Geschichte des amerikanischen Comics Teil 4: Das Silberne Zeitalter

Auf das Goldene Zeitalter der Comics folgte das Silberne, welches primär von den Auswirkungen des Comics Code geprägt war, der die Comicschaffenden massiv eingrenzte und die Verwendung einer erwachsenen oder ernstzunehmenden Thematik verhinderte.

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Der erste Auftritt von Barry Allen als Flash in Showcase # 22

Generell gilt das Jahr 1956 als Startpunkt des Silbernen Zeitalters. Nachdem die meisten Helden des DC-Verlages (mit Ausnahme von Batman, Superman und Wonder Woman) nach Kriegsende in der Bedeutungslosigkeit versanken, begann man, diese Helden in der zweiten Hälfte der 50er zu revitalisieren und zu erneuern – mit großem Erfolg. Dabei nahm man sich zumeist den Namen und das grobe Konzept des ursprünglichen Helden und verhalf ihm zu einer neuen bürgerlichen Identität und Hintergrundgeschichte. Flash, während der 40er ein Mann namens Jay Garrick, der hartes Wasser inhalierte, dadurch die Fähigkeit bekam, schneller als jeder andere Mensch zu rennen und anschließend mit einem an Hermes erinnernden Flügelhelm das Verbrechen bekämpfte, wurde 1956 der erste einer Reihe von revitalisierten Altheroen. Der neue Flash trug den Namen Barry Allen, bekam seine Superkräfte durch einen Laborunfall und trug einen roten Ganzkörperanzug. Sowohl der Name als auch der Anzug werden heute noch primär mit Flash assoziiert. Es folgten weitere Helden wie Green Lantern oder The Atom.

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The Brave and the Bold #28 mit dem ersten Auftritt der Justice League of America

DC hatte mit dieser Vorgehensweise Erfolg und so kam es, wie es kommen musste: Ähnlich wie in den 40ern vereinten sich auch die neuen Helden und kämpften gemeinsam als Justice League of America, die ihr Debüt in der 28. Ausgabe von The Brave and the Bold aus dem Jahr 1960 feierte. Ursprünglich bestand sie aus Wonder Woman, Flash, Green Lantern, Aquaman und Martian Manhunter, bald stießen Batman und Superman dazu und im Verlauf ihrer langen, wechselhaften Geschichte kamen und gingen viele weitere Mitglieder.

Der Erfolg der Justice League inspirierte den ursprünglich als Timely Comics bekanntem Marvel-Verlag, der in den 40ern mit Captain America erfolgreich war, es ebenfalls noch einmal mit Superhelden zu versuchen, und es waren die Marvel-Helden, die dafür sorgten dass sich der neue Trend fortsetzte und sich der Superheldencomic weiterentwickelte. Der Hauptverantwortliche dafür war Stan Lee (eigentlich Stanley Lieber), Autor und Redakteur von Marvel, der in den 60ern, mit wechselnden Zeichnern wie Jack Kirby oder Steve Ditko, praktisch im Alleingang den Grundstein für den Erfolg des Marvel-Verlags legte, in dem er Figuren wie die Fantastic Four (1961), Spider-Man (1962), Thor (1962) die X-Men (1963) oder Daredevil (1964) erfand und einige Helden aus dem Goldenen Zeitalter, u.a. Captain America und den Sub-Mariner, revitalisierte.

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Avengers # 1 aus dem Jahr 1963

Mit den Avengers, ursprünglich bestehend aus Iron Man, dem Hulk, Thor, Ant-Man und Wasp, erschuf er dann 1963 ein Gegenstück zu DCs Justice League. Die Marvel-Helden zeichneten sich vor allem dadurch aus, dass sie menschlicher und für den Leser greifbarer waren, neben übermenschlichen Problemen wie Superschurken oder Alieninvasionen mussten sie auch mit ganz menschlichen Problemen wie Mietschulden oder Liebeskummer kämpfen. Das bekannteste Beispiel für diese Heldenkonzeption ist Spider-Man: Zu Beginn seiner Karriere ist er noch ein Teenager, der versucht, Superheldentum und das Teenagerleben unter einen Hut zu bekommen. Diese Entwicklung sorgte dafür, dass die Comics von Marvel auch weit über die 60er-Jahre hinaus erfolgreich und beliebt blieben.

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Selbstportrait von Robert Crumb im Underground-Stil

Parallel zur Entwicklung der Superhelden entstanden die Underground-Comix, deren Entstehen sich ebenfalls auf „Seduction of the Innocent“ zurückführen lässt. Im „Untergrund“ sammelte sich alles, was in den vom Comic Code geprüften Mainstream-Comics nicht mehr sein durfte. Obwohl das Satiremagazin „Mad“ und diverse in den 60ern billig gedruckte Fanzines dem Underground-Genre bereit den Weg bereitete, wurden Underground-Comix erst 1968 wirklich bedeutsam, als Robert Crumb seinen ersten Comic verkaufte. „ZAP Comix“, von Crumb selbst herausgegeben, enthielt im Grunde alles, was der Comics Code nicht erlaubte. Crumb selbst wurde zur Galleonsfigur einer neuen Tradition von Underground-Autoren und -Zeichnern, die sich mit Themen wie Sex, Drogen, Politik, Rassismus etc. auseinandersetzten und eine Gegenkultur zum „sauberen“ Mainstream bildeten.

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Gwen Stacys Tod: Ein harter Schlag für den menschlichsten Superhelden

Während der Anfang des Silbernen Zeitalters, bedingt durch „Seduction of the Innocent“ recht eindeutig ist, gibt es keinen definitiven Schlusspunkt, sondern mehrere Ereignisse, die das Ende einläuteten. Sehr gerne wird der Tod von Spider-Mans Freundin Gwen Stacy (1973) als Endpunkt benannt, andere Comichistoriker betrachten jedoch den Ruhestand von Mort Weisinger, des langjährigen Chefredakteurs von DC (1970), den Weggang Jack Kribys von Marvel (1971) oder das allgemeine „Aufweichen“ des Comic Code Anfang der 70er als Ende des Silbernen Zeitalters. Insgesamt zeichnet sich das Silberne Zeitalter durch Wiederbelebung der Superhelden aus, die dabei einerseits durch den Comic Code eingeschränkter waren und absurde Science-Fiction-Abenteuer erlebten, andererseits aber auch, ausgelöst durch die Marvel-Charaktere, menschlicher und nachvollziehbarer wurden. Gleichzeitig entstand eine Gegenkultur in Form der Underground-Comix, die es in dieser Form im Goldenen Zeitalter noch nicht gab, da sie wegen des Fehlens des Comic Codes schlicht nicht nötig war.

Die Geschichte des amerikanischen Comics:
Teil 1: Definition des Mediums
Teil 2: Das Platinzeitalter
Teil 3: Das Goldene Zeitalter

Geschichte des amerikanischen Comics Teil 3: Das Goldene Zeitalter

Sowohl über Anfang als auch Ende des Goldenen Zeitalters der amerikanischen Comics ist man sich gemeinhin einig, da sowohl Anfang als auch Ende von einer bestimmten Publikation bestimmt werden, die die amerikanische Comiclandschaft jeweils sehr nachhaltig veränderte.

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Action Comics #1

Den Anfang des Goldenen Zeitalters markiert das Erscheinen der ersten Ausgabe von Action Comics im Jahr 1938, die den ersten Auftritt von Superman enthielt. Der Begriff „Goldenes Zeitalter“ wurde für diese Zeit gewählt, weil die Superheldencomics ihre erste Blüte erlebten und die Autoren und Zeichner noch sehr wenige kreative Einschränkungen hatten. Darüber hinaus waren die Verkaufszahlen der Comics in Amerika nie wieder so hoch wie in dieser Zeit.

Dieses Ereignis hat natürlich vor allem für die Superhelden eine nicht zu unterschätzende Bedeutung, immerhin ist Superman die erste Figur dieser Gattung, sofern man „Protosuperhelden“ wie Zorro oder The Shadow nicht berücksichtigt. Die Bedeutung für den amerikanischen Comic im Allgemeinen sollte allerdings ebenfalls berücksichtigt werden. Superman und die Superhelden sorgten dafür, dass sich das Comicheft endgültig als erfolgreiche Unterhaltungsform in den USA etablieren konnte.

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Detective Comics #27

Superman erwies sich als durchschlagender Erfolg, dem viele weitere, ähnlich konstruierte Figuren folgten. Bereits 1939 feierte Batman in der 27. Ausgabe von Detective Comics seinen Einstand, und bald darauf kamen Wonder Woman, The Flash oder Captain America, die auch heute noch nach wie vor extrem beliebt sind. Die erste Hälfte der 40er Jahre kann getrost als Höhepunkt des Goldenen Zeitalters betrachtet werden, zumindest, was die kostümierten Helden betrifft, denn in dieser Krisenzeit kam ihnen vor allem eine propagandistische Rolle zu – sowohl Captain America als auch Superman kämpften mehrfach gegen Hitler oder andere Gegner der USA. Superhelden spielten eine wichtige Rolle in der Propaganda der Vereinigten Staaten – das Cover der ersten Captain-America-Ausgabe, auf dem er Hitler niederschlägt, hat inzwischen Kultstatus und wurde sogar auf humoristische Weise in die Filmadaption von 2011 eingearbeitet.

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Captain America #1

Zu dieser Zeit formte sich auch das erste Superheldenteam, die Justice Society of America, die der Verlag All-American (der sich später in DC umbenennen sollte) nutzte, um einigen seiner weniger bekannten Charaktere mehr Aufmerksamkeit zu verschaffen. Zu den Mitgliedern der Society gehörten unter anderem The Flash, The Spectre, Green Lantern, Hawkman oder Doctor Fate. Auch Marvel existierte bereits, trug allerdings noch den Namen Timely Comics und verlegte neben Captain America Helden wie Namor den Submariner und The Human Torch (nicht mit dem gleichnamigen Mitglied der Fantastic Four zu verwechseln).

Obwohl die Superhelden das meiste Geld einbrachten, wäre es falsch anzunehmen, dass sie die einzigen Comiccharaktere waren. In der Tat zeichnet sich das Goldene Zeitalter durch eine Vielzahl weiterer Genres aus. Auch Genrevertreter aus Bereichen wie Horror, Romanze oder Krimi erlebten große Erfolge, vor allem, als der Superheldenboom nach Kriegsende langsam nachließ, was anderen Genres zum Erfolg verhalf. Die wachsende Beliebtheit von Horror- und Krimicomics begünstigte den Aufstieg des Verlags EC (zuerst „Educational Comics“, später „Entertaining Comics“). Ursprünglich hatte EC vor allem Bildungscomics herausgegeben, konzentrierte sich aber nach dem Tod des Verlagsgründers auf Horror, Science Fiction, Krimis – eine der bekanntesten Serien ist „Tales from the Crypt“. EC-Comics zeichneten sich ab diesem Zeitpunkt vor allem durch eine explizite Gewaltdarstellung aus. Die meisten Titel und Figuren dieser Zeit (mit Ausnahme der Superhelden) sind inzwischen allerdings relativ obskur und blieben kaum im Gedächtnis.

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Carl Barks, Vater der Ducks

Die Figuren, deren Bekanntheit heute noch am größten ist, sind die in der Tradition der Funny-Animal-Comics stehenden Disney-Charaktere wie Donald oder Dagobert Duck (Scrooge McDuck), die in den 40ern, 50ern und 60ern ebenfalls sehr populär waren, nicht zuletzt dank der Geschichten von Carl Barks, der fast alle wichtigen Figuren aus Entenhausen (Duckburgh) erschuf. In den USA sind diese Charaktere aber vor allem als Cartoon-Figuren bekannt, während die Comics von Barks dort nur noch wenige Anhänger haben und neue Disney-Comics selten produziert werden. In Europa dagegen waren Donald Duck und Micky Maus vor allem als Comicfiguren populär, weshalb die meisten Disney-Comics inzwischen in Italien entstehen. Aber auch in Deutschland und Skandinavien sind die Enten nach wie vor unheimlich beliebt; Carl Barks‘ Comics zählen dort zu Klassikern, die im Rahmen von verschiedenen Heft- und Albenserien immer wieder neu aufgelegt werden.

Das Goldene Zeitalter endete schließlich 1954 mit der Publikation eines Buches mit dem Titel „Seduction of the Innocent“, das einen beinahe ebenso großen Einfluss auf den amerikanischen Comic hatte wie der erste Auftritt von Superman, allerdings in negativer Hinsicht. Das von Dr. Frederic Wertham, dem Direktor der psychiatrischen Lafargue-Klinik in New York verfasste Werk stellt einen massiven Einschnitt auf allen Ebenen dar. Mit diesem Buch versuchte Wertham die steigende Jugendkriminalität zu erklären und machte kurzerhand die Comics dafür verantwortlich. Wertham behauptete, Comics seien „an invitation to illiteracy“ und stimulierten „unwholesome fantasies“. Darüber hinaus machte er Comics für alles Mögliche verantwortlich, etwa drogenabhängige Kinder oder Jugendkriminalität und postulierte, neben vielen weiteren derartigen Vorwürfen, Superhelden würden eine faschistische Ästhetik vertreten. Werthams Thesen gelten inzwischen als unsinnig, absurd und überholt; bereits mehrere Jahre vor der Publikation von „Seduction of the Innocent“ wurden Werthams Methoden von einigen seiner Kollegen als unwissenschaftlich bewertet.

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Siegel der Comics Code Authority

Die Wirkung des Werkes war enorm und löste eine Hetze gegen Comichefte aus, die perfekt zur Kommunistenjagd der McCarthy-Ära passte. Es kam sogar zu öffentlichen Comicverbrennungen, und als Reaktion richteten die Verlage mit der „Comics Code Authority“ eine Instanz zur Selbstzensur ein. Dies hatte wiederum zur Folge, dass sämtliche Elemente, die als anstößig empfunden wurden, etwa Sex, übermäßige Gewalt, das Infragestellen der Autorität etc., aus den Comics entfernt wurden. Zwar war der Comics Code theoretisch freiwillig, jedoch war ein Mainstream-Comic ohne das Siegel der Comics Code Authority praktisch nicht verkäuflich – für einen Verlag wie EC bedeutete das das Todesurteil. Auch für viele Superhelden bedeutete der Comic Code das Aus, lediglich Superman, Batman und Wonder Woman verkauften sich noch. Die Vorgaben des Comics Code verhinderten fast jegliche kreative Entfaltung und jede Umsetzung einer anspruchsvollen Geschichte im Medium und warfen seine Entwicklung um Jahrzehnte zurück.

Die Geschichte des amerikanischen Comics:
Teil 1: Definition des Mediums
Teil 2: Das Platinzeitalter

Batman Begins – Soundtrack

Dieser Artikel ist Teil des TDKR-Countdowns.

Tracklisting:

01. Vespertilio
02. Eptesicus
03. Myotis
04. Barbastella
05. Artibeus
06. Tadarida
07. Macrotus
08. Antrozous
09. Nycteris
10. Molossus
11. Corynorhinus
12. Lasiurus

Mit den großen Franchise-Themen ist es so eine Sache, speziell wenn man in einem bewährten Franchise musikalisch etwas Neues macht. Manchmal kann man sich von alten Themen einfach nicht lösen. James Bond ist da ein Beispiel: Bis dato gibt es sieben offizielle Bond-Darsteller und 22 Filme („Skyfall“ noch nicht mitgerechnet), die sich im Tonfall zum Teil extrem voneinander unterscheiden, doch in jedem dieser Filme kommt mindestens einmal das ikonische Bond-Thema vor. Auch Star-Wars wäre ohne sein berühmtes Titelthema kaum denkbar, sodass es nicht nur alle sieben Kinofilme eröffnet, sondern auch jede Folge von „The Clone Wars“ und auch so ziemlich jedes Computer- und Videospiel, egal ob nur die Williams-Soundtracks recycelt werden oder ob neue Musik komponiert wird. Auch das Machtthema tendiert dazu, überall aufzutauchen.
Anders verhält es sich bei Batman. Für Tim Burtons Film von 1989 komponierte Danny Elfman ein düsteres, actionreiches und vor allem extrem einprägsames Thema, das inzwischen fast so sehr mit Batman verbunden ist wie das Williams-Thema mit Superman. Was tut man also als Komponist, der eine neue Adaption einer Figur vertont, deren bisheriges Leitmotiv bereits Kultstatus besitzt? Eine Möglichkeit besteht natürlich, etwas zu komponieren, das zwar nicht identisch mit dem alten Thema ist, aber dennoch an es erinnert. Das kann sehr gut funktionieren, wie zum Beispiel Shirley Walkers Superman-Thema zeigt, das mit dem Williams-Marsch nicht identisch ist, aber dank der Dreiklangbasis sehr ähnlich klingt. Auch Elliot Goldenthal wählte für sein Batman-Thema einen ähnlichen Ansatz, indem er es strukturell an das Elfman-Thema anlehnte. Beide Themen sind recht marschartig und eignen sich auch gut zur Actionuntermalung, allerdings lässt das Goldenthal-Thema die Düsternis vermissen (andererseits – wir sprechen natürlich von den Schumacher-Filmen, wo man die Düsternis allgemein vermisst).
Auch Hans Zimmer und James Newton Howard, von Chris Nolan für „Batman Begins“, den phänomenalen Reboot des Dunklen Ritters verpflichtet, dürften vor einem ähnlichen Problem gestanden haben. Im Vorfeld des Films (und auch nach dem Kinostart) gab vor allem Hans Zimmer relativ viele Interviews, in denen er erklärte, sich völlig von den Vorgängerscores zu lösen. Batman sei ein vielschichtiger, psychologisch tiefgründiger Charakter, eine Figur, die in „Batman Begins“ eine Reise absolviere. Deshalb sei die Musik düster, brütend und psychologisch tiefgründig. So weit, so gut. Werfen wir erst einen allgemeinen Blick auf den Soundtrack, bevor wir zu den Themen, natürlich insbesondere dem des Titelhelden, zurückkehren. Vorher allerdings noch kurz ein Wort zum Album: Die Idee, den Tracks die lateinischen Namen von Fledermäusen bzw. Fledermausarten zu geben ist ja ganz nett, ebenso wie die Anfangsbuchstaben der Tracks 4 bis 9, allerdings wird es schwierig, wenn man die einzelnen Stücke den Filmszenen zuweisen will.
Niemand, der diesen Soundtrack hört, wird bestreiten, dass von den beiden Komponisten eindeutig Zimmer die Nase vorn hat – sogar in den Interviews ordnet sich Howard Zimmer eindeutig unter und gesteht seinem Kollegen die kreative Leitung zu. Darüber hinaus haben die beiden allerdings an allem zusammengearbeitet, im Gegensatz etwa zum Soundtrack des Sequels, in welchem zwei der neuen Themen jeweils auf einen der Komponisten zurückzuführen sind (Joker auf Zimmer und Harvey Dent/Two-Face auf Howard). Generell wird die Ansicht vertreten, dass Zimmer in den Actionpassagen stärker vortritt, während man Howards Stil in den ruhigeren, melodischeren Teilen besser heraushört, Zimmer jedoch die allgemeine Richtung bestimmt und dem schließe ich mich auch an. Trotz eines 90-köpfigen Orchesters ist „Batman Begins“ ein sehr elektronischer Score, der manchmal schon einen Fuß im Sounddesign hat, von der grausigen Ausgeburt, die Trent Raznor und Atticus Rose für „Verblendung“ geschrieben haben ist er allerdings noch weit entfernt. Ein allgemein passendes Schlagwort für die Musik dieses Films ist Minimalismus. Das dominierende Element sind die Zimmer’schen Streicherostinati, die existierenden Themen sind meist sehr einfach gestrickt und nicht sehr leicht herauszuhören, was dem Soundtrack einen ziemlich „breiigen“ Charakter verleiht – womit wir wieder bei der Leitmotivik angekommen wären. Erst einmal ist es gar nicht so leicht, das eigentliche Batman-Thema zu finden. Oft wird angenommen, das Thema, das den Track Molossus dominiert, sei das Haupt- bzw. Batman-Thema, was allerdings nicht wirklich stimmt. Es handelt sich dabei mehr um ein allgemeines Action-Thema, ähnlich wie He’s a Pirate. Besonders deutlich wird dies in „The Dark Knight“, wo es in Szenen gespielt wird, in denen Batman nicht zugegen ist.
Laut eigener Aussage komponierten Zimmer und Howard ein Thema für die Hauptfigur, das sie letztendlich in „Batman Begins“ überhaupt nicht einsetzten, sondern erst in „The Dark Knight“. Das thematische Material für den Dunklen Ritter, das es in den Soundtrack geschafft hat, ist letztendlich bereits in Vespertilio zu finden: Die ominösen Flügelschläge am Anfang, Streicherostinati (die sowieso überall sind) und ein Motiv, bestehend aus zwei Noten, das ab der Einminutenmarke des Tracks immer wieder gespielt wird und auch sonst ziemlich häufig vorkommt, u.a. am Ende von Barbastella und in Molossus. Und hier ist mein Problem mit dieser Herangehensweise: Egal was Zimmer sagt, ein Zweinotenmotiv ist weder komplex noch ikonisch. Ein Zweinotenmotiv erlaubt praktisch kaum Variationen und ist langweilig. Der Einsatz ist dabei ebenfalls ein Problem, denn es wird nicht nur benutzt, wenn Batman tatsächlich auftaucht, sondern auch, um die diversen Schritte auf seinem Weg zum Dunklen Ritter darzustellen. Da dieses Motiv aber statisch ist, ist es m.E. dazu einfach nicht geeignet. Der „klassische“ Ansatz wäre hierbei in meinen Augen weitaus besser und wirkungsvoller gewesen, so wie es etwa David Arnold im Soundtrack zu „Casino Royale“ oder Howard Shore in „Die Gefährten“ taten: Das Thema (Bond bzw. Gefährten, beide bestehen aus wesentlich mehr als nur zwei Noten) wird langsam und stückweise aufgebaut. Insbesondere Shores Gefährtenthema ist ein ideales Beispiel: Von der Titeleinblendung einmal abgesehen erklingt es zum ersten Mal, als Frodo und Sam das Auenland verlassen, noch in einer unvollständigen Variante und wird dann mit jedem Einsatz voller, bis es bei der Ratsszene in Bruchtal zum ersten Mal vollständig erklingt. Nachdem die Gemeinschaft zerbricht taucht es dann wieder fragmentarischer auf. Genau so etwas hätte ich mir auch für diesen Batman gewünscht, denn das wäre ihm als komplexem Charakter gerecht geworden, im Gegensatz zu einem Zweinotenthema. Und um es klar zu machen, ich meine damit nicht das Elfman-Thema. Gewöhnlich lassen sich die Stimmen zu diesem Soundtrack nämlich zwei Kategorien zuordnen: Die einen loben ihn in den Himmel, während die anderen sich beschweren, dass das Elfman-Thema nicht vorkommt. In der Tat wäre Danny Elfmans Batman-Marsch in der Form, in der er in „Batman“ und „Batmans Rückkehr“ auftaucht, eher fehl am Platz (Shirley Walkers Batman-Thema dagegen ist wieder eine andere Geschichte…). Letztendlich ist es nicht so, dass Zimmer und Howard im Themenvergleich den Kürzeren ziehen, stattdessen scheinen sie gar nicht erst zu versuchen, etwas Adäquates abzuliefern. Dass jedoch letztendlich ein wirklich ikonisches, gut erkennbares Thema für Batman nötig gewesen wäre, steht für mich persönlich außer Frage. Ja, „Batman Begins“ stellt Bruce Wayne tiefgründiger und psychologisch ausführlicher dar als die Burton-Filme (von den Schuhmacher-Filmen ganz zu schweigen), aber letztendlich zwingt sich Bruce dazu, zum Helden, mehr noch, zum theatralischen Helden zu werden – Ra’s al Ghul kommentiert dies ja sogar im Film: „You took my advice about theatricality a bit … literally.“ Es gibt genug Szenen, die geradezu nach einem derartigen Thema schreien (Batmans Konfrontation mit Falcone, Batman blickt von der Spitze eines Wolkenkratzers auf Gotham hinab, die Schlussszene) und dadurch noch weitaus stärker und einprägsamer geworden wären.
Neben dem Batman-Motiv und ein, zwei Action-Themen (v.a. im bereits erwähnten Molossus und in Antrozous) gibt es auch noch weitere Themen. Da hätten wir unter anderem eines, das von einem Rezensenten auf soundtrack.net als „Rising Hero Theme“ bezeichnet wird und das in „The Dark Knight“ die Basis für Harvey Dents Thema bildet. Dieses Thema ist unter anderem am Ende von Myotis zu hören und funktioniert zumindest besser als das Zweinotenmotiv, passt aber nicht wirklich zu Batman und gehört, wie gesagt, später zu Harvey Dent, für den es sich auch als weitaus effektiver erweist.
Am Anfang von Eptesicus und in Macrotus ist darüber hinaus ein zumeist von Klavier oder Streichern dominiertes Thema zu hören, das für Bruce‘ Vergangenheit steht (und deshalb oft in den Rückblicken gespielt wird) und auch als Liebesthema dient. Diese Themen funktionieren zwar, sind aber recht einfach gehalten. Darüber hinaus fungiert ein Knabensopran als Zeichen für Bruce‘ (verlorene) Jugend, Unschuld und Reinheit (Tadarida und Macrotus).
Die Schurken dagegen sind weit weniger klar definiert. Ra’s al Ghul und seine Liga der Schatten werden, wenn überhaupt, durch ein ominöses, dunkles Cello zu Beginn von Myotis repräsentiert, Scarecrow durch Soundeffekte und schrille Streicher, die in Artibeus zu vernehmen sind. Beides kann allerdings kaum als wirkliches Leitmotiv gewertet werden.
In der Tat haben sich die Komponisten von den früheren Vertonungen des Dunklen Ritters weitestgehend gelöst, allerdings nicht von ihren eigenen Arbeiten. Vor allem Zimmers Techniken scheinen durch, vieles aus dem Soundtrack tauchte bereits in leicht abgewandelter Form in früheren Scores auf. Letztendlich ist die Musik von „Batman Begins“ vor allem atmosphärischer Natur, und für einen gewöhnlichen Actionfilm hätte sie auch gut funktioniert. Aber hierbei handelt es sich nun einmal um einen Batman-Film, und so sehr sich Chris Nolan auch um Realismus (bzw. Hyperrealismus) bemüht, der Film handelt dennoch vom Dunklen Ritter. Ja, der Batman-Begins-OST ist düster und brütend und stört den Film nicht, wie es bei „Verblendung“ der Fall war, sondern untermalt ihn durchaus passend. Aber bei Batman genügt mir das nicht. Zimmers und Howards Musik macht den Film nicht reicher, wie es Elfmans oder Walkers Batman-Soundtracks getan haben oder wie Zimmer selbst es bei „Pirates of the Caribbean: At World’s End“ geschafft hat. Wenn ich die Musik zu Tim Burtons Filmen oder der Batman-Zeichentrickserie höre, höre ich Batman. Wenn ich den Batman-Begins-Soundtrack höre, höre ich in erster Linie Zimmer.
Fazit: Der Soundtrack zu „Batman Begins“ ist letztendlich enttäuschend. Zwar ist er düster und brütend, doch die Komplexität der Hauptfigur wird nicht vermittelt, es gibt kaum thematische Entwicklung und die existierenden Leitmotive (besonders das Batman-Thema) sind minimalistisch und letztendlich langweilig.

Der TDKR-Countdown:
Prämisse
Batman – Vampire
BB: Meltdown
New 52: Batman 1
Bane
The Dark Knight – Soundtrack
The Dark Knight Rises

Siehe außerdem:
Batman Begins
The Dark Knight
The Dark Knight Rises – Soundtrack