Darth Maul: Son of Dathomir

Enthält Spoiler zu Mauls (bisher) endgültigem Schicksal!
sonofdathomir

Die vierteilige Miniserie „Darth Maul: Son of Dathomir“ ist ein Wendepunkt in der Geschichte der Star-Wars-Comics, sie markiert das Ende einer Ära und den Beginn einer neuen, denn bei ihr handelt es sich um die letzten von Dark Horse herausgegebenen Star-Wars-Comics, und gleichzeitig um die ersten, die Teil der neuen Einheitskontinuität sind. Der 1986 gegründete Dark-Horse-Verlag spezialisierte sich zu Beginn auf die Umsetzung von Filmlizenzen. Star-Wars-Comics wurden bis 1987 von Marvel produziert und veröffentlicht, doch Ende der 80er war das Star-Wars-Fieber größtenteils verebbt und so konnte Dark Horse die Lizenz erwerben. 1991 begann der Verlag dann damit, neue Star-Wars-Comics zu produzieren. Bereits die erste Publikation, „Dark Empire“, in welchem Palpatine als Klon wiederaufersteht und Luke kurzzeitig der Dunklen Seite verfällt, ist nach wie vor ziemlich umstritten, half aber mit Timothy Zahns Roman „Erben des Imperiums“ dabei, Star Wars im Gedächtnis der Fans frisch zu halten. Mehr als zwanzig Jahre lang verlegte Dark Horse Comics, die Geschichten aus der weit, weit entfernten Galaxis erzählen. Erwartungsgemäß sind bei Weitem nicht alle Star-Wars-Comics, die während dieser Zeit erschienen, Meisterwerke, aber es sind definitiv welche darunter, und insgesamt würde ich sagen, dass Dark Horse eine ziemlich gute Bilanz vorzuweisen hat. Der Verkauf der Marke Star Wars an Disney beendete diese Ära, denn Disney entzog Dark Horse die Lizenz und gab sie zurück an den hauseigenen Marvel-Verlag, den der Konzern mit der Maus nur wenige Jahre zuvor erworben hatte.

„Darth Maul: Son of Dathomir“ ist, wie gesagt, der erste Star-Wars-Comic, der zur Einheitskontinuität gehört. Es handelt sich bei ihm um ein ähnlich geartetes Projekt wie Christie Goldens Roman „Dark Disciple“: Einer der bereits geschriebenen, aber noch nicht fertiggestellten Mehrteiler der abgesetzten Serie „The Clone Wars“ wurde adaptiert – in diesem Fall von Autor Jeremy Barlow und Zeichner Juan Frigeri. Wie am Titel unschwer zu erkennen ist setzt „Son of Dathomir“ die Geschichte Darth Mauls fort. Dessen Rückkehr gehört zu den größten Kontroversen, die „The Clone Wars“ verursachte. Darth Maul ist eine der, wenn nicht gar die beliebteste Figur der Prequels, und selbst viele Episode-I-Hasser müssen zugeben, dass sie Maul ziemlich cool finden. Seine Rückkehr war also durchaus logisch, wenn auch nicht besonders elegant umgesetzt, die Serie bemüht sich nicht einmal, sein Überleben zu erklären: Mehr als zehn Jahre nach seinem vermeintlichen Tod findet Mauls Bruder Savage Opress (seinerseits ein Maul-Abziehbild) den Sith-Schüler als psychisches und physisches Wrack (seine verlorene untere Hälfte wurde durch mechanische Spinnenbeine ersetzt) auf dem Planeten Lotho Minor. Nach einer Behandlung durch Mutter Talzin, die Anführerin der Nachtschwestern von Dathomir, ist Maul dann auch wieder geistig und körperlich (mit neuen, fuktionaleren Droidenbeinen) wieder beisammen und dürstet nach Rache. Wie gesagt: Nicht besonders elegant. Was man „The Clone Wars“ zugutehalten muss, ist die Tatsache, dass Maul hier tatsächlich ein Charakter mit Ambitionen und Motiven ist, während er in „Die dunkle Bedrohung“ ein reines, wenn auch cooles, Gimmick war. Die Maul-zentrischen Folgen der vierten und fünften Staffel gehören definitiv zu den unterhaltsamsten der Serie, haben aber ein großes Problem: Mit den Klonkriegen hat Mauls Rachefeldzug nun wirklich kaum mehr etwas zu tun, seine Versuche, Macht zu gewinnen (u.a., indem er die kriminelle Unterwelt und die Mandalorianer seinem Willen unterwirft) laufen parallel zum Krieg der Republik gegen die Separatisten und haben auf diesen kaum Auswirkungen. Das Ganze endet in Staffel 5 schließlich damit, dass Darth Sidious genug von dem Ganzen hat und sich persönlich nach Mandalore aufmacht, um die Situation zu klären. Und so wenig das auch mit der eigentlichen Prämisse der Serie zu tun hat, so sehr habe ich es doch genossen, wie Sidious mit Maul und Savage den Boden wischt. Savage stirbt, Maul überlebt und wird von Sidious mit den Worten: „Do not worry, I’m not going to kill you. I have other uses for you“ eingesackt.

„Son of Dathomir schließt direkt daran an. Maul wird von Sidious und Dooku auf Stygeon gefangen gehalten, mithilfe einiger ihm nach wie vor loyaler Mandalorianer gelingt ihm allerdings Flucht. Freilich gehört das alles tatsächlich zu Sidious‘ Plan, da dieser Maul nutzen möchte, um sein eigentliches Ziel, Mutter Talzin, aus der Reserve zu locken. Es folgt eine actionreiche Tour de Force: Maul versammelt seine Truppen – Gangster, Mandalorianer und von Talzin geschickte Nachtbrüder – um gegen Dooku, Grievous und ihre Droidenarmee zu kämpfen, während Sidious und Talzin die Strippen ziehen. Im späteren Verlauf mischen sich auch noch einige Jedi, darunter Obi-Wan Kenobi und Mace Windu ein. Auf Dathomir kommt es dann schließlich zum Showdown…

Somit greift „Son of Dathomir“ diverse lose Handlungsstränge auf, führt sie wieder zusammen und beantwortet einige Fragen; so erfahren wir etwa, dass Maul und Savage tatsächlich die Söhne von Talzin sind und dass sie und Sidious einmal verbündete waren, bevor Sidious sie verriet (so stellt es jedenfalls Talzin dar). Im Comic gewinnt der Maul-Handlunsstrang darüber hinaus endlich ein gewisses Gewicht für die Klonkriege, da das Schattenkollektiv hier eine eindeutige Bedrohung für die Separatisten darstellt und diese offen bekriegt.

Der interessanteste Aspekt des Ganzen ist wahrscheinlich, wie gut der Titel „Son of Dathomir“ passt. Während seines Handlungsstrangs in „The Clone Wars“ sah sich Maul immer noch als Sith-Lord und versuchte mit Savage Opress seinen eigenen „Gegenorden“ zu gründen (nach wie vor basierend auf Darth Banes Regel der Zwei). Darüber scheint er nun hinweg zu sein, er spricht von Sidious und Dooku (den er in TCW stets als „Sith Pretender“ bezeichnete) als den Sith und beansprucht diesen Titel nicht mehr für sich, er ist tatsächlich ein Sohn des Planeten Dathomir geworden.

Insgesamt passt „Son of Dathomir“ mit seinen Stärken und Schwächen ziemlich gut zum Maul-Handlungsstrang. Die Geschichte ist spannend und rasant, bekommt aber selten Raum zum Atmen, alles geht sehr schnell, es gibt sehr viel Action, man vermisst aber Zwischentöne. Gerade die Beteiligung der Jedi ist ziemlich unnötig; der Raum, den sie einnehmen, hätte durchaus besser genutzt werden können. Eine spezifische Schwäche hängt auch mit der Adaption zusammen: Während die Geschichte von „Dark Disciple“ vom Medium Roman profitiert hat, wird man bei „Son of Dathomir“ das Gefühl nicht los, dass das Ganze in bewegten Bildern besser funktioniert hätte.

Das Ende ist letztendlich ziemlich vorhersehbar: Natürlich muss Sidious gewinnen. Die Bedrohung durch Talzin und das Schattenkollektiv wird ausgeschaltet, Maul überlebt aber – Disney wollte einen derartigen Fanliebling wohl noch nicht verlieren. Es gibt ja schon länger Spekulationen über einen Spin-off-Film, der zwischen „Die Rache der Sith“ und „Eine neue Hoffnung“ spielt und ein weiteres Aufeinandertreffen von Obi-Wan und Darth Maul thematisiert (es gab schon einen Comic mit ähnlicher Prämisse, der allerdings selbst im Legends-Kanon nicht gültig ist); „Son of Dathomir“ befeuerte diese Spekulationen noch.

Zum Ende noch ein paar Worte zu Juan Frigeris Zeichnungen: Zum Glück entschloss man sich nicht, die Clone-Wars-Optik, wie bei einigen Begleitcomics zu Serie geschehen, direkt umzusetzen. Frigeri orientiert sich zwar am Design der Serie (so trägt Sidious beispielsweise dieselbe Kutte wie bei seinen TCW-Auftritten), ansonsten bemüht er sich aber um eine realistischere und weniger stilisierte Optik. Die Figuren ähneln insgesamt dennoch eher ihren TCW-Gegenstücken und weniger den tatsächlichen Schauspielern – gerade bei Dooku und Sidious ist dies überdeutlich.

Fazit: „Son of Dathomir“ ist ein passendes Ende des Maul-Handlungsstrangs, das ähnliche Stärken und Schwächen besitzt wie die entsprechenden Episoden. Wie bei diesen kommt man trotz der unterhaltsamen Natur des Comics nicht umhin zu bemerken, dass da noch mehr Potential vorhanden gewesen wäre.

Star Wars Main Title


In etwa einem Monat ist es soweit: „Das Erwachen der Macht“ startet in den Kinos. Deshalb liegt der Fokus meines Blogs bis dahin (und wahrscheinlich auch noch darüber hinaus) auf der weit, weit entfernten Galaxis. Und wie könnte man besser damit anfangen als mit, nun ja, dem Anfang?

Der Star Wars Main Title ist wahrscheinlich eines der ikonischsten Filmmusikstücke überhaupt. Selbst Menschen, die noch keinen einzigen Star-Wars-Film gesehen haben, können diese Musik meistens problemlos zuordnen oder haben sie zumindest schon einmal in irgendeinem Kontext gehört. Das Stück, in Verbindung mit dem gelben Lauftext, ist eines DER Markenzeichen des Franchise, jeder der sechs Filme fängt so an, ebenso wie so ziemlich jedes SW-Spiel, und selbst die Clone-Wars-Serie bedient sich einer kurzen, abgewandelten Version der Fanfare von John Williams.

Was allerdings oftmals nicht beachtet wird: Es handelt sich bei besagter Fanfare nicht einfach „nur“ um das Stück, das den Lauftext begleitet; der Star Wars Main Title ist auch Luke Skywalkers Thema. Im Kontext der OT ist es völlig nachvollziehbar, dass Luke Skywalkers Thema als Main Title fungiert, immerhin ist er letztendlich der Protagonist, es ist seine Heldenreise. An diesem Thema lässt sich allerdings eine interessante Entwicklung beobachten, die auch anderen SW-Themen wiederfahren ist – keinem allerdings in diesem Ausmaß. Luke Skywalkers Thema ist über den ursprünglichen Verwendungszweck hinausgewachsen und repräsentiert nun etwas Größeres – in diesem Fall das Franchise als Ganzes.

Die Original-Trilogie
In der OT fungiert der Main Title als konventionelles Heldenthema: Den Lauftext nicht mitgerechnet erklingt es zum ersten Mal, als Luke auch zum ersten Mal auf der Leinwand zu sehen ist (Moisture Farm, 1:24) und begleitet ihn durch den Film. Während die ersten Einsätze noch verhältnismäßig zurückhaltend sind, wird es im weiteren Verlauf des Scores von „Eine neue Hoffnung“ zunehmend heroischer, etwa in The Tractor Beam/Chasm Crossfire bei 3:23, um dann in Lukes größter Heldentat in diesem Film zu gipfeln: Der Zerstörung des ersten Todessterns (The Battle of Yavin, 7:09). Um Lukes Bedeutunge für die Filme noch einmal zu unterstreichen, beginnt auch der Abspann mit Lukes Thema, was sich ebenfalls zur Tradition entwickelte.

Im Gegensatz dazu ist Lukes Thema in „Das Imperium schlägt zurück“ weit weniger geradlinig und heroisch. Während es tatsächlich viele Variationen gibt, spiegelt Williams‘ Verwendung des Leitmotivs doch sehr gut wieder, dass Luke in diesem Film vor allem Rückschläge erleidet. Das Thema bleibt oft unvollendet und ist selten mit voller Kraft zu hören. Was die Dominanz und Quantität angeht, muss sich Lukes Thema, wie alle anderen auch, dem Imperialen Marsch unterordnen. Das zeigt sich schon bei Lukes erstem Auftritt im Film: Sein Thema klingt hier (Main Title/Ice Planet Hoth, 2:49) weitaus weniger kraftvoll und jugendlich frisch als in „Eine neue Hoffnung“, und dieser Trend setzt sich den Film über fort. So ist bei 1:22 in The Wampa’s Lair/Vision of Obi-Wan/Snowspeeders Take Flight zwar kurz ein herorischer Ausbruch zu hören, der aber nicht vollendet wird. Ebenso bleibt das Thema während der Ausbildung auf Dagobah defensiv und unentschlossen (etwa in Arrival on Dagobah, 0:16 oder Jedi Master Revealed/Mynock Cave 0:28). Lukes Ankunft auf Bespin wird noch einmal von einer etwas stärkeren Version begleitet (Betrayal at Bespin, direkt am Anfang), das war’s dann aber auch: Für den restlichen Film muss Lukes Thema sich dem Imperialen Marsch ebenso geschlagen geben, wie Luke sich Vader geschlagen geben muss.

Nach einem Film voller Rückschläge kehrt Luke in Episode VI als vollwertiger Jedi auf die Leinwand zurück, und sein Thema spiegelt dies wieder: In The Pit of Carkoon/Sail Barge Assault (1:25) erklingt es abermals als heroische Fanfare , als Luke sein Lichtschwert fängt und damit beginnt, unter Jabbas Häschern kräftig aufzuräumen. Dementsprechend taucht das Thema (oft in Begleitung der Rebellenfanfare) in diesem Stück noch einige weitere Male auf. Außerdem ist es gleichzeitig die Grundlage für das Luke/Leia-Thema. In der zweiten Hälfte des Films erklingt Lukes Thema allerdings seltener, da in seinem Handlungsstrang das Thema des Imperators zum dominanten Leitmotiv wird, während Luke und sein Konflikt vor allem durch gezielte Einsätze des Machtthemas repräsentiert werden.

Über die klassische Trilogie hinaus
Leitmotivik ist dann doch meistens etwas, auf das der gemeine Kinogänger nicht so sehr achtet – für die meisten Menschen war Lukes Thema deshalb wohl schon immer einfach das Star-Wars-Thema – aus diesem Grund wurde es dann auch tatsächlich das Star-Wars-Thema. Wenn man diese Entwicklung an etwas Bestimmtem festmachen möchte, sollte man einen Blick auf die Hör- und PC-Spielen der 90er werfen, die Geschichten erzählen, in denen Luke Skywalker nur am Rande oder überhaupt nicht vorkommt, die aber dennoch mit dem klassischen Star Wars Main Title beginnen.

Die Prequels setzen diese Tradition fort. Während Lucas und Williams an Episode I arbeiteten, überlegten sie eine Zeit lang, ob Williams für die Prequels ein neues Main-Title-Stück komponieren sollte, da die Episoden I bis III nun einmal eben nicht Lukes, sondern Anakins Geschichte erzählen. Letztendlich entschieden sie sich aber dagegen, da der Star-Wars-Anfang mit Fanfare und Lauftext einfach viel zu ikonisch war. Man stelle sich vor, was passiert wäre, hätte Episode I auch noch mit einem neuen Musikstück begonnen – der Aufschrei wäre wohl noch gewaltiger gewesen.

In den Prequels selbst ist die Verwendung von Lukes Thema, außerhalb von Main und End Title, sehr begrenzt, was auch durchaus angemessen ist: Wie gesagt, Luke selbst taucht nicht auf. Im Score von Episode I baute Williams hin und wieder extrem subtile Anspielungen ein, die sich allerdings kaum als echtes Statement werten lassen. Zwei Mal konnte er es allerdings nicht lassen, eine gut hörbare (wenn auch recht kurze) Variation einzubauen – das ist wohl als kleines Geschenk an die Fans zu werten. Der erste Einsatz erfolgt direkt am Anfang, als Obi-Wan und Qui-Gon gegen die Kampfdroiden kämpfen (Fighting the Destroyer Droids, direkt am Anfang), der zweite gegen Ende, als die Naboo-Fighter abheben (The Republic Pilots Take Off Into Space, 0:38. Die Trackangaben beziehen sich auf die Ultimate Edition.). In Episode II taucht während der Schlacht um Geonosis eine dieser beiden Variationen ebenfalls auf, weil die Musik besagter Szenen samt und sonders aus „Die dunkle Bedrohung“ zusammengesetzt ist. In Episode III gibt es dann letztendlich tatsächlich einen Einsatz des Themas, der Luke gilt, in A New Hope and End Credits ab 0:28 – Obi-Wan bringt Luke zu Tante und Onkel.

Die Tendenz, den Main Title zu verwenden, setzte sich auch während und nach den Prequels ungebrochen fort, sei es in Spielen, Hörbüchern oder Fernsehserien. Zumeist griff man auf die klassische Williams-Version zurück, für „The Clone Wars“ (Film wie Serie) schrieb Komponist Kevin Kiner allerdings eine neue und „modernisierte“ Version der bekannten Fanfare (die mir in dieser Form nicht besonders gefällt, weil sie ziemlich plump klingt).

Etwas anders verhält es sich mit „Star Wars Rebels“, das kein richtiges Intro hat; zur Titeleinblendung erklingt ein Fragment der Rebellenfanfare. Allerdings ist Lukes Thema öfter innerhalb der Episoden während diverser, heroischer Momente zu hören. Leitmotivisch ist das freilich nicht besonders gelungen, aber was tut man bei Disney nicht alles, um OT-Nostalgie zu wecken?

Ich denke, man kann getrost davon ausgehen, dass Lukes Thema auch in den neuen Episoden zu hören sein wird, auf jeden Fall zum Lauftext – mit dieser Tradition werden Disney und J. J. Abrams sicher nicht brechen. Bereits in den Trailern war der Main Title ja zu hören. Interessant wird es bei den Spin-off-Filmen wie „Rogue One“. Werden wir auch dort zu Anfang einen klassischen Lauftext samt Fanfare bekommen, oder zumindest eine verkürzte Form zur Titeleinblendung wie bei „The Clone Wars“? Man darf gespannt sein.

Aktuell: Das Erwachen von Warcraft


Es gibt zwei Neuigkeiten an der Trailer-Front. Zum einen wäre da vor allem ein ziemlich überraschender neuer Trailer zu „Das Erwachen der Macht“ für den asiatischen Raum – und das, wo J. J. Abrams erst vor Kurzem gesagt hat, es werde keinen weiteren Trailer mehr geben. Nun, vielleicht sollte man diesen neuen Trailer eher als Alternativversion des Letzten betrachten, denn es fällt auf, dass sie sich im Aufbau sehr ähneln: Rey auf Jakku, Kylo Ren im Zwiegespräch mit Darth Vaders Helm, Eindrücke von Wald- und Schneeplaneten und der finalen Schlacht, teilweise übereinstimmende Dialogzeilen – aber eben auch ziemlich viel an neuem Material, etwa kurze Eindrücke einiger erster Begegnungen (Rey und Finn, Rey und BB8), eine Francis-Ford-Coppola-Gedächtnis-Einstellung, Chewie in explosiver Laune und Nahaufnahmen von Kylo Rens Lichtschwert. Zwei Monate noch? Zu lang!


Und dann ist da noch der erste Trailer zu Duncan Jones‘ „Warcraft“. Ich habe zwar „World of Warcraft“ nie gespielt, den Strategievorgänger „Warcraft III“ habe ich allerdings heiß und innig geliebt, weshalb ich schon gewisse Hoffnungen, Erwartungen und Befürchtungen habe. Ich wünsche mir auf jeden Fall, dass der Film gut wird, denn sowohl an der High-Fantasy- als auch an der Spieleverfilmungsfront sieht die Lage nicht allzu rosig aus; dieser Film könnte Abhilfe schaffen.

Inhaltliche orientiert sich der Film wohl vor allem an „Warcraft“ und „Warcraft II“, im Zentrum scheint der Konflikt zwischen Menschen und Orks zu stehen; Letztere gelangen durch das Dunkle Portal aus ihrer Welt Draenor, die im Sterben liegt, nach Azeroth. Einerseits ist das ein bisschen schade, da ich schon gerne Untote oder Nachtelfen gesehen hätte, andererseits aber wohl die beste Entscheidung, um Zuschauer, die mit der Welt nicht vertraut sind, nicht zu überfordern und sich nicht von Anfang an zu verzetteln. Ich denke, ein starker Fokus tut dem Film gut – wenn er erfolgreich ist, bleibt immer noch genug Zeit, die anderen Völker zu erforschen (ich persönlich hoffe ja auf einen Film, der Arthas‘ Aufstieg zum Lichkönig erzählt).

Rein optisch macht der Trailer definitiv etwas her und schafft es ziemlich gut, die Stimmung und Atmosphäre der Spiele einzufangen. Das Ganze sieht zwar etwas nach Render-Sequenz aus, aber bei einer Warcraft-Verfilmung war das einerseits zu erwarten und stört mich andererseits bei Weitem nicht so sehr wie bei der Hobbit-Trilogie. Während Peter Jackson Mittelerde in der HdR-Trilogie als Welt konzipiert hat, die sich sehr real anfühlt, war Azeroth schon immer von Exzess und Übertreibung dominiert. Vielleicht wäre ein ein reiner Animationsfilm im Stil der Intro-Sequenzen letztendlich sogar die bessere Wahl gewesen. Aber nun ja, warten wir’s ab.

Das Element, das mir momentan am meisten Sorgen macht, ist der Komponist. Warcraft hatte musikalisch schon immer einen ziemlich distinktiven Sound: Gnadenloser Bombast, aber Bombast mit Substanz und einigen ziemlich kreativen Ideen, der sofort als Warcraft-Musik zu erkennen war. Ramin Djawadi klingt aber nun mal leider nach Hans Zimmer, und ich befürchte, dass der Score des Films ziemlich generisch wird, da Djawadis stilistische Bandbreite doch eher beschränkt ist. Ich will nicht, dass „Warcraft“ wie „Game of Thrones“ oder „Dracula Untold“ klingt, ich will, dass „Warcraft“ nach „Warcraft“ klingt.

Stück der Woche: Chateau


Chateau ist ein weiteres Elektronik-Orchester-Hybridstück aus „Matrix Reloaded“. Den Wachowskis war von Anfang an klar, welche Musik sie für die entsprechende Szene wollten. Um ihre Vorstellungen umzusetzen heuerten sie Rob Dougan an, dessen Clubbed to Death im ersten Film bereits mit großem Erfolg verwendet wurde. Dougan komponierte für die Szene ein neues Stück, das stilistisch relativ gut zu den anderen, von Don Davis und Ben Watkins komponierten Hybriden, etwa Burly Brawl und Mona Lisa Overdrive, passt. Es fallen dennoch einige Unterschiede auf, in erster Linie das Fehlen von Davis‘ typischen Matrix-Motiven und Klangfiguren, die er sonst immer in den Actionszenen unterbringt.

Obwohl Davis von Anfang an wusste, dass die Musik der Chateau-Szene nicht von ihm kommen würde, komponierte er, nur für alle Fälle (oder einfach aus Spaß an der Sache) eine Alternative, die er auch aufnahm und die sich unter den Bonusstücken von La-La-Lands erweitertem Reloaded-Album findet. Was dieses Stück angeht bin ich zutiefst gespalten. Einerseits passt Dougans Version weitaus besser in den Film und zur Atmosphäre der Szene, vom Kontext losgelöst gefällt mir Davis‘ Stück aber weitaus besser, u.a. auch, weil die Filmversion eine gewisse Gleichförmigkeit aufweist und weil ich einfach kein besonders großer Electronica-Fan bin.


Aufgrund der oben erläuterten Umstände kann man wohl davon ausgehen, dass Davis die Szene anders untermalt hätte, hätte er angenommen, dass seine Musik im Film landet – bei der Alternativversion handelt es sich fast schon um einen kompositorischen Spaß, wie sich schon am Titel zeigt: Chateau Swashbuckling. Stilistisch schrieb Davis hier einen Hybriden ganz anderer Art, Chateau Swashbuckling vermischt Matrix-Musik mit den Stilmitteln der alten Mantel-und-Degen-Filme, die vornehmlich von Erich Wolfgang Korngold vertont wurden und der in dieser (und auch in jeder anderen) Hinsicht stilbildend war. Die Actionmusik klingt deshalb weitaus positiver und fast schon altmodisch, sie hätte auch ganz gut aus John Debneys „Cutthroat Island“ („Die Piratenbraut“), das ebenfalls eine moderne Liebeserklärung an den Korngold-Stil darstellt, stammen können. Atmosphärisch beißt sie sich mit der Szene, rein technisch ist sie aber grandios, man beachte nur, wie genau der Score auf das Filmgeschehen reagiert, ohne dass es ins Mickey-Mousing abgleitet. Das Stück hat eine unglaubliche Dynamik und eine liebevolle Verspieltheit, die man sonst in Davis‘ Matrix-Musik nicht findet. Wie nicht anders zu erwarten tauchen auch wieder die Matrix-Motive auf, bei 0:53 ist Neos aufsteigendes Heldenthema zu hören, bei 1:08 erklingt kurz das alternierende Zwei-Noten-Motiv, das außerdem noch bei 2:19, 2:33 (hier in Begleitung einer heroischen Blechbläserfanfare), 1:52 und 3:07 wieder auftaucht.

Kurz und gut: Chateau Swashbuckling ist atmosphärisch unpassend, aber ansonsten genial und ohne Zweifel eines meiner liebsten Matrix-Stücke. Wird Zeit, dass Don Davis aus dem Vorruhestand zurückkehrt und einen Piratenfilm vertont.