Geschichte der Vampire: Carmilla

Halloween 2016
carmilla
Von allen direkten Vorgängern Draculas ist Carmilla die wahrscheinlich bekannteste, was zum einen daran liegt, dass ihr Schöpfer, der Ire Joseph Sheridan Le Fanu (1814 bis 1873), nicht völlig in Vergessenheit geraten ist, sondern als wichtiger Schöpfer viktorianischer Geistergeschichten und großer Einfluss auf Autoren wie M. R. James gilt, und zum anderen darauf zurückzuführen sein dürfte, dass Carmilla des Öfteren in Filmen oder anderen popkulturellen Werken auftaucht. Ganz allgemein erwies sich die Novelle „Carmilla“ (ursprünglich als Serial in dem Literaturmagazin „The Dark Blue“ zwischen 1871 und 72 und dann in gesammelter Form in Le Fanus Anthologie „In a Glass Darkly“ 1872 erschienen) als sehr einflussreich, sie beeinflusste Bram Stoker und schuf den Archetypen des weiblichen und oftmals auch lesbischen Vampirs. Tatsächlich findet sich in „Carmilla“, ähnlich wie in Oscar Wildes „The Picture of Dorian Gray“, so viel homosexueller Subtext wie im 19. Jahrhundert gerade eben möglich war.

Die Handlung
Ort der Handlung ist die Steiermark in Österreich. Le Fanu konzipierte „Carmilla“, ähnlich wie Stoker später „Dracula“, als fiktiven Tatsachenbericht. Als Erzählerin fungiert die Protagonistin Laura, Tochter eines englischen Adeligen und Witwers, der früher in den Diensten des österreichischen Kaiserreiches stand und nun mit seiner Tochter und zwei Gouvernanten in einem einsamen Schloss lebt. Laura macht diese Einsamkeit zu schaffen, und so begrüßt sie es, als ihr Vater ein Mädchen in ihrem Alter namens Carmilla aufnimmt, deren Mutter wegen dringender, geheimer Geschäfte außer Landes muss. Schon bald werden Laura und Carmilla zu engen Freundinnen, allerdings gibt es immer wieder merkwürdige Vorkommnisse. So hatte Laura als Kind einen fast schon prophetischen Traum, in dem sie Carmilla sah. Auch gleicht ein Porträt einer entfernten Verwandten Lauras Carmilla. Und schließlich wird Laura von merkwürdigen Alpträumen geplagt, in denen eine schwarze Katze vorkommt, die ihr in die Brust beißt, während sich in den umliegenden Dörfern eine mysteriöse Krankheit ausbreitet, der lediglich junge Mädchen zum Opfer fallen. General Spielsdorf, ein Freund von Lauras Vater, liefert schließlich die Antwort auf die Frage nach diesen mysteriösen Vorkommnissen: Carmilla ist eine Vampirin, die als Millarca bereits für den Tod von General Spielsdorfs Tochter verantwortlich ist und ursprünglich Mircalla von Karnstein hieß. Gemeinsam mit dem Vampirjäger Baron Vordenburg gelingt es, Carmillas Ruhestätte ausfindig zu machen und sie zu pfählen. Laura bleibt jedoch von den Ereignissen gezeichnet.

Le Fanus Vampirin
Carmilla ist nicht nur der erste signifikante weibliche Vampir, sondern unter den direkten Vorgängern Draculas auch einer der sympathischeren. Zwar hadert sie nicht wirklich mit ihrem Schicksal, wie es etwa bei Sir Francis Varney der Fall ist, aber ihre Zuneigung zu Laura scheint doch echt zu sein. Darüber hinaus versucht Carmilla zumindest, ihr Verhalten zu rechtfertigen und zu erklären.

Die Konzeption des Vampirs bei Le Fanu weist bereits viele bekannte Komponenten auf, unterscheidet sich aber durchaus auch von späteren Vertretern. Wie nicht anders zu erwarten wird Carmilla zwar durch die Sonne geschwächt und ist primär nachts aktiv, verbrennt allerdings auch nicht zu Asche, da diese Eigenschaft erst mit Murnaus „Nosferatu: Eine Symphonie des Grauens“ ihren Weg in den Vampirmythos fand. Wie diverse andere Literaturvampire ruht Carmilla in einem Sarg und wird mit einem Tier in Verbindung gebracht, in das sie sich auch verwandeln kann. Während das bei Dracula allerdings Fledermaus und Wolf waren, nimmt Carmilla die Gestalt einer schwarzen Katze an. Darüber hinaus ist sie, wie Dracula, in der Lage, sich in Nebel zu verwandeln. Was sie von späteren Vampiren außerdem abgrenzt ist die Wahl des Körperteils, von dem sie trinkt. Meistens saugen die Vampire das Blut aus dem Hals, Carmilla bevorzugt jedoch die Brust. Darüber hinaus findet sich bei Le Fanu auch noch ein Element, das eher den älteren Volkssagen entstammt und in „Die Familie des Wurdalak“ sehr prominent war: Die Vorliebe des Vampirs für Familienmitglieder. Laura ist über ihre Mutter mit dem Geschlecht derer von Karnstein, dem Carmilla entstammt, verwandt und scheint dadurch von besonderem Interesse für die Vampirin zu sein.

Wirkung und Adaptionen
carmillahorspielNicht nur erwies sich „Carmilla“ als exzellente und atmosphärische Schauergeschichte in bester Gothic-Tradition (alte, abgelegene Schlösser, neblige Landschaften, düstere Geheimnisse), sondern auch als prägendes Werk der Vampirliteratur. Le Fanus Novelle beeinflusste „Dracula“ sehr direkt; vor dem Abfassen seines Romans hatte Stoker sie gelesen und bestimmte Elemente übernommen. Es gibt atmosphärische und erzählerische Parallelen (beide Werke sind als Aufzeichnung konzipiert), ebenso wie Gemeinsamkeiten gewisser Figuren; so erinnert Lucy Westenra vor ihrer Vampirwerdung an Laura und danach an Carmilla, während Professor Abraham van Helsing an Baron Vordenburg angelehnt sein dürfte. Mehr noch, bevor Transsylvanien zu Draculas Herkunftsort wurde, wollte Stoker ihn in der Steiermark ansiedeln. Noch deutlicher werden die Parallelen, wenn man die Kurzgeschichte „Dracula’s Guest“ miteinbezieht: Diese sollte ursprünglich als erstes Kapitel des Romans fungieren, Stoker nahm sie dann allerdings aus dem Roman heraus, bis sie nach seinem Tod von seiner Frau schließlich veröffentlicht wurde. In dieser Geschichte entdeckt der namenlose Ich-Erzähler (bei dem es sich wohl mehr oder weniger um Jonathan Harker handelt) in einem verfallenen Dorf in der Nähe von München eine Vampirin namens Gräfin Dolingen von Gratz aus der Steiermark. Sowohl „Dracula’s Guest“ als auch „Carmilla“ wurden von Titania Medien als Gruselkabinett-Folgen umgesetzt und sind wie üblich äußerst empfehlenswert.

Auch über „Dracula“ hinaus erwies sich „Carmilla“ als wichtige Genre-Erzählung und bildete die direkte oder indirekte Vorlage für viele Vampirgeschichten; vor allem im Jugendbuchbereich bediente man sich der grundsätzlichen Handlungskonstruktion gerne, sodass es zur Freundschaft zwischen menschlichem Protagonisten und Vampir kommt. Darüber hinaus wurde Carmilla auch einige Male verfilmt, unter anderem von dem dänischen Regisseur Carl Dreyer („Vampyr“, 1932) oder dem Franzosen Roger Vadim („Et mourir de plaisir“, 1960) – während der dänische Film den homosexuellen Subtext völlig ignoriert, liegt der Fokus des französischen Films auf exakt dieser Thematik. Die bekannteste Adaption dürfte wohl die Karnstein-Trilogie der Hammer-Studios sein, die sich nach der erfolgreichen Umsetzung von „Dracula“ mit Christopher Lee 1970 auch Le Fanus Novelle annahmen. Der erste Film besagter Trilogie trägt den Titel „The Vampire Lovers“ (auf deutsch „Die Gruft der Vampire“) und ist der Vorlage noch verhältnismäßig treu – Ingrid Pitt spielt darin Carmilla. Die anderen beiden Filme, „Lust for a Vampire“ und „Twins of Evil“ haben dagegen nur noch marginal etwas mit Le Fanus Novelle zu tun.

Auch in anderen Medien ist Carmillas Einfluss direkt oder indirekt spürbar, vor allem durch mehr oder weniger subtile Verweise – nur allzu gerne wird zum Beispiel der Name Karnstein im Vampirzusammenhang verwendet, etwa in Kim Newmans Anno-Dracula-Romanen. Rachel Kleins Roman „The Moth Diaries“ (ebenso wie die darauf basierende Verfilmung) kann durchaus als Neuinterpretation von „Carmilla“ angesehen werden. Und dann wäre da auch noch die neueste Adaption, eine Webserie, die denselben Namen trägt wie das Original. Laura (Elise Bauman) ist hier Schülerin an einem Internat, die eine Videotagebuch führt und sich mit ihrer neuen Zimmergenossin Carmilla (Natasha Negovanlis) arrangieren muss. Man kann sich natürlich schon denken, wohin das führt…

Die Addams Family in verrückter Tradition

Halloween 2016
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Story: Nachwuchs in der Addams Family. Baby Pubert (Kaitlyn und Kristen Hooper) ist ein gesunder, schnauzbärtiger, feuerspukender und vor allem waschechter kleiner Addams. Seine älteren Geschwister Wednesday (Christina Ricci) und Pugsley (Jimmy Workman) sind von dem neuen Familienmitglied aber nicht so begeistert wie die stolzen Eltern Gomez (Raul Julia) und Morticia (Anjelica Huston). Um die Situation zu entzerren wird das Kindermädchen Debbie (Joan Cusack) angeheuert, bei der es sich allerdings um eine Geldgierige Massenmörderin handelt, die nicht lange fackelt, die älteren Kinder ins Ferienlager abschiebt und den einsamen Onkel Fester (Christopher Lloyd) verführt. Nach der Hochzeit der beiden scheint die Familie auseinanderzubrechen: Debbie verlangt, dass Fester sich vom Addams-Clan distanziert. Derweil müssen sich Wednesday und Pugsley mit den irritierenden Campleitern Gary (Peter MacNicol) und Becky (Christine Baranski) herumschlagen…

Kritik: Barry Sonnenfelds zweiter (und wegen Raul Julias tragischem Tod leider auch letzter) Addams-Film schließt fast nahtlos an den ersten an, sowohl inhaltlich als auch thematisch. Für „Die Addams Family in verrückter Tradition“ legt Sonnenfeld noch einmal ein Schippe drauf: Der Humor ist noch abgedrehter, die Stimmung noch vielschichtiger und die Gags sind noch makaberer, all das nicht zuletzt dank Pubert. Dieses Mal gibt es zwei Handlungsstränge, die nur marginal miteinander verbunden sind: Während sich die erwachsenen Familienmitglieder mit dem mörderischen Kindermädchen Debbie herumschlagen, mischen Wednesday und Pugsley Camp Chippewa für privilegierte Kinder auf.

Wie schon im ersten Film ist die Handlung verhältnismäßig dünn und dient vor allem dazu, die Figuren des Films zur Interaktion zu bekommen. Gerade der Debbie-Plot ist diesbezüglich ein wenig problematisch, weil die Gute an einer Art Persönlichkeitsspaltung leidet, je nach dem, was der Humor der aktuellen Szene gerade verlangt: Mal passt sie fast perfekt in die Familie und scheint ebenso makaber zu sein wie die Addams-Sippe, dann wieder wird die scheinbare Normalität überdeutlich herausgestellt, um Gags auf Kosten des Kontrasts zu machen. Allerdings muss man Debbie lassen, dass sie weitaus amüsanter und unterhaltsamer ist als die verhältnismäßig blassen Antagonisten des Vorgängers. Joan Cusack hat sichtlich Spaß dabei, diese „Schwarze Witwe“ zu verkörpern.

Das eigentliche Highlight des Films ist jedoch Camp Chippewa. Während Christina Ricci als Wednesday im ersten Film kaum mehr zur Handlung beigetragen hat als Pugsley, übernimmt sie im Subplot des zweiten die Führung. Mit sarkastischer Präzision perfektioniert Ricci hier ihre Darstellung von Wednesday und mausert sich zum nicht ganz so heimlichen Star des Films. Das entlarvende Satiremoment des Handlungsstrangs ist zwar eventuell etwas dick aufgetragen und plakativ, aber dafür herrlich respektlos und bösartig, die Gags sitzen und Gary, Becky und Wednesdays Widerpart Amanda (Mercedes MacNab) sind herrlich-hassenswerte Antagonisten.

Wie schon beim ersten Film sind auch dieses Mal wieder Ausstattung, Atmosphäre und Musik über jeden Zweifel erhaben. Dem zweiten Film gelingt es durch die größere Anzahl an relevanten Schauplätzen (Camp Chippewa, Festers und Debbies Haus) darüber hinaus auch noch besser, den Kontrast zwischen der normalen, aber kalten Außenwelt und der düster-gotischen, aber familiär-warmen Innenwelt der Addams Family herauszuarbeiten.

Fazit: Obwohl die Handlungsstränge von „Die Addams Family in verrückter Tradition“ nicht allzu gut ineinander greifen, ist es Sonnenfeld und seinem spielfreudigen Cast gelungen, den Vorgänger an Qualität und abgedrehtem, makaberem Humor noch zu übertreffen. Hut ab!

Trailer

Siehe auch:
Die Addams Family

Hellbound Hearts

Halloween 2016
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Es ist kein Geheimnis, dass Clive Barker von der filmischen Fortführung des von ihm geschaffenen Hellraiser-Franchise nicht allzu begeistert ist. Nachdem er beim ersten Film Regie führte, die Story des zweiten Films mitverfasste und bei den Teilen 3 und 4 immerhin noch marginalen Input lieferte, war seine Beteiligung an den folgenden Sequels, die allesamt direkt auf DVD erschienen, nicht mehr existent. Die wahre Fortführung des Franchise findet für Barker in gedruckter Form statt. Nachdem sich die Hellraiser-Filme als großer Erfolg erwiesen, wurde die Mythologie um Puzzlebox und Cenobiten schon bald in Form von Comics weiterentwickelt, die oftmals kreativer und interessanter waren als die filmischen Fortsetzungen. 2009 erschien schließlich auch neue Hellraiser-Prosa in Form der Kurzgeschichtensammlung „Hellbound Hearts“, herausgegeben von Paul Kane und Marie O’Regan. Wie der Name schon aussagt, beziehen sich diese Kurzgeschichten, im Gegensatz zu den Comics, ausschließlich auf Barkers ursprüngliche Novelle „The Hellbound Heart“ und nicht auf die Filme. Im Klartext bedeutet das, dass Pinhead, wie man ihn aus den Filmen kennt, in keiner der Geschichten auftaucht. Lediglich der „Proto-Pinhead“ der Novelle hat als einer der ursprünglichen Cenobiten einen Auftritt.

Der größte Unterschied zu den Comics, die in den 90ern und 2000ern erschienen, ist der Schwerpunkt. Die Comics erforschten und erweiterten, basierend auf den Filmen, die Hellraiser-Mythologie, erklärten das Labyrinth, Leviathan, die Funktion der Cenobiten etc. Die in „Hellbound Hearts“ versammelten Kurzgeschichten setzen sich dagegen eher mit der Hellraiser-Thematik auseinander. Zwar tauchen der nur allzu bekannte Lemarchand-Würfel und die Cenobiten durchaus in einigen der Erzählungen auf, andere dagegen knüpfen eher an Barkers Motive an: Schmerz und Lust, die Faszination von Puzzeln und Rätsel, die Tore zur Hölle öffnen etc. Zu diesem Zweck haben die Herausgeber einige durchaus namhafte Autoren versammelt, darunter Peter Atkins, der die Drehbücher der Hellraiser-Filme 2 bis 4 verfasste, Tim Lebbon, ein Autor des SW-EU, Barbie Wilde, die in „Hellbound: Hellraiser II“ den „Female Cenobite“ verkörperte und seither auch als Horror-Autorin von sich reden machte, sowie Neil Gaiman, der zusammen mit Dave McKean einen graphischen Beitrag lieferte, der leider auf dem Papier der Taschenbuchausgabe optisch nicht besonders gut rüberkommt.

Wie schon bei Clive Barkers Novelle und den darauf basierenden Filmen sollte man auch hier mit expliziten Inhalten rechnen: Das Hellraiser-Franchise ist weder in Bezug auf Sex noch Gewalt zurückhaltend oder subtil, Schmerz und Lust als zwei Seiten derselben Münze ziehen sich als roter Faden durch die Kurzgeschichtensammlung (und durch das komplette Franchise). Es gibt jedoch die eine oder andere Geschichte, bei der man sich als Leser fragt, was sie in diesem Band verloren hat. Primär betrifft das „Bulimia“ von Richard Christian Matheson; diese Erzählung hat nicht einmal thematisch einen wirklichen Bezug zu „The Hellbound Heart“ und wirkt fehl am Platz. Auch „‘tis Pity he’s Ashore“ (Chaz Brenchley) hat bestenfalls marginal etwas mit Barker zu tun und hinterlässt als letzte Geschichte des Bandes keinen guten Eindruck. Als Finale hätte sich die vorletzte Geschichte, „However…“ von Gary A. Braunbeck und Lucy A. Snyder weitaus besser geeignet, da es sich dabei um eine klassische Hellraiser-Geschichte mit nettem Twist handelt. Ebenfalls durchaus gelungen sind die thematisch ähnlichen Geschichten „The Confessor’s Tale“ (Sara Pinborough) und „Our Lord of Quarters“ (Simon Clark), die eine historische Herangehensweise wählen und von dämonischen Vorkommnissen in der Vergangenheit erzählen.

Einige der Geschichten, etwa „A Little Piece of Hell“ (Steve Niles), „The Promise“ (Nancy Kilpatrick) oder die bereits erwähnte „However…“ bewegen sich inhaltlich näher an Barker und thematisieren ein Zusammentreffen mit den Cenobiten, versuchen dem Konzept aber, mit mal mehr, mal weniger großem Erfolg, einen Twist abzugewinnen. Zu den Geschichten, die sich eher mit der Thematik von „The Hellbound Heart“ auseinandersetzen, gehören u.a. Tim Lebbons „Every Wrong Turn“ und Neil Gaimans „Wordworth“, die beide sehr gelungen sind und Hellraiser-Feelinge wecken, ohne sich der spezifischen Elemente des Franchise zu bedienen. Ein weiteres Highlight findet sich in Barbie Wildes „Sister Cilice“, die vom (leicht verstörenden) Werdegang eines Cenobiten erzählt.

Fazit: Obwohl nicht alle Geschichten gelungen sind, lohnt sich die Anschaffung von „The Hellbound Heart“ für den Hellraiser-Fan durchaus; es gibt genug Erzählungen, die die Thematik von Clive Barkers „The Hellbound Heart“ auf gelungene Weise fortsetzen – auch ohne Pinhead.

Siehe auch:
Hellraiser
Pinhead
The Scarlet Gospels

Lovecraft im Gruselkabinett

Halloween 2016

H. P. Lovecraft ist einer der einflussreichsten Autoren des 20. Jahrhunderts und hat die phantastischen Genres beeinflusst wie nur wenige andere Autoren. Ob man sich dessen bewusst ist oder nicht, überall trifft man auf Spuren des eigenbrötlerischen Autors aus Providence. Dennoch sind seine Werke oftmals ein wenig abschreckend. Besonders einen Leser, der moderne Spannungsliteratur gewohnt ist, können Lovecrafts Geschichten, die stilistisch eher eigenwillig und zum Teil sperrig sind, eher langweilen denn erschrecken, da der Lovecraft’sche Horror sich doch deutlich von den Genre-Standards unterscheidet. Zum Glück gibt es Möglichkeiten, sich Lovecraft anzunähern und sich mit ihm vertraut zu machen, ohne dabei an seinen Eigenheiten zu scheitern. Die Hörspieladaptionen seiner Geschichten aus der Reihe „Gruselkabinett“ bieten eine solche Möglichkeit.

„Gruselkabinett“ ist die erfolgreichste Serie des Hörspiellabels Titania Medien, das von seinen Gründern Marc Gruppe und Stephan Bosenius geleitet wird. Die beiden produzieren ihre Hörspiele gemeinsam und führen Regie, Gruppe ist darüber hinaus auch für die Bücher verantwortlich. Die Hörspiele sind stets sehr aufwändig und atmosphärisch produziert; Gruppe und Bosenius greifen bevorzugt auf bekannte deutsche Synchronsprecher zurück, was fast durchweg hervorragend funktioniert. In der Zwischenzeit wurden bereits neun Lovecraft-Geschichten adaptiert, die ich im Folgenden besprechen möchte.

Der Fall Charles Dexter Ward (Folge 24 und 25)
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Dieser Kurzroman, verfasst im Jahr 1927, den Lovecraft selbst nicht allzu sehr schätzte und der erst nach seinem Tod veröffentlicht wurde, entspricht inhaltlich eher den üblichen Konventionen des Schauerromans. Er handelt von den okkulten Interessen des Charles Dexter Ward, der bald erkennen muss, dass man sich mit untoten Vorfahren besser nicht abgibt. Der eigentliche Protagonist der Geschichte ist jedoch Dr. Marinus Willet, der Hausarzt der Wards, der die mysteriösen Umstände untersucht. Die Hörspielumsetzung ist im Großen und Ganzen durchaus gelungen und sehr atmosphärisch. Bereits in dieser ersten Lovecraft-Adaption zeigt sich eine gewisse Tendenz, die erst mit späteren Lovecraft-Hörspielen endet: Fast sämtliche Bezüge zum sogenannten „Cthulhu-Mythos“, etwa die Erwähnung des Necronomicon, wurden entfernt. Einerseits macht das die Geschichte für einen Hörer ohne Vorkenntnisse zugänglicher, andererseits raubt es ihr auch einiges an Atmosphäre und Kontext. Das fällt hier allerdings nicht so sehr ins Gewicht wie bei einer der anderen Adaptionen. Ansonsten ist „Der Fall Charles Dexter Ward“ ein solider, wenn auch kein herausragender Start der Lovecraft-Hörspiele; routiniert, gelungen, aber nicht mehr.

Der Tempel (Folge 39)
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Bei „Der Tempel“ handelt es sich um eine etwas obskurere Geschichte aus dem Frühwerk Lovecrafts. Gewisse Themen, die in späteren Geschichten dominant sind, werden hier bereits angerissen, allerdings fehlt zum Teil noch die rechte Form. Wie so oft im Lovecraft’schen Œuvre ist „Der Tempel“ als aufgefundenes Dokument konzipiert. Der fiktive Autor trägt den Namen Karl Heinrich, Graf von Altberg-Ehrenstein und ist Kapitän eines deutschen U-Boots im Ersten Weltkrieg. Die Handlung wird durch den Fund einer Leiche ausgelöst, die eine Statue bei sich hat. Ein Besatzungsmitglied nimmt die Statue an sich, was katastrophale Folgen hat, denn besagtes Abbild treibt die Mannschaft nach und nach in den Wahnsinn. Diese Geschichte wurde von Marc Gruppe etwas entschärft, da der Protagonist ein ziemlich übler Rassist ist, dem alle, die nicht preußischer Abstammung sind, zuwider sind. Lovecraft machte sich hier wohl über das lustig, was er als deutsche Mentalität sah (was angesichts seines eigenen Rassismus schon ein wenig ironisch ist). Die übertriebenen Tiraden wurden jedenfalls gestrichen, was der Geschichte durchaus gut tut. Ansonsten gelingt es dem Hörspiel sehr gut, die klaustrophobische Stimmung des U-Bootes einzufangen; auch das langsam Abgleiten in den Wahnsinn wird von den Sprechern gut vermittelt.

Berge des Wahnsinns (Folge 44 und 45)
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„Berge des Wahnsinns“ (erschienen im Jahr 1931) ist eine von Lovecrafts bekanntesten Geschichten, hier dekonstruiert er die mythischen Elemente seiner Geschichten regelrecht. Die Handlung dreht sich um eine Expedition in die Antarktis. Die Forscher entdecken dabei Spuren einer uralten, nichtmenschlichen und womöglich außerirdischen Zivilisation, die eventuell für die Entstehung des Lebens auf der Erde verantwortlich ist. Zwar sind die Angehörigen dieser Spezies verschwunden, doch haben sie höchst gefährliche Kreaturen zurückgelassen. Von allen Lovecraft-Hörspielen verliert „Berge des Wahnsinns“ durch die Adaption am meisten. Wie schon in „Der Fall Charles Dexter Ward“ wurden sämtliche Elemente des „Cthulhu-Mythos“ entfernt, was hier in weitaus größerem Maße ins Gewicht fällt, da dieser Kurzroman, wie gesagt, quasi als Dekonstruktion des „Cthulhu-Mythos“ betrachtet werden kann. In mancher Hinsicht zeigt dieses Hörspiel wohl, wie eine Hollywood-Adaption von Lovecrafts Geschichten aussehen könnte. Gruppe nahm es sich hier heraus, eine weibliche Figur einzuführen, die regelrecht feministische Züge besitzt. Auch eine Romanze wird subtil angedeutet. Derartige Hinzufügungen passen allerdings überhaupt nicht zu Lovecraft und wirken für jene, die mit ihm als Autor vertraut sind, erzwungen und deplatziert. Wer jedoch unvoreingenommen an dieses Hörspiel herangeht, wird sicher gut unterhalten, da die Hinzufügungen, Weglassungen und Veränderungen nicht auffallen.

Pickmans Modell (Folge 58)
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Die Adaption von „Pickmans Modell“, 1926 verfasst und ein Jahr später publiziert, gehört zu meinen persönlichen Favoriten. Das Grauen dieser Geschichte ist konventioneller und nicht wirklich mit den Entitäten des „Cthulhu-Mythos“ verbunden, wird jedoch auf für Lovecraft typische Art und Weise präsentiert. Alles dreht sich um den Maler Richard Upton Pickman, dessen verstörende Gemälde die Bostoner Kunstszene aufwühlen; die abgebildeten Kreaturen entspringen allerdings nicht nur der Phantasie des Malers. Das Gelingen dieses atmosphärischen Hörspiels hängt vor allem mit Sascha Rotermund zusammen, der Richard Upton Pickman hervorragend und nuancenreich spricht und so das Hörspiel fast im Alleingang stemmt. Das Grauen dieser Geschichte ist ein sehr indirektes, impliziertes, das jedoch hervorragend vermittelt wird.

Der Schatten über Innsmouth (Folge 66 und 67)
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Ein weiterer Klassiker, der dieses Mal exzellent vertont wurde, auch, weil die mythischen Elemente nicht allzu sehr beschnitten wurden. Wie auch die Geschichte selbst braucht das Hörspiel eine Weile, um richtig in Fahrt zu kommen. Der Protagonist Robert Olmstead (der Name taucht in der Geschichte selbst nicht auf, sondern stammt aus Lovecrafts Notizen, wird aber im Hörspiel verwendet) erforscht den geheimnisvollen Küstenort Innsmouth und stößt dabei auf ein Geheimnis, das nicht nur die merkwürdigen Bewohner der Stadt, sondern auch ihn selbst betrifft. Die Umsetzung ist schnörkellos gelungen. Da „Der Schatten über Innsmouth“ als Geschichte sehr geradlinig und einfach strukturiert ist (jedenfalls einfacher als viele andere Lovecraft-Geschichten), dürfte die Umsetzung auch nicht ganz so anspruchsvoll gewesen sein. Allgemein steht Gruppe bei der Adaption immer vor dem Problem, dass Lovecraft nur selten Dialoge verwendet; seine Geschichten haben zumeist einen distanzierten, berichthaften Charakter mit viel indirekter Rede. „Innsmouth“ ist diesbezüglich eine Ausnahme, da der Mittelteil der Geschichte ein sehr ausführliches Gespräch schildert.

Das Ding auf der Schwelle (Folge 78)
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Eine höchst enervierende Geschichte, verfasst 1933 und publiziert 1937, deren Implikationen fast erschreckender sind als die Dinge, die tatsächlich thematisiert werden. Strukturell gibt es einige Ähnlichkeiten zu „Der Fall Charles Dexter Ward“, durch die Augen von Daniel Upton, des eigentlichen Protagonisten, wird die Lebensgeschichte seines besten Freundes Edward Derby erzählt, wobei „Das Ding auf der Schwelle“ mit Uptons Mord an Derby beginnt. Nach und nach wird enthüllt, wie und warum es zu diesem Mord kam, wobei Okkultismus und Edward Derbys Frau Asenath Waite eine wichtige Rolle spielen. Darüber hinaus fungiert diese Geschichte gewissermaßen als indirekte Fortsetzung zu „Der Schatten über Innsmouth“, da Asenath Waite aus besagter Stadt stammt und die Geschichte vereinzelt Elemente aus „Innsmouth“ aufgreift. Auch hier ist die Umsetzung ausgezeichnet und schafft es, Atmosphäre, subtile Bedrohung und Schrecken der Vorlage ausgezeichnet umzusetzen und die berichtartige Geschichte in Dialogform zu bringen.

Die Farbe aus dem All (Folge 90)
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„Die Farbe aus dem All“ (1927) gilt vielen als eine von Lovecrafts besten Geschichten, sie setzt sich auf beängstigende Weise mit Fremdartigkeit auseinander, die von Menschen nicht erfasst werden kann. Ein Meteor landet auf der Farm der Gardners und bringt etwas Fremdes mit sich, das sich am ehesten als unbekannte Farbe beschreiben lässt, die sich nach und nach ausbreitet und alles, was mit ihr in Berührung kommt, verdirbt. Viele Jahre später versucht ein Ermittler aus Arkham herauszufinden, was es mit der Farbe auf sich hat und was mit den Gardners geschehen ist. Trotz der einen oder anderen Freiheit, die sich Marc Gruppe nahm, funktionier auch diese Hörspieladaption ausgezeichnet. „Die Farbe aus dem All“ ist, wie so oft bei Lovecraft, eine Geschichte des subtilen Schreckens, die nicht auf oberflächlichen Schock, sondern auf tiefe Beunruhigung zurückgreift. Tatsächlich denke ich, dass sie auf gewisse Weise sehr realistisch ist. Sollte jemals außerirdisches Leben auf die Erde kommen, könnte ich mir vorstellen, dass es sich tatsächlich so abspielt wie von Lovecraft geschildert.

Träume im Hexenhaus (Folge 100)
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Gruppe und Bosenius wählten „Träume im Hexenhaus“ (verfasst 1932, im Folgejahr publiziert) als Folge 100 aus, weil die Geschichte Lovecrafts kosmischen Horror mit Elementen der traditionellen Schauergeschichte verbindet. Was in der Theorie gut klingt, klappt praktisch aber nicht immer. Die Geschichte erzählt von dem Mathematikstudenten Walter Gilman, der von der in Salem verbrannten Hexe Keziah Mason fasziniert ist und glaubt, ihre Magie basiere auf unirdischer Geometrie, mit deren Hilfe sie sich Raum und Zeit unterwerfen könne. Um seinen Wissensdurst zu stillen zieht er in das alte Haus der Hexe, nur um schon bald von grauenhaften Alpträumen geplagt zu werden. „Träume im Hexenhaus“ gehört nicht unbedingt zu Lovecrafts stärksten Geschichten. Ähnlich wie „Berge des Wahnsinns“ scheint Lovecraft hier eine Dekonstruktion durchzuführen, die einzelnen Elemente der Geschichte wollen aber oftmals nicht so recht zusammenpassen. Während das Hörspiel grundsätzlich professionell aufgezogen und produziert wurde, treten hier die Schwächen der Geschichte fast noch deutlicher zutage, sodass viele der Schrecken letztendlich zu banal und plakativ wirken.

Der Ruf des Cthulhu (Folge 114 und 115)
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Diese Geschichte aus dem Jahr 1926 bzw. 1928 hat dem „Cthulhu-Mythos“ seinen Namen verliehen. Ironischerweise war Lovecraft weder besonders begeistert von ihr, noch bediente er sich des tentakelgesichtigen Gottes, nach dem Geschichte und Mythos benannt sind, besonders häufig. Lediglich in „Berge des Wahnsinns“ und „Der Schatten über Innsmouth“ wird Cthulhu noch erwähnt. Dennoch gehört sie zu Lovecrafts bekanntesten und beliebtesten Geschichten. Leider eignet sie sich nicht besonders gut als Vorlage für ein Hörspiel. Die Erzählung setzt sich aus mehreren Berichten zusammen, die sich nach und nach wie ein Puzzle verbinden und vom Erwachen des finsteren Gottes Cthulhu berichten. Was in gedruckter Form allerdings ziemlich gut funktioniert, will als Hörspiel nicht so recht klappen. Die Handlung wirkt ziemlich fragmentiert und kommt bis zum Schluss nicht so recht in Gang. Davon abgesehen ist die Produktion natürlich dennoch auf einem sehr hohen Niveau, kann den Spitzenreitern „Der Schatten über Innsmouth“, „Pickmans Modell“ und „Die Farbe aus dem All“ aber nicht das Wasser reichen.

Siehe auch:
Das Necronomicon
Berge des Wahnsinns

Die Addams Family

Halloween 2016
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Story: Eigentlich ist die Addams Family eine glückliche, wenn auch sehr exzentrische Familie. Vater und Familienoberhaupt Gomez (Raul Julia) kommt jedoch nicht über das mysteriöse Verschwinden seines Bruders Fester hinweg. Unerwartet stößt Tully Alford (Dan Hedaya), der Steuerberater der Familie, auf Gordon Craven (Christopher Lloyd), der dem verschwundenen Fester zum Verwechseln ähnlich sieht. Zusammen mit Gordons Mutter Abigal (Elizabeth Wilson) schmieden sie den Plan, Gomez, seine Frau Morticia (Anjelica Huston) und ihre Kindern Wednesday (Christina Ricci) und Pugsley (Jimmy Workman) Festers Rückkehr vorzutäuschen, um so an den Familienschatz zu kommen…

Kritik: In Form von Cartoons feierte die von Charles Addams geschaffene Addams Family bereits 1938 ihr Debüt, ihren Durchbruch erlebte sie aber erst 1964 in „The Addams Family“, einer gotisch-angehauchten, schwarzhumorigen Comedy-Serie, die aus Charles Addams‘ makaberen Ein-Panel-Cartoons eine markante Fernsehfamilie machte. Die ursprüngliche Serie lief bis 1966, der Addams-Clan erlebte aber in den darauffolgenden Jahrzehnten immer wieder Revivals, etwa in Form einer Zeichentrickserie. Das markanteste Wiederaufleben der exzentrischen Familie fand allerdings im Kino statt: Unter der Regie von Barry Sonnenfeld (vor allem bekannt für „Men in Black“) produzierte Universal eine Filmadaption, die Charles Addams‘ ikonische Figuren einer neuen Generation vorstellte.

Ich selbst lernte die Addams-Family erst durch das Sequel, „Die Addams Family in verrückter Tradition“ kennen, das während meiner Jugendjahre öfter im Fernsehen lief, im Gegensatz zum ersten Teil, der sich (evtl. aus rechtlichen Gründen) diesbezüglich eher rar machte und lange auch nicht käuflich zu erwerben war. Trotzdem konnte ich diesen Defizit irgendwann ausgleichen, und inzwischen gibt es beide Filme auch verhältnismäßig preiswert auf DVD und BluRay. Wie dem auch sei, Barry Sonnenfelds Addams-Duologie gehört zu meinen absoluten Lieblingskomödien.

Gerade bei einem Film wie „Die Addams Family“ ist die eigentliche Handlung relativ zweitrangig, die Intrige der beiden Schurken ist bestenfalls mäßig interessant. Der eigentliche Zweck der Handlung ist ohnehin, die Figuren zur Interaktion zu bringen und die Familienmitglieder mit dem zu konfrontieren, was gemeinhin als „normal“ bezeichnet wird. Aus dieser Konfrontation entsteht der oft absurde, wenn nicht gar makabere Humor des Films. Sei es Morticias Schock darüber, dass ein Kind den Präsidenten als Held verehren könnte, Wednesdays Frage, ob Pfadfinderinnen-Kekse auch echte Pfadfinderinnen enthalten oder die Schulaufführung, bei der die Addams‘ extrem herausstechen – wann immer die Exzentrik der Titelfamilie auf die biedere Vorstadtmentalität trifft, entsteht humoristisches Gold.

Ein Film wie dieser steht und fällt natürlich mit seinen Darstellern. Glücklicherweise gibt es da nichts zu meckern, denn so gut wie alle Rollen sind hervorragend besetzt. Raul Julias Darstellung von Gomez Addams ist an Theatralik kaum zu überbieten, während Anjelica Huston als stoische Morticia den perfekten Kontrapunkt setzt. Die beste Leistung erbringt wohl allerdings der kaum wiederzuerkennende Christopher Lloyd als Gordon/Fester. Ausstattung und Atmosphäre sind darüber hinaus über jeden Zweifel erhaben, die düsteren Bilder und das heruntergekommene Anwesen der Familie, inklusive eigenwilliger Bücher und beweglicher Portraits, sind eine wahre Freude für jeden Gothic-Fan. Man merkt jedem Aspekt des Films die Liebe zum Detail an, jede Szene ist nur so gespickt von herrlich makaberen Einfällen. Auch Marc Shaimans grandioser, unheimlicher, verspielter und lustiger Score darf nicht unerwähnt bleiben.

Fazit: „Die Addams Family“ ist eine Komödie und ein Halloween-Film ganz nach einem Geschmack, ein Favorit, den ich mir immer wieder gerne zu Gemüte führe.

Trailer

Siehe auch:
Die Addams Family in verrückter Tradition

Aktuell: Halloween 2016


In letzter Zeit bin ich verhältnismäßig wenig zum Schreiben und Posten gekommen, da ist ein Themenmonat genau das Richtige. Wie jedes Jahr dreht sich bei mir im Oktober alles um das Thema „Horror“ – im weiteren Sinn, versteht sich. Ich habe mir vorgenommen, ein breites Spektrum an Medien und Themen innerhalb der Horror-Prämisse abzudecken – mal sehen, was sich alles bewerkstelligen lässt.

Zur musikalischen Einleitung dieses Mal der Titeltrack aus Scott Glasgows „The Curse of Sleeping Beauty“, einem herrlich altmodischen Gothic-Horror-Score in bester Christopher-Young-Manier, der sich sicher auch auf meiner Filmmusik-Bestenliste zum Jahresende wiederfinden wird.