Blogparade: Best Parent/Child-Relationships

Derzeit schwirren wieder einige interessante Blogparaden durch die Blogger-Sphäre. Bei ein paar musste ich aus Zeitgründen leider passen, aber die eine oder andere möchte ich dann doch wahrnehmen. Amerdale etwa fragt nach den besten Eltern-Kind-Beziehungen (inklusive Adoptiveltern). Um das Ganze für mich noch ein wenig interessanter zu machen, füge ich der ursprünglichen Prämisse ein kleines Adjektiv hinzu: „Best Toxic Parten/Child Relationships“. Also, frisch ans Werk:

Tywin Lannister und Tyrion Lannister („Game of Thrones“)
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In „A Song of Ice and Fire“, bzw. „Game of Thrones“, gibt es viele, viele, viele interessante Eltern/Kind-Beziehungen, von den eher positiven der Starks bis hin zu verstörenden Verhältnissen wie dem von Lysa und Robert/Robin Arryn. Ramsay und Roose Bolton sind dann noch mal ein ganz eigenes Kapitel. Ich habe mich aber für die Dynamik entschieden, die insgesamt am meisten Auswirkungen hat und auch mit Abstand am interessantesten ist. Tywin Lannister ist ein extrem fähiger Feldherr, Herrscher und Manipulator, aber er hat eine große Schwäche: Was seine Kinder angeht neigt er zu Blindheit. Er weigert sich, das Verhältnis zwischen Jaime und Cersei zu bemerken, und ebenso weigert er sich, die Talente von Tyrion wahrzunehmen. Tywin macht Tyrion für den Tod seiner Frau Joana verantwortlich und verachtete ihn, weil er kleinwüchsig und promiskuitiv ist – für Ersteres kann Tyrion nichts, und Letzteres wurde mehr oder weniger von Tywin selbst ausgelöst. Es gibt ein, zwei Momente, in denen Tywin tatsächlich die Talente seines Sohnes anerkennt, vor allem natürlich, als er ihn als sein Stellvertreter nach King’s Landing schickt. Aber insgesamt dürfte es niemanden verwundern, dass diese Vater/Sohn-Beziehung mit Patrizid endet.

Ra’s al Ghul und Talia al Ghul („Batman“)
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Ra’s al Ghul ist ein unsterblicher Terrorist, der 90 Prozent der Erdbevölkerung auslöschen möchte, um die Welt vor dem Virus Mensch zu retten. Die restlichen 10 Prozent möchte er als unangefochtener Herrscher in ein neues, goldenes Zeitalter führen. Stets an seiner Seite ist seine Tochter Talia, die als seine rechte Hand und Stellvertreterin fungiert. Ra’s hat allerdings nicht vor, ewig zu leben, da auch seiner Unsterblichkeit Grenzen gesetzt sind. Er möchte, dass Batman sein Nachfolger wird und seine Tochter heiratet. Und tatsächlich verlieben sich Talia und Batman ineinander – und ab hier wird es interessant. Da Batman starke Probleme mit Mord und Totschlag hat, kann er natürlich nicht dazu bewegt werden, an all dem teilzunehmen und wird so zu Ra’s al Ghuls erbittertstem Feind. Talia ist nun hin und her gerissen zwischen der Treue zu ihrem Vater und der Liebe zu Batman. Diese ganze Dynamik ist hochinteressant und wurde vor allem in „Batman: The Animated Series“ exzellent umgesetzt. Leider lässt hier „The Dark Knight Rises“ zu wünschen übrig, da Talia dort ganz eindeutig als reine Widersacherin Batmans fungiert, die sich zu Beginn nur verstellt und keine echten Gefühle für ihn hat.

Darth Vader/Anakin Skywalker und Luke Skywalker („Star Wars“)
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Natürlich darf die ultimative Fehde zwischen Vater und Sohn hier nicht fehlen. Was soll man sonst noch groß dazu sagen? Vader erfährt erst sehr spät, dass er überhaupt einen Sohn hat, und kurz bevor er Luke die freudige Nachricht überbringt, schlägt er ihm die Hand ab: Wenn das nicht väterliche Liebe ist. Trotzdem endet das Ganze letztendlich gut, denn immerhin entdeckt Vader gerade noch rechtzeitig seine Liebe zu seinem Sohn. Ein dysfunktionales Verhältnis mit Happy-End.

Batman/Bruce Wayne und Robin/Damian Wayne („Batman“)
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Wie die Mutter, so der Sohn. Der 1987 erschienene Batman-Comic „Der Sohn des Dämons“, in dem Batman mit Talia al Ghul einen Sohn zeugt, galt lange als nicht-kanonisch, besagter Sohn taucht lediglich in diversen anderen Geschichten außerhalb der normalen Kontinuität auf, etwa in „Kingdom Come“ unter dem Namen Ibn al Xu’ffasch (Arabisch für „Sohn der Fledermaus“) oder „Bündnis der Batmen“ (hier heißt er Tallant). Erst 2006 wurde er als Damian Wayne dank Grant Morrison Teil der normalen Kontinuität. Die Figur selbst mag ich ehrlich gesagt nicht besonders, aber die Dynamik zwischen Vater und Sohn ist sehr interessant: Da haben wir zum einen Damian, der von Ra’s al Ghuls Liga der Assassinen aufgezogen wurde und keine Hemmungen hat, Gegner zu töten. Auf der anderen Seite ist Batman, dem dieses Verhalten extrem gegen den Strich geht, der sich aber dennoch für Damian verantwortlich fühlt und weiß, dass dieser an seiner Lage eigentlich keine Schuld trägt, weil er von einer Bande von Auftragsmördern erzogen wurde. Damian wird später, sowohl unter Dick Graysons als auch Bruce Waynes Batman, in erster Linie deshalb zu Robin, um ihn zu kontrollieren und ihm die richtigen Werte beizubringen.

Richter Claude Frollo und Quasimodo („Disneys Der Glöckner von Notre-Dame“)
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Wenn der Ziehvater die leibliche Mutter des adoptierten Sohnes tötet und dann vom Erzdiakon moralisch dazu erpresst wird, besagten Sohn großzuziehen, dann ist das nicht unbedingt die beste Voraussetzung für eine gelungene Vater/Sohn-Beziehung. Frollo ist kalt und grausam, versteckt Quasimodo im Glockenturm von Notre-Dame und redet ihm ein, aufgrund seiner Entstellung sei er ein Monstrum und würde in der Welt draußen nie akzeptiert werden. In der Romanvorlage ist Frollo immerhin ein wenig sympathischer und adoptiert Quasimodo tatsächlich aus Mitgefühl. Allerdings benutzt er ihn dann, um Esmeralda nachzustellen. Auch nicht gerade optimal.

Atia und Octavia; Octavius („Rome“)
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Atia von den Iuliern ist eine der zentralen Figuren von HBOs „Rome“ und basiert lose auf der historischen Atia Balba Caesonia, die tatsächlich Nicht von Gaius Iulius Caesar und Mutter von Augustus war, über die sonst aber nicht allzu viel bekannt ist. Sie gilt, im gegensatz zur Serienversion, eher als zurückhaltend und keusch, starb bereits ein Jahr nach Caesar und erlebte somit den Aufstieg ihres Sohnes zum Princeps nicht mit. Die fiktionalisierte Version ist ein intrigantes, opportunistisches und genusssüchtiges Miststück, wird aber von Polly Walker unglaublich unterhaltsam gespielt. Um Macht und Einfluss zu bekommen benutzt Atia alle Mittel, die ihr zur Verfügung stehen, und dazu gehören auch ihre Kinder: Sie ruiniert die Ehe ihrer Tochter Ocatvia und versucht, sie an Pompeius Magnus zu verschachern, schickt ihren Sohn Octavius auf eine gefährliche und im Grunde sinnlose Mission nach Gallien und manipuliert beide emotional, wo und wie sie nur kann. Als Octavius dann später zu einem kalten, berechnenden und manipulativen Herrscher wird, fragt sie sich auch noch ernsthaft, was sie falsch gemacht hat.

Darkseid und Orion („Fourth World“)
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Seit ewigen Zeiten lagen die Götter der Planeten New Genesis (paradisische Welt) und Apokolips (höllisches Gegenstück) miteinander im Streit. Schließlich entschlossen sich die beiden Anführer, Highfather und Darkseid, zu einem Friedensvertrag. In dessen Rahmen tauschten sie ihre Söhne aus. So wurde Orion auf New Genesis großgezogen, ist aber geprägt von seinem finsteren Erbe, einem tiefen Zorn und der Lust am Krieg. Dieses Erbe kanalisiert er im Kampf gegen seinen Vater und die Horden von Apokolips. Tatsächlich wurde ihm prophezeit, dass er es einst sein würde, der Darkseid tötet. Die Rivalität besteht bereits, seit Jack Kirby die New Gods in den 60ern für DC Comics erfand. Ein besonders interessanter Ausgang ihres Konflikts findet sich in  „Kingdom Come“, einer alternativen Zukunftsvision: Dort hat Orion es geschafft, Darkseid niederzustrecken. Er übernimmt die Herrschaft über Apokolips und muss schließlich feststellen, dass er seinem Vater immer ähnlicher wird.

Magneto/Erik Lehnsherr und Scarlet Witch/Wanda Maximoff; Quicksilver/Pietro Maximoff („X-Men“)
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Ich beziehe mich hier in erster Linie auf die Comics, da es in den Filmen diesbezüglich kaum Material gibt: In „Avengers: Age of Ultron“ tauchen die Zwillinge zwar auf, sind aber (schon aus rechtlichen Gründen) weder Mutanten noch Magnetos Kinder, während in „X-Men: Days of Future Past“ zwar angedeutet wird, dass Quicksilver Magnetos Sohn ist, aber dabei wird es belassen. Die Beziehung zwischen dem Vater und den Zwillingen ist sehr, sehr wechselhaft: Zu Anfang kämpfen sie in seiner Bruderschaft der Mutanten, später sind sie sogar Mitglieder der Avengers und arbeiten auch öfter gegen Magneto. Ebenso wechselhaft ist die private Beziehung: Mal ist Magento fast schon fürsorglicher Vater, mal ist er kalt, unnahbar und setzte seine Kinder gnadenlos für seine Zwecke ein. Und dann kann es hin und wieder passieren, dass Scarlet Witch durchdreht, mit ihren Kräften die Realität verändert und Magneto selbst sie aufhalten muss. Eine wirklich bewegte Familiengeschichte.

Mutter Gothel und Rapunzel („Tangeld“)
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Die Beziehung von Gothel und Rapunzel ähnelt der von Frollo und Quasimodo: Auch Gothel versucht um jeden Preis zu verhindern, dass Rapunzel mit der Außenwelt in Kontakt gerät. Im Gegensatz zu Frollo, der dies eher aus psychologischen Gründen tut, sind ihre Absichten handfester: Rapunzels magische Haare sorgen dafür, dass jung bleibt, und sie möchte absolut nicht teilen. Auch ihr Vorgehen ist etwas subtiler als Frollos. Manchmal hat sie zwar gewisse Arschlochtendenzen, aber im Großen und Ganzen heuchelt sie vor, Rapunzel tatsächlich zu lieben, ihr wahres Gesicht zeigt sie erst, als es ernst wird.

Odin und Loki („Thor“)
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Ein weiteres Verhältnis zwischen Adoptivvater und -sohn, das nicht besonders idyllisch ist: Der vom König der Götter adoptierte Eisriese, der glaubt, selbst Ase zu sein und einen Hass auf seine eigene Art entwickelt. Während Loki gemeinhin der ist, der als Schurke verstanden wird, ist Odin nun auch nicht unbedingt der beste Vater, zumindest für seinen Adoptivsohn. Vor allem in den MCU-Filmen wirkt dieser familiäre Konflikt wirklich, als käme er von Shakespeare, was wohl daran liegt, dass sowohl Loki als auch Odin von ausgebildeten Thespianern gespielt werden.

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6 Kommentare zu “Blogparade: Best Parent/Child-Relationships

  1. mwj sagt:

    Schön, dass du ein Beispiel aus „Rome“ verwendet hast. 🙂

  2. Amerdale sagt:

    Sehr interessante Ergänzung und tolle Beispiele. Danke fürs Mitmachen 🙂

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