Catalyst: A Rogue One Novel

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Im Star-Wars-Fandom gilt James Luceno als Lückenfüller und Verknüpfer – und das sollte hier als Lob verstanden werden. Mit „Schleier der Täuschung“ und „Darth Plagueis“ gelang es ihm erfolgreich, die unzureichend erläuterten politischen Elemente von Episode I logisch und nachvollziehbar zu unterfüttern, und mit „Labyrinth des Bösen“ griff er die losen Fäden der Klonkriege auf und überführte sie in Episode III. Sein neuester Roman mit dem Titel „Catalyst“ tut etwas Ähnliches für das anstehende erste Star-Wars-Spin-off „Rogue One“; Luceno erläutert Hintergründe und stellt einige Figuren sehr ausführlich vor.

Ähnlich wie „Darth Plagueis“ ist auch „Catalyst“ ein verknüpfender Roman. Die Handlung startet im ersten Jahr der Klonkriegen und deckt die folgenden fünf Jahre ab, im Fokus stehen Galen Erso und Orson Krennic, im Film verkörpert von Mads Mikkelsen und Ben Mendelsohn. Bereits zu Anfang enthüllt der Roman einige interessante Details: Der Bau des Todessterns beginnt bereits, initiiert von der Republik, während der Klonkriege. Auch hier hat natürlich Palpatine seine Finger im Spiel, er täuscht gewissermaßen ein Superwaffenwettrüsten zwischen Republik und Separatisten vor; das erklärt unter anderem auch, weshalb der Todesstern am Ende von „Die Rache der Sith“ schon so weit fortgeschritten ist. Krennic fungiert dabei als verantwortlicher Kommandant des Projekts, während Galen Erso als Forscher im Bereich der Energiegewinnung tätig ist und sich auf Kyber-Kristalle spezialisiert hat. Ersos Forschung könnte für den Erfolg des Todessternlasers unabdinglich sein, dummerweise ist er aber absoluter Pazifist und lässt sich nicht für militärische Forschung einspannen.

Die Beziehung zwischen Erso und Krennic ist das Herz des Romans. Vor allem Letzterer wird als äußerst interessante Figur gezeichnet, der zwar einerseits ein absoluter Opportunist ist, aber andererseits sehr geschickt und subtil vorgeht, anders viele andere imperiale Schurken. Die Art und Weise, wie er Erso bearbeitet, die anfängliche Freundschaft zu ihm ausnutzt und ihn und seine Forschung nach und nach ausbeutet, ist höchst faszinierend.

Mit Ersos Frau Lyra baut Luceno allerdings auch einen Gegenpart zu Krennic auf. Lyra ist in mehr als einer Hinsicht eine höchst interessante Figur. „Catalyst“ ist bezüglich vieler typischer Star-Wars-Elemente ein sehr indirekter Roman. Weder Jedi und Lichtschwerter, noch Vader und Palpatine kommen tatsächlich direkt im Roman vor, gleichzeitig ist ihre Präsenz bzw. ihr Vermächtnis stets spürbar. Lyra vertritt dabei die Jedi. Sie ist minimal machtsensitiv und versucht, nach den Prinzipien des Ordens zu leben, weshalb Order 66 sie ziemlich hart trifft. Sie ist auch diejenige, die Krennics Manipulationen durchschaut und als Galen Ersos Anker fungiert.

Die Kyber-Kristalle, die Energiequelle der Lichtschwerter, sind ein weiterer Jedi-Aspekt, der in der Handlung eine wichtige Rolle spielt. In gewisser Weise pervertieren Krennic und Erso (Letzterer allerdings unwissend) das Erbe der Jedi, um eine planetenvernichtende Waffe zu erschaffen. Mich erinnert das entfernt an eine Äußerung von Palpatine aus „Dunkler Lord: Der Aufstieg des Darth Vader“ (ebenfalls von James Luceno); der Imperator erklärt dort, dass die Sith Lichtschwerter primär noch verwenden, um die Jedi zu verspotten und ihr Vermächtnis zu besudeln. Zwar ist dieser Roman inzwischen nicht mehr Kanon, aber die Verwendung der Kyber-Kristalle für den Todessternlaser passt perfekt zu dieser Geisteshaltung; vermutlich amüsiert sich Palpatine köstlich über diese Angelegenheit.

Abermals zeigt Luceno mit „Catalyst“, wie gut er darin ist, alles miteinander zu verknüpfen. Die Prequels, die OT, „Rogue One“, „The Clone Wars“ und Lucenos eigener Kanon-Roman „Tarkin“ werden durch „Catalyst“ ziemlich effektiv miteinander verbunden. Der spätere erste Großmoff des Galaktischen Imperiums spielt ebenfalls eine kleine, wenn auch wichtige Rolle und fügt der Handlung einen weiteren interessanten Aspekt hinzu. Tarkin ist der erste Name, der gemeinhin mit dem Todesstern assoziiert wird. Tatsächlich sind Krennic und Tarkin hier Rivalen, die konstant und über die gesamte Laufzeit des Romans gegeneinander intrigieren, um den anderen schlecht aussehen zu lassen, dabei aber versuchen, den Bau des Todessterns nicht zu kompromittieren. In diesem Zusammenhang drängt sich natürlich die Frage auf, ob Tarkin in „Rogue One“ zu sehen sein wird. Das Gerücht, Peter Cushing könne per CGI wiedererweckt werden, hält sich hartnäckig und es gibt durchaus einige Indizien, da dafür sprechen, nicht zuletzt die prominente Rolle, die Tarkin in diesem Roman spielt.

Wie dem auch sei, noch zwei weitere Figuren aus „Rogue One“ werden in „Catalyst“ vorgestellt, wenn auch bei weitem nicht so ausführlich wie Krennic und Erso. Jyn Erso, die eigentliche Protagonistin des Films, taucht als Baby und sehr aufgewecktes und liebenswertes Kleinkind auf. Ebenso bekommt Saw Gerrera, der von Forrest Whitaker gespielte Clone-Wars-Immigrant einen ersten, wenn auch nicht allzu aufschlussreichen Aufritt, der aber immerhin verdeutlicht, dass Jyn und Saw bereits eine gemeinsame Vergangenheit haben.

Insgesamt ist „Catalyst“ ein Roman, der eher interessant als spannend ist, er lebt von der Charakterinteraktion, den Details und den Zusammenführungen; Action und Raumschlachten sind dagegen Mangelware und spielen kaum eine Rolle. Ich persönlich fand vor allem das erste Drittel, das den Leser noch einmal in die Klonkriege zurückbringt, extrem gelungen, in der Mitte entsteht allerdings die eine oder andere Länge. Mein größter Kritikpunkt ist wohl, dass „Catalyst“ vor allem aus Aufbau besteht, während sich eine tatsächliche Auflösung kaum findet; das Ende des Romans ist ziemlich abrupt. Angesichts seines Prequel-Status war das zwar zu erwarten, aber ähnlich gelagerte Romane, etwa „Labyrinth des Bösen“, fühlte sich runder, abgeschlossener und insgesamt selbstständiger an.

Bislang ist es noch relativ schwer zu sagen, wie essentiell die Lektüre von Lucenos Roman für den Genuss des Filmes ist. Ich würde vermuten, dass es ohne Kenntnisse zwar nicht zu Verständnisproblemen kommen wird, dass „Catalyst“ „Rogue One“ allerdings eine zusätzliche Ebene und größere Figurentiefe verleiht.

Fazit: „Catalyst“ eignet sich wunderbar zur Vorbereitung auf „Rogue One“, sofern man nicht unbedingt Action, Jedi oder allzu viele Rebellen dafür benötigt – Luceno verknüpft gekonnt diverse lose Fäden, füllt Lücken und macht aus Galen Erso und Orson Krennic interessante Figuren, von denen man mehr sehen möchte. Wegen des abrupten Endes und der einen oder anderen Länge im Mittelteil bleibt „Catalyst“ zwar hinter Lucenos besten Werken zurück, gehört aber ansonsten zu den gelungensten Kanonromanen.

Siehe auch:
Labyrinth des Bösen
Darth Plagueis
Tarkin

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