Justice League – Soundtrack

Spoiler!
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Track Listing:

01. Everybody Knows (written by Leonard Cohen and Sharon Robinson, performed by Sigrid)
02. The Justice League Theme – Logos
03. Hero’s Theme
04. Batman on the Roof
05. Enter Cyborg
06. Wonder Woman Rescue
07. Hippolyta’s Arrow
08. The Story of Steppenwolf
09. The Amazon Mother Box
10. Cyborg Meets Diana
11. Aquaman in Atlantis
12. Then There Were Three
13. The Tunnel Fight
14. The World Needs Superman
15. Spark of The Flash
16. Friends and Foes
17. Justice League United
18. Home
19. Bruce and Diana
20. The Final Battle
21. A New Hope
22. Anti-Hero’s Theme
23. Come Together (written by John Lennon and Paul McCartney, performed by Gary 24. Clark Jr. and Junkie XL)
25. Icky Thump (written by Jack White, performed by The White Stripes)
26. The Tunnel Fight (Full Length)
27. The Final Battle (Full Length)
28. Mother Russia

Ursprünglich war „Justice League“ ein Score, für den ich schwarzsah. Zwar kündigte Hans Zimmer nach „Batman v Superman: Dawn of Justice“ an, von nun an keine Superheldenmusik mehr schreiben zu wollen, aber da sein Schüler Tom Holkenborg alias Junkie XL übernehmen sollte, galt es für mich als sicher, dass der von mir gehasste Stil der beiden Snyder-DC-Film bleiben würdem. Dann kam Joss Whedon, um den Film fertigzustellen, und er brachte Danny Elfman mit, der ihm schon bei „Avengers: Age of Ultron“ ausgeholfen hatte und nun abermals in recht kurzer Zeit die Musik für ein Superheldenteam komponierte.

Während die Zimmer/Holkenborg-Scores zu „Man of Steel“ und „Batman v Superman“ beim vielen Filmmusikfans überhaupt nicht gut ankamen, gibt es eine ganze Reihe von (zumeist jüngeren) Fans der DCEU-Filme, für die auch diese Scores das Nonplusultra darstellen, und selbst unter denen, die Snyders Schaffen ablehnen, gibt es viele, für die zumindest die Musik ein positiver Aspekt dieses Franchise ist. Meine eigene, weit negativere Meinung werde ich an dieser Stelle nicht noch einmal wiederholen, da ich sie schon genügend an anderer Stelle kundgetan habe.

Elfmans erster DC-Score seit „Batmans Rückkehr“ ist jedenfalls ein ziemlich krasser Stilbruch, da er die Methodologie von Zimmers Superheldenmusik ebenso vehement ablehnt wie ich und das auch ziemlich deutlich kundtut. Zugegebenermaßen wirkt er dabei mitunter eine Spur arrogant; gerade seiner Aussage, es gäbe nur ein Batman-Thema, kann ich nicht wirklich zustimmen, da ich das von Shirley Walker geschriebene Leitmotiv aus „Batman: The Animated Series“ Elfmans Komposition vorziehe. Man muss allerdings hinzufügen, dass es auch diverse Zimmer-Interviews gibt, in denen er sich nicht gerade mit Ruhm bekleckert – ohne ein gewisses Ego kommt wohl einfach nicht so weit wie diese beiden Komponisten.

Elfmans Ansatz für „Justice League“ hat unter den Fans der DCEU-Scores viel Kritik hervorgerufen, die ich auf formaler Ebene sehr gut nachvollziehen kann. Als Fan leitmotivischer Kontinuität hat es mich schon oft genug aufgeregt, wenn ein Komponist das zuvor Etablierte ignoriert. In diesem Fall finde ich das zuvor Etablierte allerdings ziemlich unterirdisch. Zudem verwirft Elfman nicht alles, ein paar musikalische Verknüpfungen gibt es. Die dominanteste ist das Wonder-Woman-Thema, das in dem Track Wonder Woman Rescue mehrfach auftaucht, im restlichen Score aber bestenfalls hin und wieder subtil angedeutet wird. Anders als Rupert Gregson-Williams, der besagtes Motiv aus „Batman v Superman“ meistens ohne große Änderungen übernahm, macht sich Elfman das Thema zu Eigen und zeigt keine Hemmungen, die Instrumentierung zu verändern. Statt des elektrischen Cellos wird das Thema von gewöhnlichen Streichern und Blechbläsern gespielt, wobei eine E-Gitarre immer mal wieder in der Begleitung mitmischt. Im Film selbst ist darüber hinaus auch Zimmers Krypton-Thema, das die Basis für alle Superman-bezogenen Motive bildet, in der Szene zu hören, in der die Liga das kryptonische Schiff betritt. Dabei handelt es sich allerdings nicht um eine neue Version, sondern um eine Einspielung aus dem Score von „Man of Steel“. Hin und wieder könnte man darüber hinaus meinen, Elfman greife das eine oder andere musikalische Konstrukt aus den Soundtracks der Vorgänger auf. Sowohl in Hero’s Theme (ab der Dreiminutenmarke) als auch in The Amazon Mother Box (direkt am Anfang) meint man, die repetitiven Motive herauszuhören, die die Action- und Suspense-Musik von „Man of Steel“ und „Batman v Superman“ dominierten.

Trotz des einen oder anderen Zugeständnisses an die Zimmer-Methodologie – tiefere Bässe, die eine oder andere elektronische Spielerei – ist der Justice-League-Score doch klassische Orchesterarbeit. Elfman kehrt dafür allerdings bis auf wenige Ausnahmen nicht zum opernhaften Pathos seiner beiden Batman-Scores zurück, sondern bedient sich seines moderneren Stils für Action-Filme, den er bereits erfolgreich in Scores wie „Wanted“, „Hellboy II: Die goldene Armee“, „Alice Through the Looking Glass“ und natürlich „Avengers: Age of Ultron“ einsetzte. Besonders Letzterer kam bei vielen nicht gut an, was ich nicht wirklich nachvollziehen kann. Zwar wurde der Score im Film nicht besonders gut abgemischt, weshalb er in den Soundeffekten unterging (ein Problem, das auch „Justice League“ hat), und zu allem Überfluss wurde die Musik auch noch verhackstückt, aber die Kompositionen selbst fand ich exzellent und habe somit kein Problem damit, dass Elfman diesen Stil für die Justice League wieder aufgreift.

Und noch etwas andere greift Elfman auf: Statt sich der von Zimmer und Holkenborg etablierten Themen für Batman und Superman zu bedienen, verwendet Elfman hier die klassischen Themen der Figuren, nämlich sein eigenes Batman-Thema von 1989 und das Superman-Thema von John Williams aus dem Jahr 1978. Eine durchaus interessante Vorgehensweise, da bei Reboots normalerweise musikalische Bezüge zu früheren Inkarnationen völlig fehlen, wenn es sich nicht gerade um James Bond handelt. Ich habe an den Scores von „Man of Steel“ und „Batman v Superman“ auch nie kritisiert, dass sie sich nicht der klassischen Themen bedienen, sondern dass sie keine adäquaten neuen Leitmotive liefern, die die Figuren angemessen repräsentieren. Wie dem auch sei, Elfman beschränkt sich nicht darauf, die Themen einfach nur zu zitieren, er arbeitet sie kunstvoll in den Score ein, und das auf äußerst moderne Weise. Es lässt sich nicht leugnen: In der modernen Filmmusiklandschaft sind ausschweifende Statements von Themen mit langen Melodielinien selten geworden. Die digitale Schnitttechnik erlaubt es, Filme buchstäblich bis zur letzten Sekunde zu schneiden, wovon Filmemacher nur allzu gerne Gebrauch machen. Nun kann man meistens nicht bei jedem dieser Last-Minute-Umschnitte noch einmal den Komponisten samt Orchester einbestellen, damit er den Score anpasst – aus diesem Grund sind die knapperen Motive und der weniger komplexe, repetitive Stile von Remote Control so populär geworden, weil Regisseure und Cutter Musik dieser Art viel leichter bearbeiten können als ein Konstrukt, das in sich zusammenfällt, wenn man auch nur ein paar Noten herauskürzt. Lange Rede, kurzer Sinn: In „Justice League“ setzt Elfman die beiden ikonischen Themen sehr motivisch und fragmentiert ein, keines bekommt ein ausführliches Statement, jeder Einsatz ist bestenfalls ein paar Sekunden lang.

Supermans Thema taucht beispielsweise lediglich in zwei Tracks auf: Friends and Foes und The Final Battle. Friends and Foes untermalt Supermans Kampf gegen seine Kameraden, als er kurz nach seiner Auferstehung noch nicht ganz zurechnungsfähig ist. Bedrohliche Fragmente der Melodie durchziehen von Anfang an das gesamte Stück, am deutlichsten ist es jedoch bei 2:18 zu hören. Die Variation in The Final Battle (2:47, kurze Fassung) ist zwar ebenfalls nur ein knappes Fragment, dafür aber eindeutig heroisch.

Sein eigenes Thema für Batman setzt Elfman da weitaus großzügiger ein, aber auch dieses ikonische Leitmotiv bleibt fragmentarisch. Wie ich schon im Vorfeld vermutet hatte, bedient sich Elfman primär des aus fünf bzw. sechs Noten bestehenden Kernmotivs. Erste Andeutungen sind in Batman on the Roof zu hören. Hier kehrt Elfman bezüglich Stil und Instrumentierung zum Tonfall seiner Batman-Scores zurück, vermeidet es aber, das Thema eindeutig zu zitieren, stattdessen tänzelt er gewissermaßen um es herum. Einer der deutlichsten Einsätze findet sich in Then There Were Three, was auch angemessen ist, schließlich befinden wir uns in Gesellschaft Comissioner Gordons und des Bat-Signals. Die meisten anderen Einsätze tauchen mehr oder weniger subtil in den beiden massiven Action-Tracks The Tunnel Fight und The Final Battle auf, denen ich mich später noch einmal ausführlicher widmen werde. In Letzterem ist sogar einmal, wenn auch nur kurz, der tatsächliche Batman-Marsch zu hören (bei 1:14, kurze Fassung) – leider geht er im Film im Dröhnen des Batmobils unter.

Insgesamt funktioniert die Verwendung dieser klassischen Themen hier fast besser, als ich erwartet hätte; sowohl Elfmans als auch Williams‘ Thema erweisen sich als äußerst zeitlos und wissen auch noch nach Jahrzehnten in neuem Kontext zu überzeugen. Gerade bei Superman passt es ziemlich gut, da der Mann aus Stahl in diesem Film kaum mehr etwas mit dem brütenden Möchtegern-Batman der letzten beiden Filme gemein hat – hier gibt es den klassischen Superman.

Kommen wir nun zu den neuen Themen, die Elfman komponiert hat – und davon gibt es eine ganze Reihe. Jedes Mitglied der Liga erhält zumindest ein mehr oder weniger ausgearbeitetes Motiv, und darüber hinaus finden sich auch noch Themen für Steppenwolf, Lois und Clark, die Liga als Ganzes und das Konzept des Heldentums. Beginnen wir mit Letzterem, welches primär in Hero’s Theme zu hören ist. Bei diesem Track handelt es sich um eine Suite, die zu keiner spezifischen Szene gehört – hier gibt es noch am ehesten eine gewisse Vermischung der Stile von Zimmer/Holkenborg und Elfman; recht viel Bass, tiefe Streicher etc. In diesem Track tauchen bereits diverse, zum Teil extrem subtile Anspielungen an die individuellen Identitäten der einzelnen Helden auf. Interessanterweise findet man das eigentliche Thema, das in dieser Suite vorgestellt wird, im Score ziemlich selten, primär in beiden großen Action Tracks The Tunnel Fight und The Final Battle, wo es genutzt wird, um individuelle heroische Anstrengungen zu untermalen.

Das Thema für die Liga ist ein anderes, zum ersten Mal zu hören ist es in The Justice League Theme – Logos. Als Thema für die Liga ist es insgesamt in Ordnung, ein traditionelles heroisches Thema, das allerdings keines ist, das bei vielen lange im Gedächtnis bleiben wird. Eine gewisse Verwandtschaft zum Thema der Avengers, vor allem natürlich Danny Elfmans Hybrid-Version, lässt sich nicht leugnen. Ich bin schon ein wenig enttäuscht, dass dieses Thema nicht etwas hervorstechender und individueller geworden ist, aber dann höre ich mir auf Youtube das an, was Holkenborg angeblich bereits für „Justice League“ komponiert hat (es klingt zumindest passend) und erfreue mich plötzlich wieder an ihm. Zwar ist es nicht besonders markant, erweist sich aber als sehr formbar und macht sich in den bereits erwähnten Action-Tracks, in denen es Teamworkmomente untermalt, äußerst gut. Weitere Solomomente erhält es in Justice League United und A New Hope.

Die Themen für die einzelnen Ligisten werden jeweils in den Tracks der ersten Hälfte des Albums vorgestellt, die ihren Namen tragen. Enter Cyborg führt Victor Stones eher tragisch anmutendes Thema ein, zuerst auf dem Klavier, später mit Streichern. Cyborg Meets Diana baut auf diesem Fundament auf und lässt Cyborgs Thema sogar mit einer extrem subtilen Variation des Wonder-Woman-Motivs interagieren (2:18). Eine heroische Variante ist in The Final Battle bei 3:25 (kurze Version) zu hören. Aquamans Thema taucht in Aquaman in Atlantis zum ersten Mal auf und durchzieht in seiner dekonstruierten Form den gesamten Track. Ein eindeutigeres Statement findet sich beispielsweise in The Tunnel Fight bei 5:18 (kurze Version).

Flashs Thema war für mich von drei neuen Solo-Themen am leichtesten zu identifizieren, weil seine Einsätze im Film sehr deutlich sind; wann immer sich Flash in die Speed-Force versenkt und alles um ihn herum sich in Zeitlupe bewegt, erklingt sein Motiv, ein von hohen Streichern gespieltes Ostinato, punktiert von einzelnen, tiefen Blechbläsernoten. Sehr deutlich ist dieses Thema in Spark of the Flash zu vernehmen (ab 1:38), ebenso wie in The Tunnel Fight (3:37, kurze Version) uns Friends and Foes (1:42). Wegen seiner repetitiven Natur ist Flashs Thema interessanterweise auch das neue Thema, das am ehesten so klingt, als hätte es durchaus auch von Zimmer oder Holkenborg kommen können – wobei die Instrumentierung natürlich trotzdem Elfmans Handschrift trägt.

Das Lois/Clark-Thema ist eine klassisch-romantische Streichermelodie mit Klavierakzenten, die am Ende von Friends and Foes debütiert und in Home ausführlich behandelt wird. Und schließlich hätten wir da noch Steppenwolfs Thema, eine bedrohliches Chor- und Blechbläser-Motiv, das besonders in The Story of Steppenwolf und The Amazon Mother Box dominant ist, aber auch in The Tunnel Fight und The Final Battle immer wieder auftaucht.

Insgesamt ist „Justice League“ leider nicht ganz das Meisterwerk, das ich mir zumindest heimlich erhofft habe, zu schwach ist dafür das Hauptthema, und trotz meiner Abneigung gegen die bisherigen DCEU-Motive hätte ich es gerne gesehen, wenn Elfman sie in noch größerem Ausmaß integriert hätte; nicht nur aus Kontinuitätsgründen, sondern auch, weil ich gerne gehört hätte, wie Elfman sie sich zu Eigen macht, so, wie er es beim Thema von Wonder Woman getan hat. Ein Hybrid aus dem Batman-Thema von ’89 und dem Holkenborg-Rhythmus oder die Superman-Themen von Williams und Zimmer im Kontrapunkt wären interessant gewesen. Die größte Stärke des Scores gleicht diese kleinen Mängel allerdings mühelos aus: Die Actionmusik, die Elfman hier liefert, ist schlicht phänomenal – in den bisherigen DCEU-Scores gibt es nichts, das damit auch nur ansatzweise vergleichbar wäre. Anstatt alles in sinnlosem elektronischen Dröhnen und tumbem Getrommel zu ertränken, komponierte er zugleich filigrane und bombastische Stücke, unglaublich detailverliebt, kreativ, komplex und leitmotivisch wunderbar ausgearbeitet. Abermals verweise ich auf die Action-Tracks The Tunnel Fight und The Final Battle, die jeweils in einer langen und einer kurzen Version vorliegen, was zumindest bei Ersterem relativ unnötig ist. Bei The Final Battle gibt es einen kleinen, aber doch signifikanten Unterschied; der heroische Einsatz von Supermans Thema findet sich lediglich in der kurzen Version. Wie dem auch sei, in diesen Tracks lässt Elfman die verschiedenen Themen und Motive fließend ineinander übergehen, unterlegt das Batman-Thema mit dem Rhythmus des Wonder-Woman-Motivs oder lässt Steppenwolfs Thema gegen die heroischen Leitmotive antreten. Diese beiden Tracks allein sind den Preis des Albums wert und gehören zweifellos zu den besten des Jahres – genau SO sollte Superheldenmusik klingen.

Fazit: Danny Elfmans „Justice League“ ist primär ein Score für Filmmusikfans, die die subtilen kleinen Nuancen und die aufwendige Orchesterarbeit zu schätzen wissen. Als solcher ist er zwar nicht frei von Schwächen (etwas schwaches Hauptthema, mehr Kontinuität zu bisherigen Scores wäre nett gewesen), aber diese fallen letztendlich kaum ins Gewicht. „Justice League“ ist ein ausgezeichneter Superhelden-Score und der mit Abstand bislang beste Soundtrack des DCEU.

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Siehe auch:
Justice League – Ausführliche Rezension
Man of Steel – Soundtrack
Batman v Superman: Dawn of Justice – Soundtrack
Wonder Woman – Soundtrack
Avengers – Age of Ultron – Soundtrack

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Justice League – Ausführliche Rezension

Spoiler nach dem ersten Absatz!
jl

Da ist sie also, die Justice League, mein Vorletzter Pflichtfilm für dieses Jahr. Wäre das irgend ein anderer Film, würde ein normale Rezension eigentlich völlig ausreichen, aber es handelt sich hierbei nun einmal um mein liebstes Superheldenteam – und zudem kann man schon allein wegen den Produktionsschwierigkeiten und dem Theater hinter den Kulissen einiges zu diesem Film schreiben. Meine spoilerfreie Meinung kann man dieses Mal mit einem Zitat von Douglas Adams sehr knapp zusammenfassen: „Mostly harmless.“ Der Kontrast zu „Batman v Superman: Dawn of Justice“ ist schon faszinierend; wo dieser Film zu viel wollte und daran grandios scheiterte, will „Justice League“ zu wenig, um zu scheitern. Man wird mitunter den Eindruck nicht los, als wären alle beteiligten froh, dass diese Sache nun endlich vorbei ist. Dass „Justice League“ trotzdem ein besserer Film als „Dawn of Justice“ geworden ist, sagt eigentlich mehr über Letzteren denn Ersteren aus.

Was bisher geschah…
Irgendwie läuft’s bei den DC-Filmen nie wirklich rund. Manches lässt sich weder vorhersehen noch beeinflussen, vieles geht jedoch auf schlichte Unfähigkeit auf der Seite des Studios zurück. Nachdem „Batman v Superman: Dawn of Justice“ bei den Kritikern durchfiel, versuchte Warner fieberhaft, sein „DC Extended Universe“ (das laut offizieller Aussage gar nicht so heißt, was verkündet wurde, nachdem dieser Begriff bereits zwei Jahre in Gebrauch war) richtig aufzuziehen und reagierte dabei ziemlich kopflos. Schon „Batman v Superman“ wurde in der Postproduktion verstümmelt (was allerdings nur ein Problem unter vielen ist), bei „Suicide Squad“ ließ man den Film dann von einer Trailerschmiede neu schneiden. Unglaublich, aber wahr: Der Film mit der wenigsten Studioeinmischung, „Wonder Woman“ kam insgesamt am besten an und erwies sich als der Profitabelste des Franchise – vielleicht sollte man daraus eine Lehre ziehen. Wie dem auch sei, der tragische Selbstmord von Zack Snyders Tochter ist natürlich nichts, was man einkalkuliert und es ist völlig nachvollziehbar, dass sich Snyder von der Produktion zurückzieht, um diesen Verlust zu verarbeiten. Joss Whedon als Drehbuchdoktor und Regisseur für die Nachdrehs und Postproduktion ist natürlich dann wieder eine interessante Wahl und lässt darauf schließen, dass man bei Warner mal wieder versucht, den leichten Weg zu wählen (mehr Humor und mehr wie Marvel gleich Erfolg), anstatt sich auf die Umsetzung der gewählten Prämisse zu konzentrieren. Wie ich bereits bei meiner BvS-Rezension sagte: Meine Kritik bezieht sich nicht auf die Prämisse (düsterer, ernster Superheldenfilm; wie so etwas gut funktioniert haben wir erst dieses Jahr mit „Logan“ gesehen), sondern auf die katastrophale Umsetzung.

Handlung
Superman (Henry Cavill) ist tot. Ungeschickterweise tauchen gerade jetzt merkwürdige, geflügelte Wesen auf, die Ärger machen. Batman (Ben Affleck) vermutet bereits seit längerem, dass da mehr dahinter steckt. Es erweist sich, dass der Dunkle Ritter den richtigen Riecher hat, denn der außerirdische Kriegsherr Steppenwolf (Ciarán Hinds), der vor vielen Jahrtausenden bereits einmal versuchte, die Erde zu erobern, ist zurück, um sein Werk zu vollenden. Damals kämpften Menschen, Amazonen und Atlanter vereint gegen die Invasoren, ja selbst die Götter und mindestens eine Green Lantern halfen dabei, den Kriegsherren zu vertreiben. Steppenwolf ließ drei Mutterboxen zurück, die von den drei siegreichen Völkern verwahrt werden. Um seine Pläne umzusetzen, benötigt Steppenwolf alle drei. Um dies zu verhindern versammelt Batman eine Verteidigung für die Erde. Neben Diana Prince/Wonder Woman (Gal Gadot) rekrutiert er auch den Atlanter Arthur Curry/Aquaman (Jason Momoa), Barry Allen/Flash (Ezra Miller) sowie Victor Stone/Cyborg (Ray Fisher). Doch die fünf widerwilligen Helden scheinen nicht auszureichen, um Steppenwolf in seine Schranken zu weisen, denn es ist ihm bereits gelungen, die Mutterboxen der Atlanter und der Amazonen zu entwenden. Und so fragt sich Batman, ob es nicht möglich sein könnte, mit der dritten Mutterbox Superman wieder zum Leben zu erwecken…

Snyder vs. Whedon? Die Stilfrage
Insgesamt ist noch relativ unklar, wie viel Joss Whedon nun tatsächlich in „Justice League“ steckt. Einigen Szenen merkt man deutlich an, dass sie im Zuge der Nachdrehs entstanden sind (und das nicht nur wegen Whedons Handschrift), aber allein schon mit dem Schnitt kann man natürliches einiges verändern. Hinzu kommt, dass „Justice League“ laut Warner und Snyder von Anfang an darauf ausgelegt war, weniger düster und depressive zu sein als „Dawn of Justice“. Nun, zumindest das ist gelungen. Von dieser Aussage sowie einigen Eindrücken aus den ersten Trailern ausgehend denke ich, dass es falsch wäre, jeglichen Humor (und davon gibt es eine ganze Menge mehr als im Vorgännger) in diesem Film im Guten wie im Schlechten Joss Whedon anzulasten. Tatsächlich wird Whedon primär Anweisungen ausgeführt haben. Am deutlichsten fällt sein Einfluss in meinen Augen bei der Farbplatte aus, denn es ist nicht mehr alles grau in grau. Insgesamt ist der Film zwar weitaus bunter, aber es gibt einige Szenen, ziemlich auffällig hervorstechen.

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Wonder Woman (Gal Gadot), Batman (Ben Affleck) und Flash (Ezra Miller) beraten sich mit James Gordon (J. K. Simmons)

Wie schon „Suicide Squad“ ist „Justice League“ ein Film, der massiv unter der Studioeinmischung leidet. Strukturell bzw. dramaturgisch ist er dabei zum Glück nicht derart misslungen wie David Ayers Beitrag zum DCEU oder die Kinofassung von „Batman v Superman“, aber eine flüssige Dramaturgie sieht anders aus – vor allem der erste Akt bleibt kaum zusammenhängendes Stückwerk. Aber ein Problem tritt nun besonders deutlich hervor. Genau wie „Batman v Superman“ handelt es sich beim Plot von „Justice League“ um eine simple, recht stereotype Superheldengeschichte. Der Vorgänger mag mit schwülstigem, prätentiösem Symbolismus und einer Myriade an unnötigen Subplots vollgestopft gewesen sein, aber im Kern erzählte er das typische Superheldencrossover: Zwei Helden treffen sich, ein Missverständnis entsteht, sie kämpfen und am Ende verbünden sie sich gegen einen gemeinsamen Feind. Bei „Justice League“ ist es das typische Zusammenkommen eines Superheldenteams aufgrund einer Alien-Invasion. Da Warner jedoch auf eine Laufzeit unter zwei Stunden bestand, ist „Justice League“ ein extrem heruntergebrochener Film, aus dem nun genau das geworden ist, was viele ohnehin befürchteten: Ein Abklatsch von „The Avengers“. Ob nun Mutterboxen oder Infinity-Steine, Chitauri oder Paradämonen spielt kaum eine Rolle. Gewisse Parallelen wären zwar sicher ohnehin entstanden, aber so, wie „Justice League“ ausgefallen ist, raubt sich der Film jegliche Eigenständigkeit. Wo „Batman v Superman“ mit Themen und Symbolik überfrachtet war, gibt es in „Justice League“ nichts dergleichen, keine übergreifende Klammer, keine Aussage, gar nichts. Gewisse Ansätze, die Snyder wohl diesbezüglich in den Film einbauen wollte, sind noch vorhanden, gerade am Anfang finden sich ein paar aktuelle Bezüge. Der von Michael McElhatton gespielte Terrorist etwa weist darauf hin, dass „Justice League“ wohl einmal die religiöse Metaphorik des Vorgängers hätte fortsetzen sollte, was angesichts eines die Erde angreifenden New Gods gar nicht so unpassend gewesen wäre, aber all das wurde letztendlich entfernt.

Aufgrund seiner Natur als Film des kleinsten gemeinsamen Nenners fühlt sich „Justice League“ fürchterlich beiläufig an. Zum Teil leidet der Film an den „Sünden der Väter“: Wenn Supermans Tod in „Batman v Superman“ schon so inszeniert wurde, dass er mich nicht sonderlich juckt, warum sollte seine Auferstehung in diesem Film mir dann irgendetwas bedeuten? Aber selbst wenn man diesen Umstand berücksichtigt, wird vieles (gerade Supermans Rückkehr) fast schon antiklimaktisch und banal inszeniert.

Die Ligisten
Das Element, das „Justice League“ für mich erträglich gemacht hat, waren tatsächlich die Ligisten selbst und ihre Teamdynamik – ein Element, das wohl tatsächlich eher auf Joss Whedon zurückgeht, denn Chemie zwischen Figuren ist etwas, das in Zack Snyders Repertoire eher selten vorkommt. Tatsächlich bemüht sich der Film, jedem der Helden einen eigenen kleinen Handlungsbogen zu geben und auf kommende Filme hinzuarbeiten. Das wirkt freilich sehr gehetzt – hier zeigt sich, warum „The Avengers“ diesbezüglich einen sehr klaren Vorteil hat. Wonder Womans emotionale Reise ist mit Abstand am besten nachzuvollziehen, eben weil sie schon ihren eigenen Film hatte (auf den auch immer wieder eifrig verwiesen wird).

In dieser Version von Barry Allen entdecke ich recht wenig von der Figur, wie ich sie aus den Comics kenne. Nicht, dass Flash als Comic Relief neu wäre (auch wenn das sonst eher Wally West ist), aber gerade Barry Allen hatte sonst eher selten leicht autistische Züge. Grant Gustins Darstellung aus der Serie passt da besser zur Vorlage. Flashs persönlicher Handlungsstrang hängt mit seinem inhaftierten Vater Henry (Billy Crudup) zusammen (der in einem wie auch immer gearteten Solofilm der Figur sicher eine Rolle spielen wird) und einem Ausbruch aus sozialer Isolation zusammen.

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Aquaman (Jason Momoa)

Aquamans Handlungsstrang ist dem nicht ganz unähnlich, der theoretische Thronerbe von Atlantis treibt sich im Exil herum, weil er keine Lust auf sein Volk hat, wird aber ebenfalls von den Umständen gezwungen, sein Erbe zumindest in Ansätzen anzunehmen. Wir bekommen einen kleinen Eindruck von Atlantis und Aquamans zukünftigem Love Interest Mera (Amber Heard), der auf eine potentielle Ausarbeitung in James Wans Aquaman-Film hindeutet. Arthur Curry ist hier weder der noble König, noch der grimmige Herrscher, als der er mitunter in den Comics porträtiert wird, sondern eher ein Rocker, der in Ruhe gelassen werden will.

Cyborg ist vielleicht der interessanteste Neuzugang, zumindest ist sein Schicksal am engsten mit dem Plot um die Mutterboxen verknüpft, da er ihnen seine Entstehung verdankt. Victor Stones Identitätsfindung und der Konflikt mit seinem Vater hat ziemlich viel Potential, abermals wird das alles jedoch viel zu schnell und oberflächlich abgehandelt. Zusätzlich tut das CGI, mit dem Cyborg animiert wurde, Ray Fisher keinen Gefallen.

Batman und Wonder Woman führen mehr oder weniger ihre Handlungsstränge aus „Batman v Superman“ fort, wobei Batman sich im Grunde gar nicht verändert, da er ja bereits am Ende des Vorgängers beschließt, dass die Welt ein Superheldenteam braucht. Sein größtes Problem in diesem Film ist, dass er besonders im dritten Akt praktisch nutzlos ist. Es ist immer eine Herausforderung, Batman im Kontext der Justice League zu inszenieren, da er nun einmal ein Sterblicher ohne Kräfte ist. Normalerweise kommt ihm die Rolle des Taktikers und Problemlösers zu. Der Film scheitert allerdings daran, Batman zu einem nützlichen Mitglied des Teams zu machen.

Wonder Woman schließlich setzt sich mit ihrer Abkehr von der Welt auseinander und lernt zu akzeptieren, wer und was sie ist. Gerade diese Elemente sorgen für einige der besten Dialogszenen zwischen Ben Affleck und Gal Gadot. Insgesamt sind die Figuren und ihre Entwicklung zumindest in Ansätzen gelungen und weitaus klarer und nachvollziehbarer als beispielsweise in „Batman v Superman“, aber aufgrund der von Warner verordneten Kürzungen bleibt das alles unbefriedigendes Stückwerk.

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Cyborg (Ray Fisher)

Und schließlich hätten wir da noch Superman, dessen Rückkehr mehr wie eine Pflichtübung absolviert wird und die ohnehin niemanden überrascht. Ein paar lose Enden der beiden Vorgänger werden fast schon alibimäßig aufgegriffen, aber insgesamt fehlt der Rückkehr des theoretisch größten Helden der Welt die emotionale Wucht. Am Ende fungiert er dann doch nur als Deus Ex Machina, der Steppenwolf nicht gewachsen ist.

Was die Interpretation der Figuren angeht, so ist diese weitaus näher am Standard der Comics, als es bei den Vorgängern der Fall war, was besonders bei Superman sehr auffällig ist, der tatsächlich lächelt und nicht die ganze Zeit vor sich hinbrütet – dieser Umstand zeigt sich auch an seinem Kostüm, das zum ersten Mal nicht graublau bzw. graurot ist, sondern tatsächlich über ziemlich kräftige Farben verfügt. Es gibt ja durchaus eine kleine, aber mitunter sehr lautstarke Minderheit, die mit Zack Snyders ursprünglicher Interpretation dieser Figuren sehr zufrieden war – deren schlimmste Befürchtungen dürften nun wahrgeworden sein. Ich persönlich bin mit der grundsätzlichen Richtung, die für die Charakterisierung dieser Figuren eingeschlagen wurde, dagegen durchaus zufrieden. Es hapert allerdings abermals an der Umsetzung, da es keinerlei Entwicklung vom brütenden Superman der Vorgänger zur übertrieben fröhlichen Version dieses Films gibt, die oftmals an Selbstparodie grenzt. Nichts gegen eine gelungene Kurskorrektur, aber den Holzhammer sollte man dazu nicht auspacken.

Steppenwolf
Kommen wir nun zum schwächsten Element eines ohnehin nicht besonders starken Films. Wie üblich gibt es eine Alieninvasion, angeführt vom sinisteren Steppenwolf, der sich perfekt in die Riege der DCEU-Schurken einpasst: Er ist groß, monströs, wurde mit CGI aufgepumpt und bleibt völlig profillos und uninteressant. Im Grunde ist er noch einmal Ares nur ohne Twist: Statt sich als Mensch zu verstecken, kommt Steppenwolf einfach auf die Erde und greift an, weil er das halt gerne macht (bzw. weil er sich bei seinem Boss rehabilitieren will, das zumindest deutet der Film an). An dieser Stelle merkt man als Comickenner am deutlichsten, dass „Justice League“ ursprünglich ein Zweiteiler hätte werden sollen,  den Warnern in letzter Sekunde doch zum in sich geschlossenen Film umfunktionierte. Denn hätte man „Justice League“ von Anfang an als in sich geschlossenen Film konzipiert, hätte man wohl kaum Steppenwolf als Schurken genommen.

„Dawn of Justice“ verteilte bereits großzügige Anspielungen auf die von Jack Kirby geschaffenen New Gods: Paradämonen in der Alptraumsequenz, das Omega-Symbol im Sand und natürlich die aus der Kinofassung geschnittene Szene mit dem Steppenwolf-Hologramm. Die beiden ursprünglichen Justice-League-Filme sollten Darkseids Invasion der Erde schildern, wobei sein Genereal (und Onkel) Steppenwolf die Invasion anführen würde. Da man sich bereits für Steppenwolf entschieden hatte, blieb man dabei, entfernte aber die meisten Elemente, die auf eine größere kosmische Bedrohung hindeuten. Das wäre nicht so tragisch, wäre Steppenwolf in irgendeiner Weise interessant, aber wie bereits erwähnt unterscheidet er sich nicht im geringsten von den diversen Motion-Capture-Schurken, die in den letzten Jahre alle möglichen Filme unsicher machten. Er ist nicht im geringsten interessant oder bedrohlich und hat im Grunde keinerlei Motivation. In den paar Sätzen, die er von sich gibt, kann der Comicleser natürlich Darkseids Philosophie bezüglich der Antilebensformel, die die völlige Vernichtung des freien Willens zur Folge hat, erkennen, aber rein im Kontext dieses Films bleibt das alles eine extrem dürftige Rechtfertigung. Mehr noch als Ares gleicht Steppenwolf Azog aus der Hobbit-Trilogie: Der scheinbar Besiegte, der zurückkehrt, um Rache zu nehmen – und natürlich ist auch Azog eine übergroße CGI-Kreation, die über kaum Ausstrahlung verfügt. Ich kann nach wie vor nicht verstehen, weshalb man diesen Weg wählte. In den Comics ist Steppenwolf nämlich nicht einmal ein Ork-artiges Wesen, sondern sieht aus wie ein Mensch in Rüstung. Ciarán Hinds ist ein wunderbarer Schauspieler, der über eine beeindruckende Präsenz verfügt, wenn man sein Spiel nicht mit schlechtem CGI zukleistert. Außerdem, warum nur Steppenwolf? Ich finde es gut, dass Darkseid, immerhin einer größten und mächtigsten Schurken des DC-Universums, nicht schon im ersten Film verheizt wird, aber von all seinen Lakaien, die man als Vorhut hätte verwenden können, ist Steppenwolf der mit Abstand langweiligste. Warum hat man ihn nicht mit einem oder gleich mehreren von Darkseids anderen Speichelleckern kombiniert, um auf Schurkenseite eine interessante Figurendynamik zu etablieren? Egal ob Darkseids illegitimer Sohn Kalibak, der Foltermeister DeSaad, der Manipulator Glorious Godfrey oder Granny Goodness und ihre Female Furies, sie alle sind interessantere Figuren als Steppenwolf.

Quo vadis, DCEU?
Eine interessante Frage. Ganz in bester Tradition teasert „Justice League“ einiges an. Die Bezüge zu den New Gods wurden zwar stark reduziert, aber nicht völlig entfernt; Darkseids Name fällt immerhin einmal. Im Rückblick ist eine Green Lantern zu sehen und dann wären da natürlich noch die Mid- bzw. Postcreditsszenen. Ersterer spielt auf das berühmte Wettrennen zwischen Superman und Flash an, Letztere deutet an, worum es in einem potentiellen Justice-League-Sequel gehen könnte: Lex Luthor (Jesse Eisenberg) ist aus dem Gefängnis ausgebrochen und unterhält sich mit dem Auftragsmörder Deathstroke (Joe Manganiello) – das riecht nach einer Schurkenvereinigung, egal ob sie nun „Injustice Gang“, „Injustice League“ oder „Legion of Doom“ heißt. Die Tatsache, dass diese Szene im Film enthalten ist, zeigt immerhin, dass Warner an weiteren Plänen festhält, auch wenn sonst noch vieles unklar bleibt: Wird Ben Affleck in Matt Reeves Batman-Film zu sehen sein? Will Warner tatsächlich „Flashpoint“ umsetzen und damit einen Semi-Reboot einleiten? Und was ist mit potentiell unabhängigen Filmen wie dem von Martin Scorsese produzierten Joker-Film, der angeblich kommen soll? Auch weiterhin herrscht Unklarheit.

Fazit
Meiner ursprünglichen Einschätzung gibt es kaum etwas hinzuzufügen – „Justice League“ ist im Grunde nicht mehr als einfach ein weiterer Superheldenfilm mit ein paar Stärken und vielen, vielen Schwächen, nicht zuletzt dank der Einmischung des Studios. Das ist zwar eine geringfügige Verbesserung gegenüber „Batman v Superman: Dawn of Justice“, aber für einen Film über mein Lieblingssuperheldenteam bei Weitem nicht genug.

Bildquelle

Trailer

Siehe auch:
Batman v Superman: Dawn of Justice – Ausführliche Rezension
Suicide Squad – Ausführliche Rezension
Wonder Woman – Ausführliche Rezension

JLA: New World Order

jlanewworldorder
Eigentlich sollte ich dieses Jahr wegen einem Film äußerst gehypt sein. Hätte man mir vor 2013 gesagt, dass in absehbarer Zeit ein Justice-League-Film kommen würde, wäre ich sicher äußerst begeistert gewesen, denn die Justice League ist mein Lieblingssuperheldenteam, noch vor den X-Men, den Teen Titans oder den Avengers. Die ersten Comics, die ich im zarten Alter von sieben oder acht Jahren las, waren (neben Batman-Solo-Geschichten, versteht sich) Justice-League-Comics. Unglücklicherweise kamen seither mit „Man of Steel“, „Batman v Superman: Dawn of Justice“ und „Suicide Squad“ drei Filme, die nicht nur mich ernsthaft daran zweifeln ließen, dass Warner Bros. die Comics, die sie da adaptieren, auch wirklich verstehen. Immerhin „Wonder Woman“ scheint nach dem, was man so hört, Anlass zur Hoffnung zu geben. Auch wenn ich dem Justice-League-Film, der im November startet, mit negativen Gefühlen entgegenblicke, möchte ich ihn doch zum Anlass nehmen, ein wenig über mein Lieblingssuperheldenteam, bzw. die Inkarnation besagten Teams, die mich dazu gebracht hat, mich in es zu verlieben, zu schreiben.

Die Justice League – ein kurzer Abriss

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The Brave and the Bold #28 (Bildquelle)

Nachdem das Medium Comic im Allgemeinen und das Superheldengenre im Speziellen in den frühen 1950ern eine schwere Zeit durchmachte, bekam es Ende der Dekade langsam wieder Aufwind. DC Comics gelang es, Figuren aus den 40ern, etwa Flash und Green Lantern, mit neuen Identitäten wiederzuerwecken. Schon bald wurde eine weitere Idee aus den 40ern reaktiviert: Das Superheldenteam. Während des Zweiten Weltkriegs hatten sich DCs Helden zur „Justice Society of America“ zusammengefunden. Im Jahr 1960, in Ausgabe 28 der Anthologieserie The Brave and the Bold debütierte die „Justice League of America“. In ihrer Grundformation bestand die Justice League, kurz JLA, aus den sieben größten Superhelden des Verlags: Superman (Clark Kent), Batman (Bruce Wayne), Wonder Woman (Diana Prince), Flash (Barry Allen), Green Lantern (Hal Jordan), Aquaman (Arthur Curry) und Martian Manhunter (J’onn J’onzz). Die Liga erwies sich als äußerst erfolgreich und bekam schon bald ihre eigene Serie. Im Verlauf kamen neue Mitglieder wie Green Arrow, Zatanna, Atom oder Black Canary hinzu und nach und nach veränderte sich das Team immer weiter, Helden kamen und gingen, Hauptquartiere wechselten und die Liga teilte sich in mehrere Teams auf, etwa in die „Justice League Europe“ oder die „Justice League International“. Besonderes Letztere wandte sich in den 80ern unter den Autoren Keith Giffen und J. M. DeMatteis von der Idee des Teams aus den größten Superhelden der Welt, die diese vor übermäßigen Bedrohungen retten, ab und konzentrierte sich stärker auf absurden Humor.

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Die sieben ursprünglichen Mitglieder der JLA, in Szene gesetzt von Alex Ross: Green Lantern, Flash, Superman, Batman, Wonder Woman, Aquaman, Martian Manhunter (Bildquelle)

Die frühen 90er waren geprägt vom Erbe von „Watchmen“ und „The Dark Knight Returns“: Völlig amoralische Antihelden, die sich kaum noch von den Schurken unterschieden, waren gerade modern. Einigen Autoren bei DC sagte dieser Trend überhaupt nicht zu. Bereits mit „Kingdom Come“ bemühte sich Mark Waid, in Zusammenarbeit mit Alex Ross, um eine Rekonstruktion des Superheldengenres. Zusammen mit Fabian Nicieza, seines Zeichens Mitschöpfer von Deadpool, verfasste er 1996 für DC eine Miniserie namens „A Midsummer’s Nightmare“, die diesen Trend fortsetzte und gleichzeitig die diversen schwächelnden Justice-League-Serien beendete, indem sie stattdessen eine neue Justice League versammelte. Auf die dreiteilige Miniserie folgte 1997 eine neue, fortlaufende Justice-League-Serie, geschrieben von Grant Morrison, die auf „A Midsummer’s Nightmare“ aufbaut – diese Serie ist das eigentliche Sujet dieser Artikelreihe. Hier werde ich die diversen Storybögen der JLA-Serie besprechen, wobei ich mich an den amerikanischen Paperbacks orientiere.

Die Ligisten
Bei der Konzeption der neuen Liga orientierten sich Waid und Morrison an den klassischen sieben Helden der ersten Inkarnation. Natürlich mussten dabei die jeweils aktuell laufenden Storys der einzelnen Helden, die alle eine (bzw. im Fall von Batman und Superman diverse) laufende Serien hatten, miteinbezogen werden. In den späten 80ern und den 90ern war DC von einer Tendenz des Wandels geprägt. Manche Änderungen waren nur temporär, hatten aber dennoch weitreichende Auswirkungen. Superman wurde von Doomsday getötet, während Bane Batmans Rückgrat brach und er durch den psychisch instabilen Jean-Paul Valley ersetzt wurde. Selbst Wonder Woman wurde zeitweise durch die rabiatere rothaarige Amazone Artemis vertreten. Diese Änderungen wurden wieder rückgängig gemacht, hinterließen aber ihre Spuren und prägte die Figuren für die 90er. Anders verhielt es sich mit Flash und Green Lantern. Barry Allen starb bereits während des Großevents „Crisis on Infinite Earths“ und wurde durch seinen Sidekick Wally West ersetzt. 1994 entschloss man sich, etwas Ähnliches mit Green Lantern anzustellen. Im Rahmen des dreiteiligen Storybogens „Emerald Twilight“ drehte Hal Jordan wegen der Zerstörung seiner Heimatstadt durch, massakrierte das Green-Lantern-Corps und wurde zum Schurken Parallax. Der letzte verbliebene Ring ging an den Zeichner Kyle Rayner, der von nun an als einzige Green Lantern versuchte, einem großen Erbe gerecht zu werden. Aquaman war zwar immer noch Arthur Curry, hatte aber seinerseits einige Veränderungen durchgemacht, trug nun Bart, eine Harpunenhand und war allgemein nicht mehr sehr umgänglich. Lediglich beim Martian Manhunter gab es in dieser Ära meines Wissens nach keine größeren Umwälzungen.

Konzept und Zeichnungen
Wie bereits erwähnt ging es Grant Morrison darum, die JLA zu ihren Wurzeln zurückzuführen und dem DC-Universum eine wirklich heldenhafte erste Garde zu geben. Das bedeutet, dass Morrison seine Liga nur gegen wirklich große Gegner kämpfen lassen wollte; die Justice League kommt bei ihm meistens dann zum Einsatz, wenn die Erde oder sogar das Gefüge der Realität selbst bedroht ist. Strukturell bediente sich Morrison dabei oft kürzerer Handlungsbögen. Schon in den 90ern dachte man bei der Konzeption der Storybögen zumeist an die später erscheinende Paperback-Version und legte die Handlung so aus, dass sie im Rahmen von vier bis sechs Heften erzählt wurde. Morrison ließ sich davon jedoch nicht beeinträchtigen, viele seiner Geschichten erstrecken sich nur über zwei bis drei Hefte. Das sorgt dafür, dass nur selten Leerlauf entsteht; die JLA sollte sich vor allem von der früheren Inkarnation aus den 80ern distanzieren, weshalb Morrison einen Seifenopern-artigen Aufbau vermied und die Geschichten sehr plotorientiert und prägnant hielt. Das bedeutet nicht, dass es nicht Humor oder Charakterentwicklung gäbe – wobei gerade Letztere bei einer Serie wie dieser immer so eine Sache ist. Morrison musste freilich die Entwicklungen der diversen Soloserien berücksichtigen, tat dies aber eher nebenbei und ohne große Erläuterungen. Liest man die JLA-Comics heute ohne Kenntnis des DC-Universums der späten 90er, kann es durchaus zu einiger Verwirrung kommen. Davon ließ Morrison sich jedoch nicht beirren, integrierte, was sein musste und erzählte sonst die Geschichten, die er erzählen wollte. In vielerlei Hinsicht ist „JLA“ die Essenz der positiven Trends des DC-Universums der späten 90er, denn oftmals gelang Morrison die Charakterisierung dieser übergroßen Helden weitaus besser als den Autoren der diversen Soloserien. Selbstverständlich gibt es auch einen übergeordneten Handlungsbogen, der die einzelnen Storybögen mit einander verbindet – allerdings nicht immer ausgewogen. Die ersten Andeutungen finden sich bereits in „A Midsummer’s Nightmare“.

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Beispiel für eine etwas bizarre Pose von Howard Porter (Bildquelle)

Als Hauptzeichner der Serie fungierte Howard Porter, der insgesamt einen sehr guten Job machte, zumindest in meinen Augen. Das könnte natürlich auch damit zusammenhängen, dass Porters Zeichnungen mitunter die ersten waren, die mir im Comicbereich jemals unter die Augen kamen – so etwas prägt. Wie dem auch sei, Porters Stil ist nicht ganz leicht zu beschreiben. Ein gewisser Einfluss des Image-Stils, der durch Zeichner wie Rob Liefeld, Todd McFarlane, Jim Lee oder Mike Deodato Anfang der 90er populär wurde, lässt sich nicht leugnen, gerade, wenn man sich die doch etwas übertriebene Anatomie weiblicher Figuren ansieht. Diesbezüglich gibt es im Verlauf der Serie allerdings durchaus eine Entwicklung zum Positiven. Insgesamt ist Porters Strich dennoch ziemlich distinktiv, gerade auch, weil er oft einige interessante (manchmal fast schon bizarre) Perspektiven und Körperhaltungen verwendet. Insgesamt gelingt es Porter jedenfalls ziemlich gut, die epischen Geschichten Morrisons angemessen in Szene zu setzen. Hin und wieder kamen auch andere Zeichner zum Einsatz, über deren Leistung werde ich dann in der entsprechenden Rezension schreiben.

Deutsche Veröffentlichung
In Deutschland wurde die JLA-Serie vom Dino-Verlag herausgegeben. Ich möchte das noch einmal besonders hervorheben, denn der 1993 gegründete Verlag, der ursprünglich vor allem Comics und Magazine zu Zeichentrickserien herausbrachte, ist letztendlich dafür verantwortlich, dass ich Comics lese und sammle. Über „Batman Adventures“, die Begleitserie zu „Batman: The Animated Series“, kam Dino schließlich zum Superheldencomic und begann bald, weitere DC-Helden, darunter den regulären Batman, Superman und natürlich die JLA, zu übersetzen und zu verlegen. Nach und nach erweiterte der Verlag sein Programm und erwarb unter anderem die Star-Wars-Lizenz, es folgten aber auch einige massive Probleme, die Dino zwangen, im Jahr 2000 die DC-Lizenz wieder abzugeben. 2003 wurde Dino schließlich von Panini aufgekauft, existierte aber als Label noch drei Jahre weiter.

„JLA“ erschien als Heftserie mit diversen Zweitserien, darunter die Miniserie „Superboy/Robin: World’s Finest Three“ von Karl Kesel, Chuck Dixon und Tom Grummett sowie „Teen Titans“ von Dan Jurgens und die Nachfolgeserie „The Titans“ von Devin Grayson. Die Serie brachte es auf 39 Hefte. Zusätzlich gab es die Reihen „JLA Special“ (Heft mit 100 Seiten und vier US-Ausgaben) sowie „JLA Sonderband“ (Paperback), die sich Großereignissen, Miniserien oder wichtiger Soloauftritte einzelner Figuren widmeten. Diese werde ich nicht alle besprechen, aber unter der Rubrik „Weiterführende Lektüre“ mehr oder weniger detailliert auf sie eingehen, wenn es mir angemessen erscheint.

New World Order
Und nun, endlich, zum eigentlichen ersten Storybogen von Grant Morrisons Justice-League-Serie, der die ersten vier US-Ausgaben füllt. Die eigentliche Formation des Teams fand zwar, wie bereits erwähnt, in „A Midsummer’s Nightmare“ statt, aber dennoch findet das Team auf gewisse Weise noch einmal zusammen, wohl vor allem, um Neuleser nicht abzuschrecken. Wie üblich im Superheldengenre ist eine Alieninvasion der Auslöser. Dieses Mal erscheinen die Aliens allerdings zuerst wohlgesonnen: Protex und sein Hyperclan behaupten von sich, sie wollten die Welt retten und sie in ein Paradies verwandeln. Unter anderem transformieren sie die Wüste Sahara in einen blühenden Garten, gehen aber auch mit äußerster Gnadenlosigkeit gegen Superschurken und andere Kriminelle vor, die ohne Prozess von ihnen hingerichtet werden. Das weckt freilich die Skepsis vieler irdischer Helden. Schon bald kommt es zu Auseinandersetzungen zwischen den außerirdischen Neuankömmlingen und den Mitgliedern der Justice League. Und die JLA droht zu verlieren, denn fast alle von ihnen werden überwältigt und gefangen. Bis auf Batman…

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Der Hyperclan (Bildquelle)

Thematisch knüpft Morrison mit diesem ersten Storybogen an Mark Waids „Kingdom Come“ an. Abermals sehen wir, verkörpert durch den Hyperclan, den Archetypus des amoralischen 90er-Jahre-Antihelden, dem der klassische, nicht tötende Superheld entgegengesetzt wird. Schon ein wenig ironisch, wenn man bedenkt, dass hier vor allem Batman und Superman die Paradebeispiele abgeben, wo doch ihre aktuellen Leinwandinkarnationen eher an die Antihelden der 90er erinnern. Morrison ist hierbei jedoch ein wenig plakativer als Waid, besonders, da sich der Hyperclan letztendlich doch als Invasionsarmee entpuppt. Es handelt sich um eine Invasion der Weißen Marsianer, Verwandte der grünen Marsianer, zu denen J’onn J’onzz gehört. Statt eines friedlichen Zusammenlebens ziehen die Weißen Marsianer allerdings eher Eroberung und Völkermord vor.

Ein weiteres Thema, dass Morrison zumindest anschneidet, ist die Überlegung, weshalb Superhelden mit ihren enormen Kräften nicht einfach jegliche Probleme der Menschheit regeln – auch diesbezüglich geht „Kingdom Come“ mehr in die Tiefe, denn die Weißen Marsianer sind einfach keine passenden Vertreter einer zu diskutierenden Philosophie, da sie letztendlich eindeutig böse sind und die Menschheit ausrotten wollen. Diese Frage stellt natürlich ein grundsätzliches Problem des Superheldengenres dar, da eine Machtübernahme oder auch nur eine globale Problemlösung einer gewissen Logik nicht entbehrt, man aber gleichzeitig versucht, so nah an der Lebensrealität des Lesers zu bleiben, von der fortlaufenden Natur der Superheldencomics gar nicht erst zu sprechen. Insofern muss der Lösungsansatz, den Morrison hier präsentiert, wohl erst einmal ausreichen.

Inhaltlich und optisch gibt es darüber hinaus einige Parallelen zu „Independence Day“, der ein Jahr vor dem Start von „JLA“ ins Kino kam. Das Design der Weißen Marsianer erinnert ein wenig an das der Independence-Day-Aliens (ein wenig H. R. Giger findet sich ebenfalls) und das eine oder andere Panel hat durchaus optisch Parallelen zu den Bildkompositionen Roland Emmerichs.

Insgesamt hat dieser erste Storybogen, gerade im Vergleich zu späteren, noch die eine oder andere kleiner Startschwierigkeit, vor allem die Schurken sind als Individuen nicht wirklich interessant.  Die große Stärke liegt jedoch bei der Charakterisierung: Morrison gelingt es, seine Helden ohne viel Aufwand punktgenau und treffend darzustellen. Sei es Supermans Heroismus, gepaart mit subtilen Selbstzweifeln, Green Lanterns und Flashs jugendliches Gekabbel, Aquamans Eigenbrötlertum, Wonder Womans No-Nonsense-Attitüde oder Batmans überragende Fähigkeiten als Taktiker. Tatsächlich lässt sich die Idee, Batman könne es mit vielen Helden mit Superkräften problemlos aufnehmen, zumindest teilweise auf Morrisons JLA-Run zurückführen. Schon allein in diesem ersten Storybogen macht er vier Weiße Marsianer im Alleingang platt. In diesem Zusammenhang etabliert Morrison auch den gelungenen, trockenen Humor, der seine JLA-Comics auszeichnet.

Weiterführende Lektüre
Vor allem zwei Geschichten sind exzellente Begleitlektüre zu „New World Order“. Da hätten wir natürlich die bereits mehrfach erwähnte Miniserie „A Midsummer’s Nightmare“, verfasst von Mark Waid und Fabian Nicieza und gezeichnet von Jeff Johnson und Darick Robertson. Zu Beginn dieses Werks sind alle sieben Gründungsmitglieder der neuen JLA normale Menschen, die sich ihrer Zweitidentität nicht bewusst sind, während alle möglichen anderen Menschen Superkräfte entwickeln. Doch schon bald merken die sieben, dass etwas nicht stimmt, sie haben merkwürdige Träume, die Superkräfte kehren zurück und schließlich müssen sie erkennen, dass sie einer realitätsverändernden Intrige des Superschurken Dr. Destiny zum Opfer gefallen sind. Um Destiny zu besiegen müssen die sieben als neue Justice League zusammenfinden. „A Midsummer’s Nightmare“ ist auf Deutsch als „JLA Sonderband 1“ bei Dino erschienen.

Die zweite essentielle Ergänzung ist „JLA: Secret Origin“, ein One Shot, der in meinen Augen unbedingt in das New-World-Order-Paperback gehört hätte. Ich bin nicht ganz sicher, ob diese Geschichte zwischen „A Midsummer’s Nightmare“ und „New World Order“ oder während „New World Order“ (genauer, nach der Invasion der Weißen Marsianer, aber vor dem Bau des JLA-Wachturms auf dem Mond) spielt. Verfasst wurde sie jedenfalls von Grant Morrison und Mark Millar und gezeichnet von Howard Porter. Dieser One Shot ist quasi die Nullnummer der JLA-Serie, es handelt sich dabei um einen Rückgriff auf The Brave and the Bold #38, in dem die Justice League zum ersten Mal auftrat, um gegen Starro, den Eroberer, ein riesiges Alien in Gestalt eines einäugigen violetten Seesterns, zu kämpfen. Eine Neuinkarnation von Starro ist auch in „JLA: Secret Origin“ der Gegenspieler. Unter Morrison wird aus dem Eroberer eine Spezies von Parasiten, die sich als grüne, einäugige Seesterne auf dem Gesicht ihres Opfers niederlassen. Besonders gefährlich sind diese Parasiten für Metawesen, da sie mit deren Hilfe die Erde in Windeseile erobern könnten. Um die JLA vor einem fatalen Fehler zu bewahren, taucht der Spectre, einer der mächtigsten mystischen Helden des DC-Universums, auf und nimmt der Justice League mit deren Einverständnis die Superkräfte, sodass sie Starro gefahrlos entgegentreten können. „JLA: Secret Origin“ ist auf Deutsch in Dinos „JLA Sonderband 4: Aus den geheimen Archiven I“ erschienen.

Und schließlich wäre da noch eine Maxiserie, die sich ebenfalls gut zur weiteren Lektüre eignet. Durch Reboots und Retcons der späten 80er und frühen 90er wurde die Zusammenstellung der ursprünglichen Erstformation der Justice League geändert: Man nahm Batman, Superman und Wonder Woman aus dem Team und ersetzt sie durch Black Canary. Die Geschichte dieser neuen ersten Justice League wurde in der zwölfteiligen, von Mark Waid und Brian Augustyn geschriebenen und von Barry Kitson gezeichneten Maxiserie „JLA: Year One“ erzählt. Diese Serie ist ebenfalls sehr empfehlenswert, der Fokus liegt auf der Charakterdynamik und der Interaktion der Ligisten. Auf Deutsch erschien „JLA: Year One“ als sechste und siebte Ausgabe der JLA-Sonderbandreihe.

Fazit
„New World Order“ ist ein gelungener, wenn auch nicht vollkommen optimaler Einstieg in Gran Morrisons JLA-Serie. Schon 1997 war die Alieninvasion als Anlass zur Formierung eines Superheldenteams keine neue Idee, und zwanzig Jahre später ist es schon ein ziemliches Klischee. Die Konzeption der Serie und die Charakterisierung der Helden ist jedoch tadellos gelungen und weiß auch heute noch zu überzeugen.

Titelbildquelle