The Scarlet Gospels

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Clive Barkers „The Scarlet Gospels“ ist nun schon seit mindestens zehn bis zwanzig Jahren in Planung. Die Natur des Werkes in Form und Inhalt änderte sich dabei konstant. Ich glaube, es verdankt seine Entstehung letztendlich Barkers Unzufriedenheit mit den diversen Hellraiser-Sequels und speziell der Art und Weise, wie diese mit Pinhead umgingen. Schon diesen Namen des „Lead Cenobite“ konnte Barker nie leiden – ursprünglich war es ein Spitzname, den ihm Fans verliehen hatten, der anschließend von offizieller Seite übernommen wurde. Und bekanntermaßen frustrierte ihn jedes weitere Hellraiser-Sequel nur noch mehr, was durchaus nachvollziehbar ist.

„The Scarlet Gospels“ begann als Kurzgeschichte bzw. Novelle, die „The Hellbount Heart“ fortsetzen sollte, das Ganze wuchs aber rasch zu einem Roman heran, der Barkers Aussage nach Himmel, Hölle und alles dazwischen umspannen sollte; er wollte Pinheads wahren Namen offenbaren und die Geschichte der Hölle und des Cenobiten-Ordens detailliert darstellen. Außerdem sollte Pinhead auf Harry D’Amour, einem übersinnlichen Detektiv, dessen Barker sich in mehreren seiner Geschichten bediente, treffen. Das erste Manuskript wurde dann schließlich um 2010 herum fertig und war wohl ziemlich massiv, weshalb Barker seine ursprünglichen Absichten radikal kürzte. 2015 ist „The Scarlet Gospels“ nun erschienen und handelt letztendlich vom Zusammentreffen von Pinhead und Harry D’Amour – Pinhead hat vor, die Herrschaft in der Hölle zu übernehmen und startet einen Rücksichtslosen Feldzug, um magische Macht zu sammeln. Harry wird eher unfreiwillig Zeuge der Pläne des Cenobiten und lernt, dass er noch eine Rolle zu spielen hat…

Ich muss sagen, ich hatte verdammt hohe Erwartungen an „The Scarlet Gospels“, ich hatte mir so etwas wie die definitive Auseinandersetzung mit „Hellraiser“ und seiner Thematik vorgestellt. Leider ist das Endprodukt gerade in dieser Hinsicht sehr enttäuschend. Der Roman ist nicht per se schlecht, liest sich angenehm und funktioniert ganz gut als Horror- bzw. Dark-Fantasy-Roman. Leider hat das Ganze kaum etwas mit „Hellraiser“ oder „The Hellbound Heart“ zu tun. Die Lament-Configuration und Lemerchand werden zu Anfang eher alibimäßig kurz erwähnt und Pinhead kommt natürlich vor. Das Problem ist allerdings, dass es nicht Pinhead sein müsste. Barker hätte genauso gut einen neuen, machthungrigen Dämonen erfinden können und der Roman hätte inhaltlich nichts verloren. Es ist auch relativ unklar, worauf „The Scarlet Gospels“ nun eigentlich aufbaut – am ehesten ist das noch der erste Hellraiser-Film, denn zu „The Hellbound Heart“ gibt es weder inhaltlich noch thematisch Verbindungen, und selbst zu „Hellraiser“ nur insofern, als dass der Roman Pinhead als doch recht stereotypen Schurken benutzt.

Die Hintergründe, die Barker für „Hellbound: Hellraiser II“ erdachte, spielen überhaupt keine Rolle, es gibt keinen Leviathan und kein Labyrinth, stattdessen ist die Hölle, in die Harry D’Amour und seine Freunde, die Harrowers letztendlich hinabsteigen, viel eher christlich geprägt und erinnert an eine bösartige Version des alten Rom. Am Ende der Geschichte taucht sogar tatsächlich Luzifer, dessen Macht Pinhead zu okkupieren versucht, selbst auf. Die kreative und distinktive Gestaltung der Hölle, die die Faszination von „Hellbound: Hellraiser II“ ausmachte, fehlt letztendlich ebenso wie die Lust/Schmerz-Thematik und die absolute Amoralität der Cenobiten; wir erinnern uns, in „Hellraiser“, und mehr noch in „The Hellbound Heart“ waren sie eher Instanzen denn Schurken; „angels to some, demons to others“. Pinhead bleibt in „The Scarlet Gospels“ als Antagonist völlig flach, im Grunde erfahren wir nichts über ihn, auch nicht seinen wahren Cenobiten-Namen, nicht einmal der Name seines menschlichen Selbst (Elliot Spencer) fällt. Und gerade die Subtilität, die Pinhead sonst durchaus an den Tag legt, fehlt hier völlig, stattdessen erinnert er eher an die entfesselte Version der Figur aus „Hellraiser 3: Hell on Earth“.

Für jemanden, der mit dem Hellraiser-Franchise nicht oder nur marginal vertraut ist, könnte „The Scarlet Gospels“ durchaus interessant und spannend sein. Es gibt ein paar nette und kreative Ideen, Harry ist als Protagonist durchaus brauchbar, wenn auch etwas heruntergekommen und hin und wieder ein wenig unsympathisch, und wen eine ordentliche Portion Splatter nicht stört (oder wer sie sogar willkommen heißt), könnte sich mit Barkers jüngstem Werk ganz gut unterhalten. Leider kommt es über „ganz nett“ niemals hinaus. Obwohl „The Scarlet Gospels“ weitaus dicker ist als „The Hellbound Heart“, bleibt Letzteres das weitaus gelungenere Werk; mehr Tiefe, mehr philosophische Idee, schnörkellos und grandios umgesetzt.

Fazit: „The Scarlet Gospels“ ist leider eine Enttäuschung. Barkers Roman ist ganz nette Dark-Fantasy-Lektüre für Zwischendurch, taugt aber weder als thematische oder inhaltliche Fortsetzung von „The Hellbound Heart“ oder „Hellraiser“, noch als definitives Werk über Pinhead.

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Star Wars: The Clone Wars

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Ganz zu Beginn meiner Laufbahn als Blogger habe ich schon einmal einen ausführlichen Artikel zu „Star Wars: The Clone Wars“ geschrieben; zu diesem Zeitpunkt umfasste die Serie gerade einmal anderthalb Staffeln. Seither hat sich die Lage in der weit, weit entfernten Galaxis stark geändert. Disney hat Lucasfilm gekauft, das alte Erweiterte Universum zur Legende erklärt und „The Clone Wars“ nach fünfeinhalb Staffeln beendet. Dennoch ist die Animationsserie, neben den sechs Filmen, versteht sich, das einzige Stück Star Wars, das vor dem Disney-Deal entstand und es in den neuen Einheitskanon geschafft hat, was zu einer recht ironischen Umkehrung führte: Vorher überschrieb TCW großzügig das Erweiterte Universum, jetzt ist die Serie dagegen dafür verantwortlich, dass es einige Elemente aus dem alten EU in den Einheitskanon schaffen, darunter Dathomir und die Schwestern der Nacht, Planeten wie Onderon oder auch nur kleine Details wie Quinlan Vos‘ telemetrische Fähigkeiten. Tja, so ändern sich die Dinge.

Da „The Clone Wars“ nun beendet ist, drängt es sich geradezu auf, die gesamte Serie einmal kompakt zu bewerten. Mein erster Eindruck war ja nicht gerade positiv, und nach dem Abfassen meines erste Artikels habe ich die Serie auch nicht mehr regelmäßig verfolgt, sondern nur sporadisch immer mal wieder einen Blick hineingeworfen. Für diesen Artikel habe ich dann in den letzten Wochen allerdings massives Binge-Watching betrieben und die gesamte Serie, inklusive Pilotfilm, in der richtigen, chronologischen Reihenfolge konsumiert, um mir ein umfassendes Urteil bilden zu können.

Konzeption und Struktur
Letztendlich konzentriert sich „The Clone Wars“ eher auf Einzelgeschichten als auf die durchgehende Handlung und ist eine Anthologieserie. Natürlich gibt es eine übergreifende Handlung, der Krieg zwischen Republik und Separatisten, der letztendlich in der Auslöschung des Jedi-Ordens und der Gründung des Imperiums mündet. Da es sich bei TCW aber trotz allem letztendlich um eine Kinder- bzw. Jugendserie handelt, stehen die einzelnen Abenteuer eindeutig im Vordergrund, während der Kriegsverlauf sehr viel weniger Aufmerksamkeit bekommt. Darüber hinaus erlaubt das Anthologieformat, immer wieder unterschiedliche Figuren ins Zentrum zu rücken. Zwar sind Anakin, Ahsoka und Obi-Wan die mit Abstand präsentesten Figuren, aber diverse Prequel-Nebefiguren und für die Serie geschaffenen Charaktere bekommen doch hin und wieder ihren Tag im Rampenlicht, darunter Mace Winud, Padmé Amidala, Aayla Secura, Kit Fisto, R2D2 und C-3PO, und selbst Schurken wie Count Dooku, Asajj Ventress oder General Grievous stehen mitunter im Fokus.
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Das Anthologieformat besitzt sowohl Vorzüge als auch Nachteile. Ein eindeutiger Vorteil ist die Vielseitigkeit, denn im Grunde ist für jeden etwas dabei, ein Stück weit deckt TCW das gesamte Star-Wars-Spektrum ab, von eher düsteren, grimmigen und kriegerischen Inhalten über das typische Abenteuer, das mysteriös-fantastische bis hin zu Albernheiten und sehr humoristisch angehauchten Episoden. Diese Stärke ist aber auch gleichzeitig eine Schwäche, denn so wirkt TCW mitunter ziemlich unausgewogen, vor allem dann, wenn eine sehr leichtherzige Episode auf eine sehr düstere folgt. Tatsächlich hätte ich mir mehr Fokus auf die Hintergründe des Krieges bzw. das Große Ganze gewünscht. Unabhängig von der Qualität der einzelnen Schlachten und Missionen ist es schwierig, diese in einen Gesamtzusammenhang einzuordnen. Man merkt, dass Dave Filoni, George Lucas und die anderen Verantwortlichen ihren Fokus stärker auf die Einzelgeschichte und weniger auf den großen Plan legen, dem die Klonkriege folgen. Manche Angriffe der Separatisten wirken geradezu kontraproduktiv, weshalb etwa greifen die Streitkräfte der Konföderation Kamino an, obwohl Darth Sidious die Klonanlagen definitiv noch braucht? Im alten EU gab es zwar ebenfalls einen Angriff auf Kamino, dieser wurde allerdings von einer Fraktion innerhalb der Separatisten durchgeführt, die mit Dookus Führung nicht unbedingt einverstanden war, und darüber hinaus wurde besagter Angriff von Sidious und Dooku manipuliert, sodass er fehlschlagen musste. Und dann gibt es noch ein paar Folgen, die mit den Klonkriegen im Grunde gar nichts zu tun haben. Dazu gehören zum Beispiel diverse Folgen mit R2D2 und C-3PO im Fokus, aber auch der Mortis-Dreiteiler, die Mission von Mace Windu und Jar Jar Binks und im Grunde der gesamte Maul/Mandalore-Handlungsstrang. Das sagt nichts per se über diese Folgen aus, aber es ist doch auffällige, wie viele es von ihnen gibt – letztendlich heißt die Serie immer noch „Star Wars: The Clone Wars“ und nicht „Star Wars: Jedi Adventures“. Wahrscheinlich bin ich durch die Werke von James Luceno zu sehr verwöhnt und stelle an eine Jugendserie zu hohe Anforderungen, aber ich hätte mir mehr Fokus und Zusammenhang gewünscht.

In diesem Zusammenhang ist die nicht-chronologische Ordnung ebenfalls eine Schwäche, denn sie ist mitunter ziemlich verwirrend: In den Staffeln 1 bis 3 werden die Folgen zum Teil munter durcheinandergeworfen, und wer sich dessen nicht bewusst ist, ist etwas verwirrt, dass Ziro in Staffel 3 noch im Gefängnis sitzt, wo er doch schon am Ende von Staffel 1 befreit wurde.

The Clone Wars vs. Expanded Universe
Vor allem zu Beginn fand ich „The Clone Wars“ äußerst frustrierend. Bis 2008, als der Pilotfilm ins Kino kam, waren die Klonkriege die Zeit im SW-Universum, die am besten „dokumentiert“ war: Es gab eine genaue Timeline über 36 Monate, die besagte, was wann geschah, und das Ganze war im Großen und Ganzen in sich stimmig. Als „The Clone Wars“ begann, setzte es sich konstant über das alte EU hinweg. Zugegebenermaßen waren manche Änderung nötig; nachvollziehbarer Weise wollte man die Serie zu Beginn des Konflikts starten, und wenn Ahsoka als Anakins Padawan fungieren sollte, musste sein Ritterschlag natürlich vorverlegt werden. Mein Hauptproblem war jedoch, dass durch TCW Werke ersetzt wurden, die meiner Meinung nach schlicht die besseren Geschichten erzählten. Darüber hinaus fand (und finde) ich viele der Änderungen eher kontraproduktiv. Nehmen wir beispielsweise einmal Ryloth; sowohl im EU als auch in TCW ist Ryloth der Heimatplanet der Twi’leks, aber im EU ist er durch die komplexe und widersprüchliche Gesellschaft der Twi’lek sowie der einzigartigen klimatischen Verhältnisse sehr interessant, man hätte wunderbare Geschichten damit erzählen können. In TCW dagegen ist Ryloth ein ziemlich langweiliger und austauchbarer Wüstenplanet. Für die meisten Änderungen und Abweichungen vom EU ist wohl George Lucas selbst verantwortlich; hätte Dave Filoni als alleiniger Verantwortlicher fungiert, wäre wohl weitaus näher am EU geblieben.

In diesem Zusammenhang hat der Disney-Deal sogar geholfen, denn nun gibt es für mich zwei Star-Wars-Universen, die ich separat voneinander betrachten kann, nur die sechs Filme gelten für beide. Das eine ist das „alte“ SW-Universum, in dem alle Legends-Werke stattgefunden haben, die mir zusagen (ohne TCW), das andere ist die jetzt geltende Einheitskontinuität. In gewisser Weise habe ich so meinen Frieden mit TCW und den Kanonproblemen gemacht. Als Fan hat man’s halt nicht leicht.

Entwicklung
Wie bereits erwähnt war TCW vor allem zu Anfang eine ziemliche Enttäuschung. Das beginnt schon beim Pilotfilm. Dieser besteht aus den ursprünglichen ersten vier Folgen der Serie – und das merkt man leider auch ziemlich gut, denn genau so wirkt er auch: Wie vier zusammengeschnittene Folgen einer Serie. Die Kinoauswertung tut dem Material definitiv keinen Gefallen, sie schadet der Dramaturgie und wirft ein schlechtes Licht auf die Serie – die vielen enttäuschten Rezensionen sind in meinen Augen absolut keine Überraschung. Leider ging es in der ersten Staffel nicht sehr viel besser weiter, die Geschichten sind ziemlich uninteressant, die bereits etablierten Figuren gewinnen kaum an Tiefe und die neu eingeführten sind zum Teil wirklich extrem flach und klischeehaft, am schlimmsten ist in meinen Augen Dr. Bindi, der stereotype Dr.-Mengele-Verschnitt. Das soll nicht bedeuten, dass es in der ersten Staffel nicht auch gelungene Episoden gibt, etwa „Ambush“ oder „Rookie“, aber selbst diese werden zum Teil durch den wirklich unerträglichen Kampfdroidenhumor beeinträchtigt. Glücklicherweise geht es ab Ende von Staffel 1 langsam aufwärts, nicht zuletzt dank wirklich interessanter neuer Figuren wie Cad Bane und besser durchdachter, spannenderer Handlungsbögen. Ziemlich gelungen finde ich etwa den Geonosis-Vierteiler in Staffel 2, in dessen ersten beiden Folgen ordentliches Kriegsfeeling aufkam, während die zweiten zwei Episoden gelungen mit einem Horror-Element arbeiten. Erfreulicherweise sammeln sich bis zum Ende der Serie doch einige ziemlich gute Einzelepisoden und Mehrteiler an. Selbst Material, das nur bedingt (oder gar nicht) mit den Klonkriegen zu tun hat, weiß doch den Zuschauer für sich einzunehmen. Besonders hervorheben möchte ich an dieser Stelle zwei Vierteiler: Die Umbara-Episoden und Ahsokas Austritt aus dem Jedi-Orden – beide gehören definitiv mit zum Besten, was TCW zustande gebracht hat.

Ähnliches lässt sich auch über die Animation berichten, die konstant von Staffel zu Staffel besser wird. Auch hier sorgt der Pilotfilm erst einmal für einen negativen ersten Eindruck: Zwar ist er für Fernsehverhältnisse nicht schlecht animiert, aber wenn man einen Film im Kino sieht, erwartet man doch einen gewissen Standard – und an diesen Standard kommt der Pilotfilm einfach nicht heran; ein weiterer Grund, weshalb er im Kino nichts zu suchen hatte. Während Hintergründe und Raumschlachten ziemlich gut rüberkommen, sind zu Anfang vor allem die Figuren problematisch. Die Mimik ist ziemlich eingeschränkt, die Bewegungen wirken marionettenhaft, und darüber hinaus ist auch die Physik nicht immer stimmig. Glücklicherweise bessert sich das kontinuierlich. Ich muss auch zugeben, ich bin nicht unbedingt der größte Fan des kantigen Animationsstils, der stark auf dem der Clone-Wars-Zeichentrickserie von Genndy Tartakovsky beruht. Vor allem in diesem Zusammenhang ist Binge-Watching von großem Nutzen, denn nach einigen Folgen ist man unweigerlich im Stil drin, sodass er kein allzu größer Störfaktor mehr ist, man aber dennoch die Verbesserungen bemerkt. Um das Mal an einem spezifischen Element festzumachen: Darth Maul, der ab Staffel 4 mitmischt, hat eine ziemlich ausgeprägte Mimik, die in dieser Form in Staffel 1 sicher noch nicht möglich gewesen wäre.

Figuren und Sprecher
Gerade in der Figurenzeichnung hat „The Clone Wars“ doch einige Probleme. Auch hier ist vor allem (aber nicht ausschließlich) die erste Staffel betroffen. Von einer Serie, die auf einer Filmreihe basiert, könnte man theoretisch durchaus erwarten, dass sie den bereits etablierten Figuren neue Facetten abgewinnt, das passiert allerdings eher selten. Vor allem bei zwei Figuren ist das über den Verlauf der gesamten Serie hinweg recht problematisch: Count Dooku und General Grievous. Vor allem Ersterer hatte in den Prequels und im EU einige sehr interessante Eigenschaften: Edelmann, enttäuschter Idealist, Charismatiker. Kaum etwas davon hat es in die Serie geschafft, Dooku wird auf die reine Funktionalität reduziert. Noch schlimmer ist es bei Grievous, der nie über den Schurkenstereotyp hinauskommt. Seiner Charakterisierung aus „Die Rache der Sith“ wird absolut nichts hinzugefügt, Grievous ist und bleibt ein Gimmick-Schurke. Um wie viel interessanter war er da in James Lucenos „Labyrinth des Bösen“.
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Erfreulicherweise gibt es aber auch Gegenbeispiele. Anakin Skywalker ist so eines: Die Serie ist weitaus besser darin, Anakin nachvollziehbar und interessant darzustellen als die Prequels. Der Konflikt und die Zwiespältigkeit der Figur wird hier gelungener ausgearbeitet, Anakin ist glaubhafter heroisch, während seine dunkle Seite trotzdem hervortritt, das aber in besserem Ausmaß und subtiler als in „Angriff der Klonkrieger“. Auch Asajj Ventress macht im Verlauf der Serie eine durchaus passable Entwicklung durch. Und dann wäre da noch Darth Maul… Ich war und bin kein Fan dieses Zurückholens einer beliebten Figur, vor allem weil man merkt, dass die Clone-Wars-Macher unbedingt von Mauls Popularität profitieren wollten, zuerst, indem sie den eher plumpen Maul-Captain-Ersatz Savage Opress einführten und dann auch noch Maul selbst zurückbrachten. Sofern man über die ungeschickte Integrierung hinwegsieht lässt sich nicht leugnen, dass Maul in „The Clone Wars“ trotz allem die interessantere Figur ist – was zugegebenermaßen auch nicht so schwer zu bewerkstelligen war, denn in „Die dunkle Bedrohung“ war Maul letztendlich nur ein Gimmick, ein ziemlich cooles zwar, aber ein Gimmick nichtsdestotrotz. Die TCW-Version dagegen hat Ambitionen und muss damit klarkommen, dass sie von ihrem Meister im Stich gelassen wurde. Sehr gute Arbeit leistet die Serie auch in Bezug auf die Klone, die im Großen und Ganzen sehr gelungen und differenziert dargestellt werden, viele der Episoden mit Klonfokus gehören zu den besten der Serie.

Ein Bereich, in dem TCW definitiv brilliert sind die Sprecher. In der deutschen Version hat man, wo möglich, jeweils die Originalsprecher der Filme verpflichtet, die Qualität der Synchro ist allerdings nicht unbedingt berauschend, im Gegensatz zum Original. Zwar kehrten hier nur ein paar der Schauspieler der Filme zurück, u.a. Samuel L. Jackson und Christopher Lee (nur im Pilotfilm) und Anthony Daniels, Daniel Logan, Liam Neeson und Pernilla August (die beiden Letzteren nur in kleinen Gastauftritten), aber davon unabhängig ist der Cast wirklich extrem talentiert. In fünfeinhalb Staffeln kommen natürlich ziemlich viele Sprecher zusammen, weshalb ich hier nur ein paar hervorheben möchte. James Arnold Taylor zum Beispiel klingt wirklich fast genauso wie Ewan McGregor, auch Tom Kane (Yoda) und Matt Latner kommen den Filmversionen verdammt nahe. Ebenfalls sehr bemerkenswert sind Nika Futterman (Asajj Ventress) und Sam Witwer – Letzterer sprach bereits in „The Force Unleashed“ Starkiller und den Imperator, hier ist er die Stimme von Darth Maul und dem Sohn aus der Mortis-Trilogie. Eine besonders große Bandbreite zeigen Dee Bradley Baker, der es schafft, Dutzenden von Klonen eine distinktive Stimme zu geben, und Corey Burton, der so unterschiedliche Charaktere wie Count Dooku, Ziro the Hutt und Cad Bane spricht. Mein Favorit unter den Sprechern ist der leider 2012 verstorbene Ian Abercrombie, der ein grandioser Ersatz für Ian McDiamird als Palpatine bzw. Darth Sidious war und die Doppelidentität perfekt vermittelte. Während die Sidious/Imperator-Stimme noch verhältnismäßig einfach nachzuahmen ist, ist Palpatine als Oberster Kanzler weitaus schwieriger.

Musik
Ähnlich wie viele andere Aspekte der Serie fand ich die Musik, komponiert von Kevin Kiner, zu Anfang, speziell was den Score des Pilotfilms angeht, nicht besonders überzeugend. Auch hier gibt es glücklicherweise eine positive Entwicklung. Der Score des Films ist ein eher unausgereiftes Konglomerat an verschiedenen Stilen, die nicht so recht zusammenpassen; hier ein wenig Williams, dort etwas, das eher nach Hans Zimmer klingt, und dann auch noch E-Gitarren-Riffs, die auf ein Metal-Album passen, aber in einem SW-Score nichts verloren haben. Mein Hauptkritikpunkt war allerdings das Fehlen der Williams-Themen, bis auf den Main Title, das Machtthema, eine Andeutung des Imperialen Marsches und eine ziemlich merkwürdige Platzierung des Cloud-City-Themas hat es kaum leitmotivisches Material in Kevin Kiners Score geschafft. Ab Staffel 2 ändert sich das erfreulicherweise. Das Machttehma bleibt weiterhin fester Bestandteil der Musik und der Imperiale Marsch wird recht häufig, oft auch nur fragmentarisch, zitiert, um auf Anakins Schicksal zu verweisen, Prinzessin Leias Thema hat einen Gastauftritt auf Alderaan, Yodas Thema ist öfter zu hören und auch das Sidious/Sith-Thema bekommt einige markante Einsätze. Ein wenig seltsam finde ich allerdings, dass die PT-Themen sehr unterpräsentiert sind – gerade deren Einsatz hätte sich angeboten. Lediglich zwei Leitmotive, die nur in den Prequels zu hören sind haben es in die Serie geschafft: Das Battle-of-the-Heroes-Thema ist in Staffel 3 (Mortis-Trilogie, als der Sohn Anakin die Zukunft zeigt) und noch einmal in Staffel 5 (Yodas Vision vom zerstörten Jedi-Tempel) zu hören, und Qui-Gons Thema taucht auf, wenn der verstorbene Jedi-Meister in einer Machtvision zu sehen ist. Andere, etwa die Motive von Grievous, der Handelsföderation oder Anakin, von Across the Stars ganz zu schweigen, fehlen, hätten perfekt integriert werden können; auf diese Weise hätte man viele Szenen prägnanter gestalten können.

Immerhin hat Kiner durchaus einige neue Themen geschaffen, die er über den Verlauf der Serie entwickelt, etwa für Ahsoka, die Republik und Asajj Ventress. Diese sind funktional bis gut, bleiben aber letztendlich hinter den Themen des Maestro zurück. Insgesamt ist die Musik von TCW gut, hätte aber, durch die Verwendung von einigen der unbekannteren Williams-Themen wirklich grandios werden können.

Fazit
Nachdem ich die Serie nun einmal in kurzer Zeit komplett gesehen habe, bin ich immer noch nicht ihr größter Fan, muss aber zähneknirschend zugeben, dass sie sich definitiv zum Besseren entwickelt hat. Sie ist immer noch nicht die Repräsentation „meiner“ Klonkriege, das bleibt den diversen Comics und Romanen, die zwischen 2002 und 2005 erschienen sind, vorbehalten, aber es gibt definitiv diverse Einzelfolgen und Mehrteiler, die in die Nähe besagter Werke kommen oder anderweitig schlicht verdammt unterhaltsam sind. Somit hinterlässt „Star Wars: The Clone Wars“ bei mir insgesamt einen recht zwiespältigen Eindruck, denn nach wie vor gibt es viele, das mich massiv stört. Aber TCW hat auch bewiesen, dass es richtig gut, düster und erwachsen sein kann, einem Konflikt wie den Klonkriegen angemessen. Wenn nur der Droidenhumor nicht wäre…

Top 10 Disney-Filme

Es lässt sich nicht leugnen: Disney war ein wichtiger Teil meiner Kindheit. Obwohl der Konzern mit der Maus in den letzten Jahren, etwa durch den Kauf von Lucasfilm und Marvel, kräftig expandiert und auch schon davor durch Tochterstudios wie Miramax oder Touchstone andere Dinge getan hat, wird das Studio letztendlich doch in erster Linie mit Zeichentrick- oder Animationsfilmen in Verbindung gebracht. Eine persönliche Top 10 der besten Disney-Filme drängt sich da geradezu auf. Wie üblich gibt es dabei aber ein paar Regeln: Ich beschränke mich auf die klassischen Zeichentrickfilme des Meisterwerke-Kanons, das bedeutet keine Direct-to-Video-Fortsetzungen wie „Dschafars Rückkehr“ oder „Der König der Löwen 2: Simbas Königreich“ (diese befinden sich ohnehin auf einer Skala zwischen „unnötig“ und „Beleidigung des Originals“), keine anderweitigen Zeichentrickfilme wie „Der Goofy-Film“, kein Pixar-Filme, keine Meisterwerke-Animationsfilme wie „Die Eiskönigin“ und keine Zeichentrick-Real-Mischfilme wie „Falsches Spiel mit Roger Rabbit“ oder „Mary Poppins“. Und natürlich erhebe ich keinen Absolutheitsanspruch, bei dieser Liste geht es nicht einmal darum, welche Disney-Filme ich für am besten halte, sondern welche mir besten gefallen.

 

Platz 10: Hercules

Das geht schon fast ins Guilty-Pleasure-Territorium, denn Disneys „Hercules“ ist in meinen Augen kein wirklich guter Film, zu groß sind die Logiklöcher, und weshalb gerade Gospel zur griechischen Antike passen soll ist mir bis heute ein Rätsel. Apropos, die griechische Mythologie wird hier natürlich absolut nicht vorlagengetreu wiedergegeben, was allerdings auch kaum jemand erwartet hätte; allein die Zeus/Hera-Beziehung ist für einen Disney-Film ziemlich ungeeignet. Die eigentliche Vorlage des Films ist auch nicht griechische, sondern amerikanische Mythologie, vor allem „Superman“ und „Rocky“.

Trotzdem liebe ich diesen Film, und das vor allem aus drei Gründen: Da wäre erstmal der sehr eigenwillige Stil, denn kein anderer Disney-Film sieht aus wie „Hercules“. Außerdem war es „Hercules“, der mein Interesse an und meine Faszination für die griechische Mythologie geweckt hat, etwas, das man ihm nicht hoch genug anrechnen kann, selbst wenn er mit griechischer Mythologie wirklich nicht allzu viel zu tun hat. Und letztendlich ist da natürlich Hades, gesprochen vom grandiosen James Woods. Ursprünglich wäre Hades wohl, wie so viele andere Versionen des Gottes in der Populärkultur, ein stereotyper machthungriger Gott geworden, aber James Woods machte sich Hades zu Eigen und schuf so einer einzigartige Figur, eine Kreuzung aus Satan und einem Gebrauchtwagenhändler. Jedes Mal, wenn Hades auftaucht, dominiert er den Film, und ohne ihn wäre „Hercules“ nicht einmal halb so sehenswert.

Platz 9: Das Dschungelbuch

„Das Dschungelbuch“ dürfte der erste Film sein, den ich als Kind gesehen habe; nicht im Kino, sondern überhaupt. Tatsächlich habe ich ihn in der Zwischenzeit vielleicht ein, zwei Mal zu oft gesehen, deshalb ist er „nur“ auf Platz 9 gelandet. Über die Vorzüge des „Dschungelbuch“ muss ich mich ja wohl kaum auslassen, der letzte Film, an dem Walt Disney noch persönlich mitgewirkt hat, gehört zweifellos zu den großen Klassikern, die Figuren sind ikonisch, die Songs sind ikonisch, einzig Mowgli ist irgendwie langweilig und ein wenig unsympathisch – seine Hauptaufgabe ist eigentlich, die ganzen tierischen Figuren zur Interaktion zu bringen. Egal ob Balu mit King Louie tanzt, Baghira sich mit Colonel Hati unterhält oder Shere Kahn von Geiern angegriffen wird, jede animalische Interaktion sorgt für einen klassischen Moment der Filmgeschichte.

Platz 8: Dornröschen

„Dornröschen“ ist ein ähnlicher Fall wie „Hercules“: Der Film hat einige massive Schwächen, aber wenn er gut ist, ist er richtig gut. Zu den Schwächen gehört zum Beispiel die Tatsache, dass Aurora, die ja, zumindest dem Titel nach, die Protagonistin des Films ist, die wohl profilloseste Disney-Prinzessin ist – nach Cinderella und Schneewittchen muss man das erst einmal hinbekommen. Aber eigentlich geht es ohnehin nicht um Aurora oder ihren Angebeteten Prinz Philip, sondern um die Auseinandersetzung zwischen Malefiz und den drei Feen Flora, Fauna und Sonnenschein – Prinz und Prinzessin sind im Grunde lediglich Spielfiguren, die Feen sind die handelnden Personen und, neben Tschaikowskys grandioser Musik und dem Stil, der an mittelalterliche Wandteppiche erinnert, die größte Stärke des Films. Malefiz ist ohne Zweifel eine der besten und ikonischsten Disney-Schurken, während die drei Feen liebenswürdig, lustig, aber bestimmt sind. Gerade deshalb fand ich ihre Darstellung in „Maleficent“ übrigens auch geradezu beleidigend: Während sie im Original zwar durchaus ihre etwas exzentrischeren Momente haben, sind sie letztendlich aber doch durchaus fähig. In „Maleficent“ dagegen werden sie als völlig hirnlos dargestellt – und das haben sie nun wirklich nicht verdient.

Platz 7: Arielle, die Meerjungfrau

„Arielle, die Meerjungfrau“ startete die Disney-Renaissance der 90er und war der erste Disney-Erfolg des großartigen Teams Howard Ahsman/Alan Menken (Text und Musik). Die Macher des Films revitalisierten die klassische Disney-Märchenformel von „Schneewittchen“, „Cinderella“ und „Dornröschen“ und verbesserten sie bzw. passten sie der Zeit an. Bei allen drei Filmen geht es eigentlich eher um die diversen Nebenfiguren (Zwerge, Mäuse, Feen) und diese besitzen auch Profil, während die Prinzessinnen quasi völlig eigenschaftslos sind. Im Gegensatz dazu hat Arielle tatsächlich eine Persönlichkeit und sie und Prinz Eric (der leider immer noch ziemlich gut ins alte Prince-Charming-Raster passt) müssen tatsächlich für ihre Beziehung arbeiten, zwar nur drei Tage, aber im Gegensatz zur alten Liebe auf den ersten Blick ist das schon ziemlich lange. Natürlich sind es trotz allem letztendlich wieder die Nebenfiguren, die „Arielle, die Merrjungfrau“ unvergesslich machen, in erster Linie eine gewisse Krabbe mit jamaicanischem Akzent und eine gewisse Meerhexe, die auf einer Drag-Queen basiert. Mit „Arielle“ lieferte Disney die Formel für die Renaissance-Filme.

Platz 6: Mulan

Wo wir gerade dabei sind: Die Disney-Renaissance umfasst zehn Jahre und zehn Filme, „Arielle“ startete sie 1989 (übrigens mein Geburtsjahr – da gibt’s sicher einen Zusammenhang), danach kamen „Bernhard und Bianca im Kängururland“, „Die Schöne und das Biest“, „Aladdin“, „Der König der Löwen“, „Pocahontas“, „Der Glöckner von Notre-Dame“, „Hercules“, „Mulan“ und „Tarzan“. Da ich „Tarzan“ nie allzu viel abgewinnen konnte (nicht schlecht, konnte mich aber nie wirklich für sich einnehmen), ist „Mulan“ in meinen Augen der letzte richtig gute Renaissance-Film. Das hat natürlich mehrere Gründe, unter anderem die Atmosphäre, die Protagonistin, die diversen Sidekicks und den tollen Score von Jerry Goldsmith (einer seiner letzten). Die Songs sind leider, bis auf I’ll Make a Man out of You, das ein brutaler Ohrwurm ist, leider kaum mehr als funktional, aber dafür kann Goldsmith nichts, denn bei den Songs war er nicht involviert.

Platz 5: Küss den Frosch

„Küss den Frosch“ ist der Beweis, dass es nicht nur auf Nostalgie ankommt, immerhin ist dieser Film bei Weitem der jüngste auf der List und nimmt eine ziemlich interessante Stellung ein. Nachdem mit „Tarzan“ die Disney-Renaissance endete, änderte sich das Vorgehen des Studios. Die Filme, die danach kamen, waren keine Musicals mehr und legten bezüglich Thematik und Stil andere Schwerpunkte. Manche davon sind noch durchaus gelungen und haben viele Fans, etwa „Lilo und Stich“ oder „Ein Königreich für ein Lama“, andere dagegen zählen zu den schlechtesten Disney-Filmen überhaupt, vor allem, als das Studio begann, Animationsfilme ohne Pixar zu produzieren und sie als Teil des Meisterwerkekanons zu etablieren – wer erinnert sich schon noch an „Himmer und Huhn“? „Küss den Frosch“ dagegen ist ein Film, der sich gezielt auf die Traditionen der Renaissance (modernisiertes Märchen-Musical) besinnt und eventuell eine neue Renaissance eingeläutet hat, denn auch „Rapunzel“ und „Die Eiskönigin“ setzen, trotz der Tatsache, dass sie keine Zeichentrickfilme mehr sind, ähnlich Schwerpunkte und werden von Fans und Kritikern bejubelt. Wie dem auch sei, nach Jahren minderwertiger Disney-Filme ist „Küss den Frosch“ geradezu eine Offenbarung, mit großartiger Südstaatenatmosphäre, einem grandiosen Schurken und liebenswerten Haupt- und Nebencharakteren. Die Musik von Randy Newman ist nicht ganz so meins, passt stilistisch aber sehr gut und zumindest Friends on the Other Side ist definitiv einer von Disneys besten Schurkensongs.

Platz 4: Die Schöne und das Biest

Es gibt Disney-Filme, die haben bessere Songs als „Die Schöne und das Biest“, oder lustigere oder interessantere Figuren, oder einen markanteren Schurken. Insgesamt bin ich allerdings der Meinung, dass „Die Schöne und das Biest“ das rundeste aller Disney-Meisterwerke ist. In Einzelaspekten mögen andere Filme diesen übertreffen, nicht aber im Zusammenspiel, alles passt hier wie ein Uhrwerk genau ineinander. Würde es in dieser Liste um den meiner Meinung nach besten Disney-Film gehen, wäre „Die Schöne und das Biest“ wahrscheinlich auf Platz 1 oder 2, aber da es um persönliche Favoriten geht, ist es eben „nur“ Platz 4 geworden.

Wie schon „Arielle“ basiert auch „Die Schöne und das Biest“ auf der Disney-Märchenformel, und wo „Arielle“ verbesserte, arbeitet „Die Schöne und das Biest“ der Perfektion entgegen, denn hier stimmt einfach alles, von Belle über das Biest, die diversen Sidekicks und natürlich Gaston. Vor allem die Parallelen und die entgegengesetzte Entwicklung des Biests und Gaston sind ganz großes Kino. Nicht nur ist Gaston das dunkle Spiegelbild früherer Disney-Prinzen, seine Reise endet gewissermaßen dort, wie die des Biests begann; beide Figuren entwickeln sich über den Film hinweg umgekehrt proportional – das Biest wird menschlicher, Gaston wird monströser.

Platz 3: Aladdin

Noch so ein Film, zu dem ich eine sehr tiefe, nostalgische Verbundenheit spüre. Disneys „Aladdin“ ist wahrscheinlich einflussreicher, als viele denken, denn im Grunde lieferte er die Vorlage für viele der späteren Dreamworks-Filme, was natürlich in erster Linie Robin Williams als Dschinni zu verdanken ist. „Aladdin“ ist gespickt mit popkulturellen Verweisen und intertextuellem Humor. Natürlich ist auch jeder andere Disney-Film anachronistisch, aber „Aladdin“ erhebt erhebt den Anachronismus quasi zur Kunstform. Dschinni macht aus diesem Grund einen Großteil des Reizes von „Aladdin“ aus, aber auch der Rest weiß zu überzeugen, vom Tempo und dem Humor über die Musik (das letzte Mal, das Alan Menken mit Howard Ashman zusammenarbeitete, der starb, bevor Aladdin vollendet werden konnte) bis hin zu Dschafar, der nach wie vor zu meinen liebsten Disney-Schurken gehört.

Platz 2: Der König der Löwen

„Der König der Löwen“ war nicht der erste Disneys-Film, den ich im Kino gesehen habe (das war tatsächlich „Aristocats“), aber immerhin der zweite. Dafür war er aber wohl der erste Film, der mich im Vorfeld gehypt hat. Damals muss ich etwa vier oder fünf Jahre alt gewesen sein, und Promomaterial für einen Film war damals noch eher rar, speziell, wenn man sich in diesem Alter befindet – trotzdem haben ein paar Bilder oder etwas ähnlich gereicht, um die Vorfreude ins Unermessliche zu steigern.

Ganz ähnlich wie „Die Schöne und das Biest“ ist auch „Der König der Löwen“ eine äußerst runde Angelegenheit, ein in sich sehr stimmiger Streifen. Was ihn für mich noch über „Die Schöne und das Biest“ erhebt, ist die Tatsache, dass er es schafft, mich noch in weitaus größerem Maße emotional miteinzubeziehen. Interessanterweise handelt es sich hierbei um den ersten Disney-Film, der nicht direkt auf irgendeiner Vorlage beruht, auch wenn die Prämisse „Bambi meets Hamlet in Africa“ lautet. Vielleicht ist es genau die, nennen wir es mal „Shakespear’sche Gravitas“, die den Film für mich und so viele andere so besonders macht. Und dann sind da natürlich noch die brillanten Figuren und Sprecher, die großartige Atmosphäre und der grandiose Score, der zu Ersterer maßgeblich beiträgt. Tatsächlich gibt es nur einen anderen Disney-Film, der dasselbe epische Ausmaß erreicht wie der „König der Löwen“ und das ist…

Platz 1: Der Glöckner von Notre-Dame

Disneys Adaption von Victor Hugos Roman um Sünde, Religion und Architektur ist eine ähnlich Kreatur wie „Hercules“ oder „Dornröschen“. Es handelt sich dabei um eine recht unrunde Angelegenheit, die weit weniger in sich stimmig ist als „Der König der Löwen“ oder „Die Schöne und das Biest“, denn manchmal wollen die einzelnen Elemente einfach nicht so recht ineinander greifen, vor allem, wenn die drei Wasserspeier involviert sind. Das Gesamtbild ist unausgewogen und geprägt von Höhen und Tiefen, in seinen Höhen kommt „Der Glöckner von Notre-Dame“ allerdings weiter hinaus als alle anderen Disney-Filme. Die Unebenheit könnte an der Gewagtheit dieses Projekts liegen, denn die oben erwähnten Themen des Romans sind ja nun nicht unbedingt typisch Disney; der „Glöckner“ dürfte der erste Film des Studios mit der Maus sein, der einen Schurken hat, der mit seiner eigenen Lust kämpft und eine ethnische Säuberung durchführt. Wahrscheinlich wollten die Studiobosse zum Ausgleich den eher infantilen Wassersepeierhumor und das recht seichte Happy-End. Aber das sind letztendlich Kompromisse, dich ich gerne eingehe. Atmosphäre, epische Breite, Schurke und Musik dieses Films sind von außerordentlicher Qualität und suchen im Kanon der Disney-Meisterwerke ihresgleichen – was eine enorme Leistung ist.

Aktuell: Zweiter Star-Wars-Anthology-Film über Han Solos Jugend

Nachdem das erste der angekündigten Spin-offs, die inzwischen den Reihentitel „Star Wars Anthology“ erhalten haben, die Rebellen und den Diebstahl der Todessternpläne behandeln, setzt sich das zweite mit Han Solos Jugend auseinander. Das ist eine Neuigkeit, die mich verhältnismäßig gleichgültig stimmt, denn zugegebenermaßen ist Han Solo jetzt nicht unbedingt eine Figur, von der ich unbedingt mehr sehen müsste. Ich habe nichts gegen Han, aber er hat auch nie so wirklich zu meinen Favoriten gezählt, einen Film über seine Jugend bräuchte ich jetzt nicht unbedingt, da finde ich die Konzeption von „Rogue One“ tatsächlich interessanter und ansprechender.

Es fällt allerdings mal wieder auf, dass Disney relativ sicher spielt und in erster Linie OT-Fans bedient, die beiden ersten Spin-offs erzählen, so scheint es zumindest, wohl die direkte Vorgeschichte zu „Eine neue Hoffnung“, und „Star Wars Rebels“ tut das ja auch. Ansehen werde ich mir den Film natürlich auf jeden Fall, und natürlich hoffe ich, dass er unterhaltsam ist, aber dennoch gibt es im Star-Wars-Universum weitaus kreativere Sachen, die man verfilmen könnte – oder zumindest Sachen, die mich weitaus mehr interessieren würden (die alten Sith + Guillermo del Toro + Inspiration aus dem EU + Christopher Young als Komponist = ich verdammt gehypt; aber das bleibt wohl Wunschdenken).

Quelle

Stück der Woche: A Very Respectable Hobbit


Es lässt sich nicht leugnen: Ich schreibe unheimlich gerne über Howard Shores Mittelerde-Musik. Gerade, wenn man sich einzelne Stücke herauspickt, zeigt sich, wie vielschichtig diese angelegt sind. Nun hat Doug Adams ja in „The Music of the Lord of the Rings Films“ schon sämtliche Stücke der Complete Recordings der HdR-Scores durchexerziert, es gibt dort also kaum mehr etwas zu schreiben, was er in seinem Buch nicht bereits besser ausgedrückt hätte. Zu den Hobbit-Filmen fehlt ein derartiges Buch allerdings, und die Linear Notes der Alben sind nicht wirklich ein Ersatz. Im Rahmen meiner Artikelserie „Stück der Woche“ werde ich nun, vor allem, weil mir das Verfassen des Artikels „Stück der Woche: My Dear Frodo“ so verdammt viel Spaß gemacht hat, zwar nicht alle, aber doch einige wichtige Stücke der drei Hobbit-Scores genau betrachten.

A Very Respectable Hobbit ist ein Stück, das sich ausschließlich auf der Special Edition des Soundtracks von „Eine unerwartete Reise“ findet und auch, zumindest in dieser Form, nicht im Film vorkommt. Stattdessen handelt es sich um eine Themensuite, die die vier Themen für Bilbo durcharbeitet. Betrachtet man My Dear Frodo als Ouvertüre der Hobbit-Filme, vervollständigt A Very Respectable Hobbit diese gewissermaßen. Leider enthält es auch die Themen, die in den folgenden Hobbit-Filmen definitiv zu kurz kamen, warum auch immer (ich habe Peter Jackson im Verdacht).

Das Stück beginnt mit einer sehr zurückhaltenden Version von Bilbos Abenteuerthema, zuerst gespielt von der Soloflöte, dann stoßen die Streicher dazu. Bei 0:38 geht es in Bilbos eigentliches Hauptthema über, das mit dem Abenteuerthema eng verwandt ist und in zwei Fassungen vorliegt, eine für seine Beutlin-Seite und eine für seine Tuk-Seite. Leider habe ich ziemlich Probleme, beide Fassungen auseinanderzuhalten.

Ab 0:52 sind die vertrauten Klänge des Auenlandthemas zu hören; dieses bildet ohnehin die Grundlage für Bilbos thematisches Material und darf hier natürlich nicht fehlen. Je nach Betrachtungsweise sind alle seine anderen Leitmotive eigentlich Erweiterungen und Ableitungen des Auenlandthemas, denn letztendlich ist Bilbo immer noch in erster Linie ein Hobbit.

Bei 1:08 folgt schließlich das, was Doug Adams als „Bilbo’s Fussy Theme“ bezeichnet. Dieses Motiv, das weniger auf das Auenlandthema als auf ein sehr ähnliches Motiv aus Shores „Hugo“ zurückgeht, untermalt meistens Bilbos Albernheiten oder Ungeschicklichkeiten.

Während alle drei spezifischen Bilbo-Themen (und das Auenlandthema sowieso) in „Eine unerwartete Reise“ durchaus angemessen eingesetzt werden, hat Bilbo an der leitmotivischen Tapete der beiden Folgefilme kaum noch Anteil – was ein wenig paradox ist, immerhin ist er doch der Titelheld. Da Howard Shore seine Themen eigentlich nicht so asymmetrisch entwickelt (jedenfalls hat er das im HdR nicht getan), gehe ich davon aus, dass Jackson mit ihnen nicht sonderlich zufrieden war und Shore angewiesen hat, sich stärker auf die orts- und zwergengebundenen Themen zu konzentrieren. Das Beutlin/Tuk-Thema wurde nach „Eine unerwartete Reise“ vollkommen fallengelassen. In Smaugs Einöde taucht Bilbos Abenteuerthema einmal auf (Barrels out of Bond), das „Fussy Theme“ zweimal (ebenfalls Barrels out of Bond und Thrice Welcome), und selbst das Auenlandthema, das nun zur primären Repräsentation Bilbos dient, taucht, mit Ausnahme einiger subtiler Andeutungen, nur zwei Mal auf (The Quest for Erebor und The Courage of Hobbits).

Auch in „Die Schlacht der fünf Heere“ sieht es nicht sehr viel besser aus. Das Auenlandthema selbst ist in The Ruins of Dale und There and Back Again zu hören, während Bilbos Abenteuerthema noch einmal in The Return Journey auftaucht. Insgesamt finde ich es ziemlich schade, das der eigentliche Protagonist der Trilogie im zweiten und dritten Film musikalisch so unterrepräsentiert ist – glücklicherweise haben diese beiden Scores allerdings mehr als genug Stärken, um das auszugleichen.

Siehe auch:
My Dear Frodo
Axe or Sword?
The World Is Ahead
An Ancient Enemy