Santa Clarita Diet

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Zombies in Filmen und Serien sind bereits seit einiger Zeit enorm beliebt. Neben dem klassischen Modell, in dem sie entweder, wie etwa in George A. Romeros Filmen, als Metapher fungieren oder, wie in „The Walking Dead“, vor allem als Hintergrund fungieren, vor dem sich die nicht-untoten Figuren entwickeln, finden sich immer häufiger Filme und Serien, zum Beispiel „Warm Bodies“ oder „iZombie“, deren Hauptfigur ein intelligenter Zombie ist, der mit seinem Schicksal hadert. Die Netflix-Serie „Santa Clarita Diet“ ist das neuste Beispiel für diese Herangehensweise. Wie bei den bereits erwähnten spielt auch hier Humor eine sehr wichtige Rolle.

Das Ausgangssetting gleicht dem einer typischen Sitcom und arbeitet mit Serienstereotypen. Mit Sheila (Drew Barrymore) und Joel Hammond (Timothy Olyphant) haben wir ein Maklerpärchen, dessen Ehe ein wenig langweilig geworden ist. Die rebellische sechszehnjährige Tochter Abby (Liv Hewson) überrascht ebenso wenig wie der nerdige gleichaltrige Nachbar Eric (Skyler Gisondo), der unter seinem Stiefvater Dan (Ricardo Shavira) leidet. Eines Tages muss sich Sheila bei einer Hausbesichtigung aus heiterem Himmel übergeben – und zwar in einem Ausmaß, das alles andere als normal ist. Ab diesem Zeitpunkt ändert sich alles, denn Sheila entdeckt nicht nur, dass sie eine Vorliebe für rohes Fleisch entwickelt hat, sondern auch, dass ihre Triebe die Überhand gewinnen und sie ansonsten ziemlich untot ist. Nachdem sie ihren aufdringlichen Arbeitskollegen Gary (Nathan Fillion) angefallen, ausgeweidet und aufgegessen hat, muss sie feststellen, dass gewöhnliches Fleisch nicht mehr ausreicht: Sheila muss sich von möglichst frischen Menschen ernähren. Joel, der seine Frau aufrichtet liebt, bietet ihr seine volle Unterstützung an, und auch Abby lässt ihre Mutter nicht im Stich. Während Eric einem Zombie-Experten noch am nächsten kommt und ebenfalls hinzugezogen wird, findet Dan Garys abgetrennten Finger und beginnt, Verdacht zu schöpfen…

Um eines gleich von vornherein klarzustellen: „Santa Clarita Diet“ ist keine Serie für schwache Mägen und verfügt über einen sehr, sehr schwarzen Humor – der neueste Streich von Netflix ist definitiv nicht für jeden geeignet. Nun, da wir diese Warnung aus dem Weg haben: Ich liebe diese Serie; sie ist zwar weder perfekt noch ein besonderer Meilenstein, hat für mich aber dieses gewisse Etwas. „Santa Clarita Diet“ hat zehn Folgen, die jeweils eine halbe Stunde gehen; ich habe alle innerhalb von zwei Tagen durchgearbeitet, da die Serie ein ungemeines Suchtpotential hat. Dieses entsteht vor allem aus der gelungenen Kombination von Sitcom-Stereotypen mit absurden und abartigen Situationen, mehr oder weniger unerwarteten Twists und höchst bösartigem Humor. Gerade dann, wenn die Serie Gefahr läuft, formelhaft zu werden, schaffen es die Autoren, die Karten durch eine gelungene Wendung neu zu mischen und den Fokus zu verändern. Vor allem zu Beginn konzentriert man sich auf Sheilas Wandlungsprozess, dann auf die Nahrungsbeschaffung – etwa das erste Drittel der Serie ist auch am unappetitlichsten. Im Folgenden werden dann die Mysteryelemente stärker betont, es zeichnet sich eine übergreifende Handlung ab und einige Fragen werden immerhin teilweise beantwortet – der Fokus liegt nun auf den Hintergründen und der Suche nach einem potentiellen Heilmittel.

Noch wichtiger als die Struktur sind allerdings die Darsteller, allen voran Drew Barrymore und Timothy Olyphant. Die Chemie zwischen diesen beiden bzw. ihren Figuren ist exzellent und trägt einen Großteil des Humors. Dieser wird im Verlauf der Serie ein wenig repetitiv, funktioniert aber gerade wegen der beiden Darsteller nach wie vor. Sheila und Joel wirken im Angesicht der Absurdität nicht nur sympathisch, sondern auch authentisch und schaffen es, den völlig durchgeknallten Vorkommnissen ein gewisses Maß an Bodenhaftung zu verleihen. Man ist stets auf ihrer Seite, auch dann, wenn sie ihren nächsten Mord planen (die Opfer haben es im Großen und Ganzen ohnehin nicht besser verdient). Das hat den Nachteil, dass der B-Plot um Abby und Eric etwas schwächelt, allerdings nicht, weil er wirklich uninteressant ist oder die Darsteller schlecht spielen, sondern ganz einfach deshalb, weil man so schnell wie möglich zur Interaktion der beiden Hauptfiguren zurückkehren möchte. Glücklicherweise sind auch die diversen Nebenfiguren äußerst gelungen und herrlich schräg, sodass fast jede Interaktion äußerst gelungen ausfällt.

Fazit: „Santa Clarita Diet“ ist ziemlich bescheuert, ziemlich bösartig, ziemlich absurd und herrlich schräg. Die neue Netflix-Zombieserie nimmt Sitcom-Klischees, weidet sie aus und verspeist sie genüsslich. Wer schon einmal sehen wollte, wie Drew Barrymore dasselbe mit Nathan Fillon macht oder allgemein auf die Kombination aus Untoten und tiefschwarzem Humor steht, sollte der Serie definitiv eine Chance geben.

Trailer

6 Gedanken zu “Santa Clarita Diet

  1. Bettina Schreck

    Hi Andreas,

    ich stimme voll zu, habe die Serie auch gleich gebingt! Großartig auch der Teil auf dieser paranormalen Konferenz!! Grüßle aus dem Verlag, Bettina

    1. Ahoi, schön von dir zu lesen. Ja, die paranormale Konferenz fand ich auch toll, besonders natürlich den Abgang 😀
      Viele Grüße zurück, auch an den Rest der Belegschaft 😉

  2. Ich mag schwarzen Humor sehr gerne. Wenn er irgendeinen Sinn macht.
    Allerdings nicht so wie es diese Serie versucht… mit einer Absurdität nach der anderen und krampfhaften, erzwungenen Szenen, die so sehr auf lustig getrimmt sein sollen, dass sie dieses Ziel verfehlen.
    Ich habe weder einen empfindlichen Magen, noch schrecke ich vor bösartigem Humor zurück… doch nur weil die Serie mit Ekelszenen um sich wirft und dabei dämlich vor sich hingrinst, macht es das noch lange nicht witzig bzw. zu einer Form des schwarzen Humors, der mir zusagt.

    Ich bin leider nicht mit der Serie warmgeworden. Vielleicht habe ich zuviel erwartet. Wie auch immer… Geschmäcker sind verschieden und ich wünsche dir trotzdem viel Spaß mit der Serie 🙂

    1. Tja ja, kann einem leider nicht alles gefallen. Für mich hat’s ziemlich gut ineinander gegriffen, ich fand es weder erzwungen noch krampfhaft. Wobei, wie ich oben geschrieben habe, die beiden Hauptdarsteller oft dafür sorgen, dass der Humor für mich funktioniert. 😉

  3. Hmmm … deine Review lässt mich hoffen. Als ich das erste Mal von der Serie hörte (und noch keinen Trailer gesehen hatte), dachte ich, dass es um Kannibalismus gehen würde und ich war feuer und Flamme für die Idee, das comedy-artig auszulegen. (Auch wenn das gerade etwas krank klingt.) Ich wollte wirklich wissen, was sie aus dem Desperate Housewives-Kannibalen-Dings machen. Als ich aber den Trailer gesehen habe, in dem gefühlt schon wieder viel zu viel verraten wurde, hatte ich schlicht keine Lust mehr. Zombies in den Medien öden mich irgendwie an. Am schlimmsten finde ich die Darstellung wie in iZombie und das scheint hier recht ähnlich zu sein. Außerdem wirkte es auf mich so, als ob da weitaus mehr Desperate Housewifes als Kannibalenhumor drin steckt. Also sag mal …. ist es sehr soapig? Schwarzen Humor kann ich gut ab, das wäre bestimmt was für mich. Aber ich weiß noch nicht so ganz wie man das einordnen soll.

    1. Hmm, es gibt schon ein paar Parallelen zu „iZombie“ in der untoten Grundausrichtung, aber auch genug Unterschiede, um das voneinander abzugrenzen – das Gehirn spielt zum Beispiel keine Rolle, und es werden auch keine Erinnerungen übertragen, Drew Barrymores Figur braucht einfach Menschenfleisch und hat da dann recht wenig moralische Bedenken.
      Insgesamt hält sich die Soapgikeit in Grenzen, würde ich sagen. Die Vorstadt-Topoi sind einerseits schon vorhanden, aber andererseits sind die Figuren dann doch recht überdreht und meistens gewinnt die schiere Absurdität die Oberhand – und immer wieder werden Figuren, die nach klassischer Soap-Tradition eine bestimmte Rollen hätten spielen sollen, einfach aufgegessen.
      Was man der Serie auch zugute halten kann ist, dass sie nicht nur enorm kurzweilig, sondern auch insgesamt kurz ist – die erste (und bislang einzige) Staffel hat zehn Folgen, die jeweils nur eine knappe halbe Stunde gehen.

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