Dunkirk

dunkirk
Story:
Wir schreiben das Jahr 1940, die Wehrmacht überfällt Frankreich und tausende britischer Soldaten, darunter der junge Tommy (Fionn Whitehead) sind in der französischen Hafenstadt Dünkrichen eingeschlossen. Da Churchill die Soldaten zur Verteidigung des britischen Festlandes braucht, wird eine großangelegte Rettungsaktion gestartet, an der nicht nur militärische Schiffe, sondern auch tausende von zivilen Seevehikeln teilnehmen. Mister Dawson (Mark Rylance), sein Sohn Peter (Jack Lowden) und eine Junge namens George (Barry Keoghan) machen sich auf, um an der Aktion teilzunehmen und ziehen bereits auf dem Weg einen Soldaten (Cillian Murphy) aus dem Wasser. Derweil kommt die größte Bedrohung aus der Luft: Mit den Kampfpiloten der Deutschen muss sich der Pilot Farrier (Tom Hardy) auseinandersetzen, sonst droht die Mission zu scheitern…

Kritik: Kritiker (und da schließe ich mich ein) sind sehr schnell dabei, Klischees zu verurteilen. Wenn es allerdings an erzählerische und sonstige filmische Konventionen geht, sieht die Situation anders aus. Mit „Dunkirk“ versuchte Christopher Nolan scheinbar, sowohl gegen Klischees als auch gegen Konventionen vorzugehen. In mancher Hinsicht sticht Nolans neuestes Werk somit stark aus seinem Œuvre heraus, in anderen Aspekten passt es vorzüglich zu den bisherigen Filmen. Ein Nolan’sches Markenzeichen, das in „Dunkirk“ beispielsweise völlig fehlt, sind die ausufernden, man möchte manchmal fast schon sagen: plakativen philosophischen Dialoge. Tatsächlich sind Dialoge generell selten – „Dunkirk“ ist ein sehr visueller Film, der fast alles über die Optik und den Score vermittelt (dazu später mehr). Das Genre unterscheidet sich ebenfalls, da Nolan sich bisher vor allem in geringfügig futuristischen Räumen bewegte, die meisten Nolan-Filme der letzten Jahre waren Sci-Fi-Thriller; selbst „The Prestige“ passt auf gewisse Weise in dieses Muster. „Dunkirk“ dagegen ist ein historischer Kriegsfilm.

Dennoch muss man nicht allzu lange suchen, um Parallelen zu bisherigen Nolan-Filmen zu finden. Das Thema „Zeit“, das den Regisseur wohl einfach nicht loslässt, ist in „Dunkirk“ stets präsent. Damit einher geht eine nonlineare Erzählstruktur, die für etwas Verwirrung sorgen könnte, wenn man nicht ganz genau aufpasst oder sich vorher informiert hat: Die Evakuierung Dunkirks wird nicht nur aus drei verschiedenen Perspektiven gezeigt – vom Land aus mit Tommy, von der See aus mit Mister Dawson und den beiden Jungen und von der Luft aus mit Farrier – jeder dieser drei Handlungsstränge erstreckt sich über unterschiedliche Zeitabschnitte. Tommy verbringt eine Woche am Strand, die Bootsreise von England nach Frankreich dauert etwa einen Tag und Farrier ist gerade einmal eine Stunde in der Luft; da die Handlungsstränge allerdings ineinandergeschnitten sind, wird das nicht wirklich deutlich.

Ein weiteres Nolan-Markenzeichen ist die Tendenz, eher Filme über Konzepte als über Figuren zu drehen. Zumindest für mich wird diese Tendenz in Nolans Werk immer stärker, gerade wenn man beispielsweise „Batman Begins“ mit „The Dark Knight Rises“ vergleicht – Ersterer ist weitaus figurenorientierter, während Letzterer sich eher um Konzepte und Themen kümmert, was den Figuren oft zum Nachteil gereicht. „Dunkirk“ ist der Höhepunkt dieser Tendenz, denn der Zuschauer erfährt so gut wie nichts über die handelnden Akteure des Films. Mir scheint es, als wolle Nolan sein Publikum emotional direkt in den Film werfen, anstatt es mit den Charakteren mitfiebern zu lassen. So ganz ohne Figuren geht es dann natürlich auch nicht, aber sie bleiben fast ausschließlich völlig leere Projektionsflächen; lediglich die Figuren des Handlungsstranges auf See sind minimal besser ausgearbeitet. Wenn es so etwas wie einen emotionalen Kern des Films gibt, dann ist es Mark Rylance als Mister Dawson.

Ob „Dunkirk“ somit funktioniert, hängt letztendlich davon ab, ob der Zuschauer sich so direkt in den Film werfen lässt: Rein technisch und logistisch ist der Film brillant, was Nolan da auffährt ist höchst beeindruckend. Wie üblich arbeitet er so wenig mit CGI wie möglich, was man auch deutlich merkt, alles wirkt authentisch und intensiv. Dennoch geht Nolans Ansatz für mich nicht wirklich auf, da ich nun mal doch ein sehr figurenfixierter Zuschauer bin und die meisten von ihnen kaum greifbar sind. Darsteller wie Kenneth Branagh oder Cillian Murphy schaffen da natürlich ein wenig Abhilfe, man kennt sie eben, aber gerade Tommy, der ja nominell die Hauptfigur ist, bleibt völlig undefiniert und befindet sich die meiste Zeit über in Gesellschaft anderer junger Soldaten, die alle genauso aussehen wie er. Noch stärker ist dieser Mangel an Identität bei den Deutschen, die völlig gesichtslos bleiben und von denen meistens nur als „der Feind“ gesprochen wird. Lediglich in einer einzigen Szene tauchen sie auf und sind dort auch nur verschwommen zu sehen.

Der Score von Hans Zimmer macht das leider nicht besser. Auch diesbezüglich ist „Dunkirk“ der Höhepunkt einer Tendenz im Werk des Komponisten, denn im Gegensatz zu dem, was er für Christopher Nolan hier komponiert hat, ist selbst „Batman v Superman: Dawn of Justice“ fast noch melodisch. Wie der Film selbst nimmt auch die Musik so gut wie keine Rücksicht auf die Figuren oder ihre Emotionen, stattdessen dient der Score nur einem einzigen Zweck: Die Anspannung noch zu fördern. Das Mittel der Wahl ist dabei, neben dem obligatorischen, durch Elektronik zum Teil bis zur Unkenntlichkeit manipulierten Orchester und dem Ticken einer Uhr, die sog. „Shepard-Skala“, eine Illusion bestehend aus übereinandergelegten Tonfolgen, die für den Hörer klingt, als würde sie beständig ansteigen, ohne dabei den hörbaren Bereich zu verlassen. Zu Anfang funktioniert das auch halbwegs gut, aber mit der Zeit wird der Score unglaublich anstrengend. Mein Hauptproblem dabei ist dasselbe, das ich mit vielen anderen Scores habe, die primär auf Sounddesign ausgelegt sind: Im Grunde sind die Stücke ziemlich austauschbar, kaum etwas verbindet sie mit den dazugehörigen Szenen. Fast jeder Track in „Dunkirk“ ist gleich aufgebaut: Es wird eine kurze musikalische Figur vorgestellt, die dann ad infinitum wiederholt wird, gerne unter Verwendung der oben beschriebenen Shepard-Skala. Selbst in geringeren Dosen hätte das noch funktionieren können, aber der Score füllt fast den ganzen Film, es gibt kaum Stille und irgendwann nervt er einfach nur noch. Interessanterweise stammen die wenigen Stücke, die tatsächlich melodisch sind, nicht von Zimmer, es handelt sich um eine von Benjamin Wallfisch bearbeitete Version des Stückes Nimrod von Edward Elgar, die etwas nach Vangelis klingt. Ich muss wohl kaum erwähnen, dass das Soundtrack-Album losgelöst vom Film ziemlich unhörbar ist.

Fazit: „Dunkirk“ ist ein höchst unkonventioneller Film, was ihn in gleichem Maße interessant wie anstrengend macht. Auf technischer Ebene ist Nolans neuestes Werk brillant, aber mehr noch als jeder andere Film seines Œuvres stehen bei „Dunkirk“ nicht Figuren, sondern Konzepte im Zentrum. Konventionelle Figurenzeichnung ist so gut wie überhaupt nicht vorhanden, da Nolan ein direktes Erlebnis möchte, doch gerade das sorgt dafür, dass es zumindest mir schwer fällt, mich auf den Film über die visuelle und technische Eben hinaus einzulassen.

Titelbildquelle

Trailer

Man of Steel – Soundtrack

Man-of-Steel-OST-Cover
Tracklisting:

01. Look to the Stars
02. Oil Rig
03. Sent Here for a Reason
04. DNA
05. Goodbye My Son
06. If You Love These People
07. Krypton’s Last
08. Terraforming
09. Tornado
10. You Die or I Do
11. Launch
12. Ignition
13. I Will Find Him
14. This is Clark Kent
15. I Have So Many Questions
16. Flight
17. What Are You Going to Do When You Are Not Saving the World?

Kein Komponist polarisiert so sehr wie Hans Zimmer. Angesichts der Anzahl an negativen Reviews zu Zimmer-Scores könnte der Eindruck entstehen, dass ich zu denjenigen zähle, die ihn rundheraus ablehnen und der Meinung sind, dass er das schlimmste ist, was der Filmmusik jemals passieren konnte. Dem ist allerdings keinesfalls so, denn viele seiner Arbeiten schätze ich wirklich sehr, u.a. „Der König der Löwen“, „Pirates of the Caribbean: Dead Man’s Chest“, „Gladiator“, „King Arthur“ oder „Sherlock Holmes“, und „Pirates of the Caribbean: At World’s End“ gehört sogar zu meinen absoluten Lieblingssoundtracks. Allerdings bin ich der Meinung, dass ihm seit „Sherlock Holmes“ nichts mehr gelungen ist. Sowohl „Sherlock Holmes: Spiel im Schatten“ als auch „Pirates of the Caribbean: On Stranger Tides“ waren herbe Enttäuschungen, um nur zwei zu nennen.
Als angekündigt wurde, dass Zimmer die Musik zu „Man of Steel“ schreiben würde, war ich zwar enttäuscht, aber keinesfalls überrascht, denn irgendwie war es abzusehen, ist Zimmer doch seit „Batman Begins“ Chris Nolans Lieblingskollaborateur und, da gibt es kein Leugnen, nun einmal der Bekannteste und bei „normalen“ Kinogängern beliebteste seiner Zunft. Vom Man-of-Steel-Soundtrack habe ich schließlich eine dröge, minimalistische Mischung aus „Inception“ und „The Dark Knight“ erwartet, und traurigerweise ist genau das auch dabei herausgekommen. Fairerweise muss man allerdings sagen, dass ich Zimmer nicht die Alleinschuld gebe (auch wenn es der Einfachheit im Folgenden so klingen mag), denn Nolan und Snyder sind beide dafür bekannt, eher Ambience-Scores, die in Richtung Sounddesign gehen, zu bevorzugen. Vor „Man of Steel“ schrieb Tyler Bates die Musik für Snyders Filme, und dessen Musik ist bestenfalls langweilig und schlimmstenfalls plagiiert.
Bevor ich mich nun dem eigentlichen Soundtrack widme, möchte ich eines noch gleich von vornherein klarstellen. Es geht nicht darum, dass Zimmer das Williams-Superman-Thema hätte verwenden sollen, denn von übereifrigen Verteidigern des Soundtracks wird einem zumeist zuerst vorgeworfen, man sei nur stinkig, weil Zimmer nicht das klassische Leitmotiv verwendet habe.
Unweigerlich drängt sich bei „Man of Steel“ (und auch bei Zimmers-Batman-Scores) die Frage auf, ob Zimmer keine Melodien mehr schreiben kann, will oder ob es ihm verboten wurde. Als Fan der Leitmotivik bin ich generell kein Freund von Ambience-Scores, und selbst für einen solchen ist „Man of Steel“ extrem minimalistisch. Dominiert wird das Ganze von Soundwällen á la „Inception“ und einer übermäßigen Verwendung von Percussions, beides sehr gut in Oil Rigs zu hören. Ebenso zu hören sind enorm tiefe Bässe und der übermäßige Einsatz von Synth-Elementen. Prinzipiell habe ich nichts gegen solche, allerdings setzt Zimmer sie in „Man of Steel“ derart exzessiv und unnötig ein, dass es zumindest mich ziemlich stört. Das geht soweit, dass er es schafft, dass der „echte“ Orchestereinsatz verdammt künstlich klingt. Man vergleiche nur die etwa dreißigminütige Suite Man of Steel (Hans‘ Original Sketchbook), die auf der Special Edition enthalten (und auf YouTube anhörbar) ist. Bei dieser handelt es sich um eine gesamplte Mock-up-Ideensammlung. Unglücklicherweise klingt das schon fast wie das fertige Produkt.
In Interviews gab Zimmer zu Protokoll, mit seiner Musik den amerikanischen mittleren Westen (speziell natürlich Kansas) darstellen zu wollen, allerdings höre zumindest ich absolut nichts davon heraus. Stattdessen vernimmt man in erster Linie Versatzstücke anderer Zimmer-Scores, v.a. „Inception“, die Dark-Knight-Trilogie und, in If You Love These People, merkwürdigerweise auch „Der König der Löwen“.
Thematisch gibt es zwar Material, dieses ist aber noch dröger und minimalistischer als in der Dark-Knight-Trilogie. Das Superman-Thema ist bereits in Look to the Stars zu hören und besteht zwar nicht nur aus zwei Noten, aber aus mehreren Zwei-Noten-Figuren – irgendwie scheint dieses Konzept es Zimmer angetan zu haben. Variation gibt es in jedem Fall kaum, wenn man davon absieht, dass das Thema hin und wieder vom Klavier gespielt wird und mich dabei irgendwie an Chariots of Fire erinnert (Sent Here for a Reason). Es gibt zwei ausführliche Statements des Themas in Flight und What Are You Going to Do When You Are Not Saving the World?, die letztendlich an das heroische Bat-Zweitthema aus “The Dark Knight” erinnern (Like an Dog Chasing Cars). Allerdings besitzten diese Stücke nicht einmal dessen Qualitäten.
Es gibt möglicherweise auch noch weitere Themen, diese sind aber kaum als solche zu erkennen. Sie sind bedrohlichen Bläserfiguren am Ende von Krypton’s Last oder die Streichereinsätze in der Mitte von Terraforming Zods Thema? Man weiß es nicht. So etwas wie eine musikalische Narration gibt es praktisch nicht, und mehr noch als bei der Dark-Knight-Trilogie wird die emotionale Verbindung kaum ermöglicht (denn zu was ist Musik sonst da, wenn nicht, um Emotionen zu wecken). Und gerade „Man of Steel“ hätte das bitter nötig gehabt.
Fazit: Obwohl es zu erwarten war ist die Musik zu „Man of Steel“ eine gewaltige Enttäuschung, eine unausgegorene, minimalistische Mischung aus „The Dark Knight“ und „Inception“ und ein weiterer Tiefpunkt in Hans Zimmers Schaffen.

Siehe auch:
Man of Steel

Man of Steel

man-of-steel-poster
Story: Der Planet Krypton ist dem Untergang geweiht. Sowohl General Zod (Michael Shannon) als auch Jor-El versuchen dem entgegenzuwirken, wenn auch auf verschiedene Art und Weise. Während Zod einen Putschversuch wagt, schickt Jor-El seinen Sohn zur Erde.
Dort wächst Kal-El (Henry Cavill) als Clark Kent in Kansas auf bei seinen Adoptiveltern Jonathan (Kevin Costner) und Martha Kent (Diane Lane). Unter der Erdensonne entwickelt Clark enorme Kräfte, die ihn jedoch von den anderen Menschen absondern. Gerade, als Clark hinter das Geheimnis seiner Herkunft kommt, kehrt auch Zod, der die Zerstörung Kryptons überlebt hat, zurück, um auf der Erde ein neues Krypton zu erschaffen…

Kritik: Der erste Superheld kehrt auf die Leinwand zurück. Ich habe ja bereits an anderer Stelle zu Protokoll gegeben, dass ich weder mit den Christopher-Reeve-Filmen, noch mit „Superman Returns“ allzu viel anfangen konnte. Auch die Comics habe ich eher sporadisch verfolgt.
Ganz allgemein steht Superman in dem Ruf, eine recht antiquierte Heldenfigur zu sein, die sich, anders als Batman, der sich im Verlauf seiner Karriere sehr stark veränderte, seit ihrem ersten Auftritt 1938 nicht wirklich weiterentwickelt hat. Diese Aussage wäre zwar übertrieben, aber ein wenig Wahrheit steckt schon in ihr. Es wurden immer wieder Versuche unternommen, Superman düsterer, menschlicher oder verletzbarer zu machen, aber dennoch ist er weder so interessant wie etwa Batman, noch kann man sich mit ihm wirklich identifizieren, wie es etwa bei Spider-Man der Fall ist. Mehr als fast jeder andere Superheld ist Superman eine Ikone, und das macht ihn auch so schwierig zu adaptieren. Dennoch ist er eines von DCs Flagschiffen und die ersten beiden Christopher-Reeve-Filme sind, vor allem in den USA, nach wie vor Klassiker.
Vom Anhaltenden Superheldenboom im Kino möchte natürlich auch Warner Bros. profitieren, und so ist „Man of Steel“ nach „Superman Returns“ bereits der zweite Versuch, das Superman-Filmfranchise wiederzubeleben. Wie schon bei „Batman Begins“ entschloss man sich, mit der filmischen Vergangenheit der Titelfigur völlig zu brechen, und wie bei „Batman Begins“ (und dem Rest der Dark-Knight-Trilogie) sind David S. Goyer und Chris Nolan die Verantwortlichen hinter dem Reboot (Studios versuchen immer gerne, Erfolgsrezepte zu wiederholen). Nolan fungiert dieses Mal allerdings nicht mehr als Regisseur, sondern nur noch als Produzent und Autor der Story, auf deren Basis Goyer das Drehbuch verfasste. Als Regisseur wählte man Zack Snyder, der mit „300“ einen großen Erfolg feierte und sich mit der sehr originalgetreuen Verfilmung von „Watchmen“ unter den Comic- und Superheldenfans viele Freunde machte, dessen letzter Film „Sucker Punch“ allerdings floppte. Die Kombination Nolan/Goyer/Snyder versprach in jedem Fall interessant zu werden und „Man of Steel“ wurde mit Spannung erwartet. Letztendlich hat der Film Kritiker und Fans in zwei Lager geteilt: Die einen hassen ihn regelrecht, während die anderen ihn in den Himmel loben. Ich sehe das allerdings ein wenig differenzierter: In meinen Augen hat „Man of Steel“ zwar einige massive Probleme, ist aber bei Weitem nicht so schlecht, wie manch einer schreibt.
Das erste, was bei „Man of Steel“ auffällt, ist die Tatsache, dass viele von Zack Snyders Lieblingsstilmitteln keine Verwendung finden; es gibt weder Zeitlupe noch knallige, exzentrische Bilder. Stattdessen ist die Wackelkamera sehr aktiv, und zwar in einem Ausmaß, das mitunter schon ein wenig an den Nerven zehrt, vor allem wenn man sich den Film in (unnötigem) 3D anschaut. In der Tat fühlt es sich mitunter so an, als hätte sich Snyder bewusst an Nolans Regiestil orientiert. Und das gilt nicht nur für den Stil, auch inhaltlich merkt man, dass Nolan und Goyer hinter der Geschichte stecken.
In der Tat ist das Drehbuch wohl die größte Schwäche des Films. Nolan, Goyer und Snyder erzählen die Entstehungsgeschichte Supermans neu und versuchen dabei eine ähnliche Herangehensweise wie bei „Batman Begins“: Nach einem Prolog auf Krypton springen wir direkt zu einem erwachsenen Clark auf Selbstfindungsreise, Kindheit und Jugend werden in Rückblicken nachgeliefert. Das Ganze ist allerdings sehr viel sporadischer und verwirrender (weil chronologisch durcheinander) gestaltet als in „Batman Begins“. Nolan und Goyer konzentrieren sich vor allem auf Kal-El als Außenseiter unter Menschen, aber vor allem bei den Rückblicken wirkt das alles irgendwie halbgar. Und während Diane Lane als Martha Kent durchaus zu überzeugen weiß, ist Jonathan Kent ein totaler Reinfall, was zum einen Teil an Kevin Costner und zum anderen Teil am Drehbuch liegt. Wie in Richard Donners „Superman“ stirbt Jonathan, aber wie er stirbt ist selten dämlich.
Allgemein sind die Figuren, nicht nur Jonathan Kent, eines der größten Probleme des Drehbuchs: Sie sind in erster Linie funktional und tun, was der Plot von ihnen verlangt, aber nicht wirklich rund oder interessant. Drehbuch und Figuren fehlt es an Substanz. Es fällt schwer, eine emotionale Verbindung zu ihnen aufzubauen oder mit ihnen mit zu fiebern, man erfährt zu wenig über Motivation oder Charakter. Diese Tendenz war bereits in den Dark-Knight-Filmen (vor allem „The Dark Knight Rises“) vorhanden, aber keinesfalls so stark wie in „Man of Steel“. Lois Lane (Amy Adams) beispielsweise schafft es, sogar noch uninteressanter als Rachel Dawes zu sein, ich sehe in ihr einfach nicht die scharfzüngige, risikobereite Reporterin, die Lois Lane sein sollte. Erschwerend hinzukommt, dass es zwischen ihr und Clark/Superman praktisch keine Chemie gibt (interessanterweise weiß sie praktisch von Anfang an um seine Identität) – am Ende küssen sie sich, weil es im Drehbuch steht und aus keinem anderen Grund.
Die Dialoge sind leider ebenfalls nicht gerade die gelungensten. Die Reden darüber, was es bedeutet, Superman zu sein, können schon manchmal ein nerven (auch wenn sie bei weitem nicht so präsent sind, wie manch eine Kritik behauptet) und Zods Gehilfin Faora (Antje Traue) ist zwar ziemlich cool, allerdings nur, solange sie den Mund nicht aufmacht. Nebenbei: Wer sich gefragt hat, wo Jimmy Olsen steckt, die dunkelhaarige Frau, gespielt von der ziemlich unbekannten Rebecca Buller, die Perry White (Laurence Fishbunre) im dritten Akt begleitet, ist Jenny Olsen.
Prinzipiell ist „Man of Steel“ ein extrem actionreicher und sehr humorarmer Film, wodurch die oben genannten Schwächen noch deutlicher zutage treten. Vor allem die zweite Hälfte des Films ist eine Zerstörungsorgie gewaltigen Ausmaßes, gegen die selbst das Finale von „The Avengers“ fast ein wenig bieder wirkt. Prinzipiell ist das auch in Ordnung (und was die Spezialeffekte angeht, gibt es absolut nichts zu meckern, im Gegenteil), wenn zwei oder mehr Kryptonier sich prügeln, müssen konsequenterweise auch ordentlich die Fetzen fliegen, aber dem Actionoverkill des dritten Akts wird leider kaum Charakterentwicklung oder Interaktion gegenübergestellt, so dass es, wie bereits erwähnt, schwierig wird, wirklich mitzufiebern.
Neben der wirklich gelungenen Action gibt es, trotz der Drehbuchschwächen, auch einiges an Gelungenem zu vermerken. Zum Ersten wäre da Henry Cavill, der als Superman wirklich eine gelungene Performance abliefert. Er passt gut in den Anzug, wirkt nobel, ein wenig gequält, aber insgesamt heroisch und gefällt mir als Mann aus Stahl wirklich enorm gut. Auch die Darstellung Kryptons finde ich in diesem Film außerordentlich gelungen. Ich war nie ein Fan des Eiskristall-Kryptons der alten Filme, es wirkte auf mich zwar fremdartig, als Kultur aber niemals authentisch. Die Art und Weise, wie Krypton in „Man of Steel“ dagegen dargestellt wird – als technologisch hochentwickelte Welt mit tollem Design – gefällt mir außerordentlich gut, ebenso wie Russel Crowe als ziemlich aktionsfreudiger Jor-El. Michael Shannons Zod ist dagegen wieder nur funktional. Die Figur ist eigentlich gelungen angelegt, aber wie so häufig erfährt man zu wenig von ihr und Michael Shannon schafft es auch nicht, sie nur durch sein Spiel interessant zu machen – ein besseres Drehbuch hätte hier Wunder gewirkt.
Erwähnenswert sind noch die Anspielungen: Ein Satellit mit Wayne-Enterprises-Aufschrift, ein Laster mit dem LexCorp-Symbol; das lässt auf einiges hoffen.
Fazit: „Man of Steel“ ist weder das Meisterwerk, noch der Totalausfall, den ein Großteil der Kritiker in ihm sehen. Der Superman-Reboot weiß durchaus zu unterhalten, was aber nicht heißt, dass er nicht einige essentielle Schwächen besitzt. Für eine Fortsetzung wäre es vielleicht besser, wenn David S. Goyer beim Drehbuch ein wenig Unterstützung bekommt.

Trailer

Man of Steel – Soundtrack

The Dark Knight Rises – Soundtrack


Tracklisting:

01. A Storm is Coming
02. On Thin Ice
03. Gotham’s Reckoning
04. Mind if I Cut In?
05. Underground Army
06. Born in Darkness
07. The Fire Rises
08. Nothing Out There
09. Despair
10. Fear Will Find You
11. Why Do We Fall?
12. Death By Exile
13. Imagine the Fire
14. Necessary Evil
15. Rise

„The Dark Knight Rises“ stehe ich recht zwiegespalten gegenüber, beim Soundtrack jedoch ist meine Meinung eindeutig negativ.
Der dritte Score entstand dieses Mal nicht in Zusammenarbeit, da James Newton Howard laut eigener Aussage nicht das fünfte Rad am Wagen sein wollte; Hans Zimmer komponierte dieses Mal also allein (sofern man das Heer an Orchestratoren und RC-Mitarbeiten, die zusätzliche Musik und Arrangements beigesteuert haben, nicht mitzählt). Diesen Umstand merkt man der Musik auch eindeutig an, denn die melodischeren Teile aus „Batman Begins“ und „The Dark Knight“, für die wohl Howard verantwortlich war, fehlen völlig. Und traurigerweise setzt sich aktuelle Zimmertrend, die Soundtracks immer unkreativer und langweiliger zu gestalten nahtlos fort. Man möchte fast sagen, dass er einen neuen Höhepunkt (bzw. Tiefpunkt) erreicht hat, das Ausmaß an Recycling, das Zimmer hier betreibt, übertrifft fast noch das von „Pirates of the Caribbean: On Stranger Tides“ und „Sherlock Holmes: Spiel im Schatten“. Man fragt sich in der Tat, wozu der RC-Gründer überhaupt die ganzen Mitarbeiter braucht, wo der Soundtrack doch klingt, als bestünde er mindestens zu 2/3 aus Musik aus den beiden Vorgängern, die jemand mit einem halbwegs anständigen MP3-Cutter auseinandergenommen und neu zusammengesetzt hat.
An wirklich neuem Material gibt es nur die beiden Themen für Bane und Catwoman. Das Leitmotiv für Letztere findet sich vor allem in Mind if I Cut In? und ist wieder äußerst minimalistisch (ja, mir geht dieses Wort ebenfalls auf den Geist, aber es beschreibt die gesamte Herangehensweise am besten). Dominiert vom Klavier imitiert es katzenhafte Bewegung, taucht jedoch nur in der ersten Hälfte des Films sporadisch auf, führt nirgendwo hin und ist letztendlich ziemlich langweilig.
Das einzige halbwegs interessante Thema des Soundtracks ist das von Bane, das ja bereits aus den diversen Trailern bekannt ist – der „Deshi Basarah“ singende Chor bzw. die dazugehörige Melodie (in „Reinform“ zu hören in Gotham’s Reckoning). Das Thema symbolisiert vor allem Banes rohe Kraft und seine Tätigkeit als „Revolutionsführer“. Obwohl simpel ist das Thema sehr kräftig und wirkungsvoll, erinnert mich jedoch stark an Howard Shores Fünftaktschema aus den Herr-der-Ringe-Soundtracks (taucht meist zusammen mit dem Isengart-Thema auf), was wohl vor allem daran liegt, dass beide im recht ungewöhnlichen 5/4-Takt stehen. Eingesetzt wird es ähnliche wie das Joker-Thema im Vorgänger: Wenn Bane aktiv ist, erklingt sein Leitmotiv. Was in Gotham’s Reckoning zu hören ist, ist allerdings so ziemlich alles, was an Variation geboten wird.
Von den alten Themen kehrt vor allem das Zweinotenmotiv für Batman zurück, wird dieses Mal allerdings sparsamer eingesetzt und kann so seine Wirkung besser entfalten, wenn es bei den wenigen, aber genial inszenierten Batman-Szenen auftaucht – hier wertet wohlgemerkt der Film die Musik auf und nicht die Musik den Film, wie es sonst oft der Fall ist. On Thin Ice und Fear Will Find You sind noch mit die interessantesten Stellen des Scores, in Ersterem hört man endlich mal eine andere Variation besagten Themas, die sehr schwächlich und klagend klingt und Bruce Waynes Zustand zu Beginn des Films wiederspiegelt, während in Letzterem das Zweinotenmotiv und das Bane-Thema um die Vorherrschaft kämpfen.
Das TDK-Batman-Thema glänzt vor allem durch Abwesenheit und kommt nur an ein oder zwei Stellen im Film vor und das auch nur in der ziemlich lahmen Version aus A Dark Knight, dem letzten Track des TDK-Soundtracks (auf dem TDKR-Album am Ende von Rise zu hören).
Ansonsten: Viel Wummern, viele Streicherostinati, viele Percussions, viele Bässe und Elektronik, die an Sounddesigns grenzt und jedes Mal, wenn die Action losgeht erklingen Versatzstücke aus Antrozous und Molossus, ohne dass diese auch nur irgend verändert oder variiert worden wären (u.a. in Fear Will Find You, Imagine the Fire und Necessary Evil) . Diese Vorgehensweise erinnert stark an „Pirates of the Caribbean: Curse of the Black Pearl“, wo bei jeder Actionszene He’s a Pirate erklingt. Immerhin gibt es in Imagine the Fire noch ein wenig neues wummerndes Actionmaterial – zwar nicht gut und interessant, aber immerhin etwas anderes
Zum Kauf dieses Albums würde ich nur raten, wenn jemand Zimmers Musik für Nolans Batmanfilme absolut genial hält, ein Komplettheitsfanatiker ist oder sich in Banes oder Catwomans Thema (oder beide) verliebt hat und diese unbedingt in jeder erdenklichen Version besitzen möchte. Ansonsten ist es völlig ausreichend, sich Mind If I Cut In? und Gotham’s Reckoning bei iTunes oder sonst wo herunterzuladen, denn mehr an neuen Material hat die CD praktisch nicht zu bieten.
Fazit: Ein weiterer Rückschritt zum ohnehin schon schwachen „Batman Begins“ – der Soundtrack zum Finale der Dark-Knight-Saga besteht fast ausschließlich aus völlig uninspiriertem Recycling, lediglich Banes Thema besitzt einen gewissen Reiz. Man möchte fast von einem neuen Tiefpunkt in Zimmers Schaffen sprechen, aber immerhin besteht das Album nicht zur Hälfte aus Techno-Remixen.

Siehe auch:
Batman Begins
The Dark Knight
The Dark Knight Rises
Batman Begins – Soundtrack
The Dark Knight – Soundtrack

The Dark Knight Rises

Ende des TDKR-Countdowns

Story: Acht Jahre sind vergangen, seit Batman die Schuld für die Taten Harvey Dents auf seine Kappe genommen hat. Durch den Harvey-Dent-Act konnte die organisierte Kriminalität in Gotham fast ausgerottet werden und es herrscht Frieden, doch Bruce Wayne, gezeichnet vom Kampf gegen das Verbrechen, hat sich völlig zurückgezogen. Erst die katzenhafte Diebin Selina Kyle (Anne Hathaway), die nicht nur die Perlenkette seiner Mutter, sondern auch seine Fingerabdrücke stiehlt, schafft es, ihn wieder aus seiner Lethargie zu reißen. Er macht sich daran, die Hintergründe dieses Einbruchs herauszufinden und entwickelt sogar wieder ein wenig Interesse an seiner Firma. Von Catwoman führt die Spur schließlich zu dem Terroristen Bane, der Teil der Gesellschaft der Schatten ist bzw. war und nun das Werk Ra‘s al Ghuls (Liam Neeson in einem kleinen Cameo, Ra’s Name wird immer noch falsch ausgesprochen) vollenden möchte. So sieht Bruce sich gezwungen, erneut zu Cape und Maske zu greifen, doch kann er es in seinem Zustand wirklich mit Bane aufnehmen?

Kritik: Da ist er also, der Film, auf den ich seit 2008 warte und, was soll man sagen, ihn zu bewerten ist verdammt schwer. Ich werde im Folgenden versuchen, möglichst spoilerfrei zu rezensieren, aber dass nichts durchrutscht kann ich nicht versprechen.
Wie schon „The Dark Knight“ wurde auch „The Dark Knight Rises“ enorm gehypt, die Erwartungshaltungen sind bei mir (und vielen, vielen anderen) wohl schier ins unermessliche gestiegen. Doch während „The Dark Knight“ seinem Hype in meinen Augen gerecht wurde, ist das beim Nachfolger leider nicht ganz der Fall. Es ist natürlich gut möglich, dass meine Erwartungen einfach zu hoch waren. Nun ja.
In vielerlei Hinsicht besinnt sich „The Dark Knight Rises“ zurück auf „Batman Begins“, während die Ereignisse von „The Dark Knight“ vor allem zu Beginn zum Tragen kommen – zwar wird der Joker nicht mal erwähnt, aber Harvey Dents Taten, verbunden mit seinem Tod sind bestimmend für die Ausgangssituation.
In jedem Fall ähneln sich der erste und der dritte Teil der Trilogie schon strukturell stark, beide lassen sich grob zweiteilen, im Fall dieses Films in die Zeit vor dem ersten Aufeinandertreffen von Batman und Bane und in die Zeit danach. Wie „Batman Begins“ muss auch „The Dark Knight Rises“ relativ lange ohne Batman auskommen, gemessen an der Laufzeit kommt der Dunkle Ritter wirklich ziemlich selten vor (das gilt natürlich nicht im selben Ausmaß für Bruce Wayne). Auch die Handlung betreffend gibt es viele Parallelen und Rückgriffe, nicht zuletzt durch die Rückkehr der Gesellschaft der Schatten (leider ohne Ninjas), die Tatsache, dass fast eine Dreiviertelstunde vergeht, bis man spitze Ohren sieht oder durch den erneuten Gefängnisaufenthalt Bruce Waynes. Tonal und atmosphärisch gibt es zu beiden Vorgängern Parallelen, jedoch merkt man, dass „The Dark Knight Rises“ trotz allem eine ganze eigene Atmosphäre besitzen soll. Alles ist noch ein wenig größer und beeindruckender als in „The Dark Knight“. Das Finale von Nolans Bat-Saga ist enorm ambitioniert, wohl fast schon zu ambitioniert. Der Film möchte in seiner nicht gerade kurzen Laufzeit (164 Minuten) sehr viel erreichen, was zur Folge hat, dass vieles nur leicht angerissen wird – ein gern verwendetes Beispiel ist die Börsenszene, die wohl ein wenig Sozialkommentar zu Wirtschaftskrise etc. enthalten soll, aber einfach zu aufgesetzt wirkt. Leider, leider betrifft dieses Manko allerdings auch die Charaktere, denen ich mich der Reihe nach widmen werde, beginnend beim Schurken.
Mit dem Bane aus den Comics hat die von Tom Hardy verkörperte Figur freilich relativ wenig gemein. Es gibt Gemeinsamkeiten, u.a. bei der Ursprungsgeschichte (Gefängnis), auch ist Bane wie in den Comics sowohl körperlich als auch geistig sehr fit und leidet an einer Abhängigkeit. Das war’s aber auch schon; von allen Schurken des Batkosmos wurde Bane mit Abstand am meisten verändert und den Bedürfnissen der Nolanbrüder angepasst. Grundsätzlich ist das allerdings erst einmal nicht schlecht. Zwar hat Bane nicht die Präsenz von Heath Ledgers Joker, der die Angewohnheit hat, gnadenlos jede Szene an sich zu reißen und seinen Film eindeutig dominiert, aber Hardy liefert sehr gute Arbeit ab und schafft es, allein durch Körperlichkeit und Gestik eine beeindruckende Figur zu verkörpern. In diversen Internetforen liest man einiges an negativen Kommentaren in Bezug auf die deutsche Stimme, die ich nach Sichtung des Films im O-Ton nicht so ganz teilen kann. Der deutsche Sprecher klingt dem Original ziemlich ähnlich und kontrastiert ebenso wie Tom Hardy selbst Banes schreckliche Taten durch einen ziemlich jovialen Ton. Dennoch hat Bane zwei große Probleme. Das erste: Zu wenig Leinwandzeit und ein ziemlich abrupter, unrühmlicher Abgang. Dadurch, dass „The Dark Knight Rises“ zu viel möchte und aus diesem Grund teilweise einfach überladen ist, kommen viele Figuren, und darunter Bane, einfach zu kurz. Dem Charakter wird nicht genug Möglichkeit zur Entfaltung gegeben. Und das zweite Problem: Ich werde das Gefühl nicht los, dass eigentlich der Joker an Banes Stelle hätte stehen sollen. Schon seine Rhetorik erinnert stark an den Mann mit den grünen Haaren und auch die Natur des Masterplans scheint mir eher ein „soziales Experiment“ des Jokers zu sein. Da der Joker wohl ursprünglich für diesen Film eingeplant war (was durch Heath Ledgers Tod natürlich verhindert wurde) wäre dies durchaus im Bereich des Möglichen, genau wissen wird man es wohl nie.
Catwoman/Selina Kyle hat ebenfalls Probleme, auch wenn mir, wie bei Bane, die Umsetzung eigentlich recht gut gefallen hat. Anne Hathaway spielt Selina Kyle recht pfiffig und humorvoll und die Szenen, in denen sie mit Bruce Wayne bzw. Batman interagiert sind einfach verdammt spaßig und bringen etwas Auflockerung in den sonst doch sehr düsteren und ernsten Film. Aber auch hier: Selina hat zu wenig Zeit, um sich wirklich entfalten zu können. Sowohl ihr Hintergrund als auch ihre Motivation bleiben größtenteils im Dunkeln, was der Figur nicht gut tut.
Und schließlich Bruce Wayne/Batman: Auch hier, mehr Fokus wäre wünschenswert gewesen. Zwar macht Bruce eine enorme Entwicklung durch, aber weil es noch so viele andere Figuren und Ereignisse gibt, die thematisiert oder angeschnitten werden – neben den beiden Schurken hätten wir da noch Comissioner Gordon (Gary Oldman), der ebenfalls irgendwie untergeht, Miranda Tate (Marion Cotillard), Peter Foley (Matthew Modine), Alfred (Michael Caine, wird nach Bruces Rückkehr als Batman relativ unelegant abserviert, um nach dem Finale noch mal kur vorbeizuschauen) und natürlich den jungen Cop John Blake (Joseph Gordon-Levitt), der der größte „Zeitfresser“ ist. So wirkt der Abschluss von Batmans Reise schließlich gehetzt, der Titelgebende Aufstieg des Dunklen Ritters nicht so ganz überzeugend, was gerade im Vergleich mit „Batman Begins“ auffällt, wo sich für die Entwicklung entsprechend viel Zeit genommen wurde. Diese Aussparungen in der Entwicklung haben z.T. auch, ebenso wie die Schurkenpläne (aber zumindest das ist schon Tradition in der Reihe) einen sehr negativen Effekt auf die Filmlogik – wie zur Hölle hat es Bruce Wayne geschafft, von Marokko so schnell nach Gotham zu gelangen? Zu erwähnen ist noch, dass Batmans Stimme immer noch grausig klingt. Während sie im O-Ton etwa auf Dark-Knight-Niveau ist, ist die deutsche Fassung noch einmal schlimmer – da hat wohl jemand mit dem Stimmverzerrer seinen Spaß gehabt.
Das alles mag sich nun weit negativer anhören, als es eigentlich gemeint ist. Den Film im Kino zu sehen (selbst beim zweiten Mal) ist bombastisch, danach fühlt man sich erst einmal ziemlich geplättet.
Chris Nolan hat einen zwar nicht ganz plausiblen und etwas überkonstruierten, aber dafür wieder enorm spannenden und mitreißenden Batfilm abgeliefert. Wie schon „The Dark Knight“ könnte man auch „The Dark Knight Rises“ wieder gewisse Längen vorwerfen (gerade in der ersten Hälfte gibt es ein bisschen viel Exposition), aber interessanterweise stört mich das bei Nolans Batmanfilmen generell absolut nicht. Und es gibt da so gewisse Szenen, die für die oben erwähnten Mankos entschädigen. Batmans erster Auftritt in diesem Film ist so eine. Die Rückkehr des Dunklen Ritters (ja, Referenz) ist ein enorm gelungener Gänsehautmoment, ebenso wie der erste Kampf mit Bane und die zweite Rückkehr. Die Action ist ganz allgemein atemberaubend, die schauspielerischen Leistungen durchweg gut bis sehr gut, insbesondere wenn man bedenkt, wie wenig Zeit die Darsteller zum Teil bekommen. Und das Ende ist schließlich zwar ziemlich vorhersehbar und ein wenig kitschig, aber irgendwie mag ich es, wenn auch eher als Guilty Pleasure.
Fazit: Das Finale von Nolans Dark-Knight-Trilogie ist kein schlechter Film, bleibt jedoch hinter seinen stärkeren Vorgängern eindeutig zurück. Mein endgültiges Urteil zu „The Dark Knight Rises“ fällt letztendlich aus wie das zu „Harry Potter und die Heiligtümer des Todes Teil 2“: Ein Abschluss, der akzeptabel, aber leider nicht überragend ist.

Trailer

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Batman Begins
The Dark Knight

The Dark Knight – Soundtrack

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Tracklisting:

01. Why So Serious?
02. I’m Not a Hero
03. Harvey Two-Face
04. Aggressive Expansion
05. Always a Catch
06. Blood on My Hands
07. A Little Push
08. Like a Dog Chasing Cars
09. I Am the Batman
10. And I Thought My Jokes Were Bad
11. Agent of Chaos
12. Introduce a Little Anarchy
13. Watch the World Burn
14. A Dark Knight

Ein Sequel-Soundtrack ist immer so eine Sache. Einerseits sollte er Verbindungen zum Vorgänger (oder den Vorgängern) besitzen, andererseits sich aber nicht so anhören, als hätte der Komponist ausschließlich altes Material recycelt. Hans Zimmer neigt in letzter Zeit leider dazu, sich bei Franchise-Scores stark auf Letzteres zu verlassen, wie vor allem bei „Pirates of the Caribbean: On Stranger Tides“ und „Sherlock Holmes: Spiel im Schatten“ deutlich wurde. Auch beim Soundtrack zu „The Dark Knight“, der seinerzeit fast eben sosehr gehypt wurde wie der Film, zeigen sich derartige Tendenzen, allerdings bei Weitem noch nicht in dem Ausmaß wie bei den oben erwähnten. Wer mein Batman-Begins-Soundtrack-Review gelesen hat wird wohl kaum überrascht sein, dass mich auch der Score zu „The Dark Knight“ nicht wirklich überzeugt hat. Ein weiteres Mal arbeitete Zimmer mit James Newton Howard zusammen, der sich, wie bei „Batman Begins“, dem Remote-Control-Gründer stilistisch eindeutig unterordnete. Allerdings veränderten die beiden ihre Arbeitsweise leicht. „The Dark Knight“ wird von drei neuen Themen dominiert. Das erste, das neue Batman-Thema, existiert, wenn man diversen Interviewaussagen glauben darf, bereits seit „Batman Begins“; mit diesem werde ich mich später auseinandersetzen, da die Herren Zimmer und Howard es ohnehin nur sehr spärlich einsetzen. Die veränderte Arbeitsweise kommt bei den beiden Schurken-Themen zum Tragen. Während die beiden Komponisten beim Vorgänger jedes Stück gemeinsam erarbeiteten, war Zimmer beim Nachfolger für das Joker-Thema allein verantwortlich, während Howard sich mit Harvey Dents Thema auseinandersetzte.
Beginnen wir mit dem Joker-Thema (falls man hier überhaupt von einem Thema im klassischen Sinne sprechen kann), das sich im Soundtrack äquivalent zum Joker im Film verhält: Es ist das markanteste Element. Der erste Track des Albums, Why so Serious?, besteht ausschließlich aus Joker-Material (auf der DVD und BD gibt es ein recht interessantes Feature über die Entstehung dieses Materials), das eigentliche Thema befindet sich jedoch am Anfang. Es handelt sich dabei um eine einzelne, von einem Cello gespielte Note, die ewig, um nicht zu sagen, unerträglich lange ausgedehnt wird. Mit diesem Thema (und dem Matrieal, das später im Track folgt) nähert sich Zimmer noch mehr dem Sounddesign an. Interessanterweise funktioniert der Minimalismus (noch minimalistischer geht’s ja kaum) hier weitaus besser als bei Batman. Das Thema erklingt zumeist, wenn man weiß, dass der Joker gerade aktiv ist. Zimmers Herangehensweise unterscheidet sich dabei stark von der, die Danny Elfman oder Shirley Walker wählten. Beide Komponisten setzten beim Clown Prince of Crime in „Batman“ bzw. „Batman: The Animated Series“ einen Kontrapunkt, bei Elfman wurde er durch einen fröhlichen Walzer repräsentiert, bei Walker durch ein Thema, das stark nach Zirkus klingt. Zimmer wählte den direkteren Ansatz und setzt das Chaos, das der Joker symbolisiert, direkt in Musik um. Anders als bei Batman wäre hier Variation auch nicht so sehr angebracht, da der Joker sich nicht entwickelt, er ist einfach da. Das alles ist zwar ebenfalls nicht sonderlich komplex, aber durchaus kreativ und im Film passend – auf dem Album allein allerdings ziemlich unhörbar.
Das zweite wichtige Thema findet sich vor allem in Harvey Two-Face, aber auch in Blood on My Hands und Agent of Chaos und geht auf James Newton Howard zurück, der dieses Thema auf der Basis des Rising-Hero-Themas aus dem Vorgänger entwickelte. Es ist sehr melodisch, wird vor allem durch das Klavier dominiert und klingt zu Beginn äußerst optimistisch, erhält aber später eine düstererer Färbung (ab der Zweiminutenmarke in Harvey Two-Face beispielsweise), die die langsam Transformation in Two-Face symbolisieren. Die interessanteste Variation des Themas findet sich in und Watch the World Burn, dem Stück, das die letzte Konfrontation zwischen Dent, Gordon und Batman untermalt. In diesem äußerst düsteren und dissonanten Stück tauchen immer wieder pervertierte Fragmente des Themas auf, deren Botschaft klar ist: Harvey Dent ist endgültig zu dem geworden, das er ursprünglich bekämpfte. Diese Entwicklung wird bereits in A Little Push angedeutet, welches wiederum die Szene untermalt, in der Harvey per Münzwurf einen Schergen des Jokers verhört und zum ersten Mal Two-Face-Tendenzen zeigt. Zwar kann Howards Thema nicht ganz mit Shirley Walkers alptraumhafter Melodie für die Figur mithalten, ist aber dennoch äußerst gelungen und das bisher interessanteste Thema der Dark-Knight-Saga.
Wenden wir uns nun dem neuen Batman-Thema zu. Während das alte, aus zwei Noten bestehende Thema nach wie vor sehr präsent ist, taucht das neue im Film kaum auf. Einen ersten Hinweis gibt es am Ende von I’m Not a Hero, am besten zu hören ist es in Like a Dog Chasing Cars (ab 2:15). Interessanterweise findet sich dieser Einsatz des Themas überhaupt nicht im Film selbst – ursprünglich sollte er bei der großen Verfolgungsjagd in der Mitte des Films auftauchen, der dann jedoch fast ohne Musik belassen wurde. So taucht es letztendlich nur zwei Mal komplett auf, einmal, während Batman sich kurz vor der endgültigen Festnahme des Jokers mit dem SWAT-Team anlegt (Introduce a Little Anarchy ab 1:05) und dann noch kurz vor Schluss, wo eine sehr langsam Variation Gordons Monolog unterlegt (A Dark Knight, gleich am Anfang). Das Thema, welches Christian Clemmensen von filmtracks.com als „murky blend of The Last Samurai, The Thin Red Line, The Da Vinci Code, and, most interestingly, Crimson Tide“ beschreibt, ist letztendlich ein sich immer wiederholendes Dreinotenmotiv, unterlegt mit den üblichen Ostinati. Eine gewisse Verwandtschaft zum Zweinotenthema ist vorhanden, diese ist, soweit ich das sagen kann, allerdings eher vage. Obwohl ich es besser finde als das Zweinotenmotiv habe ich auch mit diesem Batman-Thema so meine Probleme. Wie aus dem obigen Zitat klar wird, besitzt dieses Thema nichts Herausstechendes. Es klingt recht heroisch, mit einem winzigen Hauch Tragödie (oder Bedauern?), letztendlich ist es in meinen Augen für ein Batman-Thema allerdings bei Weitem nicht düster genug. Ein weiteres Problem ist die Tatsache, dass es kaum eingesetzt wird; so bekommt es keine wirkliche Chance, sich mit dem Charakter zu verbinden, und das ist genau das, was ein Charakterthema tun sollte.
Von den drei neuen Themen abgesehen wird vor allem viel vom Alten präsentiert, meistens nur gering oder gar nicht variiert. Das Liebesthema von „Batman Begins“ kehrt ebenso zurück wie das Actionthema (meistens nach dem Tracktitel Molossus genannt) und das bereits erwähnte Zweinotenmotiv, das wieder äußerst allgegenwärtig ist. Dieses Mal gibt es eine Szene, in der der Mangel eines komplexeren Themas ziemlich deutlich negativ auffällt. Als Bruce Wayne am Tag Coleman Reese retten möchte, handelt er zwar heldenhaft, ist aber nicht als Batman unterwegs. Der Ansatz, dies mit einem reduzierten Thema zu untermalen, ist gut (wenn auch nicht neu), aber hier ist das Problem: Wenn man das Zweinotenthema reduziert, bleibt nur eine Note übrig. Und man merkt, dass das nicht reicht.
Fazit: Dank der beiden gelungenen Schurkenthemen ist „The Dark Knight“ etwas stärker als „Batman Begins“, in Bezug auf den Helden vermag aber auch dieser Score nicht zu überzeugen. „The Dark Knight“ ist musikalisch letztendlich mehr vom Gleichen, wer „Batman Begins“ und Hans Zimmers Stil mag, wird vermutlich zufrieden sein, ich persönliche finde diesen Soundtrack allerdings ebenfalls ungenügend.

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Bane
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The Dark Knight
The Dark Knight Rises – Soundtrack

Bane

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Anfang der 90er: Wir befinden uns im so genannten „Dunklen Zeitalter“ der Superheldencomics. Losgetreten wurde dieses durch kritische und düstere Meisterwerke wie Alan Moores „Watchmen“ oder Frank Millers „The Dark Knight Returns“, allerdings übertrieb man es danach ein wenig. Es tauchten immer mehr düstere, grimmige Antihelden auf, die immer ruch- und rücksichtsloser vorgingen, etwa Cable und seine X-Force bei Marvel oder alles, was sich so beim neugegründeten Image-Verlag herumtrieb (Spawn, Young Blood etc.). Wann und ob dieses Dunkel Zeitalter endet ist diskutabel (viele Leute sind der Meinung, es würde bis heute anhalten), aber Batman gehört ohne Frage zu den Helden, auf die dieses Zeitalter am meisten Wirkung hatte. Nicht nur wurde Batgirl in den Rollstuhl verfrachtet, der zweite Robin ermordet und der Joker endgültig zum unkontrollierbaren Psychopathen und absoluten Erzfeind Batmans (was er u.a. durch diese beiden Taten erreichte), auch Batman selbst wurde gebrochen, und das im wörtlichen Sinn.
In einer Zeit wie dieser, in der Comics immer düsterer wurden, brauchte es schockierende Ereignisse, um die Leser bei der Stange zu halten. 1992 wagte DC-Comics es in der Tat, den Vorzeigehelden des Verlags, Superman, in einer schockierenden Storyline von dem Monster Doomsday umbringen zu lassen. Der Mann aus Stahl blieb zwar nicht lange tot, aber dennoch war dies das erste Mal, dass eine Figur von derartiger Popularität gemeuchelt wurde.
Als zweites großes Flaggschiff des Verlages musste Batman da natürlich mithalten können. Allerdings entschied man sich für eine etwas andere Herangehensweise und brachte den Dunklen Ritter nicht gleich um, sondern brach ihm „nur“ das Rückgrat. Da Bruce Waynes temporärer Nachfolger als Batman (ein Geselle namens Jean-Paul Valley, der vor und nach seiner Zeit als Batman als Azrael unterwegs war) eher dem Typus des rücksichtlosen Antihelden, der gerade modern war, entsprach, testete DC gleich, ob Batman mit seinem strengen Moralkodex als Figur für die Leser überhaupt noch interessant war.
Der Schurke, der Batman letztendlich brechen durfte, sollte allerdings keiner aus der bewährten Riege der Widersacher des Dunklen Ritters sein. Stattdessen schuf man eine neue Bedrohung, die Batman sowohl in geistiger als körperlicher Hinsicht ebenbürtig sein sollte: Bane, einen hochintelligenten Muskelmann mit Wrestlermaske.
Da Bane in „The Dark Knight Rises“ der neue Hauptschurke wird, lohnt es sich mit Sicherheit, sich Geschichte, Adaptionen und Rezeption der Figur im Vorfeld genauer anzuschauen. Zwar ist über Chris Nolans Interpretation der Figur noch nicht allzu viel bekannt, aber einige der bisherigen Informationen laden zu Spekulationen ein. Der letzte Absatz enthält bereits einige dieser Informationen und ist daher nicht spoilerfrei.

Konzeption der Figur

Bane – gezeichent von Erfinder Graham Nolan

Batmans Fall erfolgte schließlich in der Mammut-Storyline, die als „Knightfall“ bekannt ist und sich über viele Ausgaben der diversen Batserien („Batman“, „Detective Comics“ etc.) zieht. Dieses Großereignis wurde vom verantwortlichen Redakteur Denny O’Neill akribisch vorbereitet, ohne dass die einzelnen Schritte, die letztendlich zu „Knightfall“ führten, sofort als solche erkannt wurden. Auf den Seiten der Serie „Legends of the Dark Knight“, die, im Stil von Frank Millers „Batman: Year One“ Geschichten aus den frühen Tagen von Batmans Karriere erzählte, wurde erstmals die Droge Venom (nicht zu verwechseln mit dem gleichnamigen Spider-Man-Schurken) vorgestellt und Jean-Paul Valley/Azrael wurde in der Miniserie „The Sword of Azrael“ (hierzulande beim Dino-Verlag als „Batman Sonderband 2: Azrael“ erschienen) ins Batuniversum eingeführt. Und schließlich bekam auch Bane im Januar 1993, nur zwei Monate vor dem Start von „Knightfall“ seinen eigenen One-Shot, der die Ursprungsgeschichte des Charakters erzählt – „Vengeance of Bane“ (es gibt zwar eine offizielle zweite Ausgabe, was das Ganze zu einer Miniserie macht, diese erschien allerdings erst einige Jahre später – beide Ausgaben zusammen sind auf Deutsch ebenfalls bei Dino erschienen, im dritten Batman Sonderband).
In der von Chuck Dixon geschriebenen und Graham Nolan gezeichneten Geschichte wird erzählt, dass Bane auf der fiktiven Karibikinsel Santas Prisca geboren wurde und dort auch aufwächst – in dem Gefängnis Peña Dura. Banes Vater wurde dort zu lebenslanger Haft verurteilt, doch da er zu früh starb wurde die Strafe auf seinen Sohn übertragen. In der harten Welt des Gefängnisses muss der noch namenlose Junge rasch lernen, wie man überlebt: Er trainiert und liest in der Gefängnisbibliothek, so viel er kann. Eines nachts hat er einen prophetischen Traum: Er sieht sein älteres Ich, das ihm ankündigt, dass er eines Tages herrscht wird, sofern er es schafft, seine Angst zu überwinden, die ihm kurz darauf in Gestalt einer Fledermaus vor Augen geführt wird. Jahre später ist Bane zum „König von Peña Dura“ geworden und hat auch von Batman erfahren, den er für die Verkörperung seiner Angst hält. Im Gefängnis wird Bane einem illegalen Experiment, der Behandlung mit der Droge Venom, unterzogen, um aus ihm einen Supersoldaten zu machen. Doch Bane kann schließlich fliehen und macht sich nach Gotham City auf, um gegen Batman zu kämpfen und sich so seiner tiefsten Furcht zu stellen.
Die meisten Schurken des Dunklen Ritters spiegeln ein Element Batmans wieder, haben etwas Ähnliches erlebt wie er oder sind auf gewisse Weise ein dunkles (bzw., im Fall des Jokers, ein buntes) Spiegelbild. So auch Bane: Diese Figur wurde geschaffen, um Batman jemanden gegenüberzustellen, der ihm sowohl auf geistiger als auch auf körperlicher Ebene ebenbürtig, wenn nicht gar überlegen ist. Obwohl Bane fast sein ganzes Leben in Peña Dura verbracht hat, ist er extrem belesen, hochintelligent und besitz ein photographisches Gedächtnis. Das Venom, von dem er abhängig ist, sorgt für die körperliche Überlegenheit.

Knightfall

Bane bricht Batmans Rückgrat

In der Knightfall-Saga (beginnend mit US-Batman 491; in Deutschland ursprünglich in zehn Bänden beim Ehapa-Verlag erschienen, Panini ist gerade dabei, die dreibändige US-Paperback-Version auf Deutsch zu veröffentlichen), beginnt Bane schließlich, sein Vorhaben in die Tat umzusetzen. Er organisiert einen Massenausbruch der Insassen des Arkham Asylum, um Batman an den Rand der Erschöpfung und des psychischen Ruins zu bringen. Zwar schafft es Batman, fast sämtliche Insassen wieder einzufangen, doch er verausgabt sich, kommt nicht mehr zur Ruhe, und so geht Banes Plan auf. Als Batman schließlich, fast am Ende seiner Kräfte, nach Wayne Manor zurückkehrt, wartet Bane dort bereits, besiegt Batman nach einem kurzen Kampf und beschließt schließlich, ihn nicht zu töten, sondern ihm nur das Rückgrat zu brechen, um ihn noch weiter zu demütigen. Danach etabliert er sich als neuer Herrscher von Gothams Unterwelt.
Dabei ist er zu Beginn recht erfolgreich und schafft es, Bruce Waynes Nachfolger als Batman – den bereits erwähnten Jean Paul Valley – zu besiegen. Doch dann legt sich dieser eine High-Tech-Batrüstung zu, mit deren Hilfe es ihm schließlich gelingt, Bane zu besiegen. Anschließend wird er ins Blackgate-Gefängnis verfrachtet.
„Knightfall“ ist eindeutig Banes Sternstunde – so gefährlich und mächtig wie in dieser Geschichte ist Bane weder in den Comics noch in einem anderen Medium seither nie mehr – bis jetzt jedenfalls.

Weitere Geschichten
Nach „Knightfall“ wurde Bane eher spärlich eingesetzt und schaffte es auch nicht mehr, zu der Bedrohung zu werden, die er in „Knightfall“ darstellte. „Vengeance of Bane 2“ (von 1995) erzählt schließlich, wie Bane aus Blackgate ausbricht und seine Venomsucht überwindet. Danach machte der Muskelmann erstmal ein wenig Pause. Erst 1998 bekam er wieder eine größere Rolle, im Rahmen des Bat-Ereignisses „Legacy“ ( dt. „Der Fluch“, erschienen in diversen Monatsausgaben und Specials der Dino-Batmanserie). In der Miniserie „Bane of the Demon“ (Dinos Batman Sonderband 3, ebenfalls von Chuck Dixon und Graham Nolan), die als Prolog zu „Legacy“ fungiert, wird geschildert, wie Bane sich mit Ra’s al Ghul verbündet, um mithilfe eines Virus 99% der Erdbevölkerung auszulöschen (was Batman in „Legacy“ wiederrum erfolgreich zu verhindern versucht).
Nach „Legacy“ wurden Banes Auftritte noch spärlicher und unspektakulärer. Während der Niemandsland-Saga arbeitete er als Söldner für Lex Luthor. Zu Beginn des neuen Jahrtausends suchte er auf den Seiten der Serie „Batman: Gotham Knights“ (Ausgabe 34-36, die Story trägt den Namen „Tabula Rasa“ und ist auf Deutsch in Paninis Batman Monster Edition 1 erschienen) nach seinen Ursprüngen – er entdeckt dort unter anderem, dass Doktor Thomas Wayne sein Vater sein könnte, was ihn zu Batmans Halbbruder machen würde – dies stellt sich jedoch als falsch heraus. Die folgenden Geschichten sind kaum noch der Rede wert – Bane wandelt sich über die Jahre ein wenig zum Antihelden, kämpft ein, zwei Mal mit Batman zusammen und schließt sich zwischendurch der zwielichtigen Suicide Squad an, einer speziellen Regierungseinheit aus Superwesen. Irgendwann wird er auch wieder von Venom abhängig und kehrt zu seinen schurkischen Wurzeln zurück, spielt aber vor allem in Bezug auf Batman keine große Rolle mehr – was sich mit „The Dark Knight Rises“ allerdings ändern könnte. Immerhin, in der neugestarteten Kontinuität von DC hatte Bane bereits einen Auftritt auf den Seiten der US-Batman-Serie, von diesem konnte ich mir allerdings noch kein Bild machen.

Bane im DCAU

Banes ursprüngliches DCAU-Design

Die Macher von „Batman: The Animated Series“ schätzten Bane nicht besonders, da er ihrer Meinung nach zu konstruiert war. Aufgrund der Wichtigkeit der Figur in den 90ern wurde er jedoch trotzdem in die Zeichentrickserie integriert. Bane taucht jedoch in jeder DCAU-Serie jeweils nur einmal auf, insgesamt ganze fünf Mal.
Sein Debüt feiert er in der B:TAS-Folge „Bane“. Der DCAU-Bane ist kein kriminelles Meisterhirn, sondern „nur“ ein ziemlich intelligenter Söldner mit Venom. In „Bane“ wird er vom Gangsterboss Rupert Thorne angeheuert, um Batman zu töten. Obwohl Bane hier bei weitem nicht so gefährlich ist wie in „Knightfall“ wurden für diese Episode einige Elemente dieser Geschichte adaptiert, Banes Herkunft wird kurz angeschnitten und es gibt auch eine Anspielung auf die ikonische Genickbruchsszene. Banes Kostüm sieht dem Vorbild recht ähnlich, allerdings ist das Gesicht nicht vollständig bedeckt, Mund und Nase sind frei. Gesprochen wird Bane von Henry Silva, der der Figur einen starken spanischen Akzent verpasst, der bei späteren Auftritten der Figur allerdings fehlt. Wegen der oben erwähnten Regel taucht Bane erst wieder nach dem Revamp in „The New Batman Adventures“ auf, wie alle anderen Figuren auch mit neuem Design. Venomschlauch, -apparatur und Muscleshirt sind noch da, doch statt der Wrestlermaske trägt Bane nun ein Stachelhalsband und etwas, das stark nach einer S/M-Maske aus Leder aussieht.

Bane nach dem Revamp

Seinen einzigen Auftritt hat er in der Folge „Over the Edge“, bei der es sich jedoch größtenteils um eine Vision von Batgirl handelt, die durch Scarecrows Angstgas hervorgerufen wird. Auch in einer Folge von „Superman: The Animated Series“ namens „Knight Time“ hat er einen Auftritt. Hier zeigt er zum ersten Mal selbst kriminelle Ambitionen und arbeitet nicht nur als Söldner: Da Batman vermisst wird, verbündet sich Bane mit dem Mad Hatter und dem Riddler, um die Macht in Gothams Unterwelt zu übernehmen. Dummerweise springt Superman für Batman ein, und dem Mann aus Stahl ist Bane trotz Venom nicht gewachsen.
In dem DCAU-Spin-off-Film „Batman: Mystery of the Batwoman“ spielt Bane ebenfalls eine Rolle, die beiden Interpretationen (Söldner und eigene kriminelle Ambitionen) werden dabei gemischt. Da die drei Gangsterbosse Oswald Cobblepot (alias Pinguin), Rupert Thorne und Carlton Duquense Probleme mit diversen Fledermäusen haben, heuern sie Bane an, der jedoch sehr schnell beschließt, ins Geschäft einzusteigen und die Führung zu übernehmen.
Und in „Batman Beyond“ erfährt man schließlich, dass Bane zwar seine Kämpfe mit Batman überlebt hat, aber in hohem Alter immer noch auf seine Droge angewiesen und zu einem absoluten Wrack geworden ist.

Bane in „Batman und Robin“

Einfach falsch: Bane in „Batman und Robin“

Dieser Film versagt auf so ziemlich jeder Ebene, inklusive seiner Interpretation der Figur Bane. Dargestellt wird der Muskelmann vom Wrestler Robert Swenson, mit dem Charakter aus den Comics hat er hier jedoch bis auf das Aussehen und das Venom nichts zu tun.
In „Batman und Robin“ erhält er erstmals einen bürgerlichen Namen, Antonio Diego, und ist ein verurteilter Mörder, der illegalen Experimenten mit Venom unterzogen wird. Das Ergebnis ist jedoch ein zwar aufgepumpter, aber strohdummer Schläger, der nur einzelne Worte grunzen kann und von Poison Ivy per Knopfdruck gesteuert wird. Dass die Fans mit dieser Interpretation nicht einverstanden waren, versteht sich von selbst. Leider ist die Verhunzung von Bane noch das kleinste Problem, das der Film hat.

Weitere Interpretationen
Obwohl er bei Weitem nicht so populär ist wie beispielsweise der Joker wird Bane dennoch in diversen Zeichentrickadaptionen des DC-Universums, die vom DCAU unabhängig sind, gerne verwendet, allerdings selten als Hauptschurke. Lediglich in einigen Folgen von „The Batman“ ist Bane der Hauptwidersacher. Diese spezielle Interpretation ist etwas eigenwillig, da Bane hier durch das Venom nicht nur aufgepumpt wird, sondern auch rote Haut bekommt. Offenbar wirkt sich das Venom auch auf seine Stimme aus, da er bei jedem Auftritt von einem anderen Sprecher synchronisiert wird.

Bane in „The Batman“

In der ziemlich neuen Zeichentrickserie „Young Justice“ taucht Bane ebenfalls auf, dieses Mal wieder ein wenig näher an der Comicfigur. Gesprochen wird er von Danny Trejo („Machete“). In „Young Justice“ muss er sich auf seiner Heimatinsel Santa Prisca mit dem Kobra-Kult und dem namensgebenden Team aus Teenager-Superhelden.
Darüber hinaus hat er auch in zwei der DC Universe Animated Original Movies Gastauftritte: In „Superman/Batman: Public Enemies“ setzt Präsident Lex Luthor ein Kopfgeld auf Batman und Superman aus und Bane gehört zu den vielen Superschurken, die die Prämie einstreichen wollen. Er hat allerdings keinen Text und wird recht schnell von Batman besiegt, indem dieser den Venomschlauch durchschneidet.
Seine Rolle in „Justice League: Doom“ ist ein wenig größer, hier gehört Bane (gesprochen von Carlos Alazraqui) zu der von Vandal Savage versammelten Legion of Doom und wird abermals damit beauftragt, Batman zu töten, scheitert jedoch und wird schließlich vom Dunklen Ritter auf dieselbe Weise besiegt wie in „Public Enemies“.
Erwähnenswert sind noch die beiden Batman-Spiele „Arkham Asylum“ und „Arkham City“. In Ersterem ist Bane ein Zwischenboss, der vom Joker missbraucht wird, um die Titan-Formel (eine Art verbessertes Venom) zu testen. In Letzterem schmiedet er eine zeitweilige Allianz mit Batman, die natürlich letztendlich scheitert.

Mehr Schläuche: Bane in „Arkham Asylum“ und der Fortsetzung „Arkham City“

Bane in „The Dark Knight Rises“

Tom Hardy als Bane

Chris Nolans Version von Bane, gespielt von Tom Hardy, entfernt sich, vor allem was das Aussehen angeht, erst einmal sehr weit von der ursprünglichen Comicfigur und den anderen Adaptionen. Während der Joker, Scarecrow und Two-Face alle noch das Hauptmerkmal ihrer Comicgegenstücke besaßen, wird für Bane ein völlig anderes Aussehen verwendet. Statt der Wrestlermaske trägt er nun einen Mundschutz, der wie eine Kreuzung aus den Masken von Darth Vader und Hannibal Lecter aussieht und nur noch ganz vage an die ursprüngliche Kopfbedeckung erinnert. Das Muscleshirt hat er gegen Söldnerkleidung (Soldatenstiefel, Mantel) eingetauscht und selbst die Abhängigkeit von Venom fällt weg. Stattdessen hat er eine schwere Verletzung erlitten – der Mundschutz sorgt dafür, dass ihm ständig ein bestimmtes Gas zugeführt wird, das die Schmerzen zumindest erträglich macht.
Über Banes Motivation und Hintergrund lässt sich noch nicht allzu viel sagen, man kann jedoch gewisse Schlüsse ziehen. In den Trailern tritt er als Anführer einer Gruppe von Terroristen, Söldnern, Anarchisten o.ä. auf und scheint das Werk, das Ra’s al Ghul (Liam Neeson) in „Batman Begins“ begonnen hat, zu Ende führen zu wollen: Die Zerstörung Gothams. Da ein Gastauftritt von Liam Neeson bestätigt wurde und darüber hinaus Josh Pence als „Young Ra’s al Ghul“ gecastet wurde, liegt die Vermutung nahe, dass Bane, wie Bruce Wayne auch, von der Gesellschaft der Schatten ausgebildet wurde – die beiden Versionen von Ra’s tauchen womöglich in Rückblicken auf. Möglicherweise diente die oben erwähnte Batman-Geschichte „Legacy“ als Inspiration.
Bestätigt wurde auf jeden Fall, dass Elemente von „Knightfall“ in „The Dark Knight Rises“ miteinfließen, man kann also davon ausgehen, dass Bane Batman auf irgendeine Weise brechen wird – sei es körperlich, psychisch oder beides. Um dem Titel gerecht werden zu können, muss der Dunkle Ritter ja erst einmal fallen.
In jedem Fall darf man gespannt sein, auf welche Weise Bane in „The Dark Knight Rises“ letztendlich interpretiert wird. Selbstverständlich wird dieser Artikel noch erweitert, sobald ich den Film gesehen habe.

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