Star Wars Episode IV: Eine neue Hoffnung – Live in Concert

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Als Filmmusikfan kann man sich wirklich nicht beklagen, wenn es um das Thema Live-Aufführungen geht: Das Genre wird immer populärer, sodass auch die Anzahl an Live-to-Projection-Aufführungen stetig zunimmt. Während ich die ersten beiden Harry-Potter-Filme in der Stuttgarter Liederhaller leider verpasst habe, konnte ich mir „Star Wars Episode IV: Eine neue Hoffnung“ am 1. April aus nachvollziehbaren Gründen natürlich nicht entgehen lassen, schließlich handelt es sich dabei nicht nur um den ersten Score aus einer weit, weit entfernten Galaxis (was alleine schon Grund genug wäre), sondern auch um den Soundtrack, der die orchestrale Filmmusik im großen Stil zurückgebracht hat.

Gespielt hat dieses Mal das Orchester der Württembergischen Philharmonie Reutlingen unter Leitung von Helmut Imig, der auch schon die LtP-Aufführung von „Jurassic Park“ dirigierte, die ich Dezember 2016 besuchte. Im Gegensatz zu besagter Vorstellung gab es dieses Mal allerdings einen etwas holprigen Start: Nach einem gelungenen Main Title ging kurz etwas schief, sodass das Orchester dem Film um einige Sekunden hinterher hinkte, was besonders negativ auffällt, wenn die Folge ist, dass Darth Vaders erster Auftritt ausgerechnet mit der Rebellenfanfare untermalt wird. Zum Glück konnte das Orchester dann aber wieder aufholen, sodass ab Prinzessin Leias Gefangennahme wieder alles im Lot war. Einmal fror auch das Bild auf der Leinwand kurz ein, was aber erfreulicherweise nicht zu einer Verzögerung führte. Das ist nun bereits meine fünfte LtP-Aufführung, und ich muss ehrlich sein: Ich bin fast schon überrascht, dass so ein Schnitzer nicht schon eher passiert ist. Da ich nicht selbst im Orchester spiele, kann ich nicht aus eigener Erfahrung sprechen, aber ich stelle es mir unheimlich schwer vor, genau synchron zum Film zu spielen. Bei Score-Aufnahmen kann man einfach wiederholen, wenn etwas schief geht, aber live ist das freilich eine ganz andere Geschichte.

Ein kleines Problem hatte ich außerdem noch damit, dass, anders als bei den bisherigen LtP-Aufführungen, dieses Mal die deutsche Synchronfassung gespielt wurde. Trotz dieses Umstandes wurden die Untertitel eingeblendet, da das Orchester doch hin und wieder die Dialoge übertönt (was auch richtig so ist, schließlich besucht man eine derartige Vorstellung primär, um die Musik zu hören). Allerdings bediente man sich der normalen DVD-Untertitel, die mit der Synchronfassung nicht übereinstimmen, was bei mir immer zu geringfügiger Irritation führt. Insgesamt hätte ich ohnehin den O-Ton bevorzugt.

Glücklicherweise hat das alles die tatsächliche Performance des Orchesters kaum beeinflusst, diese war durchweg exzellent. Helmut Imig ist ein sehr energiegeladener Dirigent, der alles Mögliche aus seinem Orchester herausholt – das war bereits bei „Jurassic Park“ der Fall und hat sich bei „Eine neue Hoffnung“ erfreulicherweise wiederholt. Vor allem merkt man ihm seinen Enthusiasmus und seine Leidenschaft an: Wer würde sonst schon die Zugabe mit einem FX-Lichtschwert dirigieren? Egal ob es sich um die subtilen Nuancen von Prinzessin Leias Thema oder die Blechbläserwucht der Rebellenfanfare handelt, Imig und sein Orchester wussten vollauf zu überzeugen.

Wie jedes Mal bei einer derartigen Vorstellung lassen sich einige interessante Beobachtungen machen. Szenen, die ohne Musik auskommen, fallen weitaus deutlicher ins Gewicht, da man als Zuschauer natürlich aktiv auf das Orchester achtet – in „Eine neue Hoffnung“ gibt es durchaus einige davon. Die diegetische Musik, in diesem Fall das Stück der Cantina Band, wurde eingespielt. Darüber hinaus habe ich festgestellt, dass dieser Film nicht ganz so… ergiebig für eine LtP-Aufführung ist wie etwa ein Herr-der-Ringe-Teil, bei dem auch noch diverse Spezialinstrumente und ein gewaltiger Chor vorkommen – bekanntermaßen spielen chorale Passagen vor Episode VI keine Rolle und werden erst in den Prequels wirklich dominant. Dennoch, John Williams‘ meisterhaft komponierte Musik lohnt sich immer, ganz besonders live und gespielt von einem engagierten Orchester.

Fazit: Trotz einiger Anfangsschwierigkeiten eine gelungene Live-to Projection-Aufführung, die ich jedem Star-Wars-, Williams- oder Filmmusikfan nur ans Herz legen kann.

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3 Gedanken zu “Star Wars Episode IV: Eine neue Hoffnung – Live in Concert

  1. Das klingt ja sowohl extrem cool als auch interessant. Schon super, dass wir uns sogar Konzert-technisch ergänzen: Du schaffst es in viele Live-zum-Film-Aufführungen, wohingegen ich sozusagen in die Best-Off-Konzerte gehe.

    1. Ja, da ist schon was dran. Ist natürlich auch eine geographische Frage. Nächstes Jahr gibts Episode V, da bin ich natürlich besonders scharf drauf, schließlich ist der Imperiale Marsch mein Lieblings-Leitmotiv überhaupt. Hmm, wäre auch mal Stoff für eine Top 10.

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