GoT: The Spoils of War

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Mit „The Spoils of War“ zeichnet sich in dieser siebten Staffel langsam ein Muster heraus. Jede Folge außer der ersten endete mit einem scheinbar größeren, um nicht zu sagen erschütternderen Ereignis, das jedoch trotz oft starker Inszenierung lediglich Vorgeplänkel bleibt.

King’s Landing
In der Hauptstadt freut sich Tycho Nestoris, dass die Eiserne Bank bald ihr Gold bekommt, weshalb er Cersei in noch größerem Maße als in der letzten Episode Honig ums Maul schmiert. Er versichert ihr weitere Unterstützung. Das interessanteste Detail dieser Szene ist die Erwähnung der Goldenen Kompanie, der größten (und teuersten) Söldnergruppe der freien Städte, gegründet von einem Targaryen-Bastard namens Aegor Rivers (auch Bittersteel genannt). Die Goldene Kompanie hat eine lange und bewegte Geschichte, war in diverse Targaryen-Erbfolgekriege verwickelt und unterstützt in den Romanen Aegon VI., den angeblichen Sohn von Rhaegar Targaryen, der aus der Serie ersatzlos herausgekürzt wurde. Die Erwähnung in diesem Kontext legt nahe, dass die Kompanie in den verbleibenden drei Folgen dieser oder in der nächsten Staffel noch eine wichtige Rolle spielen könnte, schließlich wird es auch für Cersei langsam eng, besonders nach gewissen dezimierenden Ereignissen.

Winterfell
Im Norden muss Littlefinger lernen, dass die Starks in dieser Staffel einfach keinen Bock mehr auf sein Geschwätz haben. Die Rückgriffe auf Staffel 1 werden ebenfalls fortgesetzt, denn Littlefinger hat ein ganz besonderes Geschenk für Bran: Den Dolch aus valyrischem Stahl, mit dem er ursprünglich ermordet werden sollte. Was das Ganze soll bleibt zumindest mir relativ schleierhaft – Littlefingers Pläne und Intrigen scheinen von Folge zu Folge weniger Sinn zu ergeben. Bran lässt sich jedenfalls nicht einlullen und gibt Lord Baelish den subtilen Hinweis, dass er genau um seine Rolle in diesem ganzen Theater weiß – chaos is a ladder indeed. Leider verfährt Bran mit Meera nur ungleich freundlicher, was ihr sichtlich zusetzt. Sie hat natürlich recht: Der alte Bran Stark ist ebenso wie Jojen und Hodor jenseits der Mauer gestorben, Bran ist endgültig der dreiäugige Rabe, seine Wahrnehmung befindet sich auf einer völlig anderen Ebene.

Wie zu erwarten war, erleben wir in dieser Folge eine weitere Stark-Wiedervereinigung: Arya erreicht Winterfell und ein weiteres Mal fällt auf, wie sehr Reisewege inzwischen übersprungen oder ignoriert werden, gerade im Vergleich zu früheren Staffeln, in denen der Weg von den Flusslanden nach Winterfell nicht so einfach zu bewältigen war. Gut, Arya ist jetzt eine geschulte Mörderin, aber gibt es wirklich keinerlei Gefahren mehr auf dem Weg? Das gilt natürlich nicht nur in diesem speziellen Fall, sondern ganz allgemein: Ganze Heere bewegen sich mit scheinbar rasender Geschwindigkeit, weil es der Serie nicht gelingt, das Verstreichen der Zeit wirklich anschaulich darzustellen. So entsteht oft der Eindruck, es vergingen lediglich Stunden und Tage, wo tatsächlich rein logisch betrachtet Wochen und Monate vergehen müssten.

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Drei wiedervereinte Starks: Sansa (Sophie Turner), Barn (Isaac Hempstead-Wright) und Arya (Maisie Williams). Bilquelle.

Aber zurück zu Arya, die sich einen Spaß mit den unhöflichen Wachen ihrer Schwester erlaubt, bis es zum großen, emotionalen Wiedersehen der Schwestern in der Krypta von Winterfell kommt. Bran, der inzwischen einen Rollstuhl hat, bleibt dagegen erwartungsgemäß stoisch, aber immerhin hat er ein nettes Geschenk für Arya: Littlefingers Dolch. Man wird das Gefühl nicht los, dass besagte Waffe noch eine Rolle spielen dürfte, nachdem sie in dieser Episode drei Mal prominent auftaucht – den Kampf zwischen Arya und Brienne mitgerechnet. Nachdem diese beiden Damen einen eher schlechten Start in Staffel 4 hatten, verstehen sie sich nun bei einem Übungsmatch weitaus besser. Besonders Aryas Kampfstil ist dabei sehr aussagekräftig, sieht man doch sehr deutlich, wo welches Manöver herstammt. Syrio Forels Technik ist sehr dominant, aber auch die Lektionen, die Arya von Sandor Clegane und den Männern ohne Gesicht erhalten hat, erweisen sich als überaus nützlich im Kampf gegen Brienne.

Dragonstone
Auf Dragonstone gibt es eine weitere gemeinsame Szene für Jon und Daenerys: In der Drachenglashöhle findet sich nicht nur das Obsidian, sondern auch interessante Höhlenmalereien. Die Ästhetik kennen wir bereits von den Kindern des Waldes und den rituell angeordneten Leichen, die die Weißen Wanderer zurücklassen. Diese sind tatsächlich höchstpersönlich abgebildet, was Daenerys zumindest in Erwägung ziehen lässt, dass da im Norden etwas nicht stimmt. Das alte Dilemma bleibt jedoch: Hilfe im Norden gibt es nur, wenn Jon das Knie beugt, was ihm seine Vasallen übel nehmen könnten.

Vorerst gibt es jedoch dringlichere Probleme, denn Varys und Tyrion bringen die Nachricht, dass Casterly Rock zwar gefallen ist, Highgarden aber ebenfalls. Daenerys is not amused. Mehr noch, sie zweifelt sogar an der Loyalität ihrer Hand. Nach nur vier Folgen haben wir eine interessante Diskrepanz zum Ende von Staffel 6; dort sah es so aus, als hätte Cersei keine Chance gegen die vereinte Macht der Unbefleckten, der Dothraki sowie der Martell- und Tyrell-Streitkräfte – von den drei Drachen gar nicht erst zu sprechen. Nun ist die Lage etwas ausgewogener, vor allem bekommt man als Zuschauer aber das Gefühl, dass die Tyrells und die Sandschlangen sich Daenerys nur angeschlossen haben, um die ersten paar Folgen dieser Staffel mit scheinbar essentiellen Augenblicken füllen zu können. Der tatsächliche Unterschied, den sie gemacht haben, ist jedoch minimal. Letztendlich fragt Daenerys Jon um Rat: Soll sie King’s Landing doch mit Feuer und Blut überziehen oder Tyrions Plan weiter folgen? Der König des Nordens hat ja bereits Erfahrung im Vermitteln, und so rät er auch dieses Mal zum Mittelweg, der in Essenz Tyrions Philosophie entspricht, aber zugleich eine Machtdemonstration zulässt.

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Ein weitaus weniger fröhliches Wiedersehen: Jon (Kit Harrington) und Theon (Alfie Allen). Bilquelle.

Freilich kann auch diese Folge nicht vergehen, ohne dass sich mehrere Figuren aus unterschiedlichen Handlungssträngen über den Weg den laufen – nach Arya und den Bewohnern von Winterfell feiern nun auch Theon Greyjoy und Jon Snow ein nicht ganz so fröhliches Wiedersehen. In diesem Kontext ist interessant, dass Benioff und Weiss die Serie inzwischen nur noch in drei große Handlungsstränge unterteilen: King’s Landing, Dragonstone und Winterfell. Alles, was an anderen Orten geschieht, wird einem dieser Handlungsstränge zugeordnet – die Seeschlacht am Ende der zweiten Folge gehörte zu Dragonstone, die Eroberung Highgardens zu King’s Landing, Aryas Weg nach Norden zu Winterfell etc. Tatsächlich ist diese Struktur relativ gut gelungen, die verminderte Anzahl an Handlungssträngen sorgt dafür, dass die einzelnen Episoden dieser Staffel dramaturgisch ziemlich gut ausbalanciert sind – um mein Lob von letzter Folge noch einmal zu wiederholen.

In der Weite
Nach dem Sieg über Highgarden marschiert die Lannister-Armee mit den erbeuteten Vorräten zurück nach King’s Landing, während das Gold, wie Randyll Tarly mitteilt, bereits angekommen ist – ein kleines, aber wichtiges Detail. Bronn ist ebenfalls wieder da – er war zwar bereits in „The Queen’s Justice“ neben Jaime an der Spitze der Lannisters zu sehen, aber in dieser Episode darf er auch wieder etwas sagen und tun. Bronn fungiert abermals als Jaimes rechte Hand (ups, war das insensitiv?), was zwar vorhersehbar war, aber trotzdem willkommen ist; die beiden funktionieren einfach gut miteinander. Nach wie vor wünscht sich Bronn ein eigenes Lehen, woraus aber erstmal nichts wird. Dafür lässt er Dickon Tarly an seiner Weisheit teilhaben. Dickon haben wir bislang vor allem durch Sams Augen gesehen, hier wird er nun ein wenig positiver und sympathischer dargestellt; den meisten Zuschauern würde es wahrscheinlich an seiner statt sehr ähnlich ergehen.

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Daenerys (Emilia Clarke) auf Drogon (Bildquelle).

Der Teil der Episode, der in der Weite spielt, spannt einen schönen Rahmen um diese Folge, bildet Einleitung und Schluss und zeigt, wie sich ein Sieg in eine Niederlage verwandeln kann – wobei der Sieg, den Daenerys hier letztendlich erringt, bestenfalls ein halber ist. Die Vernichtung der Lannister- und Tarly-Armeen war sicherlich eine Machtdemonstration, zugleich sind die Tatsächlichen Errungenschaften aber überschaubar. Das Gold ist bereits in King’s Landing und auf die Nahrungslieferungen, die Drogon anzündet, ist Daenerys ebenso angewiesen wie Cersei. Mehr noch, wenn Jaime und Bronn überleben (wovon wohl auszugehen ist), dann haben sie erlebt, dass die Drachen trotz all ihrer Macht verwundbar sind. Wie ich in der Einleitung bereits schrieb: Im Grunde handelt es sich auch bei dieser Schlacht um verhältnismäßig aufwändiges Vorgeplänkel, das recht vorhersehbar bleibt. Die Inszenierung ist allerdings vorzüglich gelungen: Vor allem durch die Umgebung wird eine äußerst effektive Westernatmosphäre geschaffen; die Parallele zwischen angreifenden Indianern und den Dothraki dürfte wohl kaum zufällig sein. Sehr schön ist auch der innere Konflikt Tyrions, der mitansehen muss, wie die Truppen seines eignen Hauses, inklusive seines Bruders, eine fatale Niederlage erleiden. Abermals muss ich auch Ramin Djawadi komplementieren, der die Schlacht und die inneren Konflikte durch die Musik exzellent ausdrückt – The Rains of Castamere muss noch öfter in den Action-Modus.

Fazit: „The Spoils of War“ bietet ein fantastisch inszeniertes Mid-Season-Finale, das jedoch versucht, als weitaus bedeutender wahrgenommen zu werden, als es eigentlich ist – es sei denn, Jaime und Bronn saufen tatsächlich ab.

Titelbildquelle

Siehe auch:
Dragonstone
Stormborn
The Queen’s Justice

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GoT: Mother’s Mercy

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„Mother’s Mercy“, der Titel des Staffelfinales, bezieht sich auf den Glauben und einen in Westeros oft benutzten Ausspruch. Ein passenderer Titel wäre allerdings „Cliffhanger’s Mercy“, denn diese Episode lässt uns in fast jedem Handlungstrang mit einem Cliffhanger und einer absoluten Ungewissheit zurück. Gleichzeitig steigt die Zahl der in dieser Staffel verstorbenen wichtigen Figuren noch – inklusive derer, die in den Romanen noch leben.

Winterfell
Auf den ersten Blick scheint die Opferung von Shireen funktioniert zu haben: Tauwetter setzt ein. Dann jedoch schlägt das Karma zurück und eines kommt zum anderen. Stannis‘ halbe Armee, bestehend aus den Söldnern, die er mit dem Geld der Eisernen Bank angeheuert hat, verlässt ihn, Selyse hängt sich auf, und dann sucht auch noch Melisandre das Weite, wobei nicht ganz klar ist, weshalb – vielleicht erkennt sie, dass sie die Zeichen in ihren Feuern falsch gedeutet hat, es wäre immerhin nicht das erste Mal.

Stannis scheint zusammen mit Shireen auch etwas in sich selbst getötet zu haben, aber er ist nun einmal stur und setzt trotzdem zur Belagerung an, nur, um von Roose Boltons Armee gnadenlos vernichtet zu werden. Eigentlich sollte Stannis ja ein militärische Genie sein… Das Ganze endet damit, dass Brienne den verwundeten Stannis, der im Grunde mit dem Leben abgeschlossen hat, auf dem Schlachtfeld findet. Mir gefällt Stannis‘ Abgeklärtheit in dieser Szene, trotz allem bringt er Brienne zähneknirschend Respekt entgegen, denn sie tut ihre Pflicht, und das ist das, was Stannis am meisten respektiert. Wir erfahren allerdings nicht, ob er wirklich stirbt, denn Brienne holt zum Schlag aus und dann endet die Szene.

Diese Entwicklung greift den Romanen bereits weit voraus. Der aktuelle Stand (aus einem Promokapitel von „The Winds of Winter“) sieht dort nämlich anders aus: Stannis befindet sich immer noch in einem Dorf, drei Tage entfernt von Winterfell, das er aufgrund des Schnees nicht verlassen kann. Die Frage, die sich nun natürlich stellt, ist, ob man von der Serie auf die Romane schließen kann: Wird Stannis die bevorstehende Schlacht auch dort verlieren und sterben? Wenn ja sind die Umstände auf jeden Fall anders, denn, wie bereits erwähnt, weder Melisandre noch Shireen oder Brienne sind anwesend.
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Sansa (Sophie Turner) und Theon (Alfie Allen) machen sich zum Sprung bereit

Sansa und Theon schaffen es derweil, aus Winterfell zu fliehen, allerdings nicht, ohne vorher noch Myranda loszuwerden. Theon hat dabei endlich seinen Moment der Wiedergutmachung. Auch hier endet es ungewiss, denn Sansa und Theon springen von der Mauer, allerdings ist zu erwarten, dass sie den Sprung aufgrund des vielen Schnees überleben. Theon und Jeyne Poole in den Romanen tun dies jedenfalls und erreichen Stannis‘ Lage unversehrt. Wie es weitergeht bleibt auch hier ungewiss, da Stannis ja bereits tot ist.

Braavos
Wie es hier weitergeht war ja bereits zu erwarten: Arya schleicht sich bei Meryn Trant ein und tötet ihn auf äußerst unangenehme Weise – allerdings ist Meryn Trant auch derart unsympathisch (um es mal gnadenlos zu untertreiben), dass hier wohl kaum jemand Mitleid haben dürfte; irgendwie gönnt man es ihm. Interessanter sind die Folgen für Arya, die nun, ganz wie in den Romanen, wegen eines vom Haus von Schwarz und Weiß nicht genehmigten Mordes ihr Augenlicht verliert. Die zugehörige Szene mit der Herrenlosen und Jaqen ist zwar nicht unbedingt logisch, aber herrlich surreal. Insgesamt bleibt Aryas Handlungsstrang damit sehr buchgetreu, über einige kleine Änderungen und Personenwechsel kann ich da durchaus hinwegsehen.

Dorne
Und noch mal ein Tod, der in den Romanen bisher nicht geschehen ist. Alles scheint gut gelaufen zu sein, Jaime, Bronn, Trystane und Myrcella machen sich per Schiff auf den Weg nach King’s Landing – nur blöd, dass Ellaria Myrcella einen Abschiedskuss gegeben hat. Wer sich an die Gefängnisszene mit Bronn und Tyene erinnert, kann sich sicher schon denken, was das bedeutet: Die junge Prinzessin wurde vergiftet. Auch hier wird der eigentliche Tod nicht gezeigt, es ist aber relativ klar, dass Myrcella nicht überlebt. Das bedeutet dann wohl offenen Krieg mit Dorne in der nächsten Staffel. Hoffen wir nur, dass die Dornischen dann auch besser und interessanter dargestellt werden als in Staffel 5. Was immer man auch über „A Feast for Crows“ sagen kann, der Plan, den Arianne Martell dort hatte, war wenigstens halbwegs sinnvoll. Was Ellaria dagegen hier tut, ist an Kurzsichtigkeit kaum zu überbieten, im Grunde stürzt sie ihr gesamtes Land nur wegen persönlicher Rache in einen zerstörerischen Konflikt.

King’s Landing
Cerseis Marsch der Schande ist definitiv einer der Höhepunkte dieser Episode; die Szene schafft es vorzüglich, die Intensität der Vorlage einzufangen. Es ist nur Schade, dass einige Feinheiten verloren gehen. So wird nicht wirklich deutlich, warum es trotz allem im Interesse des Hohen Spatz ist, dass die Lannisters, wenn auch gedemütigt, an der Macht bleiben und dass der Inzest nicht ans Licht kommt. Denn wenn Tommens Anspruch erlischt, ist Stannis der rechtmäßige Thronerbe, wodurch der Glaube sofort all seine Macht verlieren würde. Zwar verliert Stannis gerade gegen die Boltons, was der Hohe Septon aber nicht wissen kann.
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The artist formerly known as Gregor Clegane (Hafþór Júlíus Björnsson)

Einen kleinen Aufruhr gab es noch, weil Lena Headey hier nicht selbst nackt ist, sondern von der Schauspielerin Rebecca Van Cleave gedoublt wird. Ehrlich gesagt kann ich das nicht nachvollziehen. Wer in so einer Szene nackt spielt, verdient auf jeden Fall massiven Respekt, ich kann es aber auch sehr gut nachvollziehen, wenn man sich dagegen entscheidet. Ich jedenfalls fand den Marsch und die Performance beider Schauspielerinnen überzeugend.

Das Ganze endet schließlich damit, dass Frankenqyburns Monster auftaucht, in „A Dance with Dragons“ wird er Ser Robert Strong genannt. In der Serie ist es noch eindeutiger, dass es sich dabei um den wandelnden Berg handelt. Es gibt eine interessante Fantheorie, derzufolge Sandor nicht gestorben, sondern von einem Mitglied des Glaubens gesundgepflegt wurde und am Ende seinem untoten Bruder gegenübertreten wird – insgesamt eine der plausibleren Theorien. We shall see.

Meereen
In Meereen ist man erst einmal ziemlich ratlos. Daario und Jorah beschließen letztendlich, Daenerys zu suchen, während Tyrion, Missandei und Grey Worm zurückbleiben, um die Stadt zu verwalten. Wenn man die Situation bedenkt, ist das schon abwegig: Zwei ehemalige Sklaven und ein Kleinwüchsiger vom anderen Ende der Welt – andererseits wären Jorah und Daario aber auch tatsächlich nicht wirklich hilfreich gewesen. Jedenfalls übernimmt Tyrion damit die Aufgabe, die Barristen Selmy im letzten Drittel von „A Dance with Dragons“ innehatte. Ziemlich überraschend taucht dann auch noch Varys quasi aus dem Nichts auf und bietet seine Hilfe an, anstatt in King’s Landing Großmaester Pycelle und Kevan Lannister zu ermorden.

Dany landet derweil mit Drogon im Dothrakischen Meer und begegnet einem Khalasar, womit der Cliffhanger aus „A Dance with Dragons“ im Grunde eins zu eins übernommen wurde, lediglich einige der eher unangenehmen Details (Daenerys befindet sich bei Martin mehrere Tage auf Drogons Felsen und leidet unter anderem an Durchfall) wurden gestrichen.

Castle Black
Sam geht also doch noch nach Oldtown, allerdings über die Kingroad und nicht per Schiff über Braavos. Als Straffung funktioniert das insgesamt (und rückblickend betrachtet) ziemlich gut, alle wichtigen Ereignisse in Sams Handlungsstrang haben an der Mauer stattgefunden und die aufwändige Reise, die neue Figuren, Schiffe (und Geld) gekostet hätte, konnte vermieden werden; wahrscheinlich beginnt dieser Subplot in der nächsten Staffel mit Sams Ankunft. Interessant ist, dass die Initiative hier von Sam ausgeht, da es sein Wunsch ist, Maester zu werden. In den Romanen war es genau umgekehrt, Jon drängt dort Sam dazu, nach Oldtown zu fahren, um Maester Aemon eines Tages ersetzen zu können, während Sam viele Bedenken hat, etwa die Missbilligung seines Vater gegenüber den Maestern oder die Tatsache, dass er kein Blut sehen kann. Wahrscheinlich wollten Benioff und Weiss so zeigen, dass Sam in seiner Entwicklung bereits weiter fortgeschritten ist. Allerdings hätte es auch sehr gut gepasst, hätte Jon seinen letzten Freund selbst weggeschickt, das würde die Tragik des Kommenden noch vergrößern.

Apropos: Während Buchleser Jons Caesar-Moment (tatsächlich erinnert diese Szene sehr stark an Caesars Ermordung in HBOs „Rome“, mit Ciáran „Mance Rayder“ Hinds an Jon Stelle und Tobias „Edmure Tully“ Menzies an Ollys; und darüber hinaus war „Rome“ einer der Gründe, weshalb Martin HBO die Recht verkaufte – so schließt sich der Kreis) schon erwartet haben, wurden alle anderen mal wieder ziemlich aufgewühlt.

Wie schon so oft wurde auch hier die Komplexität geopfert. Tatsächlich ist der Mord an Jon in den Romanen nicht die Folge der ganzen Wildlingsangelegenheit. Zwar wird das auch nicht unbedingt von allen schwarzen Brüdern gut geheißen , aber doch immerhin zähneknirschend toleriert. Zu viel wird es erst, als Jon einen Brief von Ramsay erhält, demzufolge Stannis verloren hat, der Jon so sehr aufregt, dass er aktiv sein Gelübde brechen und nach Süden gehen will – erst dann wird er von hochrangigen Offizieren der Nachtwache ermordet. Das verleiht dem Ganzen natürlich zusätzliche Ambiguität, denn da Jon sein Gelübde tatsächlich bricht und gegen die Grundsätze der Nachtwache verstößt, könnte man durchaus argumentieren, dass dieser Mord gerechtfertigt ist. Die Verschwörer kommen in der Serie daher weitaus kleinlicher daher als im Roman.
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Nicht nur Jon Snow (Kit Harrington) stellt sich hier die Frage: Totsein oder nicht totsein?

Letztendlich stellt sich natürlich vor allem die Frage, ob Jon Snow wirklich und endgültig tot ist. Einerseits haben sowohl die Serienschöpfer als auch Kit Harrington behauptet, Jon sei tatsächlich tot, und Harringtons Vertrag wurde wohl auch nicht für die sechste Staffel verlängert. Andererseits gibt es fast zu viele Möglichkeiten. Jon könnte in Ghost weiterleben, und zu allem Überfluss ist auch noch Melisandre anwesend, denn noch in dieser Folge kehrt sie zur Mauer zurück und ist damit wieder am selben Ort wie am Ende von „A Dance with Dragons“. Dass Kit Harringtons Vertrag nicht verlängert wurde, könnte ganz einfach auch bedeuten, dass Jon quasi eine Staffel Pause macht, ähnlich wie Bran, und dann in der siebten zurückkehrt, um den Norden zu beanspruchen, denn seine Schwüre der Nachtwache gegenüber Enden mit dem Tod. Zumindest in den Romanen könnte das noch geschehen, denn auch George R. R. Martin wurde gefragt und antwortete, man solle sich bezüglich Jons Tod nicht allzu sicher fühlen.

Fazit: „Mother’s Mercy“ ist definitiv eine der besseren Folgen der fünften Staffel, sie leidet aber dennoch an den diversen Fehlentscheidungen, die bisher getroffen wurden. Insgesamt ist es wohl eine der grimmigsten und hoffnungslosesten Folgen überhaupt, selten starben so viele wichtige Haupt- und Nebenfiguren auf einmal.

GoT: Unbowed, Unbent, Unbroken

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Braavos
In Braavos darf Arya erstmals in den Raum der Gesichter im Haus von Schwarz und Weiß, allerdings ist ihr Weg dorthin im Vergleich zur Vorlage wieder einmal stark verkürzt, sodass ihr eigentlicher Fortschritt nicht besonders gut nachvollziehbar ist. Das Lügenspiel, das sie mit der Herrenlosen spielt, zieht sich beispielsweise über einige Zeit hin, und zwischendurch nimmt Arya zwei verschiedene Identitäten an, lernt sich „natürlich“ zu maskieren und diverse andere Lektionen. Der Gnadentod, den Arya verursacht, ist für diesen Zweck zwar funktional, aber doch auch ziemlich unkreativ.

Sollte Aryas Handlungsstrang nun tatsächlich bereits zum Ende von „A Dance with Dragons“ gesprungen sein, fehlt tatsächlich sehr viel, allerdings besteht natürlich auch die Möglichkeit, dass sie in der Serie bereits sehr viel früher in den Raum der Gesichter darf, um ihre erste falsche Identität zu erlangen. Geht man nach den Romanen, wäre das Cat von den Kanälen.

Die Vermutung liegt nahe, dass Arya in dieser Staffel noch Mace Tyrell begegnen wird, der sich auf dem Weg nach Braavos befindet, immerhin entfällt die Begegnung mit Sam Tarly und in einem der veröffentlichten Promokapitel von „The Winds of Winter“ geschieht etwas, das dem tatsächlich vage gleicht.

Auf dem Weg nach Meereen
Tyrion und Jorah sind immer noch unterwegs. Ihr Anteil an dieser Episode ist relativ knapp, Jorah erfährt von Tyrion, dass sein Vater gestorben ist (ich bin mir nicht sicher, ob Tyrion in den Romanen davon überhaupt wusste), und die beiden Väter, Jeor Mormont und Tywin Lannister werden einander gegenübergestellt. Auch Daenerys und die Gerechtigkeit ihrer Herrschaft wird noch Gesprächsthema, jedenfalls bis Jorah und Tyrion von Sklavenhändlern aufgegriffen werden. Ich weiß, ich wiederhole mich, aber auch hier gilt ein weiteres Mal: Das grundsätzliche Ereignis der Romane ist vorhanden, die Umstände sind aber stark verändert und vereinfacht. Tyrion gelingt es, die Sklavenhändler dazu zu bringen, sich mit ihm und Ser Jorah nach Meereen zu begeben, um Letzteren in den Arenen kämpfen zu lassen, die Daenerys in der vorherigen Folge wieder öffnen ließ; das Ziel der Reise hat sich also nicht geändert, lediglich die Begleitung.

King’s Landing
Littlefinger kommt in King’s Landing an, muss sich kurz mit den Spatzen auseinandersetzen, die ganz offensichtlich sehr große Machtbefugnisse haben, und erzählt schließlich Cersei von den Geschehnissen im Norden, wobei sich der Zuschauer allmählich fragt, was Lord Petyr Baelish eigentlich vorhat. Natürlich, er spielt alle gegeneinander aus, aber bislang ist sehr undurchsichtig, welchen Ausgang des Ganzen er tatsächlich anstrebt. Nachdem, was wir bislang sehen, ist sein Masterplan ziemlich löchrig.

Cerseis Intrige, sich der Tyrells zu entledigen, geht derweil auf und zwingt die Dornenkönigin höchstpersönlich, wieder mitzumischen. Olena Tyrells Rückkehr in die Serie ist definitiv willkommen, auch wenn sie bislang nicht wirklich nötig war. Die Gespräche mit Margaery und Cersei sind zwar amüsant, haben aber kaum wirklichen Mehrwert.

Es kommt schließlich zum Verhör von Margaery und Loras, das aufgrund der Aussage von Olyvar für beide unerfreulich endet: Loras wird wegen Homosexualität verhaftet, Margaery wegen Falschaussage vor den Göttern. Abermals gilt: Letztendlich erfüllt das so seinen Zweck, um die Charaktere dorthin zu bringen, wo sie hin sollen (in diesem Fall Margaery in das Innere einer Zelle), aber ihr Weg wurde unheimlich simplifiziert; in „A Feast for Crows“ spinnt Cersei eine ziemlich raffinierte Intrige, um ihre Ziele zu erreichen, dagegen wirkt das hier ziemlich plump.

Dorne
Der dornische Handlungsstrang ist wohl eine der größten Enttäuschungen, denn was ich oben über Simplifizierung geschrieben habe, trifft auf Jaimes und Bronns Reise in den Süden noch mehr zu. Die ganze Sandschlangenangelegenheit ist fürchterlich banal und plakativ – das war zwar bereits abzusehen, wird in dieser Episode aber überdeutlich. Jaime und Bronn versuchen Myrcella zu kidnappen, die Sandschlangen mischen mit und am Schluss wird alles sehr schnell von Doran Martells Wachen beendet. Der ganze Dorne-Plot besteht quasi aus dem absoluten Minimum des Romangegenstücks, dort waren die Dornischen interessante und vielschichtige Charaktere, hier sind sie alle äußerst flasch und schlicht uninteressant.
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Myrcella Baratheon (Nell Tiger Free) und Trystane Martell (Toby Sebastian)

An Dorne zeigt sich auch sehr gut, mit welchen Problemen die fünfte Staffel zu kämpfen hat: Die ab Band 4 komplexeren und ausufernden Romane, die die Figuren immer weiter verteilen, arbeiten praktisch gegen die Struktur der Serie, deren Platz mit zehn Folgen pro Staffel (vom Budget gar nicht erst zu sprechen) doch recht begrenzt ist. Oft bleibt Benioff und Weiss entweder die Möglichkeit, Elemente und Handlungsstränge ganz zu streichen (so geschehen etwa mit den Geyjoys), oder aber die Plots stark einzudampfen, wodurch diese oftmals unnötig simpel wirken.

Winterfell
Oh, „Game of Thrones“, you did it again. Bereits letztes Jahr gab es eine ordentliche Kontroverse wegen einer Vergewaltigungsszene, das wiederholt sich nun, allerdings (zumindest von mir so empfunden), in noch weiter größerem Ausmaß. Die von Littlefinger und Roose Bolton arrangierte Hochzeit zwischen Sansa und Ramsay wird durchgeführt und die Hochzeitsnacht verläuft in etwa so, wie man sich das bei Ramsays Vorgeschichte vorstellt. Ich muss gestehen, dass mich diese Entwicklung in Sansas Handlungsstrang nicht besonders überrascht, etwas Derartiges war abzusehen. In jedem Fall ist in dieser Situation eine ausführlichere Betrachtung durchaus angebracht, besonders angesichts der starken Emotionen, die der Abschluss dieser Folge hervorgerufen hat.

Zuerst sollte ein Blick auf die Vorlage geworfen werden. Die Szene ist im Roman – auf gewisse Weise. Ramsay heiratet und vergewaltigt seine Braut in der Hochzeitsnacht. In „A Dance with Dragons“ ist es allerdings nicht Sansa, sondern deren Freundin Jeyne Poole, von den Lannisters und Boltons als Arya Stark ausgegeben, die Ramsay ehelichen muss. Also ja, die Szene ist im Roman, allerdings in etwas anderem Kontext und mit einer anderen Braut. Tatsächlich sind die Ereignisse im Roman noch um einiges herber, Theon/Reek muss nicht nur zuschauen, sondern sogar mitmachen. Tatsächlich halte ich den kompletten Winterfell-Abschnitt dieser Episode, auf einer rein inszenatorischen Ebene und unter Ausblendung des inhaltlichen Kontextes, für sehr gelungen, von der geisterhaften, begräbnisartigen Atmosphäre bei der eigentlichen Hochzeit bis zum „Vollzug“, bei dem mit sehr wenig sehr viel erreicht wird. Was graphische Brutalität angeht offeriert diese Szene nämlich kaum etwas, das meiste wird über Stimmung und Spiel der Darsteller vermittelt, was die Szene so wirkungsvoll macht; im besten wie im schlechtesten Sinne.

Inhaltlich sieht es dagegen wieder anders aus. Die drängendste Frage ist, ob dieser Vergewaltigung lediglich als billiger (wenn auch gut inszenierter) Schockmoment fungiert. Wollen Benioff und Weiss lediglich polarisieren? Eine derartige Kontroverse war von ihrer Seite aus durchaus abzusehen, speziell nachdem, was letztes Jahr passiert ist. Es gibt drei Möglichkeiten: Entweder, die beiden sind sehr naiv, oder etwaige Folgen waren ihnen schlicht egal und sie wollten nur die Geschichte so erzählen, wie sie es für richtig hielten, egal, was alle anderen denken, oder aber eine Kontroverse war tatsächlich die Absicht, nach dem Motto „jede Publicity ist gute Publicity“.

„Game of Thrones“ ist eine Serie, die für ihre Schockmomente bekannt und berüchtigt ist, vor allem natürlich wegen Lord Eddards Tod in Staffel 1 und der Roten Hochzeit in Staffel 3. Dies ergaben sich allerdings tatsächlich aus der Handlung und waren logische Kulminationen der jeweiligen Handlungsstränge und leiteten dann ihrerseits neue Ereignisse ein.

Ich denke, kaum jemand wird leugnen können, dass die Vergewaltigung aus der vorangegangenen Hochzeit heraus logisch ist – wir alle kennen Ramsay, wir wissen, was für ein Psychopath er ist. Das Problem dabei ist, dass die Hochzeit an sich recht unlogisch ist. Wie oben bereits erwähnt ist Littlefingers Masterplan sehr löchrig, und Sansas Anwesenheit in Winterfell ist ebenfalls alles andere als wasserdicht. Inwiefern sich die Szene für die kommenden Folgen als zwingend herausstellt, wird sich erst noch zeigen, frühestens in der nächsten Folge, spätestens zum Staffelende.

Aber zurück zur eigentlichen Szene und der Kontroverse. Was mich ein wenig schockiert war, dass es doch einige Stimmen gab, die diese Szene tatsächlich nicht als Vergewaltigung angesehen haben. Dieses Argument fand ich schon letztes Jahr sehr fadenscheinig, dieses Jahr gab es in meinen Augen absolut überhaupt keinen Zweifel daran, was da gerade geschieht. Arrangierte Ehen sind natürlich schon ein Thema für sich, aber selbst in deren Rahmen hätte sich Ramsay (wäre er nicht Ramsay) definitiv anders verhalten können. So, wie er das Ganze inszeniert hat, ist das definitiv ein Gewaltakt.

Was ebenfalls zu sehr negativen Reaktionen führte war die Tatsache, dass die Szene mit einer langen Einstellung von Theons Gesicht endete, der mit wachsendem Schrecken beobachtet, was da geschieht. Das legt den Schluss nahe, dass es in dieser Szene, in der Sansa vergewaltigt wird, gar nicht um Sansa geht, sondern um Theon und dessen „Läuterung“, was tatsächlich eine äußerst unelegante, herabwürdigende Wendung wäre.
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Theon (Alfie Allen) führt Sansa (Sophie Turner) zu ihrem Bräutigam

Ich denke, was mich am meisten stört, ist, dass Sansas Handlungsstrang in dieser Staffel letztendlich ihre bisherige Charakterentwicklung schlicht und einfach wieder umkehrt. Nachdem sie sich in der vierten Staffel vom Opfer zur Spielerin entwickelte, befindet sie sich gewissermaßen nun wieder in derselben (bzw. einer schlimmeren) Position wie in Staffel 2: Abermals ist sie einem Sadisten ausgeliefert, abermals ist sie das Opfer. Selbst, wenn wir von diversen weiteren Implikationen einmal absehen (allgemeines Frauenbild etc.), kann ich es schlicht nicht ausstehen, wenn Figuren dieselbe Lektion noch einmal lernen und dieselbe Entwicklung immer wieder durchmachen.

Bis auf wenige kurze Momente war Sansa in den Winterfell-Szenen insgesamt extrem passiv. Wäre es nicht viel interessanter gewesen, Sansa statt Jeyne Poole eine andere Figur ersetzen zu lassen, nämlich Wyman Manderly? Wenn Benioff und Weiss sie in der Theorie zur Spielerin entwickeln, hätten sie das dann nicht auch in der Praxis tun können? Statt dieser völligen Passivität hätte sie zumindest etwas Ähnliches versuchen können wie Margaery bei Joffrey, immerhin konnte sie ihr eine Staffel lang zusehen und lernen. Das neuste Promokapitel, das George R. R. Martin auf seinem „Not a Blog“ veröffentlicht hat, schildert Sansa genau in so einer Situation, freilich nicht mit Ramsay, sondern Harry Hardyng, dem Erben des Grünen Tals nach Robin (bzw. Robert) Arryn.

Fazit: „Unbowed, Unbent, Unbroken“ ist leider ein Tiefpunkt der Serie, und das nicht nur wegen der Sansa-Kontroverse; auch der Dorne-Handlungsstrang entwickelt sich höchst enttäuschend.

GoT: The Mountain and the Viper

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Während die „Mockingbird“ von merkwürdigen Inszenierungen geprägt war, gibt es bei „The Mountain and the Viper“ Fokusprobleme. Einiges zieht sich ziemlich und wirkt sekundär oder gar schlicht unnötig, während der eigentliche, titelgebende Höhepunkt der Episode fast schon zu kurz kommt.

Castle Black
Genaugenommen beginnt die Episode nicht in Castle Black, sondern in Molestown, aber das liegt praktisch nebenan und lohnt keinen eigenen Abschnitt. Wie dem auch sei, die Wildlinge kommen endlich an. Vorher dürfen wir noch einmal sehen, dass das Bordell in Molestown qualitativ nicht ganz mit Littlefingers Etablissement mithalten kann; Gilly fühlt sich dort, wen wundert es, nicht besonders wohl. Beim Angriff der Wildlinge werden alle Anwesenden niedergemetzelt, nur Gilly und ihr Sohn werden von Ygritte verschont – nach dem kaltblütigen Mord bei ihrem letzten Auftritt und dem Erstechen der Puffmutter sammelt sie wohl wieder ein paar Sympathiepunkte bei den Zuschauern, damit auch ihr zukünftiges Schicksal ein wenig tragischer wird.
Auf Castle Black macht man sich derweil Sorgen und auch Sam sieht endlich ein, dass es eine blöde Idee war, Gilly in Molestown zu verstecken. Der Aufbau zur Schlacht um die Mauer findet mit dieser Episode nun auch endlich sein Ende, denn in der nächsten Folge geht’s hier endlich zur Sache. Gerade wenn man den Aufbau hier mit den Schlacht-Vorbereitungen in der zweiten Staffen vergleicht, fällt auf, um wie viel atmosphärischer und bedrückender diese waren. Vielleicht hängt das aber auch damit zusammen, dass King’s Landing einfach der interessantere Schauplatz mit den besseren Figuren ist.

Meereen
Grauer Wurm ist ein Spanner. Interessant. Beim Baden beobachtet er Missandei ein wenig zu intensiv, was der Übersetzerin ebenfalls auffällt – im Folgenden wundert sie sich zusammen mit Daenerys, ob da noch was übrig ist. Diese angedeutete „Romanze“ hat in den Romanen natürlich keine Grundlage, da Missandei dort erst elf ist. Immerhin gibt es eine Bemerkung über Bedürfnisse der Unbefleckten, die sich trotz Kastration zu Prostituierten begeben, einfach um körperliche Nähe zu Frauen zu spüren. Es mag mir nur so vorkommen, aber irgendwie scheint es mir, als würden Benioff und Weiss dem Pärchen Missandei/Grauer Wurm mehr Aufmerksamkeit schenken als Daario/Daenerys. Der kleine Dialog zwischen Unberührtem und Übersetzerin im Thronsaal ist zweifelsohne knuffig, aber man fragt sich, wo das hinführt.
Derweil folgt nun endlich Ser Jorahs Verbannung, quasi initiiert von Tywin Lannister in Form einer königlichen Begnadigung. Da diese Ser Barristan zugestellt wird ist er es, der Daenerys, wie in den Romanen (dort aber mit anderem Hintergrund) von Jorahs Verrat berichtet. Die Szene seiner Verbannung ist ähnlich wie im Roman, aber weit weniger wirksam. Gerade hier ist es sehr wichtig zu wissen, was Daenerys denkt. Möglicherweise wäre es nützlich gewesen, hätte Daenerys im Anschluss noch mit Ser Barristan oder Missandei über ihre Entscheidung gesprochen.

Moat Cailin
Die „Eroberung“ Moat Cailins stammt direkt aus „A Dance with Dragons“ und ist auch ziemlich buchgetreu umgesetzt. Reek darf kurz als sein altes Selbst posieren, um die von Krankheit geplagten Eisenmänner davon zu überzeugen, das Feld zu räumen. Er verspricht ihnen freien Abzug, aber natürlich zieht Ramsay ihnen hinterher nur die Haut ab.
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Ramsay (Iwan Rheon) und Roose (Michael Mcelhatton) tragen nun denselben Nachnamen

Gerade hier fällt noch einmal auf, wie gut Alfie Allen spielt. Im Roman ist Theon zu diesem Zeitpunkt körperlich ein völliges Wrack, er hat weiße Haare, ist vollkommen abgemagert und sieht aus wie ein alter Mann. Serien-Theon dagegen sieht rein körperlich dagegen noch halbwegs fit, unter anderem auch, weil man von Alfie Allen kaum erwarten kann, dass er sich gnadenlos herunterhungert, er ist ja schließlich nicht Christian Bale, der das hin und wieder mal gerne tut. Aber die Art und Weise, wie er schaut, wie er sich bewegte und wie er mit anderen agiert zeigt ganz genau, wie gebrochen er ist.
Die Szenerie von Moat Cailin unterstreicht das Ganze und ist hübsch unangenehm. Die Eisenmänner sind gezeichnet von Krankheit und Entbehrung. Natürlich wird es für sie nicht besser, und wir sehen zum ersten Mal die praktisch Umsetzung des Bolton-Wappens.
Anschließend übergibt Ramsay seinem Vater feierlich die eroberte Burg und erhält dafür einen neuen Nachnamen. Die Szene erinnert an eine pervertierte Version des Dialogs zwischen Simba und Mufasa am Anfang von „Der König der Löwen“ („alles, was das Licht berührt“) und irgendwie freut man sich für Ramsay. Irgendwie…

Eyrie
Nach Lysa Arryns plötzlichem, unerwartetem Mondtorsturz wird Littlefinger erst einmal von Yohn Royce (Rupert Vansittart), Anya Waynwood (Paoloa Dionisotti) und Vance Corbray (Richard Doubleday), drei Adeligen des Grünen Tals, verhört. Die Folgen von Lysa Arryns Tod unterscheiden sich in der Serie stark von denen im Roman, und ein weiteres Mal wird hier bereits Material aus „A Feast for Crows“ adaptiert. Wie bereits an anderer Stelle erwähnt ist der Sänger Marillion bei Lysas Sturz im Roman anwesend und ihm wird dann auch die Schuld gegeben. Auf der Eyrie finden sich anschließend die sogenannten „Lords der Erklärung“, ein Bündnis wichtiger Adeliger des Grünen Tals (unter ihnen auch Yohn Royce und Anya Waynwood, Vance Corbray ist eine Schöpfung der Serienautoren), ein, die Robin/Robert in ihre Gewalt bringen und Littlefingers Kontrolle über das Tal beenden wollen. Der Lord Protector kommt allerdings durch Manipulation einiger und Bestechung anderer Lords der Erklärung mit ihnen zu einer Übereinkunft. Das Ganze wird aus Sansas Sicht geschildert und somit ist deutlich, dass Littlefinger alles sehr genau durchgeplant hat.
In der Serie verhält sich dies anders, da Littlefinger offenbar nicht allzu weit vorausgeplant hat; er stellt Lysas Tod als Selbstmord hin, die Lords und die Lady des Tals glauben ihm allerdings nicht, bis Sansa befragt wird. Diese erzählt, ohne dass sie von Littlefinger instruiert wurde, wohlgemerkt, beinahe die Wahrheit. Sie enthüllt, dass sie Sansa Stark ist und berichtet von ihrer Leidensgeschichte, lediglich Lysas Tod stellt sie ebenfalls als Selbstmord da, sodass Royce, Corbray und Waynwood von Littlefingers „Unschuld“ überzeugt sind. Somit ist Sansa in ihrer Charakterentwicklung schon weiter als in den Romanen, dort zeichnete sich zwar bereits ab, dass Sansa Littlefingers Schülerin wird und mitintrigiert, aber in „A Feast for Crows“ agiert sie ausschließlich nach Petyr Baelishs Anweisungen. In der Serie dagegen handelt sie hier erstmals aus eigenem Antrieb heraus und zeigt Littlefinger so, dass sie nicht nur nützlich, sondern auch gefährlich sein kann. Diese Entwicklung wird am Ende etwas zu sehr durch Sansas neue Kleiderwahl unterstrichen. Nicht, dass es ihr nicht stehen würde, aber sie sieht aus, als wäre sie zur Dunklen Seite der Macht übergetreten. Nun gut, ist sie ja irgendwie auch. Immerhin sind jetzt die Haare gefärbt.
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Sansa (Sophie Turner) ist zur Dunklen Seite der Macht übergetreten

Am Bluttor
Faszinierend: Arya und Sandor erreichen tatsächlich das Bluttor, nur um zu erfahren, das mit Lysa eine weitere Verwandte von Arya gestorben ist, was diese mit wildem Gelächter quittiert. Geht’s jetzt dann endlich gen Braavos? Oder hat Arya doch ein ganz anderes Schicksal vor sich als bei Martin? Es fällt ein wenig schwer zu glauben, dass Arya und Sandor einfach wieder gehen. Oder dass sie einfach weggelassen werden.

King’s Landing
So gelungen die bisherigen Zellengespräche mit Tyrion auch waren, ich fürchte, dieses hier ist zu viel. Man kann schon verstehen, worauf Tyrion mit seiner Geschichte über Orson Lannister hinaus will (Willkür der Götter, Charakterisierung von Gregor Clegane etc.), aber das Ganze zieht sich ungemein, und es findet sich nichts, was nicht schon an anderer Stelle deutlich gemacht wurde. Stattdessen wäre es in meinen Augen besser gewesen, man hätte die Konversation mit Oberyn aus „A Storm of Swords“ adaptiert, in welcher er Tyrion den Plan verrät, Myrcella zu krönen (nach dornischem Recht geht das Erbe an das älteste Kind, egal ob männlich oder weiblich) und sie so als Waffe gegen Tywin zu benutzen. Somit hätte man Tyrion nicht nur eine Chance aufs Überleben gegeben, sondern auch eine auf eine mögliche, positive Zukunft, wodurch der Ausgang des Kampfes noch härter gewesen wäre. Und man hätte in einem Zug auch gleich mögliche Machenschaften der Dornischen, die in der nächsten Staffel wahrscheinlich vorkommen werden, andeuten können.
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Oberyn Martell (Pedro Pascal) kämpft gegen Gregor Clegane (Hafþór Júlíus Björnsson)

Der eigentliche Kampf Berg gegen Viper (in dieser Folge fällt erstmals sein Spitzname) ist ordentlich und sehr buchgetreu umgesetzt. Das Probleme daran ist, dass er als beste bisherige Kampfszene angekündigt und ziemlich gehypt wurde, ordentlich ist da nicht ganz ausreichend. Es mangelt in meinen Augen an der Intensität, die zum Beispiel der Kampf Beric Dondarrions gegen den Bluthund hatte. Auch das Platzen von Oberyns Kopf wirkt ein wenig übertrieben. Trotzdem möchte ich noch einmal betonen, was für einen grandiosen Oberyn Martell Pedro Pascal dargestellt hat; die Figur wurde durch sein Spiel noch einmal aufgewertet.

Fazit: Leider ist das Großereignis dieser Folge nur in Ordnung und nicht grandios, was hätte sein sollen. Mehr Intensität und vor allem mehr Fokus wären wünschenswert gewesen.

Game of Thrones Staffel 4:
Two Swords
The Lion and the Rose
Breaker of Chains
Oathkeeper
First of His Name
The Laws of Gods and Men
Mockingbird

Siehe auch:
Game of Thrones Staffel 1
Game of Thrones Staffel 2
Game of Thrones Staffel 3

GoT: The Lion and the Rose

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Es wird wieder geheiratet – und inzwischen weiß auch jeder, dass Hochzeiten in Westeros eine äußerst delikate Angelegenheiten sind.
Der Titel der Episode, „The Lion and the Rose“, bezieht sich selbstverständlich auf besagte Hochzeit, in der die Häuser Lannister und Tyrell ihr Bündnis endgültig besiegeln. Zudem spiegelt er den Titel der fünften Episode aus Staffel 1 wieder: „The Wolf and the Lion“. Möglicherweise lässt sich aus dieser Parallele bereits eine Andeutung herauslesen. In der Staffel-1-Episode wird der Löwe zuletzt genannt und geht aus der Konfrontation als Sieger hervor. In dieser Episode wird die Rose zuletzt genannt…
Wie bei jeder Staffel stammt auch dieses Mal wieder eine Episode – diese hier – aus der Feder von George R. R. Martin persönlich. Interessanterweise befand sich die Martin-Episode bisher immer in der zweiten Hälfte der Staffel; „The Pointy End“ war Episode 8 von Staffel 1, „Blackwater“ Episode 9 von Staffel 2 und „The Bear and the Maiden Fair“ Episode 7 von Staffel 3. Warum Martins Episode dieses Mal allerdings so früh kommt, ist nicht schwer zu verstehen. Während ich „The Bear and the Maiden Fair“, zumindest unter Anbetracht der Tatsache, dass sie vom Schöpfer der Welt von Eis und Feuer verfasst wurde, eher enttäuschend fand, bewegt sich „The Lion and the Rose“ qualitativ wieder in Richtung „Blackwater“ – nach wie vor meine Lieblingsepisode der gesamten Serie. Während die erste Hälfte von „The Lion and the Rose“ wie eine gewöhnliche GoT-Episode mit wechselnden Schauplätzen strukturiert ist, konzentriert sich die zweite Hälfte ausschließlich auf Joffreys Hochzeit und läuft in Echtzeit ab – eine gelungene Taktik, die vollständig aufgeht und an die Intensität von „Blackwater“ erinnert, wenn auch auf andere Weise.

Dreadford
Wie erwartet werden in dieser Episode einige Handlungsstränge ausgeklammert (Wildlinge, Nachtwache, Daenerys), während diejenigen, die in „Two Swords“ fehlten, dieses Mal zumindest angeschnitten werden. Wir beginnen an der Dreadford, wo Ramsay einem seiner Hobbys nachgeht: Der Jagd. Statt Wild jagt der Bastard von Bolton allerdings lieber junge Frauen. Das Bauernmädchen Tansy (Jazzy de Lisser) wird von seinen Hunden gehetzt, während Ramsay in Begleitung der Bogenschützin Myranda (Charlotte Hope; Myranda war auch eine der beiden Frauen, mit denen Ramsay Theon in der dritten Staffel quälte) den Tag im Wald genießt. Ebenfalls mit von der Partie ist Theon Greyjoy, nun besser bekannt als Reek und völlig gebrochen, der als humpelnder Jagdgehilfe herhalten muss.
Ramsays Vorliebe für die Jagd wird in den Romanen des Öfteren erwähnt, in „A Dance with Dragons“ erinnert sich Theon an eine versuchte Fluch mit einer seiner früheren Bettwärmerinnen, die ähnlich endet. Die Frauen, die Ramsay eine gute Jagd liefern, werden von ihm vergewaltigt, ermordet und anschließend gehäutet (und sie liefern die Namen für neue Hunde), während die anderen lebendig gehäutet werden. Ja, Ramsay Snow ist ein angenehmer, vollkommen ausgeglichener Mensch.
Obwohl einige dieser Details hier keine Verwendung finden (Tansy wird von den Hunden zerfleischt), dürfte dennoch inzwischen sehr eindeutig sein, was für ein Monster Ramsay Snow ist – in der Tat gehört er zu den wenigen Charakteren, denen man wirklich keinerlei Sympathie entgegen bringen und die man genüsslich hassen kann – möglicherweise wird er als Ersatz für einen gewissen anderen derartigen Charakter aufgebaut, für den in dieser Episode der Vorhand fällt.
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Ramsay (Iwan Rheon) und Myranda (Charlotte Hope)

Kurz nach der Jagd kommt Roose Bolton an der Dreadford an, wobei wir gleich seine Ehefrau, die fetteste Tochter von Lord Walder Frey kennen lernen. Ramsay verhält sich gegenüber Walda Bolton (Elizabeth Webster) geradezu beängstigend freundlich. Auch mit Locke versteht er sich blendend, was allerdings niemanden wundern dürfte – Brüder im Geiste.
Roose Bolton dagegen ist von den Aktionen seines Sohnes nicht unbedingt begeistert, da er der Meinung ist, dass Theon unverletzt wertvoller gewesen wäre, und er erinnert Ramsay daran, dass er kein Bolton, sondern ein Snow ist. Allerdings hat Theon noch Informationen, die für Roose, der nun von Tywin Lannister zum Wächter des Nordens ernannt wurde, sehr nützlich sind: Bran und Rickon Stark leben noch.
Wie ich gehofft hatte, bewegt sich dieser Handlungsstrang, der in Staffel 3 ziemlich auf der Stelle trat, nun endlich. Vor allem die Szene, in der Theon Ramsay rasiert, ist sehr gut gelungen, nicht zuletzt wegen des überzeugenden Spiels (bzw. Zusammenspiels) von Michael McElhatton, Alfie Allen und Iwan Rheon. Es ist eine absolute Machtdemonstration: Theon hat das Rasiermesser an Ramsays Kehle, während dieser ihm erzählt, dass Robb Stark tot ist. Und dennoch ist Theon psychisch derart verstümmelt, dass er nicht in der Lage ist, die Gelegenheit zu nutzen.
Anschließend wird noch der weitere Verlauf dieses Subplots angedeutet: Locke macht sich in Richtung Castle Black auf, um Bran und Rickon zu finden (in einem Trailer war er bereits an der Mauer zu sehen), und Ramsay und Theon sollen Moat Cailin zurückerobern.

Dragonstone
Wenn es auf Dragonstone nichts zu tun gibt, frönt Melisandre ihrem liebsten Hobby: Ungläubige verbrennen. Das schließt auch den Schwager des Königs nicht aus. Ansonsten gibt es recht wenig neues: Davos ist nicht begeistert, Selyse beweist, dass sie geistig nicht so ganz gesund ist und Stannis gibt sich stoisch.
Das völlig verkorkste Dinner, dass Melisandre, Stannis und Selyse daraufhin abhalten zeigt noch einmal mehr, wie dysfunktional diese Familie doch ist (nicht, dass das in Westeros etwas Besonderes wäre). Aber auch hier: Wenig neues. Immerhin gibt es ein nettes kleines Gespräch zwischen Shireen und Melisandre, in dem Erstere beweist, dass sie einen sehr wachen Verstand hat und religiösem Fanatismus kritisch gegenübersteht.
Ich hoffe, dass es hier bald vorangeht, denn dieser Handlungsstrang ist schon in der letzten Staffel kaum vorangekommen, und es gibt nicht mehr wirklich viel, was man auf Dragonstone machen oder zeigen könnte. Während die letzte Davos/Stannis/Melisandre-Szene der dritten Staffel ein Vorankommen versprach, tritt das Ganze hier nun wieder auf der Stelle. Wird Zeit, dass Stannis nach Norden aufbricht.

Nördlich der Mauer
Bran wargt mehr denn je und kehrt immer widerwilliger aus Summers Geist zurück – es braucht schon Hodor, um ihn wieder zurückzuholen. Eine ähnlich geartete Szene findet sich an „A Storm of Swords“ bereits gegen Anfang.
Wie schon Maisie Williams ist auch Isaac Hampstead-Wright unglaublich gewachsen. Nicht nur ist er größer geworden (das ließe sich gerade bei Bran noch recht gut verbergen, da er ja meistens liegt oder sitzt), auch sein Gesicht ist merklich länger und erwachsener geworden.
Ich bin wirklich gespannt, wie sich Brans Handlungsstrang weiterentwickelt, denn besonders viel Material gibt es nicht. Ich habe auch den Verdacht, dass Coldhand nicht mehr vorkommt und dass Bran, die Reeds und Hodor von selbst auf die Dreiäugige Krähe stoßen. Den ersten Schritt in diese Richtung macht Bran schon, indem er in einen Wehrholzbaum wargt und so eine Reihe kurzer Visionen hat. Unter anderem sieht er die dreiäugige Krähe, die durch die Grabgewölbe Winterfells fliegt, Lord Eddard bei Schärfen von Ice, Lord Eddard in den Verließen von King’s Landing, noch mehr Eindrücke vom Wehrholzbaum und der Krähe (inklusive des Befehls „Look for me beneath the tree, north!“), gefolgt von dem Wiedergängermädchen aus der ersten Folge der erste Staffel, einem untoten Pferd und dem Thronsaal des Red Keep aus Danys Vision im Haus der Unsterblichen. Die Vision endet mit einem kurzen Eindruck von Brans Fall, dem Spiegelbild eines Weißen Wanderers und dem Schatten eines Drachen, der über King’s Landing hinweggleitet – diese Einstellung ist bereits aus den Trailern bekannt.

King’s Landing
jaimetraining
Jaime (Nikolaj Coster-Waldau) und Bronn (Jerome Flynn) trainieren

Wie erwartet folgt nun das Gespräch zwischen Jaime und Tyrion, wobei Tyrion der einzige ist, der sich offenbar freut, den Königsmörder wiederzusehen und ihm das Gefühl gibt, willkommen zu sein. An der goldenen Hand (die in der Serie, im Gegensatz zu den Romanen, nicht vollständig aus Gold ist) stört er sich nicht und ganz allgemein bemüht er sich auf seine einzigartige Weise, Jaime zu ermuntern, anstatt ihn niederzumachen: „To the proud Lannister children: The dwarf, the cripple and the mother of madness.“ Tyrion arrangiert sogar einen Sparringpartner für seinen Burder, damit dieser trainieren kann, das Schwert linkshändig zu führen. In den Romanen trainiert Jaime mit Ilyn Payne, da dieser seine Zunge verloren hat und auch nicht schreiben kann, weshalb es ihm unmöglich ist, auszuplaudern, dass der Königsmörder nicht mehr mit dem Schwert umgehen kann. In der Serie wurde er aus zwei Gründen durch Bronn ersetzt: In den Szenen mit Ilyn Payne geht es vor allem um Jaimes innere Prozesse, was sich in der Serie freilich nicht gut darstellen lässt, insofern ist es besser, wenn Jaime einen Gesprächspartner bekommt. Weitaus bedeutender ist allerdings, dass Wilko Johnson, der Schauspieler, der Ilyn Payne in Staffel 1 und 2 darstellte, leider an Krebs erkrankt ist und deshalb nicht mehr an der Serie mitwirken kann. Trotz dieses traurigen Umstandes ist die folgende Trainingsrunde zwischen Bronn und Jaime äußerst amüsant – es werden nicht nur die stählernen, sondern auch die verbalen Klingen gekreuzt.
Nach „A Storm of Sword“ verschwindet Bronn aus der Buchreihe, allerdings ist die Figur, nicht zuletzt wegen Jerome Flynns Darstellung, im Fandom äußerst beliebt. Ich danke, man darf durchaus darauf hoffen, dass Bronn auch weiterhin Ser Ilyns Stelle einnimmt oder doch zumindest nicht einfach verschwindet.
Vor dem Frühstück am Hochzeitstag trifft sich Tyrion noch einmal mit Varys, der ihn warnt, dass eine von Cerseis Zofen auf Shae aufmerksam geworden ist und sich nicht willig zeigt, weiterhin für Tyrion zu lügen. Beim Frühstück folgt dann auch die Bestätigung; Shae ist als Sansas Zofe anwesend, und Cersei und Tywin flüstern und werfen ihr immer wieder Blicke zu. Außerdem taucht zum ersten Mal Mace Tyrell (Roger Ashton-Griffiths), der Brautvater auf. Nacheinander werden Joffrey die diversen Hochzeitsgeschenke überreicht. Wie im Buch schenkt Tyrion Joffrey „The Lives of the Four Kings“, anders als im Buch reagiert Joffrey jedoch noch verhältnismäßig höflich, um den unbedarften Zuschauer auf eine falsche Fährte zu locken. Das hebt jedoch nicht lange, sobald Joffrey das Geschenk seines Großvaters, das zweite Schwert aus valyrischem Stahl (es ist schon ein wenig schade, dass weder Widow’s Wail noch Oathkeeper die spezielle rote Färbung aus Martins Beschreibung haben), bekommt, verfällt er in seinen berüchtigten Arschlochmodus, probiert es am Geschenk seines Onkels aus läuft im weiteren Verlauf dieser Episode zu absoluter Hochform auf.
Nach dem Frühstück zieht Tyrion nun die Konsequenz aus dem, was er von Varys erfahren hat, stößt Shae auf unschöne Weise von sich und lässt sie von Bronn zum Hafen bringen, damit ein Schiff sie nach Pentos bringt. Im Roman überlegt er stattdessen, sie mit einem niederen Ritter zu verheiraten, zu einem derartigen Zerwürfnis kommt es dort aber nicht. Man kann wohl davon ausgehen, dass das Schiff Shae nicht nach Pentos bringt und dass es Cersei/Tywin gelungen ist, es abzufangen oder dass Bronn jetzt auf jemand anderes Lohnliste steht.
Und nun folgt die eigentliche Hochzeitszeremonie in Baelors Septe, bei der es für mich eine sehr angenehme Überraschung gab, denn sie wird von einer neuen Variation des Baratheon-Themas, stilecht mit Frauenchor, untermalt. Ich hatte schon befürchtet, dass es diese Staffel keine neue Version dieses Themas gibt, aber zu Unrecht.
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Joffrey (Jack Gleeson) und Margaery (Natalie Dormer) geben sich das Ja-Wort. Im Hintergrund die Familie des Bräutigams (von links nach rechts): Jaime, Tommen (Dean-Charles Chapman), Cersei (Lena Headey) und Tywin (Charles Dance)

Bei der Zeremonie sieht man nun auch zum ersten Mal deutlich, dass Tommen (in Staffel 3 auffällig abwesend) nun nicht mehr von Callum Wharry, sondern dem sehr viel älteren Dean-Charles Chapman verkörpert wird, der bereits den von Rickard Karstark verkörperten Martyn Lannister spielte. Warum das so ist, will mir nicht ganz einleuchten, vielleicht war man der Meinung, dass Callum Wharry den Anforderungen, die die Rolle an ihn in dieser Staffel stellt, nicht gerecht wird. Und noch ein kleines Detail am Rande: Ab diesem Zeitpunkt nimmt die Kamera immer wieder Lady Olenna in den Fokus. Darauf sollte man achten.
Nach der eigentlichen Zeremonie geht’s ans Eingemacht. Die Hochzeitsfeier findet in der Serie nicht abends und drinnen, sondern nachmittags und draußen statt. Bei Martin wird diese Szene ausschließlich aus Tyrions Blickwinkel geschildert. Für diese Episode nutzt Martin dagegen die Gelegenheit, das Ganze etwas vielseitiger zu gestalten und alle möglichen Figuren miteinander sprechen zu lassen.
Lord Tywin und Lady Olenna eröffnen den Reigen. Hierbei wird gleich deutlich gemacht, welche Rolle Mace Tyrell spielt: Er ist das öffentliche Gesicht der Tyrells, aber seine Mutter ist diejenige, die eigentlich den Laden schmeißt. Im Gespräch wird auch die Eiserne Bank von Braavos erwähnt, die in dieser Staffel noch eine Rolle spielen wird. Ihr Gesandter Tycho Nestoris, der sicher in absehbarer Zeit auftaucht, wird von Mark Gatiss (Mycroft Holmes in „Sherlock“) dargestellt.
Nach einem kurzen Intermezzo mit Bronn und Tyrion sucht Lady Olenna Sansa auf, und wie oben erwähnt lohnt es sich, die alte Dame im Blick zu behalten. Auch wenn Sansa hier eine Kette statt eines Haarnetzes trägt, ist der Effekt derselbe. Und wer gut aufpasst, wird bemerken, dass nach dem Gespräch, bei dem Olenna über Sansas Zöpfe streicht, einer der Steine nicht mehr an seinem Platz ist. Ihre Worte sind nicht minder aufschlussreich: „Killing a man at a wedding. Horrid. What sort of monster would do such a thing.“
Nun folgen viele kleine Begegnungen: Cersei und Margaery, die soeben verkündet hat, dass die Überreste des Festessens den Armen übergeben werden, ergehen sich in Zuneigungsbekundungen – ein wenig später ordnet Cersei an, dass die Überreste den Hunden vorgeworfen werden. Dies zeigt sehr schön, dass Cersei weiß, dass ihre Zeit an der Macht endet; Margaery ist jetzt Königin, was Cersei allerdings nicht davon abhält, noch eine unwichtige, hinterhältige und nutzlose Intrige einzufädeln, die lediglich ihr selbst ein gutes Gefühl gibt.
Während die Band The Bear and the Maiden Fair spielt, unterhalten sich derweil Jaime und Loras miteinander, die beide dem jeweils anderen zu verstehen geben, dass sie über dessen sexuelle Präferenzen bescheid wissen. Vielleicht kommen sie in einer späteren Folge zu einem Einverständnis und Ser Loras tritt so der Königsgarde bei.
Brienne ist, wie so ziemlich jede andere Figur, die sich gegenwärtig in King’s Landing aufhält, ebenfalls auf der Hochzeit. Obwohl ich zugeben muss, dass ich es immer noch merkwürdig finde, dass Brienne sich einfach so im Red Keep bewegt, ist die Unterhaltung zwischen ihr und Cersei doch ebenfalls sehr aufschlussreich. Brienne ist das, was Cersei gerne wäre: Eine Kriegerin, die sich nicht um die Beschränkungen schert, die die Gesellschaft ihrem Geschlecht auferlegt hat. Im Gegenzug ist Cersei allerdings auch in der Lage, die Jungfrau von Tarth zu durchschauen. Ich frage mich, ob das nur ein kurzes Zwischenspiel wird oder ob da noch mehr folgt.
Fast so amüsant wie der kleine Dialog zwischen Olenna und Tywin ist die folgende Begegnung von Oberyn Martell, Ellaria Sand, Lord Tywin und Cersei, die sich auf höflichste Weise gnadenlos angiften – das hat Potential.
Mit dem Auftritt der Zwerge, die den Krieg der fünf Könige nachstellen, nähert sich die Hochzeit ihrem Höhepunkt. Im Roman treten an dieser Stelle einfach nur Zwerge auf, die gegeneinander tjostierten, während sie auf Schweinen und Hunden reiten. Besagte Tiere fehlen hier, aber da die Zwerge als Joffrey, Renly, Robb, Stannis und Balon Greyjoy auftreten, wird das Ganze noch mehr auf die Spitze getrieben und richtet sich somit nicht nur an Tyrion, sondern sorgt auch dafür, dass sich viele andere Gäste unangenehm berührt fühlen, in erster Linie natürlich Sansa und Loras. Keiner der fünf Kleinwüchsigen scheint weiblich zu sein, was nebenbei die Frage aufwirft, ob Penny (in der deutschen Version heißt sie Heller), in „A Dance with Dragons“ eine nicht ganz unwichtige Figur, in der Serie auftaucht.
Im Folgenden treibt Joffrey die Demütigung seines Onkels immer weiter, der versucht, das ganze stoisch über sich ergehen zu lassen. Die Herabwürdigung zum Mundschenk macht ihn dann natürlich später auch zum Hauptverdächtigen.
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Joffrey stirbt in den Armen seiner Mutter

Der geneigte Buchleser weiß selbstverständlich, was nach dem Anschneiden des Hochzeitkuchens kommt: Der namensgebende Moment der „Violetten Hochzeit“. Im Gegensatz zur Roten Hochzeit stammt dieser Name von den Fans und bezieht sich zum einen auf die Juwelen von Sansas Haarnetz (die der Halskette sind allerdings hellblau) und zum anderen auf die Gesichtsfarbe des Bräutigams bei seinem Ableben.
Joffrey dürfte mit Abstand die meistgehasste Figur der Serie sein, allerdings haben sich Martin, Weiss und Benioff dazu entschieden, seinen Tod nicht als etwas Triumphales darzustellen; er soll keine Befriedigung für die Zuschauer werden. Die Todesszene ist äußerst unschön (hier im positiven Sinn) inszeniert. In diesem Zusammenhang muss noch einmal Jack Gleesons Darstellung hervorgehoben werden, der Joffrey in der Serie zu dem machte, was er ist und dabei wirklich eine beeindruckende Leistung ablieferte. Obwohl er die Figur spielt, die speziell darauf ausgelegt ist, gehasst zu werden, verkommt sein Joffrey niemals zu einer eindimensionalen Cartoonfigur, sondern bleibt immer authentisch. In seiner Sterbeszene holt Gleeson noch einmal alles heraus, die Intensität, mit der er den Todeskampf spielt, ist wirklich bewundernswert.

The Rains of Castamere

Es war schon einige Zeit lang bekannt, dass die Post-Rock-Band Sigur Rós in die Fußstapfen von The National und The Hold Steady treten und ein Lied aus Westeros interpretieren würden. Ich hatte erwartet, dass man, wegen der Ankunft Oberyn Martells, The Dornishman’s Wife wählen würde, was allerdings nicht eintraf. Stattdessen gibt es eine zweite Interpretation von The Rains of Castamere, die beim Abspann gespielt wird. Die Mitglieder von Sigur Rós haben auch einen kurzen Gastauftritt, sie spielen The Rains of Castamere auch auf der Hochzeit mit einer Bläserorgel, was Joffrey allerdings nicht besonders beeindruckt, weshalb er sie mit Münzen bewirft.
Diese Interpretation wird für den Abspann quasi restauriert und ist zweifelsohne interessant; sie klingt schon fast morbide. Besonders auffällig sind dabei der Einsatz der bereits erwähnten Bläserorgel, die ein beständiges, schwerfälliges, pfeifendes Geräusch erzeugt, das an ein beschwerliches Atmen erinnert, und so wohl auf Joffreys Todesart anspielt. Anders als in der Version von The National wird nicht der volle Text gesungen, stattdessen hört man ein hohes, klagendes Gestammel, das nach „One night I hold on you“ klingt (Cerseis Klage?), gefolgt von einigen Äußerungen des Wortes „Castamere“, bis es dann schließlich mit der Textzeile „In a coat of gold…“ wirklich anfängt (die ersten vier Zeilen fehlen).
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Sigur Rós spielen The Rains of Castamere auf Joffreys Hochzeit

Zwar sind sowohl die Version von The National als auch die Interpretation von Sigur Rós sehr langsam und düster, aber davon einmal abgesehen sagen sie sehr unterschiedliche Dinge aus. The Nationals Version ist eine Drohung an alle Feinde des Hauses Lannister. Matt Berninger, der Lead-Sänger von The National, klingt absolut selbstsicher, und wer würde sich schon mit jemandem mit einer derart tiefen Stimme anlegen wollen. Jónsi Birgissons Stimme dagegen klingt sehr viel höher und klagender, die Sigur-Rós-Version ist eher ein Abgesang, nicht nur auf Joffrey, sondern auch auf das Haus Lannister selbst – ihre Interpretation deutet bereits an, was uns am Ende der Staffel erwartet.

Fazit: „The Lion and the Rose“ sorgt zusammen mit „Two Swords“ für einen enorm gelungenen Staffelstart und legt die Messlatte für den Rest der Staffel verdammt hoch. Die Idee, die Hochzeitsfeier in Echtzeit ablaufen zu lassen ist vollständig aufgegangen, und Martin nutzt geschickt den Medienwechsel, um die Szene aus der Vorlage noch aufzuwerten. Während ich die Änderungen bei der Roten Hochzeit mitunter fast ein wenig störend fand, sind sie hier sogar willkommen.

Game of Thrones Staffel 4:
Two Swords
Breaker of Chains
Oathkeeper

Siehe auch:
Game of Thrones Staffel 1
Game of Thrones Staffel 2
Game of Thrones Staffel 3

Game of Thrones Staffel 3

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Die deutsche Free-TV-Erstaustrahlung der Game-of-Thrones-Staffeln ist immer toll, da verdoppeln sich die Besucherzahlen dieses Blogs. Leider habe ich es dieses Jahr wieder nicht geschafft, die Staffelbesprechung halbwegs rechtzeitig nach der US-Ausstrahlung hinzubekommen, aber nachdem ich schon über die Einzelepisoden ausführlich geschrieben hatte, erschien mir das dann irgendwie zweitrangig. Aber nun ist es soweit, hier kommt meine Rezension von Staffel 3, inklusive Soundtrack-Besprechung. Das Ganze ist freilich nicht spoilerfrei.

Die Handlung
Der Versuch, die Handlung einer Staffel von „Game of Thrones“ kurz zusammenzufassen wird immer mehr zu einer Farce, schon allein, weil es „die Handlung“ gar nicht gibt. Aber ich versuche es trotzdem, halte es dabei aber sehr knapp und oberflächlich. Für ausführlichere Zusammenfassungen verweise ich auf meine Episoden-Rezensionen.
Nach der Schlacht auf dem Blackwater läuft das Leben in King’s Landing langsam wieder in geregelten Bahnen. Tywin Lannister (Charles Dance) löst nun seinen Sohn Tyrion (Peter Dinklage) als Hand des Königs ab und erledigt die Regierungsgeschäfte für seinen Enkel Joffrey (Jack Gleeson). Die Familie Tyrell sorgt derweil für die Lebensmittelversorgung der Stadt, während Joffreys Verlobte Margaery (Natalie Dormer), die Tochter des Tyrell-Oberhaupts, und Olenna (Diana Rigg), dessen Mutter, sich am Hof einleben und bereits damit beginnen, Intrigen zu spinnen. Die erste misslingt allerdings und hat zur Folge, dass Sansa Stark (Sophie Turner) nun nicht, wie urpsürnglich von den Tyrells geplant, Margaerys Bruder Loras (Finn Jones), sondern Tyrion heiratet.
Auf Dragonstone leckt Stannis Baratheon (Stephen Dillane) derweil seine Wunden, allerdings plant Melisandre (Carice van Houten) schon neue Aktionen, was Davos Seaworth (Liam Cunningham) allerdings nicht sehr positiv aufnimmt – nach einem gescheiterten Mordversuch landet er erst einmal im Kerker von Dragonstone und Melisandre macht einen Ausflug in die Flusslande. Dort trifft sie nicht nur auf die Bruderschaft ohne Banner, eine Bande von Gesetzlosen, angeführt von Beric Dondarrion (Richard Dormer) und dem Roten Priester Thoros (Paul Kaye), sondern auch auf Arya (Maisie Williams), Gendry (Joe Dempsie) und Hot Pie (Ben Hawkey), die versuchen, nach Riverrun zu gelangen.
In Riverrun hält sich derweil Robb Stark (Richard Madden) samt Familie und Hofstaat auf, denn es gibt große Probleme: Nicht nur haben die Eisenmänner den Norden erobert, erschwerend hinzu kommt, dass Robb zwar jede Schlacht gewinnt, aber dennoch den Krieg zu verlieren droht. Es gibt nur einen Mann, der ihn aus dieser Situation befreien kann: Lord Walder Frey (David Bradley), doch dieser ist erzürnt, weil Robb statt einer seiner Töchter Talisa Maegyr (Oona Chaplin) geheiratet hat.
Und zusätzlich ist auch Jaime Lannister (Nikolaj Coster-Waldau) entkommen, der nun auf Geheiß von Catelyn (Michelle Fairley) von Brienne von Tarth (Gwendoline Christie) nach King’s Landing gebracht werden soll. Die beiden geraten in die Hände des gefährlichen Stark-Vasallen Roose Bolton (Michael McElhatton), der ein doppeltes Spiel spielt.
Theon Greyjoy (Alfie Allen), der für den Fall Winterfells verantwortlich ist, hat ganz eigene Probleme, da er einem bösartigen Folterknecht (Iwan Rheon) in die Hände gefallen ist.
Währenddessen bewegen sich im Norden drei verschiedene Gruppen auf die Mauer zu: Bran (Isaac Hempstead-Wright), Osha (Natalia Tena) und Hodor (Kristian Nairn) fliehen vor den Eisenmännern und versuchen, Castle Black und Jon Snow (Kit Harrington) zu erreichen, wobei sie von Jojen (Thomas Sangster) und Meera Reed (Ellie Kendrick), den Kindern des Stark-Vasallen Howland Reed unterstützte werden. Jon Snow ist allerdings gar nicht mehr in Castle Black, sondern hat sich, auf Befehl Qhorin Halfhands, den Wildlingen angeschlossen, um herauszufinden, was ihr Anführer Mance Rayder (Ciarán Hinds), der mit seinen Truppen auf die Mauer zumarschiert, plant. Dabei kommt er der Speerfrau Ygritte (Leslie Rose) sehr viel näher, als für die Mission gut ist.
Und schließlich wären da noch Sam (John Bradley) und die anderen Brüder der Nachtwache, die nach dem Angriff der Weißen Wanderer auf die Faust der Ersten Menschen ebenfalls zur Mauer zurückwollen. Auf dem Weg beschließt Lord-Commander Mormont (James Cosmo), ein weiteres Mal bei Craster (Robert Pugh) zu rasten, was sich allerdings als großer Fehler erweist.
In Essos begibt sich Daenerys (Emilia Clarke) derweil zur Slaver’s Bay, wo sich ihr Robert Baratheons ehemaliger Gardist Ser Barristan Selmy (Ian McElhinney) anschließt. Mit der Armee, die sie dort erhält, ist sie dem Ziel, Westeros zu erobern, nun endlich näher gekommen.

Die Umsetzung
Bei der dritten Staffel ist auffällig, dass sich die Serie insgesamt nun noch weiter von den Büchern entfernt, was allerdings nicht verwunderlich ist. Obwohl „A Storm of Swords“ nun in zwei Staffeln umgesetzt wird, ist der Roman selbst für etwa zwanzig Stunden Serie immer noch zu komplex, weshalb vereinfachende Änderungen schlicht nötig sind. Hinzu kommt, dass Änderungen aus den ersten beiden Staffeln natürlich wieder weitere Änderungen nach sich ziehen. In „A Clash of Kings“ übernimmt Roose Bolton beispielsweise bereits Harrenhal, was in der Serie aber nicht vorkommt, weshalb das nun in der dritten Staffel schnell erledigt werden muss, damit er Jaime und Brienne dort empfangen kann.
Da ich über die Unterschiede zwischen Buch und Serie in den Episoden-Rezensionen schon ziemlich ausführlich gesprochen habe, bemühe ich mich hier nun vor allem um eine Bewertung der einzelnen Handlungsstränge.
Betrachtet man die Episoden einzeln fällt auf, dass diejenigen, die Handlungsstränge ausklammern und sich auf einige Figuren mehr konzentrieren als auf andere, eindeutig die stärkeren sind (das wären in diesem Fall die Folgen 1, 4, 5, 8 und 9). Die restlichen Episoden leiden ein wenig darunter, dass es viele, sehr kurze Szenen gibt, sodass das Ganze in diesen Folgen mitunter an eine extrem hochwertige Clipshow erinnert. Das Staffelfinale hat es diesbezüglich am schlimmsten getroffen, da man offenbar versuchte, noch einmal jede wichtige Figur zu zeigen. Ich persönlich hätte zum Beispiel Daenerys komplett aus Episode 9 gestrichen und die Eroberung Yunkais in Folge 10 gezeigt und stattdessen in Folge 9 Brans Handlungsstrang beendet.
Dieser Eindruck bessert sich allerdings, wenn man mehrere oder alle Folgen am Stück ansieht, so wie es die Schöpfer auch ursprünglich vorgesehen hatten. Dennoch hoffe ich, dass in Staffel 4 der von mir bevorzugte Ansatz noch stärker verfolgt wird
Beginnen wir im Norden: Bei Jon Snow sind meine Gefühle eher gemischter Natur. Das Ganze fängt gut an, vor allem die Umsetzung von Tormund Giantsbane und Mance Rayder (gespielt von Kristofer Hivju und Ciarán Hinds) gefällt mir ausgesprochen gut. Ygritte dagegen geht mir eher auf den Geist, was aber nicht an Rose Leslie liegt, sie spielt die Rolle passend, sondern an der Konzeption der Figur und ihren Dialogen. Auch die Zusätze mit Orell (Mackenzie Crook) finde ich irgendwie überflüssig. Der Höhepunkt dieses Handlungsstrangs ist die ziemlich intensive und gut gelungene Besteigung der Mauer, der Rest ist eher suboptimal.
Sams Handlungsstrang nimmt weniger Platz ein, ist aber dafür buchkonformer. Der Abschied von James Cosmo als Jeor Mormont ist sehr gut gelungen, ebenso wie die Szenen zwischen Sam und Gilly (Hannah Murray) – da stimmt die Chemie. Nur ein kleines Detail stört mich hier: Ich hätte es schön gefunden, wenn die Namensgebungsbräuche der Wildlinge stärker mit eingeflossen wären.
Die Bran-Handlung gehört dagegen zu den schwächsten Teilen der dritten Staffel – immerhin sind auch hier die Szenen meistens recht kurz und es gibt auch verhältnismäßig wenige. Die beiden Reeds bleiben ziemlich blass, und ansonsten passiert einfach kaum etwas – in den Büchern war das allerdings nicht wirklich anders.
Theon Greyjoy hat es in dieser Staffel nicht leicht. Nach „A Clash of Kings“ ist er erst einmal zwei Romane lang abwesend, aber für die Serie wollte man die Figur verständlicherweise nicht einfach für mindestens zwei Staffeln verschwinden lassen, weshalb man sich entschied, seine Folter durch Ramsay Snow zu zeigen. Einerseits spielen sowohl Alfie Allen als auch Iwan Rheon in diesen Szenen wirklich gut, andererseits aber ermüdet die Folterei über die Dauer einer Staffel, das Ganze bewegt sich einfach nicht vorwärts. Für die vierte Staffel hoffe ich da auf eine eindeutige Verbesserung; nach allem, was man bisher gehört hat, werden schon Inhalte aus „A Dance with Dragons“ eingebaut, ich freue schon auf eine Interaktion zwischen Iwan Rheons Ramsay und Michael McElhattons Roose Bolton.
Das „Herzstück“ der dritten Staffel ist letztendlich der Robb/Catelyn-Handlungsstrang, da zu ihm der emotionale Höhepunkt der Staffel gehört – für meinen Geschmack kam dieser allerdings ein wenig zu kurz. Nicht, dass Robb und Catelyn meine Lieblingsfiguren wären und ich unbedingt mehr von ihnen sehen müsste, aber die emotionale Wirkung der Roten Hochzeit wäre noch größer gewesen, wenn die beiden noch ein wenig präsenter gewesen wären. Die Rote Hochzeit, ohnehin DAS TV-Ereignis des letzten Jahres, ist interessanterweise recht weit von der Vorlage entfernt; bei Martin geht es vor allem um Atmosphäre, während in der Serie die Schockwirkung im Vordergrund steht. Für eine TV-Serie ist dies durchaus legitim, der Leser fragt sich allerdings dennoch, wie wohl eine buchgetreuere Adaption ausgesehen hätte. Die Serien-Hochzeit überzeugt dennoch, vor allem wegen David Bradley und Michelle Fairley, die zweifelsohne die beste schauspielerische Leistung dieser Staffel erbracht hat.
Mit Edmure (Tobias Menzies) und Brynden „Blackfish“ Tully (Clive Russell) werden zwei neue Figuren vorgestellt, die beide eigentlich in „A Game of Thrones“ bereits auftauchten, deren Debüt in der Serie aber aus Zeitgründen in die dritte Staffel verlegt wurde. Beide werden gut dargestellt, bleiben aber, ebenfalls aus Mangel an Zeit, verhältnismäßig eindimensional.
Auch in Aryas Handlungsstrang treffen wir zwei neue, interessante Figuren: Lord Beric Dondarrion (Richard Dormer) und Thoros von Myr (Paul Kaye), die beide ebenfalls exzellent gespielt und darüber hinaus auch ein wenig besser beleuchtet werden als die beiden Tullys. Ebenso gelungen sind die Gespräche zwischen Arya und Sandor Clegane (Rory McCann).
Durch Melisandres Reisen kreuzen sich darüber hinaus die Handlungsstränge von Arya und Davos/Stannis/Melisandre. In Letzterem passiert in dieser Staffel allerdings nicht viel, es wird vor allem für Staffel 4 vorbereitet.
Die verbliebenen drei Handlungsstränge – Daenerys, King’s Landing und Jaime/Brienne – sind für mich die stärksten der Staffel. Gerade bei den Kritikern ist auch Daenerys in Staffel 3, ähnlich wie in Staffel 2, nicht wirklich gut weggekommen, aber im Gegensatz zu ihren Abenteuern in Qarth fand ich die Zerstörung von Astapor und die Eroberung von Yunkai schlicht extrem unterhaltsam, nicht zuletzt, weil Dany agiert, anstatt zu reagieren und weil Ser Barristan Selmy, eine meiner Lieblingsfiguren, wieder mitmischt.
King’s Landing ist eigentlich in jeder Staffel interessant, weil es hier immer die größte Ansammlung an Figuren gibt, und Staffel 3 ist da keine Ausnahme, im Gegenteil. Die Anwesenheit der Tyrells und Lord Tywins macht alles noch weitaus interessanter, auch wenn das bedeutet, dass Tyrion, gerade im Vergleich zu Staffel 2, die ja quasi seine Staffel war, ein wenig zurückstecken muss. Als Entschädigung gibt es allerdings die wundervolle Diana Rigg als Lady Olenna Tyrell, und auch Margaery wird um einiges interessanter als in Staffel 2 – oder den Büchern.
Der Jaime/Brienne-Handlungsstrang ist schließlich der emotionale Kern der Staffel, und wenn es einen Aspekt der Bücher gibt, der wirklich annährend perfekt umgesetzt wurde, dann ist es dieser. Nikolaj Coster-Waldau und Gewndoline Christie spielen exzellent, Locke (Noah Taylor) ist ein würdiger und ebenso verachtenswerter Ersatz für Vargo Hoat und alles in allem sind die Szenen einfach perfekt inszeniert, allen voran natürlich die Badeszene. Für mich eindeutig der Gewinner unter den Handlungssträngen der dritten Staffel.

Der Soundtrack
gamesoundtrack
Tracklisting:

01. Main Title
02. A Lannister Always Pays His Debts
03. Dracarys
04. I Paid The Iron Price
05. Chaos Is A Ladder
06. Dark Wings, Dark Words
07. You Know Nothing
08. Wall Of Ice
09. Kingslayer
10. I Have To Go North
11. White Walkers
12. It’s Always Summer Under the Sea (Performed by Kerry Ingram)
13. Reek
14. The Bear and the Maiden Fair (Performed by The Hold Steady)
15. The Night Is Dark
16. The Lannisters Send Their Regards
17. Heir To Winterfell
18. Mhysa
19. For The Realm

Um es gleich vornewegzunehmen: Das Album zur dritten Staffel beinhaltet einige der absoluten Highlights in Ramin Djawadis Schaffen für „Game of Thrones“, als Gesamtpaket bleibt es allerdings hinter der Musik der zweiten Staffel zurück. Dies liegt vor allem daran, das besagte Highlights vor allem aus Variationen von bereits vorhandenen Themen bestehen. Was der der Musik der dritten Staffel fehlt, ist ein starkes neues Thema, etwa für Haus Bolton. Während die Musik zur zweiten Staffel vor allem durch gelungene neue Leitmotive auffiel, etwa für die Greyjoys, für Stannis/Melisandre/R’hllor etc., ist Staffel 3 immer dann am besten, wenn diese Motive weiterentwickelt werden. Das Greyjoy-Thema ist ein schönes Beispiel, das in Reek, passend zu Theons unangenehmer Situation, abgehackt und panisch klingt. Auch die Themen der ersten Staffel tauchen wieder auf, unter anderem das Stark-Thema in I Paid the Iron Price, das hier ebenfalls Theon gilt (es wird in der Szene gespielt, in der er Ramsay gesteht, dass sein wahrer Vater in King’s Landing enthauptet wurde) oder das Lannister/Intrigen-Thema, das Littlefingers Monolog unterlegt (Chaos is a Laddder). Am interessantesten entwickelt sich allerdings ohne Frage Daenerys‘ Thema, das hier eine neue Komponente bekommt: In der Schlussszene der vierten Episode wird ihr Thema um ein marschartiges Chormotiv für die Unberührten erweitert (Dracarys). In Mhysa schließlich taucht ihr Thema abermals in einer völlig neuen Version auf, gesungen von einem Frauenchor, inklusive des Unberührten-Motivs und versetzt mit Elementen des Hauptthemas; die Musik spiegelt hier schön die Entwicklung Danys von der Kriegsherrin zur Befreierin wieder.
Mein persönliches Lieblingsthema, The Rains of Castamere, taucht leider nur einmal auf, aber was für eine Version. Auf eine derartige Instrumentalfassung hatte ich schon gehofft, seit ich das Lied zum ersten Mal gehört habe. Interessanterweise ist A Lannister Always Pays His Debts nicht komplett in der Serie zu hören. Der Anfang erinnert an den diegetischen Einsatz des Themas bei der Roten Hochzeit, der Rest des Stücks (ab 0:50) erklingt am Ende der siebten Folge und untermalt Jaimes Abgang aus Harrenhal („Sorry about the Sapphires“). Apropos Rote Hochzeit, von deren musikalischer Untermalung bin ich ein wenig enttäuscht, da ich gehofft hatte, dass The Rains of Castamere, wie im Roman, durchgehend gespielt wird. Die Untermalung des Gemetzels besteht vor allem aus sehr dissonanten Streichern, erst später wird zaghaft das Stark-Theme dekonstruiert, und ein paar Takte des GoT-Themas sind ebenfalls zu hören (The Lannisters Send Their Regards).
Letztendlich startet das Album mit A Lannister Always Pays His Debts, Dracarys, I Paid the Iron Price, Chaos Is a Ladder und Dark Wings, Dark Words (eine nicht verwendeten Chorsfassung des Hauptthemas, ähnlich wie Mhysa) sehr stark, in der Mitte dominieren allerdings einige ziemlich uninteressante Suspense-Stücke. You Know Nothing ist sogar ein wenig ärgerlich, weil Djawadi das Liebesthema für Robb und Talisa einfach für Jon und Ygritte recycelt und es dabei nicht einmal groß variiert.
Ebenfalls ärgerlich finde ich, dass es einige Stücke aus der Serie gibt, die ich gerne noch auf der CD gehabt hätte, darunter die diegetischen Versionen von The Rains of Castamere und The Bear and the Maiden Fair, das Stück, das erklingt, als die Drachen in der ersten Folge auf Daenerys‘ Schiff zufliegen, das Statement des Baratheon-Themas aus Episode 7 und die subtilen Rains-of-Castamere-Einsätze aus den Folgen 1 und 8,
Neben den eigentlichen Score-Stücken gibt es noch drei „Bonus-Tracks“, die beiden Abspannlieder The Bear and the Maiden Fair von Holdy Steady und It’s Always Summer Under the Sea von Shireen-Darstellerin Kerry Ingram, sowie eine Gitarrenversion des Hauptthemas, gespielt von Ramin Djawadi höchstpersönlich (For the Realm).

Fazit: Trotz einiger Schwächen hält Staffel 3 insgesamt das extrem hohe Niveau und sorgt dafür, dass „Game of Thrones“ nach wie vor das Beste ist, was die Serienlandschaft zu bieten hat.

Trailer

Staffel 3 Episoden-Rezensionen:
Valar Dohaeris
Dark Wings, Dark Words
Walk of Punishment
And Now His Watch Is Ended
Kissed by Fire
The Climb
The Bear and the Maiden Fair
Second Sons
The Rains of Castamere
Mhysa

Siehe auch:
Game of Thrones Staffel 1
Game of Thrones Staffel 2
Game of Thrones – Soundtrack