Captain Marvel

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Story:
Vers (Brie Larson) gehört dem Volk der Kree an und verfügt über enorme Kräfte, hat aber ihr Gedächtnis verloren. Sie wird von ihrem Mentor Yon-Rogg (Jude Law) trainiert, da sich die Kree im Krieg mit den formwandelnden Skrulls befinden und Vers‘ Kräfte für den Kriegserfolg wichtig sind. Im Verlauf einer Mission wird Vers von dem Skrull-Kommandanten Talos (Ben Mendelsohn) gefangen genommen, der in ihren Erinnerungen wühlt und eine Verbindung zum Planeten Erde feststellt. Vers kann jedoch entkommen und landet auf der Erde, wo sie mit Hilfe des S.H.I.E.L.D.-Agenten Nick Fury (Samuel L. Jackson) versucht, hinter das Geheimnis ihrer Herkunft zu kommen.

Kritik: Da ist er also, der erste MCU-Film mit einer weiblichen Titelfigur (natürlich gab es noch „Ant-Man and the Wasp“, aber Hope van Dyne musste sich den Titel nun einmal mit Scott Lang teilen). Wie bei ähnlich gearteten Filmen, etwa „Wonder Woman“ oder „Black Panther“, waren die Erwartungen äußerst hoch und die allgemeine Stimmung äußerst geladen. Wie üblich versuche ich, dabei nicht den Film als politische Botschaft welcher Art auch immer zu bewerten, sondern als Film an sich und als Teil seines Franchise.

Nach „Captain America: The First Avenger” ist „Captain Marvel“ erst der zweite MCU-Film, der nicht in „der Gegenwart“, sondern einer historischen Epoche spielt – mit den 90ern wurde allerdings eine gewählt, die uns deutlich näher ist als die 40er. Strukturell erinnert „Captain Marvel“ am ehesten an „Thor“ und bietet, zumindest aus Publikumssicht, eine invertierte Heldenreise. Normalerweise beginnt der Held in einer (verhältnismäßig) alltäglichen Welt, um dann in eine tatsächliche oder metaphorische Abenteuerwelt zu gelangen. Thor und Vers/Carol Danvers dagegen beginnen in phantastischen, extravaganten Welten, und werden nicht von Menschen zu Helden, sondern von Göttern (oder außerirdischen Soldaten) zu Menschen (und dann zu Helden). Und wie bei „Thor“ finden sich im zweiten Akt eine ganze Menge „Fish out of Water“-Elemente, die für den Großteil der Komik verantwortlich sind.

Insgesamt ist „Captain Marvel“ in Ordnung – was gerade für einen Film, auf dem derartige Erwartungen lagen, wohl für viele nicht genug sein dürfte. Der gelungenste Aspekt ist zweifellos die Chemie zwischen Brie Larson und Samuel L. Jackson bzw. das Buddy-Movie-Element des zweiten Aktes – es ist einfach verdammt unterhaltsam, den beiden bei ihren Ermittlungen zuzusehen. Der Rest des Films ist im Großen und Ganzen funktional – relativ wenig sticht positiv oder negativ heraus. Anna Boden und Ryan Fleck sind als Regisseure ziemlich anonym, gerade im Vergleich zu MCU-Regisseuren, die es geschafft haben, den Filmen einen distinktiven Stempel aufzudrücken – man denke an Taika Waititi oder James Gunn.

Das vielleicht größte Problem des Films ist allerdings die Titelfigur. Hier wiederholt sich, was bereits bei „Black Panther“ ein Manko war: Captain Marvel ist als Figur leider nicht besonders interessant oder einnehmend, die Figuren um sie herum, sei es Nick Fury, Yon-Rogg oder selbst der Skrull Talos, sind deutlich interessanter. Der heimlich Star des Films ist natürlich ohnehin die Katze Goose. Am Ende des Films fühlt man sich sogar fast ein wenig an Supermans finalen Auftritt in „Justice League“ erinnert, als Captain Marvel alle Widersacher dann doch deutlich zu leicht und spielend abserviert. Zusätzlich problematisch ist der Umstand, dass Carol Danvers im Grunde auch keine Entwicklung durchmacht. Nur ihre Loyalität verändert sich, das hat aber keine Auswirkungen auf ihren Charakter, sie ist am Ende des Films dieselbe Figur wie am Anfang, was einem Origin-Film nicht gut zu Gesicht steht.

Zur Vorlagentreue des Films kann ich leider nicht allzu viel sagen, da ich mit der Carol-Danvers-Version von Captain Marvel nicht wirklich vertraut bin, ich besitze lediglich einige Geschichten, in denen sie vorkommt, aber keinen ihrer Solo-Titel. Eine Änderung ist mir allerdings tatsächlich sauer aufgestoßen. Carol Danvers ist nicht die erste Captain Marvel, vor ihr gab es bereits Mar-Vell, einen Kree-Krieger, den ich als Figur sehr schätze und der in der exzellenten Graphic Novel „The Death of Captain Marvel“ das zeitliche segnete – nicht im heroischen Kampf gegen einen Superschurken, wohlgemerkt, sondern im auszehrenden Kampf gegen den Krebs. Ohne allzu viel zu spoilern: Mar-Vell taucht in stark veränderter Form in „Captain Marvel“ auf, das Potential, das der Figur inne wohnt, wird aber nicht nur nicht ausgeschöpft, sondern geradezu ignoriert.

Zum Schluss noch ein paar Worte zur Musik: Mit Pinar Toprak übernahm hier zum ersten Mal eine Frau nicht nur die Titelrolle, sondern auch den Taktstock in einem MCU-Film und liefert einen Score, der sich vor den anderen MCU-Vertretern nicht verstecken muss. Topraks Musik ist durchaus in der Tonalität des MCU verwurzelt, die Verwendung von Elektronik und Synthesizern an der Seite des Orchesters passt gut zur Ära des Films und erinnert sowohl an „Thor: Ragnarök“ als auch ein wenig an Don Davis‘ Matrix-Scores. Das Thema für die Titelfigur ist gelungen, allerdings ist die Abmischung im Film nicht allzu gut, weshalb der Score leider relativ oft untergeht.

Fazit: „Captain Marvel“ ist insgesamt in Ordnung, aber abseits des Umstandes, dass es sich hierbei um den ersten MCU-Film mit einer Frau als alleiniger Titelfigur handelt, weit von der Signifikanz entfernt, die ihm im Positiven wie Negativen beigemessen wird. Der Film ist unterhaltsam und kurzweilig, bewegt sich aber bestenfalls im Mittelfeld des MCU.

Trailer

Bildquelle

4 Gedanken zu “Captain Marvel

    1. Ja, insgesamt sehr ähnlich, wobei ich „Captain America: The First Avenger“ allerdings den Vorzug geben würde – ich finde, Joe Johnston ist als Regisseur deutlich distinktiver und ich mochte den Indiana-Jones-Vibe des Films ziemlich gerne 😉

  1. Kann ich so unterschreiben. Ich fand den Film tatsächlich auch kurzweilig genug, um nicht langweilig zu sein, aber auch nicht gut genug, um im Franchise hervorstechend zu sein.

    1. Jau, ich denke, dass „Captain Marvel“ außer dem Umstand, dass es der erste Film mit alleiniger weiblicher Titelfigur ist, in Zukunft nicht allzu sehr im Gedächtnis bleiben wird.

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