Deadpool

deadpool
Story: Beinahe-Ex-Söldner Wade Wilson (Ryan Reynolds) scheint mit Vanessa (Morena Baccarin) glücklich zu sein, jedenfalls bis bei ihm Krebs diagnostiziert wird. Verzweifelt begibt sich Wade in die Hände des zwielichtigen Ajax (Ed Skrein), der ihm Heilung durch künstliche Mutation verspricht. Der Prozess ist tatsächlich erfolgreich und verleiht Wade sogar zusätzliche Superkräfte wie Selbstheilung, hat aber auch einige Nachteile: Zum einen ist er nun äußerst unansehnlich und zum anderen plant Ajax, ihn und andere als Sklaven mit Superkäften zu benutzen. Darauf hat Wade natürlich absolut keinen Bock und sucht das Weite. In der Hoffnung, doch irgendwie sein altes Gesicht zurückzubekommen, schlüpft er anschließend in ein rotes Ganzkörperkondom und sucht als Deadpool nach Ajax…

Kritik: Was lange währt, wird endlich gut. Deadpool, erschaffen von Rob Liefeld und Fabian Nicieza, gehört zwar zu den Antihelden der 90er, parodiert diese und das Superheldengenre insgesamt allerdings. Der „Söldner mit der großen Klappe“ („Merc with a Mouth“) basiert lose auf dem DC-Comics-Charakter Deathstroke (was vor allem an Deadpools zivilem Namen deutlich wird; Deathstroke heißt im bürgerlichen Leben Slade Wilson, Deadpool Wade Wilson, außerdem sind beide Söldner und ähnlich bewaffnet und ausgerüstet) und ist sich der Tatsache, dass er eine Comicfigur ist, sehr bewusst. Deadpool-Comics verfügen grundsätzlich über einen sehr derben Metahumor, der Titelheld spricht den Leser oft direkt an, um über Comics, Superhelden und alle möglichen anderen Themen zu philosophieren (bzw. über sie herzuziehen).

Deadpool tauchte bereits in „X-Men Origins: Wolverine“ aus dem Jahr 2009 auf, auch dort bereits von Ryan Reynolds gespielt – diese Version der Figur hatte mit ihrem Comicgegenstück allerdings recht wenig zu tun – bis auf die große Klappe, versteht sich. Weder der Film noch diese Interpretation der Figur kamen besonders gut an. Ryan Reynolds selbst hatte großes Interesse daran, Deadpool noch einmal, und dieses Mal richtig, zu spielen, und kämpfte für diesen Film, bis er endlich in Produktion ging. Dabei wurde vor allem darauf geachtet, dass die Macher die nötige Freiheit bekamen und nicht auf ein PG-13-Rating achten mussten – das hätte einfach nicht funktioniert.

Nun, was soll ich sagen: „Deadpool“ ist genauso geworden, wie ich es erwartet und gehofft hatte. Der Grundplot ist sehr simpel und superheldentypisch, die Umsetzung aber ist Deadpool in Reinkultur. Rhet Reese und Paul Wernick, die Drehbuchschreiber (und wahren Helden) und Tim Miller (Regisseur und überbezahlter Idiot) haben es wirklich geschafft, die Essenz der Figur minutiös auf die Leinwand zu bringen. Ryan Reynolds erweist sich als Idealbesetzung für den echten Deadpool, der Humor, der mitunter ziemlich brachial ist und gern unter die Gürtellinie geht, funktioniert prächtig, die Action ist blutig, dreckig, überdreht und unterhaltsam und die ganzen Anspielungen auf diverse andere Superheldenfilme lassen den Kenner amüsiert schmunzeln. Auch die Nebenfiguren, allen voran die X-Men Vertreter Negasonic Teenage Warhead (Brianna Hildebrand) und Colossus (Stefan Kapičić) und natürlich Morena Baccarins Vanessa, wissen vollauf zu überzeugen.

Zwei kleinere Schwächen gibt es leider dennoch: Zum einen wäre da Ajax – das liegt nicht ausschließlich am Schauspieler, aber dieser Schurke ist schlicht und einfach langweilig, seinesgleichen hat man schon hundert Mal gesehen. Eine Motivation ist genauso wenig vorhanden wie ein Hintergrund, aber das hätte ich verzeihen können. Aber Ajax ist öde, er hat keine interessanten Kräfte, keine interessantes Outfit, kein interessantes Auftreten, gar nichts. Er erfüllt seine Grundfunktion im Plot, mehr nicht. Für einen überdrehten „Helden“ wie Deadpool hätte ich mir durchaus auch einen etwas schillernderen Schurken gewünscht. Die zweite Schwäche ist die Musik. Die Songauswahl ist sehr passend, aber Tom Holkenborg (alias Junkie XL) hat abermals etwas abgeliefert, das man kaum noch als suboptimal bezeichnen kann. Der Score klingt wie „Mad Max light“ und ist eine Ansammlung all dessen, was mir im zeitgenössischen Actionscoring gehörig auf den Geist geht: Übermäßige Verwendung von Percussions und nerviger Elektronik, extrem simple, rhythmische Konstrukte und keinerlei Substanz, geschweige denn Kreativität. Glücklicherweise wird „Deadpool“ tatsächlich stärker von der Songauswahl dominiert, was für mich ausnahmsweise einmal positiv ist.

Fazit: Grandiose, gewalttätige und völlig überzogene Superhelden-Persiflage. Genau so muss ein Deadpool-Film sein.

Trailer

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6 Kommentare zu “Deadpool

  1. Finde ich immer spannend zu sehen, ob Fans der Comic-Vorlage auch zufrieden sind! Und da du das ja bist, fühle ich mich in meiner positiven Haltung zum Film noch mehr bestätigt! 🙂

    Du hast allerdings recht: Der Bösewicht ist nicht so toll – beim Vorspann (a British villain) hatte ich da mehr erhofft. Schließlich haben es die Briten ja meistens drauf, Bösewichte abzuliefern!

    Zur Song-Auswahl sage ich nur: „Wham!“ 😀 Und dann beim Abspann „Shoop“ – da konnte ich nicht umhin mitzusingen und mitzugrooven…

    • hemator sagt:

      Ich bin jetzt kein Die-Hard-Deadpool-Fan, sondern eher Marvel-Fan allgemein, aber ein paar Comics mit ihm nenne ich schon mein Eigen 😉

      Stimmt, es gibt so ein paar britische Schauspieler, die immer einen interessanten Schurken abgeben, einfach, weil sie über ein derartiges Charisma verfügen, dass man an ihren Lippen hängt, völlig egal, was sie sagen. Ed Skrein gehört leider nicht dazu.

  2. CryOfWrath sagt:

    Gestern gesehen und bereits das Intro war verdammt amüsant gestaltet 😀

    Ich habe nie einen Marvel-Comic gelesen, habe aber immer wieder mal versucht mich per Wiki in das Universum reinzulesen, weshalb ich dann auf Deadpool doch schon sehr gespannt war.
    Bin ja hochgespannt, ob sie es wagen die Beziehung mit Tod irgendwann einfließen zu lassen 😀

    • hemator sagt:

      Stimmt, das Intro ist definitiv verdammt stark. 😀
      Ich glaube, die Beziehung mit Lady Death kommt wahrscheinlich nicht vor, da die Filmrechte dieser Figur bei Disney/Marvel Studios liegen dürften und sie sicher in „Avengers: Infinity War“ eine Rolle spielt, sie ist ja quasi Thanos‘ Motivation.

  3. Lasse Vogt sagt:

    http://cellurizon.de/2016/02/21/filmmusik-krampus-douglas-pipes-score-in-der-kritik/

    Meine Review zu einem meiner Lieblings-Soundtracks 2015! Viel Spaß beim Lesen.

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