Mad Max: Fury Road

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Story: In einer postapokalyptischen Zukunft ist von der Menschheit nicht mehr allzu viel übrig. Was noch da ist, wird von dem tyrannischen Immortan Joe (Hugh Keays-Byrne) regiert, der sich u.a. auch mehrere Frauen als Eigentum hält – bis eine seiner Truckfahrerinnen, Imperator Furiosa (Charlize Theron), seine fünf „Ehefrauen“ mit deren Einverständnis kidnappt. Joe ist davon nicht begeistert und schickt den Flüchtenden seine motorisierten Horden hinterher. Max Rockatansky (Tom Hardy) ist eher unfreiwillig als „Blutbeutel“ eines jungen Warboy (quasi Soldaten Joes) namens Nux (Nicholas Hoult) dabei, kann sich jedoch befreien und schließt letztendlich ein Zweckbündnis mit Furiosa, um Joe endgültig zu entkommen.

Kritik: Nach mehreren Jahrzehnten kehrt George Miller, der Regisseur der Mad-Max-Trilogie, die u.a. Mel Gibson zum Durchbruch verhalf, zu seiner Schöpfung Max Rockatansky zurück. Leider muss ich gestehen, dass ich mich mit den Mad-Max-Filmen bisher nicht beschäftigt habe, ich habe sie noch nicht einmal gesehen. Immerhin habe ich ein wenig recherchiert, um herauszufinden, in welchem Verhältnis „Mad Max: Fury Road“ zu den anderen Filmen steht. Das Ergebnis ist ziemlich uneindeutig; ein wirkliches Remake ist es nicht, denn so weit ich das beurteilen kann, hat dieser Film inhaltlich mit den Mel-Gibson-Streifen nicht allzu viel zu tun. Eine Fortsetzung ist es nicht, denn „Fury Road“ passt auch nicht zur Kontinuität der alten Trilogie. Am ehesten handelt es sich wohl um einen Reboot (oder ein Requel, so ähnlich wie „Der unglaubliche Hulk“), bzw. eine Neubearbeitung einer alten Idee – irgendwie habe ich das Gefühl, dass sich George Miller um das Verhältnis selbst nicht allzu viele Gedanken gemacht hat.

Wie dem auch sei, „Mad Max: Fury Road“ habe ich mir vor allem wegen des überschwänglichen Lobs von allen Seiten angeschaut, und ich muss sagen, dieses Lob verdient sich der Film durchaus. „Fury Road“ hat natürlich auch so seine Schwächen: Die Geschichte ist ziemlich dünn und lässt sich im Grunde mit „There and back again“ zusammenfassen: Die Helden reisen, verfolgt von den Schurken, zu einem besseren Ort, nur um festzustellen, dass dieser Ort nicht mehr existiert, sodass sie zurückkehren müssen. Woran es ebenfalls mangelt sind Hintergründe und Motivationen. Bei Max erfahren wir immerhin ein wenig: Er war einmal ein Cop (wann das wohl war, die Welt des Films wirkt, als wäre der Atomkrieg, oder was auch immer für den aktuellen Status Quo verantwortlich ist, schon eine ganz Weile her) und hat es nicht geschafft, diverse Leute zu retten, die ihn gewissermaßen heimsuche. Bei Furiosa und den anderen Figuren sind es nur, wenn überhaupt, extrem subtile Andeutungen. Glücklicherweise sind die Darsteller, allen voran Tom Hardy und Charlize Theron, stark genug, um den Film tragen zu können, auch wenn ihre Rollen aus schauspielerischer Perspektive nicht allzu anspruchsvoll sind. Als Zuschauer fiebert man dennoch mit. Allerdings finde ich die Figurenkonstellation ziemlich gelungen, gerade weil sie so anders ist als im typischen Actionfilm und gut zur Botschaft passt. Man könnte vielleicht noch kritisieren, dass der Film auch genauso gut (oder sogar treffender) „Imperator Furiosa: Fury Road“ hätte heißen können, aber da sollte man nicht kleinlich sein, Max ist ja durchaus ein Protagonist, eben nur nicht DER Protagonist; auf Grund der Bekanntheit des Namens verkauft sich der Film einfach besser.

Ebenso wie der Hintergrund der Figuren wird auch die Welt selbst kaum erklärt. Da ich mich sehr für erzählte Welten, egal ob völlig fiktional oder nicht, interessiere, ist das für mich schon ein Mangel, allerdings muss dazu gesagt werden, dass „Fury Road“ auch ohne derartige Erklärungen gut funktioniert, da der Film das, worum es geht, ziemlich gut vermittelt, ohne dass man auf die Hintergründe angewiesen wäre. Was „Fury Road“ wirklich ausmacht, ist die schiere Absurdität in Kombination mit der Kreativität des Designs. Mad Max‘ Welt funktioniert vor allem auf Basis der „Rule of Cool“: Warum zur Hölle hat Immortan Joes Konvoi einen Wagen mit Schlagzeug und einem Musiker mit Feuer speiender E-Gitarre? Eigentlich sinnlos, aber ehrlich, wer denkt bei einem solchen Anblick nicht „das brauche ich auch“?

Die zweite große Stärke von „Fury Road“ geht direkt aus der ersten hervor: Die rasante Action, die einen als Zuschauer kaum zu Atmen kommen lässt. Zwar gibt es ein, zwei ruhigere Stellen, von diesen einmal abgesehen ist aber immer etwas los, ohne dass es einen Abnutzungseffekt geben würde. Genau wie das Design ist auch die Action verdammt kreativ und, da sie zumeist auf mehreren, sich in Bewegung befindlichen Fahrzeugen stattfindet (und die Effekte darüber hinaus fast ausschließlich praktischer Natur sind), höchst beeindruckend.

Zum Schluss noch ein Wort zur Musik: Diese stammt von Zimmer-Adept Tom Holkenborg alias Junkie XL, der bereits für „Divergent“ und „300: Rise of an Empire“ komponierte und für „The Dark Knight Rises“ und „Man of Steel“ zusätzliche Musik lieferte. Besonders Letzteres merkt man auch, denn Holkenborgs Score für „Fury Road“ ist im Grunde eine noch harschere und brutalere Version des sehr Percussion-lastigen Superman-Soundtracks. Alle typischen RCP-Elemente sind vorhanden: Extrem simple melodische Konstrukte, viel Bass, treibende Rhythmik und viel elektronische Verfremdung. Diese Herangehensweise passt zu Mad Max allerdings weitaus besser als zu Superman, weshalb der Score durchaus in einzelnen Momenten über die reine Funktionalität hinausgeht. Dennoch fragt man sich unweigerlich, was wohl ein Komponist wie, sage wir, Don Davis mit diesem Material angestellt hätte.

Fazit: „Mad Max: Fury Road“ ist eine martialische, unheimlich unterhaltsame Tour de Force, die vor allem durch die atemlose Action und die absurde Kreativität besticht.

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