Avengers: Infinity War – Ausführliche Rezension

Spoiler nach dem ersten Absatz!
infinity war
Zehn Jahre, 18 Filme und unzählige Mid- und Post-Credits-Szenen haben uns an diesen Ort geführt: „Avengers: Infinity War“ baute eine gewaltigen Hype auf und ist gerade dabei, diverse Rekorde zu brechen – und natürlich drängt sich ein ausführlicher Blick auf dieses Event geradezu auf. Die Vorgehensweise ist die übliche: Zuerst präsentiere ich meine spoilerfreie Meinung kurz und knapp, danach nehme ich keine Rücksicht mehr. Insgesamt hat mir „Infinity War“ ziemlich gut gefallen. Ist es der beste Film des MCU? Diese Frage zu beantworten fällt mir bislang noch schwer. Auf jeden Fall unterscheidet sich der dritte Avengers-Streifen deutlich von seinen vielen Vorgängern, was ich als äußerst positiv empfinde. Natürlich ist auch „Infinity War“ nicht ohne Schwächen, doch gerade die strukturellen Mängel, die einige Kritiker ankreiden, stören mich da weniger, denn dieser Film fühlt sich weniger wie die beiden vorhergegangenen Avengers-Filme und mehr wie ein Event-Comic an – insofern wäre „Marvel Cinematic Universe: Infinity War“ vielleicht sogar ein passenderer, wenn auch nicht so griffiger Titel gewesen.

Handlung
Thanos (Josh Brolin), der irre Titan, hat genug: Er steht aus seinem Stuhl auf, zieht seinen Handschuh über und beginnt, die Infinity-Steine persönlich einzusammeln, um im Universum kräftig aufzuräumen. Den ersten sackt er auf Xandar ein, der zweite befindet sich gerade im Besitz Lokis (Tom Hiddleston), also greift der irre Titan die überlebenden Asen an, schnappt sich den Tesserakt und fügt ihn ebenfalls seiner Sammlung hinzu. Thanos‘ nächstes Ziel ist die Erde. Allerdings gelingt es Hulk/Bruce Banner (Mark Ruffalo), Thanos zu entkommen und Doctor Strange (Benedict Cumberbatch) zu warnen. In Windeseile versammeln sich zumindest einige Verteidiger, darunter Iron Man (Robert Downey jr.), Spider-Man (Tom Holland) und Wong (Benedict Wong). Und schon taucht Thanos‘ Scherge Ebony Maw (Tom Vaughan-Lawlor) auf, um den von Strange beschützten Zeitstein einzusammeln. Es gelingt ihm auch tatsächlich, Strange gefangen zu nehmen, doch Spider-Man und Iron Man schaffen es, sich auf seinem Raumschiff zu verstecken.

Derweil finden die Guardians of the Galaxy die Überreste des asgardianischen Flüchtlingsschiffs und einen überlebenden Thor (Chris Hemsworth). Schnell beschließt man, gemeinsam gegen Thanos vorzugehen: Der Donnergott begibt sich, begleitet von Rocket (Bradley Cooper) und Groot (Vin Diesel), nach Nidavellir, um an eine neue Waffe zu kommen, mit der man den irren Titanen besiegen kann. Derweil versucht der Rest der Guardians Thanos davon abzuhalten, den Realitätsstein auf Knowhere einzusammeln – mit wenig Erfolg. Nicht nur hat Thanos den Stein bereits, er nimmt auch gleich seine Adoptivtochter Gamora (Zoe Saldana) mit.

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Verteidiger der Erde: Wong (Benedict Wong), Doctor Strange (Benedict Cumberbatch), Bruce Banner (Mark Ruffalo), Tony Stark (Robert Downey Jr.)

Auf der Erde versuchen Thanos‘ Häscher auch weiterhin, die Infinity-Steine für ihren Meister einzusammeln. Ihr Ziel ist Vision (Paul Bettany), der jedoch von Wanda (Elizabeth Olsen) und Caps (Chris Evans) Team Unterstützung erhält. Trotz diverser Rückschläge – auch Doctor Strange behält vorerst seinen Infinity Stein – kommt Thanos seinem Ziel näher, denn mit Gamora unfreiwilliger Hilfe bringt er den Seelenstein an sich. Auf seiner Heimatwelt Titan versucht er anschließend, auch noch den Zeitstein zu erringen, während seine Heerscharen erneut die Erde angreifen, um auch noch den letzten Stein einzusammeln…

Die Konklusion des MCU?
Allerspätestens seit „The Avengers“ arbeiten die Marvel Studios auf diesen Moment hin; in dem Moment, in dem Thanos in der Mid-Credits-Szene sein hübsches Lächeln zeigt, weiß der Comicfan, das selbst „The Avengers“ nur ein Vorgeschmack ist. Tatsächlich ist diese Erzählweise, dieses Hinarbeiten auf die kommenden Filme, etwas, das am MCU häufig und gerne kritisiert wird. Zugegebenermaßen haben sich die Marvel Studios diesbezüglich auch nicht immer mit Ruhm bekleckert; diverse Filme, etwa „Iron Man 2“ oder „Avengers: Age of Ultron“, vergaßen beim World Building die eigentliche Handlung. Dennoch ist das, was die Marvel Studios mit diesem Franchise geleistet haben, gerade für einen Comicfan ziemlich beeindruckend. „Infinity War“ ist nicht die tatsächliche Konklusion, schließlich endet er mit einem fiesen Cliffhanger und es folgt noch ein weiterer Avengers-Film, aber er kommt dem doch schon ziemlich nahe.

Dabei zeigen sich allerdings auch die Schwächen eines Films wie „Infinity War“ ziemlich deutlich. Joe und Anthony Russo haben in diesem Film verdammt viel zu tun und auf verdammt viele Filme, Figuren und Handlungsstränge Rücksicht zu nehmen. Das klappt nicht immer vollständig. Das beste Beispiel hierfür ist „Thor: Ragnarok“. „Infinity War“ schließt ziemlich direkt an besagten Streifen an, negiert aber quasi sofort sämtliche Errungenschaften. Nachdem Thor sein Volk mühsam gerettet hat, gerät es nun an Thanos, und dabei macht der Film nicht einmal deutlich, was nun mit den Asen geschehen ist. Zuerst sieht es so aus, als habe Thanos gnadenlos alle niedergemetzelt, später wird aber eher nebenbei erwähnt, er habe nur die Hälfte von ihnen getötet. In einem Interview erklärten die Russos darüber hinaus, Valkyrie habe einigen (wohl besagter Hälfte) bei der Flucht geholfen, was auch der Grund ist, weshalb sie, anders als Heimdall und Loki, nicht auftaucht.

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Die Guardians of the Galaxy: Star Lord (Chris Pratt), Groot (Vin Diesel), Gamora (Zoe Saldana), Mantis (Pom Klementieff), Rocket Racoon (Bradley Cooper) und Drax (Dave Bautista)

Ähnlich verhält es sich mit dem Handlungsstrang aus „Captain America: Civil War“, der immerhin von den Russos selbst gedreht wurde. Der Konflikt aus diesem Film hat zwar Auswirkungen auf „Infinity War“, diese sind im Kontext allerdings verhältnismäßig klein – man hätte nicht allzu viel umschreiben müssen, hätten die Ereignisse aus „Civil War“ nicht stattgefunden. Zumindest in diesem Film erfolgt keine wirkliche Auseinandersetzung, Cap und Tony begegnen sich nicht einmal.

Letztendlich muss man bei einem Film wie diesem aber eben auch Abstriche machen, schließlich ist es letztendlich ein Film mit einer begrenzten Laufzeit, der nicht alles ausgiebig thematisieren kann. Das MCU ist letztendlich ein Experiment, das versucht, die Erzählstruktur von Superheldencomics auf Filme zu übertragen. Und Superheldencomics sind nun einmal serieller Natur – weder ich noch irgendein anderer Comicfan würde bestreiten, dass es gewisse Gemeinsamkeiten zu Soap Operas gibt. In „Infinity War“ gehen die Marvel Studios so weit wie noch nie zuvor, die Erzählstruktur und das „Feeling“ eines Superheldencomics auf die Leinwand zu bringen.

Krieg um Steine: Die Vorlage
Ganz ähnlich wie bei „Avengers: Age of Ultron“ hat auch „Avengers: Infinity War“ mit dem gleichnamigen Comic nicht allzu viel zu tun. Bei „The Infinity War“ handelt es sich um eine 1992 erschienene Miniserie, verfasst von Thanos-Erfinder Jim Starlin. „Avengers: Infinity War“ bezieht sich allerdings in weitaus größerem Ausmaß auf „The Thanos Quest“ und „The Infinity Gauntlet“, ebenfalls verfasst von Jim Starlin. In „The Thanos Quest“ (1990) sammelt Thanos die Infinity Steine (in den Comics ist stets die Rede von „Infinity Gems“, während es im MCU „Infinity Stones“ sind), und in „The Infinity Gauntlet“ setzt er seine neu gewonnene, gottgleiche Macht ein. Natürlich sind selbst diese beiden Geschichten eher lose Inspirationen als direkte Vorlagen, schon allein, weil sie einer völlig anderen Kontinuität folgen – beispielsweise sind die X-Men und die Fantastic Four zugegen, während die Guardians of the Galaxy in ihrer aus dem MCU bekannten Form noch nicht existieren. Gamora und Drax spielen davon unabhängig durchaus wichtige Rollen, aber auch hier zeigt sich deutlich, wie sehr sich beide Figuren seit den frühen 90ern weiterentwickelt haben. Einige ikonische Momente stammen jedoch direkt aus dem Comic, etwa der Held, der durch Doctor Stranges Dach fällt, um ihn zu warnen – nur dass es nicht der Hulk ist, sondern der Silver Surfer. Auch das Fingerschnippen, mit dem die Hälfte allen Lebens im Universum ausgelöscht wird, stammt direkt aus „The Infinity Gauntlet“. Darüber hinaus ermöglicht die Kenntnis des Comics zumindest einige Vermutungen, was im Sequel noch auf uns zukommen könnte.

Helden über Helden
Gerade strukturell unterscheidet sich „Infinity War“ doch deutlich von den beiden Vorgängern. In „The Avengers“ ging es um das Zusammenfinden des Teams, während es in „Avengers: Age of Ultron“ der Ausgangspunkt war. In beiden Filmen kam das Team im dritten Akt (wieder) zusammen, um die Widersacher (Loki und die Chitauri bzw. Ultron und seine Armee) zu besiegen. In „Infinity War“ spielen die Avengers als Team dagegen kaum eine Rolle. Die ersten beiden Filme fühlten sich für einen comicaffinen Zuschauer tatsächlich wie Handlungsbögen einer Avengers-Comicserie an, während „Infinity War“, wie oben bereits erwähnt, eher wie ein Marvel-Großevent anmutet, in dem verschiedene, wenn nicht gar alle Teams und individuellen Helden zusammenkommen. So auch hier: Zwei im Grunde separate Avenger-Teams, die Guardians of the Galaxy und individuelle Helden wie Doctor Strange teilen sich in neue Kleingruppen auf – auch das ein Markenzeichen größerer Eventcomics.

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Das letzte Aufgebot: Black Panther (Chadwick Boseman), Steve Rogers (Chris Evans), Black Widow (Scarlett Johansson) und der Winter Soldier (Sebastian Stan)

Nun stellt sich natürlich die Frage, wie der Film auf die einzelnen Helden eingeht. Die Antwort lautet: „Ungleichmäßig“. Manche Helden stehen deutlich stärker im Vordergrund als andere. Captain America (bzw. in diesem Film Nomad in all but name) und Black Panther sind beispielsweise primär vorhanden, da sie keinen wirklich eigenen Handlungsbogen haben. Von den ursprünglichen Avengers stehen Thor und Iron Man am deutlichsten im Vordergrund, beide machen eine sehr klare Entwicklung durch. Vaterschaft ist ohnehin ein wichtiges Thema in diesem Film, das auf viele Aspekte Einfluss nimmt. Schon bei Tonys erstem Auftritt wird die Thematik vorgestellt und durch die Beziehung zu Peter Parker weiter ausgearbeitet, um dann im Finale einen traurigen und durchaus berührenden Höhepunkt zu erreichen.

Thors Entwicklung im Film ist wohl dennoch die interessanteste. Die Russos haben hier versucht, die unterschiedlichen Interpretationen der Figur wieder miteinander zu verknüpfen, denn der Thor des bisherigen MCU unterscheidet sich doch gewaltig von der Version aus „Ragnarok“. In „Infinity War“ wird versucht, an Thors Charakterisierung aus „Ragnarök“ anzuknüpfen, ohne die Comedy dabei zu weit zu treiben oder Tragik zu vermindern, was meistens ganz gut funktioniert. Hatte man in „Ragnarok“ mitunter das Gefühl, Thor gehe nichts wirklich nahe, wirken seine Sprüche und komödiantischen Einlagen hier eher, als versuche er, seinen Schmerz über den Verlust seiner Heimat, seines Volkes, seiner Freunde und seines Bruders dahinter zu verbergen. Der Donnergott wird vom Wunsch nach Vergeltung angetrieben und bekommt von allen Helden in diesem Film wohl den komplettesten und befriedigendsten Handlungsbogen – inklusive eines großen heroischen Auftritts im dritten Akt.

Von besonderem Interesse ist darüber hinaus Gamora, die als Thanos‘ Adoptivtochter einen besonderen Zugang zum Schurken des Films hat und das einzige Wesen ist, das er aufrichtig zu lieben scheint. Auch ihre Entwicklung im Verlauf des Films ist äußerst interessant, und umso tragischer ist ihr Ende.

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Thor (Chris Hemsworth)

In dieser Rezension über jede Figur, die in „Infinity War“ auftaucht ausführlich zu schreiben würde natürlich den Rahmen sprengen. Mit Ausnahme von Hawkeye, Ant-Man und Valkyrie ist wirklich so ziemlich jeder dabei, und die beiden erstgenannten werden aller Voraussicht nach im bislang noch unbetitelten vierten Avengers-Film eine tragende Rolle spielen. Zumindest ein Mitwirkender in einer kleinen, aber essentiellen Rolle hat mich tatsächlich überrascht, denn Red Skull darf ebenfalls mitmachen und fungiert als Wächter des Seelensteins. Gespielt wird er aber nicht mehr von Hugo Weaving, sondern von Ross Marquand, der eine ziemlich überzeugende Imitation hinlegt. Das macht durchaus neugierig, ob Red Skull noch weitere Auftritte bevorstehen.

Thanos
Es ist wohl kaum überraschend, dass mein Vater ebenfalls Comics sammelt und meine Liebe zu diesem Medium primär auf ihn zurückzuführen ist – schließlich war ich als Kind schon immer von Comics umgeben. Im Superheldenbereich hatte er aber verhältnismäßig wenig. Eines der wenigen Stücke war „Der Tod des Captain Marvel“, herausgegeben in Albenform vom Condor Verlag in den 80ern. „The Death of Captain Marvel“, so der Originaltitel, gehört zu den ersten Comics, die mit dem Label „Graphic Novel“ versehen wurden und erzählte eine für die damalige Zeit eher ungewöhnliche Geschichte: Ein Superheld, der Kree-Krieger Mar-Vell alias Captain Marvel, stirbt, und das nicht heroisch im Kampf, sondern an Krebs. Und trotz all ihrer Superkräfte sind die Marvelhelden völlig hilflos (nebenbei bemerkt, Mar-vell wird seinen MCU-Einstand im kommenden Captain-Marvel-Film feiern, gespielt von Jude Law – die Titelfigur ist allerdings die weibliche Variante). Wie dem auch sei, in besagtem Comic taucht auch Thanos auf, so lernte ich den irren Titan bereits lange vor seinem ersten Leinwandauftritt in „The Avengers“ kennen. Bereits in „The Death of Captain Marvel“ empfand ich ihn als äußerst faszinierende Figur, auch wenn sein Auftauchen in besagtem Werk kaum mehr als ein kleiner Gastauftritt ist.

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Thanos (Josh Brolin)

Thanos tauchte zum ersten Mal 1973 auf und wurde von Jim Starlin geschaffen, der in den folgenden Jahrzehnten auch die meisten Comics mit ihm verfasste und z.T auch zeichnete, darunter „The Death of Captain Marvel“, „The Infinity Gauntlet“ samt den beiden Sequels und noch viele weitere. Starlin ließ sich dabei von Jack Kirbys New Gods, speziell dem wissenssuchenden Metron inspirieren. Marvel-Redakteur Roy Thomas meinte allerdings zu ihm, wenn er sich schon bei einem der New Gods inspiriere, dann solle er doch den besten nehmen – so wurde Thanos auf gewisse Weise zu Marvels Gegenstück zum despotischen Darkseid, auch wenn er weit mehr als nur ein bloßer Abklatsch und inzwischen zu einer eigenständigen Ikone geworden ist. Gerade im MCU sind sogar einige Aspekte von Metron erhalten geblieben, denn auch der New God ist primär in einem schwebenden Stuhl anzutreffen.

Nicht zuletzt dank des vorzüglichen Spiels von Josh Brolin hat sich Thanos mit „Avengers: Infinity War“ schnell an die Spitze der Schurkenliste des MCU katapultiert. Thanos‘ genozidale Absichten stammen auch direkt aus den Comics, ebenso wie seine Ansichten zur Überbevölkerung – gewisse Parallelen zu Ra’s al Ghul lassen sich nicht leugnen. Mehr noch, Thanos hat durchaus sympathische Züge, er ist nicht unnötig grausam und lässt sogar Feinde am Leben. Was in anderen Filmen nur schlechte Drehbuchschreibe wäre, passt hier sogar ziemlich gut: Thanos hat nichts gegen die Avengers oder die Guardians persönlich, manche von ihnen mag oder respektiert er sogar (Peter Quill und Tony Stark).

Ein Aspekt seiner Comicpersönlichkeit fehlt allerdings: In der Vorlage ist Thanos in die Inkarnation des Todes, im Marvel Universum bekannt als Mistress Death, verliebt und begeht die meisten seiner Untaten, um ihre Gunst zu gewinnen. Im Vorfeld des Films gab es Spekulationen, Hela könne die Rolle von Mistress Death einnehmen, besonders, da sie und Thanos sich auch in den Comics (genauer: „The Unworthy Thor“) schon einmal nähergekommen sind. Bislang ist allerdings nichts dergleichen geschehen – das kann sich im kommenden vierten Avengers-Film aber natürlich noch ändern. Jedenfalls taten die Russos und Kevin Feige gut daran, Thanos zum Herzstück dieses Films zu machen und ihn fast wie den Protagonisten zu behandeln. Auch Thanos macht eine Entwicklung durch, wächst an seinen Aufgaben und muss Dinge opfern, um sein (in seinen Augen hehres) Ziel zu erreichen, was er dann am Ende ja auch tut.

Dieser Umstand lädt natürlich zu umfangreichen Spekulationen zum Inhalt des vierten Avengers-Film ein. Einige Details sind schon bekannt: Captain Marvel (in der Post-Credits-Szene angeteasert), Ant-Man und Hawkeye werden wichtige Rollen spielen. Und angesichts der Tatsache, dass Fortsetzungen geplant sind, kann man fast sicher dass sein, dass zumindest einige derer, die sich in Luft aufgelöst haben, wieder zurückkehren werden – darunter auf jeden Fall Doctor Strange, Black Panther und Spider-Man. Und es ist sicher auch kein Zufall, dass alle Ur-Avengers noch da sind. Ich schätze, dass sich vielleicht nicht alle, aber doch einige (allen voran Tony Stark und Steve Rogers) von ihnen opfern werden, um die von Thanos mit einem Fingerschnippen getöteten zurückzubringen. Aber auch die Rolle des verrückten Titanen selbst lädt zu Spekulation ein. Bereits in „The Infinity Gauntlet“ war es am Ende nicht Thanos, der aufgehalten wird, sondern Nebula, die den Handschuh an sich reißt. Auch in späteren Sequels von Jim Starlin fungiert Thanos öfter als widerwilliger Antiheld denn als Schurke.

Soundtrack
Alan Silvestri ist zurück. Das ist einerseits erst einmal positiv, denn so ist ein Mindestmaß an leitmotivischer Kontinuität gewährleistet. Schon in den Trailern wurde das Avengers-Thema prominent und effektiv eingesetzt, und im Film ist es nicht anders. Leider bleibt es bei diesem „kleinsten gemeinsamen Nenner“ – nicht einmal das von ihm selbst komponierte Thema für Captain America zitiert Silvestri in diesem Film. Die einzige Figur, die ein Thema für sich hat, ist Thanos. Laut Silvestri handelt es sich dabei um eine sehr bewusste Entscheidung von ihm und den Russos, da ein Score mit zu vielen Themen nur verwirren würde. Wie man anhand von Franchises mit großer leitmotivischer Palette wie Star Wars oder Mittelerde sehen kann, ist das natürlich ziemlicher Unsinn. Ich hatte ehrlich gesagt gehofft, „Infinity War“ würde ähnlich ausfallen wie Danny Elfmans „Justice League“. Natürlich kann man in einem Film wie diesem nicht jedes Thema jedes Helden ausführlich zitieren (insbesondere wenn diese wie Iron Man oder Thor gleich drei verschiedene haben), aber es gibt einige Szenen, bei denen sich die Verwendung wirklich aufgedrängt hätte. Insgesamt fühlt sich „Infinity War“ auch weitaus weniger inspiriert an als Silvestris nur kurz zuvor erschienener Score zu Spielbergs „Ready Player One“. Ich will nicht sagen, dass die Infinity-War-Musik generisch ist, denn es ist definitiv ein Silvestri-Score, gut und routiniert komponiert, und gerade im letzten Drittel mit einigen tollen Highlights versehen, aber insgesamt ist es doch ein wenig Silvestri auf Autopilot. Somit bleibt der Score der einzige Aspekt, in dem „Justice League“ die Nase vorn hat. Wenn man mir das 2016 erklärt hätte, hätte ich es sicher nicht geglaubt. Eine ausführliche Analyse findet sich hier.

Fazit
„Avengers: Infinity War“ ist eine gelungene, wenn auch sehr vorläufige Konklusion des Marvel Cinematic Universe, die viele der typischen Marvel-Schwächen mit Bravour umgeht und sich endgültig anfühlt, wie ein filmgewordener Event-Comic. Definitiv einer der besten Filme des MCU.

Trailer

Bildquelle

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Ein Gedanke zu “Avengers: Infinity War – Ausführliche Rezension

  1. Heyhey, das nenne ich mal eine sehr ausführliche und nachvollziehbare Meinung. Wenn du mein Video zum Film gesehen hast, wirst du sicher merken, dass sich unsere Ansichten mal wieder häufig gleichen. Und vielen Dank außerdem für die Verlinkung!

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