Dark Forces: Soldier for the Empire

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Romane zu Star-Wars-Spielen sind keine Seltenheit. Oftmals handelt es sich um Begleitwerke, Christie Goldens „Inferno Squad“ erzählt beispielsweise die Vorgeschichte von „Battlefront II“, während Alexander Freeds Battlefront-Roman die kriegerische Stimmung des Spiels einfängt. Ähnlich verhält es sich mit den Romanen zu „The Old Republic“, die das Spiel inhaltlich bereichern. Es finden sich allerdings auch Direktadaptionen von Spielhandlungen. Sowohl zu „The Force Unleashed“ als auch zum Sequel verfasste Ryder Windham nicht besonders gelungene Romanfassungen der Handlung. Die Dark-Forces-Trilogie, die in den 90ern bei Dark Horse erschien, ist allerdings noch einmal ein anderes Biest. Es handelt sich dabei um die Adaption der Handlung zweier Spiele: „Dark Forces“ (1995) und „Dark Forces II: Jedi Knight“ (1997, im darauffolgenden Jahr erschien das Expansion „Mysteries of the Sith“). Diese Serie, deren weitere Einträge eine etwas seltsame Nummerierung aufweisen – die Sequels tragen die Titel „Jedi Knight II: Jedi Outcast“ (2002) und „Jedi Knight: Jedi Academy“ (2003) – gehört zu den beliebtesten Spielereihen der weit, weit entfernten Galaxis. Erzählt wird die Geschichte von Kyle Katarn, der als Mitglied der Sturmtruppen beginnt, zur Rebellion wechselt und schließlich zum Jedi-Ritter wird. Bei „Dark Forces“ handelt es sich noch um einen relativ gewöhnlichen Ego-Shooter, der sich spielerisch am ersten „Doom“ orientierte. In „Jedi Knight“ dagegen konnte der Spieler erstmals auch selbst zum Lichtschwert greifen und in einem handlungsbasierten Spiel als Jedi agieren.

Begleitend zu den ersten beiden Spielen der Reihe gab der Verlag Dark Horse, der seit den frühen 90ern die SW-Comiclizenz innehatte, eine Serie von illustrierten Novellen heraus, die die Geschichte von Kyle Katarn nacherzählen. Die von William C. Dietz verfassten Werken erschienen als hochwertige Hardcover mit Schutzumschlag und ganzseitigen, gemäldeartigen Illustrationen, wobei jeder der drei Bände von einem anderen Künstler bebildert wurde. Diese Aufmachung ist meines Wissens nach ziemlich einzigartig – die drei Bände machen sich im Regal äußerst gut und sind auch sonst sehr schön anzusehen. Leider wurde das Konzept dieser illustrierten Novellen weder im Legends- noch im Kanon-Bereich jemals wieder aufgegriffen. Ich könnte mir vorstellen, dass die Verkaufszahlen die relativ aufwendige Aufmachung nicht rechtfertigten. Später erschienen auch Softcover-Versionen der drei Novellen, aber sowohl die Hard- als auch die Softcover-Versionen sind inzwischen Sammlerstücke, die zu recht happigen Preisen verkauft werden. Mir ist es erst letztes Jahr gelungen, alle drei zu halbwegs vernünftigen Preisen zu erstehen. Meines Wissens nach wurden die Dark-Forces-Novellen bislang auch weder von Dark Horse, noch von Marvel neu aufgelegt. Auf Deutsch ist nur der erste Band erschienen, in ähnlicher Aufmachung wie das englische Gegenstück

Im Gegensatz zu den anderen Spielen der Reihe habe ich „Dark Forces“ nie gespielt, deshalb kann ich nicht genau sagen, wie exakt die Inhalte des Spiels in der ersten Novelle mit dem Titel „Soldier for the Empire“ umgesetzt werden. Primär scheint hier allerdings die Vorgeschichte erzählt zu werden; im Rahmen der ersten Mission des Spiels erbeutet Kyle Katarn die Pläne des Todessterns – genau diese Mission fungiert als Finale von „Soldier for the Empire“. In den ersten beiden Dritteln erzählt Dietz, wie Kyle es als Sturmtruppen-Kommandant nicht über sich bringt, Rebellen zu exekutieren und wie er schließlich, nachdem er erfährt, dass nicht die Allianz, sondern das Imperium für den Tod seines Vaters verantwortlich ist, zu den Rebellen wechselt.

Die Handlung ist ziemlich geradlinig; aufgrund der Natur einer Novelle geht Dietz auch nicht besonders in die Tiefe, aber dennoch funktioniert die Entwicklung ziemlich gut, Kyle Katarn wird als funktionaler Protagonist etabliert, wobei man natürlich noch mehr in die Tiefe hätte gehen können. „Soldier for the Empire“ passt vom Stil her sehr gut zu dieser Ära des Erweiterten Universums und besitzt einen ganz eigenen Charme, der natürlich besonders auf all jene wirkt, die wie ich mit dem EU der 90er aufgewachsen sind. Dazu passen auch die diversen Gastauftritte – es ist diskutabel, ob man hier wirklich noch-nicht-Großadmiral Thrawn und Lando Calrissian bemühen muss, ohne ihnen wirklich etwas zu tun zugeben, aber nun gut.

Die detaillierten Illustrationen von Dean Williams tun ihr übriges und sorgen für ein atmosphärisches Leseerlebnis. Williams orientiert sich dabei sehr eng an den Zwischensequenzen von „Dark Forces II: Jedi Knight“, die mit Schauspielern gedreht wurden – Kyle Katarn trägt eindeutig die Züge von Jason Court. In den Zwischensequenzen von „Dark Forces“ sieht Kyle deutlich anders aus und hat beispielsweise noch keinen Bart. Das führt allerdings auch zu Problemen, denn auf zwei Bildern trägt Kyle bereits das Lichtschwert am Gürtel, das er aber erst in einem der späteren Bände erhält.

Ganz interessant ist „Dark Forces: Soldier for the Empire“ noch im Kontext des Disney-Kanons, da hier bereits zwei Elemente vorkommen, auf die Disney später einen starken Fokus legt: Der Soldat der Sturmtruppen, der abtrünnig wird, und der Diebstahl der Todessternpläne. Letzteres wurde im EU mehrfach von unterschiedlichen Agenten der Rebellen durchgeführt und mehr oder weniger kohärent miteinander verknüpft, aber gerade diese Version ist natürlich deutlich weniger spektakulär als „Rogue One“ und auch deutlich weniger mit dem Todesstern selbst verbunden. Es wäre nicht allzu mühsam, die Todessternpläne durch ein anderes Objekt, das Kyle für die Rebellion extrahieren muss, zu ersetzen. Auch die Parallelen zwischen Finn und Kyle Katarn sind letztendlich eher oberflächlich; Ersterer wurde als Kind von der Ersten Ordnung gekidnappt und aufgezogen, während Letzterer erst als Erwachsener Teil des Imperiums wurde und aus diesem Grund deutlich weniger stark indoktriniert sein dürfte. In beiden Fällen werde ich das Gefühl nicht, dass das Konzept des abtrünnigen Soldaten noch nicht völlig ausgereizt ist, wobei Kyle mehr Substanz als Finn besitzt, dessen Charakterentwicklung ab „The Last Jedi“ im Grunde stagniert. Kyle hat beispielsweise in „Soldier for the Empire“ immer noch Freunde auf der Gegenseite, die er zu beschützen versucht – ein Aspekt, der bei Finn, zumindest meines Wissens nach, nie auch nur in Erwägung gezogen wird.

Fazit: „Dark Forces: Soldier for the Empire“ ist eine kurzweilige und vor allem ästhetisch ansprechende Novelle, die inzwischen leider größtenteils vergriffen ist. Hier besticht vor allem das Konzept, das auf diese Art leider nie wieder umgesetzt wurde – derartige illustrierte Novellen dürfte es ruhig noch mehr geben.

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