X-Men: Apocalypse – Soundtrack

xost
Track Listing:

01. Apocalypse
02. The Transference
03. Pyramid Collapse/Main Titles
04. Eric’s New Life
05. Just a Dream
06. Moira’s Discovery/Apocalypse Awakes
07. Shattered Life
08. Going Grey/Who the F are You?
09. Eric’s Rebirth
10. Contacting Eric/The Answer!
11. Beethoven Havok
12. You Can See
13. New Pyramid
14. Recruiting Psylocke
15. Split them Up!
16. A Piece of his Past
17. The Magneto Effect
18. Jet Memories
19. The Message/Some Kind of Weapon
20. Great Hero/You Betray Me
21. Like a Fire
22. What Beach?
23. Rebuilding/Cuffed/Goodbye Old Friend
24. You’re X-Men/End Titles
25. Rest Young Child (Vocal Version)

Während „X-Men: Days of Future Past“ ein toller Film war, stellte der zugehörige Score von John Ottman für mich eine massive Enttäuschung dar, hatte doch dieser beste Eintrag in der Kinosaga der Mutanten einen Score bekommen, der von all dem geprägt war, was mich an der modernen Filmmusiklandschaft nach wie vor nervt. Für „X-Men: Apocalypse“ wurde erneut Ottman verpflichtet, und während auch dieser Score noch weit von John Powels Meisterwerk „X-Men: The Last Stand“ (nach wie vor der beste X-Men-Score und somit die Messlatte) entfernt ist, ist die apokalyptische Musik von Ottmans drittem X-Men-Soundtrack doch definitiv ein Schritt in die richtige Richtung. Das größte Problem von „Days of Future Past“ ist, dass man als kundiger Konsument von Filmmusik ganz genau weiß, wie der Temp-Track besagten Films aussah, was dazu führt, dass dieser Score ein inkohärentes Stückwerk bar jeder eigenen Identität ist und über weite Strecken wie ein „Best of (bzw. Worst of) Hans Zimmer/Remote Control“ klingt. Ein Stück weit ist dieses Problem in „Apocalypse“ immer noch vorhanden, aber in weitaus geringerem Ausmaß. Zugegeben, man sollte vielleicht auch nicht zu hart urteilen, da Ottman bei diesem Film nicht nur als Komponist fungierte, sondern ihn auch mitproduzierte und für den (hervorragenden) Schnitt verantwortlich war.

Wie dem auch sei, an manchen Stellen hört man auch in „Apocalypse“ den Einfluss des Temp-Scores, aber insgesamt klingt dieser Soundtrack weitaus kohärenter, was nicht zuletzt daran liegt, dass es dieses Mal ein wirklich gelungenes neues Thema gibt, das den Film auch trägt. Die Rede ist vom vage orientalisch und sakral klingenden Leitmotiv des titelgebenden Schurken. In Apocalpyse wird es direkt nach den Inception-Hornstößen, auf die Ottman besser verzichtet hätte (auch wenn sie tatsächlich die ersten beiden Noten besagten neuen Themas spielen), langsam und subtil aufgebaut, zuerst geradezu gehaucht von einem Frauenchor, dann übernimmt das Orchester, ein gemischter Chor kommt hinzu und das Thema gewinnt an Stärke, bis bei 1:51 die erste richtig kräftige Version erklingt. En Sabah Nurs Musik dominiert die ersten drei Tracks mit massivem Einsatz von Chor, Blechbläsern und einigen elektronischen Akzenten, die es nicht unbedingt gebraucht hätte. Natürlich taucht das Apocalypse-Thema auch im weiteren Verlauf des Scores immer wieder auf. Subtile Andeutungen finden sich in der zweiten Hälfte von Moira’s Discovery/Apocalypse Awakens, eine bedrohliche Version erklingt am Ende von Going Grey/Who the F Are You, Eric’s Rebirth scheint von Fragmenten durchsetzt zu sein, Contacting Eric/The Answer enthält ein Statement am Ende, eine kräftigere Version erklingt in New Pyramide, Magneto Effect ist ebenfalls vom Apocalypse-Thema durchsetzt und schließlich erklingt es ein letztes Mal in Great Hero/You Betray Me.

Neben diesem starken neuen Thema kehren auch einige bekannte Leitmotive zurück. Primär sind das das X-Men-Thema, das bisher in jedem von Ottman vertonten X-Men-Film zu hören war, sowie das verdächtig nach Inception klingende Xavier-Thema, das in „Days of Future Past“ sein Debüt feierte. Letzteres ist u.a. in Just a Dream und Contacting Eric/The Answer zu hören, während Ersteres, wie bereits in „Days of Future Past“, primär als Eröffnung (Pyramide Collapses/Main Titles) und Abschluss (You’re X-Men/End Titles) des Films fungiert, was bedeutet, dass es wieder nur zwei volle Statements gibt. Immerhin hat Ottman dieses Mal noch ein paar zusätzliche, wenn auch sehr kurze und fragmentarische Varaitionen in seinen Score eingebaut. In New Pyramide ist es kurz am Anfang zu hören, in The Message bei 1:04, in Great Hero/You Betray Me bei 4:08 und schließlich noch einmal in Like a Fire bei 3:04 und 3:40 – der mit Abstand stärkste Einsatz außerhalb der Main Titles und des Abspanns. Darüber hinaus glaube ich, dass Ottman sein Magneto-Motiv aus „X2“ reaktiviert hat (eventuell kam es auch in „Days of Future Past“ vor) – da bin ich mir allerdings nicht wirklich, weil ich schon beim X2-Score mit diesem Motiv Wahrnehmungsprobleme hatte. In Eric’s Rebirth und Great Hero/You Betray Me gibt es Phrasen, die zumindest recht ähnlich klingen.

Obwohl nach wie vor einige RCP-Anleihen vorhanden sind, ist der Apocalypse-Score viel stärker von einem traditionell orchestralen Sound geprägt, was ihm definitiv gut tut. Nach wie vor problematisch finde ich allerdings, dass die Musik abseits der Themeneinsätze oftmals sehr anonym daherkommt. Das betrifft sowohl die ruhigeren Tracks der ersten Hälfte als auch die Action-Tracks in der zweiten. Letztere sind zwar durchaus gut komponiert und unterstützen die Szenen, gleichzeitig bleiben sie aber ziemlich austauschbar, nur selten ist man wirklich dazu geneigt zu sagen DAS ist Ottman oder DAS ist X-Men-Musik. Ich hätte mir gewünscht, dass Ottman seine Themen in der Actionmusik besser integriert. Während En Sabah Nurs Thema zu Beginn des Films beispielsweise noch sehr vorherrschend ist, kommt es in der zweiten Hälfte definitiv zu kurz.

Und nach wie vor hört man mitunter noch die Eigenheiten anderer Komponisten heraus, deren Arbeit wohl als Temp-Track diente, nur ist es eben dieses Mal nicht mehr Hans Zimner. Die emotionalen Stücke klingen mitunter ein wenig nach Thomas Newman, die Action-Tracks erinnern an Michael Giacchino, das Ende von Moira’s Discovery/Apocalypse Awakens gemahnt an Philip Glass und in Jet Memories gibt es ein paar Blechbläserfiguren, aus denen man ein wenig Elliot Goldenthal heraushören kann. Das alles sind weitaus subtilere Parallelen als es noch bei „Days of Future Past“ der Fall war und Anleihen bei Giacchino und Newman sind mir weitaus lieber als bei Zimmer (dessen Methodologie ist derzeit leider immer noch die dominante in Hollywood), aber sie verhindern doch, dass Ottmans Score wirklich eine eigene Idenität entwickeln kann.

Apropos Arbeit anderer Komponisten: Wie schon in „X2“ arbeitete Ottman auch hier wieder ein klassisches Musikstück ein, nämlich den zweiten Satz aus Beethovens siebter Sinfonie (Allegretto). Auf dem Album ist es, wie könnte es anders sein, im Track Beethoven Havok zu hören, zuerst sehr originalgetreu, nach und nach verwandelt es sich aber in moderne Actionmusik mit großem Chor und wummernden Percussions.

Fazit: „X-Men: Apocalypse“ ist gegenüber dem Vorgängerscore eine deutliche Verbesserung. Zwar ist Ottmans dritter X-Men-Soundtrack kein Meisterwerk und leidet nach wie vor an einer gewissen Anonymität, allerdings besticht er durch ein gelungenes neues Thema und zumindest solider Actionmusik, die nicht mehr allzu sehr nach Hans Zimmer klingt. Kompetent, wenn auch streckenweise eher uninspiriert und ein wenig zu sehr von anderen Komponisten beeinflusst.

Siehe auch:
X-Men: Apocalypse
Marvel-Musik: X-Men
X-Men: Days of Future Past – Soundtrack

Warcraft: The Beginning

warcraft
Story:
Draenor, die Heimatwelt der Orks, stirbt. Um zu verhindern, dass die Orks mit ihrer Welt untergehen, öffnet Gul’dan (Daniel Wu), ein mächtiger und finsterer Hexenmeister, ein Portal nach Azeroth, in die Welt der Menschen. Diese sind von der Invasion fremder Wesen verständlicherweise nicht allzu angetan, weshalb ihr König Llane Wrynn (Dominic Cooper) seine engsten Vertrauten, den Ritter Sir Anduin Lothar (Travis Fimmel) und den magisch begabten Wächter Medivh (Ben Foster) um sich schart, um der Invasion zu begegnen. Und selbst unter den Orks sind nicht alle mit Gul’dans Vorgehen einverstanden: Der Clanhäuptling Durotan (Toby Kebbell) ist dem Hexenmeister und seiner zerstörerischen Magie gegenüber höchst misstrauisch. Letztendlich ist es allerdings der weibliche Halbork Garona (Paula Patton), der sich als Schlüsselfigur erweist…

Kritik: Ich habe es ja bereits das eine oder andere Mal zu Protokoll gegeben: Zwar bin ich kein WoW-Spieler, bin mit dem Warcraft-Franchise allerdings relativ gut vertraut, weshalb mich auch die seit etwa zehn Jahren angekündigte Verfilmung im Vorfeld ziemlich interessiert hat. Eines gleich vorweg: „Warcraft: The Beginning“ ist mit Sicherheit eine der besten Spieleverfilmungen, was allerdings nicht unbedingt ein Qualitätssiegel ist, da selbst die gelungensten Game-Adaptionen bislang bestenfalls ganz unterhaltsam waren. Leider ist auch „Warcraft: The Beginning“ weit davon entfernt, ein Meisterwerk zu sein, allerdings ist dieser Film in meinen Augen bei Weitem nicht so unterirdisch, wie ihn manch ein Kritiker macht. Zumindest für mich hat er sich schon allein deshalb gelohnt, weil es nun einmal kaum High-Fantasy abseits von Mittelerde im Kino zu sehen gibt.

Was vor allem beachtete werden sollte: Wer nicht eine gewisse Affinität zum Franchise oder zumindest zu High-Fantasy besitzt, wird mit „Warcraft: The Beginning“ sicher nicht allzu viel anfangen können. Nun denn, betrachten wir erst einmal die positiven Aspekte. Man merkt dem Film die überquellende Liebe zur Materie definitiv an. Regisseur Duncan Jones (der auch mit am Drehbuch beteiligt war) ist bekennender WoW-Spieler und es lässt sich nicht leugnen, dass er die Welt des Spiels sehr gut und mit viel Liebe zum Detail umgesetzt hat. Ja, „Warcraft“ ist ein CGI-Fest, aber Azeroth ist nicht Mittelerde; wenn man diese Welt auch nur ansatzweise vorlagengetreu umsetzen möchte, lässt sich das leider nicht vermeiden. Insgesamt sind Design und Effekte über jeden Zweifel erhaben, vor allem die Orks sehen grandios aus, so comichaft-übertrieben wie nötig und so realistisch wie möglich. Duncan Jones schafft es, die gesamte exzessiv-überbordende Atmosphäre und den Stil der Vorlage in seinem Film wunderbar einzufangen, und schon allein dafür gebührt ihm Respekt. Jones‘ Achtung vor den Spielen erstreckt auch sich auf die Story des Films. Hier ist es vielleicht nötig, ein wenig weiter auszuholen: Es hat schon seinen Sinn, dass dieser Film „Warcraft: The Beginning“ heißt, denn im Grunde fängt er tatsächlich ganz von vorne an, indem er die Geschichte des ersten Warcraft-Echtzeitstrategiespiels „Warcraft: Orcs and Humans“ (sowie die diversen späteren Ausgestaltungen dieser Handlung aus Nachfolgern, Romanen etc.) umsetzt. Das bedeutet auch, dass es tatsächlich fast ausschließlich um Orks und Menschen geht, Zwerge, Draenei und Hochelfen tauchen lediglich am Rande auf und die meisten anderen wichtigen Rassen (Nachtelfen, Untote, Tauren, Trolle etc.) sucht man vergebens. Insgesamt handelt es sich hierbei zwar nicht um die beste Story, die es in den Weiten des Franchise zu finden gibt, aber doch um eine solide. Die Umsetzung dagegen ist leider nicht immer ganz solide…

Das große, wirklich große Problem dieses Films sind die Figuren. Man merkt, dass Duncan Jones und sein Mitautor Charles Levitt versuchten, die beiden Fraktion differenziert darzustellen: Obwohl die Orks die Aggressoren sind, sind sie nicht einfach die Bösen, während es auf der Seite der Menschen einen Verräter gibt. Leider ist ihnen das auf die Einzelfiguren bezogen überhaupt nicht geglückt. Bei aller Liebe zum Detail haben die beiden es leider nicht geschafft, die Figuren interessant oder greifbar zu machen. Egal ob Orks oder Menschen: Fast alle Charaktere sind sehr eindimensional, die Entwicklung ist entweder kaum vorhanden oder sehr sprunghaft, Motivationen werden kaum thematisiert; kurz und gut: Es scheint, als sind die Figuren hier reine Plotkatalysatoren. Das wiederum schadet dem Film ziemlich, vor allem, wenn man als Nicht-Fan nicht wirklich in die Welt investiert ist. Leider können die Schauspieler an dieser Tatsache auch nicht viel ändern, wobei es unklar ist, ob es an ihnen liegt oder ob der Film ihnen einfach keine Gelegenheit gibt. Insgesamt liefern Travis Fimmel und die Schauspieler der diversen Orks die besten Performances ab.

Auch strukturell gibt es das eine oder andere Problem, vor allem, wenn der Film sehr schnell von einem Schauplatz zum nächsten schneidet, um den Plot möglichst rasant voranzubringen, ohne den Szenen die nötige Zeit zur Entfaltung zu geben. Das verleiht der Handlung eine unnötige Sprunghaftigkeit – plötzlich steht Garona auf der Seite der Menschen, Durotan verrät scheinbar sein Volk etc. Die Dialoge helfen diesbezüglich leider auch selten und enthalten oftmals ein wenig zu viel Exposition, ohne wirklich aussagekräftig zu sein. Außerdem zeigt „Warcraft“ immer sehr offen, dass der Titel Programm ist; dieser Film soll das erste Kapitel einer großen Geschichte sein, und so fühlt er sich letztendlich auch an: Wie ein Prolog. Das bringt allerdings auch Vorteile mit sich. Was immer man über die Story denken mag, sie ist konsequent.

Fazit: Vor allem für Fans des Franchise ein unterhaltsamer und kurzweiliger Fantasyfilm, der Atmosphäre und Optik der Spiele toll umsetzt, aber bezüglich Figuren und Dramaturgie einige massive Probleme hat. Ich hoffe dennoch, dass es eine Fortsetzung gibt, bei der die Verantwortlichen aus ihren Fehlern lernen, denn Arthas‘ und Illidans Geschichten würde ich zu gerne auf der Leinwand sehen.

Trailer

Geschichte des amerikanischen Comics Teil 3: Das Goldene Zeitalter

Sowohl über Anfang als auch Ende des Goldenen Zeitalters der amerikanischen Comics ist man sich gemeinhin einig, da sowohl Anfang als auch Ende von einer bestimmten Publikation bestimmt werden, die die amerikanische Comiclandschaft jeweils sehr nachhaltig veränderte.

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Action Comics #1

Den Anfang des Goldenen Zeitalters markiert das Erscheinen der ersten Ausgabe von Action Comics im Jahr 1938, die den ersten Auftritt von Superman enthielt. Der Begriff „Goldenes Zeitalter“ wurde für diese Zeit gewählt, weil die Superheldencomics ihre erste Blüte erlebten und die Autoren und Zeichner noch sehr wenige kreative Einschränkungen hatten. Darüber hinaus waren die Verkaufszahlen der Comics in Amerika nie wieder so hoch wie in dieser Zeit.

Dieses Ereignis hat natürlich vor allem für die Superhelden eine nicht zu unterschätzende Bedeutung, immerhin ist Superman die erste Figur dieser Gattung, sofern man „Protosuperhelden“ wie Zorro oder The Shadow nicht berücksichtigt. Die Bedeutung für den amerikanischen Comic im Allgemeinen sollte allerdings ebenfalls berücksichtigt werden. Superman und die Superhelden sorgten dafür, dass sich das Comicheft endgültig als erfolgreiche Unterhaltungsform in den USA etablieren konnte.

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Detective Comics #27

Superman erwies sich als durchschlagender Erfolg, dem viele weitere, ähnlich konstruierte Figuren folgten. Bereits 1939 feierte Batman in der 27. Ausgabe von Detective Comics seinen Einstand, und bald darauf kamen Wonder Woman, The Flash oder Captain America, die auch heute noch nach wie vor extrem beliebt sind. Die erste Hälfte der 40er Jahre kann getrost als Höhepunkt des Goldenen Zeitalters betrachtet werden, zumindest, was die kostümierten Helden betrifft, denn in dieser Krisenzeit kam ihnen vor allem eine propagandistische Rolle zu – sowohl Captain America als auch Superman kämpften mehrfach gegen Hitler oder andere Gegner der USA. Superhelden spielten eine wichtige Rolle in der Propaganda der Vereinigten Staaten – das Cover der ersten Captain-America-Ausgabe, auf dem er Hitler niederschlägt, hat inzwischen Kultstatus und wurde sogar auf humoristische Weise in die Filmadaption von 2011 eingearbeitet.

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Captain America #1

Zu dieser Zeit formte sich auch das erste Superheldenteam, die Justice Society of America, die der Verlag All-American (der sich später in DC umbenennen sollte) nutzte, um einigen seiner weniger bekannten Charaktere mehr Aufmerksamkeit zu verschaffen. Zu den Mitgliedern der Society gehörten unter anderem The Flash, The Spectre, Green Lantern, Hawkman oder Doctor Fate. Auch Marvel existierte bereits, trug allerdings noch den Namen Timely Comics und verlegte neben Captain America Helden wie Namor den Submariner und The Human Torch (nicht mit dem gleichnamigen Mitglied der Fantastic Four zu verwechseln).

Obwohl die Superhelden das meiste Geld einbrachten, wäre es falsch anzunehmen, dass sie die einzigen Comiccharaktere waren. In der Tat zeichnet sich das Goldene Zeitalter durch eine Vielzahl weiterer Genres aus. Auch Genrevertreter aus Bereichen wie Horror, Romanze oder Krimi erlebten große Erfolge, vor allem, als der Superheldenboom nach Kriegsende langsam nachließ, was anderen Genres zum Erfolg verhalf. Die wachsende Beliebtheit von Horror- und Krimicomics begünstigte den Aufstieg des Verlags EC (zuerst „Educational Comics“, später „Entertaining Comics“). Ursprünglich hatte EC vor allem Bildungscomics herausgegeben, konzentrierte sich aber nach dem Tod des Verlagsgründers auf Horror, Science Fiction, Krimis – eine der bekanntesten Serien ist „Tales from the Crypt“. EC-Comics zeichneten sich ab diesem Zeitpunkt vor allem durch eine explizite Gewaltdarstellung aus. Die meisten Titel und Figuren dieser Zeit (mit Ausnahme der Superhelden) sind inzwischen allerdings relativ obskur und blieben kaum im Gedächtnis.

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Carl Barks, Vater der Ducks

Die Figuren, deren Bekanntheit heute noch am größten ist, sind die in der Tradition der Funny-Animal-Comics stehenden Disney-Charaktere wie Donald oder Dagobert Duck (Scrooge McDuck), die in den 40ern, 50ern und 60ern ebenfalls sehr populär waren, nicht zuletzt dank der Geschichten von Carl Barks, der fast alle wichtigen Figuren aus Entenhausen (Duckburgh) erschuf. In den USA sind diese Charaktere aber vor allem als Cartoon-Figuren bekannt, während die Comics von Barks dort nur noch wenige Anhänger haben und neue Disney-Comics selten produziert werden. In Europa dagegen waren Donald Duck und Micky Maus vor allem als Comicfiguren populär, weshalb die meisten Disney-Comics inzwischen in Italien entstehen. Aber auch in Deutschland und Skandinavien sind die Enten nach wie vor unheimlich beliebt; Carl Barks‘ Comics zählen dort zu Klassikern, die im Rahmen von verschiedenen Heft- und Albenserien immer wieder neu aufgelegt werden.

Das Goldene Zeitalter endete schließlich 1954 mit der Publikation eines Buches mit dem Titel „Seduction of the Innocent“, das einen beinahe ebenso großen Einfluss auf den amerikanischen Comic hatte wie der erste Auftritt von Superman, allerdings in negativer Hinsicht. Das von Dr. Frederic Wertham, dem Direktor der psychiatrischen Lafargue-Klinik in New York verfasste Werk stellt einen massiven Einschnitt auf allen Ebenen dar. Mit diesem Buch versuchte Wertham die steigende Jugendkriminalität zu erklären und machte kurzerhand die Comics dafür verantwortlich. Wertham behauptete, Comics seien „an invitation to illiteracy“ und stimulierten „unwholesome fantasies“. Darüber hinaus machte er Comics für alles Mögliche verantwortlich, etwa drogenabhängige Kinder oder Jugendkriminalität und postulierte, neben vielen weiteren derartigen Vorwürfen, Superhelden würden eine faschistische Ästhetik vertreten. Werthams Thesen gelten inzwischen als unsinnig, absurd und überholt; bereits mehrere Jahre vor der Publikation von „Seduction of the Innocent“ wurden Werthams Methoden von einigen seiner Kollegen als unwissenschaftlich bewertet.

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Siegel der Comics Code Authority

Die Wirkung des Werkes war enorm und löste eine Hetze gegen Comichefte aus, die perfekt zur Kommunistenjagd der McCarthy-Ära passte. Es kam sogar zu öffentlichen Comicverbrennungen, und als Reaktion richteten die Verlage mit der „Comics Code Authority“ eine Instanz zur Selbstzensur ein. Dies hatte wiederum zur Folge, dass sämtliche Elemente, die als anstößig empfunden wurden, etwa Sex, übermäßige Gewalt, das Infragestellen der Autorität etc., aus den Comics entfernt wurden. Zwar war der Comics Code theoretisch freiwillig, jedoch war ein Mainstream-Comic ohne das Siegel der Comics Code Authority praktisch nicht verkäuflich – für einen Verlag wie EC bedeutete das das Todesurteil. Auch für viele Superhelden bedeutete der Comic Code das Aus, lediglich Superman, Batman und Wonder Woman verkauften sich noch. Die Vorgaben des Comics Code verhinderten fast jegliche kreative Entfaltung und jede Umsetzung einer anspruchsvollen Geschichte im Medium und warfen seine Entwicklung um Jahrzehnte zurück.

Die Geschichte des amerikanischen Comics:
Teil 1: Definition des Mediums
Teil 2: Das Platinzeitalter

X-Men: Apocalypse

apocalypse
Story: Im Jahr 1983 erwacht der erste Mutant En Sabah Nur alias Apocalypse (Oscar Isaac), ein uraltes und gottgleiches Wesen aus dem alten Ägypten, um die Erde nach seinen Vorstellungen umzuformen. In den Mutanten Psylocke (Olivia Munn), Storm (Alexandra Shipp), Angel (Ben Hardy) und Magneto (Michael Fassbender) findet er Verbündete. Magneto sorgt allerdings dafür, dass sowohl Mytique (Jennifer Lawrence), als auch Charles Xavier (James McAvoy) und Hank McCoy (Nicholas Hoult) auf Apocalypse aufmerksam werden. Und so muss sich eine neue X-Men-Generation, u.a. bestehend aus Jean Grey (Sophie Turner), Cyclops (Tye Sheridan), Nightcrawler (Kodi Smit-McPhee), Quicksilver (Evan Peters) En Sabah Nur entgegenstellen, um die Welt vor ihm zu retten…

Kritik: Im zweiten Akt von „X-Men: Apocalypse“ besuchen einige der jungen Mutanten eine Kinovorstellung von „Die Rückkehr der Jedi-Ritter“ und streiten sich darüber, welcher Star-Wars-Film der Beste ist. Während sie sich diesbezüglich nicht auf Episode IV oder V einigen können, sind sie doch alle der Meinung, dass der dritte Teil der Schlechteste ist. Primär sollte dieser Kommentar wahrscheinlich als Seitenhieb auf Brett Rattners ungeliebten „X-Men: The Last Stand“ verstanden werden, ironischerweise lässt er sich allerdings auch auf „Apocalypse“ anwenden, da es sich hierbei um den dritten Teil der zweiten X-Men-Trilogie handelt. Und leider trifft er zu. Während „Apocalypse“ keinesfalls wirklich schlecht ist, hat er doch einige Schwächen, die dafür sorgen, dass er hinter „Days of Future Past“ und „First Class“ zurückbleibt.

Diese Probleme betreffen vor allem Apocalypse und Magneto. Ersteren fand ich zugegebenermaßen schon in den Comics und Zeichentrickserien nicht besonders interessant, wenn es um gottgleiche Erzschurken geht, ziehe ich persönlich Darkseid oder Thanos vor. Oscar Isaac spielt ihn hier zwar keinesfalls schlecht, er und Bryan Singer schaffen es für mich aber auch nicht, En Sabah Nur wirklich als mitreißenden und einnehmenden Schurken zu inszenieren. Magneto wird von Michael Fassbender natürlich nach wie vor grandios dargestellt, seine Charakterentwicklung erweist sich hier allerdings als ziemlich repetitiv. Der arme Mann muss schon wieder eine Familie verlieren und schon wieder treibt ihn das zur Rache und zum Bösen – sein Handlungsstrang in diesem Film wird der Figur leider nicht gerecht. Ich hätte es weitaus interessanter gefunden, wenn Xavier zu einem von Apocalypses Reitern geworden wäre und Magneto dann die X-Men hätte anführen müssen, ähnlich wie es in der Comicvorlage „Age of Apocalypse“ (mit der dieser Film ohnehin kaum Gemeinsamkeiten hat) der Fall war. Leider bleiben auch die anderen drei Reiter der Apokalypse ziemlich blass, obwohl sie optisch definitiv eine gute Figur machen.

Neben Magnetos Handlungsstrang gibt es noch zwei weiteree Element aus den bisherigen Filmen, das sich hier unnötigerweise wiederholen. Da wäre der Ausflug nach Kanada, der zum Plot eigentlich nichts beiträgt und nur deshalb im Film ist, um einen bestimmten Cameo-Auftritt unterzubringen, den der letzte Trailer ohnehin schon gespoilert hat. Und: Die X-Men müssen schon wieder als Team zusammenfinden. Beides raubt dem Film Zeit, die er auf ein besseres Ausspielen der Charakterdynamik und eine bessere Ausarbeitung der Schurken hätte verwenden können. Allerdings fand ich die diversen Cast-Neuzugänge sehr gelungen und es war schön, mal wieder den X-Men-Schulalltag zu sehen – gerne mehr davon. Überhaupt ist es herrlich, wie sehr die verschiedenen Darsteller in ihren Figuren aufgehen und wie mühelos und natürlich sie sie verkörpern.

Für „Apocalpyse“ spricht ebenfalls, dass der Film enorm kurzweilig ist und die zweieinhalb Stunden wie im Flug vergehen. Im Gegensatz zu den frühen X-Men-Filmen scheint Singer nun auch keine Angst mehr zu haben, die Comicursprünge seiner Figuren und der Welt des Films offen darzustellen: Optisch waren die X-Men kaum je näher an der Vorlage. Auch bezüglich der Action wird einiges aufgefahren. Zwar legen hier Superschurken schon wieder Großstädte in Schutt und Asche, aber immerhin ist das Zentrum der Verwüstung keine amerikanische Großstadt und En Sabah Nur baut auch einen Ersatz (gewissermaßen). Zu den Highlights gehören außerdem definitiv jede Szene, in der Quicksilver zu sehen ist, sowie das Finale, das zwar die emotionale Tiefe des Gegenstücks aus „Days of Future Past“ vermissen lässt, aber gerade uns Comicfans eine Andeutung dessen gibt, was in „The Last Stand“ gefehlt hat. Wenn Singer sich nun endlich einmal dazu durchringen könnte, uns auch noch einen Team-Shot á la Avengers mit passender thematischer Untermalung zu geben. Apropos: Der Score, abermals komponiert von John Ottman, ist besser als der von „Days of Future Past“, bleibt aber über weite Strecken leider immer noch ziemlich anonym und uninspiriert.

Fazit: „X-Men: Apocalypse“ ist trotz seiner Länger ein kurzweiliger Superheldenfilm, kommt aber an die beiden Vorgänger nicht heran und bleibt hinter seinen Möglichkeiten zurück, weil er zu viele Elemente aus den anderen Filmen der Reihe wieder aufgreift.

Siehe auch:
X-Men: First Class
X-Men: Days of Future Past

World of Warcraft: Main Titles

Ich habe noch nie „Word of Warcraft“ gespielt, und ich habe es ehrlich gesagt auch nicht vor, da mich MMORPGs schlicht nicht interessieren. Trotzdem habe ich das Franchise doch immer mit marginalem Interesse verfolgt, da ich früher fast schon exzessiv „Warcraft III“, den Echtzeitstrategievorgänger von WoW, gespielt habe. Ich habe einige der Begleitromane gelesen, habe die Intro-Sequenzen genossen und mich geärgert, wenn eine meiner Lieblingsfiguren mal wieder als Raid-Boss verwurstet wurde. Vor allem aber habe ich eine ziemlich Schwäche für die Musik des Franchise. Insofern interessiert mich natürlich auch die Filmadaption namens „Warcraft: The Beginning“. Während die Umsetzung optisch sehr gelungen aussieht, macht mir die Musik hier ein wenig Sorgen. Warcraft-Musik hat einen sehr speziellen Stil und verbindet hemmungslosen Bombast mit wunderschönen, lyrischen Momenten. Stilistisch befinden sich die WoW-Scores im Fahrwasser von Basil Poledouris‘ „Conan, der Barabar“ und Howard Shores Herr-der-Ringe-Trilogie, auch wenn sie nie ganz die Klasse dieser beiden Meisterwerke erreichen. Dennoch, wer gute Fantasy-Musik sucht, macht mit WoW nichts falsch, die Musik spiegelt Optik und Inhalt sehr genau wieder. Beide sind von einem gewissen Ausmaß an Exzess gezeichnet; es reicht schon, sich die Trailer für den Film anzusehen. Die Musik gibt genau das wieder. Für den Film wurde nun Ramin Djawadi, einer der Hans-Zimmer-Zöglinge, bekannt für Scores wie „Iron Man“, „Pacific Rim“, „Kampf der Titanen“ und natürlich „Game of Thrones“, angeheuert. Für mich persönlich ist Djawadis Output sehr wechselhaft: „Pacific Rim“ hat mir wirklich gefallen, und einige seiner GoT-Kompositionen (vornehmlich aus den Staffeln 2 und 3) haben es mir ebenfalls angetan. Leider liefert Djawadi auch oft subpotimale, uninspirierte, langweilige und bestenfalls funktionale 0815-Remote-Control-Musik. Wäre es nach mir gegangen, so hätte Russel Brower, Blizzards Lead-Composer, auch den Film vertont. Eine gute Alternative wäre John Powell gewesen. Djawadi traue ich die nötige Extrovertiertheit für diesen Score schlicht nicht zu; es ist ihm bisher einfach nicht gelungen, die Beschränkungen des Remote-Control-Stils zu überwinden. Schlimmstenfalls wird sein Warcraft-Score, ähnlich wie „Dracula Untold“, ein unausgegorenes Gemisch aus GoT, „Pacific Rim“ und (würg!) „Man of Steel“.

Ein Stück aus Djawadis Score wurde bereits von Legendary auf Youtube veröffentlicht. Es klingt erfreulicherweise nicht ganz so sehr nach „Game of Thrones“ wie ich befürchtet hatte (obwohl vor allem in der Begleitung das Thema der Wildlinge aus Staffel 4 mitschwingt), man kann sogar einen gewissen Warcraft-Vibe heraushören, allerdings ist es für meinen Geschmack dennoch ein wenig zu gleichförmig und generisch. Man sollte einen Score natürlich nicht auf Basis eines Stückes bewerten, und das ist auch gar nicht meine Absicht. Stattdessen handelt es sich bei diesem Artikel um einen kleinen Exkurs zur WoW-Musik, ihrer Entwicklung und der verwendeten Stilmittel.

Sowohl der Soundtrack des Hauptspiels als auch der jedes darauffolgenden Add-ons besitzt ein Main-Title-Stück, welches im Hauptmenü des Spiels erklingt und gewissermaßen als Ouvertüre fungiert. Dieses Stück ist das Erste, was der Spieler vom Spiel hört, und es ist auch jeweils das erste Stück auf jedem der Soundtrack-Alben, es sorgt für die grundlegende Atmosphäre, bereitet auf das Kommende vor und, im Fall der Add-ons, rekapituliert auch das Bisherige. Da ich, wie bereits erwähnt, WoW nicht gespielt habe, kann ich nur einige wenige der Themen, die in den Ouvertüren auftauchen, wirklich treffsicher identifizieren, aber ich gebe mein Bestes.

Legends of Azeroth ist das erste Main-Title-Stück und hat nur eine Laufzeit von knapp drei Minuten. Musikalisch greift es den musikalischen Stil der Warcraft-III-Intros auf, man merkt allerdings hier und im Rest des Scores, dass nur vereinzelt echte Instrumente verwendet werden und große Teile des Materials aus Samples bestehen oder von einem Synth-Orchester gespielt werden. Erfreulicherweise verbessert sich das mit jedem folgenden Add-on. Gleich zu Beginn wird in Legends of Azeroth das WoW-Hauptthema vorgestellt, das in der einen oder anderen Form jedes der Main-Title-Stücke eröffnet. Hier handelt es sich um ein mehrfach wiederholtes Blechbläser-Motiv aus drei Noten, das über eine martialische, marschartige Begleitung gespielt. Es folgen ruhigere Streicherpassagen, die nach einiger Zeit aggressiver und, nicht zuletzt durch zurückkehrende Blechbläser, wieder martialischer werden. Ein kurzer Choreinsatz beendet das Stück. Legends of Azeroth erfüllt seine Aufgabe als Ouvertüre ziemlich gut, leidet aber noch unter den Beschränkungen, vor allem die Streicher im Mittelteil klingen noch ziemlich unecht.

Das erste WoW-Add-on, „The Burning Crusade“, legt qualitativ bereits ordentlich zu. Zumindest in The Burning Legion, dieser zweiten Warcraft-Ouvertüre, spielt laut Russel Brower bereits ein echtes Orchester, und das hört man auch: Das aus Legends of Azeroth bekannte Hauptthema kehrt zurück und klingt gleich um einiges wuchtiger. Besser noch, ab 0:25 entwickelt sich das Motiv zu einer Andeutung von Illidans Thema (bei Illidan handelt es sich um den Hauptschurken dieses Add-ons), das bereits in „Warcraft III: The Frozen Throne“ zu hören war und in den Tracks The Dark Portal und Illidan (beides Mal direkt am Anfang) noch deutlichere Statements erhält. Ganz allgemein wirkt The Burning Legion um einiges imposanter und epischer, einerseits bedingt durch das echte Orchester und andererseits wegen des massiven Choreinsatzes. Der Track erinnert vom Aufbau her an Legends of Azeroth, die Mitte ist wieder einem eher lyrischen Motiv vorbehalten, während das letzte Drittel noch einmal ordentlich aufdreht und zu massivem Choreinsatz und einem marschartigen Rhythmus zurückkehrt.

Für „Wrath of the Lich King“ wurde das Repertoire nochmal erweitert. Nicht nur erklingt in der inzwischen fast neun Minuten langen dritten Warcraft-Ouvertüre ein volles Orchester samt Chor, dieses Mal legten Brower und seine Komponisten auch noch Wert auf den einen oder anderen Solisten. Das Main-Title-Stück, das denselben Namen wie das Add-on trägt, wird von Glöckchen und einer Flöte eröffnet, die langsam in das Hauptthema übergehen, das dieses Mal von metallischen Percussions unterstützt wird und sich über die bereits bekannten drei Noten hinausentwickelt. Dieses weiterentwickelte Hauptthema wird vom Chor aufgegriffen. Durch verschiedene Akzente, etwa die immer wiederkehrenden Flötenfiguren, wird eine gewisse Kälte vermittelt, die den neuen Kontinent Northrend repräsentiert. Ab 4:08 erklingt ein Solo-Cello, das eine eindringliche, leicht unheimliche Melodie spielt, bevor die Blechbläser mit voller Wucht zurückkehren und sich mit dem Chor vereinen. Bei 7:30 erleben wir schließlich einen triumphalen Ausbruch von A Call to Arms, einem Thema, das ebenfalls bereits in „Warcraft III“ zu hören war und hier seine bombastischste Variation erhält.

In „Cataclysm“ richtet der bösartige Drache Neltharion (alias Deathwing) Chaos und Zerstörung an – das spiegelt sich auch in der vierten Warcraft-Ouvertüre mit dem Namen The Shattering wider. Die obligatorische Einspielung des Hauptthemas fällt dieses Mal anders aus. Der Marschrhythmus ist durchsetzt von subtilen Fragmenten des Deathwing-Themas, klingt zersetzt und kommt einfach nicht recht in Gang. Es dauert fast zwei Minuten, bis das eigentlich Hauptthema erklingt, das wiederum nicht in Form des bekannten Motivs aus drei Noten auftaucht, sondern sofort in einer erweiterten Version mit Chor zu hören ist. In diesem zwölfminütigen Monster von einem Main-Title-Stück spielt der Chor ohnehin eine sehr prominente Rolle. Ab der dritten Minute wird der Tonfall elegischer, Streicher und Klavier übernehmen die Führung, später kommt noch ein Frauenchor hinzu. Ab 5:25 wird der Tonfall verspielter, das Stück stellt hier das Thema der Goblins vor, bevor es bei 5:58 zu dem getragenen Streichermotiv zurückkehrt, das bereits aus Legends of Azeroth bekannt ist. Bei 6:39 setzt eine weitere bekannte Melodie ein, dieses Mal Arthas‘ vom Chor gesungenes Thema, das bis zu „Wacraft III: The Frozen Throne“ zurückgeht und in „Wrath of the Lich King“ prominent vertreten war. Nach diesem eher tragischen Intermezzo kehrt The Shattering zurück zu den bedrohlichen Tönen, Chor, Streicher und Blechbläser sorgen für eine aggressive Atmosphäre, bis die Blechbläser bei 9:10 eine heroischen Ausbruch vorbereiten. Bei 10:30 kommt der Chor wieder hinzu und beendet The Shattering mit einem gänsehauterzeugenden Finale.

Die Musik von Add-on Nummer Vier, „Mists of Pandaria“, stellt eine größere stilistische Abweichung vom WoW-Stil dar, wie sich bereits im Main Title zeigt. Die Kultur der Pandaren, der neuen spielbaren Rasse dieser Erweiterung, ist stark asiatisch angehaucht, und das spiegelt sich auch in der Musik wider. Bereits am Anfang gibt es einen subtilen Vorgeschmack, bis dann der altbekannte Rhythmus des Hauptthemas einsetzt, dieses Mal wieder in traditionellem Gewand, jedenfalls bis bei etwa 1:25 vollständig eine ostasiatische Instrumentierung übernimmt. Der Stil dieser Ouvertüre, und des gesamten restlichen Soundtracks, erinnert stark an die Kung-Fu-Panda-Scores von John Powell und Hans Zimmer. Ostasiatisch angehauchte Filmmusik (bzw. Spielemusik) ist nun wahrlich keine Seltenheit, aber wie Powell und Zimmer gelingt es auch Brower und seinem Komponistenteam, eine ausgezeichnete Balance zwischen dem klassischen orchestralen Sound und den ostasiatischen Elementen zu finden, ohne das Letztere allzu klischeehaft klingen. Es ist tatsächlich ziemlich erstaunlich, wie gut sich beide Elemente des Scores von „Mists of Pandaria“ miteinander verbinden und wie die Instrumentierung es schafft, frischen Wind in die WoW-Musik zu bringen, ohne wie ein Fremdkörper zu wirken. Der klassische Warcraft-Sound verschwindet nie ganz und taucht beispielsweise bei 3:28 in Heart of Pandaria mit einem marschartigen Choreinsatz wieder auf. Darüber hinaus stellt das Stück auch diverse Themen vor, die in späteren Stücken wieder aufgegriffen werden, etwa ein hypnotisches Motiv, das mich an das Dschungelbuchlied Trust in Me erinnert (4:33) und in Going Hozen abermals erklingt, oder das Schlangenreiterthema (6:13), welches in Serpent Riders abermals zu hören ist. Insgesamt ist „Mists of Pandaria“ der vielseitigste, kreativste und schlicht beste WoW-Soundtrack; jedes Stück ist ein Highlight.

Das bislang letzte Add-on, „Warlords of Draenor“, kann da leider nicht ganz mithalten, muss sich aber dennoch nicht verstecken. Passend zum Titel und dem Orkfokus beginnt A Siege of Worlds mit der bislang martialischsten Variation des Hauptthemas, die von Percussions und einem Männerchor dominiert wird. Die gesamten ersten drei Minuten des Stücks sind von diesem Stil geprägt, das Schlagzeug haut drauf, die Blechbläser werden aggressiver und der Chor wetteifert mit ihnen. Erst ab der Dreiminutenmarke folgen einige eher lyrische Passagen, in denen eine Flöte die Hauptrolle übernimmt, bis sie von dramatischen Streichern und gemischtem Chor abgelöst wird, die ein vertraut klingendes Motiv spielen. Ab 5:49 wird die Musik regelrecht zärtlich und steht in krassem Kontrast zum martialischen Beginn des Stückes. Nach und nach baut sich ein vom Chor und Blechbläsern getragenes tragisch anmutendes Motiv auf, das dem Orkanführer Grommash Hellscream gilt. Dieser Tonfall dominiert das Stück bis zur Zehnminutenmarke, an der der martialische Tonfall vom Anfang mitsamt den donnernden Percussions, den aggressiven Blechbläsern und dem tiefen Männerchor zurückkehrt. Ab 10:45 ist schließlich das ein allzu vertrautes Thema aus „Warcraft III“ zu hören (Blackrock and Roll), das für ein weiteres, fulminantes Ende sorgt.

Und was bringt das Jahr 2016 für die Klangwelten von Azeroth? Zum einen Ramin Djawadis Score zu „Warcraft: The Beginning“, von dem ich hoffe, dass er dem Vermächtnis der MMORPG-Musik gerecht wird, und zum anderen den Soundtrack von „Legion“, dem sechsten WoW-Add-on, das mit ziemlicher Sicherheit die Qualität fortsetzen wird.

Siehe auch:
Stück der Woche: O Thanagor

Bloodline

Eventuell mit minimalen Spoilern!
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Ich denke, nach ihrem zweiten Roman kann man getrost sagen, dass Claudia Gray das Beste ist, was der literarischen Welt von Star Wars passiert ist, seit Disney das alte EU ad acta gelegt hat. Bereits mit „Verlorene Welten“ hat sie gezeigt, dass sie sich vorzüglich in der weit, weit entfernten Galaxis bewegen und stimmige neue Figuren kreieren kann, deren Lebensweg man als Leser gerne folgt. Mit „Bloodline“ zeigt sie nun, dass man ihr auch einen zentralen Charakter des Franchise völlig bedenkenlos anvertrauen kann – in diesem Fall Prinzessin Leia. Ich würde vielleicht sogar sagen, dass es sich hierbei um das beste Werk mit Leia-Fokus überhaupt handelt, allerdings gibt es davon nun nicht so viele und ich habe „Tatooine Ghost“, der vorher bei vielen diese Stellung einnahm, bisher nicht gelesen.

Darüber hinaus liefert „Bloodline“ einige Hintergründe zu „Das Erwachen der Macht“ und sollte vor allem von denjenigen unbedingt gelesen werden, die, wie ich, in Episode VII politischen Kontext vermissten. Wer dagegen ein klassisches Star-Wars-Abenteuer mit Raumschlachten, Action und Lichtschwertkämpfen sucht, wird hier sicher nicht fündig. Claudia Grays zweiter SW-Roman ist ein reinrassiger Politthriller, der ganz in der Tradition von James Lucenos „Schleier der Täuschung“ steht.

Die Handlung beginnt sechs Jahre vor den Ereignissen von „Das Erwachen der Macht“, noch herrscht Frieden – zumindest scheint es so. Während ihr Ehemann Han Solo seine Karriere als Rennfahrer und -organisator verfolgt und ihr Bruder Luke zusammen mit ihrem Sohn Ben in Jedi-Angelegenheiten in der Galaxis unterwegs ist, tut Leia Organa das, was sie schon immer getan hat: Sie erfüllt ihre Pflicht. Nun allerdings nicht mehr als Rebellenanführerin, sondern als Senatorin der Neuen Republik, die inzwischen tief gespalten ist. Der Senat der Republik teilt sich in zwei inoffizielle Fraktionen: Die Populisten, zu denen auch Leia gehört, setzen sich, immer noch abgeschreckt durch Palpatines Machtmissbrauch, für eine schwächere Regierung und eine stärkere Eigenverwaltung der Mitgliedswelten ein, während die Zentristen eine stärkere Zentralverwaltung anstreben. Zu diesem Zweck wollen sie einen „Ersten Senatoren“ mit größeren Macht- und Handlungsbefugnissen installieren. Obwohl die Kluft zwischen beiden Parteien immer weiter wächst, sieht Leia sich gezwungen, mit dem Zentristen-Senator Ransolm Casterfo zusammenzuarbeiten, da sich Hinweise auf eine Verschwörung anhäufen und der sich als Senat handlungsunfähig erweist. Diese Verschwörung konfrontiert Leia auf höchst unangenehme Weise mit dem dunklen Geheimnis ihrer Herkunft, das sie seit fast dreißig Jahren hütet – wer würde schon einer Senatorin trauen, deren Vater Darth Vader war?

Zwar war es nicht wirklich zu erwarten, aber dennoch sollte es noch einmal erwähnt werden: Wirkliche Enthüllungen gibt es hier nicht, Kylo Ren/Ben Solo und sein Fall zur Dunklen Seite spielen ebenso wenig eine Rolle wie Snokes wahre Identität (sofern er denn eine hat). Höchstens die eine oder andere Theorie könnte beeinflusst werden: So scheint es nun beispielsweise eher unwahrscheinlich, dass Kylo Ren selbst Rey auf Jakku versteckt hat, da er sechs Jahre vor Episode VII ja noch mit Luke als Jedi unterwegs war. Im Gegenzug erfährt man auch, dass er zu diesem Zeitpunkt noch nichts von seinem Großvater weiß und von dessen Identität wohl auf eher unangenehme Art und Weise erfährt, was seinen Fall zur Dunklen Seite begünstigt haben dürfte. Hin und wieder merkt man, dass die Story Group wohl noch Informationen zurückgehalten hat, das Gesamtbild ist jedoch, anders als bei so manchem anderen Roman der Einheitskontinuität, aufgrund der gewählten Perspektiven insgesamt stimmig.

Statt großer Enthüllungen gibt „Bloodline“ Kontext und zeigt die politischen Anfänge der Ersten Ordnung. Die Ausgangslage besitzt dabei sowohl ein historische wie auch aktuelle Bezüge. Zumindest mich haben die Parteien der Neuen Republik zuerst ein wenig an den römischen Senat erinnert, der sich ebenfalls in zwei inoffizielle Lager teilte: Optimaten und Popularen. Diese unterschieden sich allerdings nicht so sehr in inhaltlichen Fragen, sondern eher in der Art und Weise, wie sie Politik machten und ihre Ziele erreichten. Noch stärker sind die Parallelen zur aktuellen politischen Situation in den USA, die ebenfalls droht, das Land auseinander zu reißen. Es hätte mich tatsächlich nicht überrascht, wenn ein Zentristen-Senator etwas gesagt hätte wie: „We’ll make the Republic great again.“ Und es dürfte wohl auch kaum überraschen, dass die Erste Ordnung letztendlich aus den Zentristen „herauswächst“. Rian Johnson, Drehbuchautor und Regisseur von Episode VIII, hat einige Ideen zum Roman beigesteuert, was in mir die Hoffnung weckt, dass die politische Dimension in kommenden SW-Filmen wieder an Wichtigkeit gewinnt und dass die Erste Ordnung in Zukunft nicht nur wie das Imperium 2.0 wirkt, sondern die stärkere Eigendynamik entwickelt, die durch die Zentristen hier angedeutet wird.

Die wirkliche Stärke des Romans liegt jedoch vor allem in der Figurenzeichnung. Gray arbeitet mit einem verhältnismäßig kleinen Personal, dessen Potential sie deshalb sehr gut ausschöpfen kann. Vor allem Leias Charakterisierung ist vollauf gelungen, man erkennt sowohl die junge Rebellenführerin der OT, als auch die abgeklärte Generalin aus „Das Erwachen der Macht“ und sogar die Politikerin, als die Leia im alten EU dargestellt wurde. Ihre Frustration mit der Unfähigkeit des Senats, ihr Hadern mit der Vergangenheit und ihrem Vater – all das wird sehr authentisch und nachvollziehbar dargestellt. Die interessanteste Figur des Romans ist allerdings Ransolm Casterfo, der als Zentrist höchst differenziert und komplex gezeichnet wird. Einerseits sammelt er imperiale Memorabilia und bewundert die Einigkeit und Stärke des alten Imperiums, bzw. das Potential, das es in seinen Augen hatte, andererseits hasst er Darth Vader aus sehr persönlichen Gründen. Casterfo glaubt tatsächlich und aufrichtig daran, dass die zentrale Machtausübung, die seine Partei anstrebt, für die Galaxis das Beste wäre. Auch er ist authentisch und besitzt einen sehr nachvollziehbaren Standpunkt – ich hoffe, dass er in absehbarer Zeit wieder auftaucht. Auch die weniger wichtigen Nebenfiguren, etwa Greer Sonnel und Joph Seastriker (beide gehören zu Leias Stab) oder die Zentristen-Senatorin Carise Sindian, die man zu Beginn vielleicht nicht allzu ernst nimmt, was sich im Verlauf des Romans allerdings ändert, sind sehr gelungen.

Ebenso weiß „Bloodline“ stilistisch zu überzeugen; der Roman ist sehr angenehm und flüssig lesbar, ohne dass die Sprache allzu simpel oder banal wäre. Wie schon in „Verlorene Welten“ versteht es Gray, den Leser zu packen, selbst Nebenfiguren plastisch darzustellen und das Innenleben in ausreichendem Maße zu erforschen. Anders als in Alan Dean Fosters Episode-VII-Roman gibt es auch keine nervigen Perspektivwechsel mitten im Absatz.

Die eine oder andere Schwäche hat der Roman leider dennoch. Die Entwicklung der Handlung ist ziemlich vorhersehbar; sobald man sich als Leser in den aktuellen Status Quo eingefunden hat, ist es nicht schwer zu erraten, wie der Plot weitergeht, was noch geschieht und welcher Natur die Verschwörung ist. Das hängt aber natürlich auch damit zusammen, dass wir wissen, worauf das Ganze hinausläuft. Und da die Handlung ansprechend gestaltet ist, ist das auch nur eine kleine Schwäche, die einem unglaubwürdigen Twist allemal vorzuziehen ist. Eine weitere kleine Schwäche findet sich bei den Lokalitäten. Gray schafft es nicht, bei mir ein wirkliches Gefühl für die besuchten Planeten zu wecken. Das betrifft vor allem Hosnian Prime; auf der aktuellen Zentralwelt der Republik spielt ein Großteil der Handlung. Leider wird zu keinem Zeitpunkt klar, was diesen Planeten wirklich ausmacht und was ihn beispielsweise von Coruscant abhebt. Ebenso bleiben manche Aspekte des politischen Funktionsweise der Neuen Republik ein wenig schwammig. Aber insgesamt ist das nur Meckern auf hohem Niveau.

Fazit: „Bloodline“ ist ein überzeugender Politthriller mit gelungenen Charakteren, der die Hintergründe von Episode VII erforscht und sowohl die Erste Ordnung als auch die Neue Republik ein wenig greifbarer macht. Eine Fortsetzung würde sich hier definitiv anbieten, bis zu „Das Erwachen der Macht“ sind es ja noch sechs Jahre, die man füllen kann.

Siehe auch:
Verlorene Welten

Captain America: Civil War – Soundtrack

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Track Listing:

01. Siberian Overture
02. Lagos
03. Consequences
04. Ancestral Call
05. Zemo
06. The Tunnel
07. Celestial Bodies
08. Boot Up
09. New Recruit
10. Empowered
11. Standoff
12. Civil War
13. Larger Than Life
14. Catastrophe
15. Revealed
16. Making Amends
17. Fracture
18. Clash
19. Closure
20. Cap’s Promise
21. Adagio

Ich war absolut kein Fan von Henry Jackmans Musik für „Captain America: The Winter Soldier“, die vor allem zwei massive Schwächen hatte: Zum einen gab es keinerlei leitmotivische Kontinuität zum Rest des MCU und, noch viel schlimmer, der Score bestand bestenfalls (mit zwei, drei Ausnahmen), aus völlig stereotyper Remote-Control-Musik und schlimmstenfalls aus unhörbarem Elektronik-Gedröhne, das zumindest bei mir Ohrenbluten verursachte. Als Jackman dann in einem Interview zu Protokoll gab, dass der Track The Winter Soldier, das schlimmste Stück des Soundtrack-Albums zum gleichnamigen Film, einen guten Eindruck davon gebe, wie „Civil War“ klingen würde, habe ich schon alle Hoffnung begraben. Aber, siehe da, „Civil War“ ist die erste filmmusikalische Überraschung des Jahres. Sowohl die Industrial- als auch die Remote-Control-Elemente hat Jackman beim Komponieren massiv zurückgefahren und sich stattdessen eher an Brian Tylers und, primär, Alan Silvestris Stil orientiert, sodass „Civil War“ weitaus besser zum Rest des musikalischen MCU passt als „The Winter Soldier“. Einige eher unschöne Passagen mit dröhnendem elektronischem Sound-Design und dem infamen Horn of Doom gibt leider immer noch (zum Beispiel in der zweiten Hälfte von Lagos), aber insgesamt ist ein massiver Qualitätsanstieg spürbar.

Leitmotivische Kontinuität ist leider immer noch ein Knackpunkt. Es hätte mich wirklich extrem gefreut, hätte Jackman denselben Weg beschritten wie Brian Tyler, Danny Elfman und Christophe Beck, die in ihren jeweiligen MCU-Scores auch das Material anderer Komponisten verwendeten, aber dem ist, mit einer Ausnahme, leider nicht der Fall. Diese Ausnahme findet sich in Lagos bei 0:35, wo kurz und ziemlich subtil Alan Silvestris Avengers-Thema erklingt. Ansonsten bedient sich Jackman durchaus des Öfteren ähnlicher Stil- und Begleitfiguren wie seine Vorgänger, sodass es den Anschein hat, als würde gleich ein bekanntes Thema erklingen, dem ist aber leider nicht so. Lediglich seine eigenen Themen aus „The Winter Soldier“ greift Jackman wieder auf. Die beiden wichtigsten sind bereits in Siberian Overture zu hören, bei 1:48 ertönt der elektronische Schrei des Winter Soldier, und bereits kurz darauf baut sich Jackmans Captain-America-Motiv auf, dass hier (und im Rest des Scores) erfreulicherweise weit weniger klingt, als sei es aus Chris Nolans Dark-Knight-Trilogie entlaufen und bezüglich seiner Instrumentierung (optimistischer, mit mehr Blechbläsern und auch sehr viel heroischer) eher an Silvestris Themen für Cap und die Avengers erinnert. Beide Themen tauchen immer wieder im Score auf, das Cap-Thema entwickelt sich außerdem im Verlauf zu einem Motiv für Steve Rogers‘ Team – in Cap’s Promise etwa ist eine besonders triumphale Variation zu hören, die sich ab stetig 1:25 steigert, weitere tauchen in Standoff (direkt am Anfang) und Making Amends (ab 1:00) auf. Mehr von Buckys Schrei gibt es beispielsweise in Boot Up (1:46) und Fracture (2:08, sehr subtil). Der Anfang von Closure klingt darüber hinaus, als Versuche eine einsame Flöte, den Schrei aufzunehmen – steht das vielleicht für Buckys menschliche Seite?

Weitere neue Themen gibt es, aber sie sind recht schwer auszumachen. Jackman bedient sich einer eher motivischen Themenstruktur, die Leitmotive sind recht kurz, nicht allzu einprägsam und fließen relativ stark ineinander. Das tragisch anmutende Motiv, das u.a. in Stepping Up (1:25), Civil War (0:44), Catastrophe (1:42) und Cap’s Promise (2:21) erklingt, fungiert wohl als Thema für den Konflikt in der Superheldengemeinschaft, während das aufsteigende Dreinotenmotiv, das vage an Tylers Iron-Man-Thema erinnert (A New Recruit bei 1:34; Larger than Life, durchzieht das ganze Stück; Consequences, direkt am Anfang in melancholischer Variation), wohl auch für Tony Stark und sein Team steht. Darüber hinaus gibt es noch ein subtiles Motiv für Zemo, das an eine zurückhaltende, orchestrale Version des elektronischen Begleitrhythmus des Winter-Soldier-Themas aus Jackmans erstem Cap-Score erinnert (Zemo bei 0:45; Closure bei 0:50). Angeblich existieren darüber hinaus auch Motive für Spider-Man und Black Panther, die herauszuhören mir allerdings nicht wirklich gelungen ist – dazu müsste ich mir den Film nochmal ansehen.

Während die meisten der Suspense-Stücke der ersten Hälfte des Albums eher uninteressant sind und es immer mal wieder Ausbrüche von eher unschöner Remote-Control-Action gibt (das bereits erwähnte Lagos), zeichnet sich „Civil War“ vor allem durch einige wirklich gelungene Action-Set-Pieces aus. Schon The Tunnel weiß  wegen der gelungenen Verwendung von Caps Thema durchaus zu gefallen, während alles von Stepping Up bis Larger than Life den Albenhöhepunkt bildet, mit dem Titelstück Civil War als Herzstück des gesamten Scores – gerade hier zeigt Jackman, was er kann, wenn man ihn lässt; er lässt die Themen auf gelungene Weise miteinander interagieren und kanalisiert den heroischen Ton von Alan Silvestris Marvel-Musik, ohne sie einfach nur zu imitieren.

Fazit: Henry Jackmans „Captain America: Civil War“ ist kein Meisterwerk, aber eine gelungene Überraschung, ein solider Superhelden-Score, dem zwar die eingängigen Themen und thematische Kontinuität zum MCU fehlen, der dafür aber ein gelungenes Ausmaß an kompositorischer und leitmotivischer Intelligenz aufweist. Mein Favorit für die nächsten beiden Avenger-Scores wäre zwar nach wie vor Danny Elfman, aber sollten die Russos sich wieder für Jackman entscheiden, wäre das bei weitem keine so erschreckende Aussicht wie vor „Civil War“.

Siehe auch:
Captain America: Civil War

Captain America: Civil War

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Story: Nach einer folgenreichen Mission in Nigeria genießen die Avengers einen ziemlich schlechten Ruf, weshalb die Vereinten Nationen fordern, dass das Team von nun an vollständig unter ihre Kontrolle gestellt wird. Tony Stark (Robert Downey jr.), nach wie vor von Vergangenem und seinen Schuldgefühlen geplagt, unterstützt dieses Unterfangen, während Captain America (Chris Evans) die Initiative anzweifelt. Vielleicht hätten diese Probleme friedlich gelöst werden können, doch dann scheint es, als verübe der Winter Soldier (Sebastian Stan) einen weiteren Anschlag, der alles verkompliziert und zu einer Spaltung der Avengers führt: Die eine Hälfte des Teams stellt sich hinter Iron Man, die andere hinter Captain America. Derweil spinnt der mysteriöse Zemo (Daniel Brühl) Intrigen…

Kritik: Und da ist sie, die zweite große Superheldenprügelei des Jahres, die, soviel schon mal vorweg, weitaus besser gelungen ist als „Batman v Superman: Dawn of Justice“. Tatsächlich fühlt sich „Civil War“ an wie ein Film, nicht wie drei oder vier, die ineinandergeschnitten wurden.

Der zweite Captain-America-Film von Joe und Anthony Russo basiert sehr lose auf der gleichnamigen, von Mark Millar verfassten und Steven McNiven gezeichneten Miniserie, die zwischen Juli 2006 und Januar 2007 erschien – Captain America fungierte dort allerdings nicht als Titelheld. Dementsprechend hat die Verfilmung mit dem Comic auch nicht allzu viel zu tun, es wurden lediglich der Grundplot und ein paar Handlungselemente übernommen. Dazu gehört die staatliche Kontrolle der Superhelden sowie Captain America und Iron Man an der Spitze der beiden streitenden Parteien. Miriam Sharpe (Alfre Woodard), die trauernde Mutter, die Tony Stark die Schuld am Tod ihres Sohnes gibt, stammt ebenfalls aus der Vorlage. Und das war’s eigentlich auch schon, da die Ausgangslage im MCU eine völlig andere ist. Weder der Winter Soldier noch Zemo (die MCU-Version der Figur hat bis auf den Namen mit dem Comicgegenstück eigentlich nichts gemein) spielen bei Millar keine Rolle, tatsächlich fehlt im Comic ein traditioneller Schurke vollkommen. Dafür tauchen dort viele Figuren auf, die im MCU entweder noch nicht etabliert sind oder deren Rechte bei anderen Studios liegen, Reed Richards etwa ist ein wichtiger Unterstützer der Regierungsinitiative. Insgesamt ist die Vorlage weitaus grimmiger und düsterer als der Film. Erfreulicherweise schaffen es die Russo-Brüder und ihre Drehbuchautoren Christopher Markus und Stephen McFeely allerdings, viele Schwächen der Vorlage auszubügeln. Während die Grundprämisse von Millars Werk wirklich interessant ist, werden sowohl Steve Rogers als auch Tony Stark im Verlauf der Miniserie zu völlig verbohrten und sturen Arschlöchern, mit denen man einfach nicht mehr sympathisieren kann. Zum Beispiel erschaffen Tony und Reed einen Roboterklon von Thor, der unter Captain Americas Widerstandskämpfern aufräumen soll.

Die größte Stärke des Films ist, dass die Motivationen und Handlungen der beiden Parteien stets nachvollziehbar bleiben und man problemlos versteht, warum die wichtigen Figuren gerade so handeln, wie sie handeln (mit Ausnahme Hawkeyes vielleicht). Vor allem Tony Starks Handlungsbogen über den Film hinweg ist äußerst gelungen und erfreulicherweise meilenweit vom völlig rücksichtslos agierenden Tony der Vorlage entfernt. Ebenfalls sehr positiv ist die Art und Weise, mit der die Regisseure und Drehbuchautoren die offenen Fäden von „The Winter Soldier“ und „Age of Ultron“ miteinander verknüpfen. Das große Thema dieses Films sind Konsequenzen, Konsequenzen, die bis zum Anfang des MCU zurückgehen. Vor allem in der ersten Hälfte gelingt es den Russos, dieses Thema ansprechend umzusetzen. Ironischerweise fehlt „Civil War“ allerdings der konsequente Ausgang.

Insgesamt bemühen sich die Russos um einen schwierigen Drahtseilakt, sie versuchen die ernsteren Aspekte der Geschichte mit dem lockeren, selbstironischen Ton des MCU zu verknüpfen, was nicht immer ganz funktioniert – in „The Winter Soldier“ ist ihnen die diese Balance besser gelungen. Das hat zur Folge, dass diverse Einzelelemente, die für sich genommen sehr gut funktionieren, nicht immer miteinander harmonieren, vor allem in der zweiten Hälfte hätte dem Film ein wenig von der Grimmigkeit der Vorlage gut getan (wobei auch gesagt werden muss, dass Millar es diesbezüglich viel zu weit treibt) – gerade das Ende wirkt für meinen Geschmack zu versöhnlich, hier wäre ein besserer Mittelweg zwischen dem Ausgang des Films und dem des Comics wünschenswert gewesen. Der große Kampf der Fraktionen ist zwar unheimlich unterhaltsam, wirkt aber zu locker und lässt die nötige Intensität vermissen.

Wie nicht anders zu erwarten ist „Civil War“ eher ein Ensemble-Film denn ein wirklicher Captain-America-Streifen. Fast die jedes Mitglied der Avengers (mit Ausnahme von Thor und Hulk) taucht auf und wählt eine Seite. Der Comic-Fan freut sich darüber hinaus über diverse kleine Anspielungen. So verstehen sich beispielsweise Vision (Paul Bettany) und Wanda (Elizabeth Olsen) sehr gut – man ahnt, wo das hinführt. Mit General Ross (William Hurt) taucht darüber hinaus auch wieder eine Figur auf, die wir seit „Der unglaubliche Hulk“ nicht mehr gesehen haben.

Und dann wären da noch die Neuzugänge: Mit Spider-Man (Tom Holland) verhält es sich in meinen Augen ganz ähnlich wie mit Wonder Woman in „Dawn of Justice“: Ein Highlight, aber eines, das für die Geschichte eigentlich ziemlich überflüssig ist. Tatsächlich spielt Peter Parker in der Vorlage eine durchaus wichtige Rolle, aber eine völlig andere als im Film, weswegen sein Auftauchen hier nicht wirklich gerechtfertigt ist. T’Challa alias Black Panther (Chadwick Boseman), Prinz der fiktiven afrikanischen Nation Wakanda, dagegen hat wirklich einen eigenen, wenn auch kleinen, Handlungsstrang und ist für die Story von Bedeutung. Die meisten anderen neuen Figuren, etwa Martin Freeman als Everett Ross (der hoffentlich irgendwann auf Doctor Strange trifft) oder der von Daniel Brühl gespielte Helmut Zemo bleiben ziemlich blass – Letzterer besitzt allerdings durchaus Potential, das noch ausgeschöpft werden könnte.

Fazit: „Captain America: Civil War“ hätte das Potential gehabt, DER essentielle MCU-Film zu werden, ist jedoch leider „nur“ eine gute, aber nicht überragende Weiterführung der Avengers- und Captain-America-Handlungsstränge, unterhaltsam, actionreich, aber nicht konsequent genug.

Siehe auch:
Captain America: The Winter Soldier
Avengers: Age of Ultron
Ant-Man

Trailer