Batman v Superman: Dawn of Justice

bvs
Story:
18 Monate, nach dem die Kryptonier unter General Zod (Michael Shannon) die Erde angegriffen haben und von einem der Ihren besiegt wurden, ist Superman (Henry Cavill) eine höchst umstrittene Figur: Manche sehen den Mann aus Stahl als Erlöser, andere sind der Meinung, er sei eine globale Bedrohung für die Menschheit. Zu Letzteren gehört auch Bruce Wayne (Ben Affleck), der die Resultate des Kampfes zwischen Superman und Zod aus nächster Nähe miterlebt hat. Zufälligerweise ist er auch Batman, und als solcher hat er wohl am ehesten eine Chance, Superman zu besiegen, sollte er sich gegen die Menschheit wenden. Der Großindustrielle Lex Luthor (Jesse Eisenberg) sieht die Situation ganz ähnlich, arbeitet aber noch aktiver gegen den Mann aus Stahl und versucht, eine Superheldenkonfrontation herbeizuzwingen. Natürlich hat er auch noch einige zusätzliche Asse im Ärmel…

Kritik: Wie sich herausgestellt hat, sind Hollywood-Studios einfach nicht lernfähig: Mit „Batman v Superman: Dawn of Justice“ begeht Warner Bros. im Großen und Ganzen fast dieselben Fehler wie Sony mit „The Amazing Spider-Man 2“. Mit anderen Worten: Das erste Aufeinandertreffen der beiden ikonischen Figuren Batman und Superman ist ein Film, der ziemlich an Persönlichkeitsspaltung leidet und äußerst überladen wirkt – viele der Dinge, die ich im Vorfeld befürchtet hatte, sind tatsächlich auch eingetroffen.

Aber werfen wir zuerst einen Blick auf die Dinge, die mir gut gefallen haben. Vor allem in einem Punkt ist eine sehr deutliche Verbesserung gegenüber „Man of Steel“ spürbar: Die Kameraführung. Zum Glück hat Snyder dieses Mal auf die fürchterliche (und im Fall von „Man of Steel“ völlig nutzlose) Shaky-Cam verzichtet, sodass „Dawn of Justice“ sehr viel angenehmer zu schauen ist als der Vorgänger. Allgemein gilt: Stilistisch ist „Dawn of Justice“ näher an „Watchmen“ als an „Man of Steel“, was ich ebenfalls begrüße, denn bei Snyders Superman-Film bin ich einfach das Gefühl nicht losgeworden, dass er versucht hat, Nolans Stil zu kopieren. Auch einige der Darsteller haben ihre Sache wirklich gut gemacht, dazu gehören vor allem die drei Neuzugänge Ben Affleck, Gal Gadot und Jeremy Irons. Ich mochte den an „Batman: Earth One“ angelehnten, jüngeren und aktiveren Alfred, der eher Mechaniker denn Butler ist. Wonder Woman hatte noch keine wirklich große Rolle, weswegen dieses Urteil vielleicht ein wenig verfrüht ist, aber das, was von ihr zu sehen war, war doch schon sehr überzeugend. Und schließlich Ben Affleck, der wirklich gut als Bruce Wayne und Batman funktioniert, sowohl optisch als auch schauspielerisch. Leider ist die Figurenkonzeption wieder eine andere Geschichte… Und dann sind da noch einige wirkliche eindrucksvolle Set-Pieces, etwa die bereits aus dem letzten Trailer bekannte Bat-Rettung, DCs Trinität in Aktion und nicht zuletzt der titelgebende Kampf selbst, sofern man dessen Ende ausklammert.

Die Probleme des Films sind vor allem struktureller und narrativer Natur. Wie bei „The Amazing Spider-Man 2“ ist sehr deutlich, dass Warner unbedingt ein größeres Superheldenuniversum etablieren möchte, aber nicht die nötige Geduld dafür hat. „Dawn of Justice“ ist höchst inkohärent und unfokussiert, weil Snyder (und/oder Warner) zu viel gleichzeitig möchten: Der Film soll „Man of Steel“ fortsetzen, er soll Batman und Wonder Woman und ein größeres „DC Extended Universe“ etablieren und die Justice League vorbereiten. Und viel Action muss es auch noch geben. Nur leider schafft es das von David S. Goyer und Chris Terrio verfasste Drehbuch nicht, all das sinnvoll miteinander zu verknüpfen. Vor allem im ersten Drittel werden viele interessante Punkte aufgeworfen, es wirkt mitunter, als reagiere „Dawn of Justice“ auf die kritische Rezeption des Vorgängers. Dabei gelingt es Snyder aber einfach nicht, einen guten narrativen Fluss in das Unterfangen zu bringen, die einzelnen Handlungsstränge wirken oft nur angerissen und nicht konsequent zu Ende gedacht. Eine der größten Schwächen des Films ist der von Jesse Eisenberg dargestellte Lex Luthor, der mir rundum überhaupt nicht gefallen hat. Eisenbergs Performance wirkt, vor allem wegen der Körpersprache und den Ticks, als versuche er, Heath Ledgers Joker zu kanalisieren, was für mich einfach nicht funktioniert. Außerdem bleibt er als Figur völlig flach und undurchsichtig. Warum hasst er Superman? Einfach aus Angst vor dem, was er tun könnte? Warum will er, dass Superman Batman tötet? Haben sie einen gemeinsamen Hintergrund? Luthor weiß, dass Bruce Wayne Batman ist. Woher? Und so weiter, und so weiter. Ganz allgemein gibt es ziemlich viele Logiklöcher und offene Fragen, nicht nur in Bezug auf Luthor.

Auch mit der Konzeption der beiden Hauptfiguren habe ich einige Probleme. Superman wirkt vor allem zu Anfang sehr selbstgerecht und arrogant. Er hadert mit sich, stellt sich interessante Fragen, aber letztendlich ist das eher Alibi-mäßig, denn eine wirkliche Entwicklung macht er nicht durch. Bruce Wayne ist da für mich nachvollziehbarer, vor allem dank der Szene zu Anfang, in der er die Schlacht zwischen Zod und Superman als Zuschauer miterlebt und die eine der besten des Films ist. Hier wird eindrücklich und intensiv die Hilflosigkeit Bruce Waynes vermittelt. Der weitere Aufbau der Figur, die Entwicklung bis zur Auseinandersetzung der beiden Superhelden, hätte zwar noch besser dargestellt werden können, ist aber doch recht funktional. Der Kampf selbst ist beeindruckend, endet dann aber sehr abrupt, und ganz plötzlich sind Batman und Superman auf derselben Seite. Auch hier wird die Charakterentwicklung nicht deutlich, sie macht einen Sprung, der besonders am Ende (das auch sehr problematisch ist und über das ich an anderer Stelle noch schreiben werde) sehr negativ auffällt. Außerdem finde ich die Kollateralschäden, die dieser Batman einzugehen bereit ist, irgendwie störend, das wirkt für mich ziemlich Out of Character. Ja, dieser Batman tötet. Und das ist wirklich eine essentielle Veränderung im Charakter der Figur. Insgesamt habe ich den Konflikt der Weltsichten vermisst. Wenn Batman und Superman in den Comics aneinander geraten, hängt das fast immer mit ihrer persönlichen Philosophie und Weltsicht zusammen. Gewisse Ansätze waren da, aber wie so vieles bleiben sie unterentwickelt. Oft fand ich die Figuren in ihrer Konzeption nicht recht greifbar, was es mir schwerer gemacht hat, mich emotional auf sie einzulassen (dieses Problem war auch in „Man of Steel“ schon vorhanden). Die mangelnde emotionale Kapazität des Films könnte natürlich auch mit dem Score von Hans Zimmer und Junkie XL zusammenhängen, den ich ziemlich fürchterlich fand.

Und dann wären die diversen DC-Tie-ins, die sehr ungeschickt und unmotiviert platziert wurden. Wie gesagt, ich mochte Wonder Woman, aber im Grunde ist sie für diesen Film fast überflüssig. Die Cameo-Auftritte einiger anderer DC-Figuren sind extrem plump und haben im Grunde wirklich keinen anderen Zweck, als die Justice-League anzuteasern. Ebenso wirkt „Bat Max: Fury Road“ eher verwirrend denn erhellend. So uninspiriert Thors Ausflug in die Nornenhöhle in „Age of Ultron“ auch war, immerhin hat Joss Whedon es geschafft, ihr ein wenig Plotrelevanz zu verpassen.

Fazit: „Batman v Superman: Dawn of Justice“ ist visuell beeindruckend und hat durchaus gelungen Elemente, vor allem Ben Affleck als Batman, hat aber einige massive Plot- und Drehbuchprobleme. Der Film soll zu viel leisten und arbeitet alles letztendlich nur sehr halbherzig ab, besonders die Charakterisierung von Batman, Superman und Lex Luthor erweist sich öfter als problematisch. Letztendlich sind hier zu viele Filme in einem gelandet.

Trailer

Kampf der Giganten:
Prämisse
TDKR: Batman vs. Superman
S:TAS: World’s Finest
Kingdom Come
Brian Azzarellos Wonder Woman
Lex Luthor: Man of Steel

Siehe auch:
Man of Steel

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2 Kommentare zu “Batman v Superman: Dawn of Justice

  1. Komme gerade aus dem Kino und sehe vieles ganz ähnlich wie du. Die Musik fand ich auch ganz grauenhaft, obwohl Junkie XL (Tom Holkenberg) ja auch die Musik von „Mad Max: Fury Road“ geschrieben hat (an einer Stelle habe ich das auch rausgehört, obwohl ich NICHT wusste, dass das derselbe war), die ich richtig geil fand. Ich schiebe es mal auf Hans Zimmers schlechten Einfluss… 😉

    Jesse Eisenberg hat mir als Lex Luthor allerdings Spaß gemacht, wobei du Recht hast: Man erfährt nicht, warum er will, dass Superman Batman tötet. Wobei, im Grunde genommen hätte er ja damit beide Superhelden aus dem Weg geschafft: Batman wäre tot und Superman diskreditiert…

    Ganz übel überflüssig fand ich den „Troll“ am Ende. Ich hatte Boromirs Spruch: „They have a cave troll!“ auf den Lippen, als dieser „geboren“ wurde. Warum müssen die Widersacher von Superhelden immer so überdimensioniert sein? Das nervt!

    • hemator sagt:

      Zur Musik werde ich noch einen sehr ausführlichen Artikel schreiben und den Score genüsslich auseinander nehmen. 😉 Hans Zimmers Einfluss ist auf jeden Fall sehr dominant, das war er aber auch schon bei „Mad Max: Fury Road“ – tatsächlich ist Junkie XL ja einer der Komponisten aus Hans Zimmers Firma Remote Control Productions und hat auch schon an „Man of Steel“ und „The Dark Knight Rises“ mitkomponiert, wobei die Musik von „Mad Max: Fury Road“ massiv von „Man of Steel“ beeinflusst ist. Vom Mad-Max-Score bin ich auch nicht unbedingt begeistert, aber dieser Stil funktioniert in meinen Augen (bzw, meinen Ohren :D) im Kontext eines Endzeitfilms viel besser als bei einem Superheldenfilm.

      Der „Troll“ heißt Doomsday und stammt tatsächlich aus den Comics und ist dort auch so überdimensioniert und sagen wir mal, recht zweckgebunden, es hat schon einen ganz spezifischen Grund, warum man sich für ihn entschieden hat. 😉 Es war ja davon abgesehen relativ klar, dass Lex Luthor irgendjemanden oder -etwas braucht, das er am Ende gegen Superman ins Feld führen kann, damit sich die Helden verbünden. Ich hätte allerdings jemanden wie Metallo (ein Cyborg mit Kryptonit-Herz) bevorzugt, weil das ein Charakter und nicht nur ein Monster ist.

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