Stück der Woche: Burly Brawl


Mal wieder was anderes beim „Stück der Woche“. Vor Kurzem habe ich mir die kompletten Soundtracks von „Matrix Reloaded“ und „Matrix Revolutions“ bestellt, was wirklich eine äußerst zufriedenstellende Anschaffung war. Das tolle an den beiden Doppel-CD-Sets von La-La-Land Records ist, dass sie nicht nur die komplette Musik der Filme (ohne die diversen Songs, versteht sich) enthalten, sondern auch diverse, hochinteressante Alternativstücke. Eines davon steht, zusammen mit der Filmversion, im Fokus dieses Artikels.

„The Matrix“ hatte zwei musikalische Seiten, die eine repräsentiert durch bereits vorher existierende Hard-Rock- und Electronica-Songs und die andere durch Don Davis‘ Score in der Tradition postmoderner, klassischer Musik von Komponisten wie John Adams oder Philip Glass. Nach dem großen Erfolg, den vor allem Rob Dougans Clubbed to Death feierte, das durch „The Matrix“ geradezu revitalisiert wurde, beschlossen die Wachowskis, die beiden musikalischen Seiten ihrer Filmreihe stärker miteinander zu verbinden. Eines der Produkte dieses Vorhabens ist Burly Brawl, das die Szene untermalt, in der Neo gegen eine ganze Armee von Smiths kämpft.

Davis komponierte für diese Szene aus „Matrix Reloaded“ ursprünglich ein sehr interessantes, aber auch ziemlich anspruchsvolles Stück. Die Vielzahl an Smiths repräsentiert der Komponist durch staccato-artige, sehr hohe Blechbläser, die den Hörer quasi konstant attackieren. Außerdem arbeitet er immer wieder die bereits aus dem ersten Film bekannten Matrix-Motive ein, etwa das alternierende Zwei-Noten-Thema, das die virtuelle Welt als Ganzes repräsentiert (taucht zum Beispiel bei 0:37 auf), das tiefe Maschinendröhnen (1:35) und die aufsteigende Tonfolge, die ich für Neos heroisches Thema halte (2:25). All diese Einsätze bleiben aber sehr kurz und fragmentarisch, sie werden von der Flut der Smiths und ihrer musikalischen Repräsentation immer wieder abgewürgt. Ab der Dreiminutenmarke beginnt sich das Blatt zum ersten Mal zu Neos Gunsten zu wenden, was von einem epischen neuen Motiv untermalt wird. Es folgen mehr Smiths (und mehr Staccato-Blechbläser), bis sich Neo, begleitet vom epischen Motiv und seinem Heldenthema, am Schluss von den Smiths befreien und davonfliegen kann.

Trotz des interessanten ursprünglichen Ansatzes beschlossen die Wachowskis letztendlich, dem Ganzen eine elektronischere Grundstimmung zu geben, weshalb sie den Electronica-Künstler Ben Watkins (Begründer von Juno Reactor) anheuerten. Dieser schrieb kein völlig neues Stück, sondern bediente sich Davis‘ ursprünglicher Komposition, nahm sie auseinander und setzte sie neu zusammen, sodass nun die für Watkins typischen Elemente elektronischer Trance-Musik mit und gegen Davis‘ orchestrale Klänge arbeiten (treffenderweise wird die Filmversion von Burly Brawl „Juno Reactor vs. Don Davis“ zugeschrieben).

Die anspruchsvollen Staccato-Blechbläser sind nun größtenteils verschwunden (bei 2:10 und kurz vor Schluss schimmern sie kurz durch) und konstanten, treibenden elektronischen Beats gewichen, Davis‘ Orchesterbegleitung, die metallischen Percussions und die eingeflochtenen Leitmotive sind allerdings geblieben, etwa das Matrix-Motiv bei 0:50 oder das Heldenthema bei 2:32. Ebenso findet sich das Maschinenwummern an derselben Stelle wie in der ursprünglichen Version; auch das epische Motiv ist nach wie vor vorhanden und wird durch den Choreinsatz sogar noch epischer (3:18).

Obwohl ich eigentlich Dance, Trance, Eletronica und ähnliches sonst eher weniger schätze, gefällt mir die von Watkins bearbeitete Version des Stückes tatsächlich besser, weil sie den herausbrechenden Leitmotiven mehr Prägnanz verleiht und besser zur Stimmung der Szene passt. Der Einsatz der Staccato-Blechbläser ist zweifelsohne interessant, sorgt aber gleichzeitig dafür, dass die angeschnittenen Themen fast untergehen. Und der Chor in der Watkins-Version ist natürlich unglaublich hilfreich, denn ich liebe epische Chöre.

Dennoch finde ich es gerade hier besonders toll, dass auf dem La-La-Land-Album beide Stücke zu finden sind, denn der Vergleich beider Versionen macht zumindest mir verdammt viel Spaß. Je mehr Matrix-Musik, desto besser.

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