GoT: The Gift

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Castle Black
Der Handlungsstrang auf Castle Black ist in dieser Episode sehr zwiespältig: Jon, Tormund und einige andere schwarze Brüder, denen Jon vertraut, brechen nach Hardhome auf, was auch bedeutet, dass Sam und Gilly nun ziemlich alleine sind, umgeben von Menschen, die ihnen nicht unbedingt wohlgesonnen sind. Nebenbei versuchen Benioff und Weiss hier auch noch Handlung aus „A Feast for Crows“ unterzubringen, die dort in völlig anderem Kontext stattfindet, vornehmlich sind das der Tod von Maester Aemon und Sams und Gillys erstes Mal. Alle Szenen mit Aemon (inklusiver einer Erwähung von Egg/Aegon V. aus den Heckenritter-Novellen) sind vollauf gelungen, sodass er, und auch sein Darsteller Peter Vaughan würdig aus der Serie verabschiedet werden. Dazu kommt ein gewaltiges Novum: Jemand stirbt tatsächlich an Altersschwäche – in Westeros und Essos kommt das ziemlich selten vor.
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Maester Aemon (Peter Vaughan)

Die Weiterführung der Sam/Gilly-Handlung dagegen ist weniger gelungen, denn Benioff und Weiss nutzen, mal wieder, die Vergewaltigungsthematik als Plotkatalysator. Dieses Mal bleibt es zwar bei einer versuchten Vergwaltigung, aber dennoch wirkt das Ganze unendlich plump inszeniert. Es scheint so langsam, als würden die beiden immer dann, wenn sie nicht mehr wissen, wie sie einen von ihnen abgewandelten Handlungsstrang weiterführen sollen, zu einer Vergewaltigung oder einer Beinahe-Vergewaltigung greifen – und das funktioniert einfach nicht.

Winterfell
Die Situation hat sich für Sansa nicht gebessert, wobei immer noch unklar ist, wohin das Ganze hinführen soll. Es gibt gewisse Ähnlichkeiten zu Staffel 3, als Ramsay Theon quasi zur Flucht verhalf, nur, um ihn dann wieder einzufangen und so seine Hoffnungen zu zerschlagen, nur dass es dieses Mal nicht Ramsay ist der es inszeniert. Stattdessen versucht Sansa mit Theons Hilfe, Brienne zu rufen (wenn auch unwissentlich), allerdings ist Theon noch zu sehr Reek, als dass das funktionieren würde – somit werden auch Sansas Hoffnung unerbittlich zerstört. Immerhin ist sie nicht ganz so passiv und verstört und kann Ramsay ein wenig manipulieren, indem sie ihn daran erinnert, dass sein Vater einen zweiten Sohn erwartet, der ihn eventuell überflüssig machen könnte.

Interessant ist hier, wie der Zuschauer, der zusammen mit Sansa hofft und Dinge sehen kann, die ihr verwehrt bleiben, mehrmals durch Einstellungen und Szenenwechsel getäuscht wird. Zuerst scheint es, als würde Theon tatsächlich zum Turm steigen, um die Kerze anzuzünden, dann sehen wir aber, dass er in Ramsays Speisezimmer steht. Etwas ähnliches kommt noch einmal: Brienne blickt nach Winterfell, dann geht eine Kerze an, doch die Kerze gehört zur nächsten Szene, die auf Castle Black spielt.

Auf dem Weg nach Winterfell
Wie in „A Dance with Dragons“ hat Stannis auch in der Serie massive Probleme, denn er und seiner Armee wurden von einem Schneesturm festgesetzt. Wo sich seine Offiziere im Roman fragen, ob es helfen würde, wäre Melisandre anwesend, beantwortet die Serie diese Frage, da die rote Priesterin da ist. Zwar kann sie erst einmal auch nichts ausrichten, weiß aber eine Lösung, die bereits in der letzten Staffel angedeutet wurde: Die Opferung von königlichem Blut. Im Klartext bedeutet das, Melisandre möchte Shireen ihrem Gott opfern. Noch ist Stannis entschieden dagegen. Noch…

Dorne
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Jaime (Nikolaj Coster-Waldau) und Myrcella (Nell Tiger Free)

Es gibt zwei kurze Szene in Dorne: Jaime, untergebracht in einer ziemlich komfortablen und seiner hohen Geburt angemessenen Zelle, erhält Besuch von Myrcella. Dies erinnert an ein schlechtes Teenie-Drama, denn Myrcella hegt, wie wir ja schon wissen, keinerlei Ambitionen, Dorne und Trystane zu verlassen. Mit anderen Worten, das Gespräch ist ziemlich redundant. Und dann ist da noch eine Szene im Gefängnis zwischen Bronn und den Sandschlangen, die eine Rezensent von winteriscoming.net in meinen Augen extrem treffend bewertet hat: „Well, that scene went nowhere and was shamelessly exploitative, but it’s still the best scene involving the Sand Snakes all season.” (Quelle). Tatsächlich hatte ich hier das erste Mal das Gefühl, dass die Sandschlangen tatsächlich Charaktere und nicht nur Gimmicks waren, was auch daran liegen könnte, dass die drei Darstellerinnen hier tatsächlich spielen durften und nicht nur Exposition von sich geben oder in einer schlecht choreographierten Kampfszene mitwirken mussten. Es sind tatsächlich kleine Dinge wie das Augenrollen von Nymeria und Obara, die dabei helfen, die Sandschlangen als Personen wahrzunehmen.

King’s Landing
In der Hauptstadt entwickeln sich die Dinge sehr schnell. Das Gespräch zwischen zwischen Olenna und dem Hohen Spatzen (ein weiteres Mal ein Dialog, der so in den Romanen nie stattgefunden hat), reißt eine interessante Thematik auf, da die sich Aristokratie von Westeros tatsächlich noch nie mit größeren Erhebungen von Gemeinen auseinandersetzen musste – wird das noch zu einem Thema, oder bleibt es bei einer kurzen Erwähnung?

Dann taucht auch noch Littlefinger auf und schmiedet neue Intrigen mit Lady Olenna, bei denen es wohl um Olyvar geht; immerhin ist er derjenige, der für Loras‘ Verhaftung verantwortlich ist. Eventuell hecken die beiden aus, ihn als Zeugen entweder umzubringen oder zu einem geänderten Aussage zu bringen.

Für Cersei geht es derweil rapide bergab, denn nach einem kurzen Besuch bei Margaery wird auch sie vom Glauben verhaftet. Selbst für Nichtbuchleser war das wohl bereits abzusehen, angesichts dessen, was Lancel alles weiß. Man kann wohl davon ausgehen, dass der Hohe Spatz bereits von Anfang an im Bilde über die Königinmutter war und sie einfach so lange ausgenutzt hat, bis er alles hatte, was er wollte. Bleibt noch zu vermerken, dass die Staffel sehr wenig Zeit darauf verwendet hat zu zeigen, wie Cersei durch ihre Herrschaft das Reich weiter ruiniert; bei Martin wird dies in „A Feast for Crows“ sehr ausführlich dargestellt.
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Cersei (Lena Headey) in ihrer Zelle

Meereen
In dieser Folge geschieht das, worauf Leser wie Zuschauer lange gewartet haben und was Ersteren (zumindest auf dem Papier) bis heute vorenthalten wurde: Tyrion und Daenerys begegnen sich. Jorah und Tyrion werden verkauft und landen dort, wo sie hinwollten: In den Arenen von Meereen, wo Daenerys tatsächlich die ersten Probekämpfe überwacht. Ser Jorah besiegt alle Gegner, und Tyrion präsentiert sich als titelgebendes Geschenk (wobei es in dieser Folge noch mehr Geschenke als nur dieses eine gab). Das Ganze mag etwas verhastet wirken, verfehlt aber seine Wirkung (zumindest bei mir nicht): Die Vorstellung, dazu die leichten Anklänge von The Rains of Castamere – ja, ich denke, das ist eine zufriedenstellende Begegnung dieser beiden Protagonisten.

Fazit: „The Gift“ ist eindeutig stärker als die vorherige Episode und weiß vor allem in Einzelmomenten zu überzeugen, gibt allerdings kein wirklich gelungenes Ganzes ab.

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