Ash vs Evil Dead

Halloween 2017
ashvsevildead
Sam Raimis Horror-Klassiker „The Evil Dead“ gehört inzwischen zu den Filmen, deren Handlung man selbst dann kennt, wenn man den Film nicht gesehen hat – zumindest, wenn man ein wenig Ahnung vom Horror-Genre hat. Die Hütte im Wald, die Teenager, die dämonische bzw. untote Bedrohung, die extreme Gewalt – all diese Elemente wurden inzwischen so oft aufgegriffen, verarbeitet und parodiert (sehr gelungen zum Beispiel in „The Cabin in the Woods“), dass der Status dieses Films kaum überrascht. Nach zwei Fortsetzungen, einem Remake und einer ganzen Reihe Comics und Spiele folgte 2015 schließlich eine Serie, die die Ereignisse der ursprünglichen Filmtrilogie fortsetzt und bislang zwei Staffeln umfasst – Staffel 3 startet im Januar 2018. Nicht nur kehrt Bruce Campbell als Ash Williams in der Hauptrolle zurück, auch Sam Raimi ist nach wie vor beteiligt.

Was bisher geschah
Bereits 1981 bekam es Bruce Campbell zum ersten Mal mit einem bösartigen Dämon zu tun, der von den Lebenden Besitz ergreift und sie in untote Monstrositäten, die Deadites, verwandelt. Sam Raimis „The Evil Dead“ (deutscher Titel: „Tanz der Teufel“) erwies sich trotz eines Budgets von unter 500.000 Dollar als wegweisender Horrorfilm, dessen Effektarbeit geradezu revolutionär war, ebenso wie der Gewaltanteil, was unter anderem dafür sorgte, dass der Film bis August 2016 hierzulande indiziert war. Dieses Schicksal blieb der Fortsetzung, „Evil Dead II“ (1987), und dem dritten Teil, „Army of Darkness“ (1992), erspart, denn zwischen den einzelnen Evil-Dead-Filmen gibt es einige tonale Unterschiede. So ist „The Evil Dead“ noch in erster Linie sehr blutiger und unappetitlicher (wenn auch übertriebener) Horror, während sich in Teil 2 Horror und Comedy die Waage halten. „Army of Darkness“ schließlich hat kaum noch wirkliche Horror-Elemente, ist weitaus unblutiger als die ersten beiden Teile und erinnert mit seinen Stop-Motion-Skeletten eher an die alten Ray-Harryhausen-Fantasyfilme.

Inhaltlich muss sich Ash Williams in der Trilogie mit dem Necronomicon ex Mortis (eine nette Lovecraft-Anspielung, wobei das Buch im ersten Film noch den Titel Naturom Demonto trägt) auseinandersetzen, dass nicht nur den Kandarischen Dämon erweckt, der für die Ereignisse verantwortlich ist, sondern Ash am Ende des zweiten Films auch ins Mittelalter schickt, wo er nur mit Hilfe des verfluchten Buches wieder in seine Zeit zurückkehren kann. Die Kontinuität zwischen den einzelnen Filmen ist jedoch nicht immer ganz lückenlos. „Evil Dead II“ beginnt mit einem Prolog, der die Ereignisse des ersten Films noch einmal in geraffter Form erzählt, dabei aber deutlich vom Inhalt des Vorgängers abweicht. Während außer Ash und seiner Freundin Linda (Betsy Baker) im Original auch seine Schwester Cheryl (Ellen Sandweiss) sowie einige weitere Freunde mit zur Hütte fahren, sind es im Sequel nur Ash und Linda (hier: Denise Bixler). „Army of Darkness“ wiederum ignoriert die letzte Szene von „Evil Dead II“, in der Ash ins Mittelalter versetzt wird, einen fliegenden Dämon tötet und von den Anwesenden als Held verehrt wird. Zu Beginn von „Army of Darkness“ wird Ash zwar ebenfalls (unter Verwendung von Szenen des Vorgängers) ins Mittelalter versetzt, aber völlig anders begrüßt. „Ash vs Evil Dead“ schließlich spielt dreißig Jahre nach „Army of Darkness“, greift inhaltlich aber Elemente aller drei Filme auf. Aus rechtlichen Gründen durften die Macher in Staffel 1 noch nicht auf „Army of Darkness“ verweisen, mit Staffel 2 hat sich dieses Problem allerdings erledigt. Was die Kontinuität angeht, so beruft sich die Serie bislang primär auf die Ereignisse der ersten beiden Filme, wobei der Prolog von „Evil Dead II“ ignoriert wird, da der Tod von Ashs Schwester, die in besagtem Prolog nicht auftaucht, eine wichtige Rolle in der Serie spielt.

„Evil Dead“, das Remake aus dem Jahr 2013, das zumindest in Ansätzen auch eine sehr indirekte Fortsetzung seine könnte, spielt im Kontext der Serie bislang keine Rolle, auch wenn Bruce Campbell auf Twitter angegeben hat, dass ein Zusammentreffen zwischen Ash und der von Jane Levy dargestellten Mia im Rahmen einer zukünftigen Staffel durchaus stattfinden könnte – bislang gibt es jedoch keine definitiven Pläne. Zugegebenermaßen passt „Evil Dead“ bezüglich des Tonfalls auch nicht wirklich gut zu den bisherigen Filmen bzw. zur Serie – aber dazu später mehr.

Handlung
Seit Ash Williams sich mit den dämonischen Mächten des Necronomicons auseinandersetzen musste, hat er nicht mehr viel mit seinem Leben angestellt; er arbeitet immer noch in einem Baumarkt, lebt in einem Wohnwagen und hat auch sonst außer gelegentlichen One Night Stands nicht allzu viel vorzuweisen. Bei einem dieser One Night Stands liest er, obwohl er es besser wissen müsste, in betrunkenem Zustand aus dem Necronomicon vor – und das Böse erwacht erneut, denn die Deadites kehren zurück. Eher unwillig werden Ashs Mitarbeiter Pablo Simon Bolivar (Ray Santiago) und Kelly Maxwell (Dana DeLorenzo) in die Situation verwickelt, vor allem, da Kellys tote Mutter plötzlich aus dem Grab zurückgekehrt ist. Derweil vermutet die Polizistin Amanda Fisher (Jill Marie Jones), dass Ash etwas mit dem durch Deadites verursachten Tod ihres Partners zu tun hat. Und schließlich wäre da noch die mysteriöse Ruby (Lucy Lawless), die aus ganz individuellen Gründen hinter Ash und dem Necronomicon her ist. Für Ash, Kelly und Pablo wird die ganze Angelegenheit zu einem völlig bizarren, blutigen und abartigen Road Trip, in dessen Verlauf sie nicht nur die legendäre Hütte im Wald besuchen, sondern auch Ashs Heimatstadt, in der die Bewohner ihn für den Tod seiner Freunde und seiner Schwester verantwortlich machen, sowie die Vergangenheit.

Umsetzung und Vermächtnis
Eine Fortführung der Evil-Dead-Filme ist nicht ganz leicht, da jeder Teil seine ganz eigene Stimmung und Atmosphäre besitzt. „Ash vs Evil Dead“ bemüht sich, Elemente aller drei klassischen Filme zu integrieren. „Army of Darkness“ wird dabei am wenigsten mit einbezogen (u.a. natürlich wegen der bereits erwähnten rechtlichen Probleme, die direkte inhaltliche Verweise in der ersten Staffel unmöglich machten), spielt aber indirekt eine durchaus wichtige Rolle, da Ashs Charakterisierung und die Art, wie er mit den anderen Figuren agiert, am ehesten der aus „Army of Darkness“ entspricht (unwilliger und recht selbstsüchtiger Held, der dann aber am Ende doch das richtige tut, mitunter aber die Tendenz hat, erstmal alles schlimmer zu machen). Der Tonfall der Serie, die Mischung aus groteskem Horror und Comedy, gleicht dem Tonfall des zweiten Films, während die Effekte und die Menge an Blut und Innereien, die vergossen werden, vor allem an Teil 1 erinnern – wobei diesbezüglich noch eine ordentliche Schippe draufgelegt wird. Gerade hier spürt man vielleicht noch am ehesten den Einfluss des Remakes von 2013, das mit Blut ebenfalls nicht geizte. Insgesamt ist die Serie allerdings weit weniger grimmig und, in Ermangelung eines bessern Wortes, schmerzhaft als Fede Álvarez‘ Film, da die Verstümmelungen und Metzeleien weit übertriebener und komödiantischer Ausfallen. Ähnliches trifft auf die neuen Deadites zu; auch diese waren im Remake deutlich verstörender und angsteinflößender; die Serie knüpft an die Masken und das Make-up des Originals an, was meistens ziemlich gelungen ist. Wann immer allerdings CGI verwendet wird, sieht das ziemlich bescheiden aus – tatsächlich sieht es so bescheiden aus, dass man fast auf die Idee kommen könnte, dass es Absicht ist.

Von dieser Schwäche einmal abgesehen macht „Ash vs Evil Dead“ wirklich unheimlich Laune – sofern man als Zuschauer etwas mit Fun-Splatter und sehr derbem und unangebrachtem Humor anfangen kann. Einen herrlichen kranken Höhepunkt der Geschmacklosigkeit erreicht diese Tendenz in der zweiten Folge der zweiten Staffel. Wie dem auch sei, Sam Raimi und Co. gelingt es vorzüglich, die Qualitäten der ursprünglichen Filmtrilogie einzufangen und diese drei doch mitunter sehr verschiedenen Filme konsequent fortzusetzen. Auch schauspielerisch weiß „Ash vs Evil Dead“ zu überzeugen, wobei natürlich vor allem das komödiantische Timing der Darsteller gefragt ist. Bruce Campbell in seiner Paraderolle ist natürlich ohnehin über jeden Zweifel erhaben, aber auch Ray Santiago als überzeugter Sidekick, Dana DeLorenzo als sarkastische Rächerin und Lucy Lawless als mysteriöse Widersacherin, die im Verlauf der zweiten Staffel sogar sympathisch wird, machen eine gute Figur.

Fazit: „Ash vs Evil Dead“ ist ein willkommenes Geschenk an Fans der Raimi-Trilogie – wie schon beim Original empfiehlt es sich allerdings, über einen starken Magen und einen sehr schwarzen Sinn für Humor zu verfügen.

Titelbildquelle

Trailer

Halloween 2017:
Prämisse
Lovecrafts Vermächtnis: The Courtyard/Neonomicon/Providence
Geschichte der Vampire: Dracula – Bram Stokers Roman
ES
Das Spiel
Underworld: Blood Wars

Siehe außerdem:
Evil Dead (2013)

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s