Star Wars: Das ultimative Ranking

Na gut, der Titel ist vielleicht ein wenig reißerisch. Aber natürlich könnte der Zeitpunkt kaum besser sein: Die Skywalker-Saga ist durch und zumindest in den nächsten paar Jahren wird es auch keine weiteren Star-Wars-Filme geben, nicht zuletzt, weil Corona ohnehin alles nach hinten schiebt. Wie dem auch sei, miteinbezogen werden die elf vollwertigen Star-Wars-Kinofilme, neun Saga-Episoden und zwei Spin-offs. Nicht mit einbezogen werden Fernseh- oder Streamingproduktionen, selbst wenn diese im Kino zu sehen waren oder noch so cinematisch ausfallen, also kein Clone-Wars-Film, keine Ewok-Filme, kein „Mandalorian“ und kein Holiday Special.

Natürlich gilt wie üblich: Das ist mein persönliches Ranking – mit Sicherheit wird die eine oder andere Platzierung etwas kontroverser ausfallen (wo wäre sonst auch der Spaß an der Sache?). Ich versuche dabei, eine gewisse Balance zwischen persönlichen Vorlieben (sonst wären die Filme nach Ian McDiarmids Leinwandzeit geordnet), Nostalgie, Regie, Drehbuch, Darstellung und sonstige handwerkliche Umsetzung, World Building und Franchise-Folgen sowie erzählerischem Konzept zu finden, wobei Letzteres für mich immer besonderes Gewicht hat.

Platz 11: The Rise of Skywalker

Ich denke, das dürfte keine Überraschung sein. Gerade was erzählerische Konzepte angeht, lassen die Sequels einiges zu wünschen übrig – und all das kulminiert in „The Rise of Skywalker“. Dieser Film erzählt praktisch keine Geschichte, es handelt sich um eine Aneinanderreihung diverser Fan-Theorien und hohler Twists, zusammengehalten von der sinnlosen Jagd nach einem MacGuffin, das zum nächsten MacGuffin führt. Zwar war es bereits im Voraus abzusehen, doch „The Rise of Skywalker“ lieferte den endgültigen Beweis, dass Disney völlig plan- und ahnungslos an das Franchise heranging. „The Rise of Skywalker“ ist ein Film des kleinsten gemeinsamen Nenners – ganz ähnlich wie „Justice League“ soll Episode IX alle zufriedenstellen, und genau wie bei „Justice League“ handelt es sich hier um einen „film by committy“. Das kommt dabei heraus, wenn Finanziers, Produzenten und Aufsichtsräte zu erraten versuchen, was Fans wollen.

Der Konflikt „Konzept vs. Umsetzung“ spielt sowohl bei der Bewertung der Sequels als auch der Prequels eine große Rolle. Im direkten Vergleich gewinnen die Prequels meistens beim Konzept, während der handwerkliche Standard bei den Sequels deutlich höher ist. Im Bereich Effekte ist das natürlich nicht anders zu erwarten, und gerade in dieser Hinsicht tut die Rückbesinnung der Sequels auf praktische Effekte (zumindest dort wo es möglich ist) den Filmen durchaus gut. Auch in Bereichen wie Dialoge, Regieführung und Darstellung sind die Sequels im Schnitt besser als die Prequels. Gerade diesbezüglich fällt „The Rise of Skywalker“ allerdings doch stark ab, was primär an der Struktur des Films und seinem halsbrecherischen Tempo liegt, was ihm in letzter Konsequenz das Genick bricht. Und dann wäre da auch noch der Anspruch, die Skywalker-Saga beenden zu wollen, eine Saga, die seit so vielen Jahrzehnten läuft und neun Filme umfasst. Auch hier versagt „The Rise of Skywalker“ letzten Endes. Nun stellt sich natürlich die Frage: Wäre Colin Trevorrows Episode IX besser gewesen? Die Antwort darauf werden wir nie erfahren, aber die Zusammenfassung des Drehbuchs, die ich gelesen habe, hatte, neben diversen Problemen, immerhin die eine oder andere interessante Idee und versuchte zumindest, tatsächlich eine Geschichte zu erzählen. „The Rise of Skywalker“ scheitert hingegen kläglich an diesem Unterfangen.

Platz 10: Attack of the Clones

Und schon wieder sind wir beim Thema „Konzept vs. Umsetzung“. Tatsächlich klingt „Attack of the Clones“ in der Theorie äußerst vielversprechend: Eine große Verschwörung mit Anleihen an den Film Noir, eine zum Untergang verurteilte Liebesgeschichte und der Anfang eines großen Krieges. Aber die Umsetzung… Für manche Elemente kann man George Lucas nur bedingt einen Vorwurf machen. Er bemühte sich, die digitale Filmtechnik voranzutreiben und nutzte die Prequels als Vehikel. Episode II ist der erste vollständig digital gedrehte Film – leider hat dieser Status des Vorreiters den Nachteil, dass „Attack of the Clones“ von allen drei Prequels am schlechtesten gealtert ist. Bei Episode I war die Technik schlicht noch nicht soweit, weshalb Lucas noch verhältnismäßig viel mit praktischen Effekten und Sets arbeiten musste, während Episode III von drei zusätzlichen Jahren für die Entwicklung der Technik profitiert.

Darüber hinaus zeigen sich in „Attack of the Clones“ Lucas‘ Defizite als Regisseur und Drehbuchschreiber am stärksten. Der Mann hat ein Händchen für das Visuelle und das World-Building, aber erhebliche Schwächen in den Bereichen Schauspielführung und Dialog. Das erfolgreiche Vermitteln einer Leinwandromanze hängt aber leider nun einmal genau von diesen beiden Aspekten ab. Wo „The Rise of Skywalker“ durch seinen Nicht-Plot hetzt, ist „Attack of the Clones” über weite Strecken schlicht dröge und zäh. Selbst das actionreiche Finale, die Schlacht um Geonosis, wirkt mitunter recht undynamisch, gerade im Vergleich mit den deutlich ansprechenderen Schlachten in „Revenge of the Sith“. Dennoch habe ich eine gewisse Schwäche für Episode II, was nicht zuletzt auch am Mitwirken Christopher Lees liegt, der einfach jeden Film durch seine Anwesenheit massiv aufwertet.

Platz 9: The Force Awakens

Ab jetzt wird es vermutlich etwas kontroverser. Ich bin durchaus gewillt, zuzugeben, dass „The Force Awakens“ von einem gewissen Standpunkt aus ein besserer Film ist als diverse andere, die deutlich weiter oben auf dieser Liste stehen, gerade aus handwerklicher Perspektive. J. J. Abrams ist ein Regisseur, der wirklich gut mit seinen Darstellern zurecht kommt und es schafft, dass sehr gute Chemie zwischen ihnen entsteht. Auch bezüglich der Figuren gibt es durchaus gute Ideen, gerade die Konzeption des „neuen Trios“ finde ich sehr gelungen, ebenso wie die Idee, ein abtrünniges Mitglied der Strumtruppen zu einer Hauptfigur zu machen. In meiner ursprünglichen Rezension bemühte ich mich sehr, diesen Film positiv zu sehen und ihm eine Chance zu geben.

Die größte Schwäche, die „The Force Awakens“ letzten Endes auch das Genick bricht, ist die Tatsache, dass man sich meines Erachtens nach nie gefragt hat, welche Geschichte dieser Film eigentlich erzählen soll. Er wurde von Anfang an konzipiert, um den Fans der OT und denen, die von den Prequels enttäuscht wurden, zu gefallen. Und so wurde auf Teufel komm raus ein Status Quo erschaffen, der im Grunde derselbe ist wie in der OT. Auf der Handlungsbene passiert schlicht nichts, was wir nicht an anderer Stelle in der OT bereits gesehen hätten, und hinzu kommt ein wirklich schlechtes World Building. 2015, nachdem Episode VII von Kritikern und Fans sehr gut aufgenommen wurde und viel Geld einspielte, schien das der richtige Weg zu sein, weil viele Kinogänger nach dem „Star Wars von früher“ hungerten. Doch nun, fünf Jahre später, wird deutlich, dass der Mangel an Konzept, Vorausplanung und Kreativität beim Eintritt in diese neue Star-Wars-Ära der ganzen der Sequel-Trilogie (und dem Franchise als Ganzes) massiv geschadet hat. Ich kann durchaus verstehen, dass „The Force Awakens“ für all jene, die sich mit diesem Franchise nicht allzu intensiv beschäftigen oder sich bestenfalls als Casual Fans bezeichnen, der Favorit ist. Mit Abrams‘ „Star Trek“ von 2009 geht es mir ja sehr ähnlich. In einem Vakuum betrachtet ist „The Force Awakens“ nun wirklich kein schlechter Film (bzw. kein schlecht gemachter Film), aber als Episode VII der Skywalker-Saga funktioniert diese Mischung aus Remake und „Soft Reboot“ einfach nicht.

Platz 8: The Last Jedi

Ich hatte mir lange überlegt, die Plätze 8 und 9 zu tauschen. „The Last Jedi“ hat in gewisser Weise dasselbe Problem wie „The Force Awakens“, nur auf anderer Ebene. Episode VIII ist ein Film, den ich eher respektiere, als dass ich ihn mag. Rian Johnson hat in meinen Augen zumindest klar vor Augen, was er mit diesem Streifen erreichen möchte, konzeptionell ist es sicher dichteste der Sequels, thematisch vielleicht sogar der dichteste der gesamten Saga. So weit, so gut – nur leider vergisst Johnson, bei all seinen Ambitionen, auch eine gute Geschichte zu erzählen. Der eigentliche Plot um das Entkommen des Widerstands passt vielleicht zu einer Episode der ursprünglichen Star-Trek-Serie, aber als Handlung für einen Star-Wars-Film ist das doch eher enttäuschend. Mehr noch, so interessant Johnsons Konzepte und Ideen auch sind, so sehr arbeiten sie gegen das im Vorgänger etablierte Material (was seinerseits nicht optimal ist, aber lassen wir das beiseite). Ich habe es ja schon mehrmals erwähnt: Eines der größten Probleme der Sequels ist, dass die einzelnen Filme gegeneinander arbeiten, statt ineinander zu greifen. Entweder Johnson oder Abrams hätte die Trilogie komplett übernehmen müssen, oder Disney hätte zumindest dafür sorgen müssen, dass die Sequel-Trilogie als großes Ganzes funktioniert.

Johnsons Ansatz der Dekonstruktion und des Unterlaufens von Erwartungen ist ebenfalls ein Problem – nicht grundsätzlich, es gab schon funktionierende Dekonstruktionen, etwa „Knights of the Old Republic II: The Sith Lords“. Johnson dekonstruiert allerdings als Selbstzweck, was nun nach „The Rise of Skywalker“ umso offensichtlicher ist, und er dekonstruiert auf Kosten der Geschichte. Plot Convienence ist bei Star-Wars-Filmen durchaus der Öfteren problematisch (u.a. auch bei den Episoden IX und II), aber gerade hier sind die storytechnischen Verrenkungen, die Johnson betreiben muss, um dorthin zu gelangen, wo er hinmöchte, wirklich unangenehm. Ebenfalls unpassend ist der Humor, der eher zu „Guardians of the Galaxy“ als zu Star Wars passt. Aber wir wollen ja nicht nur meckern, schließlich hat es seinen Grund, dass „The Last Jedi“ auf diesem Platz gelandet ist. Visuell hat Johnson fraglos einiges auf dem Kasten – selten sah Star Wars besser aus – und auch aus den Darstellern holt er wirklich viel heraus.

Platz 7: The Phantom Menace

Dafür gibt es wahrscheinlich Haue; die viel gehasste Episode I steht vor der gesamten Sequel-Trilogie. Aber: Die Nostalgie ist stark bei diesem da. Die Schwächen dürften ja weithin bekannt sein und wurden von allen und jedem so breit wie nur möglich ausgewalzt: Jar Jar und der kindliche Humor, nicht gerade gelungene Dialoge, Jake Lloyd als Anakin Skywalker bzw. George Lucas Probleme bei der Führung der Schauspieler etc. Gerade Letzteres zieht sich als roter Faden durch die gesamten Prequels. Fähige Darsteller wie Ian McDiarmid oder Ewan McGregor wissen auch so, was sie tun, aber Darsteller, die auf etwas mehr Regieleistung angewiesen sind, bleiben meistens weit hinter ihren Möglichkeiten. Und in der Tat wäre es wohl tatsächlich klüger gewesen, die Prequels mit einem erwachsenen Anakin und dem Start der Klonkriege beginnen zu lassen.

Wie so oft bei den Prequels ist die Konzeption gelungener als die Umsetzung. Die Idee, mit dem größtmöglichen Kontrast zu Darth Vader, einem aufgeweckten, unschuldigen Kind zu beginnen, ist für sich genommen nicht schlecht, ebenso wie der Einfall, die Struktur des Prequel-Startfilms als Spiegelbild von Episode VI anzulegen, ohne dass es, wie es bei Episode VII und IV der Fall ist, einfach wie abgekupfert wirkt. „The Phantom Menace“ erzählt nun einmal eine deutlich andere Geschichte als „Return of the Jedi“. Leider übernimmt Lucas damit auch die Schwächen von Episode VI: Ein Akt des Films findet jeweils auf Tatooine statt, fühlt sich aber von den restlichen beiden merkwürdig losgelöst an, was bei Episode I allerdings noch deutlich stärker ins Gewicht fällt, da es sich nicht um den ersten, sondern den zweiten Akt handelt. Und die parallel laufenden finalen Schlachten mit drei bzw. in Episode I sogar vier verschiedenen Handlungssträngen ist ebenfalls durchwachsen, da hier absolute Highlights, die jeweiligen Lichtschwerduelle, Rücken an Rücken mit deutlich uninteressanteren Bodenschlachten stehen. „The Phantom Menace“ ist ein Film, in dem die Einzelteile leider nie zu einem großen Ganzen zusammenwachsen – für sich selbst stehend aber wirklich beeindruckend sind, sei es das Pod-Rennen oder der finale Kampf der beiden Jedi gegen Darth Maul.

Warum hat „The Phantom Menace“ nun in der Platzierung die Sequels überholt? Weil diesem Film etwas gelungen ist, was bereits in „The Force Awakens“ hätte geschehen müssen, bisher aber immer noch nicht geschehen ist: Er hat es erfolgreich geschafft, eine neue Star-Wars-Ära zu etablieren, die sich vom bisher bekannten unterscheidet, aber doch unzweifelhaft Star Wars ist. Wir haben einen ordentlich vermittelten Status Quo, ein Gefühl dafür, wie es in der Galaxis aussieht und gutes World Building, das oft durch die wirklich gelungene Arbeit der Designer vermittelt wird. Die Sequel-Ära fühlt sich dagegen bis heute wie ein Abklatsch der OT-Ära an und reizt mich kaum, während ich in die Prequel-Ära immer wieder gerne zurückkehre.

Platz 6: Solo – A Star Wars Story

Niemand wollte oder brauchte diesen Film, Han Solo funktioniert als Figur, wie wir ihn in Episode IV kennen, wunderbar, er hat seine Entwicklung im Verlauf des Films (und den beiden folgenden), vom eigennützigen Schmuggler zum Helden der Rebellion. Selbst die Fans der Figur, zu denen ich mich nicht unbedingt zähle, waren sehr skeptisch: Müssen wir wirklich sehen, wie Han und Chewie sich kennen lernen oder wie Han den Millenium Falken gewinnt? Was „Solo“ für mich zum zweitbesten Disney-Star-Wars-Film macht, ist der Umstand, dass hier tatsächlich eine Geschichte erzählt wird. Das größte Manko, für mich persönlich aber auch gleichzeitig ein Vorteil, ist, dass es sich dabei nicht um Han Solos Geschichte handelt. Sicher, die oben erwähnten Stationen, die Begegnung mit Chewie, der Kessel Run, Han gewinnt den Falken etc., sind alle da. Dennoch ist es nicht zwingend Hans Geschichte, die der Film erzählt, sondern eher die von Qi’ra, Beckett und Dryden Vos. Han stolpert eher zufällig hinein und ist nicht wirklich nötig. Von diesem Umstand einmal abgesehen ist „Solo“ schlicht ein verdammt kurzweiliger und unterhaltsamer Gangster-Western im Star-Wars-Universum, der sich ein wenig anfühlt wie die Lektüre eines Legends-Romans, inklusive diverser Anspielungen, Querverweise und Gatsauftritte, die beim „Normalzuschauer“ eher für Stirnrunzeln sorgen.

Die Probleme hinter den Kulissen sind an „Solo“ freilich nicht spurlos vorbeigegangen, hin und wieder tauchen Diskrepanzen auf. Dennoch gelingt es diesem Film, eine Balance zwischen interessantem Konzept und kompetenter Umsetzung (wenn man davon absieht, dass die Farbpalette deutlich zu dunkel ist) zu finden, sofern man das zugrundeliegende Konzept als „Gangster-Western im Star-Wars-Universum“ und nicht als „Han-Solo-Origin“ wahrnimmt. Ron Howard ist ein solider Handwerker, dem sowohl George Lucas‘ Vision und Wille zur Innovation als auch seine erheblichen Mankos fehlen. Da ich durch die Probleme hinter der Kamera und Gleichgültigkeit gegenüber Hans Hintergründen keine Erwartungen an diesen Film hatte, hat mich „Solo“ sehr angenehm überrascht – ich mag die neuen Figuren, das World Building und die Schauplätze und finde den Umstand, dass es hier, anders als bei allen anderen Star-Wars-Filmen, keinen eindeutigen Widersacher gibt, sehr erfrischend.

Platz 5: A New Hope

„A New Hope“ ist zweifelsohne der wichtigste Star-Wars-Film und hat im Herzen vieler Fans einen besonderen Platz. Auch in meine Top 5 hat er es geschafft – aber eben auch nicht weiter nach vorn, findet er sich doch bei vielen anderen Rankings auf einem der ersten drei Plätze. Während die meisten anderen Filme, selbst einige, die ich weiter vorne platziert habe, über eklatante Schwächen verfügen, ist „A New Hope“ ein sehr ausgewogener Film, der lediglich nicht besonders gut gealtert ist. Er teilt das Schicksal anderer Vorreiter auf ihren Gebieten: Was einmal revolutionär und nie dagewesen war, haben andere Filme in der Zwischenzeit so viel besser gemacht. In mancher Hinsicht wirkt dieser Vorreiter etwas bieder, die Geschichte, die er erzählt, ist gemessen an späteren Vertretern des Franchise,  recht klein. Es ist eigentlich unfair, Episode IV das vorzuwerfen; ohne die Grundlagen, die „A New Hope“ gelegt hat, hätten spätere Filme nicht auf ihnen aufbauen können. Ansonsten ist Episode IV gewissermaßen ein filmisches Schulbuchbeispiel: Sehr ausgewogen, sehr klare Drei-Akt-Struktur, sehr klare Umsetzung von Campbells Heldenreise. Gewisse Lucas-typische Schwächen zeigen sich bereits, fallen aber kaum ins Gewicht, weil der gute George hier, anders als bei den Prequels, nicht machen konnte, was er wollte, sondern stets zu Kompromissen gezwungen war, und natürlich weil er ein äußerst fähiges Team mit dem Schnitt des Films beauftragte.

Platz 4: Rogue One

„Rogue One“ ist ein schönes Beispiel für einen Star-Wars-Film, der deutlich unebener ist und weitaus mehr strukturelle Schwächen hat als beispielsweise Episode IV oder VII. Auch hier sind primär die Probleme hinter den Kulissen schuld; mitunter bemerkt man die Nachdrehs sehr deutlich und gewisse Unebenheiten zwischen Schnittfassungen fallen ebenfalls auf. Das betrifft besonders den ersten Akt, der recht wildes und unübersichtliches Planeten-Hopping betreibt. Glücklicherweise ist „Rogue One“ ein Film, der mit jedem Akt besser wird, um sich dann in einem der fulminantesten Finales des Franchise zu entladen.

Des Öfteren werden bei „Rogue One“ darüber hinaus die Figuren als langweilig und uninteressant kritisiert, eine Kritik, die ich so allerdings nicht teile – die Figuren an sich sind in Ordnung, das Problem sind auch hier strukturelle Unebenheiten und unterschiedliche Schnittfassungen des Films, die nicht gut ineinandergreifen. Wenn Baze Malbus Jyn Erso am Ende „Good luck, little sister“ wünscht, kommt das fast aus dem Nichts, da die beiden während des Films kaum einmal ein Wort wechseln, das in einer früheren Version durchaus getan haben könnten. Ohnehin betrachte ich weder Jyn Erso noch Cassian Andor als Hauptfigur von „Rogue One“, denn die eigentliche Hauptfigur des Films ist die Rebellion an sich. Dieses Spin-off bemüht sich, ein breites Bild dieser Gruppierung in all ihren Facetten zu zeigen, von den gemäßigten und allseits bekannten Anführern wie Mon Mothma und Bail Organa über unfreiwillige oder zufällige Verbündete wie Chirrut Îmwe und Bodhi Rook bis hin zu den extremeren Elementen um General Draven und natürlich Fanatiker wie Saw Gerrera. Regisseur Gareth Edwards gelingt es, ein breites Spektrum an verschiedenen Rebellen zu zeigen und der Gruppierung ein deutlich breiter gefächertes Profil zu verleihen. Rein strukturell mag „The Force Awakens“ beispielsweise deutlich besser funktionieren, doch „Rogue One“ gelingt es dagegen mühelos, sich wie eine etwas grimmigere Version des Star-Wars-Universums anzufühlen, die dennoch hervorragend zum bereits Etablierten passt, während die Sequels oft nur erzwungene Wiederholung bieten.

Platz 3: Return of the Jedi

Episode VI ist zweifellos der unausgewogenste Film der OT mit einer Handlung, die sich zu stark an Episode IV anlehnt, einem ersten Akt, der vom Rest des Films bzw. der Handlung der gesamten Trilogie merkwürdig losgelöst ist und einem äußerst (eventuell sogar zu) komplexen, in drei Handlungsstränge aufgegliederten dritten Akt. Die Bodenschlacht auf dem Waldmond Endor funktioniert dabei nur bedingt – thematisch passt sie zwar gut zum im Franchise immer wieder auftauchenden Konflikt zwischen Technologie und Natur, aber die Ewoks sind einfach zu sehr darauf ausgelegt, Spielzeug zu verkaufen, zu unglaubwürdig erscheint ihr Sieg über das Imperium. Wenn „Return of the Jedi“ allerdings zur Hochform aufläuft, dann richtig. Besonders im dritten Akt liefert Episode VI einige der besten Szenen und Momente der OT, wenn nicht des gesamten Franchise, sei es das finale Duell zwischen Luke und Vader, jede Szene mit Ian McDiarmids Palpatine oder die gesamte Raumschlacht. „Return of the Jedi“ ist sicher kein perfektes, aber ein würdiges Finale der OT, an dem sich jedes der beiden anderen Gegenstücke messen muss. Eines hat es geschafft, Episode VI in meinen Augen zu übertreffen, das andere ist kläglich am Versuch gescheitert.

Platz 2: Revenge of the Sith

Es dürfte niemanden überraschen, dass Episode III in meinem Ranking so gut abschneidet, schließlich habe ich nie einen Hehl daraus gemacht, wie sehr ich diesen Film liebe. „Revenge of the Sith“ erzählt in meinen Augen die größte und ambitionierteste Geschichte der Saga, wenn auch nicht immer konsequent und funktionierend. Anakins Entscheidungen sind nicht immer ganz nachvollziehbar, letzten Endes verfällt er der Dunklen Seite doch ein wenig abrupt und manche Dialoge, speziell wenn sie von Anakin und Padmé geführt werden, sind immer noch nah an der Schmerzgrenze. Trotzdem: Hier wird „Space Opera“ wörtlich genommen. George Lucas liefert eine große Tragödie, den Fall eines Helden, den Sturz der Republik, den Aufstieg des Imperiums. Als er diesen Film drehte, war er sich ziemlich sicher, dass es sein letzter Star-Wars-Film werden würde, und das merkt man auch, denn hier schöpft er noch einmal aus den Vollen, beginnt mit einer Raumschlacht, die die aus Episode VI vielleicht nicht übertrifft, aber doch zumindest nah an sie herankommt, und beendet das Ganze mit einem epischen Parallel-Duel sowie einigen der eindringlichsten visuellen Momente des Franchise. Und den Ian McDiamird-Faktor sollte man ebenfalls nicht unterschätzen. Bisher hat er in diesem Ranking keine Rolle gespielt, schließlich sind die Plätze 11 und 10 Filme, in denen er eine zwar untergeordnete, aber doch äußerst prominente Rolle spielt. Aber „Revenge of the Sith“ ist ohne Wenn und Aber Darth Sidious‘ Film, die große Bühne für Ian McDiamird – und McDiamird liefert. „Revenge of the Sith“ könnte man darüber hinaus als meinen Go-To-Star-Wars-Film bezeichnen – wann immer ich Lust auf eine Prise Star Wars habe, eine halbe Stunde in der weit, weit entfernten Galaxis, werde ich mit großer Wahrscheinlichkeit zur Episode-III-BluRay greifen. Gerade im Vergleich zu den Sequels möchte ich noch einmal feststellen: Ich ziehe einen Film, der eine gute Geschichte suboptimal erzählt einem Film vor, der eine nicht-Geschichte gut erzählt.

Platz 1: The Empire Strikes Back

Das wiederum ist nun wirklich keine kontroverse Wahl, Episode V gilt gemeinhin als bester Star-Wars-Film – und das aus gutem Grund. Nach Episode IV hätte man das Franchise auf viele Arten fortsetzen können. Lucas hätte auch eine James-Bond- oder Indiana-Jones-artige Filmserie daraus machen können; die Helden erleben in jedem Film ein neues, nur marginal mit dem letzten Teil verknüpftes Abenteuer. Stattdessen machte „The Empire Strikes Back“ Star Wars zur Saga. Wenn es einen Film des Franchise gibt, der an der Perfektion kratzt, dann ist es dieser. Irvin Kershners Leistung ist mit Abstand die beste Regie-Arbeit des Franchise, hier passt alles. Wo Richard Marquand bei „Return of the Jedi“ eher Erfüllungsgehilfe war, setzte Kershner Akzente, während Lucas sich primär darum kümmerte, ihm den Rücken freizuhalten. Und wo man bei jedem anderen Star-Wars-Film Abstriche machen muss, ist das bei „Empire“ schlicht nicht nötig. Episode V ist qualitativ und strukturell ähnlich konsistent wie Episode IV, aber auf einem deutlich höheren Niveau. Diese vielleicht beste aller Fortsetzungen nutzt den Umstand, dass es sich um ein Sequel handelt, vollständig aus und arbeitet sich in die Figuren und ihre Beziehungen deutlich stärker ein. Auf jeder Ebene wird es für die Charaktere persönlich – wo es zuvor nur eine vage Feindschaft zwischen Vader und den Helden gab, hat am Ende dieses Films jeder ein auf gewisse Weise fast schon intimes Verhältnis zu dem Sith-Lord. „The Empire Strikes Back“ ist, um es kurz zu machen, nach wie vor die Messlatte, an der jeder andere Star-Wars-Film gemessen wird. Dass es nach so vielen Jahren immer noch keiner geschafft hat, ihn zu übertreffen, ist wohl allein schon aussagekräftig genug.

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