Harry Potter und der Orden des Phönix – Soundtrack

hp5ost
Tracklisting:

01. Fireworks
02. Professor Umbridge
03. Another Story
04. Dementors in the Underpass
05. Dumbledore’s Army
06. The Hall of Prophecies
07. Possession
08. The Room of Requirements
09. The Kiss
10. A Journey to Hogwarts
11. The Sirius Deception
12. The Death of Sirius
13. Umbridge Spoils a Beautiful Morning
14. Darkness Takes Over
15. The Ministry of Magic
16. The Sacking of Trelawney
17. Flight of the Order of the Phoenix
18. Loved Ones & Leaving

Wie auch Mike Newell brachte David Yates, ab „Harry Potter und der Orden des Phönix“ Regisseur der Reihe (und mit vier Filmen der Regisseur, der am meisten Potter-Streifen gedreht hat), seinen Stammkomponisten mit. Wie Yates hatte Nicholas Hooper vor dem „Orden des Phönix“ keine Blockbustererfahrung, Regisseur und Komponist hatten zuvor vor allem an Fernsehprojekten, zum Beispiel der sechsteiligen BBC-Miniserie „State of Play“, zusammengearbeitet.
Hoopers Stil unterscheidet sich massiv von dem von Williams und Doyle, seine Herangehensweise weist allerdings zwei Parallelen zu Letzterem auf: Wie Doyle arbeitet auch Hooper nicht mit den Leitmotiven seiner Vorgänger, sondern fängt mit der Motivsprache von vorne an und wie bei Doyle ist Hedwigs Thema die einzige Ausnahme: Die Verwendung des Franchise-Themas ist bei beiden Komponisten ziemlich ähnlich (siehe auch den entsprechenden Artikel). Darüber hinaus gibt es noch zwei kleine Williams-Verweise, die aber nicht leitmotivischer Natur sind. Beide finden sich in Dementors in the Underpass: Wie in „Harry Potter und der Gefangene von Askaban“ werden die Dementoren von Dissonanzen repräsentiert, während das Auftauchen von Harrys Patronus von einem wortlosen Chor begleitet wird. Beides geschieht jedoch, ohne das Williams-Material direkt zu zitieren.
Davon einmal abgesehen ist es ziemlich verblüffend, dass Hoopers musikalischer Stil dem von Patrick Doyle fast diametral entgegengesetzt ist. Was bei Doyle „zu viel“ war ist bei Hooper „zu wenig“, man merkt ihm seine TV-Herkunft an. Wo Doyles Score zu üppig war, ist Hoopers Musik zu minimalistisch und leitmotivisch zu wenig ausgeprägt. Gewiss hat sie ihren ganz eigenen Charme und ist durchweg angenehm zu hören, beschränkt sich aber zu oft auf schlichte Untermalung und enttäuscht so auf narrativer Ebene. Zugegebenermaßen wäre es allerdings unfair, Hooper die alleinige Schuld zu geben. Da „Der Orden des Phönix“ die Ereignisse des Buches nur sehr knapp wiedergibt, sind die Möglichkeiten diesbezüglich mitunter eingeschränkt. Umso wichtiger wäre es deshalb gewesen, das thematische Material der Vorgänger miteinzubeziehen und darauf aufzubauen.
Leitmotivische Ideen sind zwar vorhanden, werden aber ungenügend ausgebaut. Das markanteste Thema gehört zu Professor Umbridge, der von Imelda Staunton gespielten neuen Lehrerin für Verteidigung gegen die Dunklen Künste, und ist vor allem in Umbridge Spoils a Beatiful Morning (recht dezent) und in Professor Umbridge zu hören. Es handelt sich dabei um eine ziemlich eingängige Melodie, die laut Hooper Ohrwurmcharakter haben und den Zuhörer irritieren soll. Dieses Thema repräsentiert vor allem die „pinke Seite“ Umbridges und ihr übermäßig süßliches Gehabe. Grundsätzlich ist dieses Thema sehr gelungen, was allerdings fehlt, ist eine adäquate Entwicklung. Mit der Zeit gewinnt sie innerhalb der Schule immer mehr Macht und schafft es gar, Dumbledore hinauszuekeln, es wäre also anzunehmen, dass ihr Thema immer kräftiger und garstiger wird, je mehr Umbridge ihr wahres Gesicht zeigt. Doch nach den ersten Einsätzen in der ersten Hälfte des Films verschwindet es aber fast zur Gänze aus dem Score, lediglich am Anfang von Darkness Takes Over ist eine leise Andeutung zu hören.
Das zweite markante Thema ist das Possession-Thema, das für die langsame Besitzergreifung Harrys durch Voldemort steht und im gleichnamigen Track am deutlichsten zu hören ist, ebenso wie in The Sirius Deception. Grundsätzlich ist auch dieses Thema gut und wirkungsvoll, aber zu subtil und im Score nicht präsent genug.
Darüber hinaus gibt es kaum leitmotivisches Material. The Flight of the Order of the Phoenix könnte man als Thema besagten Ordens verstehen, es gibt auch eine Verbindung zur Musik, die das Treffen von Dumbledores Armee untermalt (zweite Hälfte von Dumbledore’s Army) und der, die beim Aufbruch ins Ministerium gespielt wird (zweite Hälfte von The Sirius Deception), doch dies ist alles viel zu vage.
Zu den besten Momenten des Soundtracks gehören interessanterweise viele, die eine rein untermalende Funktion haben – hier wartet Hooper mit einigen kreativen Ideen auf, etwa dem Stück Fireworks, das den Abgang der Weasley-Zwillinge untermalt. Mein persönlicher Höhepunkt ist jedoch das Action-Underscoring des Finales, zu hören in The Hall of Prophecies und The Death of Sirius. Hooper verlässt sich dabei primär auf Streicher und besonders im zweitgenannten Track lässt er sie fast schon Amok laufen.
Für „Harry Potter und der Orden des Phönix“ komponierte Hooper sehr szenisch, ihm geht es vor allem um die Untermalung von Momenten, weniger darum, die Geschichte durch die Musik zu erzählen, er konzentriert sich auf den Augenblick.
Interessanterweise sind seine beiden musikalischen Beiträge zum Potter-Franchise die umstrittensten. Die Werke von Williams, Doyle und Desplat wurden im Großen und Ganzen positiv rezipiert, während die Urteile zu Hoopers Arbeiten sehr gemischt ausfielen. Manche begrüßten den neuen Ansatz und fühlten sich dadurch emotional stärker angesprochen als durch die ersten vier Soundtracks, während andere mit seinen Kompositionen schlicht nichts anzufangen wussten.
Meine eigene Meinung liegt irgendwo dazwischen: Ich erkenne durchaus die Qualitäten des Scores, für mich als Fan der Leitmotivik ist das, was geboten wird, allerdings einfach nicht genug. Wäre dies eine „normale“ Filmmusik würde das Urteil wahrscheinlich positiver ausfallen, als Franchise-Score mangelt es dem „Orden des Phönix“ allerdings an einem roten Faden und einer passenden narrativen Ausarbeitung, von der Verwendung bereits etablierter Themen ganz zu schweigen.
Fazit: Trotz einiger wirklich kreativer Ansätze ist Hoopers Musik zu „Der Orden des Phönix“ wohl die schwächste der Filmreihe, es mangelt an einem Gesamtkonzept, neue Themen sind rar und die, die es gibt, werden ungenügend verarbeitet.

Siehe auch:
Hedwigs Thema
Harry Potter und der Stein der Weisen – Soundtrack
Harry Potter und die Kammer des Schreckens – Soundtrack
Harry Potter und der Gefangene von Askaban – Soundtrack
Harry Potter und der Feuerkelch – Soundtrack – Soundtrack
Harry Potter und der Halbblutprinz – Soundtrack
Harry Potter und die Heiligtümer des Todes Teil 1 – Soundtrack
Harry Potter und die Heiligtümer des Todes Teil 2 – Soundtrack

Harry Potter und der Feuerkelch – Soundtrack


Tracklisting:

01. The Story Continues
02. Frank Dies
03. The Quidditch World Cup
04. The Dark Mark
05. Foreign Visitors Arrive
06. The Goblet of Fire
07. Rita Skeeter
08. Sirius Fire
09. Harry Sees Dragons
10. Golden Egg
11. Neville’s Waltz
12. Harry in Winter
13. Potter Waltz
14. Underwater Secrets
15. The Black Lake
16. Hogwarts‘ March
17. The Maze
18. Voldemort
19. Death of Cedric
20. Another Year Ends
21. Hogwarts‘ Hymn
22. Do the Hippogriff
23. This is the Night
24. Magic Works

Da John Williams 2005 mit „Die Rache der Sith“, „Krieg der Welten“, „Die Geisha“ und „München“ mehr als ausgelastet war, kam mit dem zweiten Regierwechsel auch der erste Komponistenwechsel der Filmreihe. Mike Newell, der Regisseur von „Harry Potter und der Feuerkelch“, engagierte den Schotten Patrick Doyle, vor allem für seine Zusammenarbeit mit Kenneth Branagh bekannt, mit dem er bereits bei „Donnie Brasco“ kooperiert hatte.
Leider verwarf Doyle die von John Williams erdachten Leitmotive bis auf eine Ausnahme vollkommen. Bei dieser Ausnahme handelt es sich selbstverständlich um Hedwigs Thema, das wie bisher den Film eröffnet und an ein paar weiteren Stellen eingesetzt wird – allerdings, wenn man den Gerüchten glauben darf, auf Druck des Studios.
Von diesen spärlichen Versuchen, eine gewisse musikalische Kontinuität herzustellen einmal abgesehen emanzipiert sich Doyle sowohl stilistisch als auch leitmotivisch von Williams. Doyles Stil ist weniger Blechbläserlastig, allerdings äußerst üppig – für meinen Geschmack für einen Film wie „Harry Potter und der Feuerkelch“ fast zu üppig. Nicht, dass die Musik per se schlecht wäre, keines Falls. Allerdings trägt er doch ein wenig zu dick auf, sodass der vierte Potter-Soundtrack mehr nach High-Fantasy klingt.
Thematisch arbeitet Doyle simpler und weniger abstrakt als Williams. Während es bei Williams – vor allem im ersten und dritten Film – Themen für Familie, Freundschaft, Vergangenheit und das Fliegen gab, wird Doyles Score von zwei Charakterthemen dominiert: Eins für Harry und eins für Voldemort. Auch wenn mir der Williams’sche Ansatz (sowie dessen Voldemort-Themen) besser gefällt als der Doyles muss ich doch sagen, dass er bei der Verarbeitung dieser beiden Themen wirklich gute Arbeit geleistet hat. Nebenbei bemerkt ist „Harry Potter und der Feuerkelch“ der einzige Film der Serie, in dem Harry ein eigenes Thema ganz für sich allein. Dieses taucht im ersten Drittel des Films eher selten auf, es gibt lediglich hier und da eine Andeutung. Eine volle Version ist erstmals in Golden Egg zu hören. Dieses Stück, das bei Harrys Kampf mit dem Ungarischen Hornschwanz erklingt, ist diesbezüglich besonders interessant. Das Thema wird quasi aufgebaut. Ab dem Zeitpunkt, als Harry auf seinen Feuerblitz springt, setzt das Orchester immer wieder dazu an, das Thema zu spielen, bricht aber vorher oder nach den ersten paar Noten ab (gut zu hören bei 2:25), bis Harry schließlich das Ei an sich nimmt, woraufhin eine triumphale, heroische Variation seinen Sieg untermalt (5:50). Eine volle, wenn auch weit weniger heroische und dafür eher verletzliche und sehnende Version des Themas ist in Harry in Winter zu hören, deren Einsatz im Film allerdings sehr viel kürzer ausfällt. Eine weitere Variation ist in Voldemort zu vernehmen, dort untermalt das Thema den Priori-Incantatem-Effekt (8:50). Am Anfang von Death of Cedric erklingt darüber hinaus eine klagende Streichervariation.
Das neue Voldemort-Thema ist eindeutig das dominanteste des Soundtracks und erklingt bereits in Frank Dies. Wer auf dieses Thema achtet, weiß sofort, wer hinter allem, was in „Der Feuerkelch“ geschieht, steckt. Auch beim Auftauchen des Dunklen Mals erklingt es (The Dark Mark), ebenso wie bei Harrys Auswahl zum Champion (The Goblet of Fire, 1:45) und eigentlich immer, wenn Voldemort involviert ist. Am dominantesten ist es natürlich in Voldemort.
Neben diesen beiden Themen ist vor allem noch das Thema des Trimagischen Turniers von Bedeutung, u.a. in Foreign Visitors Arrive ab 0:20 und in The Goblet of Fire bei 0:40.
Darüber hinaus gibt es vor allem Szenenspezifische Themen und Material. Am markantesten sind die Themen für die irische und bulgarische Quidditchmannschaft (letzteres untermalt auch den Auftritt der Durmstrangs); aber mit einem bzw. zwei Ansätzen kann man dabei kaum von Leitmotiven sprechen.
Fünf Tracks des Albums hängen spezifisch mit dem Weihnachtsball zusammen und sind intradiegetische Stücke. Die beiden Walzer, Neville’s Waltz und Potter Waltz, passen relativ gut zum Rest des Soundtracks, fügen sich harmonisch ein und stören nicht. Selbiges lässt sich über die drei Songs am Schluss des der CD allerdings nicht sagen. Diese von Jarvis Cocker (der auch den Frontmann der „Schwestern des Schicksals“ spielt) geschriebenen Lieder passen absolut nicht zu Doyles Soundtrack oder dem Film und wirken fürchterlich fehl am Platz.
Alles in allem kommt es wie so oft darauf an, als was man Doyles Soundtrack bewertet. Wäre er völlig eigenständig, wäre er ein äußerst gelungener, üppig orchestrierter Fantasy-Score. Als Potter-Soundtrack jedoch fällt die fehlende thematische und stilistische Verknüpfung zu den drei Vorgängern äußerst unangenehm auf. Obwohl Doyles neue Themen durchaus funktional und gelungen sind, können sie Williams‘ Klassikern wie A Window to the Past, den Voldemort-Themen oder dem Fawkes-Thema nicht das Wasser reichen.
Fazit: Obwohl Patrick Doyles Musik zu „Harry Potter und der Feuerkelch“ durchaus zu gefallen weiß, wirkt sie mitunter ein wenig unpassend und zu üppig. Die fehlende thematische Kontinuität ist ein weiteres großes Manko, das sich leider noch einige Male wiederholen wird.

Siehe auch:
Hedwigs Thema
Harry Potter und der Stein der Weisen – Soundtrack
Harry Potter und die Kammer des Schreckens – Soundtrack
Harry Potter und der Gefangene von Askaban – Soundtrack
Harry Potter und der Orden des Phönix – Soundtrack
Harry Potter und der Halbblutprinz – Soundtrack
Harry Potter und die Heiligtümer des Todes Teil 1 – Soundtrack
Harry Potter und die Heiligtümer des Todes Teil 2 – Soundtrack

Harry Potter und der Gefangene von Askaban – Soundtrack


Tracklisting:

01. Lumos! (Hedwig’s Theme)
02. Aunt Marge’s Waltz
03. The Knight Bus
04. Apparition on the Train
05. Double Trouble
06. Buckbeak’s Flight
07. A Window to the Past
08. The Whomping Willow and the Snowball Fight
09. Secrets of the Castle
10. The Portrait Gallery
11. Hagrid the Professor
12. Monster Books and Boggarts!
13. Quidditch, Third Year
14. Lupin’s Transformation and Chasing Scabbers
15. The Patronus Light
16. The Werewolf Scene
17. Saving Buckbeak
18. Forward to Time Past
19. The Dementor’s Converge
20. Finale
21. Mischief Managed!

„Der Gefangene von Askaban“ markiert den ersten Regiewechsel bei den Harry-Potter-Filmen, allerdings noch nicht den ersten Komponistenwechsel – somit ist John Williams derjenige, der die meisten Potter-Scores geschrieben hat. Da er ein sehr anerkannter und prestigeträchtiger Komponist ist und vor allem unter Anbetracht dessen, was er für Star Wars und ähnlich geartete Franchises vollbracht hat, ist Warners Entscheidung, ihn auch bei diesem Film weiter dabeizuhaben, äußerst gut nachvollziehbar. Nach allem, was man hört, hat Warner auch beim vierten Film versucht, ihn erneut an Bord zu holen, aber bei „Harry Potter und der Feuerkelch“ hatte er wegen diverser anderer Verpflichtungen („Die Rache der Sith“, „Krieg der Welten“, „Die Geisha“) keine Zeit.
„Der Gefangene von Askaban“ ist in jedem Fall der interessanteste Williams-Score der Reihe. Wie der Soundtrack zur dritten Star-Wars-Episode unterscheidet sich auch der dritte Potter-Score stark von den Vorgängern, dreht das Konzept dieses Williams-Scores allerdings auf den Kopf. Während es bei „Die Rache der Sith“ zwar viele Verknüpfungen zu den bereits bestehenden Themen, aber kaum neue Leitmotive gab, gibt es in „Der Gefangene von Askaban“ viele neue starke Themen, aber kaum Verknüpfungen zu „Der Stein der Weisen“ oder „Die Kammer des Schreckens“. Diese beiden waren zwar gut, in Bezug auf Williams sonstiges Schaffen allerdings eher durchschnittlich: Routiniert, professionell, aber nicht so gut ausgearbeitet und auch nicht so kreativ, wie man sich das vielleicht wünschen würde und manchmal gar ein wenig penetrant. „Der Gefangene von Askaban“ ist dagegen einer der kreativsten Williams-Scores überhaupt, da der Maestro sich nicht nur seines gewöhnlichen Bombaststils bedient, sondern auf seine gesamte musikalische Bandbreite zurückgreift und von mittelalterlich-barocker Musik (Hagrid the Professor) über Walzer (Aunt Marge’s Waltz) bis hin zu Acid-Jazz (The Knight Bus) alles möglich unterbringt. Somit ist „Der Gefangene von Askaban“, anders als die späteren Potter-Scores, noch keine völlige Abkehr vom Stil der ersten beiden, unterscheidet sich aber doch merklich. Das liegt vor allem auch daran, dass kaum Themen der Vorgänger verwendet werden. Hedwigs Thema ist natürlich zugegen, eröffnet den Film (Lumos! (Hedwig’s Theme)) und taucht auch noch in ein paar anderen Stücken auf (A Window to the Past, Secrets of the Castle, Mischief Managed!), aber davon abgesehen hat nur das Flug-Thema einen kurzen Gastauftritt (ebenfalls Mischief Managed!). Die Schuld dafür liegt allerdings nicht ausschließlich bei Williams, denn in der Tat fehlen im dritten Potter-Streifen viele der Figuren und Elemente der anderen beiden Filme. Voldemort kommt nicht vor, womit seine Themen schon einmal wegfallen, ebenso wenig tauchen Fawkes, Gilderoy Lockhart, die Winkelgasse oder Dobby auf. Natürlich hätte Williams auf eines der diversen Hogwarts-Themen oder das Familienthema zurückgreifen können (und der Konitnuitätsfanatiker in mir hätte sich wohl auch darüber gefreut), aber wenn ich mich um eine objektive Betrachtung bemühe: Die „Ersatzthemen“, die Williams hier auffährt sind weitaus besser und gelungener. Diese beiden Ersatzthemen sind interessanterweise auch die beiden Hauptthemen des Films und werden nach den Tracks benannt, in denen sie debütieren: Das Double-Trouble-Thema und das Window-to-the-Past-Thema. Ersteres, vorgestellt als vom Schulchor gesungenes Lied (basierend auf einem Ausschnitt aus Shakespeares „Macbeth“), ist ein Hogwarts-Thema und als solches ziemlich gegenwärtig. Es begleitet das tägliche Leben in der Schule, mal entspannt (Hagrid the Professor), mal mysteriös (Secrets of the Castle) und mal schräg (The Portrait Gallery). Dabei ist Double Trouble allerdings niemals so freundlich oder offenherzig wie die alten Hogwarts-Themen, sondern besitzt immer, passend zum Film, einen etwas düstereren Grundton. Ganz allgemein findet sich hier viel weniger an leichtherzigem Material, alles ist ein wenig bedrohlicher, ein wenig düsterer und ein wenig schräger. Aber selbstverständlich gibt es immer noch einige freundliche und leichtherzige Momente, etwa die zweite Hälfte von The Whomping Willow and the Snowball Fight.
Das Window-to-the-Past-Thema, ein sehr lyrisches Leitmotiv und mit Sicherheit eines der stärksten der gesamten Filmreihe, ist spezifischer und steht für Harrys Verbindung zu seinen Eltern. So erklingt es zumeist, wenn Harry mit Lupin spricht oder anderweitig etwas über seine Vergangenheit erfährt. Der interessanteste Einsatz finde sich allerdings gegen Ende: Als Harry aus den Erinnerungen an seine Eltern die Kraft schöpft, einen gestaltlichen Patronus zu erschaffen, erklingt das Thema stärker als zuvor und von Blechbläsern (statt den üblichen Flöten) gespielt, zuerst fragmentarisch und mit Dissonanzen ringend (The Dementors Converge, bei 2:01), später dann rein und klar (Finale, 1:22).
Neben diesen beiden Hauptthemen gibt es noch einige Nebenmotive. Eines der Highlights des Albums ist zweifellos das Thema des Hippogreifs Seidenschnabel, das im Film jedoch nur zweimal vorkommt (den Abspann nicht mitgerechnet) und ein Stück von majestätischer Schönheit und Eleganz ist (Buckbeak’s Flight). Darüber hinaus gibt es ein Motiv für die (letztendlich falsche) Gefahr, die von Sirius Black ausgeht, das sich im Film immer wieder einschleicht, auf der CD aber recht selten auftaucht (zum Beispiel bei Quiddtich, Third Year bei 1:34). Überhaupt nicht auf das Album hat es das Thema von Peter Pettigrew/Wurmschwanz geschafft, ein sehr passendes, vom Cembalo gespieltes Motiv, dessen Fehlen auf der CD in meinen Augen deren größtes Manko ist.
Sehr interessant ist auch das Material für den Patronus und die Dementoren. Bei beiden handelt es sich nicht um ein Leitmotiv im klassischen Sinn; die Dementoren werden von Dissonanzen und schrillen Streichern begleitet (Apparition on the Train), während der Patronus durch ätherischen Gesang dargestellt wird (The Patronus Light), aus dem letzten Endes, wie oben bereits beschrieben, das Window-of-the-Past-Thema ausbricht (Finale). Und schließlich hätten wir noch das Motiv des Zeitumkehrers das, wie könnte es anders sein, das Ticken einer Uhr enthält (Forward to Time Past).
Neben den wichtigen und weniger wichtigen Leitmotiven gibt es auch noch einige szenenspezifische Stücke, etwa die bereits erwähnen Aunt Marge’s Waltz und The Knight Bus, in denen Williams beweist, wie flexibel er sein kann (auch wenn Letzteres außerhalb des Films nicht gerade angenehm ist) oder die Quidditch-Fuge in Quidditch, Third Year. Das typische William’sche Actionmaterial findet sich natürlich ebenfalls, vor allem in The Werewolf Scene und der zweiten Hälfte von Lupin’s Transformation and Chasing Scabbers.
Es ist schon erstaunlich, wie sich Williams Herangehensweise an die Materie mit dem Regisseurwechsel verändert hat. Angesichts dessen, was Williams für den dritten Potter abgeliefert hat, finde ich es immer wieder äußerst schade, dass er nicht auch für die nächsten Teile komponiert hat. Wie hätte er die Fäden der ersten beiden Teile mit denen des dritten zusammengeführt? Gerade das Window-to-the-Past-Thema hat in meinen Augen sein Potential noch nicht ausgeschöpft und hätte ein wichtiger Bestandteil der Themensprache der Reihe werden können.
Fazit: Mit dem Soundtrack zu „Harry Potter und der Gefangene von Askaban“ weiß Williams zu überraschen und beweist einmal mehr, wie findig und vielseitig er ist. Zwar spielt die thematische Kontinuität eine untergeordnete Rolle, dafür begeistert Williams allerdings mit seinem stilistischen Repertoire und starken neuen Themen. In meinen Augen der beste Soundtrack der Reihe.

Siehe auch:
Hedwigs Thema
Harry Potter und der Stein der Weisen – Soundtrack
Harry Potter und die Kammer des Schreckens – Soundtrack
Harry Potter und der Feuerkelch – Soundtrack
Harry Potter und der Orden des Phönix – Soundtrack
Harry Potter und der Halbblutprinz – Soundtrack
Harry Potter und die Heiligtümer des Todes Teil 1 – Soundtrack
Harry Potter und die Heiligtümer des Todes Teil 2 – Soundtrack

Harry Potter und die Kammer des Schreckens – Soundtrack


Tracklisting:

01. Prologue: Book II and the Escape from the Dursleys
02. Fawkes the Phoenix
03. The Chamber of Secrets
04. Gilderoy Lockhart
05. The Flying Car
06. Knockturn Alley
07. Introducing Colin
08. The Dueling Club
09. Dobby the House Elf
10. The Spiders
11. Moaning Myrtle
12. Meeting Aragog
13. Fawkes is Reborn
14. Meeting Tom Riddle
15. Cornish Pixies
16. Polyjuice Potion
17. Cakes for Crabbe and Goyle
18. Dueling the Basilisk
19. Reunion of Friends
20. Harry’s Wondrous World

Den Soundtrack von „Die Kammer des Schreckens“ zu bewerten ist ein etwas schwieriges Unterfangen, nicht zuletzt wegen der Mitwirkung von Williams Ross bzw. dem unklaren Umfang dieser Mitarbeit. Während „Kompositionsassistenten“ bei Hans Zimmer zum Beispiel Gang und Gebe sind, ist das bei Williams doch eher selten. Ich denke nach wie vor, dass alles an neuem Material auch wirklich vom Maestro selbst stammt und Ross lediglich die Lücken gefüllt und dafür eben unter anderem Teile des „Stein der Weisen“ wiederverwendet hat.
Gleichzeitig Vor- und Nachteil des zweiten Potter-Scores ist die thematische Anbindung an das Original, fast alle Themen des ersten Films tauchen auch im zweiten wieder auf. Per se ist das natürlich zu begrüßen, da so thematische Kontinuität geschaffen wird. Das Problem dabei ist, dass Williams (oder Ross oder beide) hier leider bei Weitem nicht so elegant vorgegangen sind wie man das etwa bei den Star-Wars-Scores oder bei Shores Musik zu „Der Herr der Ringe“ getan hat, es sind eben keine neuen Variationen, sondern Eins-zu-eins-Übernahmen von Themen und Stücken aus dem „Stein der Weisen“. Kurz gesagt: Die Verarbeitung der Themen lässt zu wünschen übrig (gerade, wenn man „Die Kammer des Schreckens“ etwa mit „Das Imperium schlägt zurück“ vergleicht).
Das „gute“ Leitmotivtrio des Vorgängers feiert gleich im ersten Track Prologue: Book II and the Escape from the Dursleys seinen Einstand, zuerst gibt es (wie nicht anders zu erwarten) ein volles Statement von Hedwigs Thema inklusive B-Phrase, in der Mitte des Stücks erklingt das Flug-Thema und beendet wird es vom Familien-Thema. Auch viele der kleineren Motive werden wiederverwendet (z. T. bereits ebenfalls im ersten Track zu hören). Das neben Hedwigs Thema präsenteste des Vorgängers ist jedoch Voldemort 3, das immer gespielt wird, wenn der Basilisk sich im Schloss bewegt (Cakes for Crabbe and Goyle ist der einzige dieser Einsätze, der auf der CD zu finden ist). Die Frage ist hier, ob dieses Thema lediglich eingesetzt wird, um Atmosphäre zu schaffen, evtl. ein von Ross eingesetzter Lückenfüller, oder ob tatsächlich auf Voldemort angespielt wird. Das Thema ist auch im Finale überaus präsent (zusammen mit den anderen beiden Voldemort-Themen, allerdings in Variationen, die eindeutig aus dem ersten Film stammen und darüber hinaus nicht auf der CD zu finden sind). In Meeting Tom Riddle bekommt Voldemort 3 darüber hinaus seinen stärksten Einsatz – kein Wunder, befindet sich Harry hier doch in Voldemorts Erinnerung.
Für die mangelnde Verarbeitung können die drei neuen Hauptthemen allerdings durchaus entschädigen, die, mit Ausnahme von Hedwigs Thema und dem Voldemort-Trio stärker sind als alle anderen Themen des ersten Films. Alle drei liegen in Suitenform vor und machen die Tracks zwei, drei und vier aus. Der Ansatz dieser Themen ist dieses Mal ein wenig konventioneller als bei „Der Stein der Weisen“, es werden, anders als bei der etwas abstrakteren Herangehensweise des Vorgängers, konkrete Elemente der Handlung leitmotivisch dargestellt.
Das Thema der Kammer des Schreckens (The Chamber of Secrets) erwähnte ich bereits in meinem Artikel über Hedwigs Thema, es handelt sich dabei um eine umgedrehte Version von Hedwigs Thema, der innerhalb des Films leider nicht die Aufmerksamkeit zukommt, die sie verdienen würde. In der Tat ist die Suite auf dem Album der stärkste Einsatz dieses Themas. Im Film selbst taucht es weitaus fragmentarischer auf, meistens wenn die besagte Kammer gerade erwähnt wird. Im Finale jedoch, in der Harry sich auch wirklich in der Kammer befindet, ist das Leitmotiv merkwürdigerweise völlig abwesend. Neben Track drei findet man eine Andeutung auch noch in Cakes for Crabbe and Goyle.
Die beiden anderen Themen haben es da schon besser. Gilderoy Lockharts Thema (natürlich in Gilderoy Lockhart, eine weitere Variation findet sich u.a. in The Dueling Club) ist einfach verdammt passend und fängt die Essenz dieser von Kenneth Branagh gespielten Figur vorbildlich ein. Schon bei den ersten Tönen sieht man ihn herumstolzieren und schmalzig lächeln.
Das dritte und mit Abstand stärkste Thema gilt Dumbledores treuem Haustier Fawkes (Fawkes, the Phoenix) und fängt dessen noblen Charakter ebenfalls wunderbar ein. Fawkes‘ Thema gehört zu den Leitmotiven, bei denen es wirklich eine Schande ist, dass sie in den späteren Potter-Filmen nicht mehr auftauchen, denn dieses Thema hätte sich wunderbar als heroische Melodie für den Orden des Phönix geeignet, man höre sich nur einmal die Variation am Anfang von Dueling the Basilisk an.
Neben diesen dreien finden sich auch noch einige weniger wichtige neue Themen, u.a. eines für die Maulende Myrte (Moaning Myrtle), eines für Dobby, das es allerdings nicht in den Film geschafft hat (Dobby, the House Elf) und eines für die Spinnen (Meeting Aragog). Diese Themen sind alle sehr funktionsgebunden und bei weitem nicht so stark wie die drei Hauptthemen.
Ich denke, zum Stil des Soundtracks muss nicht mehr viel gesagt werden, „Die Kammer des Schreckens“ kann man sofort als Williams-Soundtrack erkennen, Klangsprache, Instrumentierung, Underscoring etc. sind dem Vorgänger sehr ähnlich.
Wie oben bereits erwähnt stehe ich diesem Score etwas zwiegespalten gegenüber. Einerseits verwendet er einfach zu viel Material aus dem Vorgänger, und das mit zu wenig Kreativität und Variation, weswegen ich ihn, objektiv betrachtet (soweit das eben möglich ist) für schwächer halte als den „Stein der Weisen“. Andererseits mag ich „Die Kammer des Schreckens“ allerdings trotzdem lieber (wenn ich mich für einen von beiden entscheiden müsste, würde ich die „Kammer“ wählen), denn gewissermaßen hat der zweite Potter-Soundtrack alles, was schon der erste hatte in komprimierter Form und darüber hinaus auch noch drei extrem starke neue Themen, gegen die viele der Melodien des ersten Teils ziemlich alt aussehen.
Fazit: Der Soundtrack des zweiten Potter-Films ist bei weitem nicht so gut wie er hätte sein können, da aus Zeitgründen zu viel Material aus dem ersten Film wiederverwendet wurde. Was „Die Kammer des Schreckens“ allerdings an neuem thematischem Material anzubieten hat ist einwandfrei und entschädigt größtenteils für das recycelte Material.

Siehe auch:
Hedwigs Thema
Harry Potter und der Stein der Weisen – Soundtrack
Harry Potter und der Gefangene von Askaban – Soundtrack
Harry Potter und der Orden des Phönix – Soundtrack
Harry Potter und der Halbblutprinz – Soundtrack
Harry Potter und die Heiligtümer des Todes Teil 1 – Soundtrack
Harry Potter und die Heiligtümer des Todes Teil 2 – Soundtrack

Harry Potter und der Stein der Weisen – Soundtrack


Tracklinsting:

01. Prologue
02. Harry’s Wonderous World
03. The Arrival of Baby Harry
04. Visit to the Zoo/Letters from Hogwarts
05. Diagon Alley/The Gringotts Vault
06. Platform Nine-and-Three-Quarters/The Journey to Hogwarts
07. Entry Into the Great Hall/The Banquet
08. Mr. Longbottom flies
09. Hogwarts Forever!/The Moving Stairs
10. The Norwegian Ridgeback/A Change of Season
11. The Quidditch Match
12. Christmas at Hogwarts
13. The Invisibility Cloak/The Library Scene
14. Fluffy’s Harp
15. In the Devil’s Snare/The Flying Keys
16. The Chess Game
17. The Face of Voldemort
18. Leaving Hogwarts
19. Hedwig’s Theme

Im Rahmen meines Artikels zu Hedwigs Thema habe ich mich logischerweise auch mit dem Rest der Harry-Potter-Soundtracks wieder relativ intensiv beschäftigt – wenn man sehen will, wie das Thema mit anderen Themen zusammenwirkt und dabei noch jeden Einsatz aus dem Film mühsam heraussucht, geschieht das gezwungenermaßen. Als ich dann mal wieder einen Blick auf mein erstes HP-Soundtrack-Review geworfen habe, das die Scores zu den Filmen 1-6 relativ knapp abdeckt, war ich damit absolut nicht mehr zufrieden. Darum wandert das Großreview demnächst in den Papierkorb und es gibt neue, ausführliche Reviews zu allen acht Scores. Diese Reviews werden dann in Bezug auf Hedwigs Thema natürlich eher knapp ausfallen, aber dafür die restlichen Leitmotive, Stilmittel etc. ausführlich abdecken.
Beginnen wir also mit dem Soundtrack zu „Harry Potter und der Stein der Weisen“ und halten uns nicht erst mit der Vorgeschichte (Hedwigs Thema im Trailer etc.) auf, sondern starten direkt durch.
Wie von John Williams nicht anders zu erwarten arbeitet er auch bei „Harry Potter und der Stein der Weisen“ stark mit Leitmotiven. Interessant ist dabei, dass die Objekte, die die Themen beschreiben, dieses Mal eher abstrakter Natur sind. In des „Star Wars“ Soundtracks der klassischen Trilogie arbeitete Williams zum Beispiel stark mit Charakterthemen (Luke hatte sein eigenes, ebenso wie Leia, Darth Vader, Yoda oder der Imperator). In „Der Stein der Weisen“ hat eigentlich nur ein Charakter Themen, die direkt an ihn gebunden sind (dafür sind es aber gleich mehrere).
Der Soundtrack wird von zwei leitmotivischen „Trios“ dominiert, einem „guten“ (bzw. positiven) und einem „bösen“. Das erste Thema des „guten Trios“ ist natürlich Hedwigs Thema, das auch als Titelthema fungiert und dessen A-Phrase für die gesamte magische Welt steht, während die B-Phrase vor allem Hogwarts untermalt (zu finden u.a. in Prologue, The Arrival of Baby Harry und Hedwig’s Theme). Das zweite dieser Themen ist das Flug-Thema, das sich ähnlich wie Hedwigs Thema nicht ganz genau festlegen lässt. Es taucht bereits in Prologue auf und dominiert den Mittelteil der Abspannkonzersuite Hedwig’s Theme. Durch dieses Thema drückt wohl vor allem die „Magie des Fliegens“ bzw. die Freude am Fliegen aus, seine größten Auftritte hat es in Mr. Longbottom Flies und The Quidditch Match. In den beiden dazugehörigen Filmszenen ist der Besenflug natürlich ein äußerst dominantes Element. Das dritte ist das Familienthema, das für Harrys verlorene Familie (seine Eltern) sowie für die, die er neu gewinnt (Ron und Hermine). Das Thema hat, je nachdem, welche der beiden Familien es gerade beschreibt, eine andere Endung. Wenn das Thema den toten Eltern gilt, erklingt es mit einer wehmütigen Endung (sehr gut zu hören am Ende von The Norwegian Ridgeback/A Change of Season). Die Freundschaft zu Ron und Hermine wird stattdessen durch eine fröhlichere, verspieltere Endung gekennzeichnet (Harry’s Wonderous World direkt nach dem knappen Statement der Hediwg-B-Phrase). Das ist ein durchaus kreativer Ansatz, das Problem bei diesem ersten Score besteht allerdings darin, dass diese drei Themen doch (v.a. aufgrund der Instrumentierung) recht ähnlich klingen, fast zu häufig eingesetzt und auf die Dauer schon ein wenig penetrant werden – hier wäre ein etwas zurückhaltenderer thematischer Einsatz und mehr Variation wünschenswert gewesen.
Ich persönlich finde das zweite, „böse Trio“ weit interessanter als das erste (Hedwigs Thema ausgenommen). Besagte drei Themen lassen sich letztendlich alle Lord Voldemort zuordnen, der, wie bereits erwähnt, in „Der Stein der Weisen“ die einzige Figur ist, die nicht nur eines, sondern gleich mehrere Themen für sich alleine hat. Alle drei sind, wie nicht anders zu erwarten, in The Face of Voldemort zu vernehmen – gerade in diesem Stück leistet Williams vorzügliche leitmotivische Arbeit.
Das erste Thema des Dunkeln Lords (Voldemort 1), das eine gewisse Ähnlichkeit zu Hedwigs Thema hat, taucht im Film zum ersten Mal bei der Rückblende auf, die den Mord an Harrys Eltern zeigt und ist, außer in The Face of Voldemort auf der Soundtrack-CD auch in The Quidditch-Match zu hören, als man sieht, wie Quirrel versucht, Harry zu verhexen, während Snape Gegenflüche murmelt. Selbst wenn man den Ausgang noch nicht kennt weiß man spätestens an dieser Stelle, dass Voldemort hinter allem steckt. Als Harry Voldemort im verbotenen Wald begegnet, hört man die kräftigste Variation, die es leider nicht auf die CD geschafft.
Das zweite Voldemort-Thema (Voldemort 2), v.a. von dunklen Blechbläsern gespielt, ähnelt dem ersten ein wenig und kommt hauptsächlich zum Einsatz, wenn es um das Nichtnennen von Voldemorts Namen geht; zum ersten Mal ist es zu hören, als Ollivander von ihm spricht, und auch in der Szene im Verbotenen Wald taucht es auf. Auf dem Album findet man es allerdings nur in The Face of Voldemort.
Das dritte Thema (Voldemort 3) schließlich ist zuerst augenscheinlich dem Stein der Weisen zugeordnet und wird gespielt, wenn er auftaucht (das Finale von Diagon Alley/The Gringotts Vault) oder erwähnt wird oder anderweitig relevant ist (etwa in The Invisibility Cloak/The Library Scene). Im Finale (und mehr noch in „Die Kammer des Schreckens“) jedoch wird das Thema ebenfalls Voldemort zugeordnet; v.a. dadurch, dass Voldemort 3 und 1 übereinander gespielt werden (natürlich ebenfalls in The Face of Voldemort) – das Thema beschreibt also nicht den Stein an sich, sondern den Stein als Voldemorts Ziel.
Alle drei Themen sind sehr gelungen, wobei ich sagen muss, dass mir persönlich Voldemort 3 am besten gefällt, da das wiederholende und sich steigernde Element ohne Zweifel das dämonischste der drei Themen ist.
Neben diesen sechs Themen gibt es noch einige weitere Nebenthemen und -motive, u.a. eines für die Winkelgasse (Diagon Alley/The Gringotts Vault; im Film allerdings nicht enthalten, es taucht erst in „Die Kammer des Schreckens“ auf), ein sehr festliches Thema für die magische Gemeinschaft (oft auch mit Hogwarts in Verbindung gebracht, Platform Nine-And-Three-Quarters/The Journey to Hogwarts) ein weiteres Thema für Hogwarts (am Anfang von Hogwarts Forever!/The Moving Stairs, die stärkste Variation ist in The Quidditch Match zu finden), ja sogar die Durselys haben ein eigenes Thema bekommen. Auf die meisten dieser Themen trifft ähnliches zu wie auf das „positive Trio“: Sie sind einander zu ähnlich und werden zum Teil recht penetrant – manchmal ist weniger eben doch mehr, insbesondere da Williams durchaus dazu in der Lage ist, einfallsreicher zu variieren. Hinzu kommt, dass der „musikalische Fluss“ (es ist schwierig, das in Worte zu fassen) vor allem im Mittelteil ein wenig nachlässt und uninspirierter daherkommt (The Quidditch-Match ausgenommen) und es erst mit The Face of Voldemort wieder richtig losgeht.
Die Albenpräsentation des Soundtracks ist durchaus angemessen, auch wenn die Voldemort-Themen (insbesondere Voldemort 2) für meinen Geschmack ein wenig zu kurz kommen.
Ob man den Soundtrack „Harry Potter und der Stein der Weisen“ letztendlich mag, hängt vor allem davon ab, wie man zu John Williams steht, da dieser Score wirklich ein typisches Williams-Produkt: Markante Ohrwurmthemen (v.a. Hedwigs Thema) und komplexe Orchesterarbeit mit vielen Blechbläsern. Da ich mich durchaus als Williams-Fan sehe, habe ich damit eigentlich kein Problem, allerdings ist „Der Stein der Weisen“ nun wirklich nicht Williams‘ bester oder innovativster Score.
Fazit: Mit diesem Soundtrack legt John Williams eine gute leitmotivische Grundlage (was später daraus wird ist wieder eine andere Geschichte), zusätzlich zu einem phänomenalen Hauptthema für das gesamte Franchise. An der Verarbeitung hapert es allerdings ein wenig, wodurch die thematischen Einsätze zum Teil recht penetrant werden. Aus diesem Grund ist „Der Stein der Weisen“ zwar ein solider Williams-Score, aber bei Weitem kein herausragendes Meisterwerk.

Siehe auch:
Hedwigs Thema
Harry Potter und die Kammer des Schreckens – Soundtrack
Harry Potter und der Gefangene von Askaban – Soundtrack
Harry Potter und der Feuerkelch – Soundtrack
Harry Potter und der Orden des Phönix – Soundtrack
Harry Potter und der Halbblutprinz – Soundtrack
Harry Potter und die Heiligtümer des Todes Teil 1 – Soundtrack
Harry Potter und die Heiligtümer des Todes Teil 2 – Soundtrack

Hedwigs Thema


Was auch immer man von John Williams halten mag, eines ist unumstritten: Kaum ein anderer Filmkomponist hat derart viele Themen geschrieben, die sich so unwiederbringlich ins popkulturelle Gedächtnis eingeprägt haben. Manche sind froh, wenn sie überhaupt eines hinbekommen, manche schaffen auch zwei oder drei, aber bei Williams ist die Liste sehr viel länger: Das Thema von „Der Weiße Hai“. Der Raiders March aus „Indiana Jones“. Das Hauptthema aus „Star Wars“ und der Imperiale Marsch. Die beiden Themen aus „Jurassic Park“. Und, und, und. Das letzte dieser Themen, die fast jeder sofort erkennt, ist Hedwigs Thema, die musikalische Identität des Harry-Potter-Franchise. Dieses Thema ist dabei in jeder Hinsicht recht speziell. Das beginnt schon bei der Komposition, denn tatsächlich wurde Hedwigs Thema nicht für die Verfilmung von „Harry Potter und der Stein der Weisen“ komponiert, sondern für deren Trailer. Williams las im Vorfeld den Roman – etwas, das er selten tut – und komponierte ein Thema für Harrys Eule Hedwig, das bereits im ersten Trailer Verwendung fand. Seit Steven Spielbergs „Hook“ von 1991 hatte Williams nicht mehr extra Musik für den Trailer komponiert. Doch gerade bei „Harry Potter und der Stein der Weisen“ war diese Technik äußerst erfolgreich. Die einprägsame und gut wiederzuerkennende Titelmelodie verband sich sofort mit dem Film und prägte sich in das Gedächtnis der Zuschauer ein.
Das Thema selbst ist zweiteilig, die beiden Phrasen, „A-Phrase“ und „B-Phrase“, sind natürlich miteinander verwandt, aber nicht identisch, und werden auch thematisch unterschiedlich eingesetzt. Sehr gut zu hören sind beide hier – die A-Phrase geht bis 0:19, dann folgt die B-Phrase und ab 0:49 wird nach einem kurzen Zwischenspiel, das das Thema oft begleitet, die A-Phrase wiederholt. Bei 1:06 folgt noch einmal die B-Phrase, bis dieses spezielle Stück aus „Der Gefangene von Askaban“ schließlich mit einem Fragment der A-Phrase endet.
Da ich musikalischer Laie bin, werde ich mich im Folgenden nicht um eine musiktheoretische Analyse bemühen, sondern um eine thematische: Wie wird Hedwigs Thema benutzt, um Harry Potters Geschichte zu erzählen, wie setzen die einzelnen Komponisten es ein, wofür steht es, wie verändert sich seine Bedeutung etc.?

Harry Potter und der Stein der Weisen
Sowohl der Film als auch das Soundtrack-Album werden von Hedwigs Thema eröffnet, damit unzweifelhaft klar wird, dass das Thema aus dem Trailer auch die musikalische Hauptidentität des Films ist. Die beiden Eröffnungen unterscheiden sich allerdings: Im Film wird das Warner-Bros.-Logo nur mit dem Anfang der A-Phrase unterlegt, während das erste Stück des OST, Prologue, im Film so gar nicht vorkommt. Ähnlich wie das erste Stück der Soundtrack-CD zu „Hook“ mit demselben Titel handelt es sich hierbei um die Vorstellung des Hauptthemas und es ist wohl davon auszugehen, dass Williams Hedwigs Thema so komponierte. Prologue stellt bereits den typischen „magischen“ Glocken- und Celesta-Klang vor. Neben zwei vollen Statements der beiden Phrasen wird auch das Flug-Thema eingeführt, das in den ersten beiden Filmen oft in Begleitung von Hedwigs Thema auftaucht (da Eulen fliegen durchaus logisch) und auch einen großen Teil der Konzertsuite Hedwig’s Theme am Ende des Soundtracks dominiert.
Das Sujet dieses Artikels ist zwar mit der Bezeichnung Hedwigs Thema versehen, steht aber bei Weitem nicht ausschließlich für Harry Potters Schneeeule – stattdessen steht es eigentlich für die gesamte magische Welt im Allgemeinen, wobei die B-Phrase meistens als Thema für Hogwarts fungiert. Hedwig als Namensgeberin des Themas ist zum Teil auch symbolisch zu verstehen: Da Hedwig (vor allem während der Zeit bei den Dursleys) Harrys „Kontaktperson“ zur magischen Welt ist, ist der Name des Themas durchaus sinnvoll gewählt. Dennoch mag es irritieren, dass das Thema nur in den seltensten Fällen direkt Harrys Eule untermalt.
Hedwigs Thema ist vor allem in der ersten Hälfte des Films extrem dominant – man möchte fast sagen: zu dominant, manchmal wäre weniger mehr gewesen. Bereits in der ersten Szene ist dies der Fall: Die Anwendung des Deluminators und Hagrids Ankunft im Ligusterweg werden mit Variationen der A-Phrase unterlegt. Als Dumbledore Baby Harry samt Brief auf der Schwelle der Dursleys platziert, ist zuerst eine dezente Glockenspiel-Version der A-Phrase zu hören, bevor zum ersten Mal im Film die B-Phrase in voller epischer Breite, inklusive Bläser und Chor, zur Titeleinblendung erklingt. Der Track The Arrival of Baby Harry enthält noch eine weitere Einspielung der epischen B-Phrase in der Mitte des Stücks, die im Film allerdings nicht auftaucht und wohl ursprünglich Hagrids Ankunft untermalen sollte, bevor Williams sich entschied, dies mit einer weniger epischen Variation der A-Phrase zu tun – das ist allerdings reine Spekulation.
In den folgenden Szenen mit den Dursleys wird Hedwigs Thema eingesetzt, um das Eindringen der Magie in die Muggel-Welt zu symbolisieren. Bereits beim Zooausflug ist die A-Phrase zu hören, und als dann schließlich immer mehr Eulen und Briefe eintreffen, wird das Thema quasi dauernd gespielt, inklusive B-Phrase – immerhin kommen die Briefe aus Hogwarts (Visit to the Zoo and Letters from Hogwarts).
Natürlich spielt das Thema gerade in Bezug auf den ersten Besuch der Schule für Hexerei und Zauberei eine große Rolle. Die Reise mit dem Hogwarts-Express (und damit Harrys endgültiger Eintritt in die magische Welt) wird mit der A-Phrase unterlegt. Für den ersten Blick auf das Schloss (eine der eindrucksvollsten Szenen der ganzen Filmreihe) wählt Williams die epische Variation der B-Phrase, die auch die Titeleinblendung untermalte (Platform Nine-and-Three-Quarters and Journey to Hogwarts).
Im Mittelteil des Films geht die Präsenz von Hedwigs Thema zurück, es ist nicht mehr so allgegenwärtig wie zuvor und wird nur noch gelegentlich angespielt, zum Beispiel als zum ersten Mal die Post kommt (eine etwas schräge Variation), zu Halloween oder als Harry den Spiegel Nerhegeb entdeckt – sprich: Bei „magischen“ Momenten. Die meisten dieser Einsätze haben ihren Weg nicht auf die Soundtrack-CD gefunden.
Gegen Ende nimmt die Präsenz allerdings wieder zu. Die Szene, in der Harry zum ersten Mal Voldemorts Gesicht erblickt (hier noch auf Quirrels Hinterkopf) wird zwar von den Themen des Dunklen Lords dominiert, aber an der einen oder anderen Schlüsselstelle erklingt Hedwigs Thema (The Face of Voldemort). Vor allem zu erwähnen ist der Moment, in dem Harry in den Spiegel Nerhegeb sieht und sein Spiegelbild das namensgebende Objekt des Films herauszieht.
Nach dem Sieg über Voldemort ist das Thema schließlich wieder sehr präsent (Leaving Hogwarts) und eröffnet den Abspann (Harry’s Wonderous World). Dort ist auch Hedwig’s Theme, die Orchestersuite, die das Material aus Prologue erweitert, zu hören. Interessanterweise wird der Mittelteil besagten Stückes allerdings nicht von Hedwigs Thema dominiert, sondern vom Flug-Thema. Dafür macht eine äußerst interessante Variation der B-Phrase den Abschluss.
Bevor wir uns nun „Der Kammer des Schreckens“ zuwenden, muss noch die einzige filminterne Performance von Hedwigs Thema erwähnt werden: Als Harry, Ron und Hermine Hagrid über das Drachenei ausfragen, sitzt dieser gerade vor der Hütte spielt das Thema (sowohl A- als auch B-Phrase) auf seiner Flöte.

Harry Potter und die Kammer des Schreckens

Beim zweiten Harry-Potter-Film, ebenfalls unter dem Zepter von Chris Columbus, wollte man selbstverständlich auch wieder John Williams mit an Bord haben, da sein Soundtrack sehr erfolgreich war und er wahrscheinlich sogar den Oscar gewonnen hätte, hätte ein gewisser Howard Shore mit seinem Score zu „Der Herr der Ringe: Die Gefährten“ ihm die Trophäe nicht weggeschnappt. Allerdings war Williams wegen anderer Projekte (unter anderem „Catch Me If You Can“ und „Star Wars Episode II: Angriff der Klonkrieger“) nicht voll verfügbar, weshalb William Ross aushalf und Williams‘ neue Themen und Kompositionen mit Material aus dem Vorgänger anreicherte und den Score fertigstellte. Dies hat zur Folge, dass „Die Kammer des Schreckens“ sich sehr ähnlich anhört wie „Der Stein der Weisen“. Allerdings ist zu vermerken, dass Hedwigs Thema bei Weitem nicht so überpräsent ist wie im ersten Film. Natürlich eröffnet es wieder den Film (Prologue: Book II and the Escape from the Dursleys), doch da die Szenen bei den Dursleys dieses Mal sehr viel kürzer ausfallen, gibt es kaum Eindringen der Magie in die Muggelwelt. In der Tat verhält es sich in „Die Kammer des Schreckens“ fast umgekehrt wie in „Der Stein der Weisen“: In der Zeit, bevor Harry sich in Hogwarts befindet, ist Hedwigs Thema eher rar (es gibt noch ein kleineres Statement in der Winkelgasse), dafür nimmt die Präsenz des Themas ab dem ersten Blick auf das Schloss (wiederrum, wie im ersten Film, untermalt von der epischen Variation der B-Phrase, zu finden in The Flying Car) zu. Im Folgenden kommt es immer wieder zum Einsatz, wobei allerdings A- und B-Phrase stets getrennt auftreten. Die A-Phrase wird meist in dezenter Variation an Schlüsselstellen der Geschichte gespielt, zum Beispiel bei der Versteinerung von Mrs. Norris, als Dumbledore von den Schulräten entlassen wird oder in der Szene nach dem Kampf gegen den Basilisken, als sich Harry mit Dumbledore unterhält, während die B-Phrase Außenansichten des Schlosses unterlegt, von denen es einige gibt. Kaum eines dieser Statements hat allerdings seinen Weg auf den Soundtrack gefunden.
Selbstverständlich wird auch der zweite Film wieder mit Hedwigs Thema beendet (Reunion with Friends) und der Abspann mit ihm eröffnet (Harry’s Wonderful World).
Neben den offensichtlichen Einsätzen des Themas (A-Phrase für die magische Welt im Allgemeinen bzw. für Schlüsselstellen im Plot, B-Phrase für Hogwarts) gehören zu den interessantesten Elementen des zweiten Scores die beiden Themen bzw. Motive, die aus Hedwigs Thema entwickelt wurden. Das erste ist ein relativ unbedeutendes Untermotiv für Errol, die Eule der Weasleys, das unter anderem gespielt wird, als besagte altersschwache Eule im Fuchsbau oder in Hogwarts eintrifft. Dieses Motiv könnte man fast als „tattrige“ Variation von Hedwigs Thema beschreiben.
Bei Zweiten handelt es sich um eines der großen Themen des Scores, dem Thema für die Kammer des Schreckens (auf dem Soundtrack als Konzertsuite The Chamber of Secrets). Es handelt sich dabei um eine pervertierte und verdrehte Version von Hedwigs Thema (mit einigen Elementen des Flug-Themas), das die dunkle Seite des Schlosses darstellt. Gerade, wenn man Hedwigs Thema gut im Ohr hat, klingt das Thema der Kammer gleichzeitig vertraut und doch irgendwie falsch.

Harry Potter und der Gefangene von Askaban
„Der Gefangene von Askaban“ stellt den ersten Regisseurwechsel der Serie dar, und damit geht auch eine massive Veränderung bei der Atmosphäre einher, die sich wiederrum stark auf den Soundtrack ausübt. Ein drittes und letztes Mal wurde John Williams engagiert, allerdings distanzierte sich der Maestro dieses Mal stärker von den beiden vorhergehenden Scores. Trotzdem fängt alles wie gewohnt an, nämlich mit einem vollen Statement von A- und B-Phrase zu Harrys Hausaufgaben und der Titeleinblendung (Lumos! (Hedwig’s Theme)). Danach ist Hedwigs Thema jedoch erst einmal ziemlich lange abwesend. Es ist möglich, dass es hin und wieder sehr schwer hörbar in den Underscore eingewoben wurde, aber bis zur Ein-Stundenmarke taucht es nicht auf, jedenfalls in keiner Variation, die gut zu vernehmen wäre. Die Rolle der B-Phrase als Thema von Hogwarts übernimmt das Double-Trouble-Thema, das mit Fug und Recht auch als Hauptthema des dritten Filmes gelten kann (u.a. in Double Trouble, Secrets of the Castle und Hagrid the Professor).
Der erste größere Auftritt des Themas seit dem Anfang untermalt in der Tat Hedwig, die „in den Winter fliegt“. Besonders interessant ist das Ende dieser Variation, da Hedwigs Thema hier mit dem A-Window-to-the-Past-Thema verwoben wird (dieses Thema steht für die Verbindung Harrys zu seiner Vergangenheit bzw. zu seinen Eltern).
Eine ähnliche Verflechtung dieser beiden Themen taucht später auch bei Harrys Gespräch mit Sirius auf, kurz bevor Lupin sich gezwungenermaßen in einen Werwolf verwandelt. Beide Statements sind nicht auf der Soundtrack-CD zu finden, dafür gibt es hier wiederrum einen Einsatz des Themas, der nicht im Film zu finden ist: In der Mitte des Stückes A Window to the Past, in dem das gleichnamige Thema vorgestellt wird, taucht auch die A-Phrase von Hedwigs Thema auf (bei 2:17). Wie bereits erwähnt existiert diese Einspielung im Film selbst nicht, bzw. sie kommt lediglich im Abspann vor (ebenfalls auf der CD zu finden: Mischief Managed!). Auch die Variation aus Secrets of the Castle lässt sich nicht eindeutig zuordnen.
In den finalen Szenen des Films kommt Hedwigs Thema schließlich wieder ein wenig häufiger vor: Es wird kurz vor Harrys letztem Gespräch mit Lupin angespielt und dann noch einmal kur darauf als Harry Sirius‘ Paket öffnet und den Feuerblitz erblickt. Und nach einem kurzen Auftritt des Flug-Themas eröffnet Hedwigs Thema schließlich den Abspann und beendet ihn auch (Mischief Managed!).
Es lässt sich also festhalten: In „Der Gefangene von Askaban“ fährt Williams Hedwigs Thema stark zurück und lässt die B-Phrase fast vollständig fallen (was ihm Hooper und Doyle leider nachtun). Wenn es angespielt wird, dann meistens um die Bedeutung des A-Window-to-the-Past-Themas zu unterstreichen.

Harry Potter und der Feuerkelch
Da John Williams für „Harry Potter und der Feuerkelch“ nicht zur Verfügung stand, brachte Potter-Regisseur Nummer 3, Mike Newell, gleich seinen eigenen Komponisten mit: Patrick Doyle, vor allem bekannt durch seine Zusammenarbeit mit Kenneth Branagh (der ironischerweise in Film 2 Gilderoy Lockhart spielt). Von der Williams’schen Leitmotivsprache ist in „Der Feuerkelch“ praktisch nichts geblieben, nur Hedwigs Thema, schon zu diesem Zeitpunkt untrennbar mit Harry Potter verbunden, absolviert eine Handvoll Pflichtauftritte – Gerüchten zufolge geschah dies auf Anordnung von Warner Bros. Hedwigs Thema fungiert hier als „Tor zur magischen Welt“: Auch der vierte Potter-Film wird von der A-Phrase (die B-Phrase kommt bis Film 7.2 nur sehr selten vor) von Hedwigs Thema eröffnet (The Story Continues), allerdings in einer dissonanten Moll-Variation, wie sie düsterer nicht sein könnte. Die Botschaft ist eindeutig: Wir haben uns vom freundlichen Ansatz des ersten Films inzwischen weit entfernt, Harry wird erwachsen und die Welt um ihn herum ungemein düster und feindselig.
Auch die Fahrt nach Hogwarts wird von einem kurzen Statement untermalt (Foreign Visitors Arrive) – da Hedwig sich aber in dieser Szene gerade mit einem Brief an Sirius Black auf den Weg macht, könnte das Thema dieses Mal ausnahmsweise ihr gelten. Besagte Variation ist weniger dissonant und bedrohlich als die erste, aber immer noch weit entfernt von der Wärme, die dieses Thema bei Williams ausstrahlte
Ein weiterer, ähnlich klingender Einsatz des Themas (untermalt wird eine Außenansicht des Schlosses) ist ungefähr in der Mitte des Films finden, nach der Bewältigung der ersten Aufgabe des Trimagischen Turniers und der anschließenden Feier, dieses Mal sogar mit einem Teil der B-Phrase (nicht auf der Soundtrack-CD zu finden).
Und schließlich und endlich gibt es da noch eine kleine Stelle in Doyles Score, bei der man diskutieren kann, ob es sich wirklich um den fragmentarischen Einsatz von Hedwigs Thema (B-Phrase) oder lediglich um einen Zufall handelt. Während des Finales erwähnt Lord Voldemort höhnisch Harrys Spitznamen („The boy who lived“). Während er dies tut könnte man meinen, dass die Eröffnung der B-Phrase gespielt wird (Voldemort, 4:58).
Ein letztes Statement der A-Phrase erfolgt schließlich am Anfang der Credits – leider versäumten es Hooper und Desplat (zumindest in Film 7.1), diese Tradition wahrzunehmen.

Harry Potter und der Orden des Phönix

Die Kompositionsstile von Patrick Doyle und Nicholas Hooper könnten nicht unterschiedlicher sein: Ersterer setzt stark auf das volle Orchester mit viel Bombast, während letzterer eher sparsam, ja fast minimalistisch arbeitet. Wo der eine „zu viel“ verwendet, setzt der andere „zu wenig“ ein. Und trotzdem verwenden beide Komponisten Hedwigs Thema auf beinahe dieselbe Weise. Auch bei Hoopers Score zu „Harry Potter und der Orden des Phönix“ fungiert die A-Phrase als „Tor zur magischen Welt“. Darüber hinaus wird es noch an einigen wenigen Schlüsselstellen der Handlung gespielt (ähnlich wie in „Die Kammer des Schreckens“, aber seltener).
Warner Bros.-Logo und Titeleinblendung erhalten wie gewohnt ein Statement, dieses Mal zwar nicht so dissonant wie in Film 4, aber doch sehr getragen und bedrückt – die Freude und Wärme, die Hedwigs Thema in den ersten drei Filmen ausstrahlte, fehlt abermals, allerdings wäre sie auch nicht angebracht, immerhin wird es von Film zu Film bedrohlicher. Schade ist allerdings, dass die B-Phrase zwar angefangen wird, dann aber sofort abbricht. In besagtem Stück auf der Soundtrack-CD, Another Story, ist das Thema noch einmal zu hören, wenn auch in die Untermalung eingearbeitet, was im Film allerdings nicht mehr auszumachen ist.
Die Fahrt nach Hogwarts wird ebenfalls mit einem Statement der A-Phrase untermalt – dieses Mal besteht zudem kein Zweifel an der „Torfunktion“ des Themas, da Hedwig in der Szene abwesend ist (A Jounrey to Hogwarts).
Eine weitere, eher düstere und knappe Version des Themas (möglicherweise symbolisiert sie hier das „Angekommensein“) ist nach dem Ende von Professor Umbridges Rede zu hören, zu der eine nächtliche Außenansicht des Schlosses zu sehen ist (gerade hier hätte sich die B-Phrase angeboten, aber es ist abermals die A-Phrase).
Zu den oben erwähnten Schlüsselszenen zählt auch jene, in der Hermine praktisch im Alleingang die Gründung von Dumbledores Armee beschließt. Nachdem sie sagt, dass die Schüler jemanden finden müssen, der Willens ist, sie in Verteidigung gegen die Dunklen Künste zu unterrichten, schwenkt die Kamera zu Harry und abermals ist Hedwigs Thema zu hören – die Variation ähnelt den vorhergegangenen.
Bis zum Finale war’s das dann allerdings – zum nächsten und letzten Mal erklingt das Thema, als Harry in der Mysteriumsabteilung nach der Prophezeiung greift und ihren Inhalt vernimmt. Um die Bedeutung der Prophezeiung zu unterstreichen greift Hooper auf eine langsame, mysteriös-neblige Variation der A-Phrase zurück (The Hall of Prophecies).

Harry Potter und der Halbblutprinz
Und zum sechsten Mal wird ein Harry-Potter-Film mit Hedwigs Thema eröffnet, allerdings in einer Variation, die dermaßen dezent ist, dass man sie leicht überhört. Nach einem kurzen Einschub des später auftauchenden Stückes Dumbeldore’s Farwell und kurz bevor das Todesserthema startet, könnte man meinen, dass Hooper Fragmente der B-Phrase in die musikalische Untermalung eingearbeitet hat, die das Auftauchen des Dunklen Mals begleitet. Wie bei der Friedhofsszene in „Der Feuerkelch“ kann man darüber allerdings vortrefflich streiten (alles in Opening).
Das nächste Auftauchen des Themas wirkt fast ein wenig, als ob Hooper die Hörer für den extradezenten Einsatz des Themas am Anfang entschädigen wollte, denn als Harry den Fuchsbau betritt, ist die A-Phrase in der warmen Original-Williams-Variation zu hören (Ginny) – quasi ein freundlicher Willkommensgruß für Harry, der seine Rückkehr in die magische Welt begleitet. Die Funktion des Themas als „Tor zur magischen Welt“ ist somit auch im zweiten Potter-Score von Nicholas Hooper vertreten, insbesondere, da auch die Fahrt nach Hogwarts ein weiteres Statement bekommt. Und dieses Mal – oh Wunder – ein komplettes in bester Williams-Manier inklusive B-Phrase, wie man es seit „Der Gefangene von Askaban“ nicht mehr gehört hat. Allerdings ist das auch der letzte Einsatz von Hedwigs Thema in diesem Film.

Harry Potter und die Heiligtümer des Todes Teil 1
Im Vorfeld zu „Die Heiligtümer des Todes Teil 1“ sagte Potter-Komponist Nummer 4 Alexandre Desplat in einem Interview, dass er ein großer Fan von Hedwigs Thema sei und im kommenden Film (bzw. den kommenden Filmen) wieder mehr Gebrauch davon machen wolle. Während dies bei „Die Heiligtümer des Todes Teil 2“ unbestreitbar ist, verhält es sich mit Desplats erstem Potter-Soundtrack ein wenig anders. In der Tat setzt der Franzose auch hier das Thema (allerdings wieder nur die A-Phrase) öfter ein, als es etwa Hooper in „Der Halbblutprinz“ tat, allerdings in derart dezenten Variationen, dass man es fast nicht mitbekommt. Das Thema fungiert hier meist als Nostalgie- bzw. Erinnerungsthema. Natürlich fehlt auch der obligatorische Einsatz beim Warner Bros. Logo nicht, aber Desplat schafft es in der Tat, seine Variation noch dezenter zu gestalten als Hooper im vorherigen Film (besagte Variation findet sich nicht auf der CD). Ähnliches trifft auch auf die meisten anderen Einsätze des Themas zu; sie sind äußerst zurückhaltend. Zum ersten Mal übernimmt das Thema die Nostalgiefunktion, als Harry in den Schrank unter der Treppe blickt, in dem er im ersten Film noch schlief (ebenfalls nicht auf der Soundtrack-CD).
Kurz darauf rückt der Orden des Phönix an und das Thema wird verwendet, als Hagrid sich daran erinnert, wie er Harry vor so vielen Jahren mit dem Motorrad zu seinen Verwandten brachte. Das Ende dieses Statements untermalt auch die Freilassung Hedwigs und gehört damit zu den seltenen Einsätzen, in denen das Thema auch wirklich der Eule gilt (Polyjuice Potion). Gleiches gilt für den Einsatz in Sky Battle: Um Hedwigs Tod zu begleiten hat Desplat Fragmente des Themas in das hektisch Underscoring des Luftkampfes eingearbeitet, die herauszuhören allerdings nicht ganz einfach sind. Bei 1:52 und 2:01 ist es erkennbar und bei 2:13 (direkt, nachdem die Eule vom Todesfluch getroffen wird) folgt nochmal ein Fetzen.
Auf der CD findet sich noch ein weiteres kurzes Statement in dem Stück The Will, das aber wohl aus dem Film geschnitten bzw. einfach nicht verwendet wurde. Da die Szene, die besagtes Stück untermalt, durch die Anwesenheit des Deluminators und des Schnatz aus „Der Stein der Weisen“ allerdings ziemlich nostalgisch aufgeladen, kann man gut verstehen, weshalb hier ursprünglich ein Einsatz der A-Phrase geplant war.
Den restlichen Film über ist allerdings kaum mehr Zeit für Nostalgie, weshalb Hedwigs Thema nur noch einen letzten Auftritt hat: Bei Dobbys Tod erklingt es noch einmal kurz. Alles in allem taucht es also wieder häufiger auf, allerdings in Variationen, die man sehr leicht überhört.

Harry Potter und die Heiligtümer des Todes Teil 2

„Harry Potter und die Heiligtümer des Todes Teil 2“ fängt äußerst ungewöhnlich an: Das Potter-Finale wird nicht von Hedwigs Thema eröffnet. Allerdings werden Liebhaber des Themas über die Dauer des Films ausreichend entschädigt, da es in diesem Film sehr präsent ist – bei einigen Statements handelt es sich gar fast um Eins-zu-eins-Übernahmen aus den Williams-Scores. Die genaue Funktion, die das Thema in diesem Film hat ist dabei weniger genau festzumachen als es zum Beispiel im Vorgänger der Fall war. Die Verwendung ähnelt wohl am ehesten der in „Die Kammer des Schreckens“, denn auch hier werden vor allem Schlüsselstellen untermalt. Allerdings ähneln einige Einsätze denen in „Die Heiligtümer des Todes Teil 1“, während andere ein wenig merkwürdig erscheinen.
Das erste Mal erklingt das Thema in einer sehr dezenten Glockenspielvariante während bzw. nach dem Gespräch mit Griphook, unterlegt mit Ostinati, die sehr an das Stück Obliviate aus dem vorhergegangenen Soundtrack erinnern (nicht auf dem Album). An dieser Stelle kommt das Trio zu der Erkenntnis, dass in Bellatrix‘ Verließ ein Horkrux sein muss und beschließt, dass ein Einbruch vonnöten ist.
Der nächste Einsatz zählt zu den oben erwähnten etwas merkwürdigen Statements, denn in der Szene, in der Harry, Ron und Hermine auf dem Rücken des Drachen aus Gringotts fliehen (genauer: als das Vieh gerade ein Dach mit den Klauen zerlegt; Dragon Flight), erklingt eine recht pompöse und gleichzeitig verzweifelte Variation der A-Phrase, über deren genaue Bedeutung man streiten kann. Möglicherweise wurde sie allerdings auch erst recht spät eingefügt und es fehlt ein tieferer Sinn.
Beim dritten Einsatz gibt es allerdings keine Diskussionen: Harry kehrt nach Hogwarts zurück (bzw. betritt den Raum der Wünsche) und ein volles Statement der B-Phrase erklingt, das direkt aus „Die Kammer des Schreckens“ kommen könnte (leider ebenfalls nicht auf der CD). In der Tat wurde Desplat für die mangelnde Veränderung kritisiert, aber hey, es ist so schön, dass die B-Phrase in pompöser Form zurückkehrt, dass man über derartige Details nicht meckern sollte.
Während sich die Schüler in der Großen Halle versammeln, wird ein weiteres Mal die A-Phrase auf sehr bedrückende Art und Weise gespielt: Der Zuschauer soll sich dabei wohl an Hogwarts erinnern, wie es früher war und gleichzeitig erkennen, wie es nun um die Schule bestellt ist. Diese Variation ist in A New Headmaster zu finden. Besagtes Stück auf der CD enthält noch eine weitere Einspielung, die es aber nicht in den Film geschafft hat. Dafür gibt es im Film noch ein weiteres Statement der ersten Hälfte der B-Phrase, dem vorherigen sehr ähnlich, als Professor McGonagall die Lampen wieder anmacht.
Der nächste Einsatz (ab hier folgt bis zum Epilog wieder ausschließlich die A-Phrase) gehört zu den eher merkwürdigen Positionierungen. Das Statement klingt sehr nach Williams und wird von einer Celesta gespielt, dazu ist allerdings der Greifer Scabior zu sehen. Die logischste Erklärung wäre, dass dieses Statement ursprünglich im Zusammenhang mit der Szene in der Kammer des Schreckens gespielt werden sollte, aber durch eine geänderte Schnittfassung an die Stelle gelangte, an der es sich nun im Film befindet. Kurz darauf folgt ein weiterer Einsatz, dieses Mal allerdings stark verfremdet und fast schon militärisch anmutend, der der Zerstörung von Hufflepuffs Becher vorausgeht (alles in In the Chamber of Secrets).
Ein weiteres, sehr getragenes und fast schon schicksalhaftes Fragment ist während der darauf folgenden großen Schlachtszene zu hören, als Harry durch einen einstürzenden Gang rennt (Battlefield), dicht gefolgt von einer sehr dezenten Variation, als Ron und Hermine darauf kommen, dass Harry in den Raum der Wünsche geht (nicht auf der CD). Beide Einsätze kann man wohl in die Kategorie „schicksalhafte Schlüsselszene“ einordnen. Darüber hinaus gibt es in The Diadem noch ein weiteres Statement, das im Film allerdings nicht enthalten ist.
Als Harry nach der Zerstörung des Diadems zu der Erkenntnis kommt, dass Nagini der letzte Horkrux ist, folgt ein weiteres, eher zurückhaltendes Statement der A-Phrase (Snape’s Demise). Und schließlich, während Voldemort zum zweiten Mal alle Anwesenden anspricht, schwillt das Orchester abermals zu einer schicksalhaften Variation von Hedwigs Thema an, die der militärischen aus In the Chamber of Secrets sehr ähnelt (nicht auf der CD).
Und natürlich wird auch Harrys schicksalhafter Gang in den Verbotenen Wald von einem Fragment des Themas begleitet (Harry’s Sacrafice). Ebenso logisch erscheint es, dass Voldemorts Worte „Harry Potter is dead“ ebenfalls von einer leisen Variation der A-Phrase untermalt werden (Procession). Kurz darauf greift Desplat noch einmal auf eine „militärische“ Variation von Hedwigs Thema zurück, die während des finalen Kampfes von Harry und Voldemort zu hören ist, als Ersterer Letzterem zu erklären versucht, weshalb der Elderstab nicht funktioniert (Showdown).
Es ist nun wohl deutlich geworden, dass Desplat im letzten Potter-Film enormen Gebrauch von John Williams ikonischem Thema macht. Der krönende Höhepunkt sind schließlich Epilog und Abspann, in welchen neu arrangierte Versionen der Stücke Leaving Hogwarts und Hedwig’s Theme aus dem Soundtrack von „Harry Potter und der Stein der Weisen“ verwendet werden. Leaving Hogwarts ist mit Hedwigs Thema durchzogen und Hedwig’s Theme… nun ja, ich denke, da muss man kein weiteres Wort verlieren. „Harry Potter und die Heiligtümer des Todes Teil 2“ dürfte auf jeden Fall all jene befriedigen, denen das Thema in den vorhergehenden Filmen zu kurz kam.

Außerhalb der Filme
Wie zu Anfang bereits erwähnt hat sich Hedwigs Thema, wie so viele andere William-Themen auch, inzwischen unwiederbringlich festgesetzt, und als solches findet man auch Versionen außerhalb der acht Filme. Auf Youtube gibt es unzählige Coverversionen in allen möglichen Stilrichtungen. Wer darüber hinaus nach weiteren orchestralen Versionen sucht, sollte sich die Trailer der Harry-Potter-Filme noch einmal anschauen. Während viele einfach nur ein kurzes Fragment bei der Titeleinblendung oder eine Williams-Variante aus einem der Filme verwenden, haben manche ganz eigene Variationen. Besonders erwähnenswert sind zwei Trailer, einer zu Film 5 und einer zu Film 7.2. Erster enthält eine heroische Variation der A-Phrase, während Letzterer von einer stockenden, ja geradezu tragischen Version eröffnet wird.
Auch die Soundtracks zu den Harry-Potter-Computerspielen ab Nummer 5, komponiert von James Hannigan, können in dieser Hinsicht lohnenswert sein. Besonders in „Der Orden des Phönix“ setzt Hannigan Hedwigs Thema sehr oft ein, inklusive einer ätherischen a capella-Version.

Siehe auch:
Harry Potter und der Stein der Weisen – Soundtrack
Harry Potter und die Kammer des Schreckens – Soundtrack
Harry Potter und der Gefangene von Askaban – Soundtrack
Harry Potter und der Feuerkelch – Soundtrack
Harry Potter und der Orden des Phönix – Soundtrack
Harry Potter und der Halbblutprinz – Soundtrack
Harry Potter und die Heiligtümer des Todes Teil 1 – Soundtrack
Harry Potter und die Heiligtümer des Todes Teil 2 – Soundtrack

Harry Potter und die Heiligtümer des Todes Teil 2


Story: Die Entscheidung naht! Während Lord Voldemort (Ralph Fiennes) den Elderstab errungen hat, sind Harry (Daniel Radcliff), Ron (Rupert Grint) und Hermine (Emma Watson) den Todessern ein weiteres Mal entkommen und setzen nun alles daran, die restlichen Horkruxe des dunklen Lords zu finden und zu vernichten. Nach einem kurzen Abstecher zur Gringotts-Bank führt sie die Suche schließlich zurück nach Hogwarts, wo man sich zur Endschlacht rüstet.

Kritik:
Das Finale ist da, der letzte Harry-Potter-Film, das „Ende einer Ära“, das „Filmerlebnis einer ganzen Generation“, wie die Trailer vollmundig ankündigten. Ich habe mir „Harry Potter und die Heiligtümer des Todes Teil 2“ inzwischen zwei Mal im Kino angeschaut, einmal in der synchronisierten und einmal in der Originalfassung und bin nach wie vor äußerst zwiegespalten über diesen Film. Die Vorlage schätze ich nicht besonders, im Gegenteil, jedoch war „Harry Potter und die Heiligtümer des Todes Teil 1“ äußerst überzeugend; David Yates hatte hier sehr viel aus dem schwachen siebten Buch herausgeholt. Leider muss ich sagen, dass ihm dieses Kunststück beim Nachfolger nicht in diesem Ausmaß gelingt. Es gibt viel Positives, aber auch sehr viel, das mich massiv stört.
Der Anfang des Films, also die Gringotts-Episode, war sehr gelungen, auch wenn sie auf mich ein wenig gehetzt wirkte – aber andererseits ist das vielleicht gerade passend. Besonders Helena Bonham Carter, die sich selbst und Emma Watson mit Erfolg parodiert ist herausragend, ebenso wie der Drache.
Aber ab dem Zeitpunkt, als das Trio nach Hogwarts kommt, offenbaren sich einige fundamentale Schwächen. Da wäre zum einen die (schon in früheren Filmen störende) Tendenz, alles auf Teufel komm raus mit Humor auflockern zu müssen. Während der Kommentar von McGonagall bezüglich der Statuen gerade noch akzeptabel ist, wirken viele andere derartige Versuche störend bis peinlich, etwa in der ansonsten sehr gelungenen Szene im Raum der Wünsche.
Ein weiteres Problem ist die Laufzeit: Der Film ist zu kurz, zwanzig Minuten mehr wären durchaus hilfreich gewesen. Denn für alle Nichtbuchleser offenbaren sich viele Zusammenhänge überhaupt nicht. Vieles wird zwar angeschnitten (etwa die Dumbledore-Hintergrundgeschichte), aber sehr unbefriedigend geklärt (wenn überhaupt). Auch die weitere Zerstörung der Horkruxe geht in meinen Augen zu schnell von statten. Zack, Horkrux zerstört, schnell der nächste. Noch mehr als zu Beginn des Films wirken diese Abschnitte sehr gehetzt. Dies zieht sich durch den ganzen Film nach dem Motto: Die Szene müssen wir noch unbedingt reinbringen, aber macht schnell. Das beste Beispiel hierfür ist das Duell zwischen Molly Weasley und Bellatrix Lestrange, das fürchterlich angeklebt wirkt. Auch die King’s Cross-Szene hätte zur besseren Erklärung durchaus etwas länger sein dürfen.
Wirklich störend finde ich allerdings das finale Duell zwischen Harry und Voldemort, das jeglicher Logik entbehrt, es sei denn, mit dem Verlust der Horkruxe wurde Voldemort eines Teils seiner magischen Kräfte beraubt (was laut Dumbledore in Buch 6 nicht der Fall ist). Ich habe mich die ganze Zeit gefragt, warum zur Hölle Voldemort nicht die Feuerschlange aus „Der Orden des Phönix“ auspackt und Harry erledigt. Hier wäre mehr Nähe zum Buch in der Tat besser gewesen, ich hätte viel lieber gesehen, wie sich Voldemort mit McGonagall, Kingsley und Slughorn duelliert.
Ebenso störend ist der Epilog, was hauptsächlich an der Vorlage liegt. Allerdings sehen die auf älter getrimmten Schauspieler wirklich lächerlich aus, insbesondere Draco Malfoy mit Vollbart und Ron mit Bierbauch. Einzig die Musikauswahl – John Williams‘ Leaving Hogwarts aus dem Soundtrack zu „Harry Potter und der Stein der Weisen“ – war hier positiv und gelungen.
Aber genug beschwert, es gibt auch viel Positives zu berichten. Dazu gehören mal wieder vor allem die Nebendarsteller. Für den finalen Potter versammelt David Yates noch einmal die gesamte britische Schauspieler-Elite vor der Kamera, und sei es nur für ein kurzes Cameo (zum Beispiel bei Gary Oldman und Emma Thompson). Hierbei findet sich allerdings noch ein weiterer Kritikpunkt. Bei „Die Rückkehr des Königs“ beschwerten sich viele, dass jeder einzelne Charakter zu ausführlich verabschiedet wurde. Bei „Die Heiligtümer des Todes Teil 2“ ist genau das Gegenteil der Fall: Kaum einer der Nebenfiguren wird ein würdiger Abschied gegönnt. Opfer der Schlacht wie Fred, Lupin oder Tonks bekommen nicht einmal eine Sterbeszene. Wenigstens bekommt Maggie Smith als Professor McGongall ihren großen Auftritt. Auch Jason Isaacs und Alan Rickman holen aus der Leinwandzeit, die sie bekommen, heraus was möglich ist. Gerade die Geschichte des Prinzen ist gut oder zumindest besser als im Buch geworden. Zwar wird Snape positiver interpretiert, aber dennoch sind seine Erinnerungen im Film berührender.
Die beste Leistung des Films liefert aber ein weiteres Mal Ralph Fiennes als Voldemort ab. Trotz einiger Sabotageakte des Drehbuchs (etwa die Umarmung von Draco) schafft er es, aus dem verblödeten Trottelmord des Romans ein weiteres Mal einen interessanten Charakter zu machen. Im Film spürt Voldemort, anders als im Buch, die Zerstörung seiner Horkruxe und wird darüber immer wahnsinniger. Dieser Aspekt wird von Fiennes bravurös dargestellt, er schafft es gar, Voldemort eine gewisse Tragik zu verleihen, etwas, das J.K. Rowling nie gelang.
Sehr schön gelungen ist darüber hinaus die Verteidigung des Schlosses, während die Schlacht an sich noch steigerungsfähig wäre. Die Action ist im guten Bereich, allerdings ist sie nicht so überragend, wie man vielleicht erwartet hätte, der Kampf in der Mysteriumsabteilung mit dem anschließenden Duell zwischen Voldemort und Dumbledore wird leider nicht wirklich überboten.
Fazit: „Harry Potter und die Heiligtümer des Todes Teil 2“ ist akzeptabel, allerdings eindeutig schwächer als der Vorgänger. Zum einen wird es schwieriger, die enormen Schwächen der Vorlage zu kaschieren, zum anderen begeht das Filmteam einige ärgerliche Fehler, die nun wirklich nicht hätten sein müssen. Als Abschluss der Filmreihe bzw. des Phänomens, das mich durch meine gesamte Jugendzeit begleitet hat, ist er gerade so annehmbar.

Trailer

Siehe auch:
Harry Potter und die Heiligtümer des Todes Teil 2 – Soundtrack

Harry Potter und die Heiligtümer des Todes Teil 1


Story: Es wird finster in der Zaubererwelt. Nach einer gelungenen Flucht aus dem Haus seiner Verwandten kehrt Harry Potter (Daniel Radcliffe) erstmals mit seinen Freunden Ron (Rupert Grint) und Hermine (Emma Watson) nicht nach Hogwarts zurück, sondern entschließt sich, Lord Voldemorts (Ralph Fiennes) Horkruxe, die Mittel zu seiner Unsterblichkeit, zu suchen und zu vernichten. Währenddessen schlägt der Dunkle Lord bereits zu, tötet Zaubereiminister Rufus Scrimgeour (Bill Nighy) und setzt stattdessen seine Marionette Pius Thicknesse (Guy Henry) an die Spitze der Zaubererwelt. Praktisch hat er damit gewonnen, allerdings fehlt noch eines zu seinem Sieg: Der Tod von Harry Potter. Dieser befindet sich derweil mit seinen Freunden auf der Flucht, und obwohl es ihnen gelungen ist, einen Horkrux an sich zu bringen, wissen sie weder, wie sie ihn zerstören können, noch wo die anderen sein könnten. Nebenbei hat der Horkrux selbst auch noch eine unangenehme Wirkung, die die Aufgabe nicht gerade einfacher macht.

Kritik: „Harry Potter und die Heiligtümer des Todes Teil 1“ ist nicht ganz leicht zu bewerten, da er sich von den anderen Filmen grundsätzlich unterscheidet. Zum einen fehlen, wie nicht anders zu erwarten, die vertrauten Strukturen der Schule, oder mit anderen Worten, das „Gewohnte“ bei einem Harry-Potter-Film, und zum anderen ist der siebte Band nicht gerade mein Lieblingsteil. Dennoch muss man den Film anders bewerten als die Vorlage, da er eine Adaption darstellt. Und als solche ist er seit den Filmen 1 und 2 die wohl buchgetreuste Leinwandumsetzung. Das liegt natürlich vor allem an der Zweiteilung; im Gegensatz zu den Filmen 3 bis 6, in denen Regisseure und Drehbuchautoren immer komplexere und dickere Romane in relativ „kurze“ Filme umsetzen mussten, hat David Yates hier nun Zeit – und nutzt diese auch. Zwar geht es am Anfang durchaus hoch her, doch der Film beruhigt sich sehr schnell und ist mit Sicherheit der leiseste und ernsteste Streifen der Reihe. Ich würde nicht soweit gehen und ihm dabei, wie einige Kritiker dies tun, jeglichen Humor absprechen, denn dieser ist durchaus vorhanden, aber er ist sehr leise und sparsam.
Ebenso sparsam ist die Action, die, wie schon im „Halbblutprinzen“ ebenfalls recht reduziert ausfällt. Mit der „Schlacht über Little Winghing“ erreicht der Film diesbezüglich bereits seinen frühen Höhepunkt, der allerdings sehr schnell wieder vorbei ist. Auch die spärlichen weiteren Kämpfe (Verfolgung im Wald, Scharmützel in Malfoy Manor) sind sehr kurz und für den Action-Fan in mir kaum befriedigend. Allerdings wird, nach Aussagen einiger Beteiligter, wohl der zweite Film eine einzige Schlacht sein, insofern ist das also vielleicht ganz passend.
Wie bereits erwähnt, im Fokus stehen die ruhigeren Szenen. Noch mehr als üblich konzentriert sich der Film auf das Trio, das über weite Strecken allein unterwegs ist. Dieser Mittelteil des Films ist nicht unbedingt langweilig, er ist ein wenig geraffter als im Buch und gibt vor allem Emma Watson – in diesem Fall muss ich mich der allgemeinen Kritikermeinung anschließen – Gelegenheit, zu zeigen was sie kann, aber dennoch…
Es gibt einige schöne „Abschweifungen“ vom Haupthandlungsstrang (wir sehen zum Beispiel, wie Todesser den Hogwartsexpress durchsuchen oder wie Voldemorts Marionetten-Regime seine Arbeit aufnimmt), aber ich hätte zu gerne noch ein paar mehr dieser „Abschweifungen“ gehabt.
Eine interessante Wandlung hat auch die Atmosphäre durchgemacht. Nach wie vor finde ich, dass der „Halbblutprinz“ der atmosphärisch dichteste Teil der Reihe ist, dessen dunkle, aber sehr surreale Stimmung sich manchmal der eher komödiantischen Handlung zu widersetzen scheint. Im ersten Teil der „Heiligtümer des Todes“ haben wir dagegen einen kalten und düsteren Realismus, bedingt durch die vielen Außen- und Landschaftsszenen. Die Leute, die bereits den direkten Vorgängern zur Last legten, es mangle an „Magie“, werden mit dieser Atmosphäre sicher nicht glücklich. Ich selbst bin diesbezüglich allerdings noch etwas unentschlossen, da ich die Stimmung und Farbgebung des „Halbblutprinzen“ wirklich genial fand und mir gewünscht hätte, dass diese beibehalten wird.
Die meisten Fehler und Kritikpunkte, die „ Die Heiligtümer des Todes Teil 1“ aufzuweisen hat, sind eigentlich nicht Fehler des Films selbst, sondern der Vorlage (die diversen Logikbrüche, auf die ich nicht noch einmal eingehen werde und die im Film auch weniger gravierend wirken) und der Vorgänger. Die Einführung von Bill Weasley beispielsweise oder die Wiedereinführungen von Dobby, Kreacher und Fleur Delacour wirken reichlich konstruiert, eben weil diese bereits in den vorherigen Filmen hätten erfolgen sollen.
Absolut keine Fehler (bis auf den, dass sie zu wenig Leinwandzeit haben) gibt es bei den Nebendarstellern, die, wie üblich, ein großes Plus darstellen. Am meisten dominiert noch Ralph Fiennes der (unter anderem in Harrys Visionen) auch mal ein wenig öfter auftauchen darf und Lord Voldemort nach wie vor wunderbar spielt. Den Höhepunkt gibt es auch hier wieder direkt am Anfang, nämlich in der Todesserszene in Malfoy Manor, in der Fiennes ein weiteres Mal zeigt, wie überzeugend, charismatisch, ironisch und bösartig er als Schurke doch sein kann. Imelda Stauntons Umbridge ist ebenso bösartig-genial wie schon im „Orden des Phönix“, Jason Isaacs als Lucius Malfoy schafft es in nur zwei Szenen und mit einigen wenigen Gesten perfekt, einen vollkommen gebrochenen Mann darzustellen und Helena Bonham Carters Bellatrix Lestrange erreicht neue Höhen der Bosheit und wirkt erstmals richtig beängstigend. Auch die Neuzugänge sind wieder einmal wunderbar besetzt, Bill Nighy spielt ein weiteres Mal ein Alphatier und kommt als Rufus Scrimgeour sogar sympathischer rüber als im Buch (schade, dass er schon so früh stirbt), Rhys Ifans als Xenophilius Lovegood ist sehr passend und auch Guy Henry, der seinen Pius Thicknesse sehr subtil als freundlichen, harmlos wirkenden Bürokraten anlegt (im Film wird nicht geklärt, ob er unter dem Imperius-Fluch steht, aber die gezwungene Art des Handelns und seine zitternde Hand deuten darauf hin), weiß zu überzeugen. Aus unserer eigenen Geschichte wissen wir ja genau um die Gefährlichkeit scheinbar harmloser Bürokraten, und im Gegensatz zur Muggelgeborenenregistrierungskommission (tolles Wort) ist diese Anspielung auf das Dritte Reich weder plump noch plakativ geworden. Allgemein hat man sich erfreulicherweise nicht allzu sehr am „faschistischen Design“ orientiert, zwar dürfen die obligatorischen SS-Mäntel nicht fehlen und auch die Sicherheitsleute im Zaubereiministerium kommen einem irgendwie bekannt vor, aber davon einmal abgesehen ist die Nazi-Symbolik eigentlich ziemlich erträglich.
Erwähnt werden muss in jedem Fall noch die tolle Umsetzung des Märchens der drei Brüder, das eindeutig einen der absoluten Glanzpunkte darstellt. Diese animierte Sequenz erinnert an ein Schattenspiel und ist einfach erfrischend und schön und bereichert den Film ungemein.
Fazit: Erstaunlich, dass aus der ersten Hälfte des schwächsten Buches der Reihe die stärkste Adaption wurde. „Die Heiligtümer des Todes“ hält sich zwar eng an die Vorlage, kürzt aber durchaus an den richtigen Stellen, um das ganze ein wenig zu entschlacken und gibt dem Film so einen stärkeren und besseren roten Faden. Hut ab.

Trailer

Siehe auch:
Die Harry-Potter-Filme
Der Soundtrack zu Harry Potter und die Heiligtümer des Todes Teil 1

Die Harry-Potter-Filme

Es gab eine Zeit, da war ich ein fast schon fanatischer Harry-Potter-Fan. Diese Zeit dauerte etwa vom Erscheinen des dritten Bandes bis zum Erscheinen des siebten Bandes.
Aber im Gegensatz zu meinen anderen Lieblingsfandoms (Star Wars, Herr der Ringe, Batman etc.) ließ das Interesse an Harry Potter bei mir spätestens nach der deutschen Veröffentlichung von „Harry Potter und die Heiligtümer des Todes“ stark nach, was wohl mehrere Gründe hat. Zum einen waren die ganzen Rätsel nun gelöst und das Spekulieren, das einen großen Teil des Reizes dieses Fandoms ausgemacht hat, hörte auf.
Doch als eigentlichen Grund sehe ich Band 7 an sich. Nach dem ersten Mal lesen stand ich den „Heiligtümern des Todes“ noch durchaus positiv gegenüber; zwar nicht der beste Schluss, den ich mir vorstellen kann, bzw. konnte, aber dennoch hatte mich das Buch sehr gut unterhalten und ich war durchaus zufrieden.
Allerdings – je länger ich darüber nachdachte und je mehr ich mich in Fanforen herumtrieb (bzw. in einem bestimmten), desto suspekter wurde mir das Buch (und damit auch zum Teil die ganze Reihe). Da offenbarten sich nach und nach Plot- und Logiklöcher von gewaltigem Ausmaß (Stichwort Fideliuszauber), ein naives, wenn nicht gar äußerst fragwürdiges Weltbild der Autorin (Jesus-Harry), flache Charaktere, die zum Abziehbild ihres früheren Selbst wurden (Snape) und – für mich am schlimmsten – ein Schurke, der das gewaltige Potential, das er in früheren Bänden besaß, gnadenlos verschenkte und zu einem gehirnamputierten Choleriker wurde (Voldemort).
Langer Vorrede, kurzer Sinn: Mein Verhältnis zur Harry-Potter-Saga ist nicht mehr das Beste. Dennoch lohnt es sich, die bisher erschienen sechs Verfilmungen noch mal einer Betrachtung zu unterziehen und sie zu rezensieren.
Eines noch Vorneweg: Das Hauptaugenmerk lege ich natürlich auf die Umsetzung von Buch zu Film.

Harry Potter und der Stein der Weisen

Story: „Du bist ein Zauberer, Harry.“ Diese vom Halbriesen Hagrid (Robbie Coltrane) ausgesprochenen Worte ändern das gesamte Leben des elfjährigen Harry Potter (Daniel Radcliffe), der bei ungeliebten Verwandten aufgewachsen ist. Von nun an darf er die Zaubererschule Hogwarts besuchen. Das bringt aber nicht nur Vorteile mit sich. Denn neben guten Lehrern wie dem weisen Schulleiter Albus Dumbledore (Richard Harris) oder der strengen, aber gerechten Professor McGonagall (Maggie Smith) gibt es auch ungerechte und fiese Dozenten wie Zaubertranklehrer Severus Snape (Alan Rickman), der einen Groll gegen Harry hegt. Zum Glück findet Harry in Ron Weasley (Rupert Grint) und Hermine Granger (Emma Watson) schon bald zwei gute Freunde.
Aber auch Gefahr lauert, denn der entleibte Lord Voldemort (Richard Brenner und Ian Hart), der Mörder seiner Eltern und schlimmster Schwarzmagier aller Zeiten, hat vor, zurückzukehren…

Kritik: Die Verfilmung des ersten Bandes wagt praktisch keine Experimente und hält sich sehr eng, fast schon sklavisch an die Vorlage. Regisseur Chris Columbus, vor allem durch Komödien wie „Kevin allein Zuhaus“ und „Mrs. Doubtfire“ bekannt, filmt das Buch Bild für Bild ab, fast ohne eigene Akzente zu setzen. Dabei kleidet er alles in eine extrem märchenhafte Atmosphäre, die manchmal schon fast störend ist.
Auch die drei Hauptdarsteller sind nicht wirklich das Gelbe vom Ei; sie sind vor allem niedlich, aber abgesehen davon leisten sie nicht wirklich viel.
Aber das wahre Kapital der Harry-Potter-Filme sind die Nebendarsteller. Dieser Sachverhalt zieht sich durch die gesamte Filmreihe und beginnt bereits im „Stein der Weisen“: Richard Harris und Maggie Smith sind ganz ohne Frage Idealbesetzungen für ihre Rollen und überzeugen vollkommen. Robbie Coltranes Hagrid ist zwar ein wenig kleiner, als ich ihm mir vorgestellt hatte, weiß aber ebenfalls zu überzeugen.
Alan Rickmans Snape ist etwas zwiespältiger, weil er eindeutig zu alt für die Rolle ist, aber beim ersten Film fällt das noch nicht wirklich ins Gewicht, davon abgesehen spielt er den Snape durchaus überzeugend.
Die Filmmusik dagegen hält leider nicht ganz, was der Name „John Williams“ verspricht. Der Altmeister, der unter anderem schon „Star Wars“, „Indiane Jones“, „Schindlers Liste“ und unzählige weitere Kultfilme und Blockbuster vertont hat, liefert zwar einen ganz soliden Score ab, aber auch nicht mehr. Er ist „Williams-Durchschnitt“, immer noch besser als vieles andere, aber gemessen an den großen Erfolgen des Meisters eher enttäuschend. Das einzig wirklich einprägsame Thema ist „Hedwig’s Theme“, das sich nicht umsonst zum Markenzeichen der Reihe entwickelt hat.
Fazit: „Harry Potter und der Stein der Weisen“ orientiert sich sklavisch an der Vorlage und bietet eine Atmosphäre, die fast schon kitschig ist. Vor allem die Nebendarsteller sorgen dafür, dass man sich den Film trotzdem ganz gerne anschaut.

Harry Potter und die Kammer des Schreckens

Story: Harry Potters zweites Schuljahr beginnt eher unangenehm: Zuerst wollen ihn seine verhassten Verwandten nicht aus dem Haus lassen, weil der Hauself Dobby (Toby Jones) unter mysteriösen Andeutungen Chaos anrichtet, und dann ist auch noch das Tor zum Gleis 9¾ verschlossen, und damit auch das Tor zur magischen Welt. Zum Glück kann man sich mit dem fliegenden Auto des besten Freundes Ron behelfen, auch wenn das später noch zu Ärger führt.
Immerhin sollte man meinen, dass alles erst einmal gut ist, sobald man in Hogwarts angekommen ist, aber leider ist auch dem nicht so. Denn eine seltsame Kreatur geht um und versteinert Schüler. Was hat es mit diesem Monster auf sich? Ist wirklich der Erbe Slytherins zurückgekehrt? Ist gar Draco Malfoy (Tom Felton), Harrys Erzfeind dieser Erbe? Und wie ist Dracos Vater Lucius (Jason Isaacs) in die ganze Geschichte verwickelt? Fragen über die Fragen, denen Harry, Ron und Hermine nachgehen müssen – oder zumindest wollen…

Kritik: Auch für die Leinwandadaption des zweiten Bandes zeichnet sich Chris Columbus verantwortlich. „Harry Potter und die Kammer des Schreckens“ ist dabei seinem Vorgänger sehr ähnlich, nur in allen Punkten ein wenig besser.
Während sich Niedlichkeit und mangelndes schauspielerisches Talent bei den Jungdarstellern noch in etwa ausgleichen, hat die Riege der bekannten britischen Nebendarsteller weiteren Zuwachs von zwei wirklich wunderbaren Schauspielern bekommen: Kenneth Branagh, bekannt als Regisseur und Darsteller von Shakespearverfilmungen, mimt den selbstverliebten Lehrer Gilderoy Lockhart. Während Branagh zwar nicht das im Roman beschrieben blendende Aussehen mitbringt, schafft er es doch spielend, die schleimigen und arroganten Attitüden des neuen Lehrers für Verteidigung gegen die Dunklen Künste anzunehmen.
Der zweite Zuwachs ist schließlich Jason Isaacs als Lucius Malfoy, der es sogar schafft, Kenneth Branagh in Sachen Arroganz noch zu übertreffen; seine Arroganz ist eine kalte und bösartige. Nicht nur Isaacs Spiel, auch das Design der Figur, bis hin zum Spazierstock mit integriertem Zauberstab, hat mich voll überzeugt. In diesem Fall leistet der Film mehr als das Buch: Lucius Malfoy wurde erst durch den Film zu einer interessanten Figur und einem Schurken, der den bisher kaum aktiven Voldemort vertreten kann.
Apropos Voldemort: Auch die Leistung von Christian Coulsen, der am Ende als junger Voldemort auftritt, sollte noch positiv erwähnt werden.
Allgemein ist der zweite Film ein wenig düsterer (vor allem dank der Riesenspinnen und der Kammer des Schreckens), ein wenig spannender und actionreicher, kurz gesagt: Ein wenig besser. Noch immer fehlt der rechte Mut, eigene Zeichen zu setzen, aber innerhalb der Grenzen, die man sich selbst gezogen hat, funktioniert „Die Kammer des Schreckens“ besser als „Der Stein der Weisen“.
Fazit: Wieder einmal ein zweiter Teil, der besser gelungen ist als der erste. „Die Kammer des Schreckens“ hat ein bisschen mehr von allem, inklusive guter Unterhaltung.

Harry Potter und der Gefangene von Askaban

Story: Auch Harrys drittes Jahr an der Schule für Hexerei und Zauberei scheint unter keinem guten Stern zu stehen, denn der notorische Massenmörder und Voldemortanhänger Sirius Black (Gary Oldman) ist aus dem Zauberergefängnis Askaban ausgebrochen und scheint Harry jagen zu wollen.
Deswegen wird Hogwarts auch von Askabans Wächtern, den Dementoren, Glück aussaugenden Kapuzenträgern, bewacht, auf die Harry sehr anfällig reagiert. Zum Glück gibt es Professor Lupin (David Thewlis), den neuen Lehrer für Verteidigung gegen die Dunklen Künste, der endlich einmal ein fähiger Professor dieses Fachs ist und Harry helfen kann.
Andere neue Lehrer sind da leider weniger kompetent, Professor Trelawney (Emma Thompson) etwa, die Lehrerin für Wahrsagen, prophezeit eigentlich immer nur eines, nämlich Harrys baldigen Tod, was diesem langsam lästig wird.
Doch nach wie vor schwebt Sirius Black Schatten bedrohlich über allem…

Kritik: Dass Chris Columbus bei diesem Film nicht mehr Regie geführt hat, merkt man aller spätestens, nachdem Harry den „Fahrenden Ritter“ und damit die Zaubererwelt betreten hat. Wie hat sie sich doch verändert, die magische Welt – es wirkt, als wäre Tim Burton plötzlich Zaubereiminister geworden. Von dem märchenhaften Kitsch der ersten beiden Filme ist nichts, aber auch gar nichts mehr übrig. Stattdessen gibt es eine schräge und düstere Atmosphäre inklusive sprechender Schrumpfköpfe.
Verantwortlich ist natürlich der neue Regisseur, Alfonso Cuarón. Und ich muss ehrlich sagen: Ich liebe seinen Stil, auch wenn der Atmosphärenwechsel zwischen Film 2 und 3 doch sehr krass ist.
So habe ich die Zaubererwelt gerne, gotisch, bedrückend, aber dennoch magisch, schräg und anders. Cuarón ist nicht einfach nur ein Handwerker, der das Drehbuch abfilmt, so wie Columbus es gemacht hat. Der mexikanische Regisseur ist fast schon als visionär zu bezeichnen. Nicht nur ähnelt die von ihm geschaffene Stimmung den Filmen von Tim Burton, Cuarón benutzt zudem eine äußerst ausgefallene Symbolik, die sich auf das Hauptthema des Films konzentriert: Die verstreichende Zeit. Zum ersten (und auch zum einzigen) Mal merkt man wirklich, dass innerhalb des Films ein Jahr verstreicht. Beim Schauen von „Der Gefangene von Askaban“ sollte man immer die Schuluhr von Hogwarts gut im Auge behalten.
Auch die Musik trägt zum atmosphärischen Gelingen des Films bei: John Williams schafft mit dem Soundtrack zum dritten Harry-Potter-Film den mit Abstand besten der Reihe, der sich auch vor den großen Werken des Meisters nicht zu verstecken braucht. Der Bombast weicht feinfühligen und mittelalterlich angehauchten Melodien, die wunderbar zur magischen Welt dieses Films passen.
Aber leider ist auch „Der Gefangene von Askaban“ nicht ohne Schwächen. Der wunde Punkt ist dieses Mal das Drehbuch. Während es bei Film 1 und 2 wegen des begrenzten Umfangs der Vorlagen noch gut möglich war, fast alles in den Film zu integrieren, ist dies beim dritten nicht mehr möglich, der Roman ist einfach zu dick und komplex. An sich ist das nicht schlimm, aber Drehbuchautor Steve Kloves setzt leider die falschen Schwerpunkte. Während der Anfangsteil bei den Dursleys zu lang gerät, kommen wichtige Informationen die Rumtreiber betreffend viel zu kurz, um nur ein Beispiel zu nennen.
Schauspielerisch bewegt sich „Der Gefangene von Askaban“ allerdings im üblichen Bereich. Das Trio ist erwachsen(er) geworden und hat seine jugendliche Frischheit eingebüßt, dafür spielen die drei allerdings auch besser. Die Nebendarsteller, alt wie neu machen ihre Sache gut, insbesondere Emma Thompson als Professor Trelawney ist amüsant. Gary Oldman hat leider zu wenig Zeit auf der Leinwand und irgendetwas gefällt mir nicht so ganz an seinem Spiel, obwohl ich nie so genau sagen kann, was das ist.
Dafür wurde mit Timothy Spall wieder einmal einen Idealbesetzung gefunden, ich könnte mir niemand anderes als Wurmschwanz vorstellen.
Einzig Michael Gambon, der den leide verstorbenen Richard Harris als Dumbledore ersetzt, enttäuscht. Harris war die Idealbesetzung für Dumbledore und legte immer die nötige Mischung aus Güte und ironischem Humor in die Rolle. Gambon erinnert mehr an Gandalf, was in diesem Fall aber kein Kompliment sein soll.
Fazit: Trotz eines Drehbuchs, das falsche Schwerpunkte setzt, ist „Der Gefangene von Askaban“ mit Sicherheit der visionärste Film der Reihe. Cuarón erweitert die magische Welt um viele tolle Ideen, die sich völlig natürlich einfügen.

Harry Potter und der Feuerkelch

Story: Harry kommt einfach nicht zur Ruhe: Erst gibt es einen Angriff der Anhänger Voldemorts (Ralph Fiennes), der so genannten Todesser, beim Sportereignis des Jahres, und dann nimmt Harry auch noch unwillentlich am…äh…nächsten Sportereignis des Jahres teil. Bei diesem Ereignis handelt es sich um das Trimagische Turnier, einen Wettkampf zwischen Hogwarts und zwei anderen Zaubererschulen aus Europa. Drei Champions, einer für jede Schule, müssen drei gefährliche magische Aufgaben lösen. Harry als vierter Champion war da eigentlich nicht eingeplant. Während sich jeder fragt, was das ganze soll, scheint Lord Voldemort immer stärker zu werden…

Kritik: Und schon wieder ein Wechsel bei der Regie. Dieses Mal bekam Mike Newell („Vier Hochzeiten und ein Todesfall“) den Staffel(zauber)stab in die Hand gedrückt. Das Ergebnis ist leider bestenfalls zwiespältig. Abermals ist das Drehbuch eine große Schwäche des Films, es wurde nämlich wieder an den falschen Ecken und Enden gespart. Während große Actionszenen wie der Kampf gegen den Ungarischen Hornschwanz unnötig ausgedehnt werden, fehlt an anderen Stellen die Zeit, weshalb es zu Logiklöchern kommt, die man hätte vermeiden können. Wer das Buch nicht gelesen hat, fragt sich zum Beispiel, wie Barty Crouch jr. eigentlich aus Askaban entkommen konnte.
Musikalisch gibt es leider wieder einen Rückschritt. Komponist ist dieses Mal Patrick Doyle, da John Williams mit den Soundtracks zu „Die Rache der Sith“ und „Krieg der Welten“ zu beschäftigt war. Obwohl Doyle eine durchaus brauchbare Leitmotivstruktur entwickelt und auch die eine oder andere brauchbare Melodie einfügt (oder, im Fall von „Hedwig’s Theme“, variiert), besteht der Großteil des Scores aus ziemlichem Getöse, das zwar gut zu den Schauwerten passt, aber nicht sehr eigenständig ist.
Darüber hinaus bietet „Der Feuerkelch“ vor allem bombastische Schauwerte. Die Atmosphäre ist nach wie vor düster, allerdings weniger poetisch als beim Vorgänger, und die Symbolik ist ebenfalls verschwunden. Mike Newell sind wirklich ein paar tolle Szenen gelungen, aber er schafft es nicht, diese Szenen passend zu verbinden, so dass der Film immer unausgegoren wirkt. Dafür hat er schauspielerisch noch einmal zugelegt. Auch wenn Clémence Poésy, Robert Pattinson und Predrag Bjelac als Trimagische Champions eher blass bleiben, überzeugen die neu hinzugekommenen aus der britischen Schauspielerelite vollkommen. Egal ob Miranda Richardson als bösartige Reporterin Rita Kimmkorn oder Brendan Gleeson als Mad-Eye Moody; sie alle haben sichtlich Spaß an der Sache. Dieses Mal gibt es allerdings einen, der alle anderen, selbst den erfreulicherweise zurückgekehrten Jason Isaacs gnadenlos in den Schatten stellt: Ralph Fiennes als Lord Voldemort. Er kommt zwar nur in einer Szene wirklich vor, aber innerhalb dieses perfekt inszenierten Rahmens spielt er gnadenlos jeden Schauspieler an die Wand, egal ob gerade anwesend oder nicht. Fiennes Voldemort ist für jeden Schurkenfan eine Freude: Intelligent, mächtig, charismatisch, einzigartig.
Fazit: Es ist sehr schwierig, beim „Feuerkelch“ ein Fazit zu ziehen. Der Film beinhaltet Szenen, die zu den besten der ganzen Reihe gehören (Friedhofsszene), schafft es aber nicht, diese richtig zu verbinden und die „Lücken“ dazwischen angemessen zu füllen.

Harry Potter und der Orden des Phönix

Story: Das fünfte Schuljahr in Hogwarts bricht an und es wird düsterer denn je: Lord Voldemort ist zurückgekehrt und bedroht die magische Gemeinschaft. Diese allerdings ignoriert das geflissentlich, da der Zaubereiminister Cornelius Fudge (Robert Hardy) die Wahrheit einfach nicht akzeptieren will – und das obwohl Dumbledore (Michael Gambon) sie ihm ständig unter die Nase reibt.
Fudge fühlt sich dadurch von Dumbledore so bedroht, dass er nicht nur einen Propagandafeldzug gegen ihn und Harry Potter startet, sondern auch eine Großinquisitorin nach Hogwarts schickt, die jeden Widerstand gegen das Ministerium im Keim ersticken soll. Dolores Umbridge (Imelda Staunton) versucht ihrem Auftrag gerecht zu werden und alles und jeden unter ihre Kontrolle zu bringen. Harry und seine Freunde haben damit allerdings gewisse Probleme und gründen „Dumbledores Armee“, eine Art Widerstandsgruppe.
Doch währenddessen sammelt Voldemort weiter Macht und Anhänger…

Kritik: Regisseurwechsel die Dritte (und Letzte). Die Arbeit, die der relative Newcomer David Yates abgeliefert hat, scheint auf jeden Fall den Verantwortlichen bei Warner Bros. so gut gefallen zu haben, dass sie ihn sofort für die restlichen Filme verpflichtet haben.
Und in der Tat schlägt sich Yates nicht schlecht. Er wendet sich stilistisch eher von Newell ab und mehr zu Cuarón hin, ohne allerdings einen von beiden plump zu kopieren. Man merkt sofort, dass Yates ein Liebhaber der Vorlage ist, denn überall gibt es Hinweise auf gestrichene Handlungsstränge aus dem Roman (zum Beispiel das kurz auftauchende Bild von Sirius’ Mutter).
Sehr schön ist auch das Design, dass, mehr noch als bei den anderen Filmen, sehr viktorianisch angehaucht ist. Eine deutliche Verbesserung gegenüber dem „Feuerkelch“ sind die Todesser, die dieses Mal keine trashigen Ku-Klux-Klan-Roben in schwarz tragen, sondern edle und dennoch furchterregende Masken, die eine viel bessere Wirkung entfalten.
Auch das Drehbuch ist dieses Mal besser gelungen als bei den beiden vorherigen Filmen, was vielleicht auch damit zusammenhängt, dass dieses Mal Michael Goldenberg und nicht Steve Kloves am Skript saß. Goldenberg schafft es besser, zwischen Wichtigem und Unwichtigem zu unterscheiden; „Der Orden des Phönix“ wirkt kompakter als zum Beispiel „Der Feuerkelch“, auch wenn er viel zu kurz ist. In der Tat ist es mir nach wie vor ein Rätsel, warum man aus dem längsten Buch den kürzesten Film gemacht hat; meiner Meinung nach hätten dem „Orden des Phönix“ 20 Minuten mehr, in denen man noch ein wenig Hintergrund einbauen kann, sehr gut getan.
Wie jedes Mal sind die Neubesetzungen wieder hervorragend. Mit Evanna Lynch wurde erstmals eine Jugendliche gecastet, die sofort voll überzeugen kann. Ebenfalls toll besetzt ist Dolores Umbridge. Zwar sieht Imelda Staunton um einiges netter aus, als ich mir die Buch-Umbridge vorgestellt habe, aber sie spielt so herrlich süßlich-böse und sieht in ihren pinken Kleidern wunderbar widerlich aus. Auch Helena Bonham Carter als Bellatrix Lestrange ist eine Augenweise – leider hat sie viel zu wenig Leinwandzeit.
Erfreulicherweise zeigt auch Daniel Radcliffe dieses Mal, dass er durchaus schauspielern kann, wenn man ihn lässt. Der Rest der alten Garde um Maggie Smith, Ralph Fiennes, Jason Isaacs etc. agiert wie immer tadellos. Nur Gambon hat es immer noch nicht geschafft, den richtigen Ton für Dumbledore zu treffen. In einer Szene ist der Schulleiter von Hogwarts gar völlig Out of Character, allerdings ist das wohl eher dem Drehbuch anzukreiden.
Fehlt noch ein Wort zur Filmmusik: Dieses Mal stammt sie von Nicloas Hooper, der, ganz ähnlich wie Yates, eher ein Unbekannter ist. Beim ersten Hören des Soundtracks klingt dieser, mit Ausnahme des sehr passenden Umbridge-Themas und der wilden Streicher beim Kampf in der Mysteriumsabteilung, nicht sehr einprägsam, aber jedes Mal, wenn ich ihn wieder höre, entdecke ich eine neue elegante Feinheit.
Mit besagter Kampfszene in der Todeskammer wurde auch erstmal eine richtig tolle Actionszene hinzugefügt, in der erwachsene Zauberer so richtig zeigen können, was sie drauf haben. Die Appariergestalten sind zwar ein wenig gewöhnungsbedürftig, aber sie gefallen mir immer besser.
Fazit: Trotz einiger Drehbuchschwächen wirkt „Der Orden des Phönix“ runder als die Filme 3 und 4. Hinzu kommen tolle Darsteller, eine tolle Atmosphäre und die beste Actionszene der Reihe.

Harry Potter und der Halbblutprinz

Story: Vom Ausgestoßenen zum Helden: Nach der Verleumdungskampagne im letzten Jahr ist Harry nun, da die Wahrheit ans Licht gekommen ist, plötzlich „der Auserwählte“.
Einen solchen hat die Zaubererschaft wohl auch bitter nötig, denn sie befindet sich im Krieg. Voldemorts Angriffe werden schlimmer und brutaler, weshalb Dumbledore Harry nun persönlich unter seine Fittiche nimmt und ihm wichtige Informationen über die Vergangenheit des Dunklen Lords zeigt. Doch auch Voldemort hat seinen „Auserwählten“: Draco Malfoy soll in Hogwarts ein bestimmte Aufgabe erledigen. Und was hat Horace Slughorn (Jim Broadbent), der neue Lehrer für Zaubertränke mit allem dem zu tun?
Und als wäre das alles nicht schon genug, verliebt sich dieses Jahr auch noch jeder in jeden, was zu weiteren Komplikationen führt.

Kritik: Steve Kloves is back – und leider merkt man’s auch. Der gute Mann wiederholt seine Fehler aus den Filmen 3 und 4 und macht noch ein paar neue dazu. Für meinen Geschmack wird der Fokus viel zu sehr auf die Romantikszenen und viel zu wenig auf Voldemorts Vergangenheit gelegt. Schlimmer als dieser Umstand ist allerdings das Hin und Her zwischen heiterer Romantik und düsterer Bedrohung; weil beides ständig abwechselt, weiß der Zuschauer nie so recht, in welcher Stimmung er sich gerade befinden soll.
Der Angriff auf den Fuchsbau ist ein sehr gutes Beispiel. Mal davon abgesehen, dass Harry sich ziemlich dämlich verhält (was aber nicht das erste Mal wäre) ist dieser Angriff eigentlich recht stimmig – nur leider wirkt er aufgrund des romantischen Gekabbels, das direkt danach kommt, völlig unnötig. Anscheinend hat dieser Angriff der Todesser kaum Nachwirkungen. Derartiges gibt es immer und immer wieder, was die ganze Dramaturgie kaputt macht. Streckenweise wirkt der Film, als wolle man die düstere Stimmung für die jüngeren Zuschauer erträglicher machen. Wenn Regisseur gegen Drehbuchautor arbeitet, kann das eigentlich nicht gut gehen, aber genau diesen Eindruck erweckt der „Halbblutprinz“.
Wenn man sich den Film so anschaut, könnte man fast auf den Gedanken kommen, dass David Yates ganz ähnlich denkt wie ich. Während er die düsteren Szenen in tollen, extrem atmosphärischen Bildern einfängt, scheinen ihn die romantischen Szenen nicht zu interessieren; meistens sind sie freiwillig bis unfreiwillig komisch und wirken fast schon satirisch. Dennoch stört die massive Anzahl dieser Szenen die Atmosphäre der Bedrohung empfindlich. Ebenfalls störend ist die fehlende Präsenz Voldemorts; ich habe Ralph Fiennes in diesem Film schmerzlich vermisst. Der Werwolf Fenrir Greyback (dargestellt von Dave Legeno) taugt leider gar nichts, weshalb Bellatrix Lestrange als Hauptschurkin herhalten muss, und dafür hat sie, trotz guten Spiels, einfach zu wenig Leinwandzeit.
Sehr erfreulich ist die Darstellung Tom Feltons als Draco Malfoy, der sich langsam aber sich als der Begabteste der Jungdarsteller herausstellt. Dieses Mal hat er auch mehr Gelegenheit zu zeigen, was er kann.
Auch Michael Gambons Dumbledore ist dieses Mal besser als in den anderen Filmen. Zwar ist der Gandalfanteil immer noch sehr, aber Gambon gibt sich dieses Mal ordentlich Mühe und spielt einen soliden Schulleiter.
Von den neuen Darstellern sind vor allem Jim Broadbent als liebenswerter Horace Slughorn und die beiden jungen Tom Riddles überzeugend. Helen McRorys Narcissa Malfoy ist dagegen praktisch nicht existent, und über Fenrir Greyback reden wir erst gar nicht.
Nicolas Hoopers Musik ist ähnlich angelegt wie im vorherigen Film, eher dezent, aber passend und atmosphärisch, auch wenn er dieses Mal mehr auf Chöre zurückgreift.
Fazit: Yates leistet in Punkto Atmosphäre wieder tolle Arbeit, aber das Drehbuch ist ziemlich daneben und erweckt den Anschein, als ob es gegen den Regisseur arbeiten würde. Dem wirklich gelungenen Anfang folgt ein Hin und Her zwischen Düster und Heiter, das schließlich von einem ziemlich emotionslosen Schluss gekrönt wird.


Gesamtfazit: Ein solches lässt sich leider sehr schwer finden. Wenn ich die Filmreihe mit einem Wort beschreiben würde, wäre es „durchwachsen“. Die Stile der Regisseure sind viel zu verschieden, als dass man die Filme als Einheit sehen könnte, wie das zum Beispiel bei Peter Jacksons Verfilmung des „Herrn der Ringe“ der Fall ist. Jeder Harry-Potter-Film hat seine Vor- und Nachteile, keiner ist wirklich misslungen, aber keiner ist auch wirklich außergewöhnlich.
Auf die Frage, welcher mir denn nun am besten gefällt, würde die Antwort vermutlich „Film 5 und Film 3“ lauten. Auf jeden Fall bin ich gespannt, wie die Filme 7.1 und 7.2 werden. Wird Yates es schaffen, sich gegen Kloves durchzusetzen? Wird Ralph Fiennes trotz der Vorlage noch einen guten Voldemort spielen können? Und warum heuert man nicht einfach einen brauchbaren Drehbuchautor an?
Die Antworten gibt es ab November.

Trailer Film 1
Trailer Film 2
Trailer Film 3
Trailer Film 4
Trailer Film 5
Trailer Film 6

Siehe auch:
Harry Potter und die Heiligtümer des Todes Teil 1
Die Soundtracks zu den Harry-Potter-Filmen
Der Soundtrack zu Harry Potter und die Heiligtümer des Todes
Die zehn besten Szenen aus den Harry-Potter-Filmen