Lords of the Sith

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Es gibt Romantitel, die sind einfach unwiderstehlich. Der vierte Roman der Star-Wars-Einheitskontinuität nach „A New Dawn“ (mäßig), „Tarkin“ (kein Meisterwerk, aber definitiv solide) und „Heir to the Jedi“ (bislang noch nicht gelesen) hat so einen Titel; bei „Lords of the Sith“ kann ich einfach nicht widerstehen. Als Fan der Dunklen Lords treibt mich natürlich schon lange die Frage um, was die Einheitskonitnuität für die Sith bedeutet. Im EU hatten sie eine lange, interessante und wechselhafte Geschichte mit vielen verschiedenen Inkarnationen und philosophischen Herangehensweisen. Leider ist „Lords of the Sith“ diesbezüglich eine ziemliche Enttäuschung. Ich hatte es zwar nicht erwartet, aber doch gehofft, dass dieser Roman sich nicht nur mit Vader und Sidious auseinandersetzt (was er auch nur mäßig tut), sondern auch mit dem philosophischen Überbau des Ordens. Paul S. Kemp wäre als Autor dafür auch gar nicht ungeeignet, schließlich hat er verschiedene Inkarnationen des Ordens in seinen bisherigen Romanen „Betrogen“ und „Gegenwind“ passend dargestellt. Wie schon bei den anderen Romanen ist es allerdings fraglich, ob man für den Mangel an „Sithness“ wirklich Paul S. Kemp und nicht die Lucasfilm-Storygroup verantwortlich machen sollte, die sich den Orden für zukünftige Filme oder andere Projekte aufheben wollen.

Nach vier Romanen, die in der Zeit zwischen „Die Rache der Sith“ und „Eine neue Hoffnung“ spielen, zeichnet sich in der Zwischenzeit auch ein recht deutliches Muster ab. Obwohl nur „A New Dawn“ wirklich als Tie-In zu „Star Wars Rebels“ vermarktet wurde, sind eigentlich alle bisherigen Werke der Einheitskontinuität, „Heir to the Jedi“ ausgenommen, Begleitromane zu „Rebels“, denn alle drei folgen demselben Grundmuster: Irgendwo in der Galaxis taucht eine kleine, unabhängige Rebellenzelle auf, die vom Imperium bekämpft werden muss. „A New Dawn“ stellt mit Kanan und Hera die Helden der Animationsserie vor, während „Tarkin“ und „Lords of the Sith“ die Schurken genauer behandeln – nach dem Trailer zur zweiten Rebels-Staffel, in der sowohl Vader als auch Tarkin größere Rollen spielen und Sidious ebenfalls vorkommt, dürfte es da kaum noch Zweifel geben.

Die Prämisse von „Lords of the Sith“ ist aufgrund ihrer Unwahrscheinlichkeit leider nicht wirklich ideal: Vader und Sidious machen auf Ryloth eine von Rebellen verursachte Notlandung und müssen sich durch die Wildnis des Planeten schlagen. Diese Konstellation hat zwar durchaus ihre Reize, ist aber doch eher unpassend, denn Sidious ist zu diesem Zeitpunkt vor allem mit der Lenkung seines Imperiums beschäftigt und verlässt Coruscant nur, wenn es einen wirklich guten Grund gibt, etwa die Fertigstellung des Zweiten Todessterns. Der Grund, den „Lords of the Sith“ liefert, ist für mich leider nicht überzeugend. Und was erschwerend hinzukommt: Man hat nie das Gefühl, dass Vader und Sidious wirklich in Gefahr sind. Es ist auch zugegebenermaßen schwierig, zwei der mächtigsten Wesen der Galaxis zu gefährden, ohne sie abzuwerten, aber dann ist ein Roman mit einer derartigen Handlung einfach nicht wirklich passend.

Eventuell wäre es besser gewesen, die Handlung von „Lords of the Sith“ als von Sidious inszenierte Lektion für Vader zu gestalten. In „Darth Plagueis“ besuchen Plagueis und Sidious als Meister-Schüler-Gespann eine Art Sith-Trainingswelt; etwas, das grob in diese Richtung geht, wäre vielleicht passabler gewesen. So hätte „Lords of the Sith“ tatsächlich ein Roman werden können, der die Sith für den Einheitskanon definiert, am besten in Form eines Pholosophie-SW-Romans á la „Verräter“ (in diesem Fall wäre Matthew Stover dann auch tatsächlich der bessere Autor gewesen).

„Lords of the Sith“ hat allerdings auch durchaus seine positiven Seiten. Die Charakterisierung und Dynamik der beiden Dunklen Lords ist über weite Strecken sehr gelungen, mir erscheint es nur ein wenig seltsam, dass ausgerechnet die Eigenschaft, die in Vaders Kampfstil hervorgehoben wird, die Geschwindigkeit ist. Leider führt das alles nicht wirklich irgendwo hin, gibt keine tieferen Einblicke in die beiden ikonischen Figuren und offeriert nicht wirklich etwas Neues.

Die rebellischen und imperialen Nebenfiguren, unter ihnen Cham Syndulla aus „The Clone Wars“, der im Grunde der eigentliche Protagonist des Romans ist, fand ich durchaus gelungen, von allen derartigen Figuren (in diesem und den anderen beiden Romanen gab es davon dann durchaus einige) fand ich diese mit Abstand am einprägsamsten, und das nicht nur, weil mit Moff Mors die erste offizielle homosexuelle Figur im SW-Universum ihr Debüt gibt (was definitiv zu begrüßen ist, auch wenn das Imperium hier ein wenig zu PC rüberkommt).

Fazit: „Lords of the Sith“ bietet zwar eine gelungene Charakterisierung der Haupt- und Nebenfiguren, allerdings ist die Prämisse des Romans sowie ihre Umsetzung nicht überzeugend, da der Roman kaum etwas Neues offeriert. Somit bleibt „Tarkin“ der bislang stärkste Roman der Einheitskontinuität.

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