Die Rache der Sith

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Ich habe ja schon das eine oder andere Mal Matthew Stovers Romanadaption von „Die Rache der Sith“ positiv erwähnt, diese Erwähnungen werden besagtem Roman aber letztendlich nicht wirklich gerecht, was u.a. daran liegt, dass ich mich vor allem mit dem Thema „Adaption“ auseinandergesetzt habe und nicht wirklich mit dem Roman als solchem – deshalb kommt nun auch die lange, ausführliche und überfällige Rezension. Ich denke, über den Inhalt muss ich nicht allzu viele Worte verlieren, der dürfte hinlänglich bekannt sein: Anakin Skywalker verfällt der Dunklen Seite der Macht und wird Darth Vader, Palpatine alias Darth Sidious lässt die Jedi vernichten und gründet das Imperium und am Ende gibt es eine neue Hoffnung in Form zweier Babys, die auf Tatooine und Alderaan aufwachsen.

„Die Rache der Sith“ unterscheidet sich nicht nur von jedem der anderen SW-Filmromane (wie ich an anderer Stelle bereits sagte, begnügt sich Stover keinesfalls damit, einfach nur das Drehbuch in Romanform umzuschreiben und ein paar zusätzliche Szenen hinzuzufügen), sondern auch von jedem verfügbaren SW-Roman überhaupt. Das fängt schon beim Stil an, der zu Beginn ein wenig gewöhnungsbedürftig ist, selbst wenn man zuvor bereits andere Stover-Romane wie „Verräter“ oder „Shatterpoint“ gelesen hat. „Die Rache der Sith“ ist eine große Geschichte, und Stover versucht, dem gerecht zu werden, indem er seinen Stil „episiert“ – der Prolog ist hierfür ein sehr gutes Beispiel. Wie man das bewertet, hängt letztendlich sehr stark von der eigenen Perspektive ab; der hier gewählt, mit anschaulichen Metaphern (etwa ein Drache für Anakin Skywalkers Ängste) ausgeschmückte Stil könnte sehr leicht schwülstig wirken. Die Betonung liegt auf könnte, denn in meinen Augen funktioniert er ausgezeichnet. Stover hat genau das richtige Maß gefunden, ohne zu übertreiben.

Darüber hinaus gibt es noch eine weitere Besonderheit, die zu Anfang gewöhnungsbedürftig ist: Immer wieder hält Stover die Handlung an, wechselt ins Präsens und dringt in das Innenleben der Figuren ein, meistens mit Einleitungssätzen wie „Das ist Obi-Wan Kenobi“ oder „So fühlt es sich an, Anakin Skywalker zu sein“. Sobald man sich allerdings daran gewöhnt hat, stellt man fest, dass diese Passagen tatsächlich mitunter die interessantesten Teile des Romans sind, denn Stover belässt es nicht bei oberflächlichen Gefühlsbeschreibungen, er geht hier wirklich in die Tiefe. Als Leser erfährt man genau wie die Hauptfiguren denken, empfinden und fühlen, was ihre Handlung, die sie gemäß dem Drehbuch von George Lucas durchführen müssen, tatsächlich nachvollziehbarer und authentischer macht, während man sich im Film durchaus fragt, weshalb diese Figur gerade so gehandelt hat. Und mehr noch, vor allem bei den im Fokus stehenden Jedi-Charakteren beschreibt Stover auch, wie es sich für sie anfühlt, die Macht einzusetzen und wie sie, ganz individuell, die Macht betrachten. Dies ist ein Aspekt, der zwar durchaus auch schon von anderen Autoren vor und nach Stover aufgegriffen wurde, aber doch zu selten und nie zuvor so „gründlich“ wie bei ihm. Wenn es um die Macht geht ist Stover ohnehin unerreicht, da seine Romane stets eine ausgeprägte, philosophische Betrachtungsweise der Macht besitzen, die über fast alles andere, was es diesbezüglich im SW-Universum gibt, hinausgeht.

Auch die Art und Weise, wie Stover die Umsetzung der Handlung angeht, ist bewundernswert, denn, wie bereits gesagt, er hat keine Probleme damit, zu kürzen oder zu erweitern. Kurze Szenen, die im Film vor allem da sind, um eine wenig Abwechslung zu bringen, die im Roman aber keinen Mehrwert hätten, etwa die Schlacht um Kashyyyk, lässt er konsequenterweise weg. Auch die Order-66-Montage, im Film definitiv einer der gelungensten Momente, versucht er nicht direkt umzusetzen, da er genau weiß, dass sie im Roman nicht gut funktionieren würde. Stattdessen konzentriert er sich auf das Innenleben und die Dialoge. Auch bei Letzteren ist Stover nicht zimperlich, gibt sie oft eher sinngemäß denn wörtlich wieder und erweitert sie stark. Tatsächlich gelingt ihm, woran Lucas in den Prequels des Öfteren scheitert; die Worte, die er den Figuren in den Mund legt, wirken authentisch, man kann sich vorstellen, dass echte Menschen tatsächlich so miteinander sprechen würden. Kurz und gut: Stover kreiert aus der Vorlage ein eigenständiges Werk, ohne ihr untreu zu werden und nutzt gekonnt die Stärken des Mediums Roman, sodass es sich beinahe anfühlt, als sei der Film eine Adaption des Buches und nicht umgekehrt.

Es gibt noch zwei weitere Aspekte, die mir an „Die Rache der Sith“ besonders gefallen: Die Einbindung der Lichtschwertformen und des Erweiterten Universums im Allgemeinen. Bei Ersteren handelt es sich um die genau definierten und benannten Kampftechniken mit dem Lichtschwert, die im Zuge der Prequels entstanden, die in den diversen EU-Romanen allerdings mitunter unregelmäßig eingesetzt wurden: Während manche Autoren, etwa Drew Karpyshyn, sich ihrer sehr ausgiebig bedienen, kümmern sich andere kaum um sie. Stover, der auch einen Kampfsporthintergrund besitzt, zeigt, wie man die Lichtschwertformen am besten verwendet: Sie dienen hier, um die Figuren, die sich ihrer bedienen, zu charakterisieren. Stover nutzt den Lichtschwertkampf auf kongeniale Weise, um den Charakteren eine weitere Facette zu verleihen. In den Filmen sagt Obi-Wan zu Anakin über das Lichtschwert: „Diese Waffe ist dein Leben.“ In „Die Rache der Sith“ wird das tatsächlich wörtlich genommen, die Art und Weise, wie die Jedi und Sith ihre Waffen einsetzen, ist hier Ausdruck ihrer persönlichen Philosophie und Denkweise, man erkennt, warum das Lichtschwert so ein wichtiges Element des Jedi-Ordens ist: Es ist mehr als nur eine Waffe, es selbst und der Umgang mit ihm sind Ausdruck der Persönlichkeit.

Die Einbindung des EU ist natürlich letztendlich eher Nebensache, aber trotzdem etwas, das mich enorm gefreut hat, denn es gibt der Handlung noch mehr Tiefe: Subtile und weniger subtile Referenzen auf die diversem Klonkriegsmedien sorgen dafür, dass es glaubhafter wird, dass die Protagonisten einen dreijährigen Krieg hinter sich haben. Selbst wenn man nicht versteht, worauf sich die Referenzen beziehen, hilft es, das Setting authentischer zu machen; man muss nicht wissen, was auf Jabiim geschehen ist, man muss nur wissen, dass es für Anakin eine traumatische Erfahrung war (der Comic, in dem die Schlacht um Jabiim thematisiert wird, ist übrigens sehr empfehlenswert). Allerdings lohnt es sich, wenn man Stovers „Shatterpoint“ gelesen hat, da er die Charakterisierung Mace Windus aus diesem Roman nahtlos fortsetzt und es „Die Rache der Sith“ ungemein bereichert, wenn man „Shatterpoint“ (und die Klonkriegscomics aus den Jahren 2002 bis 2005 sowie James Lucenos „Labyrinth des Bösen“) gelesen hat.

Natürlich ist auch „Die Rache der Sith“ letztendlich nicht völlig perfekt. Es gibt so ein paar Stellen, an denen Stovers Humor ein wenig überdreht daherkommt, etwa wenn Yoda sich beim Eindringen in den Jedi-Tempel nach Order 66 als Jedi-Baby ausgibt, und auch die One-Liner, die Anakin beim Abschlachten des Separatistenrates vom Stapel lässt, sind ein wenig zu viel des Guten; diese Szene hat in der Filmversion ohne Kommentare besser funktioniert. Aber das sind letztendlich winzige Kleinigkeiten, die das Gesamtbild in keinster Weise trüben. Noch ein Tipp zum Schluss: Ich rate zur Lektüre des englischen Originals, denn die deutsche Übersetzung ist nicht immer ganz gelungen.

Fazit: „Die Rache der Sith“ ist so viel mehr als die bloße Romandaption eines Star-Wars-Films. Dieses Werk beinhaltet alles, was Star Wars ausmacht und zeigt gleichzeitig, was man aus Star Wars alles herausholen kann. Jeder, der etwas für die weit, weit entfernte Galaxis übrig hat, sollte dieses Buch lesen, egal, wie die Meinung zu den Prequels aussieht.

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