Batman v Superman: Dawn of Justice – Soundtrack

bvsscore

Track Listing:

CD 1:
01. Beautiful Lie
02. Their War Here
03. The Red Capes Are Coming
04. Day Of The Dead
05. Must There Be A Superman?
06. New Rules
07. Do You Bleed?
08. Problems Up Here
09. Black and Blue
10. Tuesday
11. Is She With You?
12. This Is My World
13. Men Are Still Good (The Batman Suite)

CD 2 (Special Edition Bonus Tracks):
01. Blood of my Blood
02. Vigilante
03. May I Help You, Mr. Wayne?
04. They Were Hunters
05. Fight Night

Hans Zimmer ist nicht der erste Komponist, der für mehrere Inkarnationen des Dunklen Ritters die Musik schrieb. Christopher Drake komponierte sowohl Scores für diverse DC-Zeichentrickfilme, darunter etwa „Batman: The Dark Knight Returns“, „Batman: Year One“ und „Batman: Under the Red Hood“, als auch für das Spiel „Batman: Arkham Origins“ (in meinen Augen seine in dieser Hinsicht bislang gelungenste Arbeit). Zimmer besitzt aber einen völlig anderen Bekanntheitsgrad, weshalb dieser Umstand viel mehr Aufmerksamkeit erregte. Zimmer zeigte sich im Vorfeld von „Batman v Superman: Dawn of Justice“ eher zögerlich und erklärte schließlich, dass er sich für Snyders zweiten DC-Film („Watchmen“ nicht mitgerechnet) vor allem weiter um die Superman-Musik kümmern würde, während der Holländische DJ und Komponist Tom Holkenborg alias Junkie XL („Mad Max: Fury Road“, „300: Rise of an Empire“) die Batman-Seite der Geschichte vertonen würde. Diese Kollaboration ist nun wahrlich nichts Besonderes, Holkenborg ist ein Komponist aus Zimmers Score-Schmiede Remote Control Productions und arbeitete bereits an „The Dark Knight Rises“ und „Man of Steel“ mit, für „Dawn of Justice“ wurde er also lediglich zum Co-Komponisten befördert. Letztendlich hat Zimmer dann, laut eigener Aussage, doch auch am neuen Batman-Thema mitgewirkt, es war also eine vollständige Kollaboration. In Interviews betonten Zimmer und Holkenborg , wie schwer es gewesen sei, für einen ikonischen Charakter wie Batman einen neuen Sound zu entwickeln. Das Ergebnis hat mich allerdings absolut nicht überzeugt.

Wie nicht anders zu erwarten, baut der Score stark auf dem Stil des Vorgängers auf: Extrem simple melodische Konstrukte, ausgeprägter Minimalismus, tief dröhnende Bässe, viele, viele Percussions und noch mehr Elektronik und synthetisches Sounddesign. Stilistische Kontinuität ist also gegeben, was normalerweise bei mir ein Pluspunkt wäre, aber bei DIESEM Stil… Mir gelingt es bei dieser Art von Soundtrack kaum, mich emotional auf die Inhalte einzulassen. Gerade bei „Man of Steel“ habe ich oft das Gefühl, dass Zimmer sich hier an einer neuen Form des Micky-Mousing versucht: Statt wie beim herkömmlichen Micky-Mousing die Bewegungen auf der Leinwand direkt in Musik umzusetzen, werden die Soundeffekte imitiert. Wenn der Weltenwandler auftaucht und seine Strahlen verschießt, sind Musik und Soundeffekte kaum mehr unterscheidbar, was ich ebenso unsinnig wie unnötig finde. Anstatt nur zu dröhnen, könnte die Musik etwas über die Emotionen der Figuren oder die Bedeutung der Szene verraten. Das ist in Actionszenen besonders relevant (und gilt natürlich auch für „Dawn of Justice“): Das Übermaß an Percussions kommt zu den Soundeffekten nur hinzu, ohne irgendetwas auszusagen, und ist dann auch noch so simpel und unkreativ wie möglich. Das ist für mich kaum noch Musik, das ist Lärm.

Nicht nur stilistisch, sondern auch thematisch wird das eine oder andere Element wieder aufgegriffen. Von einer tatsächlichen Weiterentwicklung kann allerdings kaum die Rede sein. In „Man of Steel“ gab es immerhin eine minimale Entwicklung des Supermanthemas, das in Tracks wie Flight oder What Are You Going to Do When You Are Not Saving the World? immerhin halbwegs heroisch klang. Wer eine derartige Version des Themas in „Dawn of Justice“ sucht, wird wohl bitter enttäuscht werden. Außerdem klingt jede Version des Themas in diesem Score, als wäre sie direkt aus „Man of Steel“ übernommen worden. In Day of the Dead ist die klavierlastige Clark-Kent-Version direkt am Anfang zu hören, für Superman hat Zimmer das Thema im Vergleich zum Vorgänger sogar auf zwei, drei Notenpaare reduziert, die ebenfalls in Day of the Dead (ab 1:12) mehrmals erklingen und abermals völlig ohne Veränderung übernommen wurden. In der zweiten Hälfte von Day of the Dead spielt Zimmer noch ein wenig mit diesen Paaren. In This Is My World erklingt noch einmal die Clark-Kent-Variation (so gut wie identisch zur vorherigen) und eine aufsteigende Tonfolge, die ebenfalls mit dem Supermanthema zusammenhängen könnte und stark an das Ende von If You Love These People aus „Men of Steel“ erinnert. In Men Are Still Good (The Batman Suite) ist noch ein paar Mal die unveränderte Superman-Version zu hören, und das war’s dann auch schon im Großen und Ganzen.

Kommen wir nun zu den essentiellen neuen Themen, von denen es drei gibt. Das erste gehört zu Lex Luthor und ist ausgiebig in The Red Capes Are Coming und am Anfang von Problems Up Here zu hören. Besagtes Thema ist eindeutig mein Favorit, da es wie etwas klingt, das eher zu „Pirates of the Caribbean“ oder „Sherlock Holmes“ passt, Zimmer-Scores also, die mir tatsächlich gefallen. Das Luthor-Thema wird von Klavier und Geigen gespielt, ist ebenfalls sehr simpel, aber abgedreht und unterhaltsam, was sich vom Rest des Soundtracks nicht sagen lässt. Auch passt das Thema recht gut zu dieser Interpretation von Lex Luthor, die mir zwar nicht zusagt, aber dafür kann man Zimmer und Holkenborg nicht die Schuld geben. Aber selbst hier zeigt sich eines der Probleme bezüglich der Leitmotive bei „Dawn of Justice“: Sie werden kaum variiert und eine Entwicklung sucht man vergebens. Selbiges trifft leider auch auf das Wonder-Woman-Thema zu, das sich auf dem Album nur ein bzw. mehrmals kurz hintereinander findet (Is She With You?, gleich zu Beginn), im Film selbst aber noch an ein, zwei weiteren Stellen erklingt. Es handelt sich dabei wiederum um ein sehr simples Motiv, das auf dem elektrischen Cello gespielt wird; hierfür heuerte Zimmer extra die Cellistin Nina Guo an. Das Positivste, was sich über dieses Thema sagen lässt ist, dass es aus dem Rest des Scores ziemlich heraussticht. Ansonsten habe ich aber massive Probleme, dieses Thema mit Wonder Woman zu assoziieren, weil ich es fürchterlich unpassend finde. Wonder Woman sollte eine erfahrene, ausgeglichene Kriegerin sein, hier höre ich aber ausschließlich unangebrachte und chaotische Aggressivität.

Und schließlich das Batman-Thema, das auch das erste ist, das auf dem Album zu hören ist (Beautiful Lie): Es besteht im Kern aus sechs identischen Hornstößen in einem bestimmten Rhythmus, oft untermalt von Percussions oder Chor. An ein, zwei Stellen wird es zusätzlich noch von einer leicht auf- und absteigenden Tonfolge aus zwei Akkorden begleitet, die entfernt tatsächlich an eine Melodie erinnert und zum Beispiel in Their War Here, ab 0:13 und Men Are Still Good (The Batman Suite) ab 11:55 erklingen. Ich gehe mal davon aus, dass es sich bei dieser Kombination um das eigentliche Thema handelt, was sich aber schwer feststellen lässt, weil sie kaum auftaucht. Wirklich? DAS ist das Beste, was Zimmer und Holkenborg für Batman eingefallen ist? Mal ehrlich, das kann man kaum ein Batman-Thema nennen, das ist eher ein Batman-Rhythmus. Zugegeben, es gibt ein paar Stellen, an denen dieses Konstrukt halbwegs effektiv ist, etwa in der Eröffnungsszene, die die Ermordung der Waynes thematisiert; Aufbau und Andeutung des Motivs sind hier recht akzeptabel und funktional. Die Probleme, die dieses „Thema“ mit sich bringt sind mannigfaltig: Es ist so simpel, dass es außer Aggressivität nichts ausdrückt. Es kann nicht fragmentiert werden, die Variationsmöglichkeiten sind extrem beschränkt und nach den ersten beides Tracks des Albums bereits fast vollständig ausgeschöpft. Da es aber ohne nennenswerte Abwandlung ständig gespielt wird (neben den bereits genannten Tracks u.a. auch in New Rules, Do You Bleed, Black and BlueVigilante und Fight Night) beginnt es sehr schnell nervig zu werden.

Beim Titel des Films könnte man nun erwarten, dass sich die beiden Themen ebenso wie die zugehörigen Helden duellieren, das ist aber kaum der Fall. Ansätze finden sich vielleicht noch in Do You Bleed?, es gibt ein paar Statements des Batman-Rhythmus und hin und wieder meint man, zwei Noten des Superman-Themas zu hören, aber all das geht im Lärm der Percussions und im Dröhnen der Ohrenkrebs erzeugenden Elektronik unter. Diese beiden Elemente setzen Zimmer und Holkenborg leider auch sehr ausgiebig ein. Sobald die Action losgeht, wird ohne Rücksicht auf Verluste losgetrommelt, und einige Tracks des Albums sind für mich wirklich unerträglich – das beste Beispiel ist Must There Be a Superman, und Tuesday ist kaum besser. Wie einige andere Soundtrack-Rezensenten bin ich auch zu der Ansicht gelangt, dass „Dawn of Justice“ oftmals eher wie ein Horror- denn ein Superheldenscore klingt, und leider nicht mal ein besonders guter Horror-Score.

Fazit: Die Musik, die Hans Zimmer und Tom Holkenborg für „Batman v Superman: Dawn of Justice“ komponiert haben, weist vielleicht eine Handvoll gelungener Momente auf, ist aber übermäßig simpel, repetitiv, minimalistisch, substanzlos, nervig und in einigen Tracks schlicht unerträglich. Thematische Entwicklung oder Variation ist praktisch nicht vorhanden, die neuen Leitmotive sind ziemlich unpassend und wenn doch mal eine brauchbare Idee auftaucht, wird sie zumeist in nervtötenden Percussions und hässlicher Elektronik erstickt. Es wird Zeit, dass dieser Trend in der Filmmusik ausstirbt.

Siehe auch:
Man of Steel – Soundtrack
Music of the Bat

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11 Kommentare zu “Batman v Superman: Dawn of Justice – Soundtrack

  1. Ich bewundere ja immer, dass du dich so ausführlich auch mit den Scores auseinandersetzt, die dir nicht gefallen! Hut ab! 🙂

    • hemator sagt:

      Danke 🙂
      Bei dem hier hat sich einiges an Ärger und Frustration aufgestaut, das ich möglichst detailliert loswerden wollte. Ich bin halt Batman-Fan und will für meinen Lieblingssuperhelden qualitativ hochwertige Musik. Und ich will mir nicht nachsagen lassen, ich fände ihn nur schlecht, weil ich mich nicht eingehend mit ihm beschäftigt habe. Normalerweise beschäftige ich mich dann doch lieber mit Scores, die mir auch gefallen haben 😉
      Nach der Analyse musste ich dann auch erst mal wieder ausgiebig meinem liebsten Batman-Thema lauschen 😀

      • Ah, na also, geht doch auch episch ohne Lärm! 😉

      • hemator sagt:

        Nicht wahr? Genau SO sollte Batman klingen, finde ich. Stammt aus den Batman-Zeichentricksachen der 90er und wurde von Shirley Walker, der Grande Dame der Zeichentrickmusik, die leider schon 2006 verstorben ist, komponiert. Ironischerweise hat Hans Zimmer bei diesem speziellen Score den Synthesizer bedient 😀

      • Hehe. Er könnte es also besser wissen… Wobei ich ja frühere Scores von ihm durchaus mochte, insbesondere zu „Gladiator“, „The Rock“, „Pirates of the Caribbean“ – und bei meinem Lieblings-Batman „The Dark Knight“ war er ja anscheinend auch beteiligt. Bei mir ging die Abkühlung mit „Inception“ los: Da fand ich beim ersten Ansehen des Films die Musik noch total geil, und beim zweiten Ansehen MEGA nervig.

      • hemator sagt:

        Ja, geht mir sehr ähnlich, „Pirates 3“ ist ja sogar einer meiner absoluten Lieblingsscores. Mit seinen drei Scores zur Dark-Knight-Trilogie habe ich so meine Probleme, weil die stilistischen Ansätze für MoS bzw. BvS schon vorhanden sind – aber verglichen mit der Musik zu „Dawn of Justice“ sind das regelrecht Meisterwerke. 😉 Der letzte Zimmer-Score, der mir gut gefallen hat, stammt lustigerweise sogar aus diesem Jahr: „Kung Fu Panda 3“. Wobei ich mich mit dem noch nicht ausgiebig beschäftigt habe, aber was ich bislang gehört habe, hat mir gut gefallen. Wobei nicht klar ist, wie viel davon Zimmer selbst und wie viel sein „Assistent“ Lorne Balfe geschrieben hat, es kann also gut sein, dass eigentlich Balfe die Lorbeeren verdient 🙂

    • hemator sagt:

      Ist immer schön, die eigene Meinung bei anderen wiederzufinden. 😉 Geschmack ist natürlich Geschmack, aber ich finde es schon etwas irritierend, wie oft diese dröhnende Ausgeburt von einem Score gelobt wird – das kann ich nun wirklich kaum nachvollziehen. Sonst bin ich ja immer für thematische Kontinuität, aber ich hoffe inständig, dass die Scores der anderen DC-Filme sich von diesem distanzieren.

      • Lasse Vogt sagt:

        Allerdings. Wie wäre es mal mit einem Superhelden-Score von Alexandre Desplat, Howard Shore oder mal wieder John Williams? John Powell und Harry Gregson-Williams (in ihrem Orchester-Modus) sind natürlich auch mehr als gern gesehen.

      • hemator sagt:

        Wäre ich sofort dabei 😉 Mein Traum-Score für einen Justice-League-Film stammt von John Powell im X-Men-3-Modus. Aber mit ziemlicher Sicherheit wird das auch wieder eine wummernde und dröhnende Zimmer/Holkenborg-Geschichte. Immerhin gibt’s Ende des Jahres ja einen Star-Wars-Score von Desplat, da bin ich schon ziemlich gespannt. Von Harry Gregson-Williams hätte ich mal wieder gerne ein historisches Epos.

      • Lasse Vogt sagt:

        Bei Animationsfilmen blüht Gregson-Williams auch immer auf. John Powell wäre in der Tat toll für einen Film mit Flash, Christopher Young passt gut zu Aqua-Man und G.-Williams zu Wonder Woman. Aber ehrlich gesagt ist mir jeder Komponist recht, solange er nur mehr anbieten kann als Hans Zimmer zuletzt in der Richtung.

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