JLA: New World Order

jlanewworldorder
Eigentlich sollte ich dieses Jahr wegen einem Film äußerst gehypt sein. Hätte man mir vor 2013 gesagt, dass in absehbarer Zeit ein Justice-League-Film kommen würde, wäre ich sicher äußerst begeistert gewesen, denn die Justice League ist mein Lieblingssuperheldenteam, noch vor den X-Men, den Teen Titans oder den Avengers. Die ersten Comics, die ich im zarten Alter von sieben oder acht Jahren las, waren (neben Batman-Solo-Geschichten, versteht sich) Justice-League-Comics. Unglücklicherweise kamen seither mit „Man of Steel“, „Batman v Superman: Dawn of Justice“ und „Suicide Squad“ drei Filme, die nicht nur mich ernsthaft daran zweifeln ließen, dass Warner Bros. die Comics, die sie da adaptieren, auch wirklich verstehen. Immerhin „Wonder Woman“ scheint nach dem, was man so hört, Anlass zur Hoffnung zu geben. Auch wenn ich dem Justice-League-Film, der im November startet, mit negativen Gefühlen entgegenblicke, möchte ich ihn doch zum Anlass nehmen, ein wenig über mein Lieblingssuperheldenteam, bzw. die Inkarnation besagten Teams, die mich dazu gebracht hat, mich in es zu verlieben, zu schreiben.

Die Justice League – ein kurzer Abriss

bravebold28

The Brave and the Bold #28 (Bildquelle)

Nachdem das Medium Comic im Allgemeinen und das Superheldengenre im Speziellen in den frühen 1950ern eine schwere Zeit durchmachte, bekam es Ende der Dekade langsam wieder Aufwind. DC Comics gelang es, Figuren aus den 40ern, etwa Flash und Green Lantern, mit neuen Identitäten wiederzuerwecken. Schon bald wurde eine weitere Idee aus den 40ern reaktiviert: Das Superheldenteam. Während des Zweiten Weltkriegs hatten sich DCs Helden zur „Justice Society of America“ zusammengefunden. Im Jahr 1960, in Ausgabe 28 der Anthologieserie The Brave and the Bold debütierte die „Justice League of America“. In ihrer Grundformation bestand die Justice League, kurz JLA, aus den sieben größten Superhelden des Verlags: Superman (Clark Kent), Batman (Bruce Wayne), Wonder Woman (Diana Prince), Flash (Barry Allen), Green Lantern (Hal Jordan), Aquaman (Arthur Curry) und Martian Manhunter (J’onn J’onzz). Die Liga erwies sich als äußerst erfolgreich und bekam schon bald ihre eigene Serie. Im Verlauf kamen neue Mitglieder wie Green Arrow, Zatanna, Atom oder Black Canary hinzu und nach und nach veränderte sich das Team immer weiter, Helden kamen und gingen, Hauptquartiere wechselten und die Liga teilte sich in mehrere Teams auf, etwa in die „Justice League Europe“ oder die „Justice League International“. Besonderes Letztere wandte sich in den 80ern unter den Autoren Keith Giffen und J. M. DeMatteis von der Idee des Teams aus den größten Superhelden der Welt, die diese vor übermäßigen Bedrohungen retten, ab und konzentrierte sich stärker auf absurden Humor.

seven

Die sieben ursprünglichen Mitglieder der JLA, in Szene gesetzt von Alex Ross: Green Lantern, Flash, Superman, Batman, Wonder Woman, Aquaman, Martian Manhunter (Bildquelle)

Die frühen 90er waren geprägt vom Erbe von „Watchmen“ und „The Dark Knight Returns“: Völlig amoralische Antihelden, die sich kaum noch von den Schurken unterschieden, waren gerade modern. Einigen Autoren bei DC sagte dieser Trend überhaupt nicht zu. Bereits mit „Kingdom Come“ bemühte sich Mark Waid, in Zusammenarbeit mit Alex Ross, um eine Rekonstruktion des Superheldengenres. Zusammen mit Fabian Nicieza, seines Zeichens Mitschöpfer von Deadpool, verfasste er 1996 für DC eine Miniserie namens „A Midsummer’s Nightmare“, die diesen Trend fortsetzte und gleichzeitig die diversen schwächelnden Justice-League-Serien beendete, indem sie stattdessen eine neue Justice League versammelte. Auf die dreiteilige Miniserie folgte 1997 eine neue, fortlaufende Justice-League-Serie, geschrieben von Grant Morrison, die auf „A Midsummer’s Nightmare“ aufbaut – diese Serie ist das eigentliche Sujet dieser Artikelreihe. Hier werde ich die diversen Storybögen der JLA-Serie besprechen, wobei ich mich an den amerikanischen Paperbacks orientiere.

Die Ligisten
Bei der Konzeption der neuen Liga orientierten sich Waid und Morrison an den klassischen sieben Helden der ersten Inkarnation. Natürlich mussten dabei die jeweils aktuell laufenden Storys der einzelnen Helden, die alle eine (bzw. im Fall von Batman und Superman diverse) laufende Serien hatten, miteinbezogen werden. In den späten 80ern und den 90ern war DC von einer Tendenz des Wandels geprägt. Manche Änderungen waren nur temporär, hatten aber dennoch weitreichende Auswirkungen. Superman wurde von Doomsday getötet, während Bane Batmans Rückgrat brach und er durch den psychisch instabilen Jean-Paul Valley ersetzt wurde. Selbst Wonder Woman wurde zeitweise durch die rabiatere rothaarige Amazone Artemis vertreten. Diese Änderungen wurden wieder rückgängig gemacht, hinterließen aber ihre Spuren und prägte die Figuren für die 90er. Anders verhielt es sich mit Flash und Green Lantern. Barry Allen starb bereits während des Großevents „Crisis on Infinite Earths“ und wurde durch seinen Sidekick Wally West ersetzt. 1994 entschloss man sich, etwas Ähnliches mit Green Lantern anzustellen. Im Rahmen des dreiteiligen Storybogens „Emerald Twilight“ drehte Hal Jordan wegen der Zerstörung seiner Heimatstadt durch, massakrierte das Green-Lantern-Corps und wurde zum Schurken Parallax. Der letzte verbliebene Ring ging an den Zeichner Kyle Rayner, der von nun an als einzige Green Lantern versuchte, einem großen Erbe gerecht zu werden. Aquaman war zwar immer noch Arthur Curry, hatte aber seinerseits einige Veränderungen durchgemacht, trug nun Bart, eine Harpunenhand und war allgemein nicht mehr sehr umgänglich. Lediglich beim Martian Manhunter gab es in dieser Ära meines Wissens nach keine größeren Umwälzungen.

Konzept und Zeichnungen
Wie bereits erwähnt ging es Grant Morrison darum, die JLA zu ihren Wurzeln zurückzuführen und dem DC-Universum eine wirklich heldenhafte erste Garde zu geben. Das bedeutet, dass Morrison seine Liga nur gegen wirklich große Gegner kämpfen lassen wollte; die Justice League kommt bei ihm meistens dann zum Einsatz, wenn die Erde oder sogar das Gefüge der Realität selbst bedroht ist. Strukturell bediente sich Morrison dabei oft kürzerer Handlungsbögen. Schon in den 90ern dachte man bei der Konzeption der Storybögen zumeist an die später erscheinende Paperback-Version und legte die Handlung so aus, dass sie im Rahmen von vier bis sechs Heften erzählt wurde. Morrison ließ sich davon jedoch nicht beeinträchtigen, viele seiner Geschichten erstrecken sich nur über zwei bis drei Hefte. Das sorgt dafür, dass nur selten Leerlauf entsteht; die JLA sollte sich vor allem von der früheren Inkarnation aus den 80ern distanzieren, weshalb Morrison einen Seifenopern-artigen Aufbau vermied und die Geschichten sehr plotorientiert und prägnant hielt. Das bedeutet nicht, dass es nicht Humor oder Charakterentwicklung gäbe – wobei gerade Letztere bei einer Serie wie dieser immer so eine Sache ist. Morrison musste freilich die Entwicklungen der diversen Soloserien berücksichtigen, tat dies aber eher nebenbei und ohne große Erläuterungen. Liest man die JLA-Comics heute ohne Kenntnis des DC-Universums der späten 90er, kann es durchaus zu einiger Verwirrung kommen. Davon ließ Morrison sich jedoch nicht beirren, integrierte, was sein musste und erzählte sonst die Geschichten, die er erzählen wollte. In vielerlei Hinsicht ist „JLA“ die Essenz der positiven Trends des DC-Universums der späten 90er, denn oftmals gelang Morrison die Charakterisierung dieser übergroßen Helden weitaus besser als den Autoren der diversen Soloserien. Selbstverständlich gibt es auch einen übergeordneten Handlungsbogen, der die einzelnen Storybögen mit einander verbindet – allerdings nicht immer ausgewogen. Die ersten Andeutungen finden sich bereits in „A Midsummer’s Nightmare“.

bizarrelantern

Beispiel für eine etwas bizarre Pose von Howard Porter (Bildquelle)

Als Hauptzeichner der Serie fungierte Howard Porter, der insgesamt einen sehr guten Job machte, zumindest in meinen Augen. Das könnte natürlich auch damit zusammenhängen, dass Porters Zeichnungen mitunter die ersten waren, die mir im Comicbereich jemals unter die Augen kamen – so etwas prägt. Wie dem auch sei, Porters Stil ist nicht ganz leicht zu beschreiben. Ein gewisser Einfluss des Image-Stils, der durch Zeichner wie Rob Liefeld, Todd McFarlane, Jim Lee oder Mike Deodato Anfang der 90er populär wurde, lässt sich nicht leugnen, gerade, wenn man sich die doch etwas übertriebene Anatomie weiblicher Figuren ansieht. Diesbezüglich gibt es im Verlauf der Serie allerdings durchaus eine Entwicklung zum Positiven. Insgesamt ist Porters Strich dennoch ziemlich distinktiv, gerade auch, weil er oft einige interessante (manchmal fast schon bizarre) Perspektiven und Körperhaltungen verwendet. Insgesamt gelingt es Porter jedenfalls ziemlich gut, die epischen Geschichten Morrisons angemessen in Szene zu setzen. Hin und wieder kamen auch andere Zeichner zum Einsatz, über deren Leistung werde ich dann in der entsprechenden Rezension schreiben.

Deutsche Veröffentlichung
In Deutschland wurde die JLA-Serie vom Dino-Verlag herausgegeben. Ich möchte das noch einmal besonders hervorheben, denn der 1993 gegründete Verlag, der ursprünglich vor allem Comics und Magazine zu Zeichentrickserien herausbrachte, ist letztendlich dafür verantwortlich, dass ich Comics lese und sammle. Über „Batman Adventures“, die Begleitserie zu „Batman: The Animated Series“, kam Dino schließlich zum Superheldencomic und begann bald, weitere DC-Helden, darunter den regulären Batman, Superman und natürlich die JLA, zu übersetzen und zu verlegen. Nach und nach erweiterte der Verlag sein Programm und erwarb unter anderem die Star-Wars-Lizenz, es folgten aber auch einige massive Probleme, die Dino zwangen, im Jahr 2000 die DC-Lizenz wieder abzugeben. 2003 wurde Dino schließlich von Panini aufgekauft, existierte aber als Label noch drei Jahre weiter.

„JLA“ erschien als Heftserie mit diversen Zweitserien, darunter die Miniserie „Superboy/Robin: World’s Finest Three“ von Karl Kesel, Chuck Dixon und Tom Grummett sowie „Teen Titans“ von Dan Jurgens und die Nachfolgeserie „The Titans“ von Devin Grayson. Die Serie brachte es auf 39 Hefte. Zusätzlich gab es die Reihen „JLA Special“ (Heft mit 100 Seiten und vier US-Ausgaben) sowie „JLA Sonderband“ (Paperback), die sich Großereignissen, Miniserien oder wichtiger Soloauftritte einzelner Figuren widmeten. Diese werde ich nicht alle besprechen, aber unter der Rubrik „Weiterführende Lektüre“ mehr oder weniger detailliert auf sie eingehen, wenn es mir angemessen erscheint.

New World Order
Und nun, endlich, zum eigentlichen ersten Storybogen von Grant Morrisons Justice-League-Serie, der die ersten vier US-Ausgaben füllt. Die eigentliche Formation des Teams fand zwar, wie bereits erwähnt, in „A Midsummer’s Nightmare“ statt, aber dennoch findet das Team auf gewisse Weise noch einmal zusammen, wohl vor allem, um Neuleser nicht abzuschrecken. Wie üblich im Superheldengenre ist eine Alieninvasion der Auslöser. Dieses Mal erscheinen die Aliens allerdings zuerst wohlgesonnen: Protex und sein Hyperclan behaupten von sich, sie wollten die Welt retten und sie in ein Paradies verwandeln. Unter anderem transformieren sie die Wüste Sahara in einen blühenden Garten, gehen aber auch mit äußerster Gnadenlosigkeit gegen Superschurken und andere Kriminelle vor, die ohne Prozess von ihnen hingerichtet werden. Das weckt freilich die Skepsis vieler irdischer Helden. Schon bald kommt es zu Auseinandersetzungen zwischen den außerirdischen Neuankömmlingen und den Mitgliedern der Justice League. Und die JLA droht zu verlieren, denn fast alle von ihnen werden überwältigt und gefangen. Bis auf Batman…

hyperclan

Der Hyperclan (Bildquelle)

Thematisch knüpft Morrison mit diesem ersten Storybogen an Mark Waids „Kingdom Come“ an. Abermals sehen wir, verkörpert durch den Hyperclan, den Archetypus des amoralischen 90er-Jahre-Antihelden, dem der klassische, nicht tötende Superheld entgegengesetzt wird. Schon ein wenig ironisch, wenn man bedenkt, dass hier vor allem Batman und Superman die Paradebeispiele abgeben, wo doch ihre aktuellen Leinwandinkarnationen eher an die Antihelden der 90er erinnern. Morrison ist hierbei jedoch ein wenig plakativer als Waid, besonders, da sich der Hyperclan letztendlich doch als Invasionsarmee entpuppt. Es handelt sich um eine Invasion der Weißen Marsianer, Verwandte der grünen Marsianer, zu denen J’onn J’onzz gehört. Statt eines friedlichen Zusammenlebens ziehen die Weißen Marsianer allerdings eher Eroberung und Völkermord vor.

Ein weiteres Thema, dass Morrison zumindest anschneidet, ist die Überlegung, weshalb Superhelden mit ihren enormen Kräften nicht einfach jegliche Probleme der Menschheit regeln – auch diesbezüglich geht „Kingdom Come“ mehr in die Tiefe, denn die Weißen Marsianer sind einfach keine passenden Vertreter einer zu diskutierenden Philosophie, da sie letztendlich eindeutig böse sind und die Menschheit ausrotten wollen. Diese Frage stellt natürlich ein grundsätzliches Problem des Superheldengenres dar, da eine Machtübernahme oder auch nur eine globale Problemlösung einer gewissen Logik nicht entbehrt, man aber gleichzeitig versucht, so nah an der Lebensrealität des Lesers zu bleiben, von der fortlaufenden Natur der Superheldencomics gar nicht erst zu sprechen. Insofern muss der Lösungsansatz, den Morrison hier präsentiert, wohl erst einmal ausreichen.

Inhaltlich und optisch gibt es darüber hinaus einige Parallelen zu „Independence Day“, der ein Jahr vor dem Start von „JLA“ ins Kino kam. Das Design der Weißen Marsianer erinnert ein wenig an das der Independence-Day-Aliens (ein wenig H. R. Giger findet sich ebenfalls) und das eine oder andere Panel hat durchaus optisch Parallelen zu den Bildkompositionen Roland Emmerichs.

Insgesamt hat dieser erste Storybogen, gerade im Vergleich zu späteren, noch die eine oder andere kleiner Startschwierigkeit, vor allem die Schurken sind als Individuen nicht wirklich interessant.  Die große Stärke liegt jedoch bei der Charakterisierung: Morrison gelingt es, seine Helden ohne viel Aufwand punktgenau und treffend darzustellen. Sei es Supermans Heroismus, gepaart mit subtilen Selbstzweifeln, Green Lanterns und Flashs jugendliches Gekabbel, Aquamans Eigenbrötlertum, Wonder Womans No-Nonsense-Attitüde oder Batmans überragende Fähigkeiten als Taktiker. Tatsächlich lässt sich die Idee, Batman könne es mit vielen Helden mit Superkräften problemlos aufnehmen, zumindest teilweise auf Morrisons JLA-Run zurückführen. Schon allein in diesem ersten Storybogen macht er vier Weiße Marsianer im Alleingang platt. In diesem Zusammenhang etabliert Morrison auch den gelungenen, trockenen Humor, der seine JLA-Comics auszeichnet.

Weiterführende Lektüre
Vor allem zwei Geschichten sind exzellente Begleitlektüre zu „New World Order“. Da hätten wir natürlich die bereits mehrfach erwähnte Miniserie „A Midsummer’s Nightmare“, verfasst von Mark Waid und Fabian Nicieza und gezeichnet von Jeff Johnson und Darick Robertson. Zu Beginn dieses Werks sind alle sieben Gründungsmitglieder der neuen JLA normale Menschen, die sich ihrer Zweitidentität nicht bewusst sind, während alle möglichen anderen Menschen Superkräfte entwickeln. Doch schon bald merken die sieben, dass etwas nicht stimmt, sie haben merkwürdige Träume, die Superkräfte kehren zurück und schließlich müssen sie erkennen, dass sie einer realitätsverändernden Intrige des Superschurken Dr. Destiny zum Opfer gefallen sind. Um Destiny zu besiegen müssen die sieben als neue Justice League zusammenfinden. „A Midsummer’s Nightmare“ ist auf Deutsch als „JLA Sonderband 1“ bei Dino erschienen.

Die zweite essentielle Ergänzung ist „JLA: Secret Origin“, ein One Shot, der in meinen Augen unbedingt in das New-World-Order-Paperback gehört hätte. Ich bin nicht ganz sicher, ob diese Geschichte zwischen „A Midsummer’s Nightmare“ und „New World Order“ oder während „New World Order“ (genauer, nach der Invasion der Weißen Marsianer, aber vor dem Bau des JLA-Wachturms auf dem Mond) spielt. Verfasst wurde sie jedenfalls von Grant Morrison und Mark Millar und gezeichnet von Howard Porter. Dieser One Shot ist quasi die Nullnummer der JLA-Serie, es handelt sich dabei um einen Rückgriff auf The Brave and the Bold #38, in dem die Justice League zum ersten Mal auftrat, um gegen Starro, den Eroberer, ein riesiges Alien in Gestalt eines einäugigen violetten Seesterns, zu kämpfen. Eine Neuinkarnation von Starro ist auch in „JLA: Secret Origin“ der Gegenspieler. Unter Morrison wird aus dem Eroberer eine Spezies von Parasiten, die sich als grüne, einäugige Seesterne auf dem Gesicht ihres Opfers niederlassen. Besonders gefährlich sind diese Parasiten für Metawesen, da sie mit deren Hilfe die Erde in Windeseile erobern könnten. Um die JLA vor einem fatalen Fehler zu bewahren, taucht der Spectre, einer der mächtigsten mystischen Helden des DC-Universums, auf und nimmt der Justice League mit deren Einverständnis die Superkräfte, sodass sie Starro gefahrlos entgegentreten können. „JLA: Secret Origin“ ist auf Deutsch in Dinos „JLA Sonderband 4: Aus den geheimen Archiven I“ erschienen.

Und schließlich wäre da noch eine Maxiserie, die sich ebenfalls gut zur weiteren Lektüre eignet. Durch Reboots und Retcons der späten 80er und frühen 90er wurde die Zusammenstellung der ursprünglichen Erstformation der Justice League geändert: Man nahm Batman, Superman und Wonder Woman aus dem Team und ersetzt sie durch Black Canary. Die Geschichte dieser neuen ersten Justice League wurde in der zwölfteiligen, von Mark Waid und Brian Augustyn geschriebenen und von Barry Kitson gezeichneten Maxiserie „JLA: Year One“ erzählt. Diese Serie ist ebenfalls sehr empfehlenswert, der Fokus liegt auf der Charakterdynamik und der Interaktion der Ligisten. Auf Deutsch erschien „JLA: Year One“ als sechste und siebte Ausgabe der JLA-Sonderbandreihe.

Fazit
„New World Order“ ist ein gelungener, wenn auch nicht vollkommen optimaler Einstieg in Gran Morrisons JLA-Serie. Schon 1997 war die Alieninvasion als Anlass zur Formierung eines Superheldenteams keine neue Idee, und zwanzig Jahre später ist es schon ein ziemliches Klischee. Die Konzeption der Serie und die Charakterisierung der Helden ist jedoch tadellos gelungen und weiß auch heute noch zu überzeugen.

Titelbildquelle

Advertisements

Kingdom Come

Klassiker-Review
kingdomcome
Jedes noch so geniale Konzept kann schief gehen, wenn es zum Selbstzweck verkommt. „Watchmen“ und „The Dark Knight Returns“ werden zu Recht als Meisterwerke angesehen. Beide Graphic Novels hinterfragen und dekonstruieren das Superheldengenre, sie zeigen uns düstere Welten voller kaputter, labiler Menschen, die alles andere als strahlende Helden sind. Dieses Konzept wurde im Superheldengenre schon bald modern. Leider erwiesen sich viele der Autoren, die sich seiner bedienten, als weit weniger talentiert als Alan Moore und Frank Miller (bevor er das Gespür für gute Geschichten verlor, versteht sich) und so wurde das, was bei „The Dark Knight Returns“ und „Watchmen“ im Dienste der Geschichte und der Werkaussage stand, schon bald zum hohlen Gimmick. Auf den Seiten der Superheldencomics tummelten in den späten 80ern und frühen 90ern grimmige, amoralische und gewalttätige Helden, die von ihren Schurken kaum mehr zu unterscheiden und, noch viel schlimmer, einfach uninteressant waren – man stelle sich den Comedian ohne jegliche Tiefgründigkeit vor. Mit „Kingdom Come“ schufen Mark Waid und Alex Ross ein Traktat gegen diesen Trend, das nebenbei auch noch ein verdammt guter Superheldencomic ist.

Ähnlich wie „The Dark Knight Returns“ zeigt auch „Kingdom Come“ eine mögliche Zukunft des DC-Universums: Die Recken der Justice League sind mehr oder weniger in Rente. Superman wurde seit zehn Jahren nicht mehr gesehen, Green Lantern (hier Alan Scott, der erste Held, der diesen Namen trug), sitzt in seiner grünen Festung im Orbit, Flash (Wally West) ist zu einer lebenden Verkörperung der Speed Force geworden und verhindert in seiner Heimatstadt Verbrechen, während sie geschehen und Batmans Geheimidentität wurde offen gelegt – inzwischen überwacht er Gotham von der Bathöhle aus mit einer Armee von Robotern. Statt ihrer haben neue „Helden“ das Ruder übernommen, die ganz dem Zeitgeist der 90er entsprechen: Magog, Von Bach, Stripes oder Americommando scheren sich nicht groß um Moral oder die Rettung Unschuldiger, für sie ist der Kampf zum reinen Selbstzweck geworden. Erst, als das völlig rücksichtslose Verhalten einiger dieser Helden zur Folge hat, dass Kansas atomar verstrahlt wird, beginnt sich die Lage zu ändern: Superman kehrt zurück und gründet mit seinen alten Freunden erneut die Justice League, um den unmoralischen Junghelden Einhalt zu gebieten, und das auf sehr autoritäre Weise. Das hat natürlich Folgen: Lex Luthor hält nach wie vor nicht allzu viel von Superman und Verbündet sich mit diversen Schurken, und auch Batman ist der Meinung, dass Superman die Dinge falsch anpackt und sammelt, zusammen mit Oliver Queen (Green Arrow) und Dinah Lance (Black Canary) sein eigenes Team, das vor allem aus den Kindern der diversen Justice-League-Mitgliedern besteht. Während Superman und die Liga die gefangenen Metawesen in einem gewaltigen Gulag unterbringen, droht ein Krieg zwischen Luthors Mankind Liberation Front, den Outsiders und der Justice League, der die Erde verwüsten könnte…
justice league

Obwohl Mark Waid, der in der zweiten Hälfte der 90er zusammen mit Grant Morrison die DC-Figuren vom Archetypen des grimmigen Antihelden entfernte, als Autor aufgeführt wird, ist eigentlich Alex Ross die treibende Kraft hinter diesem Comic. Alex Ross ist weniger Zeichner als viel mehr Maler beeindruckender Superheldengemälde, und er ist auch bekennender Fan klassischer Superheldengeschichten. In den frühen 90ern schuf er zusammen mit Kurt Busiek die vierteilige Miniserie „Marvels“, die das klassische Marveluniversum aus der Sicht des einfachen Reporters Phil Sheldon zeigt, von den Anfängen in den 40ern bis in die Gegenwart (bzw. die 70er, also die Zeit, in der Ross selbst ein Kind war). „Marvels“ ist eine sehr schöne, aber auch sehr nostalgische Geschichte, die die vergangenen Zeitalter des amerikanischen Comics glorifiziert. In mancher Hinsicht ist „Kingdom Come“ das DC-Gegenstück (und das nicht nur, weil Ross es illustrierte und auch die ursprüngliche Idee hatte): Auch hier sehen wir ein Superheldenuniversum aus dem Blickwinkel eines ganz gewöhnlichen Menschen, des Priesters Norman McCay. Im Gegensatz zu Phil Sheldon ist Norman McCay allerdings nicht nur ein im Grunde unbeteiligter Beobachter, sondern er wird vom Spectre, dem personifizierten Zorn Gottes, ausgewählt, um ihm dabei zu helfen, ein Urteil über die Geschehnisse zu fällen, und kann so auch ein, zwei Mal eingreifen. Auch im Ton unterscheiden sich beide Werke: „Marvels“ ist letztendlich fast ausschließlich nostalgisch und, in Ermangelung eines besseren Wortes, „rückwärtsgerichtet“, während „Kingdom Come“ eine mögliche Zukunft des DC-Universums schildert und viel mehr versucht, mehrere Strömungen der Comicwelt miteinander zu verknüpfen.

Dennoch, vor allem zu Beginn scheint die Botschaft klar zu sein: Magog und die anderen Junghelden erinnern nicht von ungefähr an Antihelden der 90er wie Cable, Youngblood, Spawn etc., und sehr schnell werden sie dann auch von den klassischen Superhelden in ihre Schranken verwiesen. Aber „Kingdom Come“ ist nicht nur eine Geschichte, die das Silberne Zeitalter der Comics glorifiziert, denn schon bald zeigt sich, dass es eben nicht wieder möglich ist, zum alten Status Quo zurückzukehren, Superman und die Justice League können nicht einfach dort weitermachen, wo sie zehn Jahre zuvor aufgehört haben, sowohl sie selbst als auch die Welt haben sich verändert. Kann man der Anarchie der neuen Generation mit absoluter, moralischer Autorität, die nicht mehr weit von einer faschistischen Einstellung entfern ist, begegnen?

Dieser Konflikt, der sich durch das Werk zieht, wird letztendlich durch die drei zentralen Figuren des DC-Universums ausgetragen, und diese sind es auch, die „Kingdom Come“ im Hinblick auf „Batman V Superman: Dawn of Justice“ so interessant machen. In ihrem Kern dreht sich die Geschichte um Superman, Wonder Woman und Batman, die alle an interessanten Stellen in ihrem Leben sind. Nachdem Lois Lane vom Joker ermordet, und dieser wiederum von Magog getötet wurde, was bei der Öffentlichkeit großen Anklang fand, zieht sich Superman zurück und überlasst die Welt sich selbst, nur um zehn Jahre später, nach der Zerstörung von Kansas, zu versuchen, diesen Fehler wieder gut zu machen. Doch die Welt ist eine andere geworden. Wie geht man um mit jungen Metawesen, die keine Autorität anerkennen? Superman beginnt, Kontrolle auszuüben und die Metawesen einzusperren. Wonder Woman dagegen, nach wie vor eine unsterbliche Amazone, aber von ihrem Volk verbannt, da sie mit ihrer Friedensmission scheiterte, tendiert nun eher zu einer kriegerischen Natur und ist für ein noch härteres Durchgreifen: Sie befürwortet die Exekution abtrünniger Metawesen. Batman schließlich, gealtert, vom Kampf gezeichnet und auf ein Exoskelett angewiesen, geht Supermans autoritärer Kurs gegen den Strich (was ein wenig ironisch ist, bedenkt man, dass er Gotham mit Hilfe seiner Roboter quasi in einen Polizeistaat verwandelt hat). Lex Luthors MLF traut er aber genauso wenig und versucht letztendlich mit seinen Outsiders, die Katastrophe zu verhindern; er möchte, dass die Menschheit selbst über ihr Schicksal entscheiden kann.

„Kingdom Come“ wird öfter eine reaktionäre, rückwärtsgewandte Botschaft vorgeworfen, was ich allerdings nicht so ganz nachvollziehen kann, in meinen Augen versuchen Waid und Ross eher vor moralischer Arroganz zu warnen und eine Politik der Offenheit, Mäßigung und Aussöhnung vorteilhaft darzustellen: Am Ende lassen die Helden die Masken fallen. Wobei ich zugeben muss, dass der Epilog, der erst später angehängt wurde, zwar amüsant, aber für meinen Geschmack ein wenig zu positiv ist. Dafür finde ich allerdings die Charakterisierung Magogs sehr gelungen – Magog ist der primäre Repräsentant des neuen „Heldentypus“ der 90er, doch es erfolgt keine epische Schlacht zwischen ihm und Superman, in der der Mann aus Stahl beweist, dass er der bessere, weil altmodischere Held ist. Stattdessen bricht Magog zusammen und zeigt Reue für seine Taten – eine weitaus interessantere Wendung. Insgesamt bemüht sich „Kingdom Come“ so auch, die verschiedenen Strömungen im Superheldengenre wieder zusammenzubringen und zu versöhnen. Nach der gelungenen Dekonstruktion durch „Watchmen“ und „The Dark Knight Returns“ könnte man „Kingdom Come“ als Rekonstruktion verstehen, die die klassischen Elemente mit der modernen Strömung verbindet, ohne dass die Nostalgie zum selben Selbstzweck wird, wie es bei der grimmigen Kompromisslosigkeit der Antihelden der 90er der Fall war.

Was „Kingdom Come“ neben der gelungenen Darstellung des Konflikts und der Protagonisten ebenfalls so grandios macht, ist die Liebe zum Detail, mit der Waid und Ross zu Werk gegangen sind. In mancher Hinsicht ist diese Graphic Novel nicht besonders subtil, gerade, was die religiöse Metaphorik angeht, wird doch manchmal etwas dick aufgetragen – Norman McCay hat apokalyptische Visionen, die Superhelden wirken mehr denn wie olympische Götter, die einander bekriegen, ja selbst der Titel weißt darauf hin. Gleichzeitig stecken in den Seiten des Comics aber derart viele subtile Anspielungen und Hinweise, dass es eine wahre Freude ist. Zum Verständnis des Werkes ist kein umfassendes Wissen notwendig, es reicht aus, wenn man sich ein wenig im DC-Universum auskennt, aber für den Kenner und Fan gibt es so viele obskure kleine Details über das weitere Schicksal diverser Heroen, die vor allem in Alex Ross‘ üppigen Bildernversteckt sind. Diese sind natürlich ein weiterer Grund, weshalb „Kingdom Come“ funktioniert: Jedes einzelne Panel ist ein beeindruckendes Gemälde, die Bildsprache mag nicht besonders subtil sein, ist aber unglaublich wirksam, gleichzeitig realistisch und überlebensgroß.
outsiders

„Kingdom Come“ gehört zu jenen Comics, die sich als äußerst einflussreich erwiesen. Obwohl es sich nur um eine mögliche Zukunft des DC-Universums handelt, tauchten in den folgenden Jahren immer wieder Versatzstücke des Werkes in der Mainstream-Kontinuität auf. Mark Waid verfasste bald darauf sogar eine mehr oder weniger offizielle Fortsetzung namens „The Kingdom“, von der Alex Ross allerdings nicht allzu begeistert war und die auch bei mir einen eher zwiespältigen Eindruck hinterlassen hat. Eigentlich handelt es sich bei „The Kingdom“ um eine Reihe von lose miteinander verbundenen One-Shots, einige davon setzen die Handlung von „Kingdom Come“ fort, andere beschäftigen sich mit den Hintergründen. Manche sind durchaus gelungen, etwa die, die sich mit Nightstar, der Tochter von Starfire und Nightwing, und Ibn al Xu’ffasch, dem Sohn von Batman und Talia, beschäftigen, aber als Gesamtwerk ist „The Kingdom“ qualitativ sehr weit vom Vorgänger entfernt. DC nutzte „The Kingdom“ auch, um das Konzept der Hypertime vorzustellen. Dabei ging es mehr oder weniger darum, das alte Mulitversum, dessen DC sich wegen seiner Unübersichtlichkeit entledigt hatte, auf gewisse Weise wieder einzuführen, allerdings nicht als wirklich absolutes Konzept. Das Resultat dieses Versuchs sorgte letztendlich vor allem für Verwirrung. Wie dem auch sei, auch nach „The Kingdom“ tauchten Versatzstücke, Figuren und Plotelemente aus „Kingdom Come“ immer wieder auf, besonders dann, als DC das Multiversum im Rahmen der „Infinte Crisis“ tatsächlich zurückbrachte.

Fazit: „Kingdom Come“ ist nicht nur ein absoluter visueller Genuss, sondern auch eines der essentiellen Superheldenwerke der 90er und für jeden Fan des Genres ein Must-Read. Gerade im Hinblick auf „Batman V Superman: Dawn of Justice“ ist die Lektüre lohnenswert, da es durchaus möglich ist, dass sich das nun gestartete DC Extended Universe in diese Richtung bewegt. Jedenfalls wäre in meinen Augen ein an „Kingdom Come“ angelehnter Film ein gelungener Abschluss für ein derartiges Unternehmen.

Kampf der Giganten:
Prämisse
TDKR: Batman vs. Superman
S:TAS: World’s Finest