Captain Phasma

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Captain Phasma ist das Sinnbild eines verschenkten Charakters. Bereits im Vorfeld von Episode VII schien es, als wolle man den weiblichen Sturmtruppen-Captain zum Boba Fett der Sequel-Trilogie machen: Die coole, etwas mysteriöse Nebenfigur, die jedermanns heimlicher Favorit ist. Man wählte mit Gwendoline Christie sogar eine äußerst rennomierte Schauspielerin, besonders in Anbetracht der Tatsache, dass man Phasmas Gesicht (mit Ausnahme eines Auges) bis heute nicht gesehen hat. Leider wussten J.J. Abrams und Lawrence Kasdan mit Phasma nicht allzu viel anzufangen. Sicher, die Chrom-Rüstung sieht cool aus, aber davon abgesehen tut Phasma in „Das Erwachen der Macht“ so gut wie nichts. Ihr einziger signifikanter Beitrag zur Handlung ist der Umstand, dass sie Han und Finn unter minimaler Bedrohung verrät, wie man die Schilde der Starkiller-Basis deaktiviert, nur um anschließend in der Müllpresse zu landen. In Episode VIII kann man in Bezug auf Phasma im Grunde nur noch von einem kurzen Gastauftritt reden, der wohl vor allem deshalb zustande gekommen ist, weil die Figur halt „noch da war“. Das ist besonders insofern schade, weil im Vorfeld von „Die letzten Jedi“ im Marketing angedeutet wurde, man hätte nun eine bessere Idee, was mit der Figur anzufangen sei. Sie erhielt einen Roman von Delilah S. Dawson, der Phasmas Vorgeschichte erzählt (und den ich bis heute nicht gelesen habe) und eine Comic-Miniserie, getextet von Kelly Thompson und gezeichnet Marco Chechetto, um die es in diesem Artikel geht.

Phasmas Charakterisierung kennt im Grunde nur zwei Extreme: In Episode VII wird sie als fanatische Anhängerin der Ersten Ordnung vorgestellt, was die von Pablo Hidalgo verfasste illustrierte Enzyklopädie noch unterstreicht. Doch das passt nicht wirklich zu Phasmas Vorgehensweise am Ende des Films. Aus diesem Grund wird sie in der Miniserie (und, so weit ich weiß, auch im Roman) primär als Überlebenskünstlerin dargestellt. Thompson und Chechetto knüpfen direkt an „Das Erwachen der Macht“ an: Phasma entkommt aus dem Müllschacht und schafft es auch, die Starkiller-Basis rechtzeitig zu verlassen. Sie kehrt allerdings nicht sofort zur Ersten Ordnung zurück, sondern jagt zusammen mit einer Tie-Pilotin und einer BB-Einheit Sol Rivas, einen Offizier der Ersten Ordnung, der als einziger von Phasmas Verrat weiß. Dabei landet das Trio auf Luprora, wo es sich mit Monstern, einheimischen Konflikten und schlechtem Wetter herumschlagen muss.

Kelly Thompson legt den Fokus des Comics sehr stark auf Phasmas Eigenschaften als Überlebenskünstlerin, die ruchlos und ohne Gnade gegen alles und jeden vorgeht, der sich ihr in den Weg stellt. Dabei versucht sie Phasma das Bad-ass-Image zurückzugeben, das im Vorfeld zu Episode VII aufgebaut, durch ihre Handlung im Film aber wieder zunichte gemacht wurde. Gleichzeitig soll die Figur dabei nicht entmystifiziert werden – wie in den Filmen ist Phasmas Gesicht nie zu sehen. Als erzählerischer Rahmen dienen Phasmas Aufzeichnungen für die Erste Ordnung, die natürlich alles andere als authentisch sind.

Wie für Medien aus der Sequel-Zeit üblich (mit Ausnahme von Claudia Grays grandiosem „Bloodline“, versteht sich) bleibt auch in diesem Comic das World-Building sehr begrenzt. Nicht, dass ich erwartet hätte, dass gerade diese Miniserie Kontexte liefert, aber es ist dennoch erwähnenswert, dass „Captain Phasma“ abermals eine erzählerisch fast völlig isolierte Angelegenheit ist, die sich ausschließlich auf ihre Prämisse konzentriert, ohne irgendwelche weiteren Kontexte zu liefern. Gerade Comics dieser Prägung wären eigentlich ganz gut dazu geeignet, die Erste Ordnung und den Status Quo ein wenig auszubauen, aber das wird wohl nach wie vor vermieden.

Insgesamt ist „Captain Phasma“ eine durchaus kurzweilige und vor allem graphisch aufwendige Angelegenheit. Marco Chechetto übernahm bereits bei einigen Kanon-Comics, etwa „Shattered Empire“, die graphische Gestaltung. Ich muss zugeben, dass sein Stil zwar durchaus opulent, mir persönlich aber auch ein wenig zu „glatt“ ist und zu sehr nach Computergrafik aussieht.

Fazit: „Captain Phasma“ ist eine insgesamt kurzweilige, visuell ansprechende, aber letztendlich ziemlich vergessenswerte Miniserie. Wer sich wirklich für die Figur interessiert kann zugreifen, alle anderen verpassen kaum etwas.

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