The Limehouse Golem

limehouse
Story: Im Jahr 1880 macht ein bestialischer Killer den Limehouse-Distrikt in London unsicher. Da er von der Polizei nicht gefasst werden kann, entstehen Gerüchte, es handle sich bei diesem Killer um den mythischen jüdischen Golem. Inspektor John Kildare (Bill Nighy) wird mit der Lösung des Falls beauftragt, nicht etwa weil mal Vertrauen in seine Fähigkeiten hätte, sondern weil seine Vorgesetzten einen Sündenbock brauchen. Eine Spur führt zu dem Theaterautor John Cree (Sam Reid), der jedoch kurz zuvor verstarb. Seine Frau Elizabeth (Olivia Cooke) wird des Mordes verdächtigt. Kildare vermutet, dass dieser Fall mit dem Golem-Fall zusammenhängt. Ist der Golem vielleicht schon tot? Oder sucht er nur ein neues Opfer…?

Kritik: „The Limehouse Golem“ von Regisseur Juan Carlos Medina, basierend auf dem Roman „Dan Leno and the Limehouse Golem“ von Peter Ackroyd, ist ein Film, der leider fast völlig untergegangen ist. Weder in den traditionellen Medien, noch im Internet habe ich viele Besprechungen entdecken können und zudem macht er sich, nur eine Woche nach dem deutschen Kinostart, schon ziemlich rar. Mir ist es zum Beispiel nicht gelungen, eine passende O-Ton-Vorstellung ausfindig zu machen. Insgesamt finde ich das ziemlich schade, denn „The Limhouse Golem“ ist ein schöner, atmosphärischer Thriller vor der Kulisse des viktorianischen London, ein gotisches Murder Mystery im Stile von „From Hell“ – tatsächlich erinnert Medinas Film vielleicht ein wenig zu sehr an die Comicadaption der Hughes-Brüder aus dem Jahr 2001. Zwar geht es nicht um Jack the Ripper (dieser mordete erst 1888), aber die Mordserie des titelgebenden Golem weist doch deutliche Parallelen auf, und auch visuell verweist „The Limehouse Golem“ auf den Ripper, schon allein durch die Verwendung des typischen Mantels.

Dennoch, wer ich ein Faible fürs Gotische hat, sollte „The Limehouse Golem“ definitiv eine Chance geben. Interessanterweise ist nicht der Inspektor John Kildare die eigentliche Hauptfigur, sondern Elizabeth Cree, deren Geschichte in ausführlichen Rückblenden parallel zu Kildares Ermittlungen erzählt wird. Besonders faszinierend ist dabei die optische Ausgestaltung, die zugleich eine Metaeben eröffnet. Die Ermittlungen sind in tristem Grau gehalten, während Elizabeth Crees Vergangenheit als Darstellerin in einem Varieté in warme Farben getaucht und visuell äußerst üppig gestaltet ist, weil das Theater ihre Passion darstellt. Zugleich wird es benutzt, um die Geschichte einzurahmen, selbst die Morde wirken zum Teil wie auf einer Theaterbühne inszeniert. Darüber hinaus gelingt eine hübsche Verknüpfung zwischen Gegenwart und Vergangenheit, da Kildare nach und nach die Figuren und Orte der Flashbacks aufsucht und man so sieht, wie sich alles entwickelt hat. Ein weiteres interessantes Element ist das Tagebuch des Killers, anhand dessen mehrere Handschriftenvergleiche durchgeführt werden, wobei in der entsprechenden Szene stets der Verdächtige in die Rolle des Killers schlüpft, sodass jeder Mord visuell von jemand anderem ausgeführt wird. Amüsanterweise gehört zu den Verdächtigen auch Karl Marx (Henry Goodman), der somit einen kleinen Gastauftritt bekommt. Wer denn nun tatsächlich der Golem ist, dürfte sich spätestens im dritten Akt relativ deutlich herauskristallisieren, ich werde es hier aber natürlich trotzdem nicht verraten. Nur so viel: Anders als bei vielen anderen Film ist der Twist passend und ergibt sich logisch aus der Handlung. Lediglich die Verbindung zur mythischen jüdischen Lehmkreatur wirkt eher alibimäßig und wird kaum erforscht.

Die Charakterisierung der Figuren fällt oftmals ein wenig knapp aus, wobei Medina häufig mit Andeutungen arbeitet, die ihnen ein wenig mehr tiefe verleihen. So wird zum Beispiel suggeriert, dass Kildare schwul ist. Das hängt nicht wirklich mit der Handlung zusammen, passt aber ins Gefüge der Geschichte, ohne dass die Figur darauf reduziert würde. Elizabeth Cree ist dabei der am besten ausgearbeitete Charakter. Schauspielerisch gibt es nichts zu meckern, Bill Nighy macht sich gut als Inspektor, während mich Olivia Cooke ein wenig an Christian Ricci erinnert – was hier als Kompliment zu verstehen ist. Auch abseits der beiden Hauptdarsteller gibt es keinen Ausfall; Douglas Booths Leistung als Dan Leno, eine weitere historische Figur, die als Elizabeths Mentor fungiert, möchte ich noch gesondert hervorheben. Außerdem sollte noch der gelungene Score des schwedischen Komponisten Johan Söderqvist erwähnt werden, der viel zur eindringlichen Atmosphäre des Films beiträgt.

Fazit: „The Limehouse Golem“ ist ein gelungenes, wenn auch recht konventionelles viktorianisches Murder Mystery in der Tradition von „From Hell“ und besticht vor allem durch eine eindringliche Atmosphäre und einen subtilen Metaaspekt.

Bildquelle

Trailer

Siehe auch:
From Hell
Sweeney Todd
Crimson Peak