Art of Adaptation: The Hellbound Heart

Halloween 2022
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Beim 1987 erschienen Film „Hellraiser“ handelt es sich um einen der seltenen Fälle, in denen ein Autor nicht einfach nur als Drehbuchschreiber oder Berater an der Filmadaption beteiligt ist, sondern das Ganze auch noch in Eigenregie umsetzt. Zustand kam diese Konstellation, weil Clive Barker mit vorherigen Adaptionen seiner Werke absolut unzufrieden war – die Umsetzung der Novelle „The Hellbound Heart“ wollte er deshalb selbst durchführen. Gerade in diesem Kontext traf Barker bei der filmischen Umsetzung einige interessante Entscheidungen. Nicht wenige, die die Novelle lesen, nachdem sie den Film gesehen haben, sind etwas erstaunt, wenn nicht gar enttäuscht, dass Pinhead (oder der „Hell Priest“; bekanntermaßen verabscheut Barker den Spitznamen Pinhead, den diese Horrorikone aber wohl nicht mehr loswird). Die deutsche Übersetzung, die den Filmtitel trägt, hat zu allem Überfluss auch noch Pinhead auf dem Cover und auch eine der englischen Ausgaben deutet Doug Bradleys ikonische Figur zumindest an, in der Geschichte selbst findet sich allerdings kaum eine Spur von ihm.

Handlung und Konzeption der Novelle
Zumindest im Groben stimmen Handlung von Novelle und Film überein: Der Hedonist Frank Cotton sucht nach neuen fleischlichen Genüssen und wird auf den sog. „Lemarchand-Würfel“ aufmerksam, der Wollust jenseits aller Vorstellungskraft verspricht. Frank gelingt es, den Würfel an sich zu bringen, sodass er die Cenobiten beschwören kann – bei diesen handelt es sich allerdings nicht, wie Frank angenommen hat, um willige, überirdisch schöne Frauen, sondern um entstellte Kreaturen, die Frank mit in ihr Reich nehmen, um ihm zu zeigen, dass Schmerz und Lust zwei Seiten derselben Medaille sind. Einige Zeit später ziehen Franks Bruder Rory und seine Frau Julia in Franks und Rorys Elternhaus ein – jenes Haus, in welchem Frank den Lemarchand-Würfel löste. Beim Einzug verletzt sich Rory und Blut tropft auf die Stelle, an der Frank bei seiner Begegnung mit den Cenobiten unwillentlich und -wissentlich etwas Ejakulat zurückließ – dies ermöglicht es Frank, dem Reich der Cenobiten zu entkommen und in die Welt der Lebenden zurückzukehren, wenn auch als geschwächtes und hautloses Etwas. Julia ist derweil in ihrer Ehe gelangweilt und unbefriedigt, sie sehnt sich nach Frank, mit dem sie kurz vor ihrer Hochzeit eine Affäre hatte. Als sie entdeckt, dass Frank noch… existiert und sich im Haus versteckt, entschließt sie sich, zuerst widerwillig, ihm zu helfen. Denn um sich zu regenerieren benötigt Frank vor allem Blut, und der attraktiven Julia ist es ein Leichtes, Männer ins Haus zu locken, damit Frank sie aussagen kann. Rorys Freundin Kirsty, die heimlich in Rory verliebt ist, schöpft allerdings Verdacht, als sie beobachtet, wie Julia fremde Männer ins Haus führt. Doch die Wahrheit, die sie bald darauf entdeckt, ist noch einmal deutlich schlimmer, denn sie entdeckt den hautlosen Frank, der sie zu töten versucht. Kirsty gelingt es, den Lemarchand-Würfel als Waffe gegen Frank zu verwenden und aus dem Haus zu entkommen. Kurz darauf bricht sie zusammen und wacht in einem Krankenhaus wieder aus. Eher aus Langweile löst auch sie den Würfel und beschwört unwillentlich einen Cenobiten, der jedoch bereits ist, Kirsty gehen zu lassen, wenn sie ihm Frank ausliefert. Also kehrt sie zurück und muss feststellen, dass Frank inzwischen Rory getötet und sich dessen Haut „angezogen“ hat. Chaos bricht aus, in welchem Frank eher versehentlich Julia tötet. Bald darauf tauchen die Cenobiten auf, um Frank zurück in ihr Reich zu holen…

Als Novelle ist „The Hellbound Heart” sehr geradlinig aufgebaut und schnörkellos erzählt. Die primären Figuren, durch deren Augen man Leser am Geschehen teilhat, sind Julia und Kirsty, aber auch an Frank Cottons Gedanken dürfen wir zumindest im ersten Kapitel teilhaben. Zugleich ist „The Hellbound Heart“ aber auch deutlich vielseitiger, als auf den ersten Blick deutlich wird. Nachdem der erste Hellraiser-Film Kultstatus erlangte, von den kontinuierlich schlechter werdenden Sequels gar nicht erst zu reden, mag das heute nicht mehr ganz so offensichtlich sein, aber Barkers Novelle ist innerhalb des „Übergenres Horror“ praktisch ein Chamäleon, das flüssig zwischen diversen Subgenres wechselt, in seinen Themen, primär der Dualität von Lust und Schmerz, aber immer konsistent bleibt. Die Novelle beginnt mit okkultem Horror und Franks Ritual, sodass man nun den Eindruck bekommen könnte, die Cenobiten seien die Monster des Werkes, dies erweist sich aber bald als Trugschluss. Daraufhin kombiniert Barker verschiedene Elemente: Spukhaus-, Vampir- und Serienkillergeschichte, von den dominanten Body-Horror-Elementen gar nicht erst zu sprechen. Diese werden in der Verfilmung natürlich noch einmal besonders betont, einerseits durch das grandiose Design der Cenobiten, aber auch durch Franks nicht minder grandiose Rückkehr in die Welt der Lebenden. Diese verläuft in der Novelle deutlich weniger spektakulär. Stets vorhanden bleibt dabei das erotische Element – und natürlich ist „The Hellbound Heart“ nach Barkers Aussage auch eine Liebesgeschichte, wenn auch eine extrem toxische, die die negativen Auswirkungen obsessiver Liebe und Lust schildert. Am Ende kehren die Cenobiten zurück und schließen damit den Kreis.

Familienbande
Handlungsverlauf und -struktur bleiben im Film größtenteils unverändert erhalten: Zu Beginn ruft Frank (Sean Chapman) die Cenobiten und wird von ihnen mitgenommen, sein Bruder und seine Schwägerin ziehen ins Haus ein, verursachen seine Rückkehr, Julia (Clare Higgins) wird zur Komplizin, Kirsty (Ashley Laurence) kommt dem allem auf die Spur und schafft es am Ende, die Cenobiten dazu zu bringen, Frank zurückzuholen. Die Änderungen finden sich vor allem in den Details und der Konzeption der Charaktere – und damit meine ich nicht den Umstand, dass Rory im Film Larry Cotton (Andrew Robinson) heißt. Für die Adaption entschloss sich Barker, das Ganze in noch stärkerem Ausmaß zu einem Familiendrama zu machen, in dem er Kirsty zur Larrys Tochter macht. Vielleicht wollte er rückwirkend Franks „Come to Daddy“, das im Film wie in der Novelle auftaucht, etwas mehr Kontext zu verleihen. Dementsprechend ändert sich auch das Alter der Figuren etwas: Es wird zwar nicht eindeutig erwähnt, aber doch impliziert, dass sich die vier Hauptfiguren alle etwa im gleichen Alter, Ende 20, Anfang 30 befinden. Im Film dagegen hat Larry nun eine erwachsene Tochter und ist damit automatisch älter, auch Julia und Frank scheinen ein paar Jahre hinzugewonnen zu haben. Davon abgesehen stimmen sie charakterlich mit der Vorlage ziemlich genau überein. Abermals ist es Kirsty, die sich am stärksten verändert hat.

Die Novellenversion ist ein ziemlich passiver Charakter, der sich vor allem durch die hoffnungslose Verliebtheit in Rory auszeichnet. Film-Kirsty dagegen wirkt deutlich aktiver und selbstbestimmter, sie ist zwar Larrys Tochter, wohnt aber nicht mehr bei ihm und hat eindeutig ihr eigenes Leben, während Buch-Kirstys Existenz sich größtenteils um Rory zu drehen scheint. Diese Unabhängigkeit wird u.a. durch ihren Freund Steve (Robert Hines) ausgedrückt, der in der Novelle natürlich nicht auftaucht. Kirstys Identität als Larrys Tochter sorgt zudem für zusätzlichen Inzest-Subtext, der in der Novelle ebenfalls nicht vorhanden ist.

Der erzählerische Kern bleibt im Film jedoch definitiv erhalten. Pinhead und die Cenobiten mögen die Poster des Films (und natürlich der Sequels) zieren, gerade in diesem ersten Film sind sie aber nur Randerscheinungen, weder Pro- noch Antagonisten, sondern fast schon passive Figuren, die nur reagieren, wenn jemand die Lemarchand-Box löst. Es ist Frank, der alles beginnt, es ist Julia, die sich entschließt, ihm zu helfen und es ist Kirsty, die schließlich die Cenobiten dazu bringt, Frank in ihr Reich zurückzuholen.

Einige Anpassungen sind zudem dem visuellen Medium geschuldet: Im ersten Kapitel erfährt man als Leser beispielsweise genau, wie Frank denkt, welche Ausmaße sein Hedonismus angenommen hat und wie und weshalb er die Lemarchand-Box in seinen Besitz gebracht hat. Der Film vermittelt diese Elemente nicht direkt über die Narration, sondern indirekt über visuelle Hinweise, beispielsweise die erotische Skulptur, die Julia im Haus findet. Auf die Hintergründe des Würfels, hier zumeist als „Lament Configuration“ bezeichnet, geht der Film zudem kaum ein, statt eines kurzen Abrisses von Franks okkulter Recherche sehen wir nur, wie er die Box in Marokko erwirbt. Manche der erwähnten Details werden dann allerdings in späteren Filmen aufgegriffen, primär in „Hellraiser: Bloodline“, dem vierten Teil, in welchem die Konstruktion der Box thematisiert und ihr Schöpfer Philippe Lemarchand (Bruce Ramsay) als wichtige Figur etabliert wird. Statt dieser Hintergründe taucht in „Hellraiser“ allerdings ein ominöser Wächter der Box in Gestalt eines insektenfressenden Obdachlosen auf, der die ganze Situation beobachtet und am Ende, als Kirsty versucht, die Box zu verbrennen, einschreitet und sich in einen aus Knochen bestehenden Drachen verwandelt.

„We Have Such Sights to Show You”
Die Beschreibung der vier Cenobiten in Barkers Novelle bleibt verhältnismäßig vage, sie werden als verstümmelt, vernarbt und größtenteils geschlechtslos beschrieben, fahlhäutig, mit Asche gepudert und von einem Vanille-Duft begleitet. Die Mischung aus S/M-Ästhetik und katholisch anmutenden Gewändern, derer sich der Film bedient, wird nicht wirklich erwähnt und entstand erst bei der visuellen Konzeption des Films. Der in diesem Jahr erschienene Reboot (der bislang in Deutschland weder stream- noch erwerbbar ist) zeigt diesbezüglich durchaus interessante Alternativen. Das Quartett, mit dem es Frank zu Beginn der Novelle zu tun bekommt, entspricht zumindest ungefähr den späteren Filmgegenstücken: Einer mit entstelltem Mund entwickelte sich im Schaffensprozess zum Chatterer (Nicholas Vince), aus dem Cenobiten mit wulstigen Narben im Gesicht wurde Butterball (Simon Bamford), ein eindeutig weiblicher entwickelte sich zum Female Cenobite (Grace Kirby) und schließlich hätten wir noch den Cenobiten mit Nadeln im Kopf, der sich schließlich zu Pinhead entwickeln sollte. Dieser Cenobit unterscheidet sich vor allem in zwei Eigenschaften von der von Doug Bradley verkörperten Horror-Ikone: Seine Stimme wird als hoch und mädchenhaft beschrieben, in Kontrast zu Bradleys beeindruckendem Bass, und er ist zudem nicht der Wortführer der Cenobiten, sondern derjenige, der am wenigsten sagt. Dass sich Letzteres im Film änderte, ist vor allem dem Umstand geschuldet, dass Chatterer und Butterball aufgrund der aufwändigen Masken nicht sprechen konnten, weshalb man ihre Dialogzeilen aus der Novelle Pinhead in den Mund legte.

In der Adaption wie in der Vorlage tauchen die Cenobiten in drei Szenen auf, die Gewichtung unterscheidet sich allerdings ein wenig. Der große Auftritt des Quartetts erfolgt in der Novelle bereits am Anfang, inklusive ausführlicher Dialoge mit Frank. Der Film hingegen zeigt nur vage Eindrücke und kurze Einblendungen. Ihre tatsächliche, große Szene im Film erfolgt erst im Krankenhaus, als Kirsty die Lament Configuration löst – abermals in deutlichem Unterschied zur Novelle. Kirsty gerät im Film zuerst in das Reich der Cenobiten, wo sie von einem bizarren Monster angegriffen wird (hierzu später mehr), erst danach trifft sie auf das Quartett. In der Vorlage hingegen taucht an dieser Stelle nur ein einziger Cenobit auf, das literarische Gegenstück des Female Cenobite. Am Ende erscheinen die Cenobiten noch einmal, um Frank einzusammeln, werden in der Novelle aber vom „Ingenieur“, ihrem Anführer begleitet, dessen Beschreibung sehr vage bleibt. Im Film existiert ebenfalls ein Wesen, das als „Ingenieur“ bezeichnet wird, dabei handelt es sich allerdings um das oben erwähnte, bizarre Monster, das Kirsty durch die Gänge des Labyrinths jagt. Es sei noch zu erwähnen, dass die Cenobiten Kirsty in der Novelle, anders als in der Adaption, nicht angreifen, der Ingenieur gibt ihr lediglich die Lemarchand-Box.

Fazit: Trotz einiger größerer Änderungen ist „Hellraiser“ eine würdige Adaption der Novelle „The Hellbound Heart“. Oftmals kommt es vor, dass ein Autor, der sein eigenes Werk adaptiert, nicht gewillt ist, die nötigen Änderungen für einen funktionierenden Medienwechsel vorzunehmen, auf Clive Barker trifft das allerdings nicht zu, im Gegenteil. Mit „Hellraiser“ schuf Barker nicht nur einen vollauf gelungenen Horrorfilm, sondern, zusammen mit Doug Bradley, auch eine Ikone des Genres.

Bildquelle

Trailer

Siehe auch:
The Scarlet Gospels
Hellbound Hearts
Stück der Woche: Hellbound
Hemators Empfehlungen: Horror-Soundtracks

Pinhead

Halloween 2014
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„I cannot die. I am forever.“
– Pinhead in „Hellraiser Bloodline“

So ziemlich jede erfolgreiche Horrorfilmreihe mit einer Legion immer schlechter werdender Sequels führt ihren Erfolg auf ein ikonisches Monster zurück: „Nightmare on Elm-Street“ hat Freddy Krüger, „Freitag der 13.“ Jason Voorhees, „Halloween“ Michael Myers, „Saw“ hat Jigsaw und „Hellraiser“ hat Pinhead – wobei dieser in meinen Augen bei Weitem der Interessanteste aus dieser Liste der Horrorfilmantagonisten ist. Das liegt schon allein daran dass er, anders als zum Beispiel Michael Myers oder Jason Voorhees, keine tumbe Killermaschine ist. Darüber hinaus ist er auch kein richtiger Slasher und manchen Hellraiser-Filmen nicht einmal der Schurke. In der Tat ändert sich seine Rolle fast von Film zu Film. Dies alles rechtfertigt in meinen Augen eine gründliche Betrachtung der Figur.

The Hellbound Heart

„Weißt du überhaupt, wer wir sind?“
– Proto-Pinhead in Clive Barkers „The Hellbound Heart“ (dt. Titel: “Hellraiser”)

Wer Clive Barkers Novelle, auf der die Hellraiser-Filme basieren, nicht kennt, könnte sich darüber wundern, dass Pinhead, das Aushängeschild des Franchise, darin praktisch überhaupt nicht vorkommt, zumindest nicht so, wie man das erwarten würde. Besonders in Hinblick auf die deutsche Version (die, wie der Film, den Titel „Hellraiser“ trägt) ist dies ironisch, da Pinhead sich auf dem Titelbild befindet.
Die vier Cenobiten, die am Anfang beschrieben werden, entsprechen ungefähr ihren Filmpendants, aber eben nur ungefähr. Einer davon wird wie folgt beschrieben: „‚Verstehst du?‘, wollte die Gestalt neben dem ersten Sprecher schroff wissen. Diese Stimme klang, im Gegensatz zu der des Gefährten, hell und schnaufend – die Stimme eines aufgeregten Mädchens. Jeder Zentimeter des Kopfes war von der komplexen Tätowierung eines Gitters bedeckt, der Schädelknochen an jeder Kreuzung horizontaler und vertikaler Linien von einer edelsteinbesetzten Nadel durchbohrt.“ Mit diesem Cenobiten hat der Pinhead, der letztendlich im Film vorkommt, recht wenig zu tun, bis auf die Tatsache, dass beide Nadeln bzw. Nägel im Kopf haben. Gerade an der Stimme wird dies deutlich, da der Film-Pinhead mit einer sehr tiefen, sonoren Stimme spricht. Der in der Novelle beschriebene Cenobit ist auch nicht der Wortführer der Gruppe, alle anderen geben mehr von sich. Dass Pinhead im Film der wurde, der er ist, hat vor allem praktische Gründe: Das aufwendige Make-up erschwerte den anderen Cenobiten das Sprechen oder machte es unmöglich. Wie so oft sorgte ein Zufall dafür, dass eine Ikone geboren wurde.

Hellraiser

„We’ll tear your soul apart! “
– Pinhead in „Hellraiser”

Wie oben bereits geschildert entstand der eigentlich Pinhead erst für die Filmadaption von „The Hellbound Heart“. Da Clive Barker bereits schlechte Erfahrungen mit Verfilmungen seiner Werke gemacht hatte, beschloss er, bei der Leinwandadaption „The Hellbound Heart“ selbst zu Regie zu führen, sodass er den kreativen Prozess auch kontrollieren und dafür sorgen konnte, dass die Verfilmung seinen Vorstellungen entsprach. Das Design von Pinhead, inspiriert durch die S/M-Szene, den Punk und auch römischen Katholizismus, stammt wohl fast vollständig von Barker selbst.
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Pinhead-Entwurf von Clive Barker

Barker und der Schauspieler Doug Bradley waren zu diesem Zeitpunkt bereits seit vielen Jahren gut Freunde – aus diesem Grund bot Barker Bradley eine verhältnismäßig kleine Rolle in seinem Film an, und zwar die des Anführers der Cenobiten. In der Tat entstand der Name „Pinhead“ erst nach dem Erscheinen von „Hellraiser“, im Abspann ist Doug Bradley als „Lead Cenobite“ aufgeführt.
Einflüsse auf die Konzeption der Figur gibt es viele. Barker wollte sich gezielt von den Monstern der Slasher-Filme der 80er distanzieren; Pinhead sollte weder ein stummer, tumber Killer wie Michael Myers oder Jason Vorhees sein, noch ein Sprücheklopfer wie Freddy Krüger. Stattdessen war die von Christopher Lee dargestellte Version von Dracula eine wichtige Inspiration, Pinhead sollte kultiviert, einschüchternd und stoisch wirken. Bradley selbst erzählte einmal in einem Interview, er sehe Pinhead als eine Mischung aus Oscar Wilde und Noël Coward. Von Barker bekam er die Anweisung, Pinhead als eine Mischung aus Chirurg und Verwalter zu spielen.
Betrachten wir nun einmal Pinheads Rolle im ersten Hellraiser-Film ein wenig genauer. Obwohl er die Posterfigur ist, handelt es sich bei Pinhead eindeutig nicht um den Schurken des Films, denn das ist Frank Cotton. Frank hegt Ambitionen, er ist aktiv und auch die direkte Bedrohung für Kirsty. Pinhead und die Cenobiten dagegen agieren nicht, sie reagieren nur. Sie planen nicht, sie verfolgen keine eigenen Absichten, sie kommen nur, wenn man die Puzzlebox öffnet und gleichen somit eher einer Institution, die lediglich für Menschen unverständliche Regeln befolgt. Gerade im ersten Film der Serie sind die Cenobiten eben eigentlich keine Dämonen oder höllische Wesen (trotz des Titels). Pinhead selbst sagt ja, sie seien „explorers in the further regions of expirience, demons to some, angels to others“. Wenn man „Hellraiser“ für sich betrachtet, sind sie lediglich Wesen aus einer anderen Dimension, nicht einmal primär böse, sondern nur vollständig amoralische Hedonisten, für die Lust und Schmerz unterschiedliche Wege zum selben Ziel sind.
Pinhead hebt sich gegenüber den anderen Cenobiten nur dadurch ab, dass er als ihr Wortführer fungiert, ansonsten hat er keine hervorgehobene Rolle, keinen Hintergrund oder ähnliches. Dennoch schafft es Doug Bradley durch seine stoisch-beeindruckende Präsenz, den Zuschauer sofort für sich einzunehmen. Nach dem Sehen des Film ist es trotz allem nicht Frank, der einem am meisten im Gedächtnis bleibt, sondern der Anführer der Cenobiten.

Hellbound: Hellraiser II

„It is not hands that call us, it is desire!”
– Pinhead in „Hellbound: Hellraiser II“

Bereits im ersten Sequel reagierte man auf die wachsende Beliebtheit Pinheads. Zwar wird er am Ende getötet (aber welche Horror-Ikone kann das schon aufhalten?), und anscheinend war der ursprüngliche Plan, Julia als immer wiederkehrende Schurkin zu verwenden, aber dennoch gibt „Hellbound: Hellraiser II“ Pinhead einen Namen und einen Hintergrund. Der Film beginnt mit einem Mann, der die Puzzlebox öffnet, von Ketten hineingezogen und anschließend in Pinhead verwandelt wird. Im Verlauf des Films findet Kirsty Cotton heraus, wer Pinhead war, bevor er zum Cenobiten wurde: Elliot Spencer, ein britischer Offizier, der nach dem ersten Weltkrieg den Glauben an die Menschheit verliert und deshalb letztendlich in den Besitz der Puzzlebox gelangt. Darüber hinaus erfährt der Zuschauer auch mehr über die Cenobiten an sich und die Dimension, aus der sie stammen. Bei dieser handelt es sich um ein gewaltiges Labyrinth (in gewissem Sinne die Hölle), über diesem schwebt Leviathan, der Herrscher des Labyrinths, in Gestalt einer gewaltigen, dreidimensionalen Raute. Obwohl das Ganze recht abstrakt ist, ist das Labyrinth der christlichen Hölle doch näher als alles, was im ersten Film auftaucht; Leviathan ist immerhin (zumindest dem Namen nach) eine dämonische Kreatur aus der Bibel. Auch scheint es ihm hier in der Tat darum zu gehen, so viele Seelen wie möglich im Labyrinth zu fangen.
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Die ursprünglichen Cenobiten in „Hellbound: Hellraiser II“ (von links nach rechts): Butterball (Simon Bamford), Pinhead (Doug Bradley), Female Cenobite (Barbie Wilde) und Chatterer (Nicholas Vince)

Pinhead selbst hat in „Hellbound: Hellraiser II“ zu Anfang dieselbe Funktion wie in Teil 1, er befolgt die Regeln. Dies zeigt sich vor allem bei seinem ersten Auftritt: Die Puzzlebox wird von einem Mädchen gelöst, das von seinen Psychosen (und so indirekt von ihrem Arzt Dr. Channard, der die Mysterien der Box erforschen möchte) dazu gezwungen wird. Als die Cenobiten sich Tiffany zuwenden wollen, hält Pinhead sie davon ab, da es nicht Hände seien, die sie riefen, sondern Verlangen.
Im Verlauf des Films wird Dr. Channard ebenfalls zu einem Cenobiten und damit zu Pinheads Gegenstück: Wo Pinhead sich an die Regeln hält (oder halten muss), kann Channard scheinbar problemlos verstümmeln und metzeln, wie es ihm beliebt. Letztendlich erinnert sich Pinhead an sein früheres Selbst, es kommt zur Konfrontation mit Channard, während der er zurückverwandelt wird, und schließlich sterben sowohl er als auch die anderen drei ursprünglichen Cenobiten.

Hellraiser III: Hell on Earth

„Down the dark decades of your pain, this will seem like a memory of Heaven.”
– Pinhead in “Hellraiser III: Hell on Earth”

Während die ersten beiden Hellraiser-Filme noch relative stark aufeinander aufbauten, ist der dritte bereits ziemlich losgelöst. Im Grunde sind, bis auf ein paar Anspielungen, Pinhead und die Puzzlebox die einzigen widerkehrenden Elemente. Zwar wurde Pinhead am Ende von „Hellbound“ getötet, aber wann hätte der Tod einer Figur die Studios je daran gehindert, einen Fortsetzung zu machen? Nachdem „Hellbound“ durchaus erfolgreich war, sich viele Fans aber über Pinheads Ableben beschwerten, wurde den Verantwortlichen klar, dass sie den nagelgespickten Cenobiten zurückbringen mussten. Zu diesem Zweck bauten sie auf dem Schlussgag des Vorgängers auf. Obwohl Channard ihm den Hals aufgeschlitzt hat, ist Pinhead noch nicht wirklich tot, vielmehr hat er sich aufgespalten: Seine menschliche Hälfte, Elliot Spencer, befindet sich in einer Art Limbo, während seine Cenobiten-Ich im sogenannten Pillar of Souls, der in den Besitz des Nachtclubbesitzers J. P. Monroe gerät, gefangen ist. Es kommt natürlich, wie es kommen muss: Mit Monroes nicht ganz freiwilliger Hilfe wird Pinhead befreit. Das Ganze ist nicht besonders logisch und wie genau es funktioniert, wird auch nicht erklärt, aber sei’s drum: Pinhead ist zurück.
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Captain Elliot Spencer (natürlich ebenfalls von Doug Bradley dargestellt)

Auffällig bei der Konzeption von Pinhead in diesem Film ist, dass er zum ersten und eigentlich auch einzigen Mal der alleinige Antagonist des Films ist, während Elliot Spencer als Mentor der Protagonistin Joey fungiert. Laut Spencers Erklärungen ist seine böse Seite nun frei und nicht mehr an die Gesetze der Puzzlebox gebunden, was von Pinheads Handlungen bestätigt wird: Nachdem er aus dem Pillar of Souls entkommen ist, massakriert er erst einmal die Besucher von J. P. Monroes Nachtclub (von denen eindeutig niemand die Puzzlebox gelöst hat) und bastelt sich neue Cenobiten, die im Vergleich zu den alten allerdings ziemlich uninteressant sind.
Zusammen mit seiner menschlichen Hälfte hat Pinhead in „Hell on Earth“ darüber hinaus auch seine stoische Präzision verloren, denn erstmals hat er so richtig Spaß bei dem was er tut und lacht sogar das eine oder andere Mal ziemlich bösartig.
Am Ende des Films wird er schließlich wieder mit seiner menschlichen Hälfte vereint und ist damit auch abermals den Gesetzen der Box unterworfen, will heißen, man kann ihn wieder zurück ins Labyrinth schicken, was Joey auch umgehend tut.
Noch eine interessante Beobachtung: Ab diesem und dem folgenden Film werden Pinhead und die anderen Cenobiten explizit als Dämonen bezeichnet.

Hellraiser: Bloodline

„Do I look like someone who cares what God thinks?“
– Pinhead in „Hellraiser: Bloodline“

Da es bei „Hellraiser: Bloodline“ so viele Unstimmigkeiten und Umschnitte gab, ist auch Pinheads Rolle schwerer zu definieren. Ursprüngliche sollte er nur einen sekundären Schurken spielen, der Fokus lag auf der Dämonen-Prinzessin Angelique. Das Studio wollte allerdings mehr von Pinhead, und das früher im Film. Letztendlich kommt Pinhead im fertigen Streifen zu Beginn kurz vor, für den ersten Akt ist allerdings nach wie vor Angelique die Hauptantagonistin, jedenfalls bis sie einen armen Tropf dazu bringt, die Puzzlebox zu lösen, was Pinhead auf den Plan bringt. In der fertigen Version des Films ist das Verhältnis zwischen Pinhead und Angelique aufgrund diverse Umschnitte relativ schwierig zu bewerten, während sie ursprünglich vor allem gegeneinander arbeiten sollten. Wie dem auch sei, ab der Hälfte des Films nimmt Pinhead im Grunde die Zügel in die Hand, sodass Angelique im dritten Akt nicht mehr viel zu tun hat. Pinheads emotionale Ausbrüche aus „Hell on Earth“ wurden jedenfalls wieder merklich zurückgefahren, er agiert wieder stoischer und „professioneller“.
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Angelique (Valentina Vargas), nachdem sie von Pinhead umgestaltet wurde

Obwohl er nun wieder den Gesetzen der Hölle unterworfen ist, scheint Pinhead nach wie vor eine Sonderstellung innezuhaben, so kann er immer noch nach eigenem Gutdünken neue Cenobiten basteln. Auch scheint sich die Funktion der Cenobiten, vor allem gegenüber dem ersten Teil, gewandelt zu haben. Sie reagieren nun nicht mehr einfach auf das Öffnen der Box, sie versuchen aktiv, eine stärkere Präsenz in der sterblichen Welt zu etablieren. Hinzu kommt mit Angelique eine „echte“ Dämonin, wir erfahren, wie Dämonen beschworen wurden, bevor es die Puzzlebox gab und Pinhead deutet an, dass das Labyrinth, wie wir es in „Hellbound“ gesehen haben, eventuell noch nicht sehr alt ist, denn er erklärt Angelique bei ihrem ersten Treffen: „Hell is more ordered since your time, princess. And much less amusing.“ Dies wirft natürlich die Frage auf, inwiefern das alles noch zu Clive Barkers ursprünglicher Version passt. Pinhead und Co. sind hier im Grunde nur noch böse Dämonen, die am Ende auf Hollywood-typische Art besiegt werden. Von der Finesse und Komplexität des ursprünglichen Konzepts bleibt da nicht mehr viel.

Hellraiser: Inferno

„Welcome to hell!“
– Pinhead in „Hellraiser: Inferno“

In den diversen Hellraiser-Direct-to-Video-Filmen wird Pinheads Rolle signifikant reduziert. Dies betrifft nicht nur die Anzahl und Dauer seiner Auftritte, sondern auch die Rolle, die er im Plot spielt. Ab „Hellraiser: Inferno“ arbeitet die Serie praktisch kaum mehr mit dem von Clive Barker geschaffenen Mythos, was primär daran liegt, dass in bereits existierende Drehbücher die Puzzlebox und ein kurzer Auftritt von Pinhead eingefügt wurde, da ein Hellraiser-Film nun einmal diese beiden Elemente braucht und man davon ausgehen kann, dass sich der Streifen mit einem Franchise-Namen einfach besser verkauft.
„Hellraiser: Inferno“ ist dabei zwar der Film, der noch am gelungensten ist, aber auch derjenige, in dem Pinheads Auftritt schlicht um unnötigsten ausfällt. Im Grunde tritt er am Ende für fünf Minuten auf, um dem Zuschauer die Zusammenhänge zu erklären, die dieser ohnehin schon kennt. Dabei ist er weder der Schurke wie in den Teilen 3 und 4, noch die Instanz aus den ersten beiden Filmen der Serie. Im Grunde ist er der Wächter der persönlichen Hölle des Protagonisten, in der dieser sich den ganzen Film über befindet und so gezwungen ist, dasselbe immer wieder zu erleben. Das Problem daran: Nachdem, was die bisherigen Filme etabliert haben funktioniert die Hölle (bzw. das Labyrinth) nicht auf diese Weise, ebenso, wie auch die Konzeption Pinheads in diesem Film absolut nicht zu den restlichen Filmen passt. Die moralische Rolle, die er hier einnimmt, ist absolut nicht mit der amoralischen Grundhaltung der Cenobiten im ersten Film zu vergleichen.

Hellraiser: Hellseeker

„Welcome to the worst nightmare of all… reality!.“
– Pinhead in „Hellraiser: Hellseeker“

Pinheads Rolle im sechsten Film der Reihe gleicht der in „Inferno“ – wieder ist er der Aspekt, der ein vorher selbstständiges Drehbuch zu einem Hellraiser-Film machen soll. Und abermals funktioniert das nicht wirklich. Neben dem nagelköpfigen Cenobiten und der Puzzlebox brachte man sogar Kristy Cotton zurück, die außer der Tatsache, dass sie wieder von Ashley Laurence gespielt wird, nichts mit der ursprünglichen Figur aus den ersten beiden Filmen zu tun hat.
In der Tat ist der Plot von „Hellseeker“ zum Teil sehr verworren, sodass man ohnehin nur schwer Motivationen bei den Figuren ausmachen kann. Was Pinhead angeht, dieser will wohl die offene Rechnung mit Kirsty aus den ersten Filmen begleichen, und bekommt dazu Gelegenheit, weil sie wieder die Puzzlebox öffnet bzw. von ihrem Mann (ein weiterer Arschloch-Protagonist) dazu gedrängt wird. Allerdings kann sie Pinhead davon überzeugen, einen Deal mit ihr einzugehen (schon wieder), indem sie ihm diverse andere Seelen, nämlich die ihres Mannes und seiner diversen Geliebten, anbietet. Dies zeigt abermals, dass sich die Macher von „Hellseeker“ nicht wirklich mit der Materie beschäftigt haben. Damit Pinhead auf besagte Seelen zugriff oder überhaupt ein Interesse an ihnen hätte, müssten sie selbst die Puzzlebox öffnen oder geöffnet haben und anschließend entkommen sein, so wie es bei Frank der Fall war.
Letztendlich läuft das Ganze auf dasselbe hinaus wie in „Inferno“: Der Zuschauer erfährt, zusammen mit dem Protagonisten, dass dieser sich schon den ganzen Film über in seiner eigenen, privaten Hölle befunden hat, und Pinhead ist derjenige, der ihm das erklären darf.

Hellraiser: Deader

„Dreams are fleeting. Only nightmares last forever!”
– Pinhead in „Hellraiser: Deader“

Im Grunde gibt es über „Deader“ dasselbe zu sagen wie über die beiden Vorgänger: Pinhead wurde nachträglich hinzugefügt. Dies merkt man schon daran, dass die Themen des Films, Unsterblichkeit und Nekromantie, mit denen von Clive Barkers Novelle nicht wirklich etwas zu tun haben.
Im Grunde sind Pinhead und die Cenobiten in „Inferno“, „Hellseeker“ und „Deader“ wieder eher Instanzen denn Schurken, aber offensichtlich hat sich niemand so genau damit auseinandergesetzt, wie sie funktionieren. Das gilt speziell für „Deader“, da es ohnehin niemanden mehr zu interessieren scheint, was die Box kann und was sie nicht kann. Im Grunde lassen sich sämtliche übernatürlichen Elemente nicht mit dem Hellraiser-Mythos vereinbaren.
Wenigstens ist die dieses Mal die Protagonistin nicht schon die ganz Zeit in ihrer eigenen, privaten Hölle gefangen. Trotzdem lässt sich Pinheads Funktion in diesem Film am besten mit den Worten „Expositions-Fee“ beschreiben. Er erklärt den löchrigen Plot und räumt am Ende auf, womit er technisch wieder gegen die Regeln des Labyrinths verstoßen würde, aber wen interessiert das überhaupt noch? In „Hell on Earth“ hat man sich wenigstens die Zeit genommen zu erklären, warum er Unbeteiligte niedermetzelt.
Letztendlich ist „Deader“ zwar nicht so unendlich dröge wie „Hellseeker“, hätte aber als Lovecraft-Film besser funktioniert denn als Hellraiser-Streifen – so ist Pinhead letztendlich ebenso fehl am Platz wie in „Inferno“

„Hellraiser: Hellworld“

„You still don’t understand, do you?”
– Pinhead in „Hellraiser: Hellworld“

Diese Frage könnte man auch an die Verantwortlichen hinter den Hellraiser-Filmen 5-8 stellen, gerade was Pinhead betrifft. In diesem Pseudo-Meta-Hellraiser-Film, bei dem sich die Autoren (wieder mal) nicht genug mit den ursprünglichen Filmen auseinandergesetzt haben, verkommt Pinhead endgültig zum Slasher. Zwar sind sich die Autoren und sogar die Figuren im Klaren darüber, dass Pinhead und die Puzzlebox so nicht funktionieren, aber trotzdem wird er nun einmal auf diese Weise eingesetzt. In der Tat handelt es sich bei jeder Pinhead-Sichtung außer der letzten um eine Illusion, was auch erklärt, weshalb der Cenobiten-Chef einfach Leute umbringt, ohne dass die Puzzlebox gelöst wurde.
Am Ende des Films tut dies schließlich der von Lance Henriksen gespielte Gastgeber und es stellt sich heraus, dass Pinhead tatsächlich existiert. Statt den Gastgeber allerdings mitzunehmen, wird er einfach von zwei völlig unkreativen Cenobiten in Stücke gehackt. Im Grunde lohnt es sich kaum zu erörtern, welche Rolle Pinhead in diesem Film spielt, seine Seinsberechtigung ist noch dünner als in den anderen Directo-to-DVD-Filmen der Serie.

„Hellraiser: Revelations“

„We have no desire for you.”
– Pinhead in „Hellraiser: Revelations“

Ein besseres Zitat zu diesem Film, der nur gedreht wurde, damit Dimension die Rechte am Hellraiser-Franchise behalten konnte, kann man wahrlich nicht finden. Dies zeigt sich schon allein daran, dass Doug Bradley, der selbst bei „Hellworld“ noch Pinhead spielte, sich weigerte, an diesem Machwerk teilzuhaben – im Vergleich zu „Revelations“ ist selbst „Hellworld“ noch ansehbar.
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Stephan Smith Collins als Pinhead-Actionfigur

Beim Skript handelt es sich um Grunde um eine abgewandelte Version des Originals, inklusive hautlosem Onkel-Frank-Ersatz, und somit ist auch Pinheads Rolle im Grunde dieselbe wie im ersten Film. Betrachten wir also lieber Doug Bradleys Nachfolger, Stephan Smith Collins, denn bei seinem Pinhead stimmt leider gar nichts. Er hat keine Ausstrahlung, kein Charisma, Kostüm und Make-up wirken, als handle es sich um eine Pinhead-Action-Figur und die Stimme (von Fred Tatatsciore) ist ebenfalls absolut nicht einschüchternd. Über diese Version von Pinhead breitet man lieber den Mantel des Schweigens.

Pinhead außerhalb der Filme

„I require a new arrangement. I require something…greater.”
– Pinhead in „Clive Barker’s Hellraiser: Pursuit of the Flesh“

Nach dem Erfolg der ersten Hellraiser-Filme dauerte es nicht lange, bis die Geschichte um die mysteriöse Puzzlebox auch in comicform fortgesetzt wurde. In der Tat gibt es ziemlich viel Material, diverse länger laufende Serien, Miniserien, Filmadaptionen, Crossover etc. Viele davon erhielten sogar mehr Input von Clive Barker als die meisten Hellraiser-Sequels. Ich habe leider nur einen Bruchteil dieser Comics gelesen, allerdings taucht Pinhead in ihnen eher selten auf, die Comics haben es sich vornehmlich zum Ziel gesetzt, dass Hellraiser-Universum zu erforschen, es werden neue Cenobiten eingeführt und Konzepte erforscht, die man in den Filmen nicht darstellen konnte oder wollte. Als Vorzeige-Cenobit zeigt Pinhead dennoch hin und wieder sein Gesicht und erhielt sogar seine eigene, sechsteilige Miniserie (die ich nicht mein Eigen nenne, weshalb ich nicht weiß, wie sie ihn darstellt).
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Kirsty Cotton als weiblicher Pinhead

Seit 2011 gibt es darüber hinaus eine neue Serie namens „Clive Barker’s Hellraiser“, die vom Erfinder des Franchise zumindest mitverfasst wurde und in der Pinhead wieder eine bedeutende Rolle spielt. In dieser Serie scheint er seiner cenobitischen Existenz überdrüssig zu werden tauscht schließlich den Platz mit Kirsty Cotton, die zu einem neuen, weiblichen und in weiß gewandeten Pinhead wird.
In der Popkultur ist Pinhead natürlich ebenfalls häufig zu finden, fungiert er doch als Vorzeigefigur des Franchise. Als solche hat er sich auch schon einige Male in „Die Simpsons“, bei „Family Guy“, „Robot Chicken“, „South Park“ oder ähnliche Formaten blicken lassen und wurde auch schon anderweitig parodiert, etwa in „The Cabin in the Woods“ – dort tritt eine vertraute Gestalt auf, die statt Nägeln allerdings ein Sägeblatt im Kopf hat.

Things to come…

„We have such sights to show your.”
– Pinhead in „Hellraiser“

Gegenwärtig sind zwei größere Hellraiser-Projekte angekündigt. Zum einen wäre da „The Scarlet Gospels“, ein Romanprojekt, das Clive Barker schon vor einiger Zeit ankündigte und das nun, den Informationen auf Barkers Internetseite zufolge, 2015 erscheint. In diesem sollen nicht nur die Hintergründe der Cenobiten und der Hölle erforscht werden, es soll auch Pinheads Ende enthalten.
Und schließlich ist schon seit längerer Zeit ein Hellraiser-Remake/Reboot angekündigt. 2013 ließ Clive Barker dann überraschend verlauten, er selbst werde Regie führen und Doug Bradley werde ebenfalls als Pinhead zurückkehren. Seither ist es an dieser Front allerdings ruhig geworden.
Sollte es wirklich dazu kommen, und sollte Doug Bradley doch nicht mehr den Anführer der Cenobiten spielen wollen/können (der Gute ist immerhin auch nicht mehr der Jüngste), wäre meine Wahl für Pinhead Benedict Cumberbatch. Er hat das Charisma, die nötige Präsenz und, vor allem, die Stimme. In „Star Trek Into Darkness“ zitiert er Pinhead sogar und klingt fast gleich: „Shall we begin?“

Fazit:
Pinhead ist ohne Zweifel eine Ikone des Horror-Films, die nicht nur auf einer Stufe mit Freddie Kruger und Jason Vorhees steht, sondern diese durch seine interessante und einzigartige Konzeption sogar übertrifft. Und obwohl Pinhead ebenfalls das Aushängeschild seiner Filmserie ist, ändert sich die Rolle, die er spielt, von Film zu Film. Das faszinierende ist, dass Pinhead als Figur so vielschichtig ist, dass er sowohl als emotionslose Instanz als auch als manischer Schurke funktionieren kann.

Halloween 2014:
Only Lovers Left Alive

Siehe auch:
Hellraiser
Hellbound: Hellraiser II
Hellraiser III: Hell on Earth
Hellraiser: Bloodline
Hellraiser: Inferno
Hellraiser: Hellseeker
Hellraiser: Deader
Hellraiser: Hellworld
Hellraiser: Revelations

Hellraiser: Hellseeker

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Story: Trevor (Dean Winters) und seine Frau Kirsty (Ashley Laurence) geraten in einen Autounfall. Einen Monat später erwacht Trevor im Krankenhaus, Kirsty ist verschwunden und er hat Probleme mit Kopfschmerzattacken und Gedächtnislücken. Und als ob das nicht schon schlimm genug wäre, glaubt die Polizei, er sei für das Verschwinden seiner Frau verantwortlich und leidet an Wahnvorstellungen, die es schwierig machen, Realität und Traum auseinanderzuhalten. Nach und nach findet Trevor heraus, dass er sich selbst in einem Netz aus Lügen verstrickt hat, in dessen Zentrum sich eine mysteriöse Puzzlebox befindet…

Kritik: „Hellraiser: Hellseeker“ ist der zweite Direct-to-DVD-Film der Serie und markiert das Franchise-Debüt von Regisseur Rick Bota, der nicht nur für diesen, sondern auch die nächsten beiden Hellraiser-Filme verantwortlich ist.
Im Großen und Ganzen wiederholt „Hellseeker“ die Formel des Vorgängers „Inferno“: Abermals steht ein ziemlich unsympathischer Zeitgenosse im Mittelpunkt, der nach einem einschneidenden Ereignis Probleme damit hat, zwischen Wirklichkeit und Wahn zu unterscheiden. Die Hellraiser-Mythologie spielt dabei bestenfalls eine Nebenrolle, und am Ende entdeckt der Protagonist, dass er sich schon die ganze Zeit in seiner eigenen, persönlichen Hölle befindet, was ihm Pinhead am Ende mitteilt. „Hellseeker“ ist „Inferno“ allerdings in fast jeder Hinsicht unterlegen. Wo „Inferno“ dichte Symbolik und alptraumhafte Bilder liefert, ist „Hellseeker“ in kalten, blaustichigen Bildern gehalten und optisch wie inhaltlich ziemlich langweilig. Trevor ist noch unsympathischer als Joseph Thorne, sodass es schwer fällt, ihm Sympathie entgegen zu bringen, was auch an Dean Winters liegt, der immer nur dieselbe Mimik zur Schau stellt. Darüber hinaus fehlt auch die Spannung, und die wenigen Schockeffekte wirken ziemlich uninspiriert.
Neben Doug Bradley, der wie üblich seinen Fünfminutenauftritt als Pinhead absolviert, kehrt in „Hellseeker“ ein weiterer Veteran des Franchise zurück: Ashley Laurence als Kirsty Cotton. Ihr Rolle fällt allerdings verhältnismäßig klein aus, dennoch kommt man nicht umhin zu bemerken, dass es wahrscheinlich viel interessanter wäre, wenn sie statt Trevor die Protagonistin gewesen wäre, da sich Ashley Laurence schauspielerisch seit „Hellbound: Hellraiser II“ sichtlich verbessert hat.
Letztendlich ist „Hellseeker“, genau wie „Inferno“, ein Psychothriller, der in letzter Sekunde zum Hellraiser-Film umgemodelt wurde. Allerdings fehlt all das, was „Inferno“ zumindest ansatzweise interessant gemacht hat, in diesem Film fast völlig.
Fazit: Der Anfang vom Ende des Franchise. „Hellseeker“ ist der erste in einer Reihe völlig uninspirierter Sequels, deren einziges Highlight Doug Bradleys Auftritt als Pinhead ist. Immerhin ist „Hellseeker“ noch besser als „Hellraiser: Revelations“.

Trailer

Siehe auch:
Hellraiser
Hellbound: Hellraiser II
Hellraiser III: Hell on Earth
Hellraiser: Bloodline
Hellraiser: Inferno
Hellraiser: Deader
Hellraiser: Hellworld
Hellraiser: Revelations

Hellbound: Hellraiser II

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Story: Nach der Begegnung mit ihrem untoten Onkel Frank (Sean Chapman) und den Cenobiten landet Kirsty Cotton (Ashley Laurence) in einer Nervenheilanstalt, wo sie eine Nachricht von ihrem Vater erhält, der scheinbar in der Hölle gefangen ist.
Der Leiter besagter Anstalt, ein gewisser Dr. Channard (Kenneth Cranham), hat seinerseits ein ungesundes Interesse an der Puzzlebox und dem, was sie anzubieten hat. Auch schafft er es, die Matraze, auf der Kirstys Stiefmutter Julia (Claire Higgins) gestorben ist, in seinen Besitz zu bringen und Julia durch das Blut eines Patienten wiederzuerwecken. Schließlich bringen die beiden das autistische Mädchen Tiffany (Imogen Boorman) dazu, die Puzzlebox zu öffnen. Sowohl Kirsty, die ihren Vater retten möchte, als auch Channard und Julia begeben sich nun in die Hölle selbst…

Kritik: Nachdem er „Hellraiser“ beendet hatte, wandte sich Clive Barker anderen Projekten zu. Dummerweise hatte er die Rechte für weitere Verfilmungen bereits an das Studio abgetreten, und da „Hellraiser“ durchaus erfolgreich war, folgte natürlich eine Fortsetzung. Im Gegensatz zu den meisten anderen Hellraiser-Sequels lieferte er für „Hellbound: Hellraiser II“ immerhin noch die Grundstory und arbeitete zusammen mit Peter Akins am Drehbuch, während Tony Randel im Regiestuhl Platz nahm.
Der zweite Teil der Serie ist der einzige, der als eine direkte Fortsetzung fungiert. Die meisten Figuren des ersten Films sind wieder mit dabei, Kirsty Cotton ist abermals die eher uninteressante Heldin, Julia ist laut eigener Aussage nicht mehr die böse Stiefmutter, sondern die böse Königin, Onkle Frank hat einen kurzen Auftritt in der Hölle und der von Doug Bradley gespielte Pinhead ist natürlich ebenfalls wieder mit von der Partie. Während „Hellraiser“ jedoch ein relativ homogenes Ganzes war, ist das Sequel zerfaserter. Es besteht aus mehreren Handlungssträngen, die nicht wirklich passend in einander laufen. Dennoch ist vor allem die erste Hälfte des Films äußerst gut gelungen, was nicht zuletzt Kenneth Cranham zu verdanken ist, der als Antagonist weitaus interessanter ist als Frank. Seine genaue Motivation ist zwar ungeklärt, aber dennoch stellt Cranham Channard als faszinierende, zwischen Wissendurst und Entsetzen hin und eher gerissene Figur dar.
Die Probleme des Films finden sich vor allem in der zweiten Hälfte, die ziemlich überladen ist. Einerseits erweitert „Hellbound: Hellraiser II“ die Mythologie wie kein anderer Film der Serie danach; wir sehen das Labyrinth, quasi die Hölle und Leviathan, den „Gott“ der Cenobiten. Wir erfahren, wie ein Cenobit entsteht und dass sie alle früher Menschen waren. Sogar Pinheads Erschaffung dürfen wir zu Beginn des Films beiwohnen. Gleichzeitig scheinen die Verantwortlichen alles, was sie an Ideen hatten, in diesen Film quetschen zu wollen. Ab dem Zeitpunkt, an dem Channard selbst zum Cenobiten wird, überschlagen sich die Ereignisse, und gleichzeitig scheint man nicht mehr zu wissen, was man mit dem Channard-Cenobiten anfangen soll. Dessen Design ist zwar grandios, aber außer mit Stop-Motion-Tentakeln zu metzeln tut er nicht viel.
Möglicherweise wollte Clive Barker verhindern, dass aus Hellraiser eine Endlosserie wird, wie es bei so vielen anderen Horrorfilmen der Fall ist; das Ende des Films impliziert das jedenfalls, denn Julia, Channard und die Cenobiten (inklusive Pineahd) bringen sich praktisch alle gegenseitig um und der Leviathan wird ebenfalls besiegt. Sollte Barker „Hellbound: Hellraiser II“ in der Tat als Ende der Serie im Sinn gehabt haben, hat er die Rechnung in jedem Fall ohne das Studio gemacht, denn was möglicherweise nur als ironische Schlusspointe gedacht war, wurde als Aufhänger für „Hellraiser III: Hell on Earth“ genommen.
Schauspielerisch sind es abermals Claire Higgins und Doug Bradley, die hervorstechen. Letzterer darf dieses Mal sein Gesicht sogar am Anfang und am Ende unmaskiert zeigen. Kenneth Cranham begegnet den beiden durchaus auf Augenhöhe; als Channard spielt er ziemlich subtil, aber überzeugend, während er als Cenobit gnadenlos aufdreht.
Das einzige Element, das den Vorgänger eindeutig übertrifft, ist die Musik, abermals von Christopher Young. Für das Sequel zieht Young sämtliche Register und entwickelt die Themen und Motive aus „Hellraiser“ gekonnt weiter.
Fazit: „Hellbound: Hellraiser II“ ist durchaus amüsant und unterhaltsam, hätte aber sehr viel mehr sein können, das Potential wäre vorhanden gewesen. Die Mythologiebildung steht eindeutig im Vordergrund, während der Horror zweitrangig ist.

Trailer

Siehe auch:
Hellraiser
Hellraiser III: Hell on Earth
Hellraiser: Bloodline
Hellraiser: Inferno
Hellraiser: Hellseeker
Hellraiser: Deader
Hellraiser: Hellworld
Hellraiser: Revelations

Hellraiser

Halloween 2012

Story: Der Hedonist Frank Cotton (Sean Chapman), stets auf der Suche nach neuen Genüssen, kommt in den Besitz einer mysteriösen Puzzlebox, die angeblich unendlichen Genuss verspricht, wenn man sie löst. Dies gelingt Frank in seinem Haus, doch statt williger Sexgöttinnen erscheinen die Cenobiten, die Priester vom Orden der Offenen Wunde, angeführt vom eindrucksvollen Pinhead (Doug Bradley), die Frank mit sich nehmen. Einige Zeit später ziehen Franks Bruder Larry (Andrew Robinson) und dessen zweite Frau Julia (Claire Higgins) in Franks altes Haus ein. Durch einen Zufall gelangt Blut auf die Stelle, an der Frank verschwunden ist, was ihn zurückholt, doch um sich völlig regenerieren zu können, braucht er mehr Blut. In Julia findet er schließlich eine willige Komplizin, die ihm stets neue Opfer bringt. Doch Larrys Tochter Kirsty (Ashley Laurence) bemerkt bald, dass etwas Merkwürdiges vorgeht, und versucht, hinter das Geheimnis ihrer Stiefmutter zu kommen…

Kritik: Wer einen Blick auf die Bilder am Rand der Startseite geworfen hat, dem mag der nette Herr mit den Nägeln im Kopf aufgefallen sein, vielleicht verbunden mit der Frage, weshalb er bisher auf diesem Blog noch keine Rolle gespielt hat. Das ändert sich nun. Für alle, die ihn nicht kennen: Es handelt sich bei diesem Herrn um Pinhead, die Vorzeigefigur der Hellraiser-Serie.
Die Geschichte dieses Horror-Franchise begann im Jahr 1986, als Cilve Barkers Novelle „The Hellbound Heart“ (der Titel der deutschen Übersetzung lautet, nach der Verfilmung, „Hellraiser“) erschien. Barker, der zuvor bereits schlechte Erfahrungen mit der Verfilmung seiner Werke gemacht hatte, wollte nicht, dass irgendjemand „The Hellbound Heart“ verpfuschte, weshalb er sich selbst ans Werk machte, seine Novelle als Drehbuch adaptierte und auch höchstpersönlich Regie führte. Die Verfilmung mit dem Namen „Hellraiser“ war enorm erfolgreich und begründete, wie „Halloween“, „Nightmare on Elm Street“ oder „Saw“ eine extrem langlebige Serie von Horrofilmen (bis dato gibt es acht Sequels), deren Qualität erwartungsgemäß stark schwankt. Mein erster Kontakt mit dem Hellraiser-Universum war allerdings nicht dieser Film, sondern der vierte Teil, „Hellraiser: Bloodline“, über den ich zu gegebener Zeit ebenfalls noch etwas schreiben werde, ebenso wie über die anderen Filme der Serie. Dennoch ist es sicher sinnvoll, mit dem ersten anzufangen. Und da ich vor kurzem Clive Barkers Novelle gelesen habe, bietet sich hierbei, verbunden mit der eigentlichen Rezension, auch ein Vergleich mit der Vorlage an.
„The Hellbound Heart“ ist ein recht kurzes, aber durchaus kräftiges Stück Horrorliteratur, das sich stark mit den Themen Lust, Schmerz und Begehren auseinandersetzt. Der Film folgt der Vorlage eigentlich recht genau, es gibt allerdings die eine oder andere Änderung. So ist Kirsty Cotton zum Beispiel in der Novelle lediglich eine Freundin Larrys (der dort den Namen Rory trägt), während sie im Film seine Tochter ist – Frank, Julia und Larry/Rory sind im Film auch allesamt älter, während Kirsty jünger ist. Darüber hinaus ist der Horror der Vorlage ein wenig psychologischer, während der Schrecken im Film eher „körperlich“ ist, was u.a. auch dem Film als visuellem Medium geschuldet sein dürfte. Die wichtigste Änderung, vor allem für die zukünftigen Filme, hängt mit den Cenobiten zusammen. In der Novelle sind sie eher vage beschrieben und zu fünft, vier „gewöhnliche“ Vertreter ihrer „Gattung“ und der Ingenieur, der als Anführer fungiert und nur einen sehr kurzen Auftritt hat. Im Film sind sie ebenfalls zu fünft, allerdings ist der Ingenieur ein merkwürdiges Monster geworden. Die anderen vier entsprechen ungefähr den Beschreibungen in der Novelle. Es gibt einen massiven Cenobiten mit zugenähten Augen, einen mit auffallenden Zähnen, einen weiblichen Cenobiten und schließlich einen mit Nägeln im Kopf. In der Novelle betätigt sich der weibliche Cenobit meistens als Wortführer. Im Film wurde jedoch der Cenobit mit den Nägeln zum Anführer. Clive Barkers Freund Doug Bradley übernahm die Rolle und wurde so zu einer Ikone des Horrorfilms. Obwohl sein Auftritt ziemlich kurz ausfällt, ist er enorm eindrucksvoll. Doug Bradleys Körpersprache, Stimme und Aussehen sorgen sofort dafür, dass sich Pinhead ins Gedächtnis einbrennt – es gibt einen Grund, weshalb er der einzige Cenobit ist, der in allen neun Hellraiser-Filmen auftaucht (der eine, in dem er nicht von Doug Bradley gespielt wird ist sowieso ein Totalausfall). Pinhead wurde dabei gezielt als Gegenentwurf zu den in den 80ern üblichen Slasher-Schurken wie Micheal Myers oder Jason Vorhees kreiert und orientiert sich mit seiner zum Teil stoischen, aber intelligenten Art eher am von Christopher Lee verkörperten Dracula.
Sehr interessant ist dabei allerdings, wie sich die Rolle Pinheads (und der Cenobiten) im Verlauf der Serie ändert. Während er, bzw. sie, in den späteren Sequels eindeutig dämonische Schurken sind, bezeichnet Pinhead die Cenobiten im ersten Film als „Explorers in the further regions of experience. Demons to some. Angels to others.“
Der eigentliche Schurke des Films ist Frank, dessen Wiedererweckung und Wiedererstarkung im Mittelpunkt stehen. Interessanterweise wird Frank nicht nur von einem, sondern von gleich drei Schauspielern verkörpert: Sean Chapman spielt den eigentlichen Frank, den man am Anfang des Films und in Rückblicken sieht, Oliver Smith spielt Frank als schleimige, hautlose lebendige Leiche und Andrew Robinson spielt ihn, nachdem er die Haut seines Bruders angelegt hat. Leider sticht keiner der drei so sehr heraus wie die Cenobiten, wobei der hautlose Frank wohl den bleibendsten Eindruck hinterlässt. Sehr kreativ ist jedoch die Art, mit der Clive Barker der Zuschauer über Frank informiert. In der Vorlage wird seine Vorgeschichte geschildert, ebenso wie seine Suche nach neuen Genüssen, was im Film eher angedeutet und symbolisch verdeutlicht wird, u.a. durch die Gegenstände in Franks Zimmer, die fast mehr sagen als die direkten Beschreibungen.
Die beste schauspielerische Leistung (nach Doug Bradley natürlich) erbringt Claire Higgins als Julia. Zwar entspricht sie nicht unbedingt Clive Barkers Beschreibung, allerdings schafft Higgins es, Julias Charakter und die kühle Herablassung, mit der sie anderen begegnet, wunderbar darzustellen. Der Rest ist eher sosolala, funktional bis solide, aber nicht wirklich herausragend. Ashley Laurence merkt man an, dass dies einer der ersten Film ist, in dem sie mitspielt.
Aufgrund seines Alters – „Hellraiser“ erschien 1987 – wirkt der Film inzwischen leider etwas altbacken, stärker im Jahrzehnt seiner Entstehung verhaftet und allgemein weniger zeitlos als Barkers Novelle. Dies merkt auch manchmal an den Effekten, die für die damalige Zeit sicher beeindruckend waren, heute jedoch teilweise nicht mehr ganz überzeugen können. Dies betrifft in erster Linie die von den Cenobiten häufig verwendeten Haken, die an Franks Haut ziehen und den Ingenieur. Allerdings kann sich vor allem Franks schleimige Auferstehung durchaus auch heute noch sehen lassen.
Dass „Hellraiser“ trotzdem noch wirkt, ist, neben der Geschichte selbst, vor allem dem äußerst kreativen Design der Cenobiten und dem gelungenen Make-up zu verdanken. In dieser Hinsicht erwähnenswert ist auch in jedem Fall Christopher Youngs grandioser Soundtrack, der nur noch vom Score des zweiten Hellraiser-Films übertroffen wird. Ohne sich auf die inzwischen viel zu oft verwendeten schrillen Streicher á la „Psycho“ zu verlassen, schafft Young es, eine beklemmende Atmosphäre zu erschaffen; seine Musik ist zugleich finster, episch und beeindruckend.
Fazit: „Hellraiser“ mag ein wenig altbacken wirken, ist aber völlig zurecht ein Klassiker des Horrorgenres. Clive Barker hat seine Novelle gelungen adaptiert und einen äußerst kreativen Horrorfilm geschaffen. Vor allem die Mythologie der Cenobiten, die hier nur leicht angerissen wird, schreit geradezu nach mehr.

Trailer

Halloween 2012:
Prämisse
Hellraiser: Inferno
Gehenna: Die letzte Nacht
Hellraiser: Revelations
Sodium Babies
Die zehn besten Horror-Soundtracks
American Horror Story
Finale

Siehe auch:
Hellbound: Hellraiser II
Hellraiser III: Hell on Earth
Hellraiser: Bloodline
Hellraiser: Hellseeker
Hellraiser: Deader
Hellraiser: Hellworld