Valerian – Die Stadt der tausend Planeten

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Story:
Valerian (Dane DeHaan) und Laureline (Cara Delevingne) sind im 28. Jahrhundert Top-Agenten der menschlichen Territorien. Sie erhalten den Auftrag, auf dem Wüstenplaneten Kyrion einen Transmutator, das letzte Exemplar seiner Spezies, das jeden Gegenstand vervielfältigen kann, ausfindig zu machen, was ihnen auch gelingt. Sie bringen den Transmutator nach Alpha, der sog. „Stadt der tausend Planeten“, einer Raumstation, auf der Millionen Vertreter diverser unterschiedlicher Spezies leben. Schon bald müssen sie jedoch erkennen, dass ihr Vorgesetzter General Filitt (Clive Owen) in ein Komplott verwickelt ist, das mit der Zerstörung des Planeten Mül zusammenhängt. Die letzten Überlebenden von Mül setzen alles daran, Filitt und den Transmutator in die Hände zu bekommen…

Kritik: So wie es aussieht ist „Valerian – Die Stadt der tausend Planeten“, der neueste Film von Luc Besson, der große Flop dieses Jahres. Das ist schon allein deshalb schade, weil es nicht allzu viele unabhängig finanzierte, europäische Science-Fiction-Filme gibt – ich hätte „Valerian“ durchaus Erfolg gegönnt, schon allein, um noch mehr europäische Genre-Filme zu bekommen. Wie dem auch sei, dieser Film ist, was ich als „beauiful mess“ beschreiben würde. Mir sind schon einige Kritiken über den Weg gelaufen, die „Valerian“ auf eine Stufe mit „Jupite Ascending“ stellen und ihn wirklich zu hassen scheinen. Während „Valerian“ einige wirklich massive Schwächen hat, mag ich diese gloriose Fehlkalkulation irgendwie – ein typischer Fall von Guilty Pleasure.

Beginnen wir bei den Schwächen. Dazu zählen primär die Story und die beiden Hauptfiguren bzw. ihre Darsteller. Bei „Valerian“ handelt es sich um die Adaption einer französischen Comicserie aus den 60ern mit dem Titel „Valérian et Laureline“ (auf Deutsche „Valerian und Veronique“), geschrieben von Pierre Christin und Jean-Claude Mézières; mit Letzterem arbeitete Besson nicht nur an dieser Comicadaption, sondern auch an „Das fünfte Element“ zusammen. Da ich „Valérian et Laureline“ nie gelesen habe, weiß ich nicht, wie genau der Film der Vorlage folgt, allerdings fühlt er sich in mancher Hinsicht ziemlich „altbacken“ an. Es mag sein, dass der Plot des Comics, auf dem dieser Film basiert, in den 60ern neu und aufregend war, aber wie so oft gibt es Abnutzungserscheinungen. Tatsächlich gibt es einige Parallelen zu „Avatar“, primär die oft als problematisch wahrgenommenen „White-Savior-Narrative“. Vielleicht soll „Valerian“ aber auch ein satirischer Kommentar auf eben dieses Konstrukt sein, denn die „edlen Wilden“ dieses Films sind tatsächlich weißer als die Protagonisten. Wenn dem so war, war es den meisten Zuschauern wohl zu subtil. Für mich weitaus schwerer wiegen die eher umständliche Erzählweise und die unelegante Plotkonstruktion. Und dann sind da noch die beiden Protagonisten. Auch hier gilt, ich weiß nicht, wie die beiden in der Vorlage charakterisiert werden, aber man merkt, welche Archetypen Luc Besson darstellen wollte. Die Betonung liegt hier auf wollte, denn weder Dane DeHaan noch Cara Delevingne werden den Anforderungen gerecht. Vor allem DeHaan nimmt man den Han-Solo- oder Starlord-artigen Protagonisten und Weiberhelden einfach nicht ab, und die Chemie, die zwischen ihm und Delevingne herrschen sollte, ist nicht wirklich vorhanden. Auch sonst ist die Darstellerriege eher durchwachsen – Besson war selten ein Regisseur, der das Allerbeste aus seinen Schauspielern herauskitzeln konnte.

Was für „Valerian“ spricht, ist die schiere, visuelle Kreativität, die hier an den Tag gelegt wird. Letztendlich ist Bessons Film ein sehr eindeutiger Fall von „style over substance“, aber was für einer; hier finden sich mehr Opulenz und kreative Einfälle als in den gesamten Blockbustern der letzten Jahre. Schon die Eingangssequenz, in der wir erleben, wie die Raumstation Alpha langsam zur Stadt der tausend Planeten wird, ist brillant, ebenso wie der mehrdimensionale Markt auf Kyrion und natürlich die späteren Eindrücke von Alpha. Allerdings offenbart sich in diesem Zusammenhang ein weiteres Problem: Man wird das Gefühl nicht los, auf Alpha gäbe es noch weitaus interessantere Abenteuer als das, das gerade von Valerian und Laureline durchlebt wird. Dennoch weiß „Valerian“ auf visueller Ebene absolut zu überzeugen; in Zeiten, in denen große Blockbuster immer grauer und farbloser werden, ist Bessons optische Opulenz eine angenehme Abwechslung. Wenn schon CGI-Overkill, dann doch bitte so.

Ebenfalls sehr angenehm ist die Art und Weise, wie sich der Film selbst ernst nimmt. Während es durchaus (mal mehr, mal weniger funktionierenden) Humor gibt, fehlen die heute oft obligatorischen Metaanspielungen und das Augenzwinkern. Eigentlich stehe ich ja auf beides, aber auch hier gilt: Abwechslung ist der Schlüssel. Hin und wieder ist auch nett, wenn die Helden den größten Absurditäten mit stoischer Gelassenheit entgegenblicken, ohne dabei einen selbstironischen Kommentar abzulassen. Trotz seiner vielen Schwächen bekommt „Valerian“ gerade dadurch eine naive Authentizität, die selten geworden ist. Der Score von Alexandre Desplat schließlich ist ohnehin über jeden Zweifel erhaben und dürfte auf meiner Jahresbestenliste ziemlich weit vorne landen.

Fazit: „Valerian – Die Stadt der tausend Planeten“ ist beileibe kein guter, aber ein unterhaltsamer und visuell brillanter Film – ein Guilty Pleasure erster Güte.

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Trailer

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Top 10 x 2 Filmscores

Schlopsi hat zum Stöckchen aufgerufen und die singende Lehrerin und Miss Booleana haben mich beworfen. Da es dieses Mal um die zehn liebsten Soundtracks geht, lasse ich mich selbstverständlich nicht lumpen. Als eifriger Konsument von Filmmusik reicht mir einem Top 10 allerdings keinesfalls aus, weshalb ich verdoppelt habe (ich hätte zwar auch problemlos 30 oder 40 hinbekommen, aber das wäre dann doch zu stark ausgeufert).
Wer mich und meinen Musikgeschmack kennt, weiß natürlich, dass hier nur Scores zu finden sind und keine Song-Compilations (oder gar Alben mit dem gehassten Untertitel „Music form and inspired by“). Auch muss ich hin und wieder ein wenig Schummeln: Wenn mir mehrere Exemplare qualitativ oder aus anderen Gründen (etwa, weil man sie als ein Werk sehen könnte) zu eng beisammen sind, belegen sie auch nur einen Platz – denn sonst wäre diese Liste sehr einseitig.
Und noch ein paar Worte vorneweg: Ich mag es groß, vollorchestral, leitmotivisch und komplex. Aus diesem Grund finden sich hier vor allem Einträge aus den fantastischen Genres (Sci-Fi, Fantasy, Horror und diverse Unterabteilungen), denn, seien wir mal ehrlich, die meisten Scores, die in meinen Wohlfühlbereich fallen, entstammen nun einmal diesen Genres. Zwar höre ich mir durchaus auch mal die Musik subtiler Dramen oder hintergründiger Thriller an, allerdings können deren Scores mich selten lange fesseln.
Ich habe mich auch bemüht, bezüglich der Komponisten ein wenig Vielfalt in das Ganze zu bringen, damit letztendlich nicht die halbe Liste aus John-Williams-Soundtracks besteht. Auch habe ich es in der Tat geschafft, eine Platzierung festzulegen, bis auf die Plätze 1 und 2 ist diese aber alles andere als in Stein gemeißelt, die Platzierung entspricht eher meiner momentanen Geisteshaltung. Irgendwann musste ich mich dann auch selbst zwingen, nicht weiter an der Liste rumzugrübeln, denn sonst tausche ich noch ewig weiter aus. Nun denn, frisch ans Werk.

Platz 20: Die Matrix-Trilogie (Don Davis)

Ist es legitim, einen Score wegen eines einzigen, extrem genialen Stücks auf diese Liste zu packen? Eigentlich versuche ich ja, so etwas zu vermeiden und das Gesamtpacket zu bewerten, und zum Glück ist Don Davis‘ Matrix-Trilogie da sehr entgegenkommend, weil es sich dabei schlicht um eines der interessantesten und komplexesten Filmmusik-Werke der letzten 20 bis 30 Jahre handelt. Über weite Strecken der Laufzeit sind die drei Matrix-Scores für mich allerdings eher aus einer analytischen denn einer genießerischen Perspektive interessant, und ohne die drei abschließenden Stücke Neodämmerung, Why, Mr. Anderson? und Spirits of the Universe wäre die Trilogie nicht auf dieser Liste. Warum dann allerdings die gesamte Trilogie und nicht nur „The Matrix Revolutions“? Weil ein Aspekt der Genialität dieser Stücke von dem langen, sorgfältigen Aufbau herrührt, den Don Davis in den anderen beiden Scores betreibt – in diesen drei Stücken kulminiert das gesamte musikalische Matrix-Universum. Es ist hochinteressant, dieser Entwicklung zu folgen, von den atonalen, avantgardistischen Anfängen in „The Matrix“ über die Orchester/Techno-Hybriden in „The Matrix Revolutions“ bis hin zu den choralen und tonalen Höhepunkten in „The Matrix Revolutions“. Anspruchsvoll, aber lohnenswert.

Platz 19: Prinz Kaspian von Narnia (Harry Gregson-Williams)

Harry Gregson-Williams, einer der erfolgreichsten Hans-Zimmer-Schüler, ist ein interessanter Fall: Mit so ziemlich jedem seiner Scores, die zu Filmen gehören, die in der Moderne spielen, kann ich absolut nichts anfangen. Wenn er allerdings für historische oder fantastische Filme komponiert, sieht die Sache ganz anders aus.
Ich hatte mir relativ lange überlegt, diesen Platz „Köngreich der Himmel“ zu geben, da es eindeutig der bessere Score ist, allerdings muss ich zugeben, ich mag „Prinz Kaspian“ schlicht lieber. Sowohl der erste als auch der zweite Narnia-Score basieren ohnehin zu großen Teilen auf dem in „Köngreich der Himmel“ etablierten „Sound“ – in Anbetracht der religiös-allegorischen Natur von C. S. Lewis Werken ist das auch durchaus passend. Während „Königreich der Himmel“ durchdachter und komplexer ist, gewinnt dieses Mal ein anderen Faktor: „Prinz Kaspian“ ist besser zugänglich und hat die einprägsameren Themen. „Der König von Narnia“ hatte noch einige Probleme (vor allem eine ziemlich anonyme erste Hälfte und eine recht unvorteilhafte Abmischung), die im Sequel allerdings nicht mehr vorhanden sind. Grundsätzlich ist die Musik düsterer, grimmiger und besser ausgearbeitet, die Themen werden sinnvoller angewendet, kurzum: „Prinz Kaspian“ ist der Remote-Control-Sound at its best, zwar inspiriert von Hans Zimmer, aber doch ganz eindeutig geprägt vom eigentlichen Komponisten, zugänglich, aber nicht übermäßig simpel, adrenalingeladen, aber nicht substanzlos und versehen mit starken, einprägsamen Themen.

Platz 18: Cutthroat Island (John Debney)

Was für ein Film: „Cutthroat Island“ (deutscher Titel: „Die Piratenbraut“) hat es geschafft, die Karrieren der meisten Beteiligten, vor allem von Regisseur Renny Harlin und Hauptdarstellerin Geena Davis, zu ruinieren. Der einzige, der für sein Mitwirken auch tatsächlich Anerkennung erhielt, war und ist Komponist John Debney, und das völlig zurecht. Es ist immer wieder erstaunlich, wozu manche Komponisten durch ziemlich miese Filme inspiriert werden. „Cutthroat Island“ ist ohne Zweifel Debneys Opus Magnum, ein mitreißender, intensiver und vielschichtiger Piraten-Score in bester Korngold-Manier mit tollen, eingängigen Themen. Vielleicht wäre er sogar noch höher auf der Liste, hätte ich bisher die Zeit gefunden, mich noch intensiver mit ihm zu beschäftigen. Wahrscheinlich muss ich mir „Cutthroat Island“ doch irgendwann mal noch ganz anschauen.

Platz 17: Conan der Barbar (Basil Poledouris)

Bevor ein gewisser Kanadier namens Howard Shore eine gewisse Romanadaption vertonte, war Basil Poledouris‘ Musik zu „Conan der Barbar“ wahrscheinlich der mit Abstand beste (oder zumindest beliebteste) Fantasy-Score. In der Tat gibt es auch einige mehr oder weniger oberflächliche Parallelen zu den HdR-Scores, eingängige Themen, epische Breite, mächtige Chöre – tatsächlich plante Regisseur John Milius einige Zeit lang, Stücke aus Carl Orffs „Carmina Burana“ im Film zu verwenden. Als „Excalibur“ genau das dann tat, entschied er sich dagegen, an manchen Stellen sind gewisse Einflüsse von O Fortuna allerdings nicht zu leugnen. Insgesamt bemühte sich Poledouris um einen sehr archaischen Klang. So ist seine Musik zwar keinesfalls einfach oder simpel, orientiert sich aber an mittelalterlichen Strukturen; Poledouris vermied es, moderne Konstrukte einzubauen – im Unterschied zu Howard Shore, denn in der HdR-Trilogie finden sich einige atonale Techniken der klassischen Musik des 20. Jahrhunderts, zusätzlich zu einigen ziemlich exotischen Instrumenten.
Erfreulicherweise finden sich in „Conan der Barbar“ nicht nur überzeugender Bombast, sondern auch starke Themen; hervorzuheben sind vor allem die für das Hyborische Zeitalter, für den Titelhelden und (mein persönlicher Favorit, vor allem wegen des epischen Chors) für den Schurken Thulsa Doom. Letzteres dominiert u.a. das oben eingebettete Stück.

Platz 16: X-Men: Der letzte Widerstand (John Powell)

Und noch ein Film, der mich eher enttäuscht, aber seinen Komponisten zu Höchstleistungen angespornt hat. „The Last Stand“ ist, „X-Men Origins: Wolverine“ ausgenommen, der schwächste X-Men-Film, hat aber mit Abstand den besten Score. Wie auch immer es dazu kam, John Powell hält sich hier jedenfalls in keinster Weise zurück und lässt die volle Wucht von Orchester und Chor auf den Hörer los. „The Last Stand“ ist ein sehr extrovertierter Score, dessen zweite Hälfte von der für Powell typischen, extrem komplexen und frenetischen Actionmusik dominiert wird – es ist wirklich erstaunlich, wie viel da im Orchester passiert. Gleichzeitig schöpft er jede Facette vollständig aus, ist gnadenlos tragisch, heroisch und emotional. Das ist sicher nicht für jeden etwas, aber genau richtig für mich, und ich wünsche mir, dass mehr Superheldenscores diesen Ansatz verfolgen würden – in der Tat wäre John Powell im Last-Stand-Modus mein Wunschkomponist für einen Justice-League-Film.
„The Last Stand“ ist darüber hinaus auch thematisch sehr stark, vor allem wegen des heroischen X-Men-Themas, dass sich der Begleitfigur von John Williams‘ ikonischem Superman-Thema bedient (eine gelungene Referenz), und des oft vom Chor begleiteten Phönix-Themas.

Platz 15: Der König der Löwen (Hans Zimmer)

Die Platzierung dieses Scores hat vor allem nostalgische Gründe, „Der König der Löwen“ war einer der ersten Filme, die ich im Kino gesehen und einer der ersten Filme, in die ich mich regelrecht verliebt habe. In der Tat habe ich ihn so oft gesehen, dass ich die Musik daraus sofort erkenne – und damit beziehe ich mich nicht auf die Songs von Elton John. Außerdem ist das der einzige Soundtrack, für den Hans Zimmer jemals den Oscar gewonnen hat, bis jetzt zumindest. Und so sehr ich auch mit Zimmers aktuellem Output Probleme habe, der Goldjunge für „Der König der Löwen“ war definitiv gerechtfertigt. Damals wusste Zimmer einfach noch, seine Methodologie und seine bevorzugten Stilmittel einzusetzen, um den Hörer auch wirklich emotional zu beeinflussen und darüber hinaus eine gelungene, der Geschichte und dem Setting angemessene Atmosphäre zu erzeugen. Ich belasse es hierbei, da ich gegenwärtig sowieso eine ausführliche Rezension des König-der-Löwen-Scores plane.

Platz 14: Maleficent (James Newton Howard)

Ich habe erst letztes Jahr wirklich begonnen, mich mit dem Œuvre von James Newton Howard zu beschäftigen, was erst einmal einen ganzen Haufen an qualitativ hochwertiger Musik bedeutet. Howard ist ein Komponist, der ziemlich oft ausgezeichnete Musik zu eher unterdurchschnittlichen Filmen schreibt, u.a., weil er der Stammkomponist von M. Night Shyamalan ist. Obwohl „Maleficent“ nicht von Shyamalan ist, passt dieser Score ziemlich gut zu Howards Kollaborationen mit dem Sixth-Sense-Regisseur. Auf jeden Fall hat mich „Maleficent“, vielleicht wegen der Aktualität, vielleicht auch, weil ich tatsächlich den Film zum Score gesehen habe und weiß, wie er im Kontext wirkt, von allen Howard-Scores am meisten angesprochen – die Musik fällt eben auch vollständig in meine Wohlfühlzone: Groß (Howard hat die Blechbläsersektion des Orchester für „Maleficent“ verdoppelt), episch, eindringlich, hervorragend orchestriert und leitmotivisch durchdacht.

Platz 13: Harry Potter und die Heiligtümer des Todes (Alexandre Desplat)

Noch eine Doppelplatzierung, aber eine, die, wie ich hoffe, sehr nachvollziehbar ist. Die beiden Teile von „Die Heiligtümer des Todes“ ergänzen sich ziemlich gut, weil Teil 1 vor allem emotionale und charakterbezogene Musik hat, während Teil 2 eher einer rasanten Tour de Force gleicht – zusammen sind sie zwar sehr lang, aber auch sehr ausgewogen. Ich muss allerdings anmerken, dass, für sich betrachtet, Teil 2 eindeutig der bessere Score ist, da Desplat es vorzüglich schafft, eine Filmreihe, die mich beim Erwachsenwerden begleitet hat, würdig abzuschließen. Dabei zollte er auch Williams in Stil- und Themenanleihen seinen Respekt, wobei ich mir von Letzterem noch ein wenig mehr gewünscht hätte. Desplats eigene Themen sind allerdings ebenfalls gelungen, er entwickelt und variiert sie gekonnt und zeigt, egal ob es um Düsteres, Emotionales oder schlichten Bombast geht, dass er einfach ein verdammt vielseitiger Komponist ist.

Platz 12: Star Trek/Star Trek Into Darkness (Michael Giacchino)

Vielen alteingesessenen Fans sagt Michael Giacchinos Herangehensweise an Star Trek nicht besonders zu, da die bisherige Musik des Franchise eher von Abenteuermusik und Seefahrtsromantik (passend zur Konzeption der Raumfahrt in Star Trek) geprägt war. Diese Elemente sind bei Giacchinos Beiträgen nur selten zu hören, passend zum Film konzentriert er sich weitaus stärker auf die Actionaspekte – in der Tat hätten seine Star-Trek-Scores auch sehr gut zu Superheldenfilmen gepasst: Ein starkes Hauptthema, Fokus auf Action statt Abenteuer etc. Das bedeutet aber nicht, dass Giacchinos Musik im Kontext der Abrams-Filme nicht hervorragend funktionieren würde – im Gegenteil. Ich muss zugeben, es ist vor allem Giacchinos Hauptthema und die vielseitige Anwendung desselben, das mich immer wieder zu seinen Trek-Scores zurückbringt, obwohl es vor allem in „Star Trek Into Darkness“ einige wirklich gelungene sekundäre Themen gibt, etwa das brachiale Chor-Motiv der Klingonen oder Khans Thema.

Platz 11: Der Glöckner von Notre-Dame (Alan Menken)

Bei den meisten Disney-Filmen sind Songs und Score stilistisch voneinander separiert, da oftmals verschiedene Komponisten angeheuert werden, besonders, wenn Disney sich um jemand populäres wie Elton John oder Phil Collins bemüht. Dies ist allerdings nicht der Fall, wenn Alan Menken komponiert. Da Menken praktisch DER Komponist der Disney-Renaissance ist – zu seinen Werken gehören unter anderem „Arielle, die Meerjungfrau“, „Die Schöne und das Biest“, „Aladdin“, „Pocahonatas“, „Der Glöckner von Notre-Dame“ und „Hercules“ – und die Disney-Renaissance ein wichtiger Teil meiner Kindheit war, versteht sich wohl von selbst, dass Menken in irgend einer Form auf dieser Liste vertreten sein muss, und obwohl er viele gute Disney-Scores geschrieben hat, fiel mit die Wahl nicht schwer: „Der Glöckner von Notre-Dame“ ist sein mit Abstand ambitioniertestes und düsterstes Werk. In kaum einem anderen von Menken vertonten Film sind Lieder und Score so gut miteinander verknüpft wie in diesem, das Hauptthema ist die Grundlage zweier Lieder (The Bells of Notre-Dame und Heaven’s Light/Hellfire, beide gehören in meinen Augen zu den besten Disney-Songs überhaupt), die liturgischen Chor-Motive (Dies Irae, Kyrie Eleison) tauchen ebenfalls in beiden auf, Out There fungiert als Thema für Quasimodo und God Help the Outcasts erklingt im Score mehr als einmal – selten sind die beiden musikalischen Seiten eines Disney-Films so eng miteinander verbunden. Darüber hinaus sorgen die massiven lateinischen und griechischen Choräle für eine epische Breite, die außer „Der König der Löwen“ wahrscheinlich kein anderer Disney-Film vorzuweisen hat.

Platz 10: Batman/Batmans Rückkehr (Danny Elfman)

Was Superheldenscores angeht, hat Danny Elfman, zusammen mit John Williams, den Standard gesetzt und nebenbei gleich eines der ikonischsten Heldenthemen überhaupt komponiert, das auch vielen jetzt noch als DIE definitive musikalische Repräsentation des Dunklen Ritters gilt. Nebenbei gehört es auch zu den ersten Themen, die ich aktiv wahrgenommen habe, und schon allein deshalb gehört „Batman“ auf diese Liste, von seinem Klassikerstatus ganz abgesehen. „Batmans Rückkehr“ ist noch opernhafter als „Batman“ und, durch die Themen von Catwoman und dem Pinguin, auch leitmotivisch interessanter, weist allerdings einige Schwächen bezüglich Abmischung und Aufnahmequalität auf, und darüber hinaus kann das Sequel dem Hauptthema nicht wirklich eine neue Facette abgewinnen, da Batman in diesem Film schon fast ein Nebencharakrer ist. Dennoch ergänzen sich beide Teile der Burton-Duologie optimal und sind zu Recht Klassiker, an denen man als Filmmusikfan einfach nicht vorbeikommt.

Platz 9: Star Trek: The Motion Picture (Jerry Goldsmith)

Obwohl Giacchino meinen Eintritt in die Musik von Star Trek darstellt, komme ich nicht umhin zuzugeben: Goldsmith ist besser. Giacchinos Scores sind gut, aber ihren Platz auf der Liste verdanken sie eher persönlicher Präferenz. Goldsmiths „Star Trek: The Motion Picture“ dagegen ist ein vielschichtiges Meisterwerk und, in meinen Augen, Goldsmiths bester Score (was angesichts dessen, was er bis zu seinem Tod 2004 so alles komponiert hat, einiges aussagt). Besonders hervorzuheben ist dabei, dass er das mit Abstand beste aller Trek-Themen geschrieben hat, eine schwelgerische Hymne, die sich gut variieren lässt (was Goldsmith hier meisterhaft tut) und in der Zwischenzeit, neben Alexander Courages Thema, zur zweiten Hauptidentität des gesamten Franchise wurde. Kaum weniger gelungen sind die diversen sekundären Themen und deren Verarbeitung. Somit ist „Star Trek: The Motion Picture“ einer der besten Sci-Fi-Scores, dessen Stil das gesamte Franchise nachhaltig beeinflusst und den Goldsmith in vier weiteren Soundtracks weiter ausgebaut hat.

Platz 8: Hellraiser/Hellbound: Hellraiser II (Christopher Young)

Wenigstens ein Horror-Score musste unbedingt auf diese Liste, besonders, da ich 2012 ja schon meine zehn liebsten Soundtracks dieses Genres aufgelistet habe – würde ich diesen Artikel heute schreiben, sähe er zwar anders aus, an Platz 1 hat sich aber nichts geändert. Christopher Youngs finstere, verführerische, bombastische, erschreckende und herrlich gotische Musik für die ersten beiden Hellraiser-Filme ist nach wie vor grandios und stilbildend. Ich denke, den richtigen Ton für einen Film wie „Hellraiser“ zu finden ist ziemlich schwierig (Coil haben es auf jeden Fall nicht geschafft), denn Youngs Musik untermalt nicht nur, sie ist neben Doug Bradley und dem Design der Cenobiten auch ein Hauptgrund dafür, dass der Film funktioniert. Nicht umsonst haben auch Randy Miller und Daniel Licht auf Youngs Themen zurückgegriffen, während die Musik der restlichen Sequels so vergessenswert ist wie die jeweiligen Filme. Sollte es wirklich ein Hellraiser-Remake/Reboot/Wasauchimmer geben, muss Young auf jeden Fall als Komponist zurückkehren.

Platz 7: Harry Potter und der Gefangene von Askaban (John Williams)

Die ersten beiden Potter-Scores von John Williams sind zwar gut, im Œuvre des Maestro allerdings eher im Mittelfeld einzuordnen, auch, weil Teile davon eher wie Williams auf Autopilot wirken. Williams auf Autopilot ist im Vergleich zu vielem anderem natürlich immer noch ziemlich gut, aber dass es noch weitaus besser geht, hat er mit „Harry Potter und der Gefangene von Askaban“ bewiesen. Der dritte Potter-Score ist definitiv einer der stilistisch vielseitigsten seiner ganzen Karriere, hier zeigt Williams die gesamte Bandbreite seines Könnens, von mittelalterlich anmutigen Klängen über die übliche, romantische Symphonik bis hin zu Acid Jazz. Darüber hinaus hat er hier auch, neben Hedwigs Thema, die beiden stärksten Leitmtotive des Franchise geschrieben: Double Trouble, ein Thema für Hogwarts, und A Window to the Past, das mit Abstand beste emotionale Thema der Filmreihe, von dem ich mir nach wie vor Wünsche, dass es auch in den späteren Filmen Verwendung gefunden und an der Seite von Hedwigs Thema als emotionaler musikalischer Kern fungiert hätte.

Platz 6: Jurassic Park (John Williams)

Es gibt Scores, die sind geradlinig, schnörkellos und treffen voll ins Ziel. „Jurassic Park“ ist so einer, was aber selbstverständlich nicht bedeutet, dass er simpel wäre, im Gegenteil. Die größte Stärke dieses Scores sind selbstverständlich die beiden Hauptthemen, ein nobles für den Park und ein getragenes für die Schönheit der Dinosaurier, die in kaum einem Filmmusikkonzert fehlen dürfen und zum Fundus der Themen gehören, die sich unweigerlich ins Gedächtnis der Popkultur eingebrannt haben. Dasselbe trifft zwar nicht auf die diversen sekundären Themen zu, die vor allem funktional und weniger einprägsam sind, aber ihren Zweck nicht minder erfüllen. „Jurassic Park“ ist schlicht und einfach ein extrem gelungenes Gesamtpaket. Ich kann mir nicht helfen, immer wenn ich die beiden Themen höre, kriege ich verdammt gute Laune.

Platz 5: Drachenzähmen leicht gemacht 1 & 2 (John Powell)

John Powells wohl populärstes Werk, und das vollkommen zu Recht. Viele der Eigenschaften, die „X-Men: The Last Stand“ auszeichnen, finden sich auch hier: Komplexe Kompositionen, tolle Themen und frenetische Actionmusik. Während „The Last Stand“ den Zuhörer allerdings mit seinen Ambitionen durchaus vor den Kopf stoßen kann, ist „Drachenzähmen leicht gemacht“ zugänglicher und, in Ermangelung eines besseren Wortes, „runder“. Powells Themen sind noch stärker und eingängiger als die Leitmotive von „The Last Stand“ und funktionieren hervorragend, um den Zuschauer in die Welt von Berk hineinzuziehen. Mit „Drachenzähmen leicht gemacht 2“ schließt Powell nahtlos an die Qualitäten des Erstlings an, sodass sich der Sequel-Score wie eine passende Erweiterung des ersten Teils anfühlt – in diesem Zusammenhang ist das übrigens ein Lob.

Platz 4: Pirates of the Caribbean: At World’s End (Hans Zimmer)

Dieser Score ist der Grund, warum ich von Hans Zimmer so enttäuscht bin, denn mit “At World’s End” haben er und sein Team bewiesen, dass sie können, wenn sie nur wollen. Anstatt die Musik immer nur durch ein neues und „revolutionäres“ Gimmick zu definieren, dass anschließend in der Filmmusik ständig kopiert wird (wir erinnern uns noch, als jeder Trailer einen Einsatz des gefürchteten „Horn of Doom“ enthielt), sollte er sich lieber darauf konzentrieren, einen ordentlichen Score abzuliefern.
Wie dem auch sei, mit „At World’s End“ nimmt Zimmer den grundsätzlichen Pirates-Sound und holt ohne jede Zurückhaltung alles heraus, was herauszuholen ist. Während er der grundsätzlichen Stilistik treu bleibt, ersetzt er die synthetischen Klänge fast vollständig durch organisches Orchester und benutzt sogar Holzbläser – und das in einem Bruckheimer-Film! Zusätzlich stockt er den Pirates-Themenvorrat gewaltig auf, anstatt gefühlt alle fünf Minuten He’s Pirate zu verwenden, wie es beim ersten Teil der Fall war. Die Action-Musik ist hier so vielschichtig wie selten bei Zimmer, ebenso wie die leitmotivische Arbeit. Beides zeigt sich hervorragend im oben eingebetteten Stück, in dem Zimmer und Co. gekonnt und elegant ihre Themen nahtlos ein- und ausfließen lassen und He’s a Pirate seinen grandiosesten Einsatz verpassen, der gerade deshalb so wunderbar funktioniert, weil das Thema bis zu diesem Zeitpunkt im Film nicht vorgekommen ist. Und apropos Themen, sowohl das dreiteilige Liebesthema als auch Hoist the Colours sind die wohl mit Abstand besten Themen, die Zimmer jemals komponiert hat, die Verarbeitung alter und neuer Themen ist makellos und vielschichtig und von der Faulheit, die so manchen Remote-Control-Score prägt, ist hier absolut nichts zu spüren. In meinen Augen nach wie vor Hans Zimmers mit Abstand bester Score.

Platz 3: Batman: Mask of the Phantasm (Shirley Walker)

Jawohl, auf meiner Liste findet sich auch eine Komponistin. Filmmusik, speziell die aus Hollywoood, ist sehr, und damit meine ich wirklich sehr, männlich dominiert. Aber es gibt sie, die Komponistinnen, nur leider sind ihre Werke oft bei Weitem nicht so populär und ihre Namen nicht so bekannt, wie die einiger ihrer männlichen Kollegen auf dieser Liste – zu Unrecht. Ich möchte die Gelegenheit für einen kleinen Exkurs verwenden und drei Namen in den Raum werfen. Rachel Portman ist wahrscheinlich die bekannteste Komponistin, für ihren Score zu „Emma“ hat sie 1996 den Oscar gewonnen, ihre Musik fällt allerdings nicht wirklich in meinen Wohlfühlbereich, weil sie vor allem für Komödien und Dramen sehr dezente und klavierlastige Soundtracks komponiert – ihr Talent ist allerdings unbestreitbar. Debbie Wisemans Musik dagegen sagt mir weitaus mehr zu; mit „Arsène Lupin“ und „Lesbian Vampire Killers“ (nein, das ist kein Porno) hat sie bewiesen, dass sie grandiose, gotisch-düstere Musik schreiben kann – sie wäre ideal für einen Batman-Score, denn der Dunkle Ritter sollte sich dringend von der Zimmer-Methodologie verabschieden. Jane Antonia Cornish hat bisher vor allem orchestriert (u.a. für „Maleficent“ oder „Kung Fu Panda“), hat aber mit ihrer Musik für den dänischen Fantasyfilm „Island of Lost Souls“ bewiesen, dass sie auch das Komponieren eines komplexen Fantasy-Scores meisterhaft beherrscht. Vor allem Wiseman und Cornish sind prädestiniert für große, prestigeträchtigte Scores, die sich nicht auf den ausgelutschten RCP-Stil verlassen. Exkurs beendet, und nun zum eigentlichen Thema.
Shirley Walker, leider 2006 verstorben, war so etwas wie die Grande Dame der amerikanischen Zeichentrickmusik, sie hat eine ganze Generation von Komponisten in diesem Medium beeinflusst (und zum Teil auch ausgebildet), und nebenbei das in meinen Augen beste aller Batman-Themen geschrieben – und den besten aller Batman-Scores. Ihre Musik zu „Batman: Mask of the Phantasm“ ist genau so, wie ich mir die Musik für den Dunklen Ritter wünsche: Groß, düster, heroisch, facettenreich und mit starken, aussagekräftigen Themen. Da Walker über eine klassische Ausbildung verfügt und unter anderem auch schon für Danny Elfman und Hans Zimmer orchestriert hat, versteht sie es meisterhaft, alles aus dem Orchester herauszuholen und für diesen Zeichentrickfilm ein Meisterwerk zu komponieren, das viel zu wenig Anerkennung bekommt.

Platz 2: Star Wars Episode I-VI (John Williams)

Das musste kommen: Star Wars hat meine Passion für Filmmusik geweckt. Star Wars ist für das erneute Aufleben von symphonischer Musik im Film verantwortlich. Und Star Wars ist John Williams‘ Meisterstück, ein Paradebeispiel an wagnerianischer Leitmotivik. In dieser Hinsicht wurde er nur von einem Komponisten bzw. einem Werk übertroffen, und das ist auf Platz 1 dieser Liste gelandet.
Und ja, ich nehme das ganze Paket mit, nicht nur die OT. Insgesamt betrachtet ist die OT zwar eindeutig stärker, aber die Prequel-Scores sind immer noch so gut, dass ich auf sie absolut nicht verzichten möchte, auch weil sie über einige Stärken verfügen, die sich in der Musik der OT nicht finden, vor allem komplexere Strukturen und der stärkere Einsatz von Chören. Beide Trilogien zusammen ergänzen sich in ihren jeweiligen Stärken exzellent. Und die meisten musikalischen Schwächen der Prequels sind sowieso darauf zurückzuführen, dass George Lucas die Musik im Film verhackstückt hat, weshalb die Musik der Episoden I-III auf den Alben besser funktioniert als in den jeweiligen Filmen.
Was kann man sonst noch sagen, ohne gleich ein ganzes Buch über das Thema zu schreiben? Die Themen? Klassiker. Die Verarbeitung? Makellos. Vor allem was die OT angeht, trägt der Score den jeweiligen Film und sorgt dafür, dass er funktioniert.

Platz 1: Der Herr der Ringe/Der Hobbit (Howard Shore)

Als angekündigt wurde, dass nicht etwa James Horner oder Basil Poledouris die Musik zu Peter Jacksons Herr-der-Ringe-Adaption schreiben würde, sondern Howard Shore, der bis dahin vor allem Thriller und Horrorfilme vertont hatte und als Stammkomponist von David Cronenberg bekannt war, zweifelten viele, ob Shore wirklich das Zeug zu epischer Fantasy hatte. Meine Güte, haben die alle umsonst gezweifelt. Howard Shores Musik für Mittelerde überzeugt auf absolut allen Ebenen. Oder, um es anders auszudrücken: Ich habe nicht genug Superlative auf Lager, um die Wirkung dieser Musik zu beschreiben.
Nicht nur erreicht die Leitmotivik hier ein Level, das sogar Star Wars übertrifft, die Musik hat auch, zumindest auf mich, eine derart emotionale Wirkung wie keine andere (und das ist genreübergreifend).
Bei den drei Hobbit-Scores ist es letztendlich ähnlich wie bei den SW-Prequels: Sie mögen ein Stufe unter der Musik des HdR stehen, aber eine Stufe unter HdR bedeutet immer noch, dass sie besser als fast alles andere sind.
Alle sechs Mittelerde-Scores zusammen sind ein Meisterwerk mit einer leitmotivischen und instrumentalen Dichte, die bislang unübertroffen ist und wahrscheinlich auch ziemlich lange unübertroffen bleibt.

Neben der eigentlichen Liste hat Schlopsi auch noch drei Fragen gestellt, die natürlich ebenfalls beantwortet werden wollen.

Was war der erste Soundtrack, der dich vollends begeistert hat?
Hmm, das lässt sich nicht ganz leicht beantworten, weil ich nicht ganz sicher bin. Das war entweder einer der Disney-Soundtracks meiner Kindheit (mit großer Wahrscheinlichkeit „Der König der Löwen“), oder aber Danny Elfmans „Batman“ oder John Williams‘ Star-Wars-Musik. Star Wars und die Musik der Herr-der-Ringe-Trilogie stellen in jedem Fall den Grundstock meiner Sammlung dar und sind die Ursache für meine Liebe zu diesem Musik-Genre.

Mit welchem Soundtrack bist du im Nachhinein auf die Nase gefallen, weil er doch nicht mehr so toll wirkte wie noch im Film?
Die explizite Frage lässt sich in der Zwischenzeit nicht mehr so gut beantworten, weil ich mir den Score vieler Filme inzwischen vor der Sichtung anhöre. Da gibt es natürlich auch oft Enttäuschungen (Stichwort „Days of Future Past“), aber die sind anderer Art.
„The Avengers“ wäre vielleicht ein passender Fall: Im Film habe ich vor allem das Hauptthema herausgehört und fand es ziemlich gut. Leider hat der Score sonst nicht allzu viel zu bieten, er ist zwar nicht schlecht, aber doch eher Alan Silvestri auf Autopilot.

Welchen Soundtrack hast du dir als letztes angehört/durchgehört?
An Neuerscheinungen oder allgemein? Aus diesem Jahr habe ich bisher erst einen Soundtrack gehört, Michael Giacchinos Musik zu „Jupiter Ascending“ – diese war auch ziemlich gut (Sci-Fi, groß, vollorchestral, viel Schönes dabei und ein früher Kandidat für die Bestenliste 2015). Ansonsten höre ich gerade mal wieder die Scores des Marvel Cinematic Universe durch (zumindest die, die ich besitze und die mir auch gefallen), das wären „Thor“ (Patrick Doyle), „Captain America: The First Avenger“, „The Avengers“ (beide Alan Silvestri), „Iron Man 3“, „Thor: The Dark World“ (beide Brian Tyler) und „Guardians of the Galaxy“ (Tyler Bates).

Anschließend soll das Stöckchen noch vier weiteren Bloggern an den Kopf geworfen werden.
Das sind:
xsehu
Robin
olivesunshine91
[Platzhalter, für alle, die sonst noch gerne mitmachen würden]

Dinge, die ich mir für zukünftige Star-Wars-Filme Wünsche Teil 4

Ich denke, da gibt es kein Leugnen: 2015 ist Star-Wars-Jahr. Für uns, die wir gespannt auf „Das Erwachen der Macht“ warten, läuft alles darauf hinaus, Episode VII wird der (hoffentlich) krönende Jahresabschluss. Das hatte bereits Auswirkungen auf meinen Blog und wird sicher noch weitere haben. Im letzten Halbjahr habe ich in Form meiner EU-Rückblicke gewissermaßen mit dem alten Star Wars abgeschlossen, 2015 werde ich mich vor allem um Aktuelles und Zukünftiges kümmern (was natürlich nicht heißt, dass ich nicht auch trotzdem den einen oder anderen Blick zurück auf die reichhaltige Geschichte dieses Franchise werfen werde). Mit meinen Rezensionen zu „A New Dawn“ und „Tarkin“, den Roman-Anfängen der neuen Einheitskontinuität, habe ich damit ja bereits begonnen, und mit den neuen Romanen wird es auch weitergehen, ebenso wie mit den neuen, von Marvel herausgebrachten Comics, sobald diese in gesammelter Form als Paperback erscheinen.
Vorerst blicke ich aber noch einmal in die Zukunft und beschäftige mich mit einem Aspekt, der bei einem Star-Wars-Film (oder bei seiner SW-Serie oder einem SW-Spiel) für mich immer enorm große Bedeutung hat: Die Musik (wie könnte es auch anders sein).
Star-Wars-Musik genießt einen erstaunlichen Bekanntheitsgrad, selbst jemand, der nicht einmal die Filme gesehen hat, erkennt vermutlich das Hauptthema oder den Imperialen Marsch. Auch ist SW das Franchise, dessen musikalische Sprache über die verschiedenen Medien hinweg am homogensten ist – keine Serie und kein Spiel schafft es, John Williams‘ unvergesslichen Themen nicht in irgendeiner Form Tribut zu zollen. Und wenn es nach mir geht, bleibt das so.
Trotzdem ist die Zukunft natürlich stets im Wandel, ein paar Dinge sind sicher, und viele sind möglich.

Aktuelle Star-Wars-Komponisten

John Williams

Er schreibt die Musik für Episode VII. Und mit ein wenig Glück auch die für Episode VIII und IX. In der Tat gab es kaum eine Alternative, solange Williams selbst noch aktiv ist. Mit über 80 immer noch Filmmusik zu schreiben ist an sich schon höchst beeindruckend. Zwar hat der Altmeister hat seinen Output in den letzten Jahren stark eingeschränkt (zwischen 2008 und 2011 erschien kein neuer Score von ihm), was angesichts seines Alters kaum verwunderlich ist, und auch seit 2011 hat er „nur“ vier Scores geschrieben (drei davon für Spielberg-Filme), aber dennoch, es gibt nicht viele, die da mithalten können. Man kann zwar durchaus argumentieren, dass die nach 2011 komponierten Scores mit den großen Klassikern wie „Jurassic Park“, „Schindlers Liste“ oder eben „Das Imperium schlägt zurück“ nicht ganz mithalten können, allerdings lässt sich kaum leugnen: Williams schreibt immer noch derartig komplexe und durchdachte Musik, wie man sie heute, in Zeiten von simplen, Remote-Control-dominierten Blockbuster-Scores, nur selten findet, und vor allem mit „Die Abenteuer von Tim und Struppi: Das Geheimnis der Einhorn“ hat der Maestro bewiesen, dass er es gerade im Action/Abenteuer-Bereich noch voll drauf hat.
Insgesamt sehe ich dem Score von „Das Erwachen der Macht“ ziemlich positiv entgegen. Meine größte Sorge ist, dass Disney und Abrams zu sehr auf die Nostalgie-Schiene setzen (siehe auch Kevin Kiner). Ja, die Themen der klassischen Trilogie sollen wieder auftauchen, wenn sie angebracht sind. Um die Main Titles kommen wir sicher nicht herum, und diese dürfen auch gerne wieder als Thema für Luke fungieren, so wie es eben in der OT war. Auch das Machtthema, die Rebellen-Fanfare, der Imperiale Marsch, Prinzessin Leias Thema etc. drängen sich nach dem, was bislang bekannt ist, geradezu auf. Aber sie sollten in Maßen verwendet werden, in neuen Variationen und sie sollten neuen Themen auch genug Platz lassen.
Schwieriger wird es bei den Themen der Prequel-Trilogie, da sich diese vor allem auf Personen und Objekte beziehen, die eben nur in den Prequels auftauchen. Der Marsch der Handelsföderation, Anakins und Padmés Liebesthema oder Grievous‘ Motiv sind wohl recht schwierig unterzubringen. Dennoch hoffe ich, dass nicht alle Stilmittel der Prequels, etwa die hochkomplexe Actionmusik oder der stärkere Einsatz von Chören, aus Episode VII verbannt werden. In der Tat würde es sich anbieten, Verweise auf die Prequels in Form der szenenbezogenen Themen, die keine leitmotivische Bedeutung besitzen, einzubauen – gerade in Episode III gibt es einige, die durchaus das Zeug zu wiederkehrenden Leitmotiven hätten.

Kevin Kiner

Der zweite, derzeit an SW-Material arbeitende Komponist ist Kevin Kiner, der bereits die Clone-Wars-Serie vertonte und nun auch die Musik für „Star Wars Rebels“ schreibt. Ich war von seiner Clone-Wars-Musik anfangs eher enttäuscht, da sie stilistisch und leitmotivisch ziemlich weit von Williams entfernt war, dies wurde allerdings kontinuierlich besser, da Kiner Williams‘ Themen oftmals auf clevere Weise einbaute, aber gleichzeitig den Stil des Maestros nicht einfach nur kopierte. Die Rebels-Musik bedient sich leider des entgegengesetzten Pfades – die Musik der aktuell laufenden Serie besteht (gefühlt) zu etwa dreiviertel aus neu eingespielten Stücken der Episoden IV und V, praktisch ohne Variation. Der einzige Unterschied ist, dass Kiner ein kleineres Ensemble zur Verfügung steht, sodass die Musik von Rebels bezüglich Volumen und Intensität weit hinter dem Original zurückbleibt. Hier ist mehr Eigenständigkeit gefragt: Neue, Rebels-spezifische Themen und neue Variationen der alten Themen an passenden Stellen.

Wahrscheinliche (und nicht ganz so wahrscheinliche) Star-Wars-Komponisten

Michael Giacchino

Seien wir ehrlich, John Williams ist nicht mehr der Jüngste. Ich will keinesfalls den Teufel an die Wand malen, aber es besteht die Chance, dass er, nun, sagen wir, in Rente geht, bevor die Episode IX durch ist. Sollte dies der Fall sein, ist Michael Giacchino ein ziemlich wahrscheinlicher Nachfolger, ist er doch J. J. Abrams‘ Stammkomponist. Abrams selbst wird bei Episode VIII und IX zwar nicht mehr selbst Regie führen, aber doch wahrscheinlich involviert bleiben, und schon des Öfteren hat er Giacchino auch zu Projekten „mitgebracht“, die er nur produziert hat.
Ganz davon einmal abgesehen ist Giacchino bei Weitem nicht die schlechteste Wahl. Vor allem in seiner Anfangszeit (Stichwort: „Medal of Honor“) hat er bewiesen, dass er Williams‘ Stil ziemlich gut imitieren kann. Zwar hat er sich mit der Zeit weiter von seinem Vorbild entfernt und seinen eigenen Stil weiter herausgearbeitet, aber hin und wieder blitzt doch das eine oder andere Williams’sche Stilmittel auf, vor allem in seiner John-Carter-Musik. Leitmotivisch ist er zwar nicht ganz auf Williams Level (in der Tat sind das sehr wenige Komponisten), aber dennoch, als SW-Komponist wäre mir Giacchnio lieber als viele andere. Wie gut er mit Williams-Themen arbeiten kann, kann er dieses Jahr mit „Jurassic World“ beweisen – der Trailer verspricht das Auftauchen der ikonischen Themen, und ich hoffe, dass Giacchino dieses Versprechen hält.
Es bestünde natürlich auch die Möglichkeit, dass, sollte Williams nicht zu Verfügung stehen, Rian Johnson, der Regisseur der Episoden VIII und IX, seinen üblichen Komponisten mitbringt. Leider habe ich bisher kein Werk von Nathan Johnson (Regisseur und Komponist sind Cousins) gehört und kann somit nicht beurteilen, ob er sich als SW-Komponist eignet.

Alexandre Desplat

Während ich mir für die Sequels den Williams-Sound wünsche, bieten sich die Spin-off-Filme natürlich für den Einsatz anderer Stile an, und auch dafür bin ich offen, solange man nicht auf den von Hans Zimmer geprägten RCP-Stil zurückgreift.
Der Regisseur des ersten Spin-offs ist Gareth Edwards, und damit stehen die Chancen gut, dass Alexandre Desplat, mit dem Edwards schon (sehr erfolgreich) an „Godzilla“ zusammenarbeitete, auch bald in der weit, weit entfernten Galaxis komponiert. In der Tat hoffe ich das sogar. Nicht nur ist Desplat einer der talentiertesten und vielseitigsten Hollywood-Komponisten, er hat auch bereits bewiesen, dass er in der Lage ist, mit Williams-Themen zu arbeiten und dem Stil des Maestros Respekt zu zollen, ohne seine eigene Stimme aufzugeben. Für einen SW-Score von Desplat bin ich definitiv zu haben.

Joel McNeely

McNeely wäre eine ziemlich naheliegende Wahl, immerhin hat er bereits einen SW-Soundtrack geschrieben, auch wenn der einem Roman und nicht einem Film galt. Jedenfalls hat McNeely ebenfalls Talent darin bewiesen, sich Williams‘ Stil und Themen anzunehmen, ohne einfach nur plump zu kopieren. Wenn man seinem „Shadows of the Empire“ einen Vorwurf machen könnte, dann den, dass er die klassischen Leitmotive noch in ein paar mehr Stücken hätte einarbeiten können, aber ansonsten ist der „Buch-Score“ ziemlich gut gelungen. McNeely ist zwar ein Komponist, der nicht sonderlich bekannt ist, allerdings hat er unter Filmmusikfreunden einige Fans, nicht zuletzt wegen dem im letzten Jahr erschienenen „A Million Ways to Die in the West“. Ein weiterer SW-Score von ihm ist zwar bislang eher unwahrscheinlich, aber nicht unmöglich.

John Ottman

John Ottman ist für eines der wenigen, fast perfekten Beispiele für Themenübernahme in einem Franchise bekannt. Für „Superman Returns“ bediente sich Bryan Singers Stammkomponist der ikonischen Themen John Williams‘, integrierte diese gekonnt und intelligent in seinen Score, variierte und fragmentierte und schuf so die perfekte Balance zwischen Kontinuität zum Franchise und Eigenleistung. Das macht ihn natürlich zum idealen Kandidaten für einen SW-Score, da anzunehmen ist dass er mit den SW-Leitmotiven ähnlich verfahren würde wie mit den Superman-Themen.

Christopher Young

Okay, das ist wirklich Wunschdenken. Christopher Young ist ein grandioser Komponist, allerdings auch einer, der leider weit unter Wert verkauft wird, wie sich letztes Jahr wieder gezeigt hat. Für „The Monkey King“, eine chinesische Produktion, komponierte er einen grandiosen Score, der nicht einmal als Album veröffentlicht wurde, was wirklich eine Schande ist: So bleiben lediglich vom Komponisten selbst hochgeladene Einzelstücke auf Youtube – hätte es ein komplettes Release gegeben, wäre „The Monkey King“ sicher auf meiner Jahresbestenliste gelandet.
Wie dem auch sei, Young ist ein Komponist, dessen Ansatz für Star Wars ich wirklich verdammt gerne hören würde. Ich habe es ja bereits anderswo gesagt: Guillermo del Toro sollte einen Film über die alten Sith machen, Young kommt als Komponist dazu und schreibt einen grandiosen, düsteren Score auf Basis von Williams Sidious/Sith-Thema. Allerdings denke ich, dass Young mit jeder Art von SW-Film gut arbeiten könnte. Gebt dem Mann Arbeit!

Siehe auch:
Dinge, die ich mir für zukünftige Star-Wars-Filme wünsche Teil 1
Dinge, die ich mir für zukünftige Star-Wars-Filme wünsche Teil 2
Dinge, die ich mir für zukünftige Star-Wars-Filme wünsche Teil 3

Das Soundtrack-Jahr 2014

Neujahr ist die Zeit der Bestenlisten und Rückblicke, einem Trend, dem auch ich mich dieses Jahr unterwerfe. Und da ich mich bei Filmen und Serien immer sehr schwer tue, diese in eine Reihenfolge zu packen, mache ich stattdessen einen Rückblick auf das Soundtrack-Jahr 2014. Ein weiterer Grund hierfür ist auch, dass ich über die meisten Filme, die eine derartige Liste füllen würden, ohnehin schon geschrieben habe, es wäre also lediglich noch einmal eine wiederholende Zusammenfassung des ohnehin bereits Geschriebenen und eine Einordnung in eine Reihenfolge. Über die meisten Soundtracks dieser Liste dagegen habe ich bisher noch wenig bis gar nichts geschrieben, höchstens mal eine knappe Erwähnung in der zugehörigen Filmkritik oder im Media Monday. Es ist übrigens volle Absicht, dass der Titel dieses Artikels „Rückblick auf das Soundtrack-Jahr“ und nicht „Rückblick auf das Filmmusikjahr“ heißt, denn bei zwei Einträgen handelt es sich in der Tat nicht um Filmmusik.
Gerade für 2014 bietet sich dieser Artikel an, da ich einerseits meinen Konsum in dieser Hinsicht stark erhöht habe (u.a. auch durch Spotify), und 2014, zumindest in meinen Augen, ein sehr viel stärkeres Soundtrack-Jahr als 2013 ist. Vielleicht nehme ich es nur so wahr, aber mir scheint, dass die individuellen Stimmen der Komponisten im vergangenen Jahr wieder weitaus stärker präsent waren, als dies 2013 der Fall war, wo der Remote-Control-Sound extrem dominant war.
Der folgende Artikel teilt sich in eine Worst-of- und eine Best-of-Liste des Jahres, da ich in dieser Hinsicht grundsätzlich aber lieber lobe als tadle, hat die Worst-of-Liste nur fünf Einträge, die willkürlich angeordnet sind, während es sich bei der Best-of-Liste um eine klassische Top 10 mit fester Reihenfolge handelt.
Trotz meines erhöhten Konsums bin ich leider weit davon entfernt, alle Neuerscheinungen des Jahres 2014 gehört oder mich intensiver mit allen beschäftigt zu haben, die mich interessieren, die mit Aufmerksamkeit bedacht wurden oder als Geheimtipp gehandelt wurden.
Nun noch ein paar Worte zur Konzeption: Selbstverständlich ist dies eine rein subjektive Auflistung, die nur meine persönliche Meinung und meine Ansichten, was gute Filmmusik ausmacht, wiederspiegelt. Um auf der Bestenliste zu landen, muss die Musik über das bloße „Funktionieren“ im Film hinausgehen, sie muss mich emotional und/oder intellektuell beschäftigen und dafür sorgen, dass ich sie immer wieder hören und mich eingehender mit ihr auseinandersetzen möchte. Auch spielt die Qualität des zugehörigen Films letztendlich keine Rolle, wie sich sowohl bei der Best-of- als auch bei der Worst-of-Liste mehrfach zeigen wird.

Worst of 2014

RoboCop (Pedro Bromfman)

Ein Score wie dieser macht mich meistens ziemlich traurig. Sowohl José Padilha, der Regisseur des RoboCop-Remakes, als auch Pedro Bromfman, der Komponist seiner Wahl, sind Hollywood-Newcomer. Gerade, was Komponisten angeht, tut frisches Blut aus anderen Erdteilen meistens ziemlich gut, um andere Stile und Musiktraditionen einzubringen. Bromfmans Hollywood-Debüt ist leider ein Griff ins Klo, wobei ich allerdings nicht sagen kann, ob man Bromfman wirklich die Schuld daran geben kann, oder ob sie bei Padilha oder dem Studio zu suchen ist. Der Score besteht aus typischem, Remote-Control-inspiriertem, Gedröhne, das Orchester wird von viel Elektronik und künstlichen Percussions verzerrt und die Musik hat praktisch keinerlei Substanz. Es gibt genau einen Moment, der aus der Masse des uninspirierten Underscorings hervorsticht. Bei diesem handelt es sich um das 50 Sekunden andauernde Stück Title Card, in welchem Bromfman Basil Poledouris‘ klassischen RoboCop-Marsch zitiert. Trotz der grauslichen Modernisierung mittels synthetischer Drumpads ist es das einzige Stück des Scores, das Persönlichkeit hat. Ich hatte nun nicht erwartet, dass für das Remake ein Score in Poledouris‘ Stil komponiert wird, oder dass sein Thema groß Verwendung findet, aber ist es zu viel verlangt, wenn man ein wenig Substanz und Eigenständigkeit will? Poledouris‘ Musik zu „RoboCop“ ist nun wirklich nicht sein bestes Werk (gerade, wenn man es mit „Conan der Barbar“ vergleicht), und inzwischen wirkt vor allem die Elektronik, die er einsetzte, um RoboCops mechanische Seite in der Musik darzustellen, veraltet, aber dennoch lässt sich nicht leugnen, dass genau DIESER Score zu DIESEM Film gehört. Bromfmans Musik dagegen passt zu jedem stereotypsichen Actionstreifen der letzten Jahre.

Captain America: The Winter Soldier (Henry Jackman)

Ich kann immer noch nicht verstehen, aus welchem Grund viele Filmkritiker gerade diesen Score lobten. Um mich einmal selbst zu zitieren: „Im Großen und Ganzen besteht dieser Soundtrack aus drei Bestandteilen: Typische RCP Actionmusik, die stark an Zimmers Dark-Knight-Trilogie erinnert (mit anderen Worten: Viel Wummern und Dröhnen), einige ruhigere und/oder heroische Momente, die wie eine verwässerte Version des Silvestri-Sounds klingen, und dazwischen einiges an völlig unhörbarem Schurkenmaterial.“
Jackmans Musik zu „The Winter Soldier“ mag im Kontext des Films noch halbwegs akzeptabel funktionieren, aber mal ehrlich, das ist die Mindestanforderung, die ich an einen Score habe. Darüber hinaus leistet dieser Soundtrack im Grunde kaum etwas, er ist ein stereotypes Produkt seiner Zeit – nicht ganz so schlimme wie „RoboCop“, da es immerhin einige Themen gibt, aber das ist trotzdem nicht gerade ein Lob. Besonders schade daran ist, dass Alan Silvestri Captain America eine ziemlich klare Identität verliehen hat, die gut in einer etwas modernisierten Version in diesem Film funktioniert hätte.

Gone Girl (Trent Reznor, Atticus Ross)

Ich habe „Gone Girl“ noch nicht gesehen, deswegen weiß ich nicht, wie die dritte Kollaboration von David Fincher und dem Duo Trent Reznor/Atticus Ross im Film wirkt, was ich auf dem Album gehört habe, hat mich allerdings alles andere als vom Hocker gerissen. Zugegeben, nach „Verblendung“ (in meinen Augen nach wie vor einer der schlechtesten Soundtracks überhaupt) hatte ich auch nicht allzu viel erwartet. Wahrscheinlich hätte ich mir die Musik von „Gone Girl“ nicht einmal angehört, hätte das Komponistenduo nicht in einem Interview, über das ich zufällig gestolpert bin, ausgesagt, dass sie in „Gone Girl“ zum ersten Mal ein richtiges Orchester verwendet hätten. Das hat mich zumindest neugierig gemacht. Leider lag ich mit meiner Voreinschätzung richtig: Das Orchester macht im Grunde keinen Unterschied, weil es so sehr mit Elektronik und Synth-Klängen verfremdet wurde, dass man es auch gleich hätte weglassen können. Ansonsten gilt im Grunde dasselbe, was ich auch schon bei „Verblendung“ geschrieben habe, auch wenn „Gone Girl“ nicht ganz so sehr an den Nerven zehrt. Soweit ich das sagen kann, sind die einzelnen Stücke untereinander fast völlig austauschbar und kaum mehr als langweiliges, uninspiriertes Ambience-Gedröhne, mehr Soundeffekte den wirkliche Musik. Einer der Tracks auf dem Album trägt sogar den Namen Background Noise – besser lässt sich dieser Score nicht beschreiben. Zugegeben, es gibt schon ein paar Stücke, die über gleichförmiges Dröhnen hinausgehen, aber auch diese bieten kaum mehr langweilige Minimalkonstrukte, die keinerlei Emotionen vermitteln, von Persönlichkeit oder einer Narrative ganz zu schweigen.

Birdman (Antonio Sánchez)

Hier gilt dasselbe wie bei „Gone Girl“, ich habe den Film noch nicht gesehen (hierzulande startet er auch erst im Februar) – vielleicht würde sich meine Meinung also durch eine Filmsichtung ändern; sollte dies der Fall sein, werde ich das selbstverständlich in der einen oder anderen Form korrigieren. Ich bezweifle es allerdings.
Anders als bei „Gone Girl“ hatte ich allerdings keine Ahnung, was man sich unter dem Score vorzustellen hat. Ich hatte lediglich etwas über den Film gelesen, was natürlich mein Interesse geweckt hat: Michael Keaton spielt einen Darsteller, der früher für ein Superheldenrolle bekannt war und nun versucht, etwas Eigenes auf die Beine zu stellen – als Fan von Tim Burtons Batman-Filmen klang „Birdman“ für mich nach etwas, das höchst amüsant sein könnte. Als ich den kompletten Soundtrack auf Youtube entdeckte, habe ich spaßeshalber einfach reingehört, in der Hoffnung, die Musik würde in irgendeiner Form auf Danny Elfmans Batman-Thema verweisen. Nicht nur tut sie das nicht, sie besteht ausschließlich aus Percussions. Wie ich später in Erfahrung brachte, wurde dem Komponisten Antonio Sánchez, der als einer der weltbesten Jazz-Schlagzeuger gilt, im Grunde lediglich der Film gezeigt und dieser improvisierte auf seinem Schlagzeug dazu, und fertig. Auch habe ich in Erfahrung gebracht, dass die Musik des Films nicht ausschließlich aus Sánchez‘ Getrommel besteht, sondern dass einige klassische Stücke, unter anderem von Mahler, Tchaikovsky und Ravel, Verwendung finden. Ich bezweifle nicht, dass Sánchez ein ausgezeichneter Schlagzeuger ist und dass in dem, was er hier „komponiert“ hat, viel Kreativität steckt, allerdings besteht im Grunde dasselbe Problem wie bei „Verblendung“: Die einzelnen Stücke sind untereinander vollkommen austauschbar und sagen absolut nichts aus. Hier gibt es nichts zu analysieren, keine umfassende Narrative, keine Besonderheiten, gar nichts. Nur jemand, der 30 Minuten lang Schlagzeug spielt. Für mich funktioniert das als Film-Score schlicht nicht.

X-Men: Days of Future Past (John Ottman)

John Ottmans Musik zu „Days of Future Past“ ist zwar nicht der schlechteste Score dieser Liste (rein handwerklich betrachtet wohl sogar der beste), aber der, der mich mit Abstand am meisten enttäuscht hat. Von Jackman und Reznor/Ross habe ich mehr oder weniger das erwartet, was sie abgeliefert haben, während ich bei Sánchez und Bromfman überhaupt keine Erwartungen hatte, da ich sie nicht kannte. Von Ottman dagegen habe ich mir mehr versprochen. Der Score von „Days of Future Past“ klingt nämlich so, als habe Henry Jackman oder Ramin Djawadi ihn komponiert, aber nicht Ottman, denn im Grunde ist die Musik, abseits der Stücke The Future – Main Titles und Welcome Back – End Titles, welche beide Ottmans Thema aus „X2: X-Men United“ beinhalten, eine Mischung aus „The Dark Knight“, „Pacific Rim“, „Inception“ und „X-Men: First Class“ (allerdings ohne dessen Unterhaltungswert). Von Ottmans eigenem Stil ist im Grunde kaum etwas übrig geblieben. Wie „The Winter Soldier“ erfüllt auch „Days of Future Past“ die Mindestanforderung des „halbwegs im Film funktionierens“, aber für einen wirklich guten Score reicht das einfach nicht.

Best of 2014

10. Guardians of the Galaxy (Tyler Bates)

Zugegebenermaßen gibt es mit Sicherheit einige 2014-Scores, die diesen Platz eher verdient hätten als „Guardians of the Galaxy“. Bates hat den Zuschlag vor allem deshalb bekommen, weil er es endlich geschafft hat, einen Soundtrack zu komponieren, der mir gefallen hat – sein bisheriger Output war bisher ziemlich schwach. „Guardians of the Galaxy“ mag kein Meisterwerk sein, dafür aber Bates‘ bislang bester und dazu auch ein extrem unterhaltsamer Score.
Interessanterweise ähnelt die grundsätzliche musikalische Konzipierung von „Guardians of the Galaxy“ der von Zack Snyders „Watchmen“, dessen Score ebenfalls von Bates komponiert wurde. In beiden Fällen wird der Film vor allem von der Song-Auswahl dominiert, und die Songs sind es auch, an die sich die meisten Filmzuschauer erinnern, sodass die restliche Musik etwas untergeht. Bates‘ Arbeit für „Watchmen“ ist allerdings uninspiriert, dröge, langweilig und wird in keiner Minute den Ansprüchen von Alan Moores komplexer Story gerecht.
Für „Guardians“ orientierte sich Bates stilistisch stark an Brian Tyler, sodass sich der Score sehr gut ins musikalische Gefüge des Marvel Cinematic Universe einfügt. Während das Schurkenmaterial eher zu wünschen übrig lässt und das Action-Material solide, aber nicht ganz so gelungen ist wie das von Brian Tylers „Teenage Mutant Ninja Turtles“, einem sehr ähnlich gelagerten Score, ist es vor allem das Hauptthema, das natürlich für die Guardians als Gruppe steht, das zu überzeugen weiß. Es mag nicht das originellste sein, geht aber gut ins Ohr, ist markant, passt perfekt und wird von Bates auch gut eingesetzt. Exemplarisch sei hier das Stück The Kyln Escape genannt, in welchem das Thema langsam fragmentarisch aufgebaut wird, bis es am Ende schließlich vollständig erklingt. Somit ist „Guardians of the Galaxy“ ein höchst unterhaltsamer Superhelden/Sci-Fi-Score, nicht mehr aber auch nicht weniger – und für Tyler Bates ist das schon eine ganze Menge.

9. Mockingjay Teil 1 (James Newton Howard)

Von James Newton Howards bisherigen beiden Hunger-Games-Scores war ich nicht sonderlich begeistert. Sie waren grundsätzlich funktional, aber kaum mehr, geprägt vom Minimalismus, der auch die letzten paar Jahre in Howards Schaffen dominierte, und dem Mangel an einer starken Identität – das einprägsamste Stücke war die von Arcade Fire komponierte Panem-Hymne Horn of Plenty. Der Score zum dritten Hunger-Games-Film bedient sich zwar derselben Grundzutaten und Motive, Howard schöpft dieses Mal allerdings, ähnlich wie Hans Zimmer es bei „Pirates of the Caribbean: At World’s End“ tat, das volle Potential aus. Man ist fast geneigt, „Mockingjay Teil 1“ als stilistischen Hybriden aus den bisherigen beiden Soundtracks der Filmreihe und „Maleficent“ zu sehen. Die Musik ist weitaus emotionaler und klingt, in Ermangelung eines besseren Wortes, „voller“. Gerade in den intensiven Actionstücken wie Air Raid Drill wird deutlich, um wie viel komplexer und besser orchestriert dieser Score ist.
Ironischerweise wurde auch dieses Mal das Highlight nicht von Howard selbst komponiert, sondern stammt von Wesley Schultz und Jeremiah Fraites. Es handelt sich dabei um das von Jennifer Lawrence gesungene Lied The Hanging Tree, das auf gewisse Weise als Rebellen-Gegenstück zu Horn of Plenty fungiert. Nun, immerhin stammt die orchestrale zweite Hälfte von Howard. Dieses Lied stellt den emotionalen Kern des Scores dar und ist schlicht grandios, beginnend mit Jennifer Lawrence Einzelstimme, die nach und nach von Chor und Orchester unterstützte wird, bis das Stück in einen fulminanten Höhepunkt endet.

8. World of WarCraft: Warlords of Draenor (Russel Brower u.a.)

Obwohl ich nie in meinem Leben „World of WarCraft“ (wohl aber „WarCraft III“) gespielt habe, habe ich eine ziemlich Schwäche für die Musik dieses MMORPGs, besonders, da diese mit jedem weiteren Expansion-Set besser zu werden scheint. So bestand die Musik Hauptspiels (zumindest das, was auf dem Album zu hören war) noch in erster Linie aus ziemlich langweiligen Ambience-Stücken, zusätzlich zu einigen der Bombast-Themen, die den eigentlichen Charme der Musik dieses Franchise ausmachen – leider war alles noch gesamplt und klang ziemlich synthetisch. Spätestens ab „Wrath of the Lich-King“ verwendete Blizzard allerdings ein echtes Orchester und sorgte dafür, dass die Musik interessant und abwechslungsreich war – besonders „Mists of Pandaria“ besticht durch eine gelungene Mischung aus fernöstlichen Klangfarben und dem typischen WarCraft-Bombast. „Warlords of Draenor“ hat zwar keine so interessante Mischung anzubieten, fährt aber ansonsten beeindruckende Klänge auf. Da die Orks im Zentrum stehen, ist die Musik rechtschaffen martialisch und wird dominiert von tiefen Männerchören und donnernden Percussions. Aber auch die anderen Aspekte, die die Musik von Azeroth ausmachen, die Mystik und Abenteuerromantik, sind ausreichend vorhanden. Darüber hinaus gibt es auch einige sehr schöne thematische Momente, etwa wenn am Ende von Siege of Worlds das klassische WarCraft-III-Thema in all seiner Pracht erklingt.
Da ich WoW nicht spiele, kann ich natürlich nicht sagen, wie die Musik im Spiel selbst verarbeitet ist, aber das, was auf dem Album zu hören ist, ist mehr als befriedigend und hat keinen Grund, sich vor der restlichen Musik des Franchise zu verstecken, im Gegenteil.

7. Exodus: Götter und Könige (Alberto Iglesias, Federico Jusid, Harry Gregson-Williams)

Ridley Scott und seine Komponisten sind so ein Thema. Nicht nur wechselt er alle paar Jahre seinen Stammkomponisten, er ist auch dafür bekannt, die Scores in seinen Filmen zu verhackstücken und zum Teil durch bereits existierende Musik zu ersetzen, so geschehen etwa bei „Alien“ und „Königreich der Himmel“. Auch beim Score von Scotts aktuellem Historienepos, „Exodus: Götter und Könige“, ist die Ausgangslage ein wenig verworren. Für seine Bibeladaption wählte er weder Marc Streitenfeld („Robin Hood“, „Prometheus“) noch Daniel Pemberton („The Counsellor“), die seine letzten Filme vertonten, sondern den spanischen Komponisten Alberto Iglesias, der bislang weniger große, bombastische Historienfilme, sondern viel mehr subtile Dramen wie „Dame, König, As, Spion“ und „Drachenläufer“ vertonte. Allerdings scheint Scott irgendwie nicht so ganz mit Iglesias‘ Arbeit zufrieden gewesen zu sein, denn er heuerte noch zwei weitere Komponisten an, die zusätzliche Musik beisteuerten: Federico Jusid und Harry Gregson-Williams – Letzterer arbeitete mit Scott an „Königreich der Himmel“ und lieferte bereits zusätzliche Musik für „Prometheus“. Zumindest mir stellt sich da die Frage, warum Scott nicht einfach ein weiteres Mal Gregson-Williams anheuert, aber wie dem auch sei, die gute Nachricht ist auf jeden Fall: Trotz der drei Komponisten ist „Exodus“ ein hervorragender Score geworden, der nicht zersplittert sondern, im Gegenteil, wie ein gelungenes Ganzes wirkt. Viele befürchteten, Iglesias könne einen ähnlichen Weg einschlagen wie Javier Navarette mit „Zorn der Titanen“ oder Fernando Velázquez mit „Hercules“ – in beiden Fällen adaptierten die Komponisten in großem Umfang Remote-Control-Stilmittel, sodass ihre eigene Stimme kaum noch erkennbar war. „Exodus“ ist zwar zweifelsohne ein Score des 21. Jahrhunderts, inklusiver einiger moderner Passagen, es handelt sich aber keinesfalls um eine plumpe Hans-Zimmer-Stiladaption, im Gegenteil – schon allein die komplexe Orchesterarbeit findet man bei Remote-Control-Komponisten selten. Zwar sind gewisse Parallelen zu „Der Prinz von Ägypten“, „Königreich der Himmel“, „Prince of Persia“, aber auch „Ben Hur“ und „Die zehn Gebote“ nicht zu leugnen, aber dennoch etabliert „Exodus“ seinen eigenen Sound.
Die erste Hälfte ist weniger von Themen als von gelungenen atmosphärischen Texturen und ethnischer Instrumentierung geprägt, das Hauptthema, das für Moses als Botschafter Gottes steht, wird erst nach gut der Hälfte des Scores zum bestimmenden Faktor. Dafür ist es in der zweiten Hälfte, ab Exodus, wo es zum ersten Mal vollständig erklingt, sehr dominant. Vor allem gegen Ende, etwa in Stücken wie Hail, The Chariots oder Tsunami, entfesseln Iglesias, Jusid und Gregson-Williams eine geballte orchestrale und Chorale Macht wahrhaft biblischen Ausmaßes.

6. Grand Budapest Hotel (Alexandre Desplat)

Alexandre Desplat hat 2014 einmal mehr bewiesen, dass er einer der talentiertesten und vielseitigsten Komponisten ist, die gegenwärtig in Hollywood arbeiten – und diese Aussage tätige ich, obwohl ich bisher nur drei der fünf Desplat-Scores von 2014 gehört habe, denn schon allein diese drei zeigen, wie vielseitig der Franzose doch ist.
Seine Musik für Wes Andersons grandiose, völlig abgedrehte und einzigartige Komödie lässt sich am besten mit einem Wort beschreiben, für das ich leider gerade kein passendes deutsches Äquivalent zur Hand habe: Quirky.
Als fiktives mittel- oder osteuropäisches Land, das Merkmale verschiedener echter Länder dieser Region in sich vereint, bekommt Zubrovka auch eine passende musikalische Identität mit einer speziellen Instrumentierung, die durch den Einsatz von Instrumenten wie der Zither, der Balalaika, dem Cimbalom, der Kirchenorgel oder dem Alphorn genau diesen Mischungscharakter ausdrückt. „Grand Budapest Hotel“ ist zwar sofort als Desplat-Score zu erkennen, hat aber durch die Instrumentierung und auch die Art, wie diese Instrumente gespielt werden (beständige Percussions, außerdem wird viel gezupft und angeschlagen) gleichzeitig einen sehr distinktiven und unverwechselbaren Charakter. Meisterhaft schafft es Desplat, die eigentümliche, komödiantische Stilistik, die er für diesen Score gewählt hat, den Bedürfnissen der Handlung anzupassen, sodass er ihr immer treu bleibt, es ihm aber trotzdem gelingt, auch die dramatischeren Momente einwandfrei zu untermalen.
Das Hauptthema des Films gilt Zéro Moustafa und ist eine starke, eingängige und wandelbare Identität, die im Verlauf in einer Vielzahl von Gestalten immer wieder auftaucht und den Charakter des Films und der Figur optimal wiederspiegelt.

5. Penny Dreadful (Abel Korzeniowski)

2013 tauchte Abel Korzeniowskis Score zu einer Neuverfilmung von „Romeo und Julia“ mehr oder weniger aus dem Nichts auf und landete prompt an der Spitze vieler Jahresbestenlisten anerkannter Filmmusikkritiker. Und während auch ich Korzeniowskis schöne und romantische Vertonung des nur allzu bekannten Shakespeare-Stückes ziemlich gelungen finde, ist sie doch in meinen Augen ein wenig überbewertet. In der Tat liegt mir seine Musik zu „Penny Dreadful“ weitaus mehr, was auch mit der Thematik zusammenhängen mag. So ist „Penny Dreadful“ eine Horrorserie, die sich der Figuren, Atmosphäre und Ereignisse der viktorianischen Schauerliteratur bedient und diese zusammenbringt. Und genau danach klingt auch die Musik. Korzeniowski Ansatz ist dabei weniger leitmotivisch (was ich ein wenig schade finde) als viel mehr atmosphärisch, aber meine Güte, was für eine Atmosphäre der polnische Komponist etabliert. Ich liebe üppige, düstere und großorchestrale Gothic-Horror-Musik, und „Penny Dreadful“ gehört zu den besten. Korzeniowski arbeitet mit derselben Präzision und demselben Gespür für Melodie wie bei „Romeo und Julia“, fügt dem aber die düsteren und brutalen Elemente hinzu, die einen derartigen, schwarzromantischen Score ausmachen. Demimonde, das Intro-Stück, ist hierfür exemplarisch. Die Streicher sorgen für einen leich osteuropäischen Touch, der an Wojciech Kilars „Bram Stoker’s Dracula“, Danny Elfmans „The Wolfman“ oder Christopher Youngs „Drag me to Hell“ erinnert, und darüber hinaus ist das Stück melodisch, melancholisch, düster und verfügt über einen Hauch Brutalität – somit spiegelt es perfekt den gesamten Score wieder.

4. Godzilla (Alexandre Desplat)

Und noch mal Desplat. Seine Musik für Gareth Edwards „Godzilla“ unterscheidet sich allerdings so sehr vom Score für „Grand Budapest Hotel“ wie nur irgend möglich – die einzige Gemeinsamkeit ist im Grunde die überragende Qualität beider Werke, sowie einige grundsätzliche kompositorische Eigenheiten, etwa die komplexen Orchestrierungen. Wo „Grand Budapest Hotel“ leichtfüßig, humorvoll und exzentrisch daherkommt, ist „Godzilla“ mächtig, brutal und geradezu gewalttätig. In der Tat gab es einige, die Desplat, trotz solcher Arbeiten wie „Der goldene Kompass“ oder „Harry Potter und die Heiligtümer des Todes Teil 2“ – beide verfügen über durchaus imposante Action-Musik – einen derartigen Score nicht zutrauten. Derartige Befürchtungen erwiesen sich allerdings als unbegründet.
„Godzilla“ ist vor allem von massiven, sehr basslastigen Blechbläsereinsätzen geprägt, was unter anderem auch darauf zurückzuführen ist, dass Desplat die Anzahl der Belchbläser verdoppelte, sowie von scheinbar chaotischen Dissonanzen, die manchmal an Don Davis‘ Musik für die Matrix-Trilogie erinnern. Vor allem das letzte Drittel des Scores entfesselt Actionmusik von selten gehörter Intensität und Kraft.
Darüber hinaus finden sich auch einige musikalische Verweise auf Godzillas Herkunft, einerseits bedingt durch den Einsatz japanischer Instrumente und andererseits durch Referenzen an die klassische Godzilla-Musik von Akira Ifukube – das liest man zumindest bei einigen Rezensionen des Albums, da ich die alten Godzilla-Filme nicht kenne, kann ich diese Behauptung nicht überprüfen.
Die Leitmotivik, derer sich Desplat bedient, ist recht subtil, aber zweifelsohne vorhanden. Gerade das Thema der titelgebenden Riesenechse, das bereits im ersten Track des Albums vorgestellt wird, ist ziemlich dominant und recht gut hörbar, auch wenn es sich eher um eine rhythmische, sich wiederholende Figur denn eine wirklich Melodie handelt.

3. Drachenzähmen leicht gemacht 2 (John Powell)

Gerade was die Filmmusik angeht, bin ich mit der Academy of Motion Picture Art and Sciences selten einer Meinung. Besonders die Verleihung des Filmmusik-Oscars an „The Social Network“ werde ich wohl nie nachvollziehen können. Natürlich, über Geschmack kann man streiten, aber wie ein rundum gelungenes Meisterwerk wie „Drachenzähmen leicht gemacht“ leer ausgehen konnte, wird mir wohl immer ein Rätsel bleiben. John Powells Opus Magnum besticht durch grandiose Orchesterarbeit, tolle, eingängige Themen, opulente Actionmusik und eine perfekte Repräsentation der Geschichte, Charaktere und Emotionen. Mit dem Score zum Sequel macht Powell im Grunde genau dort weiter, wo er aufgehört hat und bleibt dem von ihm etablierten Sound treu. So gut wie alle Themen des Vorgängers kommen auch in „Drachenzähmen leicht gemacht 2“ wieder vor, allerdings beschränkt sich Powell keinesfalls darauf, nur zu wiederholen, im Gegenteil, die Themen werden konstant weiterentwickelt. Vor allem das Flugthema ist sehr präsent und entwickelt sich nach und nach zu einer neuen Identität für Hicks und seine Beziehungen. Darüber hinaus gibt es auch einige ganz neue Themen, vor allem für die beiden wichtigsten neuen Figuren, Valka und Dargo.
Wenn man Powell etwas vorwerfen könnte, dann höchstend, dass die neuen Themen nicht ganz so stark und einprägsam sind wie die bereits etablierten, aber das ist Meckern auf sehr, sehr hohem Niveau. Ansonsten besitzt „Drachenzähmen leicht gemacht 2“ alles, was schon den Vorgänger grandios gemacht hat: Grandiose Themen, mitreißende Actionmusik und, in Form von Two New Alphas, ein fulminantes Finale, in dem die leitmotivischen Fäden auf höchst befriedigende Weise zusammengeführt werden.

2. Maleficent (James Newton Howard)

Ich habe eine enorme Schwäche für epische, großorchestrale Fantasy-Musik. Erfreulicherweise hat das Soundtrack-Jahr 2014 diesbezüglich einiges zu bieten, nicht zuletzt auch „Maleficent“, James Newton Howards Rückkehr zu großer Form, nachdem er ein paar Jahre lang lediglich einige ziemlich mittelmäßige Scores komponiert hat.
„Maleficent“ ist mal wieder ein schönes Beispiel für einen Film, dessen Musik bei Weitem das gelungenste Element ist. Robert Strombergs Regiedebüt ist in meinen Augen ziemlich misslungen, wird weder dem Disney-Klassiker, noch der Titelfigur gerecht, hat massive Drehbuchschwächen, sehr durchwachsene schauspielerische Leistungen und mitunter ziemlich schlechtes CGI – der Erfolg dieses Films ist mir rätselhaft, und ich werde ihn mir wohl höchstens ein zweites Mal ansehen, um den Score noch einmal im Kontext zu hören.
James Newton Howards Musik dagegen ist wirklich grandios und hätte einen weit besseren Film verdient. Der Score ist opulent, facettenreich, hervorragend komponiert und orchestriert und verbreitet ein wunderbar altmodisches, episches Feeling, auch wenn manche Stücke, etwa The Christening, ein wenig moderner geraten sind. Egal ob verspielt, heroisch, düster, brutal, emotional oder lyrisch, Howards Musik trifft immer voll ins Schwarze. Und auch leitmotivisch wird einiges geboten. Der thematische Kern ist Maleficents Thema, eine enorm wandlungsfähige Melodie, welche die Entwicklung der Hauptfigur stets passend begleitet. Sie beginnt verspielt und jugendlich unschuldig, erhält dann erste majestätisch-heroische Variationen, um anschließend, nach dem Verrat von Maleficents Geliebtem Stefan, düster und abgründig zu werden und schließlich, durch Aurora, wieder zur guten und heroischen Version zurückzukehren. Ein weiteres wichtiges Thema ist das Motiv für Maleficents-Fluch, das sich ebenfalls über den Verlauf des Scores entwickelt, bis hin zur heroischen Fanfare in Maleficent is Captured. Beide Themen werden bereits in Maleficent Suite, der Albeneröffnung, vorgestellt.

1. Der Hobbit: Die Schlacht der fünf Heere (Howard Shore)

Diese Platzierung dürfte wohl kaum jemanden verwundern, insbesondere, da ich schon in zwei anderen Artikeln subtil angedeutet habe, dass „Die Schlacht der fünf Heere“ in meinen Augen der beste Soundtrack des Jahres ist. Trotz einiger Schwächen (die allerdings in erster Linie auf Peter Jackson zurückgehen) ist die Leitmotivik, die Shore hier betreibt, immer noch auf derart hohem Niveau, dass sie alle Konkurrenten ziemlich weit hinter sich lässt. Mit scheinbarerer Leichtigkeit jongliert Shore mit einer Vielzahl von neuen und bereits etablierten Themen und sorgt gekonnt dafür, dass die Leitmotive der Hobbit-Trilogie auf höchst befriedigende Weise kulminieren. Sons of Durin ist hierfür ein wunderbares Beispiel, in diesem famosen Actionstück schöpfen die Zwergenthemen, ohnehin musikalischer Kern der Hobbit-Trilogie, ihr volles Potential aus.
Auch wenn es im Film aufgrund längerer Szenen ohne Musik nicht so erscheint, auf dem Album ist „Die Schlacht der fünf Heere“ ein enorm intensiver Score, ein Highlight jagt das nächste, die Actionmusik ist grandios, die ruhigeren, gefühlvolleren Stellen sind nicht minder gelungen: Alles in Allem ein würdiger musikalischer Abschluss für Mittelerde.

Siehe auch:
Der Hobbit: Die Schlacht der fünf Heere – Soundtrack
X-Men: Days of Future Past – Soundtrack
Marvel-Musik Teil 3: Marvel Cinematic Universe
Musik-Duell: Gravity vs. Verblendung

Grand Budapest Hotel

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Story: Im einstmals großen, inzwischen aber schon ziemlich heruntergekommenen Grand Budapest Hotel erzählt der Besitzer Zéro Moustafa (F. Murray Abraham) einem Schriftsteller (Jude Law) seine Geschichte: Als Junge war Zéro (Tony Revolori) Lobby-Boy unter dem perfektionistischen Concierge Monsieur Gustave H. (Ralph Fiennes), zu dessen engstem Vertrauten er schnell wird. Der Tod der Hotel-Kundin Céline Villeneuve Desgoffe und Taxis (Tilda Swinton), genannt Madame D., die Monsieur Gustave ein unbezahlbares Bild hinterlässt, sorgt allerdings dafür, dass alles drunter und drüber geht: Madame D.s Sohn Dimitri (Adrien Brody) beschuldigt Monsieur Gustave des Mordes an seiner Mutter, um das Bild in seinen Besitz zu bringen. Monsieur Gustave lässt dies allerdings nicht auf sich sitzen und bricht mit Zéros Hilfe aus dem Gefängnis aus, um die Angelegenheit zu klären…

Kritik: „Grand Budapest Hotel“ ist ein höchst eigenwilliger und stilistisch sehr ausgefallener Film. Als solcher ist Wes Andersons neue und äußerst absurde Tragikkomödie sicher nicht etwas für jeden Geschmack. Das beginnt schon bei der Tatsache, dass es neben der eigentlichen Haupthandlung um Monsieur Gustave und Zéro noch drei weitere Rahmenhandlungen gibt und erstreckt sich über die recht eigenwilligen Stilmittel des Films. So ist die Kamera äußerst statisch, während die Kulissen sehr offensichtliche Modelle sind, sodass oftmals der Eindruck erweckt wird, es handle sich um eine Modelleisenbahn oder ein Puppenhaus. Wie dem auch sei, ich fand den Film jedenfalls äußerst gelungen, die eigenwillige Atmosphäre, die er aufbaut, passt perfekt zu der aberwitzigen Handlung und den enorm skurrilen Figuren. Vor allem in diesem Bereich punktet „Grand Budapest Hotel“ enorm: Die Charaktere sind schrill und außergewöhnlich, und selbst relativ unwichtige Nebenfiguren bleiben problemlos im Gedächtnis. Das liegt nicht zuletzt daran, dass der Film extrem prominent besetzt ist. In zum Teil geradezu winzigen Rollen (und oft auch ziemlich gut verkleidet) tauchen unter anderem Owen Wilson, Bill Murray, Harvey Keitel, Tom Wilkinson und Jeff Goldblum auf – um nur einige zu nennen. Letztendlich sind es allerdings die Darsteller der beiden Hauptfiguren, die den Film tragen und dafür sorgen, dass er funktioniert. Ralph Fiennes beweist ein weiteres mal, dass er nicht nur als Psychopath, sondern auch als liebenswerter Exzentriker problemlos zu überzeugen weiß, während Tony Revolori ein vielversprechener Newcomer ist. Noch wichtiger ist allerdings, dass die Chemie zwischen beiden einfach hervorragend ist und viel dazu beiträgt, dass der Humor immer ins Schwarze trifft und die großartigen Dialoge ihre Wirkung nicht verfehlen.
Alles in allem ist „Grand Budapest Hotel“ so sehr mit skurrilen, absurden, schwarzhumorigen und kreativen Einfällen und Szenen vollgestopft, dass ich noch ziemlich lange weiterschreiben könnte, was ich allerdings nicht tun werde, da es viel mehr Spaß macht, alles selbst zu entdecken. Unbedingt erwähnt werden muss allerdings noch die Musik von Alexandre Desplat, ebenso verschroben wie der Film selbst, die sehr präsent ist und stark aus dem sonstigen Remote-Control-Einheitsbrei hervorsticht.
Fazit: Schräger, vollauf gelungener Trip ins fiktive Zubrowka. Bisher der beste Film des Jahres (zugegebenermaßen war ich dieses Jahr allerdings noch kaum im Kino und habe einiges verpasst) und für alle geeignet, die auf grandiose Absurdität stehen.

Trailer

Harry Potter und die Heiligtümer des Todes Teil 2 – Soundtrack

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Tracklisting:

01. Lily’s Theme
02. The Tunnel
03. Underworld
04. Gringotts
05. Dragon Flight
06. Neville
07. A New Headmaster
08. Panic Inside Hogwarts
09. Statues
10. The Grey Lady
11. In the Chamber of Secrets
12. Battlefield
13. The Diadem
14. Broomsticks and Fire
15. Courtyard Apocalypse
16. Snape’s Demise
17. Severus and Lily
18. Harry’s Sacrifice
19. The Resurrection Stone
20. Harry Surrenders
21. Procession
22. Neville the Hero
23. Showdown
24. Voldemort’s End
25. A New Beginning

Wie schon bei Nicholas Hooper ist auch bei Alexandre Desplat der zweite Potter-Score eine Verbesserung gegenüber dem ersten. Trotz eines recht gelungenen Gesamteindrucks hatte „Die Heiligtümer des Todes Teil 1“ vor allem zwei Schwächen: Er war zu dezent und es gab zu wenig Kontinuität. Beide Schwächen werden in der Musik zum Finale der Filmreihe zumindest teilweise behoben.
Stilistisch nähert sich Desplat weiterhin Williams an, die Tendenzen aus Sky Battle werden noch verstärkt, vor allem in Stücken wie In the Chamber of Secrets. In „Die Heiligtümer des Todes Teil 2“ bricht endgültig der Krieg aus und das merkt man auch, die Musik ist über weite Strecken sehr viel weniger melancholisch, dafür aber ziemlich actionorientiert. Dies sorgt gleichzeitig dafür, dass die erste Schwäche ausgebügelt wird.
Was die zweite Schwäche angeht: Hier besser sich die Situation zumindest. Hedwigs Thema, in „Teil 1“ lediglich eine in dezenten Variationen gespielte Randerscheinung, rückt nun stärker in den Vordergrund, sowohl in neuen Variationen, als auch in Direktübernahmen aus den Williams-Soundtracks (diese sind allerdings nicht auf dem Album zu finden). Und da Epilog und Abspann mit den Stücken Leaving Hogwarts und Hedwig’s Theme aus „Der Stein der Weisen“ unterlegt sind, kehren auch Williams‘ Familienthema und das Flugthema zurück. Darüber hinaus benutzt Desplat auch noch das Stück Dumbledore’s Farewell während Snapes Erinnerungen und schafft so noch eine Brücke zu Hooper. Das ist zwar noch nicht optimal, aber schon weitaus mehr Kontinuität als bei Hooper oder Doyle. Ich muss allerdings zugeben, dass ich die Direktübernahmen weniger gelungen finde als die neuen Variationen von Desplat, die sich organischer ins leitmotivische Gefüge einordnen.
Die Kontinuität zu Desplats erster Potter-Musik ist ebenfalls gegeben, interessanterweise tauchen allerdings in erster Linie die sekundären Themen auf. Die beiden Hauptthemen, das Obliviate-Thema und das Voldemort/Todesser-Thema haben jeweils nur einen Auftritt: Ersteres in Harry’s Sacrifice (taucht im Film nicht auf) und Letzteres, reichlich deplatziert, in The Tunnel. In meinen Augen ist das schon irgendwie schade, da Desplat beide Themen schön hätte weiterentwickeln können. Voldemort selbst wird in diesem Film nur noch durch ominöse Dissonanzen und ziemlich unmarkantes, vage militärisch klingendes Underscoring repräsentiert – die wohl größte Schwäche des Scores.
Stattdessen werden vor allem das Band-of-Brothers-Thema und das Horkrux-Thema weiterentwickelt. Das Band-of-Brothers-Thema gilt nun vor allem Neville und ist in Neville, Battlefield und Showdown zu hören. Noch gelungener sind die verschiedenen Einsätze des Horkrux-Themas in Underworld und Broomsticks and Fire. Das Thema der Heiligtümer des Todes absolviert ebenfalls einen Auftritt, der allerdings nicht auf dem Soundtrackalbum zu finden ist.
Zusätzlich zu diesem Material hat Desplat zwei starke neue Themen komponiert: Lilys Thema, eine sehr schöne, tragische Melodie, die für die Verbindung zwischen Lily, Snape und Harry steht (zu hören, unter anderem, in Lily’s Theme, Dragon Flight und Voldemort’s End) und als Hauptthema des Films gelten kann, sowie das sogenannte Castle-Defense-Theme (Statues, Courtyard Apocalypse), ein heroisches, wenn auch verzweifeltes Thema, das leitmotivisch weniger interessant ist als Lilys Thema, aber dafür einen epischen Rahmen für die Schlacht um Hogwarts liefert.
Auch außerhalb des thematischen Materials gibt es sehr viele gelungene Momente, vor allem bezüglich des Action-Materials, zum Beispiel in Battlefield, Neville the Hero und Showdown zu finden.
Fazit: Gelungener musikalischer Abschluss der Filmreihe mit minimalen Schwächen. Nach „Der Gefangene von Askaban“ der beste Potter-Soundtrack.

Siehe auch:
Hedwigs Thema
Harry Potter und der Stein der Weisen – Soundtrack
Harry Potter und die Kammer des Schreckens – Soundtrack
Harry Potter und der Gefangene von Askaban – Soundtrack
Harry Potter und der Feuerkelch – Soundtrack
Harry Potter und der Orden des Phönix – Soundtrack
Harry Potter und der Halbblutprinz – Soundtrack
Harry Potter und die Heiligtümer des Todes Teil 1 – Soundtrack

Harry Potter und die Heiligtümer des Todes Teil 1 – Soundtrack

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Tracklisting:

01. Obliviate
02. Snape to Malfoy Manor
03. Polyjuice Potion
04. Sky Battle
05. At the Burrow
06. Harry and Ginny
07. The Will
08. Death Eaters
09. Dobby
10. Ministry of Magic
11. Detonators
12. The Locket
13. Fireplaces Escape
14. Ron Leaves
15. The Exodus
16. Godric’s Hollow Graveyard
17. Bathilda Bagshot
18. Hermione’s Parents
19. Destroying the Locket
20. Ron’s Speech
21. Lovegood
22. The Deathly Hallows
23. Captured and Tortured
24. Rescuing Hermione
25. Farewell to Dobby
26. The Elder Wand

Bonus-Tracks:
01. Voldemort
02. Grimmauld Place
03. The Dumbledores
04. The Tale of Three Brothers
05. Bellatrix
06. My Love is Always There

Als ich die Musik zu „Harry Potter und die Heiligtümer des Todes Teil 1“ zum ersten Mal hörte, war ich unheimlich enttäuscht. Da Nicholas Hooper sich der Aufgabe, einen weiteren Potter-Soundtrack zu komponieren, nicht mehr gewachsen sah, wurde stattdessen der Franzose Alexandre Desplat verpflichtet, und er tat genau das, was ich befürchtete: Abermals verwarf er, mit Ausnahme von Hedwigs Thema, sämtliche von seinen Vorgängern verwendete Leitmotive und fing wieder ganz von vorn an. Nach der ersten Enttäuschung (und oftmaligem Hören des Soundtracks) muss ich allerdings zugeben, dass er so übel gar nicht ist. Neben dem Mangel an Kontinuität ist das Hauptproblem, dass Desplats Arbeit zu dezent ist, vor allem im Film ist die Musik zu leise abgemischt.
Interessanterweise bewegt sich Desplat stilistisch ziemlich genau zwischen Williams und Hooper. In den ruhigeren Momenten erinnert die Musik wegen der mitunter zurückhaltenden Orchestrierung recht stark an Hooper (Detonators ist ein gutes Beispiel), während es die eine oder andere blächbläserlastige und hektische Actionszene gibt, die einen Williams’schen Touch hat – vor allem Sky Battle und Destroying the Locket sind hier zu nennen. Möglicherweise hängt dies mit Orchestrierer Conrad Pope zusammen, der schon oft mit Williams zusammenarbeitete.
Aus narrativer und leitmotivischer Sicht ist „Harry Potter und die Heiligtümer des Todes Teil 1“ sehr viel interessanter als Hoopers und Doyles Arbeiten, dafür besitzt er allerdings weitaus weniger einprägsame Melodien. Hedwigs Thema tritt eher als Randerscheinung bzw. Nostalgiethema auf. Dominiert wird der Film, ähnlich wie „Der Feuerkelch“, von einem positiven und einem negativen Thema. Ein neues Thema für Voldemort und die Todesser ist in Snape to Malfoy Manor in aller Pracht zu hören und kommt auch, unter anderem, in Sky Battle und Death Eaters vor. Mir persönlich gefällt dieses Thema für den Dunklen Lord besser als Patrick Doyles, allerdings bleibt es hinter Williams‘ Ideen für Voldemort zurück. Das Thema ist recht schleichend, gerade in diesem Film wäre allerdings etwas mit mehr Bombast wünschenswert gewesen, immerhin ist Voldemort auf der Höhe seiner Macht.
Das positive Thema gilt dieses Mal nicht nur Harry allein, sondern dem ganzen Trio, und wird nach dem Track, in dem es debütiert, als Obliviate-Thema bezeichnet. Es steht nicht nur für das Trio an sich, sondern auch für das nötige Erwachsenwerden, und ist deshalb auch keine heroische, sondern eine eher zurückhaltende und sehnsüchtige Melodie. Aufgrund der Tatsache, dass es ein recht simples Motiv ist, ist es ziemlich oft zu hören und wird des Öfteren in Stücke eingewoben (Dobby, Ron Leaves, Hermione‘s Parents).
Daneben gibt es noch einige wirklich gelungene sekundäre Themen, die für eine gelungene Leitmotivstruktur sorgen, das (von Desplat selbst so genannte) Band-of-Brothers-Thema etwa, das für Harrys Verbündete und den Orden des Phönix steht (Polyjuice Potion, At the Burrow), das Horkrux-Thema (The Locket) oder das Thema der Heiligtümer des Todes (The Deathly Hallows). Darüber hinaus gibt es noch einige szenenspezifische Themen ohne leitmotivische Funktion (möglicherweise auch, weil das, was sie beschreiben, nur in einer Szene vorkommt), etwa in Ministy of Magic, Dobby und Farewell to Dobby (Letzteres wird auch in „Harry Potter und die Heiligtümer des Todes Teil 2“ verwendet).
Erstmalig gibt es zu diesem Soundtrack eine Special Edition mit sechs Bonusstücken, die Anschaffung lohnt sich allerdings nicht wirklich. Bei Voldemort handelt es sich um extrem dezentes Underscoring, aus dem am Ende das Voldemort/Todesser-Thema erwächst (gehört zur Todesserbesprechung zu Beginn des Films). Grimmauld Place (untermalt die Ankunft des Trios an selbigem) hat eine weitere, recht harsche Variation des Obliviate-Themas zu bieten (zusätzlich zu weiterem uninteressantem Underscoring). The Dumbledores gehört zur Tantchen-Muriel-Szene und enthält Andeutungen auf das Heiligtümer-Thema und eine weitere Obliviate-Variation, The Tale of the Three Brothers untermalt das animierte Märchen und ist ziemlich langweilig, während Bellatrix mehr Actionmusik im Stil von Rescuing Hermione enthält. My Love Is Always There schließlich ist das Kirchenlied, das Harry und Hermine in Godric’s Hollow hören.
Fazit: Alexandre Desplats Musik für „Harry Potter und die Heiligtümer des Todes Teil 1“ ist bezüglich der leitmotivischen Kontinuität eine herbe Enttäuschung, für sich betrachtet allerdings ein durchaus interessantes Werk, dessen narrative Struktur weitaus ansprechender ist als bei den drei Vorgängern.

Siehe auch:
Hedwigs Thema
Harry Potter und der Stein der Weisen – Soundtrack
Harry Potter und die Kammer des Schreckens – Soundtrack
Harry Potter und der Gefangene von Askaban – Soundtrack
Harry Potter und der Feuerkelch – Soundtrack
Harry Potter und der Orden des Phönix – Soundtrack
Harry Potter und der Halbblutprinz – Soundtrack
Harry Potter und die Heiligtümer des Todes Teil 2 – Soundtrack