Stück der Woche: Themyscira


Was tut man als Studio, wenn eine Pandemie es unmöglich macht, große Fan-Events wie beispielsweise die Comic-Con zu veranstalten? Im Fall von Warner veranstaltet man ein großes Online-Ersatzevent mit dem Namen „DC Fandome“, über das man die Fans bei der Stange halten kann, in dem man beispielsweise im Rahmen digitaler Panels neue Trailer präsentiert, unter anderem für „Wonder Woman 1984“ oder „The Batman“ – besonders Letzterer sieht überaus interessant aus, sehr grimmig und „noir-isch“, auch wenn ich noch nicht weiß, ob mich der neue Batsuit überzeugt. Überzeugt hat mich hingegen etwas anders, mit dem ich gar nicht gerechnet hatte. Unter anderem wurde auch ein Track mit dem Titel Themyscira aus dem Score des Wonder-Woman-Sequels veröffentlicht, bei dem nun Hans Zimmer wieder persönlich den Tacktstock schwingt. Es dürfte ja bekannt sein, dass ich mit Zimmers DCEU-Output nicht allzu glücklich bin – „Man of Steel“ und „Batman v Superman: Dawn of Justice“ sind nach wie vor Scores, die ich leidenschaftlich verabscheue. Auch von Zimmers und Tom Holkenborgs Wonder-Woman-Motiv war ich nicht allzu begeistert, zu aggressiv, zu simpel – auch wenn es, wie ich zugeben muss, sehr eingängig ist. Und man gewöhnt sich daran. Wie dem auch sei, Rupert Gregson-Williams‘ Wonder-Woman-Score war da schon deutlich besser, zwar beileibe kein Meisterwerk, aber immerhin durchaus unterhaltsam, eher Zimmer im Stil der späten 90er und frühen 2000er als der minimalistisch experimentierende Zimmer der 2010er-Jahre. Dementsprechend war ich nicht allzu begeistert, als Zimmer als Komponist für „Wonder Woman 1984“ angekündigt wurde. Themyscira deutet allerdings in eine andere Richtung. Ich wage mal die spontane Behauptung, dass es sich dabei um das bislang beste Stück handelt, dass Zimmer für das DCEU komponiert hat.

Gleich zu Beginn wird dieser Track mit Dianas Instrument, dem Cello in Verbindung gebracht. Die Echo-artige Andeutung ihres Themas fand sich bereits in „Batman v Superman“ ein oder zwei Mal und wird von Gregson-Williams noch deutlich häufiger eingesetzt. Der Rhythmus, der sich im Anschluss aufbaut, erinnert dagegen an das Stück 160 BPM aus Zimmers „Angels and Demons“ – einer seiner besten Action-Tracks. Besonders ab 0:40 wird die Ähnlichkeit sehr deutlich, wenn der Chor hinzustößt; gleichzeitig verbreitet Themyscira allerdings eine deutlich positivere Stimmung als das gehetzte und düstere 160 BPM. Das wirklich Faszinierende ist allerdings, wie das Wonder-Woman-Thema als Basis des Stückes fungiert. Es findet sich hier kein Standard-Statement, wie man es von Dianas Action-Szenen in „Batman v Superman“ und „Wonder Woman“ gewöhnt ist, stattdessen sind Rhythmus, Fragmente und Struktur des Themas praktisch allgegenwärtig. Die Blechbläserandeutung des Themas bei 1:50 erinnert sogar ein wenig an die von Danny Elfman bzw. Pinar Toprak arrangierte Version des Themas aus „Justice League“.

Gerade im Kontrast zu den beiden DCEU-Scores von Zimmer hat dieser Track wirklich einen ausnehmend positiven Charakter, anscheinend sind, sofern dieser Track ein Indikator für den restlichen Score ist, das dumpfe Wummern und Dröhnen Geschichte, stattdessen wird ein eindringliches, mitreißendes Chorstück geboten, dass das Wonder-Woman-Motiv auf intelligente, einnehmende Art und Weise nicht nur variiert, sondern weiterverarbeitet und transformiert. Mehr noch, hier höre ich die Comic-Version der Figur deutlich stärker heraus als in „Batman v Superman“ und selbst in „Wonder Woman.“ Hut ab, ich hätte es nicht für möglich gehalten, dass Zimmer und Team mich gerade bei diesem Score so begeistern könnten. Wenn „Wonder Woman 1984“ hält, was Themyscira verspricht, dann könnte dieser neue Zimmer-Soundtrack ein dringend benötigtes Juwel in einem an Filmmusik sehr armen Jahr 2020 werden.

3 Gedanken zu “Stück der Woche: Themyscira

    1. Ich bin auch gespannt – wobei ich sagen muss, dass ich etwas enttäuscht von der Richtung des Films bin. Ich hätte mal gerne einen Wonder-Woman-Film, in dem sie sich stärker in den Gefilden der griechischen Mythologie bewegt, ähnlich wie es bspw. in Brian Azzarellos WW-Run der Fall war. Die griechischen Götter wurden im ersten Film zwar als größtenteils tot etabliert, aber da es sich nun einmal um Götter, noch dazu in einem Superheldenfilm, handelt, ist das relativ wenig aussagekräftig.

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