Wonder Woman – Ausführliche Rezension

Achtung, Spoiler!
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Die Filme des DCEU sind ja bekanntermaßen nicht gerade Kritikerlieblinge. Wurde „Man of Steel“ noch gemischt aufgenommen, so wurden „Batman v Superman: Dawn of Justice“ und „Suicide Squad“ fast durchgehend (und nicht ganz zu Unrecht) niedergemacht. „Wonder Woman“ ist nun entweder die große Trendwende oder die große Ausnahme – das wird sich erst in den kommenden Jahren zeigen. Jedenfalls erhält das erste Leinwandabenteuer der Amazone eigentlich durchweg positive Kritiken. Wie schon bei „Batman v Superman“ und „Suicide Squad“ drängt sich auch dieses Mal wieder eine ausführliche Rezension fast schon auf. Darum wie üblich, mein kurzes, spoilerfreies Fazit, danach nehme ich keine Rücksicht mehr: „Wonder Woman“ ist mit Abstand der beste Film des DCEU. Das allein ist freilich noch nicht wirklich ein Qualitätsmerkmal, aber insgesamt empfand ich ihn als gelungen. Leider gibt es dennoch ein paar kleinere und größere Schönheitsfehler, aber unterm Strich kann sich Dianas erstes Soloabenteuer im Kino durchaus sehen lassen, nicht zuletzt dank der Chemie und Spielfreude von Gal Gadot und Chris Pine.

Handlung und Struktur
Seit Jahrtausenden leben die unsterblichen Amazonen unter dem Schutz von Zeus und der Führung ihrer Königin Hippolyta (Connie Nielsen) abgeschottet von der Menschenwelt auf der Insel Themyscira. Das einzige Kind der Insel ist Diana (zuerst Lilly Aspel und Emily Carey, später Gal Gadot), Tochter der Königin, die von ihrer Mutter behütet und beschützt wird, aber ebenfalls die Kampfkünste der Amazonen erlernen möchte. Schließlich nimmt ihre Tante Antiope (Robin Wright) Diana unter ihre Fittiche, zuerst gegen den Willen der Mutter, später mit ihrem Einverständnis. Diana wird letztendlich zur besten Kämpferin der Insel, als auch schon die Idylle gestört wird: Der junge amerikanische Pilot Steve Trevor (Chris Pine) gelangt durch Zufall durch den magischen Schutzwall, der Themyscira vor der Außenwelt schützt, gefolgt von deutschen Soldaten. Die Amazonen machen zwar kurzen Prozess mit den kaiserlichen Truppen, die Schlacht fordert allerdings das Leben von Antiope und verunsichert die Amazonen zutiefst, nicht zuletzt deshalb, weil Steve ihnen vom Ersten Weltkrieg berichtet. Könnte es sein, dass ihr alter Feind Ares, der Gott des Krieges, zurück ist? Die Amazonen sind zögerlich, doch Diana beschließt zu handeln: Sie stiehlt den „Gotttöter“, ein Schwert, das Ares angeblich vernichten kann, sowie eine zeremonielle Rüstung und das Lasso der Wahrheit und macht sich mit Steve auf in die Welt der Menschen. Kurz vor ihrer Abreise erhält sie allerdings noch den Segen ihrer Mutter.

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Die Amazonen von Themyscira: Menalippe (Lisa Loven Kongsli), Diana (Gal Gadot), Hippolyta (Connie Nielsen) und Antiope (Robin Wright, Bildquelle)

Bevor Steve Diana an die Front bringen kann, geht es jedoch zuerst nach London, wo er seinen Vorgesetzten Bericht erstatten muss, denn er hat schreckliches herausgefunden: Mithilfe der Chemikerin Isabel Maru (Elena Anaya), die den Spitznamen „Doctor Poison“ trägt, möchte der deutsche General Erich Ludendorff (Danny Huston) ein neues, extrem tödliches Gas an der Westfront entfesseln. Obwohl die britische Heeresleitung die aktuell laufenden Friedensverhandlungen mit dem deutschen Reich nicht gefährden möchte, unterstützt Sir Patrick Morgan (David Thewlis) Steves und Dianas Vorhaben, Ludendorff und Maru aufzuhalten. Zusammen mit einigen Spezialkräften begeben sie sich an die belgische Front, wo Diana die Gräuel des Krieges zum ersten Mal mit eigenen Augen sieht. Dies bringt sie zu der Überzeugung, dass es sich bei Ludendorff um Ares handeln muss; sie glaubt, ihre Mission läge klar vor ihr: Ares muss sterben, damit der Krieg endet. Ein Fest der deutschen Heeresleitung in der Nähe scheint sowohl für Steve als auch für Diana die beste Möglichkeit zu sein, ihre Vorhaben umzusetzen…

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Isabel Maru alias Doctor Poison (Elena Anaya, Bildquelle)

Rein strukturell gibt es in „Wonder Woman“ keine großen Experimente, was ich angesichts der bisherigen DCEU-Filme als sehr positiv empfinde, denn bislang hatte jeder von ihnen massive Strukturprobleme. Bei „Man of Steel“ waren es die Flashbacks, mit denen Snyder und Goyer wohl „Batman Begins“ nacheifern wollten, ihr Ziel aber weit verfehlten. „Batman v Superman“ litt vor allem unter der verstümmelten Kinofassung, doch selbst im besser ausbalancierten Extended Cut kommt es zu Längen und anderen dramaturgischen Problemen. Beide Filme leiden außerdem darunter, dass sich fast die gesamte Action im letzten Akt konzentriert. Und dann hätten wir noch „Suicide Squad“ – ich bin immer noch nicht dazugekommen, den Extended Cut dieses Films anzuschauen, aber nach dem, was ich darüber gelesen habe, ändert sich durch die zusätzlichen Szenen kaum etwas. „Suicide Squad“ dürfte der DC-Film mit dem katastrophalsten Schnitt sein, denn Warner war mit David Ayers ursprünglicher Schnittfassung nicht zufrieden und ließ von der Trailer-Firma, die den Bohemian-Rhapsody-Trailer des Films geschnitten hatte, nachbessern. Was für eine bescheuerte Idee.

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Sir Patrick Morgan (David Thewlis, Bildquelle)

„Wonder Woman“ dagegen arbeitet mit einer ganz klassischen Drei-Akt-Struktur, man merkt aber, dass Regisseurin Patty Jenkins ihr Handwerk versteht, denn schon allein dramaturgisch ist ihr Film der beste des DCEU. „Wonder Woman“ ist durchgehend spannend und es gibt eigentlich keine Längen. Die nicht gerade kurzen 141 Minuten Laufzeit vergehen wie im Flug, ohne dass die Handlung eine Bruchlandung hinlegt, wie es beispielsweise in „Batman v Superman“ der Fall war, als sich Diana auf ihrem Laptop den Quasi-Teaser für „Justice League“ ansieht. Humor und Action sind insgesamt sehr gut ausbalanciert, jeder Akt verfügt über ein größeres und durchaus beeindruckendes Action-Set-Piece – die Schlacht der Amazonen gegen die deutschen Soldaten in Akt 1, Wonder Womans Eroberung des „No Man’s Land“ in Akt 2 und der Kampf gegen Ares in Akt 3. Bei der Action bemerkt man noch den Einfluss Zack Snyders, dem sich Patty Jenkins wohl ein wenig annähern wollte oder musste: Sie macht ausgiebig Gebrauch von Zeitlupeneffekten, sodass die Kämpfe mitunter an „Watchmen“ erinnern. Mir persönlich hat tatsächlich der Amazonen-Kampf im ersten Akt am besten gefallen, Dianas Auftritt auf dem Schlachtfeld war ebenfalls gut, nur ihr Kampf gegen Ares war für meinen Geschmack zu CGI-lastig, das weckt unangenehme Erinnerungen an „Batman v Superman“ und „Suicide Squad“, wobei man diesbezüglich in den letzten Jahren einfach besseres gesehen hat. Aber das ist verzeihlich.

Setting
Beim Setting trafen Warner, Patty Jenkins und die Storyverantwortlichen Zack Snyder, Jason Fuchs und Allan Heinberg, Letzterer verfasste auch das Drehbuch, eine eher unorthodoxe Entscheidung: Sie verlegten die Handlung in den Ersten Weltkrieg. Wonder Woman debütierte bekanntermaßen in den 40ern, weshalb der Zweite Weltkrieg vielleicht die naheliegendere Wahl gewesen wäre. In den späteren Neufassungen ihrer Origin-Story (das aktuellste Beispiel stammt von Greg Rucka und wurde im Rahmen des DC-Rebirth-Events verfasst) wurde diese dann zumeist in die Gegenwart verlegt. Im DC Extended Universe scheint Wonder Woman nun jedoch das Gegenstück zu Captain America im MCU zu sein: Der chronologisch erste Superheld, dem andere nacheifern (was auch in moralischer Hinsicht ganz gut zu Diana passt, siehe unten). Der Erste Weltkrieg wurde wohl ausgewählt, um nicht allzu sehr mit „Captain America: The First Avenger“ verglichen zu werden. Außerdem meine ich gelesen zu haben, dass die Verantwortlichen auch eine zu starke Schwarz/Weiß-Perspektive vermeiden wollten – wenn Nazis vorkommen, sind sie halt die Bösen. Ich muss jedoch leider sagen, dass die Rechnung nicht wirklich aufgeht, denn der Film arbeitet zu wenig mit der gewählten Zeitperiode. Aus historischer Sicht ist „Wonder Woman“ sowieso Unsinn, schon allein weil Ludendorff erst 1937 starb, aber selbst wenn man derart Plakatives ignoriert, hätte der Film fast ebenso gut während des Zweiten Weltkriegs spielen können (mit Ausnahme des Endes und der kleinen Rolle, die ein gewisser Friedensvertrag spielt). Die beiden Unterschurken, Ludendorff und Doctor Poison, wirken wie die typischen Pulp-Nazis, die einem in der Popkultur von „Indiana Jones“ über „Hellboy“ bis zu „Captain America: The First Avenger“ überall über den Weg laufen; es fehlt lediglich die Hakenkreuz-Armbinde, denn Ludendorffs Uniform sieht schon verdammt nach Wehrmacht aus. Auch sonst sind die Deutschen primär einfach nur die Bösen – so viel also zur Schwarz/Weiß-Perspektive. Ich erwarte ja nun nicht, dass ein Superhelden-Popcorn-Film wie „Wonder Woman“ ein derart komplexes Ereignis wie den Ersten Weltkrieg völlig angemessen darstellt, aber ein bisschen mehr wäre nett gewesen, besonders, da einiges sehr gut zur Botschaft des Films gepasst hätte; etwa der Umstand, dass die anderen Parteien 1914 kaum weniger kriegslüstern waren als das Kaiserreich oder dass Hindenburg und Ludendorff gegen Ende praktisch eine Militärdiktatur etablierten. Ein paar derartige in die Handlung eingewobene Details hätten den Film und sein Setting runder gemacht.

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Erich Ludendorff (Danny Huston, Bildquelle)

Einen Aspekt möchte ich, davon fast schon unabhängig, jedoch noch hervorheben: Farben, Design und Atmosphäre. Auch diesbezüglich hatten die bisherigen DCEU-Filme massive Probleme in Form von hässlichen, hässlichen Farbfiltern. Bei „Man of Steel“ versuchte man, alles möglichst realistisch zu halten, übertrieb es dabei aber – alles war ausgewaschen und graublau. „Batman v Superman“ war zwar weniger auf Pseudorealismus aus, aber die Farbfilter waren noch stärker und irgendwann versank alles in einem schwarzgrauen Meer. „Suicide Squad“ versuchte es mit dem entgegengesetzten Ansatz und ertränkte den Zuschauer in grellen Neonfarben, die unangenehme Erinnerungen an Joel Schumacher wecken. „Wonder Woman“ fühlt sich diesbezüglich richtig an, die Farben wirken natürlich und passen. Die Paradiesinsel erstrahlt in sattem Grün, London und die Westfront sind zwar in Grau gehalten, aber es ist ein passendes, natürliches Grau, das zum Ambiente und entsprechenden Szene passt.

Diana
Im Zentrum dieses Artikels muss natürlich die Titelheldin stehen. Wonder Woman feierte ihr Debüt bereits im Jahr 1941 auf den Seiten von All Star Comics #8 und wurde von William Moulton Marston, seines Zeichens Psychologe und Erfinder des Lügendetektors (das Lasso der Wahrheit kommt nicht von ungefähr) geschaffen, der mit ihr einen Gegenentwurf zu maskulinen Helden wie Batman und Superman schaffen wollte. Mehr noch, Marston war feministischer Theoretiker und kreierte mit den Amazonen von Themyscira eine aus seiner Sicht ideale weibliche Gesellschaft. Diana, die Prinzessin der Amazon, kann praktisch als deren Höhepunkt verstanden werden, da sie von ihrer Mutter aus Lehm geformt und von den Göttern zum Leben erweckt wurde, also im Grunde ohne männliche Direktbeteiligung entstand. Insofern ist es eher fraglich, ob Marston mit dem Wonder-Woman-Film zufrieden wäre. Allerdings hat die Figur in ihrer inzwischen über fünfundsiebzigjährigen Geschichte viele Veränderungen durchgemacht, die im Kontext des Films ebenfalls berücksichtigt werden müssen.

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Diana (Gal Gadot) auf dem Schlachtfeld (Bildquelle)

Primär zwei Inkarnationen Dianas scheinen für den Ursprung der Filmversion Pate gestanden zu haben: Die New-52-Version, die vor allem von Brian Azzarello geprägt wurde, und die animierte Verkörperung aus der Serie „Justice League Animated“. Die Film-Wonder-Woman ist ebenso wie die New-52-Wonder-Woman keine lebendig gewordene Lehmfigur, sondern eine Tochter des Zeus – die Lehmgeschichte ist lediglich Tarnung, um Dianas wahre Herkunft zu verschleiern. In beiden Fällen ist das keine willkürliche Änderungen, sondern ein wichtiges Handlungselement: Hier ist Diana der eigentlich „Gotttöter“, die lebendige Waffe, die Ares aufhalten kann. Natürlich hätte dieser Plottwist auch mit der ursprünglichen Origin umgesetzt werden können – Zeus verleiht der aus Lehm geformten Diana Leben, um sie als Waffe gegen Ares einzusetzen (wobei die klassische Zeugung aus Zeus‘ Perspektive natürlich ansprechender gewesen sein dürfte). Es hätte allerdings noch schlimmer kommen können, denn man hätte auch Ares zum leiblichen Vater machen und einen Vader-Plottwist einbauen können. In der bereits erwähnten aktuellsten Neuerzählung von Wonder Womans Ursprüngen wurde die New-52-Anpassung rückgängig gemacht, in den Comics ist sie damit wieder eine Lehmgeburt.

Wenden wir uns nun Dianas Aufbruch zu: In ihrer klassischen Origin-Stroy wird nach dem Eintreffen von Steve Trevor ein Wettbewerb abgehalten, bei dem entschieden wird, welche der Amazonen ihn in die „Welt der Männer“ zurückbegleitet. Gegen den Willen ihrer Mutter nimmt Diana teil und gewinnt, sodass sie als Botschafterin ausgewählt wird. In der Justice-League-Zeichentrickserie dagegen kommt Steve Trevor in diesem Kontext ebenso wenig vor wie der Wettbewerb, stattdessen greifen Aliens die Erde an und Diana stiehlt Lasso und Rüstung, um gegen den Willen ihrer Mutter die Erde zusammen mit der Justice League vor den Invasoren zu schützen. Die Folgen dieser Tat werden in späteren Episoden der Serie verarbeitet, sodass Diana dann letztendlich doch auch offiziell als Botschafterin fungieren kann. Ähnlich verhält es sich im Film; natürlich ist Steve Trevor beteiligt, aber auch hier stiehlt Diana Lasso und Rüstung, um gegen den Willen Hippolytas das zu tun, was sie für richtig hält.

Noch wichtiger als die Origin Story ist selbstverständlich die eigentliche Interpretation von Diana. Wir sehen diese Inkarnation von ihr zwar nicht zum ersten Mal, schließlich debütierte sie bereits in „Batman v Superman: Dawn of Justice“, in diesem Film bekam sie allerdings nicht sehr viel Raum zur Entfaltung und man erfuhr nicht besonders viel über sie. Zudem liegen zwischen „Batman v Superman“ und der Haupthandlung von „Wonder Woman“ über neunzig Jahre. Ein weiterer Grund, weshalb „Wonder Woman“ der beste DCEU-Film ist, findet sich in Dianas klarer, nachvollziehbarer Entwicklung über den Verlauf des Films. Ich möchte an dieser Stelle noch einmal eine Parallele zu Captain America ziehen: Sowohl Diana als auch Steve Rogers sind keine Figuren, die sich wirklich zu Helden entwickeln müssen, wie etwa Tony Stark oder Bruce Wayne. Die heroische Grundhaltung besitzen sie von Anfang an. Stattdessen müssen beide lernen, wie sie diese heroische Grundhaltung sinnvoll einsetzen. Gerade diesbezüglich unterscheidet sich Diana von den anderen Heroen des DCEU. Zack Snyders Versionen von Batman und Superman sind bestenfalls wiederwillige Helden und schlimmstenfalls rücksichtslose Heuchler. Wonder Woman, zumindest Patty Jenkins‘ Wonder Woman, folgt nicht diesem Konzept. Man könnte fast schon von einer Rückbesinnung auf den klassischen DC-Helden sprechen. Vor allem zwischen den 40ern und 60ern waren die DC-Helden eher moralische Vorbilder, zu denen man aufschaute, während die Marvel-Helden menschlicher und alltäglicher waren, sodass man sich mit ihnen identifizieren konnte. Das bedeutet nicht, dass Wonder Woman in diesem Film allzu abgehoben wäre, aber sie ist nicht gebrochen oder ständig geplagt von Selbstzweifeln, sie ist ehrlich, aufrichtig, neugierig und hat Spaß an ihrer Existenz – Eigenschaften, die man in den ewig grimmigen Snyder-Filmen kaum findet. Mehr noch, sie wirkt auf positive Art überlebensgroß, eine klassische Heldin, die nicht fragt, ob sie eine Heldin sein soll oder nicht, sondern die einfach aufrichtig Menschen helfen möchte – vor allem die Szenen im Schützengraben sind da exemplarisch. Was früher langweilige Norm war, wird nun wieder erfrischend, weil es in den letzten Jahren fast nur noch geplagt Selbstzweifler als Superhelden gab. Was lernen wir daraus? Abwechslung ist der richtige Weg. Dass das alles so exzellent funktioniert liegt natürlich auch an Gal Gadot, die nun bewiesen hat, dass sie einen Film problemlos tragen kann. Ja, ihr Auftritt in „Batman v Superman“ war cool, aber er hat ihr nicht gerade viel abverlangt. Die wirkliche Leistung erbringt sie in „Wonder Woman“. Man merkt, wie involviert und leidenschaftlich sie ist – sie weiß, dass das mit großer Wahrscheinlichkeit die Rolle ist, wegen der man sie im Gedächtnis behalten wird.

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Das, äh, Wonder-Team? Sameer (Saïd Taghmaoui), Steve Trevor (Chris Pine), Diana (Gal Gadot), Chief (Eugene Brave Rock) und Charlie (Ewen Bremner, Bildquelle)

Wie fast jeder Superheldenfilm folgt auch „Wonder Woman“ der klassischen Heldenreise. Schon im Konzept der Figur gibt es da die eine oder andere interessante Variation. Normalerweise bricht der Held aus der profanen Welt in die Welt des Mythos auf. Bei Diana ist es umgekehrt: Sie lebt in der Welt des Mythos, für sie wartet das Abenteuer in der profanen Welt. Wie nicht anders zu erwarten rührt der Humor des Films deshalb zum Großteil aus der Konfrontation Dianas mit der Menschenwelt des frühen zwanzigsten Jahrhunderts her. Interessanterweise spielt der Status der Frau in dieser Ära dabei eine eher untergeordnete Rolle. Zwar gibt es den einen oder anderen Seitenhieb, gerade im Dialog zwischen Diana und Etta Candy (Lucy Davis), aber davon abgesehen ist „Wonder Woman“ diesbezüglich geradezu zahm, obwohl die Zeit Derartiges fast schon provoziert. Ein interessantes Gegenstück wäre in mehr als einer Hinsicht der Wonder-Woman-Animationsfilm aus dem Jahr 2009, der Dianas Origin Story ins 21. Jahrhundert verlegt, die Stellung der Frau (und Dianas Irritation über das Verhalten der Frauen in der „Männerwelt“) aber in weit größerem Ausmaß thematisiert. In diesem Film ist auch ihr ursprünglicher Hintergrund intakt (Lehmgeburt, Wettkampf etc.).

Steve
Eine weitere Säule dieses Films ist Chris Pine, der ebenfalls einen großen Teil zum Gelingen von „Wonder Woman“ beiträgt. Die Chemie zwischen ihm und Gal Gadot stimmt einfach, anders als es zum Beispiel bei Henry Cavill und Amy Adams in „Man of Steel“ der Fall war – deren Beziehung war nie greifbar, sie haben sich am Ende geküsst, weil es im Drehbuch stand, aber nicht weil sie sich als Charaktere zu diesem Punkt hinentwickelt hätten. Ganz anders Chris Pine und Gal Gadot, deren Interaktion immer authentisch und nachvollziehbar wirkt und die sich ihre Filmromanze verdient haben. Ähnliches lässt sich auch über die anderen Nebenfiguren wie Chief (Eugene Brave Rock), Sameer (Saïd Taghmaoui) und Charlie (Ewen Bremner) sagen, die einen Grad an Authentizität und Einprägsamkeit mitbringen, den man bei den DC-Nebenfiguren bislang vermisst hat.

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Steve Trevor (Chris Pine, Bildquelle)

Steve Trevors Rolle als Love Interest ist allerdings fast schon zweitrangig. Im Vorfeld gab es Bedenken, Steve Trevor könnte als eigentlicher Held des Films inszeniert werden, während die Titelheldin zur zweiten Geige degradiert wird. Der eine oder andere Kritiker scheint sogar der Meinung zu sein, dass dem so ist, ich würde diesem Urteil allerdings widersprechen. Wenn wir noch einmal zur Heldenreise zurückkehren, dann ist Steve Trevor nicht einfach nur Love Interest, sondern auch Mentor Dianas. Ihre erste Mentorenfigur ist freilich nicht schwer auszumachen: Antiope bringt ihr das Kämpfen bei und stirbt dann auch schon im ersten Akt. Ab diesem Zeitpunkt übernimmt Steve die Rolle des Mentors, er bringt Diana in die Menschenwelt und schließlich an die Front. Er ist aber vor allem deshalb für Dianas Entwicklung unerlässlich, weil er ihr durch Worte und Taten zeigt, wie es um das Wesen der Menschen bestellt ist. Im zweiten Akt folgt Diana stur ihrer Mission: Sie glaubt, dass Ares die Gestalt von Ludendorff angenommen hat und sie ihn töten muss, um den Krieg zu beenden. Als sie Ludendorff dann tötet und er sich als normaler Mensch entpuppt, ist es Steve, der ihr zeigt und erklärt, womit sie eigentlich zu kämpfen hat. Da er aber kein klassischer Mentor á la Dumbledore oder Gandalf ist, durchläuft auch er einen Lernzprozess und beginnt, vorgefertigte Meinungen zu hinterfragen. Dennoch, wie es sich für einen guten Mentor gehört, opfert sich Steve letztendlich, damit Diana erkennt, wie und warum sie zur Heldin geworden ist – erst ab diesem Moment wird sie wirklich zu Wonder Woman. Die Erkenntnis (Liebe allein kann das Böse nicht vernichten, aber sie ist es wert, dafür zu kämpfen) selbst scheint dabei verhältnismäßig plakativ zu sein, spricht aber eher für einen Kompromiss als für die Philosophie der Extreme, die die bisherigen DCEU-Filme vertraten. Mich hat das ein wenig an Visions Erkenntnis am Ende von „Avengers: Age of Ultron“ erinnert.

Ares
Es heißt immer, das größte Problem der MCU-Filme seien die Schurken, aber ehrlich gesagt ist dieses Problem beim DCEU sogar noch größer. General Zod hatte ein paar interessante Ansätze, die aber im Sand verliefen, Lex Luthor war komplett für die Tonne und über die Enchantress reden wir besser gar nicht erst. Leider sind auch in „Wonder Woman“ die Schurken eher problematisch. Wie ich bereits erwähnte, sind sowohl Ludendorff als auch Doctor Poison im Grunde ziemlich langweilig. Ares ist interessanter – nicht unbedingt gelungen, aber interessanter. Letztendlich stellt sich heraus, dass nicht Ludendorff, sondern der von David Thewlis gespielte Sir Patrick Morgan tatsächlich der Gott des Krieges ist. Ares ist ein klassischer Wonder-Woman-Gegner und bei diesem Setting drängt er sich geradezu auf. Jenkins und Co. versuchen allerdings, ihn eher unkonventionell aufzuziehen. Normalerweise wird Ares durch Krieg stärker – ich verweise abermals auf den Wonder-Woman-Animationsfilm. Die Philosophie, die Ludendorff erläutert, kurz bevor Diana ihn aufspießt, DAS ist die Geisteshaltung des Comic-Ares. Die Filmversion dagegen scheint sich eher bei Magneto und Ra’s al Ghul inspiriert zu haben und verachtet die Menschheit für ihre Kriege, statt stärker zu werden. Ab hier werden Motivation und Absicht allerdings etwas schwammig, obwohl er nach bester Schurkentradition einen Monolog hält. Das Endziel ist wohl die Menschheit endgültig auszurotten. Mir gefällt die Idee, dass Ares die Menschen nicht tatsächlich zum Krieg zwingt, sondern ihnen lediglich die Ideen für Waffen u.ä. eingibt, aber was er dann genau zu erreichen versucht ist nicht so ganz klar. Man könnte vermuten, dass das eine Art „Foreshadowing“ auf den Zweiten Weltkrieg sein soll – Ares will ja tatsächlich, dass der Friedensschluss vonstattengeht, dass es aber ein inakzeptabler Friede wird – klingt nach dem Versailler Vertrag, der dann zum Entstehen des Dritten Reiches und dem Zweiten Weltkrieg zumindest beiträgt. Ares‘ Motivation, Absicht und Handlungen greifen alle nicht so recht ineinander – der klassische Ares hätte hier wohl besser funktioniert. Alternativ hätte man sich auch am New-52-Ares orientieren können, der aus den unpersönlichen Kriegen der Moderne keine Kraft mehr schöpfen kann, seine Stellung als Kriegsgott leid ist und die Menschheit deshalb vernichten will – denn solange es Menschen gibt, wird es auch Kriege geben. Letztendlich wird Ares Diana untergeordnet; er fungiert primär als Vehikel, damit sie ihre endgültige Lektion über Natur und Wert der Menschen lernen kann.

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Ares in den Comics (Bildquelle)

In diesem Zusammenhang sollte das Setting noch einmal erwähnt werden. Ich fand es gut, dass Ares‘ Deckidentität britisch ist und er nicht einfach nur der Drahtzieher hinter den Deutschen ist. Zugleich hätte der Film diese Inhalte noch weit besser vermitteln können, hätte er die Deutschen etwas differenzierter dargestellt – etwa ein Ludendorff, der kein Superdrogen schnüffelt und einfach alles sinnlos mit Gas niedermähen möchte. Mit Ares‘ Inszenierung bin ich auch nicht wirklich einverstanden. David Thewlis macht sich gut als Tarnidentität, aber muss der Gott des Krieges wirklich noch sein Gesicht haben, nachdem er seine wahre Gestalt angenommen hat? Das wirkt ziemlich lächerlich, ich hätte hier den klassischen Ares-Look mit nicht sichtbarem Gesicht und rot leuchtenden Augen definitiv bevorzugt.

Fazit
Im Großen und Ganzen ist „Wonder Woman“ der erste Film des DCEU, den ich als gelungen bezeichnen würde. Es gibt diverse Schwächen, die ihn etwas herunterziehen, vor allem die Schurken und mangelnde Sensibilität für das Setting und die Mythologie der Figur. Die gelungene Darstellung der Titelheldin und die Chemie zwischen Gal Gadot und Chris Pine wiegen allerdings einiges wieder auf. Wichtiger noch: „Wonder Woman“ trifft den richtigen Ton. Seit „The Dark Knight“ scheint die DC-Prämisse „düsterer und ernster“ zu sein – die Filme des DCEU scheiterten allerdings daran, das auch passend umzusetzen und die Prämisse nicht zum Selbstzweck verkommen zu lassen. „Wonder Woman“ gelingt die richtige Balance, düster und grimmig wenn nötig, hoffnungsvoll und optimistisch wo angebracht. Patty Jenkins kopiert nicht einfach nur die Formel der MCU-Filme, noch macht sie dieselben Fehler wie Zack Snyder – sie zeigt, wie die DCEU-Filme eigenständig funktionieren können. Hoffen wir, dass Warner Bros. aufgepasst hat.

Trailer

Titelbildquelle

Siehe auch:
Wonder Woman (Animationsfilm)
Brian Azzarellos Wonder Woman
Batman v Superman: Dawn of Justice – Ausführliche Rezension
Suicide Squad – Ausführliche Rezension

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Star Trek Into Darkness

IntoDarkness
Story: Nach einer missglückten Mission wird Captain James T. Kirk (Chirs Pine) suspendiert und die Mannschaft der Enterprise scheinbar auseinandergerissen. Doch schon bald ändern sich die Dinge, denn der Terrorist John Harrison (Bedendict Cumberbatch) schlägt mehrfach zu, wobei Kirks Mentor Admiral Pike (Bruce Greenwood) stirbt, und flüchtet anschließend in das klingonische Hoheitsgebiet. Nicht nur Kirk, sondern auch dessen Vorgesetzter Admiral Marcus (Peter Weller) sinnt auf Rache. Und so hat die Enterprise, erneut unter Kirks Kommando, eine neue Mission: Harrison finden und töten…

Kritik: Da es nur sehr schwer möglich ist, „Star Trek Into Darkness“ zu rezensieren, ohne den entscheidenden Twist zu verraten, enthält dieses Review massive Spoiler.
J. J. Abrams‘ Version des Star-Trek-Universums geht weiter. Wer schon mit dem ersten Film nichts anfangen konnte und die ruhige, philosophische Seite an Star Trek schätzt, wird „Star Trek Into Darkness“ noch weniger abgewinnen können, denn die Tendenzen, die die den ersten Teil beim Mainstream interessant machten und viele alteingesessene Trek-Fans massiv störten, haben sich noch verstärkt. „Into Darkness“ ist größer, lauter und bombastischer als der Vorgänger und hat ein enormes Tempo, das konsequent durchgehalten wird; Action und Effekte sind nach wie vor vom Feinsten.
Im Großen und Ganzen ist „Into Darkness“ ein wirklich gelungenes Sequel, das allerdings zwei größere Schwächen besitzt. Zuerst allerdings zu den Stärken.
Anstatt einfach ein neues Abenteuer der Enterprise zu schildern, bemühen sich Abrams und seine Drehbuchautoren, die Figuren konsequent weiterzuentwickeln. Kirk ist nicht einfach wieder derjenige, der er zu Beginn des letzten Films war, man merkt, dass er die Ereignisse von „Star Trek“ verarbeitet und aus ihnen gelernt hat, ohne, dass diese direkt referenziert werden müssten. Ebenso beginnt Spock seine Haltung zu überdenken und es kommt zur Beziehungskrise mit Uhura (Zoe Saldana). Nach wie vor schaffen es eigentlich alle Darsteller, ihre Figuren glaubhaft, sympathisch und mit einem Augenzwinkern darzustellen.
Ebenso gelungen sind die politischen Untertöne. Es wird durchaus infrage gestellt, ob bzw. inwieweit die Föderation „nur“ eine Armada zur Friedenssicherung ist oder doch eine Streitmacht. Admiral Marcus ist diesbezüglich die interessanteste Figur, und erfreulicherweise wird dieser Konflikt am Ende des Films auch nicht gelöst, stattdessen deutet vieles darauf hin, dass er im nächsten Film noch eine bedeutende Rolle spielen wird.
Die größte Schwäche des Vorgängers war der Schurke: Nero war trotz eines gut aufgelegten Eric Bana irgendwie langweilig. Um den vorzubeugen wählte Abrams dieses Mal den größten Schurken des Star-Trek-Universums: John Harrison ist niemand anderes als Khan Noonien Singh. Zur Schauspielerwahl kann man Abrams nur gratulieren: Benedict Cumberbatch verkörpert ihn großartig. Obwohl er Ricardo Montalbán, der Khan in „Der Zorn des Kahn“ spielte, nicht wirklich ähnlich sieht und ihn auch nicht imitiert, besitzt er doch eine vergleichbare, beeindruckende Präsenz. Prinzipiell ist Khan sehr viel interessanter und charismatischer als Nero, dennoch liegt eines der Probleme von „Into Darkness“ beim Schurken: Er hat zu wenig Leinwandzeit. Khan hat enormes Potential, das allerdings kaum ausgeschöpft wird; da wäre sehr viel mehr drin gewesen.
Das Hauptproblem des Films liegt allerdings am Finale. In diesem wird der emotionale Höhepunkt von „Der Zorn des Khan“ mit umgekehrten Rolle nachempfunden. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich „Der Zorn des Khan“ noch nicht gesehen (das habe ich erst einige Tage nach dem Kinobesuch nachgeholt), und trotzdem waren selbst für mich die Parallelen überdeutlich. Das Ganze wirkt letztendlich fürchterlich erzwungen und unkreativ. Selbst die Schlussszene ist, bis auf die Anwesenheit von Carol Marcus (Alice Eve), fast mit der von Abrams‘ erstem Star-Trek-Film identisch, sodass es beinahe scheint, als ob Abrams und Co. nicht eingefallen wäre, wie sie den Film passend beenden sollten.
Fazit: Bis auf den Schluss gelungene Fortsetzung von J. J. Abrams‘ „Star Trek“, die dem Vorgänger allerdings nicht ganz das Wasser reichen kann.

Trailer

Siehe auch:
Star Trek

Star Trek

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Story: Im Jahr 2233 rettet George Kirk (Chris Hemsworth) die Besatzung der USS Kelvin, einschließlich seiner Frau und seines neugeborenen Sohns, und lässt dabei sein Leben. Gut zwanzig Jahre später ist besagter Sohn, James Tiberius Kirk (Chris Pine) zu einem Tunichtgut herangewachsen, der sich allerdings besinnt und nach einem eindringlichen Gespräch mit Sternenflotten-Captain Christopher Pike (Bruce Greenwood) schließlich ebenfalls der Sternenflotte beitritt.
Bei seinem ersten Einsatz auf der USS Enterprise, an dem er allerdings nicht ganz legal und nur dank der Hilfe seines Freundes Leonard McCoy (Karl Urban) teilnimmt, werden er und die Mannschaft mit dem Romulaner Nero (Eric Bana) konfrontiert, der verlangt, dass ihm Botschafter Spock ausgeliefert wird. Besagter Spock (Zachary Quinto) ist der erste Offizier der Enterprise, hat Nero allerdings noch nie getroffen. Die Situation eskaliert schließlich und nicht nur Spocks Heimatplanet Vulkan, sondern die gesamte Föderation ist in Gefahr…

Kritik:
Unglaublich, aber wahr: Mit Star Trek als Franchise konnte ich nie allzu viel anfangen (andererseits, angesichts des Mangels an Artikeln vielleicht doch nicht so unglaublich). Ich habe durchaus in jungen Jahren hin und wieder mal eine Folge der diversen Serien gesehen, aber es hat mich niemals gepackt und für sich vereinnahmen können, Star Wars war immer interessanter. Erst J. J. Abrams‘ Quasi-Reboot des Franchise hat es mir angetan. Besagter Film von 2009, nach zehn Star-Trek-Kinofilmen mit diversen Untertiteln, von „The Motion Picture“ bis „Nemesis“, firmiert nun wieder unter dem schlichten Titel „Star Trek“, um den Neuanfang zu symbolisieren.
Gerade bei den alten Filmen und Serien ist der Zugang für Nichtfans (zu denen ich mich hier ebenfalls zähle) recht schwierig, da sie eine gewisse Mainstreamunfreundlichkeit besitzen, anders als etwa Star Wars. Gerade das, was die Fans am Franchise schätzen, macht es Nichtfans schwierig, sich für es zu begeistern. Somit ist J. J. Abrams Herangehen, je nach Sichtweise, entweder wirklich gut gelungen oder eben völlig misslungen. Abrams selbst ist kein Trek-Fan und seine Version von Star Trek deshalb ziemlich mainstreamtauglich, Action, Dynamik und Bildsprache erinnern mitunter eher an Star Wars denn Star Trek. Und in der Tat gefiel Ambras‘ „Star Trek“ den Massen und den Kritikern, während viele Fans genau das vermissen, was das Franchise für sie ausmacht. Als jemand, der ebenfalls in vielen Franchises unterwegs ist und etwas ähnliches bereits mehr als einmal erlebt hat, kann ich das durchaus nachempfinden, allerdings teile ich diese Ansicht nicht. Und immerhin, zu Abrams‘ Verteidigung muss man sagen, dass er und seine Drehbuchautoren einiges getan haben, um die Fans nicht zu verärgern. Sie haben extra dafür gesorgt, dass ihre Version von Star Trek ganz eindeutig in einem alternativen Universum spielt, sodass das „alte“ Star Trek nicht einfach überschrieben wird. Dadurch konnten sie sich im Umgang mit Figuren und Ereignissen auch sehr viel mehr Freiheit nehmen. Viele Fans fanden diesen Umstand natürlich wiederrum ebenfalls verwerflich…
Im Großen und Ganzen ist „Star Trek“ für mich ein rundum gelungener Popcorn-Sci-Fi-Film, und da das alles war, was ich von ihm erwartet habe (wenn nicht sogar weniger) hat er mit äußerst gut gefallen. Selbstverständlich ist auch dieser Film nicht ohne Schwächen; der Zeitreiseplot ist nicht immer ganz logisch und vor allem im zweiten Akt wird der Zufall schon ein wenig zu sehr bemüht: Spock setzt Kirk ausgerechnet auf dem Planeten aus, auf dem Nero den alten Spock ausgesetzt hat und auf diesem Planeten ist auch zufällig noch Scotty; im weiteren Verlauf fallen sämtliche höheren Offiziere der Enterprise schlagartig aus, sodass die Figuren der Originalserie ihre angestammten Plätze einnehmen können etc. Ebenso sind einige von J. J. Abrams Lieblingsstilmitteln hin und wieder ein wenig nervig, vornehmlich der übertriebene Einsatz der Wackelkameras und die Lens Flares.
Davon einmal abgesehen weiß „Star Trek“ aber völlig zu überzeugen: Der Film ist optisch überwältigend, wird niemals langweilig oder dröge und ist wunderbar ausgewogen: Action, Humor und Drama sind alle im nötigen Ausmaß vorhanden und werden von Michael Giacchinos mitreißender Musik unterlegt.
Darüber hinaus sind die Figuren und ihre Schauspieler alle hervorragend: Egal ob Chris Pine als Kirk, Zachary Quinto als junger Spock, Leonard Nimoy als alter Spock, Zoe Saldana als Nyota Uhura, Karl Urban als Leonard McCoy oder, oder, oder… Alle Charaktere sind sympathisch und mitunter recht selbstironisch angelegt, was ihnen nur gut tut. Lediglich Nero, der Schurke, ist ein wenig enttäuschend und trotz tragischer Hintergrundgeschichte irgendwie blass. Dennoch hat Eric Bana sichtlich Spaß dabei, ihn darzustellen.
Fazit: Gelungener Reboot das Star-Trek-Franchise, auch (bzw. gerade) für diejenigen geeignet, die mit dem Original nichts anfangen konnte.

Trailer

Siehe auch:
Star Trek Into Darkness