Black Panther

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Story:
Nach dem Tod seines Vaters kehrt T’Challa (Chadwick Boseman) in seine Heimat Wakanda zurück, um seinen Platz als König einzunehmen, weiß dabei aber noch nicht recht, welchen Pfad sein Land einschlagen soll. Aufgrund des Metalls Vibranium ist Wakanda wohl das hochentwickeltste Land der Erde, versteckt dies aber vor dem Rest der Welt. Nur einige wenige wissen darum, darunter auch der Gangster Ulysses Klaue (Andy Serkis), der sich mit einem ehemaligen US-Soldaten namens Erik Stevens (Michael B. Jordan) verbündet hat, der unter dem Codenamen „Killmonger“ agiert. Während Klaue allerdings nur auf Vibranium scharf ist, hat Killmonger einer tiefere Verbindung zu Wakanda – und ganz eigene Absichten…

Kritik: Zugegebenermaßen habe ich mich mit Black Panther im Verlauf meiner Karriere als Superheldenfan bestenfalls marginal beschäftigt, da er, gerade in Deutschland, immer zu den eher obskureren Helden gehörte. Meistens war er in den diversen Event-Crossovern von Marvel zugegen, das war es dann aber auch schon. Somit kann ich nicht wirklich beurteilen, wie gut der neueste MCU-Film die Vorlage umsetzt, weshalb ich mich vor allem auf diesen Film im Kontext des Marvel Cinematic Universe konzentrieren werde.

2017 waren alle drei MCU-Filme sehr comedylastig. Bei „Guardians of the Galaxy Vol. 2” dürfte das ohnehin niemanden überrascht haben, aber auch „Spider-Man: Homecoming“ und „Thor: Ragnarok“ bestehen zu gleichen Teilen aus Action und Comedy. Die MCU-Filme des Jahres 2018 scheinen einem entgegengesetzten Trend zu folgen. Das wird schon aus dem Marketing und den Trailern von „Avengers: Infinity War“ deutlich (natürlich nur, sofern diese nicht irreführend sind), und auch „Black Panther“ geht doch in eine deutlich andere Richtung als die Filme des Vorjahrs. Zwar ist Humor durchaus vorhanden, Regisseur Ryan Coogler setzt ihn aber sparsam und subtil ein, sodass man, anders als bei anderen Marvel-Filmen, nie das Gefühl hat, der Humor sei dazu da, die Dramatik zu entschärfen. Insgesamt begrüße ich diesen veränderten Tonfall. Zwar war gerade „Thor: Ragnarok“ extrem amüsant und profitierte von der exzentrischen Handschrift des Regisseurs, doch zugleich wurde zumindest ich das Gefühl nicht los, dass der Untergang Asgards deutlich dramatischer und emotionaler hätte ausfallen können – vielleicht wäre es tatsächlich besser gewesen, man hätte auf diesen Aspekt verzichtet und ausschließlich ein Thor/Hulk-Buddy-Movie gedreht. Wie dem auch sei, ganz allgemein weckt „Black Panther das Gefühk, dass Coogler ganz bewusst versuchte, diverse Kritikpunkte, die den MCU-Filmen vorgeworfen werden, aktiv anzugehen. In manchen Aspekten ist er dabei durchaus erfolgreich, in anderen leider weniger.

Am deutlichsten wird diese Tendenz bei Killmonger, sehr passend dargestellt von Michael B. Jordan. Anders als so viele andere MCU-Schurken ist Killmonger deutlich besser ausgearbeitet, besitzt eine nachvollziehbare Motivation und passt gut zu den übergeordneten Themen des Films. Wo Wakanda vor T’Challas Krönung primär auf absolute Isolation setzte, will Killmonger genau das Gegenteil. Da Erik Stevens zwar ursprünglich aus Wakanda stammt, aber in den USA aufgewachsen ist, hat er eine deutlich andere Perspektive und ist der Meinung, die hochtechnisierte afrikanische Nation sollte ihre Überlegenheit nutzen, um den Kolonialismus zu rächen und die Unterdrückung der Schwarzen gewaltsam zu beenden. An T’Challa liegt es nun, einen Mittelweg zwischen den Extrempositionen zu finden. Leider gibt es einige Elemente, die an eher unrühmliche Schurkentraditionen des MCU anknüpfen. Wie schon so häufig gilt Killmongers Feindschaft nicht dem eigentlichen Helden des Films, sondern in diesem Fall dessen Vater. In diesem Kontext ist Killmongers Motivation hilfreich, da sie seine Handlungen gut rationalisiert, aber es bleibt leider dabei, dass es zwischen Held und Schurke kaum persönliche Anknüpfungspunkte gibt. Leider ist auch Ulysses Klaue nicht wirklich hilfreich. Ich mag Andy Serkis wirklich, und ich mochte ihn auch in dieser Rolle in „Avengers: Age of Ultron“, doch hier stört er eher und nimmt unnötigen Raum ein, mit dem man Killmonger noch ein wenig mehr Tiefe hätte verleihen können. Zum Glück reißt seine letzte Szene im Film einiges wieder raus und sorgt dann doch für ein gelungenes Gesamtbild dieses Schurken.

Die wohl größte Schwäche des Films ist leider T’Challa selbst. Auch hier begrüße ich es, dass man grundsätzlich versucht, sich ein wenig vom bisherigen MCU zu distanzieren. Die meisten Helden des MCU sind gewitzte Sprücheklopfer, selbst Thor, der bisher gravitätischer war, wurde unter Taika Waititis Federführung an den „Schwätzerstandard“ angepasst. Auf T’Challa trifft das glücklicherweise nicht zu, aber trotzdem ist der Black Panther in seinem eigenen Film leider weit weniger interessant, als er es in „Captain America: Civil War“ war. Dort hatte er einen sehr klaren und nachvollziehbaren Antrieb, während er hier recht profillos wirkt. Da hilft es auch nicht, dass die diversen Nebenfiguren weitaus markanter sind als der Titelheld. Glücklicherweise sind besagte Nebenfiguren sonst aber definitiv eine Stärke des Films, denn sie sind fast durchgehend markant und unterhaltsam, allen voran T’Challas Schwester Shuri (Letitia Wright), die hier als Q-artige Waffenmeisterin fungiert, die wakandische Generalin Okoye (Danai Gurira) und auch Martin Freeman, der nun schon zum zweiten Mal Everett Ross verkörpert, weiß zu überzeugen. Auch Angela Bassett als T’Challas Mutter Ramonda, Lupita Nyong’o als Love-Interest Nakia und Forest Whitaker als Mentor Zuri sollten nicht unerwähnt bleiben.

Auch Wakanda selbst weiß zu gefallen und ist visuell hochinteressant. Noch interessanter ist die Konzeption dieses Staates: Einerseits gibt es Technologie, die jedes andere Land auf der Erde alt aussehen lässt, andererseits existiert nach wie vor eine äußerst archaische Staatsform; der König muss sich u.a. im direkten Zweikampf behaupten, was natürlich noch höchst unangenehme, wenn auch sehr vorhersehbare Folgen hat.

Zu den Stärken kommen leider noch einige zusätzliche Schwächen: Die Dramaturgie ist nicht immer ganz ausgereift und auch bei der Action gibt es hin und wieder Aussetzer – mitunter wird sie zu CGI-lastig, wobei die Computereffekte dabei oftmals eher suboptimal ausfallen. Zu überzeugen weiß dagegen der Score von Ludwig Göransson, dem es gelingt, orchestrale Klänge, traditionelle afrikanische Rhythmen und Hip-Hop-Einflüsse auf gelungene Art und Weise miteinander zu verbinden.

Fazit: Im Großen und Ganzen ist „Black Panther“ ein gelungener, wenn auch mitunter etwas durchwachsener Versuch, gegen einige der störenden MCU-Konventionen vorzugehen. Das gelingt zwar nicht immer, aber doch oft genug.

Trailer

Bildquelle

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