Fright Night

Halloween 2021!
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Story: In Charley Brewsters (William Ragsdale) Nachbarschaft verschwinden Menschen, just als der enigmatische Jerry Dandrige (Chris Sarandon) ins Nachbarhaus einzieht. Schon bald findet Charley eher zufällig heraus, dass Dandrige ein Vampir ist – aber weder seine Mutter (Dorothy Fielding) noch seine Freundin Amy (Amanda Bearse) oder Kumpel „Evil Ed“ (Stephen Geoffreys) glauben ihm. Als Dandrige sich schließlich über Charleys Mutter Zugang zum Haus verschafft (Vampire müssen bekanntermaßen eingeladen werden) und ihn bedroht, wendet er sich verzweifelt an den Fernsehvampirjäger Peter Vincent (Roddy McDowall), der ihm allerdings ebenfalls nicht glaubt. Derweil beginnt Amy, sich Sorgen um Charley zu machen und heuert Vincent an, damit er Charley davon überzeugt, dass Dandrige kein Vampir ist. Doch das Gegenteil tritt ein und Dandrige beginnt damit, die Jugendlichen zu jagen, während sich Peter Vincent ängstlich in seiner Wohnung versteckt. Als schließlich „Evil Ed“ zum Vampir wird, spitzt sich die Lage endgültig zu…

Kritik: In den 80ern war das Genre des Vampirfilms noch weit weniger facettenreich, als es heute der Fall ist. Während in der Literatur komplexe Vampirprotagonisten bereits vorhanden waren, nicht zuletzt dank Anne Rice‘ „Interview with the Vampire“, waren sie im Kino noch eher rar und auf die Antagonistenrolle beschränkt. Dennoch zeigt sich in den Vampirfilmen der 80er bereits eine gewisse Bereitschaft, Genre-Konventionen aufzubrechen. Tom Hollands „Fright Night“ aus dem Jahr 1985 ist hierfür ein schönes Beispiel: Nach wie vor ist der Vampir beschränkt auf die Rolle des Monsters, zugleich ist sich der Film der Genre-Konventionen allerdings überaus bewusst und spielt genüsslich mit ihnen. Wir befinden uns gewissermaßen in einem Zwischenstadium: Die Vampirfilme der Hammer-Studios gehören bereits zum alten Eisen, es fehlt aber noch an der neuen Richtung, die das Genre in den 90ern dank Filmen wie „Bram Stoker’s Dracula“ und natürlich der Adaption von „Interview with the Vampire“ einschlagen würde. Sowohl „Fright Night“ als auch Joel Schumachers zwei Jahr später erschienener Film „The Lost Boys“ sind exemplarisch und versetzen den Vampirfilm vom transsylvanischen Schloss ins amerikanische Kleinstadtmilieu und einen moderneren Kontext.

Ironischerweise wirkt sich dieser Umstand weniger auf die Vampire selbst aus, diese sind, wie bereits erwähnt, nicht nur nach wie vor böse, sondern sogar noch entstellter und monströser, als es Christopher Lees Dracula jemals war. Stattdessen sind es die Jäger, bei denen die Metaaspekte und die Dekonstruktion des Genres zum Tragen kommt. In „The Lost Boys“ sind die Protagonisten gezwungen, sich an die wunderlichen „Frog Brothers“ zu wenden, ein Brüderpaar, das nicht nur in einem Comicladen arbeitet, sondern auch alles Wissen über Vampire aus Comics bezieht. Der Vampirjäger in „Fright Night“, Peter Vincent, erinnert immerhin visuell stark an Peter Cushings Van Helsing, ist aber eben nicht der stoische und kompetente Gelehrte der Hammer-Filme, sondern nur ein Schauspieler, der von den jugendlichen Protagonisten fast schon in Aktion gezwungen werden muss und erst gegen Ende seinen Mut findet. Dementsprechend ist er auch die eigentliche Hauptfigur, da sein Charakter die größte Entwicklung durchmacht, während die Van-Helsing-Figuren sonst eher die Mentorenrolle einnehmen und recht statisch sind.

Ein Teil der Handlung kann durchaus auf „Dracula“ zurückgeführt werden, wie Stokers Graf dringt auch Jerry Dandrige in die Welt der Protagonisten ein und verfügt über einen willigen Diener (Billy Cole) – dieser ist, im Gegensatz zu Renfield, allerdings bereits tot. Die Lucy-Rolle wird sogar auf zwei Figuren verteilt, zum einen „Evil Ed“, der zum vollständigen Vampir wird und eine äußerst tragische Todesszene bekommt, und zum anderen natürlich Amy, die sich aber nach Dandriges Tod wieder zurückverwandeln darf. Dandrige selbst ist zwar nicht wirklich sympathisch, bemüht sich aber zumindest zu Anfang um ein gewisses Maß und gibt Charley ja sogar die Gelegenheit, ihn einfach zu ignorieren. Chris Sarandon reichert seine Performance mit einigen kleinen Momenten an, die seine Figur ein wenig komplexer und runder machen, ohne dabei seine Bosheit zu verwässern. Davon abgesehen sind Dandrige und die anderen Vampire des Films sehr klassische Vertreter, können sich in Fledermäuse verwandeln, schrecken vor Kreuzen zurück (allerdings nur, wenn tatsächlicher Glaube dahinter steht) und sind stets blutgierig.

Besonderes Lob verdienen die praktischen Effekte und das Make-up, mit deren Hilfe alle Vampire im letzten Drittel ziemlich überdrehte Monstergestalten annehmen. All das ist äußerst beeindruckend und erinnert qualitativ und ästhetisch durchaus an John Carpenters „The Thing“. Auch sonst ist „Fright Night“ durch und durch ein Film der 80er, von der Ästhetik und dem Humor über den Gore-Faktor bis hin zur Musik. Tom Hollands Regie-Debüt inspirierte sowohl eine Fortsetzung (an der er allerdings nicht beteiligt war) als auch ein Remake, das im Jahr 2011 erschien und praktisch niemanden interessierte. Angeblich soll Hooper derzeit ein weiteres Sequel zum Original planen, das alle anderen Filme ignoriert.

Fazit: Kurzweiliger, etwas trashiger und humoriger 80er-Vampirstreifen, der einige Genrekonventionen hinterfragt und vor allem durch beeindruckende praktische Effekte und Make-up zu überzeugen weiß.

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Trailer

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