die 30 zugehenden Schauspielerin Faye Marsay verkörpert. Hier veranlasst sie vor allem, dass Jaqen Arya dazu bringt, ihre alte Identität völlig aufzugeben in dem sie sich von ihren Besitztümern trennt. Wie in „A Feast for Crows“ bringt sie es allerdings nicht über sich, Needle ins Wasser zu werfen, stattdessen versteckt sie die Klinge. Da sie nun Arya Stark aufgegeben hat, darf das nun namenlose Mädchen zum ersten Mal ins untere Stockwerk des Hauses von Schwarz und Weiß, um zusammen mit der Herrenlosen ein Leiche zu waschen.

King’s Landing
Es wird wieder geheiratet, und dieses Mal sterben weder der Bräutigam, noch seine Familie. Auch für Margaery, die immerhin schon zwei Hochzeiten hinter sich hat, ist diese Hochzeit ein Novum: Die Ehe wird tatsächlich vollzogen. Das trifft allerdings nur auf die Serie zu, denn in den Romanen ist Tommen gerade einmal neun Jahre alt. Das Ergebnis ist jedoch im Grunde dasselbe: Der Krieg der Königinnen. Cersei und Margaery versuchen, Tommen für die eigenen Zwecke einzuspannen und die jeweils andere loszuwerden. In der Serie Margaery nun natürlich noch eine zusätzliche Möglichkeit, ihre Ziele zu erreichen. Sie beginnt auch sofort damit, indem sie Tommen nahelegt, Cersei nach Casterly Rock zurückzuschicken, da es ihr in der Hauptstadt doch überhaupt nicht gefällt. Dass Cersei davon nicht begeistert ist, als Tommen es ihr vorschlägt, dürfte kaum verwundern. Was folgt ist ein mal mehr, mal weniger subtiler Zickenkrieg zwischen Cersei und Margaery, der zwar besser zu „Desperate Housewives“ als zu „Game of Thrones“ passt, aber doch irgendwie amüsant ist.
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Der Hohe Spatz (Jonathan Pryce)

Derweil ändert sich die Situation in King’s Landing und die Fundamentalisten gewinnen an Macht: Die Spatzen stürmen Littlefingers Bordell (natürlich, keine Staffel kommt ohne mindestens eine Szene in Littlefingers Bordell aus) und zwingen den korrputen Hohen Septon zu einem Marsch der Schande durch die Straßen von King’s Landing, der wohl dazu dient, den Zuschauern das Konzept vorzustellen, und der natürlich ein anderes Ereignis ankündigt, das wir wohl gegen Staffelende zu sehen bekommen werden.

Im Gegensatz zu den religiösen Fanatikern wirkt der Hohe Spatz, den Cersei auf die Beschwerde des Hohen Septons hin besucht, sehr ausgeglichen und sogar humorvoll. Wie üblich versucht Cersei sich auch hier, die Situation zu Nutze zu machen, wobei sie in der Serie noch in größerem Ausmaß ihr eigenes Grab schaufelt als in den Romanen, da sie es hier im Grunde ist, die dem Hohen Spatz zur Macht und zum Amt des Hohen Septon verhilft. In jedem Fall verspricht der Hohe Spatz, auch in der Serie eine interessante Figur zu werden.

Der Norden
Die Boltons machen sich in Winterfell breit, bauen es wieder auf und dekorieren es neu, indem sie Gehäutete aufhängen. Während es geschäftig zugeht, erteilt Roose Bolton seinem Sohn eine Lektion in Sachen Politik und eröffnet ihm, dass er heiraten wird. Wer die zukünftige Braut ist, ist nicht schwer zu erraten: Wie ich bereits prophezeit hatte, nimmt tatsächlich Sansa die Rolle der „falschen Arya“ ein. In den Romanen schickte Littlefinger Jeyne Poole, Sansa beste Freundin nach Norden, damit die Boltons sie als Arya ausgeben, mit Ramsay verheiraten und so ihren Anspruch auf den Norden festigen konnten. Das Vorhaben in der Serie ist dasselbe, das Vorgehen insgesamt allerdings ein wenig unplausibler, wenn auch nachvollziehbar, wenn man sich in Benioff und Weiss hineinversetzt, denn in „A Feast for Crows“ hat Sansa nun einmal nicht besonders viel zu tun. Die Entscheidung, Charaktere zusammenzuführen ist meist rentabel, wobei gerade in diesem Zusammenhang doch einiges an Unglaubwürdigkeit überwunden werden muss. Sowohl für Littlefinger als auch für Roose Bolton ist der Schachzug ziemlich riskant, und dass Sansa sich nun die Hände von jemandem gibt, der nicht nur schlimmer als Joffrey ist, sondern dessen Vater auch noch ihren Bruder getötet hat, nun… Immerhin wird das auch thematisiert, und ich halte mich mit einem Urteil mal zurück, bis absehbar ist, wie sich der Handlungsstrang weiterentwickelt.

Brienne und Pod sind derweil auch nicht weit, da Brienne nicht auch noch die zweite Stark-Tochter verlieren will. Wie es aussieht, gibt’s gen Staffelende ein großes Zusammentreffen diverser Charaktere im Norden, mit Sansa, Brienne und Pod, den Boltons, eventuell Littlefinger und weiß der Geier, wer sonst noch dazustoßen könnte. Vorerst einmal entdeckt Brienne weitere Sympathie für Pod und verspricht, ihm das Kämpfen beizubringen. Beide Erzählen sich Anekdoten aus der Vergangenheit, und darüber hinaus ruft uns Brienne in Erinnerung, dass sie, neben dem Schwur, den sie Catelyn geleistet hat, noch eine weitere Motivation hat: Stannis töten. Das könnte interessant werden.
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Sansa (Sophie Turner) und Littlefinger (Aiden Gillen) im Norden

Vorerst treffen sich erst einmal Sansa und die Boltons, wobei hier, nachvollziehbarerweise eine gewisse Anspannung zu spüren ist – gerade in solchen Szenen bekommt Sophie Turner die Gelegenheit zu zeigen, wie gut sie ist. Ramsays Bettwärmerin Myranda ist jedenfalls von den Geschehnissen wenig begeistert, da nähert sich wohl noch ein weiterer Konflikt.

Im weiteren Verlauf ist interessant, dass Ramsay Littlefinger verspricht, er werde Sansa niemals verletzen. Nach den letzten beiden Staffeln fällt es verhältnismäßig schwer, dem zu glauben, allerdings ist Serien-Ramsay unberechenbarer und auch facettenreicher als Buch-Ramsay – so gibt er hier immerhin offen zu, ein Bastard zu sein, was Buch-Ramsay nie getan hätte. Andererseits haben sowohl Iwan Rheon als auch Alfie Allen und Sophie Turner angedeutet, dass in diesem Handlungsstrang noch etwas sehr Unangenehmes auf uns zukommt.

Castle Black
Der neue Lord Commander der Nachtwache führt weitere Gespräche mit Stannis und Davos. Ersteres ist im Grunde relativ redundant, dass Jon Stannis‘ Angebot nicht annehmen würde, war schon vor der Wahl klar. Der Dialog zwischen Jon und Davos dagegen ist interessant, weil Davos nun einmal ein viel besserer Diplomat ist als sein König – wenn es hier in eine ähnliche Richtung läuft wie in den Romanen, könnte Davos eine wichtige und auch gut nachvollziehbare Rolle dabei spielen.

Es folgt eine Szene aus „A Dance with Dragons“, deren Umsetzung ich tadellos gelungen finde: Die Köpfung von Janos Slynt, der sich nach wie vor weigert, dem neuen Lord Commander zu gehorchen. Es gibt über die diversen Staffeln hinweg mehrere Szenen, in denen ein Sohn (oder Mündel) von Eddard Stark jemanden hinrichtet, und jede dieser Szenen verweist natürlich auf die Köpfung des Deserteurs der Nachtwache in der ersten Folge der ersten Staffel. Gerade hier zeigt Jon auch insgesamt seine Führungsqualitäten, indem er Ser Alisser nicht, wie man vielleicht erwarten würde, zum Aufseher der Latrinen ernennt, sondern ihn zum ersten Grenzer macht. Und Janos Slynt – nun, er ist definitiv eine Figur, der man nicht nachtrauert, aber Dominic Carter hat ihn definitiv sehr passend dargestellt.

Volantis
Tyrion und Varys kommen in Volantis an, der größten der sieben freien Städte, und auch derjenigen, die Slaver’s Bay am nächsten liegt. Auf die diversen Besonderheiten der Stadt wird hier allerdings kaum eingegangen, was, zugegebenermaßen, für so wenige Szenen wohl auch zu viel verlangt wäre. Immerhin der Brauch, den Sklaven der Stadt ihr Schicksal einzutätowieren, findet Erwähnung und wird erläutert.
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Eine Priesterin des R’hllor in Volantis (Rila Fukushima)

Wie in den Romanen ist auch hier ein Vertreter des R’hllor-Glaubens anwesend, allerdings kein Priester, sondern eine Priesterin (Rila Fukushima), bei der es sich wohl um eine ehemalige prostituierte Sklavin handelt, wie die Tränentätowierung in ihrem Gesicht suggeriert; die Sklaven der roten Priester tragen eigentlich ein anderes Mal. Sie predigt zu Sklaven, spricht von Daenerys und scheint Tyrion (oder etwas in Tyrion) zu erkennen.

Die folgende Bordell-Szene zeigt, wie weit die Charakterisierung von Serien-Tyrion sich von Buch-Tyrion unterscheidet, denn während die Serienversion der Figur enthaltsam bleibt, nimmt Buch-Tyrion in dieser Situation tatsächlich die Dienste einer Prostituierten in Anspruch und ist allgemein noch um einiges kaputter – was auch dazu führt, dass Serien-Tyrion sympathischer bleibt. Das Endergebnis ist dann aber wieder dasselbe: Ser Jorah kidnappt Tyrion, damit er Daenerys‘ Gunst zurückgewinnen kann.

Fazit: Insgesamt macht Folge 3 im Vergleich zu Folge 2 wieder einen besseren Eindruck, nicht zuletzt dank einiger sehr gelungener Einzelszenen.

GoT: The House of Black and White

Trieft nur so vor Spoilern!
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Nach einem durchaus gelungenen Staffelstart folgt mit „The House of Black White“ nun erstmal wieder eine Episode, die alle Handlungsstränge knapp anreißt und vor allem die Arbeit der ersten Episode fortführt. Weitere Figuren werden wieder eingeführt, Handlungsstränge vorbereitet und der aktuelle Status Quo zementiert.

Braavos
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Arya (Maisie Williams) vor dem Haus von Schwarz und Weiß

Nachdem Arya in der letzten Folge fehlte, eröffnet ihre Ankunft in Braavos „The House of Black and White“. Während wir in den Romanen Braavos als Handlungsort zusammen mit Arya zum ersten Mal betreten, kam es in der Serie bereits in der letzten Staffel vor, als Stannis und Davos einen Abstecher zur Eisernen Bank gemacht haben. Damals war außer einer Panoramaaufnahme und dem Inneren besagter Bank allerdings nicht allzu viel zu sehen. Da Braavos in Staffel 5 allerdings ein bedeutender Handlungsort ist, ändert sich das. Der Hafen, in den Arya gebracht wird, dürfte der Ragman’s Harbor (auf Deutsch Lumpenhafen, wenn ich mich recht erinnere) sein, der Hafen, in dem Schiffe aus aller Welt angelegen – Braavos zweiter Hafen, der Purpurne Hafen, ist den Einheimischen vorbehalten. Es kann natürlich sein, dass die Serie auf dieses Detail nicht eingeht.

Das Haus von Schwarz und Weiß, der Tempel des vielgesichtigen Gottes und Hauptquartier der Männer ohne Gesicht, entspricht ziemlich genau der Beschreibung des Romans, lediglich das Gesicht an der Tür fehlt, allerdings scheint es sich in der Serie nicht bei den anderen Tempeln auf der Insel der Götter zu befinden, stattdessen ist es isoliert – oder wirkt zumindest so.

Aryas Initiation in der Serie unterscheidet sich stark vom Roman, wo sie ins Haus von Schwarz und Weiß geht und ohne größere Probleme vom „Verantwortlichen“ als, nun, Lehrling ist wohl das beste Wort, akzeptiert wird. Dieser Verantwortliche, dessen Namen weder Arya noch der Leser erfährt, wird von ihr als „the kindly man“ bezeichnet.
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Jaqen H’ghar (Tom Wlaschiha)?

In der Serie öffnet auf ein Klopfen ein Priester (Cedric Henderson), der sie jedoch abweist, woraufhin Arya Jaqens Münze wegschmeißt und durch die Straßen von Braavos stromert, wo sie schließlich von mehreren Tunichtguten beinahe angegriffen wird, bis der Priester eingreift und enthüllt dass es sich bei ihm um Jaqen H’ghar handelt – ab diesem Zeitpunkt wird er dann natürlich auch von Tom Wlaschiha gespielt. Diese Entwicklung ist relativ interessant, da es eine derartige Enthüllung bei Martin (bislang?) nicht gab. Die Frage, die sich stellt, ist, ob die Serie damit die Frage nach Jaqens Verbleibt auch für die Bücher beantwortet, was ich allerdings bezweifle. Unter Buchlesern gibt es diesbezüglich zwei Theorien, die erste besagt, dass Jaqen tatsächlich der „kindly man“ ist, während die zweite (und plausiblere) davon ausgeht, dass der Gesichtslose in Oldtown sein Unwesen treibt und sich als Novize der Citadel ausgibt. Für die Nichtbuchleser ist die Rückkehr einer bereits bekannten Figur wahrscheinlich besser als die Einführung einer neuen, wobei es auch in der Serie tatsächlich nicht unbedingt Jaqen selbst sein muss, der „kindly man“ könnte auch einfach nur dieses Gesicht tragen. Er beteuert auch, er sei niemand, das kann sich aber auch darauf beziehn, dass die Gesichtslosen eigentlich keine Namen mehr tragen und „Jaqen H’ghar“ ohnehin nur eine Deckidentität war.

Im grünen Tal
Der Brienne/Pod-Handlungsstrang bewegte sich bereits in der letzten Staffel von den Romanen weg, was sich hier nun ungebrochen fortsetzt. Nur zu Erinnerung: Bei Martin blieb Briennes Suche nach Sansa (und Arya) völlig erfolglos, sie irrte in den Flusslanden umher, sah, was der Krieg angerichtet hatte, und am Ende wartete die untote Catelyn Stark alias Lady Stoneheart. Diese scheint nun leider aus der Serie vollständig entfernt worden zu sein, Briennes Reise geht in eine völlig andere Richtung. Den Auslöser hierfür finde ich allerdings irgendwie lächerlich: Nachdem Brienne und Pod in der zehnten Folge von Staffel 4 zufällig Arya und dem Bluthund begegnet sind, begegnen sie nun ebenso zufällig Sansa und Littlefinger. Westeros kann nicht besonders groß sein, wenn man sich da die ganze Zeit über den Weg läuft. Und dann erlebt Brienne mit Sansa quasi noch einmal dasselbe wie mit Arya – egal, welches Medium, Brienne hat einfach kein Glück. Der ganze anschließende Kampf samt Verfolgungsjagd wirkt schließlich ziemlich unnötig (wenn auch schön inszeniert) und dient wohl mal wieder vor allem dazu, ein wenig Action in diese ansonsten doch eher dialoglastige Folge zu bringen. Insgesamt ist der ganze Handlungsstrang schlicht und einfach sehr, sehr ungeschickt inszeniert und lässt Logik und Plausibilität mitunter gerne außen vor.

King’s Landing
In King’s Landing wird derweil ein neuer Subplot eröffnet, der ebenfalls noch weiter von den Romanen wegführt. Dort begibt sich Jaime in die Flusslande, um aufzuräumen und mit den letzten Rebellen, etwa Brynden Tully, der Riverrun hält, fertig zu werden – und ganz ähnlich wie bei Brienne scheint auch hier am Ende Lady Stoneheart zu warten.

In der Serie geht Jaime stattdessen nach Dorne, um Myrcella nach King’s Landing zurückzuholen, nachdem Cersei eine recht eindeutige Botschaft erhält. Diese Entwicklung stammt nicht völlig von Benioff und Weiss, da Cersei in „A Fest for Crows“ tatsächlich ein Mitglied der Königsgarde nach Dorne schickt, um Myrcella zurückzuholen, allerdings handelt es sich dabei um Ser Balon Swann und nicht um Jaime, da dieser, wie bereits erwähnt, gerade in den Flusslanden tätig ist.

Die Motivation für Jaimes Weggang von beiden Seiten wird auch geändert. Bei Martin war es Cersei, die Jaime mehr oder weniger loswerden wollte, weil er in ihren Augen verweichlichte (während er tatsächlich zu erkennen begann, was für eine Person seine Schwester wirklich ist), in der Serie dagegen scheint Jaime eher Cerseis Gunst zurückgewinnen zu wollen.

Wie zu erwarten war, nimmt Jaime Bronn mit; da dieser ziemlich viele Fans hat, wäre es wohl eher kontraproduktiv gewesen, ihn einfach, wie in den Romanen, aus der Handlung zu entfernen. Als Jaime ihn abholt sehen wir auch zum ersten Mal Lollys Stokeworth (Elizabeth Cadwallader), Bronns Angetraute, die mit der Buchversion dieser Figur kaum etwas gemein hat, da sie weder massiv übergewichtig ist, noch allzu sehr zurückgeblieben wirkt, höchstens nervig.

Nach Jaimes Weggang widmet sich Cersei einem neuen Hobby: Zwergenköpfe sammeln. Ich bin gespannt, ob das in der Serie ähnlich ausartet wie im Roman oder ob es bei diesem einen, repräsentativen Zwergenkopf bleibt. Das folgende Treffen des Kleinen Rates ist das Highlight der Episode, auch, weil es sehr schön zeigt, wie Cersei vorgeht, um ihre Herrschaft zu sichern. Mace Tyrell und Pycelle sind ein weiteres Mal die Deppen, und ich kann mir nicht helfen, ich mag Anton Lesser als Qyburn einfach verdammt gerne. Darüber hinaus ist es auch schön, Ian Gelder als Kevan Lannister wieder dabei zu haben, der, sehr buchgetreu, keine Hemmungen hat, Cersei seine Ansichten darzulegen, vielleicht mit der falschen Begründung, aber trotzdem.

Dorne
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Fürst Doran Martell (Alexander Siddig)

Auch im tiefsten Süden von Westeros wurde einiges verändert und vereinfacht. Während Doran Martell (Alexander Siddig), der kranke und scheinbar schwache und zurückhaltende Fürst von Sunspear, derselbe geblieben ist, wurden die Familienverhältnisse stark vereinfacht. Seine beiden älteren Kinder, Arianne und Quentyn, wurden ersatzlos aus der Serie gestrichen, sodass sein jüngster Sohn Trystane (Toby Sebastian), mit dem Myrcella (Aimee Richardson) verlobt ist, nun auch der Erbe von Dorne ist. In den Romanen ist es Arianne, die mit den Sandschlangen, Oberyn Martells Bastardtöchtern ein Komplott schmiedet, in der Serie scheint es dagegen Oberyns Geliebte Ellaria zu sein, die in „A Feast for Crows“ nur eine kleine, wenig rachsüchtige Rolle spielt. Man darf auch noch gespannt sein, wie groß die Rolle von Areo Hotah (DeObia Oparei), Doran Martells Leibwächter wohl ausfällt. Die spanischen Drehorte für Dorne, das muss noch gesagt werden, sind außergewöhnlich schön und passend.

Auf dem Weg nach Meeren
Tyrion und Varys reisen per Kutsche nach Meereen und sprechen über Politik und Philosophie. Während derartige Diskussionen zwischen Conleth Hill und Peter Dinklage immer amüsant sind, merkt man dieser doch an, dass sie vor allem da ist, um Lücken zu füllen und den beiden beliebten Schauspielern bzw. Figuren mehr Zeit zu verschaffen. Prinzipiell gibt es da schlechtere Methoden, aber trotzdem fehlt diese Zeit an anderer Stelle, zum Beispiel an der Mauer.

Meereen
Daario und Grey Worm gelingt es, einen Sohn der Harpyie in Gewahrsam zu nehmen, was für Daenerys allerdings zu noch mehr Problemen führt, da sich nun die Frage stellt, was man am besten mit ihm macht: Ein Exempel statuieren? Oder doch lieber, wie Ser Barristan vorschlägt, ihm einen fairen Prozess geben? Mossador nimmt Daenerys die Entscheidung ab, was sie nun allerdings vor ein ähnlich geartetes Problem stellt: Wie geht sie mit Mossadors Tat um? Daenerys handelt schließlich, wie ein Stark handeln würde: Fair, aber dumm, indem sie ihn vor versammelter Stadt hinrichten lässt, was ihre Befreiten nicht sonderlich gut aufnehmen.

Tatsächlich fand ich den Anfang des Ganzen ziemlich gut, sowohl die Entdeckung des Sohnes der Harpyie und das Zusammenspiel von Daario und Grey Worm, als auch die Ratssitzung und das anschließende Gespräch mit Ser Barristan. Daenerys‘ Entscheidung bezüglich Mossador allerdings… nun, es erinnert tatsächlich stark an das Zerwürfnis zwischen Robb Stark und Rickard Karstark in Staffel 3. Das Ergebnis lässt sich für jeden, der nicht vollkommen blind ist, vorausahnen, und ich denke, dass Daenerys auch so schon genug Probleme hat.
Was ich in der Besprechung von letzter Woche noch vergessen hatte: Mossador ist tatsächlich (zumindest theoretisch) ein Buchcharakter, bei Martin ist er allerdings kein Sklave aus Meereen, sondern ein Unbefleckter und Missandeis Bruder und er stirbt auch nicht durch Daenerys‘ Befehl, sondern wird von den Söhnen der Harpyie ermordet. Immerhin dürfen wir am Ende der Folge Drogon wiedersehen der, mehr noch als die anderen beiden Drachen, verdammt groß geworden ist und auch verdammt gut aussieht.

Castle Black
Shireen ist die Lehrerin vom Dienst: Nach Ser Davos bringt sie nun Gilly das Lesen bei. Zugegeben, die Szene ist niedlich, aber letztendlich ebenfalls ziemlich unnötig. Immerhin ist der Dialog zwischen Stannis und Jon weitaus relevanter, da Ersterer Letzterem anbietet, ihn zu Jon Stark und damit nominell zum Lord von Winterfell zu machen, etwas, was Jon sich immer vorgestellt hat. Somit steht er vor dem alten Stark-Problem: Handle ich nach meinen Wünschen oder nach dem, was die Ehre gebietet? Für Jon gibt es darauf natürlich nur eine Antwort.

In der folgenden Wahl des neuen Lord Commander, immerhin ein enorm wichtiges Ereignis, zeigt sich die größte Schwäche dieser Folge. Sowohl das Wahlverfahren als auch die Wahl selbst wurden gegenüber der Vorlage stark vereinfacht. Oft lässt sich das nicht vermeiden, besonders, wenn man nur zehn Stunden pro Staffel zur Verfügung hat, gerade in „The House of Black and White“ wäre es allerdings problemlos möglich gewesen, das ohnehin unnötige Füllmaterial wegzulassen und stattdessen der Wahl mehr Zeit einzuräumen, da sie nicht nur für Jon, sondern auch für Sams Charakterentwicklung einen großen Stellenwert hat. Im Roman ist er es nicht, der Jon vorschlägt, stattdessen zettelt er eine Intrige an, durch die Jon die Wahl gewinnt, weshalb im Grunde Sam für viele der folgenden Entwicklungen direkt verantwortlich ist. Außerdem zeigt die Wahl, wozu Sam fähig ist, wenn er nur will.

Fazit: „The House of Black and White“ fällt leider um einiges schwächer aus als die erste Episode der fünften Staffel, vor allem wegen unnötigem Füllmaterial und mangelndem Fokus

GoT: The Wars to Come

Trieft nur so vor Spoilern!
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Und es geht wieder los, die Game-of-Thrones-Saison hat begonnen. Staffel 5 der Serie verspricht vor allem eines: Noch stärkere Abweichung von der Vorlage. Ich bin ja nun kein Purist, der Änderungen gleich verurteilt, nur weil es Änderungen sind, allerdings sollten auch Änderungen sinnvoll sein. Manche sind natürlich dem Medienwechsel geschuldet, andere weniger, aber sie bereichern die Story; Margaery Tyrells größere Rolle gehört für mich zum Beispiel dazu – Serien-Margaery ist in meinen Augen eine weitaus interessantere Figur als Buch-Margaery. Gerade in Staffel 4 gab es allerdings auch einige Änderungen, die ich ziemlich misslungen fand, weshalb ich nach wie vor denke, dass Staffel 4, trotz einiger richtig guter Episoden, bislang die schwächste ist.

Dass es ab Staffel 5 massive Anpassungen geben würde, war ohnehin abzusehen. Die Bände „A Feast for Crows“ und „A Dance with Dragons“ sind nämlich aus vielen Gründen sehr viel schwerer umzusetzen als die ersten drei, und das nicht nur wegen der geographischen Aufspaltung (an die sich die Serie ohnehin nicht hält – wäre auch unsinnig). In den Bänden 4 und 5 von „A Song of Ice and Fire“ führt Martin eine Myriade an neuen Figuren und Handlungsorten ein – Benioff und Weiss müssen hier sehr genau abwägen, und ich hoffe, dass sie gute Entscheidungen getroffen haben. Nun, wir werden sehen.

Auf der Intro-Karte taucht mit Pentos ein Ort auf, den wir seit Staffel 1 nicht mehr gesehen haben, die signifikanteste Änderung findet sich aber bei Winterfell: Das Modell qualmt nicht mehr, und statt dem Schattenwolf der Starks ist dort nun der gehäutete Mann der Boltons zu sehen.

 

King’s Landing
Staffel 5 beginnt mit etwas, das in GoT bislang nicht zu sehen war: Einem Flashback. Die junge Cersei Lannister (Nell Williams) sucht zusammen mit ihrer Freundin Melara Hetherspoon (Isabella Steinbarth) eine Waldhexe (Jodhi May) auf, um von ihr etwas über die Zukunft zu erfahren. Der Name der Waldhexe wird in der Serie nicht genannt, der Buchleser weiß jedoch, dass es sich dabei um „Maggy the Frog“ handelt. Maggy ist dabei allerdings nicht ihr wirklicher Name, sondern eine Verballhornung des Wortes „Maegi“ (wir erinnern uns an Staffel 1). Die Serien-Version dieser Figur ist weitaus ansehnlicher als die Buch-Version, die ziemlich hässlich ist; hier ist Maggy im Grunde nur schmutzig.

Da Cersei drei Fragen stellen darf, hier allerdings nur zwei vorkommen, denke ich, dass wir im Verlauf der Serie noch einmal zu diesem Flashback zurückkehren werden, insbesondere da noch ein wichtiges Detail fehlt: Im Roman erklärt Maggy Cersei, dass sie durch die Hand des Valonqar (Valyrisch für „kleiner Bruder“) getötet werden wird, was ihren Hass auf und ihre Furcht vor Tyrion erklärt – natürlich ist aber auch Jaime Cerseis kleiner Bruder, und es ist darüber nicht einmal eindeutig, dass es überhaupt Cerseis kleiner Bruder sein muss.

Es gibt noch ein paar kleinere Details, die sich in Roman und Serie unterscheiden, etwa die Anzahl der prophezeiten Kinder des Königs und die Tatsache, dass Cersei bei Martin mit zwei Freundinnen unterwegs ist, aber diese sind unbedeutend.
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Maggy the Frog (Johdi May)

Nach dieser Einführung, die sich auch gut vor dem Vorspann gemacht hätte, springt die Episode direkt nach King’s Landing, wo Cersei bei Baelors Septe eintrifft, um Lord Tywin die letzte Ehre zu erweisen. Dort warten bereits viele Edle des Reiches, darunter auch der von Paul Bentley gespielte Hohe Septon, dessen Rolle und Amt in dieser Staffel noch an Signifikanz gewinnen werden. Diplomatisch und feinfühlig, wie Cersei nun einmal ist, lässt sie alle anderen warten und besucht den Leichnam ihres Vaters erst allein, nur Jaime ist anwesend. Erfreulicherweise ist dieses Beisammensein von Jaime, Cersei und einem toten nahen Verwandten gelungener als das letzte, nicht zuletzt, weil Charles Dance‘ letzte Szene in der Serie von The Rains of Castamere unterlegt wird. Während es im Buch eine sehr ähnliche Konversation zwischen den beiden Lannistergeschwistern gibt, ist hier doch ein wichtiges Detail anders: Serien-Cersei errät sofort, dass es Jaime war, der Tyrion befreit hat.

Beim anschließenden Leichenschmaus kehren zwei alte Bekannte in die Serie zurück: Lord Tywins Bruder Ser Kevan Lannister und sein Sohn Lancel, beide abermals gespielt von Ian Gelder und Eugene Simon. Beide haben wir zum letzten Mal in Staffel 2 gesehen, Lancel wurde bei der Schlacht um King’s Landing verletzt und Kevan war bei Tywins Kriegsrat in Harrenhal zugegen. Wie in den Romanen hat Lancel währenddessen zum Glauben gefunden (in ziemlich extremer Weise), während sein Vater darüber nicht sonderlich begeistert ist.

In „A Feast for Crows“ hat das vor allem Auswirkungen auf Jaimes Handlungsstrang in den Flusslangen, da Jaime in der Serie allerdings nach Dorne geht, entschieden sich Benioff und Weiss dazu, ihn in King’s Landing zu belassen, um den fundamentalistischen Anhängern des Glaubens ein zusätzliches, bekanntes Gesicht zu geben. Die Einführung der „Spatzen“ wird dadurch leichter und ist ziemlich gelungen, immerhin spielen diese im King’s-Landing-Handlungsstrang noch eine bedeutende Rolle.

 

Pentos
Tyrion kommt in Pentos an und ist dabei in einem ähnlich mitleiderregenden und zugleich abstoßendem Zustand wie im Roman: Kaputt, stinkend, mit seinem Schicksal und seinen Taten hadernd und dauerbetrunken. Im Gegensatz zum Roman wurde allerdings bereits sehr viel gerafft und vereinfacht; bei Martin ist es Magister Illyrio, der Tyrion empfängt und ihn eine Weile bei sich beherbergt. In der Serie dagegen entschied man sich, Illyrio, der immerhin in der ersten Staffel zwei Auftritte hatte, durch Varys zu ersetzen. Dennoch befinden sich der Zwerg und die Spinne in Illyrios Haus, der Magister hat nur keinen Auftritt.

Varys erklärt, dass er in Wirklichkeit die ganze Zeit die Targaryen zurück auf den Thron bringen wollte und versucht Tyrion dafür zu gewinnen. Insgesamt ist Varys hier sehr offenherzig und ehrlich, für meinen Geschmack ein wenig zu sehr. In den Romanen ist er nur ein einziges Mal so ehrlich, und da spricht er mit jemandem, der praktisch schon tot ist.

Nun, wie dem auch sei, die erste Etappe der Reise zu Daenerys unternehmen Varys und Tyrion gemeinsam. Was sich im Vorfeld der Staffel bereits andeutete, scheint nun ziemlich sicher zu sein: Aegon VI. und Lord Jon Connington fallen der Schere zum Opfer. Bei Aegon VI. handelt es sich, so wird von seinen Unterstützern zumindest behauptet, um den totgeglaubten Sohn von Rhaegar Targaryen, während im Fandom unter anderem vermutet wird, es handle sich um einen Blackfyre-Prätendenten. Jedenfalls bricht Tyrion zusammen mit Aegon, Connington und einigen weiteren Gefährten gen Meereen auf, während er in der Serie erst einmal von Varys begleitet wird. Ich denke, dass es notwendige Kürzungen sind, damit das Personal nicht ausufert, wirklich bewerten lässt sich dies aber erst, wenn in „The Winds of Winter“ oder „A Dream of Spring“ bekannt wird, wie und in welchem Ausmaß sich der Aegon/Connington-Handlungsstrang auswirkt. Ein zusätzlicher Bonus, der sich durch diese Änderung ergibt, sind mehr Szenen zwischen Conleth Hill und Peter Dinklage, was immer gut ist.

 

Meereen
Die Harpyie fällt. Leider macht das Daenerys das Regieren auch nicht unbedingt leichter, denn die Schwierigkeiten häufen sich: Die Söhne der Harpyie, maskierte Mitglieder der ehemaligen Herrscherfamilien Meereens, töten einen der Unbefleckten. Hierbei handelt es sich mal wieder um eine Kondensierung: Im Roman wird Daenerys von mehreren derartigen Vorfällen berichtet, in der Serie dagegen wird einer herausgegriffen und visualisiert.
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Ein Sohn der Harpyie

Dany erörtert die Situation mit ihren Beratern, zu denen nun auch Hizdahr zo Loraq und Mossador (Reece Noi), einer der aufständischen Sklaven der letzten Staffel, gehören. Ersterer kehrt im Verlauf der Folge mit Daario Naharis aus Yunkai zurück, das erneut befriedet werden musste, und beginnt anschließend damit, Daenerys um die Wiedereröffnung der Arenen von Meereen zu bitten – in den Romanen ist das sein hervorstechendstes Merkmal, während dort die Sache mit dem gekreuzigten Vater, die ihm zusätzliche Sympathie verleiht, fehlt.

Nach eine Gespräch mit Daario über besagte Arenen und eine Drachenkönigin ohne Drachen besucht Daenerys Rhaegal und Viserion, die noch größer und unkontrollierbarer und deren Animationen, gerade für eine TV-Serie, wirklich exzellent sind.

 

Das grüne Tal
Im Grunde ist dieser Handlungsstrang nun schon über die erschienen Bücher hinaus; in „A Feast for Crows“ erzählen Sansas Kapitel vor allem, wie sie sich an ihre neue Situation anpasst, von der Eyrie hinabsteigt und anschließend von Littlefinger in höfischer Intrige unterwiesen wird.

Dies alles hat die Serie im Grund direkt übersprungen, der Sansa-Subplot fängt damit an, dass sie, Littelfinger und Yohn Royce Robin Arryn dabei zusehen, wie er beim Schwerkampftraining versagt. Sansa und Littelfinger halten sich damit allerdings nicht lange auf, sondern begeben sich auf eine Reise – die Trailer und der Einsatz des Stark-Themas deuten bereits darauf hin, dass es Richtung Norden geht, auch wenn uns Sansa versichert, es gehe nach Westen.

 

Castle Black
Nach der Schlacht hat sich die Lage auf Castle Black wieder beruhigt, Ser Alisser Thorne und Janos stolzieren herum, während Jon Snow abermals die Rekruten trainiert. Aber dennoch ist durch die Anwesenheit von Stannis Baratheon alles anders.

Während die anderen Handlungsstränge inzwischen alle schon bei „A Fest for Crows“ oder „A Dance with Dragons“ sind, ist dieser noch „zurück“, will heißen: Hier wird noch Material aus „A Storm of Swords“ adaptiert. Nach den Abweichungen und Ausdehnungen der letzten Staffel scheint die Jon-Snow-Handlung nun wieder stärker zum Buch zurückzukehren: Die Dialoge mit Melisandre und Stannis sind alle mehr oder weniger vorlagengetreu, wenn auch insgesamt vereinfacht. Bei Martin ist Davos allerdings nicht zusammen mit Stannis zur Mauer gekommen, sondern erledigt eine Sondermission in White Harbor. Während dieser Subplot im Roman durchaus ganz interessant ist, weil er dem Norden eine neue Facette hinzufügt, ist er für die Serie tatsächlich eher belanglos und ich begrüße seine Kürzung, da gerade in der Serie Davos‘ Anwesenheit auf der Mauer für eine sehr viel interessantere Konstellation sorgt.
snowrayderJon Snow (Kit Harrington) und Mance Rayder (Ciáran Hinds)

Stannis hätte gerne, dass die Wildlinge für ihn kämpfen, und Jon Snow soll Mance Rayder überzeugen, das Knie zu beugen, wovon dieser nicht besonders begeistert ist, weshalb er verbrannt werden soll, was schließlich am Ende der Episode auch geschieht. In „A Dance with Dragons“ ist es allerdings der Lord der Knochen, der, von Melisandre magisch verkleidet, den Flammen geopfert wird, während Mance später eine gesonderte Mission übernimmt. In der Serie scheint es tatsächlich Mance selbst zu sein, der verbrannt wird. Einerseits kann ich das nachvollziehen, denn Benioff und Weiss müssen viele der Handlungsstränge der Bände 4 und 5 stark vereinfachen, da sie sonst schlicht nicht umsetzbar sind, allerdings finde ich es dennoch verdammt schade, denn Ciáran Hinds ist ein hervorragender Schauspieler, und die Serie hätte ehrlich gesagt von seiner Präsenz profitiert – vor allem in Staffel 4 hätte man diesbezüglich noch einiges unterbringen können. So wirkt es, als habe man Mance Rayders Potential teilweise verschenkt. Immerhin darf Hinds in dieser Episode noch ein letztes Mal glänzen.

 

Fazit: Durchaus gelungene erste Folge der neuen Staffel, wenn auch nicht ganz auf dem Niveau von „Two Swords“. Die Aussparung einiger Handlungsstränge zugunsten anderer erweist sich wieder als sinnvoll, um eine ausgewogenere Erzählstruktur zu schaffen.

GoT: Ausblick auf Staffel 5

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Eigentlich wollte ich schon letztes Jahr eine Ausblick schreiben, aber irgendwie bin ich nicht dazu gekommen. Nun, nachdem Staffel 4 zu Ende ist, bietet es sich sogar noch mehr an, denn nie zuvor hat sich die Serie weiter von den Romanen entfernt.
Das bedeutet im Klartext natürlich, dass dieser Artikel extrem spoilerverseucht ist, er setzt die Kenntnis von Staffel 4 voraus, und meine Spekulationen basieren natürlich auf dem Inhalt der Romane.
In keiner anderen Staffel wurden wir Buchleser so oft überrascht, sei es durch unerwartete Todesfälle oder das Auftauchen von Elementen, die bereits aus „The Winds of Winter“ stammen könnten, und gerade das macht das Spekulieren natürlich interessant. Was hinzukommt ist die Tatsache, dass sich die Handlungsstränge noch sehr viel stärker aufspalten, als dies bisher der Fall war. Gerade am Beispiel King’s Landing zeigt sich das sehr gut: Die Hauptstadt der Sieben Königslande war bisher zumeist der interessanteste Schauplatz, auch, weil sich dort die meisten wichtigen Figuren tummelten. Aber in Staffel 4 haben sehr viel die Stadt verlassen oder sind gestorben: Littlefinger und Sansa machen das grüne Tal unsicher, Lord Tywin hat einen Bolzen in den Bauch bekommen, Varys und Tyrion sind auf der Flucht, Lady Olenna ist nach Highgarden zurückgekehrt und auch Jaime bleibt wahrscheinlich nicht mehr lange. Damit wird alles zerfaserter und es interessiert mich sehr, wie Benioff und Weiss damit umgehen. Ebenso fraglich ist, wie viel Material in Staffel 5 adaptiert wird. Für die ersten beiden Staffeln galt: Das Material eines Buches wird in einer Staffel umgesetzt. „A Storm of Swords“ wurde dagegen in zwei Staffeln adaptiert, wobei Staffel 4 ja bereits einiges an Material der Folgebände enthält. „A Feast for Crows“ und „A Dance with Dragons“ zeichnen sich ja nun nicht nur durch „Zerfaserung“ aus, sondern auch durch die geographische Separation der Handlungsstränge, was in der Serie natürlich nicht machbar ist, eine Staffel ohne Tyrion wäre kaum denkbar. Laut aktuellen Aussagen peilen Benioff und Weiss momentan sieben Staffeln an (dies ist aber keinesfalls in Stein gemeißelt), was bedeuten könnte, dass die Bände 4 und 5 zusammen eine Staffel geben und die beiden (geplanten) Abschlussbände der Reihe Staffel 6 und 7 füllen. Es könnte aber auch bedeuten, dass die Buch-Staffel-Aufteilung schwieriger festzulegen sein wird, so war es ja auch bereits in dieser Staffel.

Arya und Sam
Fange wir dort an, wo die letzte Staffel aufgehört hat. In der Serie hat Arya zwar einen Umweg genommen, letztendlich ist sie aber dort angekommen, wo sie auch am Ende von „A Storm of Swords“ ist: Auf einem Schiff gen Braavos. In „A Fest for Crows“ schließt sie sich den Gesichtslosen, der Attentätergruppe, der Jaqen H’gar angehört, an, und lernt deren Handwerk. Wohin dieser Handlungsstrang führt, ist zum gegenwärtigen Zeitpunkt noch nicht absehbar. Selbst das Arya-Promo-Kapitel aus „The Winds of Winter“ weist in keine eindeutige Richtung. Aus diesem Grund denke ich, dass sich Aryas Begegnung mit Sam relativ lang ziehen könnte. Dieser begibt sich, auf Befehl von Jon Snow, zusammen mit Gilly und Maester Aemon ebenfalls nach Braavos, um von dort aus nach Oldtown zu gelangen. Der Hauptgrund dafür ist Melisandre, die für ihre Opfer Königsblut braucht. Aemon Targaryen kommt dafür ebenso in Frage wie Mance Rayders Sohn, der gegen Gillys ausgetauscht wird, in der Serie bislang aber nicht vorkam.
Wie gesagt, ich sehe große Chancen darin, dass die Sam-Arya-Begegnung ausgedehnt wird, die Serie bringt ja gerne Figuren aus verschiedenen Hanslungssträngen zueinander, und zwar in weit größerem Ausmaß als in den Romanen. Ich glaube, Sams Handlungsstrang endet damit, dass er Oldtown erreicht, die Stadt selbst wird dann wohl erst in Staffel 6 ein wichtiger Handlungsort, so ähnlich, wie Braavos, das in dieser Staffel angeteasert wurde und das wir in der nächsten Staffel sicher mit Arya erforschen. Apropos, auf einer durchgesickerten Castingliste wird die Herrenlose („the Waif“) aufgeführt, eine 36-jährige Gesichtslose, die aussieht wie ein Mädchen. Inzwischen gibt es auch eine halboffizielle Bestätigung, dass Tom Wlashiha zu GoT zurückkehrt, was möglicherweise bedeutet, dass der freundliche Mann („the Kindly Man“), Aryas Ausbilder, in der Serie Jaqen ist.

Dorne
Dorne als neuer Schauplatz wurde bereits offiziell bestätigt, und die oben erwähnte Castingliste enthält einige dornische Figuren. Zu diesen gehören Doran Martell, der von Krankheit gezeichnete Fürst von Dorne und älterer Bruder von Oberyn, Dorans jüngster Sohn Trystane Martell, den Myrcella heiraten soll (und der wohl in der Serie ein paar Jährchen älter ist als in den Romanen, wo er ohnehin fast nur erwähnt wird), Areo Hothah, Dorans Leibwächter, sowie drei der Sandschlangen, Obara, Nymeria und Tyene Sand. Auf dieser Liste fehlen Arianne Martell, Dorans älteste Tochter und Erbin von Dorne, die ein Komplott schmiedet, um Myrcella auf den Eiserern Thron zu bringen (besagtes Komplott geht fürchterlich nach hinten los) und Quentyn Martell, Dorans zweitältestes Kind, das sich in „A Dance with Dragons“ nach Meereen begibt, um Daenerys zu ehelichen (was ebenfalls fürchterlich nach hinten losgeht). Hier besteht natürlich die Möglichkeit, dass die Liste nicht komplett ist, dass diese Figuren der Schere zum Opfer fallen oder vielleicht sogar schon gecastet, die Schauspieler aber noch nicht angekündigt wurden.
Wie dem auch sei, vermutlich müssen wir Buchleser uns auf einige Änderungen in Dorne gefasst machen. Es ist nämlich ebenfalls durchgesickert, dass sich Jaime in der Serie wohl nicht in die Flusslande begibt, um dort aufzuräumen, sondern nach Dorne. Höchstwahrscheinlich nimmt er den Platz von Ser Balon Swan, einem Ritter der Königsgarde ein, der sich nach Dorne begibt, um dem Tod seines Kameraden Ser Arys Oakheart auf den Grund zu gehen.
Auf jeden Fall freue ich mich ziemlich auf Dorne und bin gespannt auf die Umsetzung. Die Dorne-Szenen werden wohl in Spanien gedreht, was ich ziemlich passend finde. Und vielleicht bekommen wir ja endlich The Dornishman’s Wife zu hören, nachdem in dieser Staffel eine zweite Version von The Rains of Castamere kam.

Brienne, Podrick und die Flusslande
Hier wird es schon schwieriger. Brienne und Podrick haben in Staffel 4 bereits einen großen Teil ihrer Feast-for-Crows-Handlung hinter sich gebracht – zumindest in gewissem Sinn. Einige der Figuren, denen sie auf ihrer Reise begegnen, sind bereits tot (Rorge und Beißer), bei anderen ist es fraglich, ob sie in der Serie auftauchen (Ser Hyle Hunt, Lord Randyl Tarly, Septon Meribald) – die Möglichkeit besteht aber noch. Sollte Lady Stoneheart in der Serie noch auftauchen, könnte sie am Ende von Staffel 5 auf Brienne warten. Zumindest glaube ich nicht, dass die Bruderschaft ohne Banner einfach so sang- und klanglos aus der Serie verschwindet, irgendeine Rolle werden Thoros von Myr und Beric Donadrrion ja hoffentlich noch spielen.
In diesem Zusammenhang ist auch Jaime von Bedeutung. Wenn er sich in Staffel 5 tatsächlich nach Dorne begibt, bedeutet das dann, dass seine Abenteuer in den Flusslanden, die mit einer Begegnung mit Brienne in „A Dance with Dragons“ enden, völlig wegfallen? Und wenn ja, was ist dann mit Edmure Tully und dem Blackfish, deren Schicksal in der Serie bislang offen geblieben ist. Fragen über Fragen…

King’s Landing
Über King’s Landing lässt sich mehr sagen. Obwohl die Stadt ihren Status als „Haupthandlungsort“, wie bereits erwähnt, verloren hat, dürfte die Cersei-Handlung aus „A Feast for Crows“ und „A Dance with Dragons“ wohl verhältnismäßig buchgetreu adaptiert werden, das vermute ich zumindest. Auch hier lohnt es sich wieder, die Castingliste heranzuziehen, auf der sowohl der Hohe Spatz (der neue Hohe Septon, der zu starkem Fanatismus neigt) und Septa Unella aufgeführt werden. Wenn ich raten müsste, würde ich sagen, dass Cerseis Handlungsstrang mit ihrem Marsch der Schande endet. Interessanterweise wird auf besagter Liste auch Maggy der Frosch aufgeführt, was darauf schließen lässt, dass es entweder einen Rückblick gibt, oder Cersei die Prophezeiung von einer jüngeren Königin und dem Valonqar als Erwachsene hört – wobei ich Letzteres eher unplausibel finde.

Die Iron Islands
Hier gibt es vor allem ein großes Fragezeichen. Der kurze Auftritt von Yara hat hier keinerlei Klarheit gebracht. In den Romanen stirb Balon Greyjoy bereits vor der Roten Hochzeit, und in „A Feast for Crows“ streiten seine Brüder Euron und Victarion sowe Yara (bzw. Asha) um die Nachfolge. Es endet damit, dass Euron neuer König der Iron Islands wird und seinen Bruder Victarion ausschickt, damit dieser ihm Daenerys als Braut bringt.
Weder Euron noch Victarion sind auf der Castingliste aufgetaucht, insoweit ist es fraglich, in welchem Umfang die Iron-Islands-Handlung adaptiert wird – in der Serie ist Balon ja noch nicht einmal gestorben.

Tyrion
Bei Tyrion lautet die Frage nicht ob seine Kapitel aus „A Dance with Dragons“ adaptiert werden, sondern in welchem Umfang. Auf seiner Reise von Pentos nach Meereen trifft er verdammt viele neue Figuren und mit Jorah Mormont nur eine bekannte. Ich denke, dass Aegon VI. und Jon Connington wahrscheinlich zu wichtig werden, um sie einfach auszulassen, aber dass Tyrions Zeit als Sklave, wenn überhaupt, nur kurz behandelt wird. Figuren wie Penny sind wahrscheinlich zu unbedeutend, allerdings taucht Yezzan zo Qaggaz, der Tyrion käuflich erwirbt, auf der Castingliste auf. Wo Tyrions Handlungsstrang endet, lässt sich schwer sagen, wahrscheinlich in Sichtweite von Meereen. In der Serie fehlt gerade hier allerdings zu viel (u.a. der Verrat von Brown Ben Plumm), um eine genaue Voraussage machen zu können.

Daenerys
Bei der Mutter der Drachen sehe ich ebenfalls viel Potential für eine relativ buchnahe Umsetzung. Hidahr zo Loraq wurde in der vierten Staffel ja bereits eingeführt, Drogon ist unterwegs und die anderen beiden Drachen eingesperrt. Jetzt müssen noch die Söhne der Harpyie eingeführt werden, und wir haben genug Material für eine Staffel. Vielleicht scheitert Daarios Eroberung von Yunkai, er könnte sogar Brown Ben Plumms Platz einnehmen. Insgesamt fehlen hier bislang allerdings Hinweise.

Lord Snow
Hier haben wir einen Ausnahmefall: Im Gegensatz zu vielen anderen Handlungssträngen, die bereits Material aus den Bänden 4 und 5 beinhalten, fehlt bei der Nachtwache noch einiges aus „A Storm of Swords“, nämlich Jons Wahl zum Lord Commander. Diese wird mit Sicherheit die ersten zwei, vielleicht auch drei Folgen der fünften Staffel füllen (bzw. Teile dieser Folgen). Danach wird die Jon-Handlung wohl in groben Zügen befolgt, vermutlich mit Fokus auf die Auseinandersetzungen mit Stannis und Melisandre. Ich könnte mir sogar vorstellen, dass Ser Alisser Thorne den Platz von Bowen Marsh einnimmt und als konservativer Gegenpart zu Jons reformfreudigem Lord Commander fungiert. Möglicherweise ist der Mord an Jon (von dem ich immer noch nicht glaube, dass er dauerhaft ist, nicht wenn Melisandre gleich nebenan ist) das Episode-9-Ereignis, es würde jedenfalls gut zur Tradition der sterbenden Starks in den ungeraden Staffeln passen.

Der Norden
Auch außerhalb von Castle Black geschieht im Norden viel, allerdings ist schwer abzuschätzen, wie viel davon den Weg in die Serie findet. Der Ramsay/Theon-Handlungsstrang in Staffel 4 endet damit, dass sich die Boltons nach Winterfell begeben, den Zweck dafür erfahren wir allerdings noch nicht. Jeyne Poole, die falsche Arya, die Ramsay heiraten soll, um den Anspruch der Boltons auf den Norden zu festigen, wurde bisher noch nicht einmal erwähnt, obwohl sie ziemlich essentiell ist. Ich denke, um Ramsays Hochzeit kommt man schwer herum, es sei denn, Benioff und Weiss gehen direkt zur Belagerung Winterfells über – diese findet allerdings erst in „The Winds of Winter“ richtig statt.

Game of Thrones Staffel 4:
Two Swords
The Lion and the Rose
Breaker of Chains
Oathkeeper
First of His Name
The Laws of Gods and Men
Mockingbird
The Mountain and the Viper
The Watcher on the Wall
The Children

Siehe auch:
Game of Thrones Staffel 1
Game of Thrones Staffel 2
Game of Thrones Staffel 3

GoT: The Children

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Wie schon bei „Mhysa“ gibt es auch dieses Mal ein umfassendes Thema für das Staffelfinale. „The Children“ bezieht sich nicht nur auf die Kinder des Waldes, die hier zum ersten Mal in der Serie auftauchen, sondern auch auf Kinder allgemein, sowie ihre Beziehung zu ihren Eltern. Eine durchaus löbliche Herangehensweise. Leider leidet „The Children“ ein Stück weit unter denselben Problemen wie „The Mountain and the Viper“: Zu viel Hype und zu wenig Fokus.

Castle Black
Ein weiteres Mal beginnt die neue Episode genau dort, wo die alte geendet hat: Jon Snow begibt sich, begleitet von einer ziemlich wackeligen Kameraführung, zu Mance Rayder. Die Szene spielt sich für meinen Geschmack ein wenig zu schnell ab, ist aber im Große und Ganzen ziemlich gut umgesetzt. Endlich kommt auch Mance wieder persönlich vor, den ich schon in der letzten Folge gerne gesehen hätte. Wie ich schon letztes Jahr sagte, ich bin praktisch ein Fan von Ciáran Hinds und halte ihn für die ideale Besetzung für Mance, und in dieser Szene zeigt sich ein weiteres Mal, weshalb. Wenn man ihn ansieht und hört, wie er spricht, fällt es einem nicht schwer zu glauben, dass er es geschafft hat, die Wildlinge von seinem Anliegen zu überzeugen, er strahlt einfach ein natürliches Charisma aus. Und darüber hinaus ist er intelligent, sympathisch und scheinbar auch nicht nachtragend.
Das Ganze ist in der Serie ein wenig vereinfacht, im Roman sind im Zelt auch noch Mance‘ Frau Dalla und deren Schwester Val anwesend; Dalla liegt gerade in den Wehen. Ihr Sohn, der „Wildlingsprinz“, spielt in den Romanen durchaus noch eine Rolle, vielleicht wird er später noch separat eingeführt, oder aber er seine Rolle wird herausgeschnitten.
Kurz darauf kommt auch schon Stannis. Zugegebenermaßen habe ich mir das beim Lesen ein wenig epischer vorgestellt, aber dem Budget sind nun einmal Grenzen gesetzt, und daran gemessen gefällt mir sein Angriff eigentlich ziemlich gut, genauso wie die Interaktion der beiden Könige und Jon als Vermittler. Man wird den Gedanken nicht los, dass Mance der bessere Herrscher ist…
Das folgende Begräbnis (bzw. die Verbrennung) der gefallenen Brüder gefällt mir ebenfalls ziemlich gut. Ser Alisser ist nicht zu sehen, weder unter den Lebenden, noch unter den Toten, was wohl die Vermutung zulässt, dass er zwar noch lebt, aber zu verwundet ist, um anwesend zu sein. Die erste Begegnung zwischen Jon Snow und Melisandre, der diese durch das Feuer der brennenden Toten erblickt, ist schön symbolisch.
Es folgt ein Konversation mit Tormund und eine persönliche Verbrennung von Ygritte (ich hatte mich schon gewundert, weshalb Rose Leslie noch im Vorspann auftaucht). Das Ganze ist nett, nimmt aber letztendlich Zeit ein, die an anderer Stelle in dieser Episode gebraucht worden wäre.

King’s Landing
Am Ende von „The Mountain and the Viper“ war nicht klar, ob Gregor Clegane nun überlebt hat oder nicht. Hier erfahren wir nun die Antwort, und mehr noch: Der reitende Berg wird auf Cerseis Geheiß an Qyburn übergeben, was Großmaester Pycelle überhaupt nicht gefällt. Ich hingegen freue mich, denn das bedeutet mit ziemlicher Sicherheit, dass wir in der nächsten oder übernächsten Staffel Ser Robert Strong zu Gesicht bekommen. Mir hat es schon immer gefallen, wenn Martin subtile Horrorelemente eingearbeitet hat, und Dr. Frankenqyburn ist eines der Idealbeispiele.
Bei Martin ist es allerdings vorerst nicht Cersei, die möchte, dass Ser Gregor am Leben bleibt, sondern Tywin. Da Gregor während des Kampfes gestanden hat, Elia Martell vergwaltigt und ermordet zu haben, ist es nun nötig, dass Gregor nicht am Gift, sondern durch das Schwert des königlichen Henkers stirbt, um Doran Martell nicht noch mehr zu verägern. Erst später, nach Tywins Tod, übergibt Cersei Gregor an Qyburn, damit dieser an ihm experimentieren kann.
Und apropos Tywin, dieser bekommt auch noch einmal eine Szene mit Cersei, um dem Publikum seine fatale Schwäche vor Augen zu führen: Seine Blindheit für seine Kinder. Das Ganze ist zwar ein wenig plakativ, aber von Lena Headey und Charles Dance sehr gut gespielt, und da Letzterer nach dieser Folge aus der Serie ausscheidet, muss man nehmen, was man bekommt. Ironisch, dass Cersei Tywin dessen beschuldigt, was sie später selbst tut: Mit Margaery um Tommen streiten.
Ich kann leider nicht sagen, dass die nächste Szene, in der sich Cersei an Jaime heranmacht, und dieser das auch noch zulässt, auch nur Ansatzweise gelungen ist. Was soll das bitte? Die Beziehung der beiden mäandert seit der dritten Folge dieser Staffel völlig sinnlos im Kreis herum. Eine ähnliche Szene existiert zwar auch in den Büchern, in dieser weist Jaime Cersei aber zurück, und mehr noch, im Vorfeld wurde sie dort nicht von ihm Vergewaltigt. Die Entwicklung dieser beiden Figuren in dieser Staffel ist schlicht und ergreifend völlig daneben.
tywin
Lord Tywin Lannister (Charles Dance) did not, in the end, shit gold.

Nun folgt noch die wahrscheinlich wichtigste Szene der Staffel, einer der entscheidenden Wendepunkte der gesamten Serie: Tyrion ermordet Tywin. Nachdem ich diese Szene angeschaut hatte, war meiner erster Gedanke: Ganz nett, jetzt wurde ich aber gerne die ungeschnittene Fassung sehen. Gerade hier zeigen sich die Fokusprobleme dieser Episode: Das Ganze ist zu kurz, es geht zu schnell. Und nicht nur das, Benioff und Weiss haben das Ereignis ziemlich entschärft, in dem sie Tysha herausgenommen haben. Für alle, die sich nicht mehr erinnern: Tysha war ein junges Mädchen, das Tyrion als Teenager heiratete. Später erzählten Jaime und Tywin ihm, sie sei eine Hure, die Jaime für Tyrion angeheuert habe, und anschließend wurde sie den Wachen übergeben und dafür bezahlt. In „A Storm of Swords“ eröffnet Jaime Tyrion nun bei der Flucht, dass Tysha keine Hure war und ihre Gefühle für Tyrion echt waren, was diesen widerrum dazu bringt, mit Jaime zu brechen; er gesteht (natürlich fälschlicherweise) den Mord an Joffrey und erklärt seinem Bruder, dass Cersei während seiner Abwesenheit mit allen möglichen Leuten im Bett war. Jaimes Geständnis ist es auch, das ihn dazu bringt, Tywin in seinen Gemächern aufzusuchen. Somit fällt das Zerwürfnis zwischen Tyrion und Jaime und das ganze, höchst unangenehme Drumherum weg, wodurch die Szene einiges an Biss verliert. Es geht ja eigentlich gerade darum, dass für Tyrion jegliche Verbindung zu seiner Familie regelrecht zerstört wird. Im Vergleich zu der Wucht, die dies im Roman hat, wirkt das Ereignis in der Serie geradezu lauwarm. Ich kann allerdings schon verstehen, weshalb hier Dinge ausgelassen wurden: In „A Dance with Dragons“ ist Tyrion mitunter ziemlich unsympathisch. Das kann man natürlich nachvollziehen, aber da Tyrion die Lieblingsfigur von vielen, vielen GoT-Fans ist, wollte man ihn wohl nicht derartig in Mitleidenschaft ziehen.
Die Szene selbst ist gut umgesetzt (oder wäre es, wäre sie vollständig), was vor allem daran liegt, dass sowohl Peter Dinklage als auch Charles Dance wie gewohnt exzellent spielen. Ebenso ist die musikalische Untermalung gut gelungen, mir gefällt es, dass jedes Mal, wenn Tyrion der dunklen Seite nachgibt (als er beschließt, seinen Vater zu besuchen und als er die Armbrust von der Wand nimmt) The Rains of Castamere angedeutet wird, und dass ein Fragment noch einmal zu hören ist, als Tywin stirbt.

Meereen
Daenerys‘ Handlungsstrang war diese Staffel nicht unbedingt optimal (mehr dazu später), aber immerhin bekommt er noch einen ganz guten, und vor allem halbwegs buchgetreuen Abschluss. Sowohl der Freigelassene, der wieder in die Sklaverei zurückmöchte, also auch das von Drogon getötete Kind zeigen Daenerys, dass die ganze Situation sehr viel komplizierter ist, als sie es sich eingestehen möchte. Das Wegsperren der Drachen stellt Emilia Clarkes beste darstellerische Leistung dieser Staffel dar, hier zeigt sie die Emotionalität, die mir bei Jorahs Verbannung gefehlt hat.

Nördlich der Mauer
leaf
Das Kind des Waldes, das Bran rettet und später den Namen Leaf bekommt (Octavia Alexandru)

Hodor und die Gang erreichen endlich ihr Ziel. Gerade, als sie den Baum aus Brans Vision sehen, werden sie von mehreren Skeletten angegriffen, bis ein Kind des Waldes auftaucht und sie rettet. Ich muss zugeben, dass mich das Auftauchen besagter Skelette irgendwie irritiert hat, diese wirken in „Game of Thrones“ irgendwie deplatziert und passen eher zu „WarCraft III“ oder „Diablo“ als zu Westeros.
Jojen ereilt dasselbe Schicksal wie Pyp und Grenn: Er stirbt in der Serie, obwohl er in den Romanen noch lebt. Da Jojen in „A Dance with Dragons“ allerdings sowieso nichts mehr zu tun hat und nur noch dahinvegetiert, ist das nicht weiter tragisch.
Das Aussehen des Kindes des Waldes gefällt mir ziemlich gut, einerseits kindlich, andererseits aber auch seltsam, so in etwa habe ich sie mir auch vorgestellt (obwohl die Beschreibung in den Romanen etwas anders ist). Mit der Dreiäugigen Krähe bin ich dagegen nicht wirklich zufrieden, er sieht viel zu saftig und gesund aus. Bei Martin wird er als völlig ausgemergelt, skeletthaft und praktisch als mit den Wurzeln des Baumes verwachsen beschrieben.
Um zu erklären, wer die Dreiäugige Krähe eigentlich ist, muss ich ein wenig weiter ausholen. Es handelt sich hierbei um Lord Brynden Rivers, alias Lord Bloodraven. Dieser ist ein Targaryenbastard, der gut neunzig Jahre vor den Geschehnissen der Serie (und der Romane) als Hand des Königs diente, später zur Mauer geschickt wurde, zum Lord Commander der Nachtwache aufstieg und schließlich verschwan. In der zweiten Heckenritter-Novelle, „The Sworn Sword“, wird er immer wieder erwähnt und taucht in der dritten, „The Mystery Knight“, erstmals persönlich auf. Auch in „A Feast for Crows“ wird auf ihn angespielt. Lord Bloodraven hat, während er als Hand diente, Westeros praktisch in einen Polizeistaat verwandelt, weshalb ein bestimmtes Rätsel kursierte: „Wie viele Augen hat Lord Bloodraven?“ Die Antwort gibt Brynden Rivers in der Serie selbst: „Eintausend und eines“ (bezogen auf die vielen Spione und das eine Auge, das er selbst hat).
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Brynden Rivers, die dreiäugige Krähe (Struan Rodger)

Auf dem Weg zur Eyrie
Briennes Handlungsstrang nimmt eine unerwartete Wendung, denn sie und Pod treffen auf Arya und den Bluthund (sagte ich bereits, dass Westeros ein Dorf ist?). Ich muss sagen, ich bin enttäuscht, dass Lady Stoneheart in dieser Folge nicht mehr auftaucht, ich hatte fest damit gerechnet, dass Brienne und Pod ihr am Ende ihres Handlungsstranges begegnen, einerseits, weil Catelyn in dieser Staffel bereits ziemlich oft erwähnt wurde und andererseits, weil Lena Headey etwas in diese Richtung über Instagramm angedeutet hat. Hat sie uns wohl verarscht.
Wie dem auch sei, die Begegnung ist zugegebenermaßen nicht ganz uninteressant, da Arya in Brienne etwas sieht, was sie werden könnte. Auch entscheidet sie sich hier eindeutig für Sandor (das Übel, das man kennt, ist besser als das, das man nicht kennt). Und es ist letztendlich nicht Beißers Biss, sondern das Duell mit Brienne, dass Sandor das Leben kostet. Statt Vargo Hoat darf sie nun dem Bluthund das Ohr abbeißen…
Interessanterweise ist Aryas darauf folgender „Abschied“ von Sandor ziemlich unpassend, gerade weil er sich genauso abspielt wie im Buch. Bei Martin hat dies gut gepasst, aber in der Serie hat sich das Verhältnis der beiden ungleichen Reisegefährten geändert, wie man ja wenige Minuten zuvor selbst gesehen hat. Sandor ist schon fast ein Mentor für Arya, und auf jeden Fall ein Beschützer. Dass sie ihm die Gnade eines schnellen Todes nun nicht erweist, wirkt unnötig grausam.
Die Schlussszene dieser Episode gehört ebenfalls Arya, sie geht an Bord eines Schiffes, das gen Braavos fährt. Im Prinzip ist an dieser Szene nichts verkehrt, sie ist gut umgesetzt, aber als Schlussszene eine ganzen Staffel wirkt sie ziemlich enttäuschend. Man muss sie nur einmal in den Kontext setzen: Die Geburt der Drachen, die Rückkehr der Weißen Wanderer, die Befreiung tausender Sklaven und… Arya geht auf ein Schiff. Ich denke nach wir vor, das Auftauchen von Lady Stoneheart wäre der ideale Cliffhanger gewesen, um die Staffel denkwürdig zu beenden.

Fazit: Um es kurz zu machen, leider bei weitem nicht das grandiose Staffelfinale, als das es gehypt wurde. Die Folge schwankt zwischen „in Ordnung“ und „viel Potential verschenkt“.

Staffelresümee:
Jede GoT-Staffel hat ihre Höhen und Tiefen, ihre Hammerepisoden und ihre Überbrückungsfolgen, kurzum, ihre Stärken und Schwächen, das allerdings auf ziemlich hohem Niveau. Staffel 4 ist diesbezüglich allerdings, was man auf Englisch als „mixed bag“ bezeichnen würde. Wenn die Staffel gut ist, sei es in Einzelszenen oder ganzen Folgen, dann ist sie richtig gut, man denke nur an den extrem starken Start mit „Two Swords“ und „The Lion and the Rose“, alles, was mit Oberyn Martell zu tun hat, Tyrions Verhandlung und (mit ein paar Einschränkungen), der King’s-Landing-Handlungsstrang allgemein. Wenn sie allerdings nachlässt, dann lässt sie auch richtig nach.
Es lässt sich darüber hinaus nicht leugnen, dass Staffel 4 sich bislang am weitesten von der Vorlage entfernt. Wer meine Staffel- und Folgenbesprechungen gelesen hat, hat hoffentlich auch gemerkt, dass ich kein Purist bin, der eine Änderung nur um der Änderung willen kritisiert; wenn man eine Geschichte von einem Medium in ein anderes transferiert, sind Änderungen ohnehin nicht vermeidbar. Aber gerade bei Staffel 4 wirken viele der vorgenommenen Änderungen einfach unnötig, gerade weil Martins ursprüngliche Version der Ereignisse in meinen Augen besser funktioniert.
Was Staffel 4 letztendlich vor allem auszeichnet, sind Strukturprobleme und, wie ich schon mehrfach gesagt habe, mangelnder Fokus. Das hängt auch damit zusammen, dass letztendlich „A Storm of Swords“ zwar auf zwei Staffeln verteilt wird, das aber ungleichmäßig. Man kann es drehen und wenden, wie man will, aber Staffel 3 enthält nun einmal bereits etwa dreiviertel des dritten Bandes. Der einzige Handlungsstrang, der noch genug Material enthält, ist die King’s-Landing-Handlung, die insgesamt betrachtet auch am meisten Zeit bekommt. Bei allen anderen Handlungssträngen wird entweder ausgedehnt oder bereits Material aus „A Feast for Crows“ und „A Dance with Dragons“ verwendet. Auch das wäre letztendlich nicht problematisch, es kommt hier auf das Wie an. Egal ob Neuerfindung der Serienmacher oder Material aus den Bänden vier und fünf, es fühlt sich oft an wie unnötiges Füllmaterial. Gerade bei Daenerys wird dies deutlich. Im Großen und Ganzen wird hier Material aus „A Dance with Dragons“ adaptiert, aber es wirkt wie relativ zusammenhanglose Einzelszenen ohne eine übergreifenden Handlungsstrang – dies hätte man verhindern können, in dem man zum Beispiel bereits die Söhne der Harpyie einführt, um dem Ganzen einen Rahmen zu geben, anstatt zwischen Grauer Wurm und Missandei eine Romanze aufzubauen, so knuffig die zwei auch sein mögen.
Am besten funktioniert diese Vorgehen noch beim Dreadfort-Material, weil es hier nicht nur aneinandergereihte Szenen, sondern einen Handlungsbogen gibt. Interessanterweise allerdings nicht für Theon/Reek, sondern für Ramsay
Arya und Sandor Clegane sowie die Jon-Snow- und Bran-Handlungsstränge sind gute Beispiele für sinnlose Ausdehnung. Sie alle kommen über den Verlauf der Handlung weder inhaltlich noch charakterlich weiter. Arya lernt durch das Reisen mit Clegane etwa drei Mal dieselbe Lektion, nur um dann schließlich doch dort zu landen, wo sie auch am Ende von „A Storm of Swords“ hinkommt: Auf ein Schiff nach Braavos. Nur um das zu verdeutlichen: Die erste Arya-Szene der Staffel (das Gefecht im Gasthaus) und die letzte (Arya kommt auf das Schiff) befinden sich im Roman im selben Kapitel.
Ganz ähnlich verhält es sich bei Jon Snow, wo mir sie Strukturierung ebenfalls Kopfzerbrechen bereitet. Im Roman flieht er vor den Wildlingen, kommt in Castle Black an, kurz darauf greift der Trupp von Styr Castle Black an und schließlich folgt die Attacke von Mance Rayder. So gerne ich auch fokussierte Episoden mag – für sich betrachtet hat mir „The Watchers on the Wall“ ziemlich gut gefallen – hier wäre Martins Struktur besser gewesen. Es hätte durchaus genug Material für die Staffel gegeben, hätte man nicht beide Wildlingsangriffe zusammengelegt. Und vor allem hätte man sich den völlig unnötigen Ausflug zu Craster’s Keep erspart, allerdings waren Benioff und Weiss in meinen Augen zu sehr darauf bedacht, den Erfolg von „Blackwater“ zu wiederholen.
Eine weitere große Schwäche dieser Staffel sind einige merkwürdige, um nicht zu sagen unpassende kreative Entscheidungen. Meist sind dies nur Einzelszenen, und für sich betrachtet fallen sie auch nicht ins Gewicht, aber wenn man alles zusammenaddiert, hinterlässt das alles einen bitteren Nachgeschmack. Am gravierendsten ist hier die Jaime-Cersei-Geschichte, deren Ausgestaltung mir nach wie vor als eine der größten Fehlleistungen der Serie erscheint. Somit ist Staffel 4 in meinen Augen, trotz einiger wirklich gelungener Höhepunkte, die bisher schwächste Staffel.

Game of Thrones Staffel 4:
Two Swords
The Lion and the Rose
Breaker of Chains
Oathkeeper
First of His Name
The Laws of Gods and Men
Mockingbird
The Mountain and the Viper
The Watcher on the Wall

Siehe auch:
Game of Thrones Staffel 1
Game of Thrones Staffel 2
Game of Thrones Staffel 3

GoT: The Mountain and the Viper

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Während die „Mockingbird“ von merkwürdigen Inszenierungen geprägt war, gibt es bei „The Mountain and the Viper“ Fokusprobleme. Einiges zieht sich ziemlich und wirkt sekundär oder gar schlicht unnötig, während der eigentliche, titelgebende Höhepunkt der Episode fast schon zu kurz kommt.

Castle Black
Genaugenommen beginnt die Episode nicht in Castle Black, sondern in Molestown, aber das liegt praktisch nebenan und lohnt keinen eigenen Abschnitt. Wie dem auch sei, die Wildlinge kommen endlich an. Vorher dürfen wir noch einmal sehen, dass das Bordell in Molestown qualitativ nicht ganz mit Littlefingers Etablissement mithalten kann; Gilly fühlt sich dort, wen wundert es, nicht besonders wohl. Beim Angriff der Wildlinge werden alle Anwesenden niedergemetzelt, nur Gilly und ihr Sohn werden von Ygritte verschont – nach dem kaltblütigen Mord bei ihrem letzten Auftritt und dem Erstechen der Puffmutter sammelt sie wohl wieder ein paar Sympathiepunkte bei den Zuschauern, damit auch ihr zukünftiges Schicksal ein wenig tragischer wird.
Auf Castle Black macht man sich derweil Sorgen und auch Sam sieht endlich ein, dass es eine blöde Idee war, Gilly in Molestown zu verstecken. Der Aufbau zur Schlacht um die Mauer findet mit dieser Episode nun auch endlich sein Ende, denn in der nächsten Folge geht’s hier endlich zur Sache. Gerade wenn man den Aufbau hier mit den Schlacht-Vorbereitungen in der zweiten Staffen vergleicht, fällt auf, um wie viel atmosphärischer und bedrückender diese waren. Vielleicht hängt das aber auch damit zusammen, dass King’s Landing einfach der interessantere Schauplatz mit den besseren Figuren ist.

Meereen
Grauer Wurm ist ein Spanner. Interessant. Beim Baden beobachtet er Missandei ein wenig zu intensiv, was der Übersetzerin ebenfalls auffällt – im Folgenden wundert sie sich zusammen mit Daenerys, ob da noch was übrig ist. Diese angedeutete „Romanze“ hat in den Romanen natürlich keine Grundlage, da Missandei dort erst elf ist. Immerhin gibt es eine Bemerkung über Bedürfnisse der Unbefleckten, die sich trotz Kastration zu Prostituierten begeben, einfach um körperliche Nähe zu Frauen zu spüren. Es mag mir nur so vorkommen, aber irgendwie scheint es mir, als würden Benioff und Weiss dem Pärchen Missandei/Grauer Wurm mehr Aufmerksamkeit schenken als Daario/Daenerys. Der kleine Dialog zwischen Unberührtem und Übersetzerin im Thronsaal ist zweifelsohne knuffig, aber man fragt sich, wo das hinführt.
Derweil folgt nun endlich Ser Jorahs Verbannung, quasi initiiert von Tywin Lannister in Form einer königlichen Begnadigung. Da diese Ser Barristan zugestellt wird ist er es, der Daenerys, wie in den Romanen (dort aber mit anderem Hintergrund) von Jorahs Verrat berichtet. Die Szene seiner Verbannung ist ähnlich wie im Roman, aber weit weniger wirksam. Gerade hier ist es sehr wichtig zu wissen, was Daenerys denkt. Möglicherweise wäre es nützlich gewesen, hätte Daenerys im Anschluss noch mit Ser Barristan oder Missandei über ihre Entscheidung gesprochen.

Moat Cailin
Die „Eroberung“ Moat Cailins stammt direkt aus „A Dance with Dragons“ und ist auch ziemlich buchgetreu umgesetzt. Reek darf kurz als sein altes Selbst posieren, um die von Krankheit geplagten Eisenmänner davon zu überzeugen, das Feld zu räumen. Er verspricht ihnen freien Abzug, aber natürlich zieht Ramsay ihnen hinterher nur die Haut ab.
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Ramsay (Iwan Rheon) und Roose (Michael Mcelhatton) tragen nun denselben Nachnamen

Gerade hier fällt noch einmal auf, wie gut Alfie Allen spielt. Im Roman ist Theon zu diesem Zeitpunkt körperlich ein völliges Wrack, er hat weiße Haare, ist vollkommen abgemagert und sieht aus wie ein alter Mann. Serien-Theon dagegen sieht rein körperlich dagegen noch halbwegs fit, unter anderem auch, weil man von Alfie Allen kaum erwarten kann, dass er sich gnadenlos herunterhungert, er ist ja schließlich nicht Christian Bale, der das hin und wieder mal gerne tut. Aber die Art und Weise, wie er schaut, wie er sich bewegte und wie er mit anderen agiert zeigt ganz genau, wie gebrochen er ist.
Die Szenerie von Moat Cailin unterstreicht das Ganze und ist hübsch unangenehm. Die Eisenmänner sind gezeichnet von Krankheit und Entbehrung. Natürlich wird es für sie nicht besser, und wir sehen zum ersten Mal die praktisch Umsetzung des Bolton-Wappens.
Anschließend übergibt Ramsay seinem Vater feierlich die eroberte Burg und erhält dafür einen neuen Nachnamen. Die Szene erinnert an eine pervertierte Version des Dialogs zwischen Simba und Mufasa am Anfang von „Der König der Löwen“ („alles, was das Licht berührt“) und irgendwie freut man sich für Ramsay. Irgendwie…

Eyrie
Nach Lysa Arryns plötzlichem, unerwartetem Mondtorsturz wird Littlefinger erst einmal von Yohn Royce (Rupert Vansittart), Anya Waynwood (Paoloa Dionisotti) und Vance Corbray (Richard Doubleday), drei Adeligen des Grünen Tals, verhört. Die Folgen von Lysa Arryns Tod unterscheiden sich in der Serie stark von denen im Roman, und ein weiteres Mal wird hier bereits Material aus „A Feast for Crows“ adaptiert. Wie bereits an anderer Stelle erwähnt ist der Sänger Marillion bei Lysas Sturz im Roman anwesend und ihm wird dann auch die Schuld gegeben. Auf der Eyrie finden sich anschließend die sogenannten „Lords der Erklärung“, ein Bündnis wichtiger Adeliger des Grünen Tals (unter ihnen auch Yohn Royce und Anya Waynwood, Vance Corbray ist eine Schöpfung der Serienautoren), ein, die Robin/Robert in ihre Gewalt bringen und Littlefingers Kontrolle über das Tal beenden wollen. Der Lord Protector kommt allerdings durch Manipulation einiger und Bestechung anderer Lords der Erklärung mit ihnen zu einer Übereinkunft. Das Ganze wird aus Sansas Sicht geschildert und somit ist deutlich, dass Littlefinger alles sehr genau durchgeplant hat.
In der Serie verhält sich dies anders, da Littlefinger offenbar nicht allzu weit vorausgeplant hat; er stellt Lysas Tod als Selbstmord hin, die Lords und die Lady des Tals glauben ihm allerdings nicht, bis Sansa befragt wird. Diese erzählt, ohne dass sie von Littlefinger instruiert wurde, wohlgemerkt, beinahe die Wahrheit. Sie enthüllt, dass sie Sansa Stark ist und berichtet von ihrer Leidensgeschichte, lediglich Lysas Tod stellt sie ebenfalls als Selbstmord da, sodass Royce, Corbray und Waynwood von Littlefingers „Unschuld“ überzeugt sind. Somit ist Sansa in ihrer Charakterentwicklung schon weiter als in den Romanen, dort zeichnete sich zwar bereits ab, dass Sansa Littlefingers Schülerin wird und mitintrigiert, aber in „A Feast for Crows“ agiert sie ausschließlich nach Petyr Baelishs Anweisungen. In der Serie dagegen handelt sie hier erstmals aus eigenem Antrieb heraus und zeigt Littlefinger so, dass sie nicht nur nützlich, sondern auch gefährlich sein kann. Diese Entwicklung wird am Ende etwas zu sehr durch Sansas neue Kleiderwahl unterstrichen. Nicht, dass es ihr nicht stehen würde, aber sie sieht aus, als wäre sie zur Dunklen Seite der Macht übergetreten. Nun gut, ist sie ja irgendwie auch. Immerhin sind jetzt die Haare gefärbt.
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Sansa (Sophie Turner) ist zur Dunklen Seite der Macht übergetreten

Am Bluttor
Faszinierend: Arya und Sandor erreichen tatsächlich das Bluttor, nur um zu erfahren, das mit Lysa eine weitere Verwandte von Arya gestorben ist, was diese mit wildem Gelächter quittiert. Geht’s jetzt dann endlich gen Braavos? Oder hat Arya doch ein ganz anderes Schicksal vor sich als bei Martin? Es fällt ein wenig schwer zu glauben, dass Arya und Sandor einfach wieder gehen. Oder dass sie einfach weggelassen werden.

King’s Landing
So gelungen die bisherigen Zellengespräche mit Tyrion auch waren, ich fürchte, dieses hier ist zu viel. Man kann schon verstehen, worauf Tyrion mit seiner Geschichte über Orson Lannister hinaus will (Willkür der Götter, Charakterisierung von Gregor Clegane etc.), aber das Ganze zieht sich ungemein, und es findet sich nichts, was nicht schon an anderer Stelle deutlich gemacht wurde. Stattdessen wäre es in meinen Augen besser gewesen, man hätte die Konversation mit Oberyn aus „A Storm of Swords“ adaptiert, in welcher er Tyrion den Plan verrät, Myrcella zu krönen (nach dornischem Recht geht das Erbe an das älteste Kind, egal ob männlich oder weiblich) und sie so als Waffe gegen Tywin zu benutzen. Somit hätte man Tyrion nicht nur eine Chance aufs Überleben gegeben, sondern auch eine auf eine mögliche, positive Zukunft, wodurch der Ausgang des Kampfes noch härter gewesen wäre. Und man hätte in einem Zug auch gleich mögliche Machenschaften der Dornischen, die in der nächsten Staffel wahrscheinlich vorkommen werden, andeuten können.
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Oberyn Martell (Pedro Pascal) kämpft gegen Gregor Clegane (Hafþór Júlíus Björnsson)

Der eigentliche Kampf Berg gegen Viper (in dieser Folge fällt erstmals sein Spitzname) ist ordentlich und sehr buchgetreu umgesetzt. Das Probleme daran ist, dass er als beste bisherige Kampfszene angekündigt und ziemlich gehypt wurde, ordentlich ist da nicht ganz ausreichend. Es mangelt in meinen Augen an der Intensität, die zum Beispiel der Kampf Beric Dondarrions gegen den Bluthund hatte. Auch das Platzen von Oberyns Kopf wirkt ein wenig übertrieben. Trotzdem möchte ich noch einmal betonen, was für einen grandiosen Oberyn Martell Pedro Pascal dargestellt hat; die Figur wurde durch sein Spiel noch einmal aufgewertet.

Fazit: Leider ist das Großereignis dieser Folge nur in Ordnung und nicht grandios, was hätte sein sollen. Mehr Intensität und vor allem mehr Fokus wären wünschenswert gewesen.

Game of Thrones Staffel 4:
Two Swords
The Lion and the Rose
Breaker of Chains
Oathkeeper
First of His Name
The Laws of Gods and Men
Mockingbird

Siehe auch:
Game of Thrones Staffel 1
Game of Thrones Staffel 2
Game of Thrones Staffel 3

GoT: Mockingbird

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„Mockingbird“ (der Titel bezieht sich auf Littlefingers selbstgewähltes Wappen) ist mal wieder eine relativ typische Übergangsepisode, die meisten Szenen bereiten die Großereignisse der nächsten Episoden vor. Allerdings finden sich hier einige etwas seltsame kreative Entscheidungen, die sich in Form von merkwürdigen, ungelenk inszenierten Szenen offenbaren.

King‘s Landing
Während Tyrions Rede aus der letzten Episode nicht nur für mich einer der Staffelhöhepunkte war, ist Jaime nicht unbedingt begeistert, was man ihm auch nicht wirklich verübeln kann. Obwohl die beiden immer noch miteinander scherzen, ist das Verhältnis doch merklich kühler geworden, womit wohl schon etwas vorgearbeitet wird. In „A Storm of Swords“ reden Tyrion und Jaime nur ein mal miteinander, während sie in der Serie wegen Jaimes verfrühter Rückkehr einige Gespräche haben – möglicherweise ändert sich dadurch die Dynamik des noch ausstehenden Gesprächs, das wahrscheinlich in Episode 9 oder 10 folgt. Jedenfalls dürfte es niemand überraschen, dass Jaime nicht nur nicht gegen Ser Gregor Clegane kämpfen will, sondern es nicht kann.
Apropos Gregor Clegane: Dieser wurde für Staffel 4 neu gecastet, und zwar schon zum zweiten Mal. In der ersten Staffel hatte Conan Stevens einen kurzen, wenn auch eindrucksvollen Auftritt als Reitender Berg. Da er allerdings in Peter Jacksons Hobbit-Trilogie den Ork-Häuptling Bolg spielen sollte, kehrte er in der zweiten Staffel nicht zurück (traurige Ironie: nachdem bekannt wurde, dass es statt zwei Hobbit-Filmen drei werden würden, wurde Bolg erst in den zweiten Film verschoben und schließlich wurde Stevens‘ Performance im Kostüm auch noch durch einen anderen Schauspieler und CGI ersetzt). An seiner Stelle spielte Ian Whyte Clegane in Staffel 2, mit diesem war ich allerdings absolut nicht zufrieden. Whyte ist zwar groß, aber auch spindeldürr, eher die Reitende Bohnenstange als der Reitende Berg. Und darüber hinaus stand oder saß er meistens herum und wirkte absolut nicht brutal oder einschüchternd. In Staffel 3 tauchte er überhaupt nicht auf, und nun wurde er abermals neu gecastet. Hafþór Júlíus Björnsson hat in jedem Fall die richtige Statur und Ausstrahlung für Gregor Clegane (das soll nicht als Beleidigung gemeint sein, ich bin sicher, der Darsteller ist ein netter, freundlicher Mensch). Da man wohl nicht erwarten kann, dass ein Nicht-Buchleser sich an die erste beiden Gregors erinnert, wird er hier praktisch noch einmal neu eingeführt, in einer zweifelsohne passenden, wenn auch nicht ganz logischen Szene. Wenn er trainieren will, ist es irgendwie kontraproduktiv, wenn er jeden Gegner gleich umbringt. Oder springt er für Illyn Payne ein?
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Ser Gregor Clegane (Hafþór Júlíus Björnsson)

Wie dem auch sei, genauso wie Jaime will auch Bronn nicht als Champion für Tyrion fungieren. Die Szene entspricht ziemlich genau der Szene im Roman, auch wenn sie hier ein wenig angenehmer inszeniert ist. Es stellt sich nach wie vor die Frage, ob Bronn dafür verantwortlich ist, dass Shae Cersei in die Hände gefallen ist. Bronns Verlobung könnte darauf hindeuten, oder auch nicht. Seine zukünftige Gemahlin, Lollys Stokeworth, kam in der Serie bisher noch nicht vor, während sie in den Romanen immer mal wieder erwähnt wird. Während der Revolte wird sie mehrfach vergewaltigt und dadurch schwanger und extrem ängstlich und traumatisiert. Da Lollys auf einer Castingliste für Staffel 5 aufgetaucht ist, werden wir sie nächstes Jahr wohl auch zu Gesicht bekommen. Wie ich bereits sagte, glaube ich auch nicht, dass Bronn einfach so aus der Geschichte verschwindet, dazu ist er bei den Fans der Serie viel zu beliebt.
Tyrion empfängt noch einen dritten Besucher: Oberyn Martell, der sich ihm natürlich noch als Champion anbieten muss, damit der lang erwartete Zweikampf zwischen der Roten Viper und dem Reitenden Berg in der nächsten Episode auch stattfinden kann. Was zunächst wie eine obligatorische Konversation anmutet, entpuppt sich als beste und emotionalste Szene der Episode. Ich hatte es ursprünglich bedauert, dass Oberyns Geschichte über seine erste Begegnung mit Tyrion nicht in „Two Swords“ vorkam, aber die Idee, sie hier zu verwenden, ist wirklich gut und verstärkt die Wirkung der Szene noch. Sowohl Pedro Pascal als auch Peter Dinklage (wehe, es gibt keinen Emmy) spielen abermals superb.

Auf dem Weg zur Eyrie
Bei Arya und dem Bluthund wird weiter gedehnt: Sie begegnen einem Sterbenden, von dem Arya eine Lektion lernt, die wieder einmal ziemlich unnötig ist. Im Anschluss daran begegnen sie zwei alten bekannten aus Staffel 2: Rorge und Beißer – beide waren zusammen mit Jaqen H’Gar im Käfig und sollten zur Mauer gebracht werden, endeten aber stattdessen in Harrenhal. In den Büchern schließen sie sich nach der Flucht von Arya, Hot Pie und Gendry dem Blutigen Mummenschanz, einer äußerst brutalen Söldnertruppe, an, der in der Serie nicht vorkommt, und tauchen in „A Feast for Crows“ in Briennes Handlungsstrang wieder auf. Dort hat Rorge sich Sandor Cleganes Helm unter den Nagel gerissen und richtet zusammen mit Beißer und anderen Ausgestoßenen Chaos und Verwüstung an, bis er mit Brienne zusammentrifft, was er nicht überlebt. Die Begegnung mit Sandor und Arya überlebt er allerdings auch nicht, was kein Wunder ist. Anstatt den Bluthund anzugreifen oder seine Verwirrung zu nutzen, nachdem Beißer ihn angefallen hat, steht er rum und hält Reden – so blöd muss man erst einmal sein.
Immerhin zeichnet sich nun das bevorstehende Ende des Bluthundes ab: Ich wette auf Beißers Biss. Menschenbisse sind bekanntermaßen sehr gefährlich, wie auch Vargo Hoat in den Romanen am eigenen Leib erfahren musste, und Sandor weigert sich darüber hinaus, die Wunde auszubrennen.
Zwischen Arya und Sandor herrscht hier eindeutig sehr viel mehr Sympathie als in der Vorlage. Wird Arya vielleich sogar traurig sein, wenn Sandor letztendlich das Zeitliche segnet, statt ihn sterbend zurückzulassen? Wobei selbst in den Romanen Sandors Tod nicht ganz eindeutig ist…

Castle Black
Im Norden nichts Neues: Jon und Co. kehren zurück, Ser Alisser ist immer noch ein Arsch und die Wildlinge sind immer noch auf dem Vormarsch – Styr, Ygritte und Tormund müssten Castle Black doch inzwischen erreicht haben. Nun, wahrscheinlich werden aus dramaturgischen Gründen beide Wildlingsattacken zu einer zusammengelegt, die dann Episode 9 füllt. Bis dahin haben die Schwarzen Brüder weiterhin Zeit zum Diskutieren. Interessanterweise macht Jon hier den Vorschlag, die Tore in der Mauer zu verschließen, was Alisser Thorne ablehnt. Derselbe Vorschlag wird in „A Dance with Dragons“ von Bowen Marsh, dem Lord Verwalter von Castle Black gemacht und von Jon mit derselben Begründung, die auch Alisser vorbringt, abgelehnt.

Meereen
Auch in Meereen gibt es eine der oben erwähnten merkwürdigen und ungelenken Szenen. Daario und Daenerys landen, von einer Aufnahme seines nackten Hinterteils abgesehen off-screen, im Bett, was irgendwie relativ plötzlich und unerwartet geschieht; es fehlt der Rahmen. In „A Dance with Dragons“ geschieht dies im Vorfeld von Daenerys‘ geplanter Hochzeit mit Hizdahr zo Loraq, die bisher noch nicht einmal angedeutet wurde, während es in der Serie „einfach so“ passiert. Auch wurde für meinen Geschmack noch nicht klar gemacht, wie gefährlich und launisch Daario sein kann – Daenerys weiß um diese Eigenschaften und lässt sich trotzdem mit ihm ein. Dass sie ihn nach Yunkai schickt impliziert etwas in diese Richtung, aber irgendwie ist mir das zu halbherzig umgesetzt. Nur für’s Protokoll: In „A Dance with Dragons“ schickt Daenerys Daario ebenfalls von ihrer Seite, allerdings nicht, um Yunkai zurückzuerobern, sondern um einen Vertrag mit den Lhazareen auszuhandeln. Dort ist die politische Lage auch um einiges schwieriger, da in den Mauern von Meereen Danys Leute beständig ermordet werden und alles, was vom Sklavenhandel abhängig ist (also Qarth, diverse freie und Ghiscari-Städte) damit beginnt, Meereen zu belagern und von der Außenwelt abzuschneiden. Daenerys kann es sich hier zu keinem Zeitpunkt leisten, Yunkai zurückzuerobern.
Die folgende Szene mit Jorah ist ebenfalls ein wenig seltsam: „Tell him you changed my mind.“ Vermutlich will Daenerys Daario so mitteilen, dass er sich nicht zu viel herausnehmen soll, nur weil sie jetzt mit ihm schläft.

Dragonstone
Ich wiederhole mich ja nur ungern, aber auch bei dieser Szene ist mir der Zweck nicht klar und sie erscheint mir darüber hinaus unpassend, merkwürdig und unnötig. Melisandre ist merkwürdig gesprächig und offenherzig, betreibt Smalltalk und macht sogar einen Witz – das wirkt irgendwie out of character. Was nehmen wir aus dieser seltsamen Unterhaltung zwischen Melisandre und Selyse mit? Dass Stannis‘ Gemahlin Minderwertigkeitskomplexe hat wissen wir schon seit Staffel 3. Shireen kommt mit nach Norden, gut und schön. Hat Melisandre vor sie zu opfern? Man kann ihre Worte als Andeutung verstehen. Oder auch nicht.

In den Flusslanden
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Pod (Daniel Portman), Hot Pie (Ben Hawkey) und Brienne (Gwendoline Christie)

Was bei Arya und dem Bluthund geschieht, wirkt sich auch stark auf Briennes Handlungsstrang auf. Wie ich an anderer Stelle bereits erwähnte, befinden wir uns hier bereits in Feast-for-Crows-Territorium, und ich denke, dass die Brienne-Handlung allgemein stark abgeändert und verkürzt wird. In besagtem Roman kommen Brienne und Pod ziemlich weit in den Flusslanden herum, ohne wirklich etwas zu erreichen. Sie begegnen Ser Hyle Hunt (ein Ritter, mit dem Brienne einen Disput hat), Gendry und Lord Randyll Tarly (Sams Vater), zusätzlich zu mehreren Mitgliedern des Blutigen Mummenschanzes. Die meisten dieser Personen tauchten in der Serie bisher nicht auf und werden das wohl in Zukunft auch nicht tun, oder sie sind, im Falle von Rorge und Beißer, bereits tot. Am Ende von Briennes Reise wartet im Roman schließlich Lady Stoneheart und ich könnte mir gut vorstellen, dass Brienne ihr bereits am Ende dieser Staffel begegnet. Dies könnte gleichzeitig als Enthüllung fungieren: Warum nicht Brienne entdecken lassen, wer die neue Anführerin der Bruderschaft ohne Banner ist statt eines ziemlich x-beliebigen Frey?
Ihre Begegnung mit Hot Pie (Westeros ist halt doch ein Dorf) gehört leider wieder zu den etwas merkwürdig konzipierten Szenen – es sieht Brienne gar nicht ähnlich, einfach so ihr Vorhaben auszuposaunen, gerade weil sie bei Martin sehr bedacht darauf ist, keine Aufmerksamkeit darauf zu lenken; sie fragt nur nach Sansa, wenn es sich nicht mehr vermeiden lässt und behauptet sonst, sie suche ihre Schwester, eine Jungfer von dreizehn Jahren mit kastanienbraunem Haar. Immerhin Pod denkt ein wenig mit.
Von Hot Pie erfahre Pod und Brienne schließlich etwas über Arya, was sie dazu bringen könnte, nach der Bruderschaft zu suchen und somit meine Vermutung untermauert.

Eyrie
Zum Schluss noch etwas mit mehr Gehalt und Auswirkungen: Der Tod von Lysa Arryn. Das Ganze spielt sich ähnlich ab wie in „A Storm of Swords“, allerdings ohne die Beteiligung des Sängers Marillion. Auch scheint Robin Arryn, im Gegensatz zu Robert Arryn, kein Epileptiker zu sein – statt eines Anfalls bekommt er eine Ohrfeige.
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Sansa (Sophie Turner) im Schnee

Bei Lysas Sturz gibt es ebenfalls eine kleine Änderung, eigentlich nur ein minimales Detail, das allerdings Buchleser ziemlich aufregt. Im Roman sagt Littlefinger er habe nur eine Frau geliebt: „Only Cat“ – aus diesem Grund wird Lysas Sturz im Fandom auch als „Onlycat“ bezeichnet. In der Serie sagt Littlefinger allerdings: „I have loved only one woman, my entire life. Your sister.“ Zugegebenermaßen weniger pregnant, aber es gibt schlimmeres. Wie dem auch sei, goodbye Lysa.

Fazit: Übergangsepisoden wie „Mockingbird“ gehören selten zu den besten, aber gerade in dieser gibt es einige Szenen, die komisch und ungelenk wirken. Der vollauf gelungene Dialog zwischen Tyrion und Oberyn gleicht das allerdings wieder ein wenig aus.

Game of Thrones Staffel 4:
Two Swords
The Lion and the Rose
Breaker of Chains
Oathkeeper
First of His Name
The Laws of Gods and Men

Siehe auch:
Game of Thrones Staffel 1
Game of Thrones Staffel 2
Game of Thrones Staffel 3

GoT: The Laws of Gods and Men

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Es geht wieder voran, sowohl inhaltlich als auch qualitativ. Wie schon in „The Lion and the Rose“ beansprucht auch in „The Laws of Gods an Men“ der King’s-Landing-Handlungsstrang die komplette zweite Hälfte der Episode, und wie schon in besagter Episode funktioniert das auch dieses Mal hervorragend. Insgesamt ist Staffel 4, meiner Meinung nach, besser strukturiert alles Staffel 3, es gab bisher keine Episode, in der alle Handlungsstränge angeschnitten wurden, und dass Dank der Roten Hochzeit das Personal ein wenig reduziert wurde fällt ebenfalls positiv auf.
Nebenbei: Auf der Intro-Karte taucht zum ersten Mal Braavos samt Titan auf.

Braavos
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Der Titan von Braavos

Die Vorschau dieser Episode hat es angedeutet, die Bestätigung folgt auf dem Fuß: Braavos, das „Bastard-Kind“ des alten Valyria, sehen wir zum ersten Mal nicht zusammen mit Arya, sondern mit Stannis und Davos, die von der Eisernen Bank Kredit wollen. Die Totale von Braavos, samt Titan, ist äußerst gelungen, allerdings gibt es ansonsten nur das Innere zweier Gebäude zu sehen. Natürlich verschlingt ein Handlungsort wie Braavos, besonders, wenn man ihn distinktiv gestalten möchte, mit Sicherheit eine Menge Geld, weshalb es zwar nicht weniger schade ist, dass man Stannis und Davos nicht am Hafen oder in den Straßen sieht, aber doch letztendlich nachvollziehbar. Vielleicht sehen wir ja in der nächsten Staffel mehr von diesem Schauplatz, wenn Arya sich als Muschelverkäuferin betätigt.
Es zeigt sich jedenfalls, dass die Banken der Welt von Eis und Feuer den Unseren gar nicht so unähnlich sind: Überall muss man warten. Das Empfangszimmer ist dabei sehr schön gestaltet: Die Bittsteller müssen auf niedrigen Bänken sitzen, während die Bankangestellten in üppigen, thronähnlichen Stühlen platznehmen.
Letztendlich handelt es sich bei diesem Abstecher auch wieder um eine Beschäftigungstherapie, um Figuren nicht einfach für den Großteil einer Staffel verschwinden zu lassen. Diese Beschäftigungsszenen sind aber um einiges bekömmlicher als Jons Snows Ausflug zu Crasters Keep, da sie immerhin auf Buchmaterial basieren, das vorgezogen wurde, und weil Mark Gatiss mitspielt. Tycho Nestoris ist Mycroft Holmes gar nicht so unähnlich, aber es macht einfach Spaß ihm dabei zuzusehen, wie er andere Leute mit freundlichem Lächeln auseinander nimmt. Dank Davos (der wahrscheinlich ein besserer König als Stannis wäre) klappt das Vorhaben aber dennoch, und der ehemalige Schmuggler sucht seinen alten Freund Salladhor Saan, der nun, Staffel 1 ausgenommen, in jeder Staffel in genau einer Episode auftauchte.
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Tycho Nestoris (Mark Gatiss)

Dreadford
Yara is back! Nachdem sie in der letzten Folge der dritten Staffel ankündigte, Theon retten zu wollen, kommt sie nun endlich bei der Dreadford an. Das mag lang erscheinen, wenn man allerdings bedenkt, dass sie ganze Westeros umsegeln musste, um von den Iron Islands zur anderen Seite zu gelangen, war sie wahrscheinlich nicht lange genug unterwegs. Zugegebenermaßen ist schwierig zu sagen, da nicht eindeutig ist, wie viel Zeit in der Serie vergangen ist.
Die Parallelemontage, die abwechselnd Yara bei ihrer Rede und eine Ramsay/Myranda-Sex-Szene zeigt, mutet irgendwie seltsam an, mir ist die symbolische Bedeutung (sofern eine vorhanden ist) nicht ganz klar? Wurde das so geschnitten um zu zeigen, dass Yara Ramsay ficken möchte, wenn auch auf völlig andere Weise als Myranda das tut?
Wie dem auch sei, ist ziemlich kurz gehalten und dient vor allem dazu, noch einmal zu zeigen, wie psychisch kaputt Theon ist. Letztendlich haben wir hier noch einmal Beschäftigungstherapie für einige Figuren, weshalb das Ganze auch ein wenig halbherzig wirkt: Für die Umstände, die Yara auf sich genommen hat, gibt sie dann doch erstaunlich schnell wieder auf. Und wo ist eigentlich Roose Bolton?
Hier stellt sich darüber hinaus die Frage, was das für die Iron Islands als Handlungsort bedeutet. In „A Storm of Swords“ ist Balon Greyjoy zu diesem Zeitpunkt bereits tot – in der Serie könnte das zwar ebenfalls der Fall sein, aber normalerweise zeigt die Serie solche Ereignisse, da sie ja nicht an die POV-Charaktere gebunden ist. In jedem Fall bin ich gespannt, ob wir in der nächsten Staffel Euron und Victarion Greyjoy zu Gesicht bekommen.
Der gelungenste Teil dieses Abschnitts der Folge ist in jedem Fall die Szene mit Theon und Ramsay. Was hier vorbereitet wird, stammt bereits aus „A Dance with Dragons“ und klingt vielversprechend. Hier wird noch einmal sehr schön die völlige kranke Beziehung zwischen Ramsay und Reek illustriert.

Meereen
Wie erwartet fließen bei Daenerys‘ Handlungsstrang nun bereits Inhalte aus „A Dance with Dragons“ ein: Die Drachen erweisen sich als immer schwerer zu kontrollieren, was zu Unfällen führt. Im Roman ist dies noch eindringlicher, da von den Drachen getötetes Vieh dort bereits an der Tagesordnung ist; stattdessen töten die Drachen ein Kind, und dessen Knochen werden vom Vater zu Daenerys gebracht.
daenerys
Daenerys (Emilia Clarke) auf ihrer Bank. Im Hintergrund: Ser Jorah (Iain Glenn) und Ser Barristan (Ian McElhinney)

Außerdem tritt Hizdahr zo Loraq (Joel Fry), der bereits in „Breaker of Chains“ kurz zu sehen war, zum ersten Mal vor Daenerys. Während er im Roman allerdings Daenerys darum bittet, die Grubenkämpfe, die sie verboten hat, wieder zu erlauben, ist sein Anliegen in der Serie persönlicher Natur: Er will die Erlaubnis, seinen gekreuzigten Vater würdevoll zu begraben und behauptet, dass dieser an der Kreuzigung der Sklaven unschuldig war. Dadurch wird Hizdahr sympathischer, und darüber hinaus bringt das Ganze Daenerys dazu, ihre Handlungen zu hinterfragen.

King’s Landing
Wir beginnen die zweite Hälfte der Episode mit einem höchst amüsanten Treffen des Kleinen Rates. Oberyn ist von dem ganzen ziemlich gelangweilt, während Lord Tywin Mace Tyrell, inzwischen Meister der Schiffe und somit praktisch der Flottenadmiral Tommens, ebenso behandelt, wie Lady Olenna es tut – herrlich. Wirklich interessant ist, dass der Kleine Rat ziemlich genau über Daenerys‘ Situation informiert ist – dies war bereits zu einem früheren Zeitpunkt festzustellen, als Lord Tywin Oberyn in den Kleinen Rat berief. In den Romanen gibt es in Westeros zu dieser Zeit allenfalls Gerüchte über eine Drachenkönigin im Osten, allerdings keine detaillierten Berichte. Hier zeichnet sich bereits ab, dass Jorahs Verbannung doch noch kommen könnte. In „A Storm of Swords“ ist es Ser Barristan, der Daenerys mitteilt, dass Jorah Informationen über sie an Varys verkauft hat, in der Serie weiß er das allerdings nicht. Nun schreibt Lord Tywin einen Brief, und das ist immer gefährlich…
Bevor Tyrions Prozess beginnt, treffen sich Oberyn und Varys vor dem Eisernen Thron, um ein wenig über Essos und Varys‘ Asexualität zu plaudern, wobei wir auch noch mehr über den Gesandten aus Dorne erfahren. Gerade in kleinen Szenen wie diesen zeigen sich die Stärken der Serie, die auch Szenen abseits der POV-Charaktere zeigen kann.
Die Verhandlung ist im Großen und Ganzen sehr vorlagengetreu umgesetzt, auch wenn es einige kleinere Abweichungen gibt, die allerdings keinesfalls stören. Während im Roman Tywins Bruder Kevan (seit Staffel 2 haben wir diesen in der Serie nicht mehr gesehen) Tyrion über den Ablauf des Prozesses informiert, ist es hier Jaime, der den Angeklagten „betreut“ und ihm vorschlägt, zu gestehen um anschließend zur Mauer geschickt zu werden. In „A Storm of Swords“ sagen darüber hinaus noch weitaus mehr Personen gegen Tyrion aus, etwa Taena Merryweather, die in „A Feast for Crows“ zu einer Vertrauten Cerseis wird.
Ganz ohne Zweifel gehört die Verhandlung zu den Höhepunkten der vierten Staffel, hier zeigt sich „Game of Thrones“ mal wieder von seiner besten Seite: Als hervorragend gespieltes, intensives Charakterdrama. Nachdem Peter Dinklage in dieser Staffel bisher eher zurückstecken musste, reißt er nun die Show wieder gnadenlos an sich: Hier stimmt jede Geste und jede Betonung. Dies gilt auch für sämtliche anderen Beteiligten, wenn auch nicht ganz im selben Ausmaß: Großmaester Pycelles zurückhaltende Genugtuung, Ser Merryns Häme, Cerseis kleine Gesten, die genau verraten, was sie denkt und Oberyns gespielte Langeweile – alles hervorragend. Die ganze Szene ist voller kleiner Nuancen, cleverer Rückbezüge und Andeutungen, wie etwa Varys‘ Ausspruch: „Sadly, my lord, I never forget a thing.“
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Tyrion (Peter Dinklage) vor Gericht

Die interessanteste Hinzufügung ist Jaimes Angebot, aus der Königsgarde auszutreten, wenn Tywin seinen Sohn nicht hinrichten lässt. Tywins Antwort lässt zumindest darauf schließen, dass er ohnehin vorhatte, Tyrion zur Mauer zu schicken, oder dass er Jaimes Angebot vielleicht sogar einkalkuliert hatte und der Prozess zu diesem Zweck überhaupt geführt wird. Was stattdessen fehlt ist Oberyns Angebot; im Roman bietet die Rote Viper Tyrion an, bei einem Gottesurteil als sein Champion gegen Gregor Clegane anzutreten, nachdem Bronn dies ablehnt. Während des Prozesses überlegt Tyrion, ob er lieber Obernys Angebot annehmen oder den Rat seines Onkels befolgen soll. Der Ausgang ist aber letztendlich derselbe, da Shaehs Aussage alles ändert. Sibel Kekilli reiht sich ebenfalls in die Riege der Schauspieler ein, die sich hier selbst übertreffen. Ihre Beschuldigung klingt wie auswendiggelernt, aber auch hier finden sich wieder kleine Nuancen, die darauf schließen lassen, dass Tyrions Zurückweisung in Folge 2 dieser Staffel mit für die Aussage verantwortlich ist, wahrscheinlich zusätzlich zu der Androhung von Gewalt. Nun stellt sich nur die Frage, wer dafür verantwortlich ist, dass Shae Cersei in die Hände gefallen ist. Bronn? Varys? Allzu viele andere Möglichkeiten gibt es nicht.
Die Episode endet mit Tyrions Monolog, der sich langsam zu einem meiner GoT-Lieblingsmomente mausert. Dinklage übertrifft sich hier noch einmal selbst und bringt jede seiner Zeilen mit tiefem, überzeugendem Hass hervor. Die gesamte Verachtung, die Tyrion während seines Lebens erfahren hat, bricht nun aus ihm heraus und ist praktisch greifbar. Die Intensität der Szene wird noch durch den gelungenen Einsatz von The Rains of Castamere gesteigert, das bedrohlich brodelnd Tyrions Worte unterlegt.

Fazit: Nach drei eher mittelmäßigen Episoden, in denen diverse Handlungsstränge nicht recht vorankamen, findet die Serie nun, dank der geradezu perfekten zweiten Hälfte dieser Episode, wieder zur Stärke des Staffelstarts zurück.

Game of Thrones Staffel 4:
Two Swords
The Lion and the Rose
Breaker of Chains
Oathkeeper
First of His Name

Siehe auch:
Game of Thrones Staffel 1
Game of Thrones Staffel 2
Game of Thrones Staffel 3

GoT: First of His Name

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Diese Woche bin ich aufgrund universitärer Umstände leider ein wenig später dran. Wir haben schon wieder die Staffelhalbzeit erreicht, weshalb es an der Zeit ist, ein Zwischenfazit zu ziehen. Die vierte Staffel begann extrem stark, hat mit den Folgen drei, vier und fünf dann allerdings ziemlich auch stark nachgelassen. Bislang gab es in jeder Staffel einige eher unspektakuläre Zwischenepisoden, auch wenn man sich bisher keinen so großen Fehltritt wie den in Episode 3 geleistet hat. Hoffentlich erreicht die Staffel gegen Ende wieder dieselbe Qualität, die die ersten beiden Folgen aufwiesen, das Potential ist zweifelsohne vorhanden.

King’s Landing
Die Episode beginnt mit der Krönung Tommens und veranlasst mich, gleich einem kleinen Detail unnötige Aufmerksamkeit zukommen zu lassen. Wer die Romane gelesen und gut aufgepasst hat, wird bemerken, dass in der Königstitulatur der Serie etwas fehlt. Bei Martin lautet diese (in diesem Fall): Tommen aus dem Haus Baratheon, der erste seines Namens, König der Andalen, der Rhoynar und der Ersten Menschen, Lord der Sieben Königslande und Protektor des Reiches. In der Titulatur der Serie fehlen die Rhoynar, bei denen es sich um den dritten in Westeros lebenden Menschenstamm handelt. Die Ersten Menschen waren, wie der Name schon sagt, die ersten Menschen, die von Essos nach Westeros kamen. Ihnen folgten später die Andalen, die große Teile des Kontinents eroberten; die Ersten Menschen findet man fast ausschließlich im Norden, während die Andalen fast alle anderen der Sieben Königreiche bevölkern, bis auf Dorne, das von den Rhoynar bevölkert wird, die noch später einwanderten.
Diese Entscheidung wurde bereits in der ersten Staffel getroffen, wohl vor allem aus zwei Gründen: Erstens wusste man noch nicht, ob Dorne überhaupt vorkommt (in Staffel 1 gibt es nur eine winzige Referenz) und zweitens wollte man den unbelesenen Zuschauer wohl nicht verwirren (was der Königstitel aber wahrscheinlich ohnehin tut). Trotzdem finde ich es schade, dass die Rhoynar ausgeklammert wurden, gerade wenn man bedenkt, welche Bedeutung ihnen in dieser Staffel (und vielleicht auch den kommenden, dazu später mehr) zuteil wird. Wie dem auch sei: „Long may he reign.“
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Tommen (Dean-Charles Chapman) wird vom Hohen Septon (Paul Bentley) gekrönt

Nachdem der King’s-Landing-Teil der letzten Episode vor allem Jaime im Fokus hatte, ist es dieses Mal Cersei, die im Mittelpunkt steht und mit mehreren anderen Figuren spricht. Den Anfang macht Margaery Tyrell, der gegenüber sich Cersei für ihre Verhältnisse geradezu jovial und ehrlich verhält. In den Romanen ist sie gegenüber Joffrey beispielsweise äußerst blauäugig, während sie hier zu erkennen scheint, wie ihr Sohn wirklich war.
Allgemein ist auffällig, dass Cersei in dieser Episode äußerst positiv gezeichnet wird, was in der Serie eine gewisse Tradition hat. Man fragt sich, welche Absicht Benioff und Weiss hier verfolgen. In „A Feast for Crows“ wird Cersei POV-Charakter, wodurch ihre Handlungen zwar teilweise nachvollziehbarer, sie selbst aber nicht sympathischer wird. Soll Serien-Cersei positiver wahrgenommen werden oder wollen Benioff und Weiss einen stärkeren Kontrast schaffen, indem sie bei Cerseis Charakterisierung eine ähnliche Änderung vornehmen wie bei der Roten Hochzeit: Schockwirkung statt Entwicklung?
Ansonsten wird hier „offiziell“ beschlossen, was ohnehin schon jedem klar war: Margaery wird Tommen heiraten.
Über die bevorstehende Hochzeit diskutieren im Anschluss Cersei und Tywin. Und wieder einmal wird auf die Eiseren Bank von Braavos verwiesen, was darauf schließen lässt, dass ihre Rolle in der Serie größer ausfällt als in den Romanen. Dort ist es Cersei, die sich letztendlich weigert, die Schulden der Krone zurückzuzahlen. In der Serie wird die Situation vereinfacht und verschlimmert: Die Goldminen der Lannister sind abgebaut und die Familie – nicht nur die Krone – hat massive Schulden bei der Eisernen Bank.
Da Tywin nicht den Prozess seines Sohnes mit ihr diskutieren möchte, wendet sich Cersei stattdessen an Oberyn Martell, der ebenfalls Richter beim Prozess ist. Dies wiederrum ist eine Hinzufügung, die ich außerordentlich genossen habe, da sie Oberyns andere Seite zeigt: Er ist auch liebender Vater, der seiner Tochter ein Gedicht schreibt. Nebenbei werden auch Oberyns Bastardtöchter, die Sandschlangen erwähnt (und zwar alle acht, wenn auch nur eine, Elia, beim Namen), was die Hoffnung weckt, dass sie in der Serie irgendwann vorkommen und wir Dorne zu Gesicht bekommen werden.
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Oberyn (Pedro Pascal) und Cersei (Lena Headey) unterhalten sich über ihre Kinder

Meereen
Jenseits der Meerenge steht Daenerys vor eine schwierigen Entscheidung: Da die Flotte von Meereen nun unter ihrer Kontrolle steht, wäre sie mit den Unberührten und ihrem Söldnerheer nun endlich in der Lage, in Richtung King’s Landing aufzubrechen, vor allem, da nach Joffreys Tod die Zustände in den Sieben Königslanden immer chaotischer werden. Aber Daenerys entscheidt sich stattdessen, erst einmal in Meereen Erfahrungen als Königin zu sammeln, besonders, da in Yunkai und Astapor wieder alte Gewohnheiten ausgebrochen sind (Bonuspunkte für die Erwähnung des Metzgerkönigs Cleon) – man hört fast schon das kollektive Aufstöhnen der Nichtbuchleser, die Dany und ihre Drachen endlich in Westeros sehen wollen.
Der Daenerys-Handlungsstrang von „A Storm of Swords“ endet etwa an dieser Stelle mit einer ähnlichen Szene in etwas anderem Umfeld (Jorah ist zu diesem Zeitpunkt bereits im Exil), da aber noch fünf Episoden dieser Staffel ausstehen, fragt man sich, wie viel Material aus „A Dance with Dragons“ noch übernommen wird, oder ob es stattdessen weitere Dehnungen gibt.

Eyrie
Littlefinger und Sansa treffen auf der Eyrie ein. Wie erwartet wurde der Abstecher zu den Fingers gestrichen, und es gibt noch einige andere Änderungen: Sansa wird nicht als Littlefingers uneheliche Tochter, sondern als seine Nicht ausgeben. Immerhin der Name Alayne bleibt, man fragt sich allerdings, weshalb die Änderung vorgenommen wurde. Hat Littlefinger überhaupt Geschwister? Die Bastardtochter wäre eindeutig die bessere Alibiidentität. Und die Haare hätte man Sansa auch färben können.
Mit der Darstellung der Eyrie, bzw. der Umgebung der Eyrie (die Festung selbst gefällt mir eigentlich recht gut) in der Serie war ich nie ganz zufrieden, sie sieht irgendwie zu zugänglich aus. Nebenbei, in Staffel 1 sah die Umgebung auch irgendwie anders aus, die Eyrie war höher und die Berge auf der linken Seite waren auch nicht da – oder liegt es am Blickwinkel?
Lysa Arryn dagegen hat sich kaum verändert, Robin ist ein wenig älter geworden, aber, anders als Bran, immerhin noch nicht im Stimmbruch. Hier gibt es auch weiterhin einige subtile und weniger subtile Änderungen gegenüber der Vorlage, und nicht alle sind ganz glücklich. Littlefinger war im Roman zwischen seinem Fortgehen aus King’s Landing und der Violetten Hochzeit nicht auf der Eyrie, während er in der Serie bereits Vorbereitungen getroffen und sich mit Robin Arryn angefreundet hat (bei Martin ist das Verhältnis zwischen beiden eher unterkühlt). Das ist nicht weiter tragisch. Allerdings erscheint es unpassend, dass Robin über Alaynes wahre Identität bescheid weiß – einem Kind so etwas zu sagen ist schon riskant, und bei diesem Kind gilt das doppelt.
Obwohl Kate Dickie, wie so viele andere Serienfiguren auch, um einiges attraktiver ist als ihr Buchgegenstück muss trotzdem noch einmal betont werden, dass sie in meinen Augen die ideale Lysa Arryn spielt: Hochnäsig, arrogant, aber gleichzeitig unsicher und massiven Stimmungsschwankungen unterworfen.
Im Anschluss wird nebenbei gleich das größte Mysterium der ersten Staffel aufgelöst: Wer hat Jon Arryn ermordet? Das Ganze geschieht ziemlich nebensächlich, während die Szene bei Martin um einiges dramatischer war. Auch hier stellt sich die Frage, wie es wohl weitergeht, da Marillion in der Serie in Staffel 1 seine Zunge verliert und scheinbar nicht anwesend ist.
eyrie
Lysa Arryn (Kate Dickie), ihr Sohn Robin (Lino Facioli), Littlefinger (Aidan Gillen) und Sansa (Sophie Turner) auf der Eyrie

Immerhin hat Sansa wie im Buch das Vergnügen, den Lustschreien ihrer Tante zu lauschen. Ein wenig später führen beide ein nettes Gespräch unter vier Augen, dass noch einmal Lysas labilen Geisteszustand illustriert. Die Aussicht, mit dem nächsten, geistig nicht ganz stabilen Kind verheiratet zu werden, gefällt Sansa ebenso wenig wie die Tatsache, dass Lysa zwar wankelmütiger, insgesamt aber auch nicht viel angenehmer ist als Cersei. Irgendwie wird es einfach nicht besser für das arme Mädchen.

Auf dem Weg zur Eyrie
War die letzte Arya/Sandor-Szene ziemlich überflüssig, geht es nun wieder aufwärts. In dieser Episode wird vor allem an Syrio erinnert: Das könnte bedeuten, dass Aryas Reise nach Braavos – immerhin Syrios Heimat – näher rückt. Möglicherweise bereitet die Serie allerdings auch etwas anderes vor, immerhin haben wir Syrio weder im Roman noch in der Serie sterben sehen. Es existiert sogar die Theorie, Syrio sei in Wahrheit Jaqen H’gar, der nach Aryas Flucht in die Schwarzen Zellen gebracht wurde, wo er das Gesicht wechselte. Während das theoretisch möglich ist, scheint das doch recht weit hergeholt, allerdings kann man nicht leugnen, dass noch etwas kommen könnte. In einer Welt, in der Blitzlords wieder auferstehen, kann man sich des Todes von jemandem, dem man nicht beim Sterben zugesehen hat, nicht sicher sein.

Auf dem Weg in die Flusslande
Pod und Brienne sind eindeutig das neue, grandiose Duo der Serie. Hier bewegen wir uns bereits auf Feast-for-Crows-Terrain (dort ist Pod nicht von Anfang an dabei, sondern folgt Brienne und schließt sich ihr „offiziell“ erst ein wenig später an). Die Probleme, die er mit seinem Pferd hat und der Blick, mit dem Brienne das Ganze quittiert, sind unbezahlbar. Immerhin wächst Briennes Respekt vor Pod ein wenig, nachdem sie etwas mehr über ihn erfährt, er darf ihr sogar bei ihrer Rüstung helfen.

Nördlich der Mauer
Erstaunlich, aber wahr: Diese kleine Angelegenheit mit Bran, Locke und Jon erledigt sich bereits in dieser Folge. Wie ich erwartet hatte, ist es reines Dehnmaterial, das weder den Plot, noch die Charaktere irgendwie weiterbringt, es entfernt lediglich Figuren, die ihren Zweck ohnehin erfüllt haben, nämlich Locke, Karl und Rast (obwohl ich zugegebenermaßen kein Problem damit gehabt hätte, wäre uns Noah Taylor noch ein wenig erhalten geblieben). Aber immerhin zieht sich das Ganze nicht über noch mehr Folgen. Es gibt noch eine kleinere, wenn auch recht brutale Actionszene, die wohl die bislang ziemlich dialoglastige vierte Staffel ein wenig auflockern soll, aber insgesamt wirkt das Ganze ziemlich unnötig. Immerhin, Crasters Frauen bekommen ein wenig Rache, Karl ein Schwert durch den Mund und der von Bran besessene Hodor darf Locke den Hals umdrehen. Am Ende kehrt alles wieder zum Anfang zurück: Bran, Hodor und die Reeds marschieren weiter nach Norden und Jon und Co. kehren zur Mauer zurück. Wenigstens ist Craster’s Keep als zukünftiger Handlungsort nun ausgeschlossen.

Fazit: Eine weitere, eher unspektakuläre Füller- bzw. Aufbau-Episode, die immerhin den ziemlich unnötigen Handlungsstrang um die Meuterer der Nachtwache beendet. Da in der nächsten Folge Tyrions Prozess beginnt, kommt hoffentlich wieder mehr Schwung und Substanz in die Staffel.

Game of Thrones Staffel 4:
Two Swords
The Lion and the Rose
Breaker of Chains
Oathkeeper

Siehe auch:
Game of Thrones Staffel 1
Game of Thrones Staffel 2
Game of Thrones Staffel 3