Lex Luthor: Mann aus Stahl

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Lex Luthor ist ein sehr interessantes Objekt, um die Entwicklung von Superheldencomics zu betrachten, speziell, wenn es um Schurken geht. In früheren Zeiten hatte Lex Luthor eine sehr einfache, wenn auch ziemlich alberne Motivation: Er und Superman kannten sich als Teenager in Smallville, bei einem Unfall verlor Lex Luthor seine Haare, und für diesen Unfall machte er Superman verantwortlich. In den Comics der Silver Age betätigte Luthor sich entweder als verrückter Wissenschaftler und ließ irgendwelche gezüchteten oder mechanischen Absonderlichkeiten auf Superman los, oder er versuchte, dem Mann aus Stahl mithilfe seiner grünen, Iron-Man-ähnlichen Rüstung auf den Leib zu rücken. Beides kommt durchaus in modernen Comics noch vor, wenn auch weniger albern, was sich aber fundamental geändert hat, ist die Motivation.

Ich habe Lex Luthor in zwei Inkarnationen kennen gelernt. Zum einen hätten wir da den von Gene Hackman dargestellten Lex aus den Christopher-Reeve-Filmen, den ich nie wirklich ernst nehmen konnte. Diese Version der Figur hat es vor allem auf Landbesitzt abgesehen, im ersten Superman-Film von 1978 versucht er, die San Andreas Verwerfung durch ein künstliches Erdbeben zu zerstören, um den Wert seines Landbesitzes ins Unermessliche zu steigern. Ganz ähnlich denkt auch der von Kevin Spacey dargestellte Luthor in „Superman Returns“: Hier versucht er, mithilfe von kryptonischen Kristallen einen neuen Kontinent zu erschaffen. In beiden Fällen ist Luthor nicht wirklich ernst zu nehmen und erinnert an einen eher albernen Bondschurken. Um ehrlich zu sein, ich kann mit dieser Version der Figur kaum etwas anfangen. Der Lex Luthor, den ich bevorzuge, stammt aus „Superman: The Animated Series“ und den Comics der 90er: Der skrupellose Geschäftsmann und Meistermanipulator, dem man nie etwas nachweisen kann und der eine ziemlich komplexe Motivation besitzt. Genau diese Version der Figur erforschen Brian Azzarello und Lee Bermejo in ihrer fünfteiligen Miniserie „Lex Luthor: Mann aus Stahl“, deren Lektüre sich für alle lohnt, die sich mit der Persönlichkeit von Supermans Erzfeind beschäftigen wollen.
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Die Miniserie schildert im Grunde einen Tag im Leben von Lex Luthor und zeigt ihn als komplexen Charakter mit nachvollziehbarer Motivation. Er sieht Superman als Bedrohung für die Größe des Menschen, als falschen Erlöser. In Luthors Augen ist Superman ein emotionsloses Alien, das das menschliche Potential einschränkt. Dementsprechend sehen wir Superman in diesem Comic auch durch Luthors Augen: Sein Gesicht zeigt selten Emotionen und ist meistens im Schatten, seinen Augen glühen fast immer rot und er spricht kaum ein Wort. Entweder, man sieht ihn in Aktion, oder er schwebt stumm über allem, als ständige, unmenschliche Bedrohung.

Im Gegensatz dazu ist Lex Luthor hier eine komplexe Figur, deshalb aber kaum weniger schurkisch. Luthor sieht sich selbst als Held, als ein Vordenker, der das Menschliche Potential ausnutzt, um das bevormundende Alien zu bekämpfen. Vor allem zu Beginn ist Luthor fast sympathisch, er kümmert sich um seine Angestellten, ist intelligent, charmant und scharfsinnig und man muss zugeben, seine Argumente haben durchaus Hand und Fuß. Im Verlauf des Comics gehen gehen seine Taten und sein Innerer Monolog allerdings immer weiter auseinander. Azzarello zeigt gekonnt, was für ein Kontrollfreak Luthor ist und wie weit er geht, um in allen Bereichen die Kontrolle zu besitzen. So erschafft er einen weiblichen Androiden mit Superkräften, der Superman ersetzen soll, verliebt sich sogar in ihn (während er seine Sekretärin, die sehr viel für ihn übrig hat, die er aber nicht kontrollieren kann, völlig ignoriert), nur um ihn dann zu zerstören, als es passend ist. Der Hass auf Superman rührt letztendlich daher, dass Luthor ihn einfach niemals beherrschen kann. Und ein wenig Eifersucht ist natürlich auch mit im Spiel.

Nach allem, was ich bisher weiß, könnte ich mir durchaus vorstellen, dass sich Zack Snyder, David S. Goyer und Chris Terrio bei der Konzeption von Lex Luthor in „Batman V Superman: Dawn of Justice“ bei Azzarellos Miniserie inspiriert haben. Das bisherige Material weist zwar nicht auf optische Parallelen hin, und auch bezüglich des Auftretens scheint es einige Unterschiede zu geben, aber gerade bei Motivation und persönlicher Philosophie scheint es einige Gemeinsamkeiten zu geben. Besonders interessant ist auch, dass Batman hier einen, wenn auch kurzen, Auftritt hat. Bruce Wayne und Lex Luthor haben an einer Stelle ein interessantes Gespräch, das inhaltlich durchaus zu „Batman V Superman“ passt, vor allem folgendes Zitat: „Was, wenn [Superman] seine Meinung ändert? Wenn er heute auf uns herabsieht und entscheidet, dass wir nicht fähig sind, unser Schicksal zu lenken? Wenn er morgen aufwacht und glaubt, er weiß, was das Beste für uns ist? Dass es nicht reicht, die Welt zu schützen? Wenn er herrschen will? Alles, was wir gegen so etwas als Sicherheit besitzen ist sein Wort.“ Während dieses Gesprächs gibt Luthor Bruce ein Stück Kryptonit und parallel dazu wird ein Kampf zwischen Batman und Superman gezeigt, in welchem Ersterer versucht, das Kryptonit einzusetzen, was aber kaum gelingt. Dieser Kampf bleibt sehr rätselhaft, denn es gibt keinen Dialog und kaum Kontext. Ist Superman sauer, weil Batman von Lex Luthor Kryptonit angenommen hat? Gibt es einen anderen Grund für die Differenz, der nicht angesprochen wird? Spielt sich das Ganze nur in Luthors Vorstellung ab, weil er weiß oder ahnt, dass Bruce Wayne und Batman dieselbe Person sind?
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Lee Bermejos Zeichnungen passen exzellent zu dieser abgründigen Charakterstudie, sein Stil ist sehr düster und grimmig. Bermejo wechselt dabei immer zwischen sehr aufwändigen Beinahe-Gemälden und etwas weniger aufwendigen, gröberen Zeichnungen, was einen interessanten Kontrast schafft. Wie bereits erwähnt ist Superman hier optisch weit vom üblichen Superpfadfinder entfernt, er lächelt nie, ist immer von Schatten umgeben und sieht entweder emotionslos oder grimmig aus. In einem normalen Superman-Comic wäre diese Darstellung fehl am Platz, schließlich ist der Mann aus Stahl nicht Batman, aber in einer Geschichte aus Luthors Perspektive ist sie genau richtig.

Fazit: „Lex Luthor: Mann aus Stahl“ ist ein gelungener Einblick in den Charakter und die Psyche von Supermans Erzfeind, wer sich mit der Figur beschäftigen möchte, kommt an dieser Miniserie nicht vorbei.

Kampf der Giganten:
Prämisse
TDKR: Batman vs. Superman
S:TAS: World’s Finest
Kingdom Come
Brian Azzarellos Wonder Woman

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