Stück der Woche: Love Pledge and the Arena


Bei „Attack of the Clones“ ging hinter den Kulissen bekanntlich einiges schief – besonders, was den Score anging. Das hängt zum einen damit zusammen, dass an diesem ersten vollständig digital gedrehten Film noch bis kurz vor Kinostart herumgeschnitten wurde (ein Problem, das auch spätere SW-Filme, etwa Episode IX sowie die gesamte Hobbit-Trilogie plagte), und zum anderen auch damit, dass Williams 2002 außerordentlich beschäftigt war. So musste er neben „Attack of the Clones“ auch die Scores des zweiten Harry-Potter-Films sowie der beiden Spielberg-Vehikel „Catch Me If You Can“ und „Minority Report“ an den Start bringen. Aus diesem Grund stand er nach den ursprünglichen Score-Aufnahmen für die Umschnitte nicht mehr zur Verfügung – und besonders im Finale wird das überdeutlich. Wegen der Zeitknappheit entschied man sich, Williams für die eigentliche Schlacht um Geonosis keine neue Musik schreiben zu lassen, sondern Musik aus „The Phantom Menace“ zu recyceln, aber für die anderen Action-Szenen des dritten Aktes, vornehmlich die Hatz durch die Droiden-Fabrik und der Kampf in der Arena, schrieb Williams Stücke, die im finalen Schnitt jedoch so gut wie keine Verwendung fanden und stattdessen durch noch mehr Musik aus „The Phantom Menace“ oder aus anderen Szenen aus „Attack of the Clones“ ersetzt wurde – was zur Folge hat, dass die Action-Variation von Yodas Thema, die während des Duells mit Dooku erklingt, bereits in der Droiden-Fabrik zu hören ist, was freilich ziemlich daneben ist. Das ursprüngliche Stück wurde unter dem Titel The Conveyor Belt veröffentlicht.

Noch interessanter ist die Musik, die Williams für die Szenen in der Arena geschrieben hat, denn ähnlich wie bei „The Phantom Menace“ findet sich auch hier ein Thema, das ausschließlich für diese Szenen komponiert wurde – anders als bei Episode I handelt es sich dabei allerdings nicht um das „Vorzeigestück“ des Scores, das eine Suite auf dem Album und ein Musikvideo spendiert bekommt – das ist hier natürlich Across the Stars. Das bedeutet, dass es sich bei Love Pledge and the Arena nicht um eine reine Themenpräsentation handelt, sondern um einen normalen Score-Track, der auch die Einspielungen anderer Leitmotive beinhaltet. Tatsächlich ist das erste Thema, das erklingt, Across the Stars. Der Anfang des Stücks ist noch im Film zu hören und untermalt Padmés Geständnis, dass sie Anakin liebt. Zu Beginn klingt die Variation noch zurückhaltend, sie braucht fast eineinhalb Minuten, um ihre volle Kraft zu aufzubauen, aber bei 1:28 entfalten die Streicher das volle, tragisch-romantische Potential. Danach wird die Musik ominöser; immer wieder mischt Williams militärische Elemente, etwa einen Marschrhythmus und Snare Drums bei, bevor dann ab 2:40 ein tatsächlicher Marsch erklingt. Dieser Marsch ist das zentrale Thema dieses Stücks. Er ist deutlich vom Marsch der Handelsföderation (oder dem Droidenmarsch, wem das lieber ist) inspiriert, ist aber doch eindeutig eine eigenständige Komposition und nicht nur eine Variation. Wo der Droidenmarsch in seiner Tendenz eher absteigend ist, scheint das, nennen wir es temporär einmal „Arena-Thema“, eher aufsteigend. Williams stellt den Marsch etwa eine Minute lang vor und lässt ihn dann ein wenig ausfranzen, ab 3:40 zerlegt er ihn in seine Bestandteile und betont mal diese Phrase, lässt die Holzbläser die Begleitung alleine spielen oder reduziert ihn zu einer Fanfare. Ab der Fünfminutenmarke erklingt wieder eine vollständigere Version, die zusehends an Robustheit gewinnt, bis bei 6:09 eine recht gehetzte Action-Variation von Across the Stars zu hören ist, die, anders als das Arena-Thema, auch im Film zu hören ist. Suspensvolle Streicherpassagen und schnarrende Blechbläser deuten das Arena-Thema noch einmal an, ohne allerdings zu einer vollständigen Variation anzusetzen. Ab der Siebenminutenmarke wird es deutlich frenetischer, bis bei 7:10 noch einmal Across the Stars erklingt. Ein weiteres, nur allzu bekanntes Thema gibt sich bei 7:38 die Ehre, die Rede ist natürlich vom Machtthema. Anschließend folgen einige frenetische Fanfaren, bevor der Track relativ abrupt endet.

Wie bereits mehrfach erwähnt: Der Arena-Marsch hat es praktisch nicht in den fertigen Film geschafft, zum Teil wurde die Musik völlig weggelassen, zum Teil auf die Schlagzeugbegleitung reduziert und zum Teil, wie in den späteren Schlachtszenen, durch Musik aus „The Phantom Menace“ ersetzt. Interessanterweise kam das Arena-Thema allerdings dennoch zum Einsatz – und zwar in Episode III. Sowohl bei der Schlacht um Kashyyyk als auch beim Marsch auf den Jedi Tempel wurden Teile aus dem Track Love Pledge and the Arena verwendet. Einerseits bin ich zwar kein Fan solcher, wie man in der Fachsprache sagt, „Needle Drops“, aber in diesem Kontext ist das gar nicht schlecht. Zum einen findet hier Musik, die auf dem Boden des Schneideraums gefallen ist, nun doch noch Verwendung, und zum anderen bekommt der Arena-Marsch hier zusätzliche leitmotivische Bedeutung. In beiden Szenen ist ein Angriff der Klonarmee zu sehen, sodass der Arena-Marsch praktisch zum Marsch der Großen Armee der Republik umfunktioniert wird. Bei ihrem ersten Auftauchen wurde besagte Armee mit einem Statement des Droidenmarsches untermalt, mit dem Lucas und Williams zeigen wollten, dass die Klone die Kampfdroiden als Werkzeug der Sith ersetzen würden. Das Arena-Thema fungiert in diesem Kontext quasi als Weiterentwicklung und als Brücke zwischen dem Droidenmarsch und dem Imperialen Marsch.

Siehe auch:
Stück der Woche: Duel of the Fates

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