Marvel-Musik Teil 3: Marvel Cinematic Universe

Nachdem ich im letzten Artikel die drei Iron-Man-Filme separat behandelt habe, folgen nun die restlichen MCU-Filme, mit einer Ausnahme: „The Incredible Hulk“ werde ich außen vor lassen, allerding nicht, weil mir Greg Armstrongs Musik nicht gefallen würde, sondern weil ich mich kaum mit ihr beschäftigt habe und der Erwerb des Soundtrack-Albums ziemlich teuer wäre. Eines allerdings weiß ich: Von Armstrongs musikalischem Material findet sich in den anderen Filmen nichts.

Patrick Doyle

Im Vorfeld des ersten Thor-Films war ich der Meinung, dass Patrick Doyle sich ziemlich gut als Komponisten für den Donnergott eignen würde. Seine Musik für das Harry-Potter-Franchise hat mir, für sich betrachtet, ziemlich gut gefallen, im Kontext der Filme war sie mir allerdings zu opulent. Für Thor und die nordischen Götter dagegen kann es nicht opulent genug sein, da diese bekanntlich keine halben Sachen machen. Dummerweise hatten die Marvel-Studios allerdings etwas anderes im Sinn. Man kann wohl getrost davon ausgehen, dass Patrick Doyle sicher nicht die Musik für diesen Film geschrieben hätte, wäre er nicht Kenneth Branaghs Wahlkomponist. Allerdings verlangte das Studio einen moderneren Soundtrack, was im Klartext bedeutete, dass Doyle die Stilmittel von Hans Zimmers Remote-Control-Studio adaptieren musste. Ich hatte mich ja an anderer Stelle darüber ausgelassen, wie schade ich es finde, dass die moderne Filmmusik durch den Einsatz übermäßiger Elektronik, gleichförmiger Ostinati und Drumloops so vereinheitlicht wird. Das, was Patrick Doyle letztendlich abgeliefert hat, ist erfreulicherweise mehr als funktional, der Soundtrack zu „Thor“ ist sogar ziemlich gut gelungen, allerdings trotz und nicht wegen der RCP-Stilmittel. Das liegt vor allem daran, dass Doyle es geschafft hat, den emotionalen Kern des Films musikalisch darzustellen.
Je nachdem, wen man fragt, hat der Film entweder ein oder zwei Hauptthemen. Ich persönlich habe es meistens als ein Thema für den Titelhelden wahrgenommen, dass in zwei unterschiedlichen Ausprägungen vorhanden ist, aber andere Rezensenten identifizieren zwei Themen, das Thor-Thema und das Brüder-Thema, die dann allerdings ziemlich eng verwandt sind. Wie dem auch sei, auf jeden Fall erfüllet der leitmotivische Kern seine Aufgabe voll und ganz. Es gibt noch einige sekundäre Themen, etwa für Asgard und Odin, ein eigenes Thema für Loki fehlt allerdings.
Doyles Actionmusik ist leider nicht so imposant wie die von „Harry Potter und der Feuerkelch“, aber immerhin durchaus funktional. Am besten ist dieser Score allerdings in den emotionalen und leitmotivisch geprägten Szenen, etwa wenn der sterbliche Thor nach dem Hammer greift und sein Thema erklingt, das Hoffnung und Verzweiflung zugleich ausdrückt. Somit ist Doyles Soundtrack sehr gut gelungen, auch wenn ich nach wie vor der Meinung bin, dass er mit weniger RCP-Stilmitteln noch besser geworden wäre.

Alan Silvestri

Die Verpflichtung von Alan Silvestri war aus zwei Gründen äußerst erfreulich für mich. Zum einen wurde er nicht nur für „Captain America: The First Avenger“ verpflichtet, sondern auch gleich für „The Avengers“, womit immerhin ein minimales Ausmaß an Kontinuität entstand. Außerdem passt Silvestri seinen Stil erfreulicherweise nicht an modernes Blockbuster-Scoring an. Vor allem seine Musik zum ersten Captain-America-Film ist ein wunderbar altmodischer Abenteuer-Soundtrack, der perfekt zum Film und zur Figur passt. Gerade das Titelthema ist eingängig, markant und patriotisch (was für diese Figur ein Muss ist), wenn es nach mir ginge, hätte Silvestri es zwar noch ein wenig öfter verwendet, aber sei’s drum.
Für „The Avengers“ verwendete Silvestri schließlich eine leicht modernisierte Fassung des Captain-America-Sounds, die ebenfalls gut funktioniert. Leider bleibt Silvestris zweiter MCU-Soundtrack hinter seinen Möglichkeiten zurück. Die Old-School-Actionmusik ist sehr unterhaltsam, aber vor allem auf leitmotivischer Ebene könnte die Avengers-Musik besser sein. Das Tesserakt-Motiv und der Captain-America-Marsch werden weiterverwendet, allerdings in verhältnismäßig geringem Ausmaß. Hinzu kommen zwei neue Themen, eines für Black Widow und eines für die Avengers selbst. Letzteres ist natürlich auch das Hauptthema des Scores, und Silvestri baut in der ersten Hälfte vor allem auf, macht hier und dort ein paar Andeutungen, bevor es mehrmals vollständig während des Finale erklingt. Silvestri arbeitet gut mit ihm, aber leider ist das Thema selbst nur in Ordnung und ist um einiges schwächer als der Captain-America-Marsch oder das heroischen Thema aus „Die Mumie kehrt zurück“. Vor allem ist es schade, dass Silvestri keinem der anderen Helden außer Black Widow und Captain America ein Thema zugewiesen oder, noch besser, leitmotivisches Material aus den anderen Scores des MCU verwendet hat. Gerade Doyles Thor-Thema hätte sich sehr gut geeignet.
Dennoch bringt Silvestri ein wenig dringend benötigte Kontinuität ins Marvel Cinematic Universe, auch wenn seine Avengers-Musik hinter den Erwartungen zurückbleibt.

Brian Tyler

Für den zweiten Thor-Film wollte Regisseur Alan Taylor ursprünglich Carter Burwell verpflichten, eine sowohl interessante als auch ungewöhnliche Wahl, da Burwell im Superheldenbereich bisher noch nichts komponiert hatte, auch wenn er 2012 bewies, dass er in der Lage ist, imposante Actionmusik zu schreiben (und das noch dazu ausgerechnet mit „Breaking Dawn Teil 2“). Allerdings kam es zwischen Burwell und Marvel zu kreativen Differenzen, weshalb ihn das Studio verhältnismäßig kurzfristig durch Brian Tyler ersetzte. Das ist nun alles andere als eine innovative Wahl, aber andererseits bewies Tyler ja bereits mit „Iron Man 3“, dass sein Stil gut ins Marvel-Universum passt. Auf diesem Score baut er auch weiter auf; für die Musik von „Thor: The Dark World“ gilt letztendlich dasselbe wie für „Iron Man 3“: Im Grunde handelt es sich um eine besser orchestrierte Version des Hans-Zimmer-Action-Sounds von früher, bevor er sich verstärkt dem Minimalismus zuwandte. Tylers zweiter Marvel-Score ist dem ersten sehr ähnlich, allerdings verzichtet er hier zum Großteil auf die elektronischen Elemente und erhöht stattdessen die Bombast-Zufuhr. Leider entschloss sich auch Tyler wieder, das leitmotivische Material seines Vorgängers zu ignorieren. Das Hauptthema dieses Films ist sowohl schwächer als Tylers Iron-Man-Thema als auch als Doyles Thor-Thema, welches eine emotionale und noble Komponente besaß, die hier fehlt. Tylers Thema ist letztendlich nicht schlecht, aber eben eine relativ stereotype, vom Chor dominierte Powerhymne. Dafür ist die Verknüpfung zu den anderen Themen dieses Films allerdings sehr gelungen, denn das Hauptthema fungiert sowohl als Thema für Thor als auch für Asgard. Wenn es Thors Handlungen untermalt, wird ihm noch eine Fanfare vorangestellt. Darüber hinaus sind auch die Themen von Odin und Loki eng mit dem Asgard-Thema verwandt und drücken so die Verbindungen zwischen den Figuren aus.
Für Leitmotiv-Fanatiker wie mich gibt es darüber hinaus noch ein kleines Easter-Egg: In der Szene, in der Loki Captain Americas Gestalt annimmt, zitiert Tyler kurz das dazu passende Thema von Silvestri (im Track An Unlikely Alliance). Das unterstreicht nicht nur den komödiantischen Effekt der Szene, sondern erfreut mich dazu noch ungemein, weil es noch ein bisschen mehr leitmotivische Kontinuität schafft.

Henry Jackman
Anmerkung: Da die Gema mal wieder übereifrig war, finden sich auf youtube keine Einzestücke aus Jackmans Score.
Als ich erfuhr, wer „Captain America: The Winter Soldier“ vertonen würde, war ich ziemlich enttäuscht, da ich gehofft hatte, dass Alan Silvestri ein weiteres Mal für Cap komponieren würde. Henry Jackman gehört zu den Hans-Zimmer-Schülern und hat sich bisher vor allem durch Musik für Animationsfilme hervorgetan, auch wenn er mit „X-Men: First Class“ schon Superheldenerfahrung sammeln konnte. Die First-Class-Musik war zwar nicht grandios, aber doch immerhin ziemlich unterhaltsam. Selbiges lässt sich leider nicht über den Score von „The Winter Soldier“ sagen, der sich zusammen mit Ramin Djawadis Iron-Man-Musik ganz unten in meiner Rangfolge der Marvel-Soundtracks befindet. Mit dieser Meinung stehe ich unter Filmmusikkritikern absolut nicht allein da, allerdings lässt sich bei Filmkritikern interessanterweise Gegenteiliges feststellen: Viele, die sonst nie oder zumindest selten etwas zur Musik schreiben, hoben Jackmans Score positiv hervor und behaupteten, er bringe frischen Wind in die Superheldenmusik, was ich absolut nicht nachvollziehen kann. Jackamns Musik ist bestenfalls anonyme Dutzendware und schlimmstenfalls geradezu unhörbar. Abermals verwirft Jackman das Thema des Vorgängerfilms, wobei dies hier nicht vollständig zutrifft: Silvestris Thema wird zu Beginn des Films einmal kurz eingespielt, dieser Einsatz findet sich aber nicht auf dem Album (immerhin, damit ist Captain America der einzige Marvel-Held, der ein Thema besitzt, das in jedem Film, in dem er in irgend einer Form vorkommt, auch wenigstens einmal gespielt wird).
Im Großen und Ganzen besteht dieser Soundtrack aus drei Bestandteilen: Typische RCP Actionmusik, die stark an Zimmers Dark-Knight-Trilogie erinnert (mit anderen Worten: Viel Wummern und Dröhnen), einige ruhigere und/oder heroische Momente, die wie eine verwässerte Version des Silvestri-Sounds klingen, und dazwischen einiges an völlig unhörbarem Schurkenmaterial. Gerade der Umgang mit der „Musik“ des titelgebenden Winter Soldier erinnert stark an das, was Zimmer für den Joker komponiert hat. Wie Zimmer hat Jackman die Winter-Soldier-Musik als Werbe-Gimmick verwendet, sie sei neu, experimentell und grandios. Der Track The Winter Soldier besteht in der Tat ausschließlich aus Jackmans Winter-Soldier-Material, das sich vor allem aus migräneerzeugendem Electro-Dubstep-Lärm zusammensetzt. Glücklicherweise kommt im Film selbst nur sehr wenig von diesem Material vor, die Auftritte des Winter Soldiers werden zumeist von etwas begleitet, das nach einem elektronisch verzerrten Greifvogelschrei klingt (und sich ebenfalls in besagtem Track befindet). Die Parallelen zur Joker-Musik sind überdeutlich, allerdings gibt es einen Unterschied: Zum Winter Soldier passt diese Herangehensweise in meinen Augen nicht. Da er im Gegensatz zum Joker ein tragischer Schurke ist, wäre ein melodischer Kern, der in die eine oder andere Richtung entwickelt werden kann, weitaus angebrachter, dieser ist aber nicht vorhanden. Jackmans Ersatz für das Silvestri-Thema ist vage heroisch, aber völlig anonym und unscheinbar, gerade in diesem Film fehlt eine markante Identität für den Titelhelden spürbar. Im Großen und Ganzen denke ich, dass die Regisseure Anthony und Joe Russo sich lieber an Silvestri hätten wenden sollen.

Fazit und Ausblick
Was dem MCU bislang fehlt ist ein wirklich grandioses Meisterwerk. Bislang gab es einige solide bis gute und einige ziemlich schwache Scores. Im Insgesamt würde ich die Marvel-Musik als guten Durchschnitt bewerten.
Die Komponisten der kommenden beiden Marvel-Filme sind bereits bekannt: Tyler Bates komponierte die Musik für „Guardians of the Galaxy“ (Kinostart ist am 28. August), während Brian Tyler als Komponist für „The Avengers: Age of Ultorn“ bestätigt wurde. Für die Guardians-of-the-Galaxy-Musik habe ich ehrlich gesagt keine großen Hoffnungen. Bates‘ Musik war bisher bestenfalls uninspiriert und langweilig und schlimmstenfalls plagiiert. Es würde mich freuen, wenn er für „Guardians of the Galaxy“ das große Meisterwerk komponieren würde, dass vielleicht in ihm steckt, ich bezweifle es allerdings stark. Brian Tylers Rückkehr ins Marvel-Universum begrüße ich dagegen sehr, einerseits, weil er wohl mit großer Wahrscheinlichkeit seine Themen für Iron Man und Thor wieder aufgreifen und andererseits vielleicht sogar Silvestris Themen für Cap und die Avengers verwendt – Ersteres hat er immerhin schon einmal benutzt. Vielleicht wird Tylers Vertonung von „Age of Ultron“ ja das thematische Großwerk, das mir in diesem Franchise bislang noch fehlt.

Siehe auch:
Marvel-Musik Teil 1: X-Men
Marvel-Musik Teil 2: Iron Man

Breaking Dawn

Breaking_Dawn_Part_2_Poster
Story: Bella (Kristen Stewart) und Edward (Robert Pattinson) heiraten nach ewigem Hin und Her endlich und gehen in die Flitterwochen. Doch die äußerst zerstörerische Hochzeitsnacht hat Folgen: Bella ist schwanger. Und da Edward ein Vampir ist (wird zumindest behauptet), zehrt das Ungeborene von der Lebenskraft seiner Mutter und droht sie zu töten. Die Cullens und Werwolffreund Jacob (Taylor Lautner) tun alles, um die werdende Mutter zu retten und sind natürlich erfolgreich. Das Kind wird gerettet, Bella im letzten Moment in einen Vampir verwandelt und eigentlich könnte jetzt alles herrlich sein. Allerdings ist besagtes Kind (Mackenzie Foy), das den dämlichen Namen Renesmee trägt, ein Mensch-Vampir-Hybrid und als solcher erweckt es die Aufmerksamkeit von Aro (Michael Sheen) und den Volturi, weshalb die Cullens munter andere Vampire rekrutieren, um den Volturi entgegen treten zu können…

Kritik: Das letzte Kapitel der Twilight-Saga ist nun, da „Breaking Dawn Teil 2“ auf DVD erschienen ist, nun endlich abgeschlossen, und ich hoffe inständig, dass es auch dabei bleibt und die Fortsetzungs- und Spin-off-Gerüchte sich als falsch herausstellen. Der Komplettheit halber werde ich nun beide Teile von „Breaking Dawn“ zusammen rezensieren und hoffe, dass ich mich danach nie wieder mit Stephenie Meyers „Magnum Opus“ beschäftigen muss.
Da die Twilight-Saga nicht hinter der Harry-Potter-Reihe herhinken sollte, beschlossen die Verantwortlichen, auch diese Verfilmung zweizuteilen. Während dies im Fall von „Harry Potter und die Heiligtümer des Todes“ allerdings durchaus Vorteile brachte, sorgt diese Entscheidung bei „Breaking Dawn“ dafür, dass die ganze Angelegenheit noch öder ist, als sie es ohnehin schon gewesen wäre. Vor allem Teil 1 ist unglaublich zäh und hätte problemlos auf eine halbe Stunde eingedampft werden können. Alles ist so, wie man es erwarten würde: Viel Kitsch, ein paar schöne Landschaftsaufnahmen und die Geburt des Hybridkindes als Höhepunkt. Zugegebenermaßen ist diese Szene für Fans des Franchise vielleicht sogar ein wenig zu viel und besitzt, obwohl eigentlich recht wenig gezeigt wird, eine nicht zu leugnende Intensität. Aber ansonsten ist „Breaking Dawn Teil 1“ zusammen mit „New Moon“ wahrscheinlich der langweiligste Film der Reihe.
„Breaking Dawn Teil 2“ ist dagegen in der Tat interessant. Nicht gut, aber interessant. Denn während bei der Adaption der ersten Hälfte des Buches relativ klar ist, auf was das Ganze hinauslaufen muss und was als dramatischer Höhepunkt fungiert, könnte ich mir vorstellen, dass Regisseur und Drehbuchautor bei Teil 2 vor einer ziemlichen Herausforderung standen. Denn so etwas wie eine Endschlacht, ein Finale oder auch nur einen emotionalen Höhepunkt besitzt der vierte Twilight-Roman schlicht nicht. Viele Vampire versammeln sich, reden und ziehen dann wieder ab. Es steht praktisch nichts auf dem Spiel, die Konflikte lösen sich alle von selbst durch eine von Alice herbeigezauberte Deus ex Machina. Und was schon in einem Roman grenzwertig ist, ist in einem Film, der möglichst ein breites Publikum erreichen soll, ziemlich undenkbar. Wenn man aber freier adaptiert, steigen einem die Fans aufs Dach. Die Lösung, die Regisseur Bill Condon und Team gefunden haben, ist ebenso gewitzt wie dämlich. Im Roman baut Meyer quasi eine Schlacht auf, beide Seiten rekrutieren ihre Krieger, man trainiert, Bella lernt sogar kämpfen, aber die Schlacht, auf die alles hinauszulaufen scheint, bleibt aus. Im Film findet die Schlacht statt, ist aber letztendlich nur eine Vision, die Alice hat und die sie Aro zeigt, was diesen zusätzlich zur Deus ex Machina in Form eines anderen Halbvampirs davon überzeugt, wieder abzuziehen. Gewitzt ist diese Änderung, weil das Ganze so ein Finale bekommt; die Schlacht, auf die hingearbeitet wird, findet statt, aber letztendlich wird der Schluss nicht wirklich geändert. Dämlich ist sie, weil das Kernstück des Films, der emotionale Höhepunkt, etwas ist, was nicht wirklich passiert und darüber hinaus nur von zwei Personen überhaupt wahrgenommen wird. Die Reaktionen der Leute, die nur die Filme gesehen, aber nicht die Bücher gelesen haben, spricht diesbezüglich Bände.
Zugegebenermaßen ist die Schlacht selbst allerdings wirklich nicht von schlechten Eltern. Zwar ist sie irgendwie dämlich und völlig übertrieben, aber dafür eindeutig die amüsanteste und unterhaltsamste Szene der gesamten Reihe und, zumindest für Twilight-Verhältnisse, ziemlich intensiv und grausam. Zwar gibt es natürlich nach wie vor kein Blut, aber es werden Köpfe abgerissen, Leichen verbrannt, die Choreographie ist sehr ansehnlich und die Action durchaus innovativ. Michael Sheen untermauert das Ganze noch, in dem er völlig in seinem Overacting aufgeht (offenbar nimmt er weder seine Figur noch die Filmereihe an sich in irgendeiner Form ernst; und eine willkommene Abwechslung zum Minimalspiel von Stewart und Pattinson ist es allemal) und Geräusche von sich gibt, gegen die Voldemorts Lachen in „Die Heiligtümer des Todes Teil 2“ dezent und normal wirkt.
Mit Vampiren oder gar Horror hat das Ganze freilich praktisch überhaupt nichts mehr zu tun. Mehr noch als im Roman erinnert die Rekrutierung der Verbündeten der Cullens (jeder Vampir verfügt über eine spezielle Gabe) viel eher an die X-Men als an Vampire. Allgemein scheint die Springerei, Fliegerei und mit Supergeschwindigkeit Rennerei eher zu einem Supermanfilm zu passen. Und über den Umstand, dass Bellas spezielle Gabe quasi das gesamte Konzept des Vampirs als Protagonist ad absurdum führt, habe ich ja an anderer Stelle bereits geschrieben.
Der Rest ist eigentlich typisch Meyer’sche Handlungskonstruktion und Twilight-Saga im Allgemeinen: Es tauchen haufenweise neue Figuren auf, die letztendlich keinen Zweck haben und am Ende gibt es ein absolutes Happy-End, das derartig kitschig ist, dass der Epilog aus „Harry Potter und die Heiligtümer des Todes“ dagegen fast schon akzeptabel ist – letztendlich musste niemand irgendetwas opfern (mit Ausnahme einer Vampirfamilie, die ein Mitglied verliert – waren diese blonden Vampire in einem von den Vorgängern?), die Figuren haben sich trotz allem auch nicht weiterentwickelt und jeder kriegt praktisch was er will; außer den Volturi, versteht sich. Die Animationen sind meistens eher mäßig, der Werwölfe sehen nach wie vor ziemlich bescheiden aus und Rennesmee als Baby in höchstem Maße merkwürdig.
Erwähnenswert ist noch, dass Carter Burwell dieses Mal alle Register zieht und „Breaking Dawn Teil 2“ einen wirklich guten Soundtrack verpasst.
Fazit: Während der erste Teil der Adaption von „Breaking Dawn“ so öder wie nur vorstellbar ist, ist Teil 2 zwar weit davon entfernt, ein guter Film zu sein, allerdings ist er der beste und unterhaltendste der Serie. Dennoch kommt er mir wie eine Verschwendung vor, eine Verschwendung von Michael Sheen, eines guten Soundtracks und einer guten Action-Szene. Bill Condon ist nun wirklich kein schlechter Regisseur, aber bei dieser Vorlage gibt es kaum etwas zu retten. Ich denke, wir wären letztendlich alle glücklicher, wenn man Bill Condon einen Superheldenfilm inszenieren lassen würde, dafür scheint er Talent zu haben.

Trailer Teil 1
Trailer Teil 2

Siehe auch:
Twilight – Bi(s) zum Erbrechen
New Moon
Eclipse