GoT: Unbowed, Unbent, Unbroken

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Braavos
In Braavos darf Arya erstmals in den Raum der Gesichter im Haus von Schwarz und Weiß, allerdings ist ihr Weg dorthin im Vergleich zur Vorlage wieder einmal stark verkürzt, sodass ihr eigentlicher Fortschritt nicht besonders gut nachvollziehbar ist. Das Lügenspiel, das sie mit der Herrenlosen spielt, zieht sich beispielsweise über einige Zeit hin, und zwischendurch nimmt Arya zwei verschiedene Identitäten an, lernt sich „natürlich“ zu maskieren und diverse andere Lektionen. Der Gnadentod, den Arya verursacht, ist für diesen Zweck zwar funktional, aber doch auch ziemlich unkreativ.

Sollte Aryas Handlungsstrang nun tatsächlich bereits zum Ende von „A Dance with Dragons“ gesprungen sein, fehlt tatsächlich sehr viel, allerdings besteht natürlich auch die Möglichkeit, dass sie in der Serie bereits sehr viel früher in den Raum der Gesichter darf, um ihre erste falsche Identität zu erlangen. Geht man nach den Romanen, wäre das Cat von den Kanälen.

Die Vermutung liegt nahe, dass Arya in dieser Staffel noch Mace Tyrell begegnen wird, der sich auf dem Weg nach Braavos befindet, immerhin entfällt die Begegnung mit Sam Tarly und in einem der veröffentlichten Promokapitel von „The Winds of Winter“ geschieht etwas, das dem tatsächlich vage gleicht.

Auf dem Weg nach Meereen
Tyrion und Jorah sind immer noch unterwegs. Ihr Anteil an dieser Episode ist relativ knapp, Jorah erfährt von Tyrion, dass sein Vater gestorben ist (ich bin mir nicht sicher, ob Tyrion in den Romanen davon überhaupt wusste), und die beiden Väter, Jeor Mormont und Tywin Lannister werden einander gegenübergestellt. Auch Daenerys und die Gerechtigkeit ihrer Herrschaft wird noch Gesprächsthema, jedenfalls bis Jorah und Tyrion von Sklavenhändlern aufgegriffen werden. Ich weiß, ich wiederhole mich, aber auch hier gilt ein weiteres Mal: Das grundsätzliche Ereignis der Romane ist vorhanden, die Umstände sind aber stark verändert und vereinfacht. Tyrion gelingt es, die Sklavenhändler dazu zu bringen, sich mit ihm und Ser Jorah nach Meereen zu begeben, um Letzteren in den Arenen kämpfen zu lassen, die Daenerys in der vorherigen Folge wieder öffnen ließ; das Ziel der Reise hat sich also nicht geändert, lediglich die Begleitung.

King’s Landing
Littlefinger kommt in King’s Landing an, muss sich kurz mit den Spatzen auseinandersetzen, die ganz offensichtlich sehr große Machtbefugnisse haben, und erzählt schließlich Cersei von den Geschehnissen im Norden, wobei sich der Zuschauer allmählich fragt, was Lord Petyr Baelish eigentlich vorhat. Natürlich, er spielt alle gegeneinander aus, aber bislang ist sehr undurchsichtig, welchen Ausgang des Ganzen er tatsächlich anstrebt. Nachdem, was wir bislang sehen, ist sein Masterplan ziemlich löchrig.

Cerseis Intrige, sich der Tyrells zu entledigen, geht derweil auf und zwingt die Dornenkönigin höchstpersönlich, wieder mitzumischen. Olena Tyrells Rückkehr in die Serie ist definitiv willkommen, auch wenn sie bislang nicht wirklich nötig war. Die Gespräche mit Margaery und Cersei sind zwar amüsant, haben aber kaum wirklichen Mehrwert.

Es kommt schließlich zum Verhör von Margaery und Loras, das aufgrund der Aussage von Olyvar für beide unerfreulich endet: Loras wird wegen Homosexualität verhaftet, Margaery wegen Falschaussage vor den Göttern. Abermals gilt: Letztendlich erfüllt das so seinen Zweck, um die Charaktere dorthin zu bringen, wo sie hin sollen (in diesem Fall Margaery in das Innere einer Zelle), aber ihr Weg wurde unheimlich simplifiziert; in „A Feast for Crows“ spinnt Cersei eine ziemlich raffinierte Intrige, um ihre Ziele zu erreichen, dagegen wirkt das hier ziemlich plump.

Dorne
Der dornische Handlungsstrang ist wohl eine der größten Enttäuschungen, denn was ich oben über Simplifizierung geschrieben habe, trifft auf Jaimes und Bronns Reise in den Süden noch mehr zu. Die ganze Sandschlangenangelegenheit ist fürchterlich banal und plakativ – das war zwar bereits abzusehen, wird in dieser Episode aber überdeutlich. Jaime und Bronn versuchen Myrcella zu kidnappen, die Sandschlangen mischen mit und am Schluss wird alles sehr schnell von Doran Martells Wachen beendet. Der ganze Dorne-Plot besteht quasi aus dem absoluten Minimum des Romangegenstücks, dort waren die Dornischen interessante und vielschichtige Charaktere, hier sind sie alle äußerst flasch und schlicht uninteressant.
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Myrcella Baratheon (Nell Tiger Free) und Trystane Martell (Toby Sebastian)

An Dorne zeigt sich auch sehr gut, mit welchen Problemen die fünfte Staffel zu kämpfen hat: Die ab Band 4 komplexeren und ausufernden Romane, die die Figuren immer weiter verteilen, arbeiten praktisch gegen die Struktur der Serie, deren Platz mit zehn Folgen pro Staffel (vom Budget gar nicht erst zu sprechen) doch recht begrenzt ist. Oft bleibt Benioff und Weiss entweder die Möglichkeit, Elemente und Handlungsstränge ganz zu streichen (so geschehen etwa mit den Geyjoys), oder aber die Plots stark einzudampfen, wodurch diese oftmals unnötig simpel wirken.

Winterfell
Oh, „Game of Thrones“, you did it again. Bereits letztes Jahr gab es eine ordentliche Kontroverse wegen einer Vergewaltigungsszene, das wiederholt sich nun, allerdings (zumindest von mir so empfunden), in noch weiter größerem Ausmaß. Die von Littlefinger und Roose Bolton arrangierte Hochzeit zwischen Sansa und Ramsay wird durchgeführt und die Hochzeitsnacht verläuft in etwa so, wie man sich das bei Ramsays Vorgeschichte vorstellt. Ich muss gestehen, dass mich diese Entwicklung in Sansas Handlungsstrang nicht besonders überrascht, etwas Derartiges war abzusehen. In jedem Fall ist in dieser Situation eine ausführlichere Betrachtung durchaus angebracht, besonders angesichts der starken Emotionen, die der Abschluss dieser Folge hervorgerufen hat.

Zuerst sollte ein Blick auf die Vorlage geworfen werden. Die Szene ist im Roman – auf gewisse Weise. Ramsay heiratet und vergewaltigt seine Braut in der Hochzeitsnacht. In „A Dance with Dragons“ ist es allerdings nicht Sansa, sondern deren Freundin Jeyne Poole, von den Lannisters und Boltons als Arya Stark ausgegeben, die Ramsay ehelichen muss. Also ja, die Szene ist im Roman, allerdings in etwas anderem Kontext und mit einer anderen Braut. Tatsächlich sind die Ereignisse im Roman noch um einiges herber, Theon/Reek muss nicht nur zuschauen, sondern sogar mitmachen. Tatsächlich halte ich den kompletten Winterfell-Abschnitt dieser Episode, auf einer rein inszenatorischen Ebene und unter Ausblendung des inhaltlichen Kontextes, für sehr gelungen, von der geisterhaften, begräbnisartigen Atmosphäre bei der eigentlichen Hochzeit bis zum „Vollzug“, bei dem mit sehr wenig sehr viel erreicht wird. Was graphische Brutalität angeht offeriert diese Szene nämlich kaum etwas, das meiste wird über Stimmung und Spiel der Darsteller vermittelt, was die Szene so wirkungsvoll macht; im besten wie im schlechtesten Sinne.

Inhaltlich sieht es dagegen wieder anders aus. Die drängendste Frage ist, ob dieser Vergewaltigung lediglich als billiger (wenn auch gut inszenierter) Schockmoment fungiert. Wollen Benioff und Weiss lediglich polarisieren? Eine derartige Kontroverse war von ihrer Seite aus durchaus abzusehen, speziell nachdem, was letztes Jahr passiert ist. Es gibt drei Möglichkeiten: Entweder, die beiden sind sehr naiv, oder etwaige Folgen waren ihnen schlicht egal und sie wollten nur die Geschichte so erzählen, wie sie es für richtig hielten, egal, was alle anderen denken, oder aber eine Kontroverse war tatsächlich die Absicht, nach dem Motto „jede Publicity ist gute Publicity“.

„Game of Thrones“ ist eine Serie, die für ihre Schockmomente bekannt und berüchtigt ist, vor allem natürlich wegen Lord Eddards Tod in Staffel 1 und der Roten Hochzeit in Staffel 3. Dies ergaben sich allerdings tatsächlich aus der Handlung und waren logische Kulminationen der jeweiligen Handlungsstränge und leiteten dann ihrerseits neue Ereignisse ein.

Ich denke, kaum jemand wird leugnen können, dass die Vergewaltigung aus der vorangegangenen Hochzeit heraus logisch ist – wir alle kennen Ramsay, wir wissen, was für ein Psychopath er ist. Das Problem dabei ist, dass die Hochzeit an sich recht unlogisch ist. Wie oben bereits erwähnt ist Littlefingers Masterplan sehr löchrig, und Sansas Anwesenheit in Winterfell ist ebenfalls alles andere als wasserdicht. Inwiefern sich die Szene für die kommenden Folgen als zwingend herausstellt, wird sich erst noch zeigen, frühestens in der nächsten Folge, spätestens zum Staffelende.

Aber zurück zur eigentlichen Szene und der Kontroverse. Was mich ein wenig schockiert war, dass es doch einige Stimmen gab, die diese Szene tatsächlich nicht als Vergewaltigung angesehen haben. Dieses Argument fand ich schon letztes Jahr sehr fadenscheinig, dieses Jahr gab es in meinen Augen absolut überhaupt keinen Zweifel daran, was da gerade geschieht. Arrangierte Ehen sind natürlich schon ein Thema für sich, aber selbst in deren Rahmen hätte sich Ramsay (wäre er nicht Ramsay) definitiv anders verhalten können. So, wie er das Ganze inszeniert hat, ist das definitiv ein Gewaltakt.

Was ebenfalls zu sehr negativen Reaktionen führte war die Tatsache, dass die Szene mit einer langen Einstellung von Theons Gesicht endete, der mit wachsendem Schrecken beobachtet, was da geschieht. Das legt den Schluss nahe, dass es in dieser Szene, in der Sansa vergewaltigt wird, gar nicht um Sansa geht, sondern um Theon und dessen „Läuterung“, was tatsächlich eine äußerst unelegante, herabwürdigende Wendung wäre.
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Theon (Alfie Allen) führt Sansa (Sophie Turner) zu ihrem Bräutigam

Ich denke, was mich am meisten stört, ist, dass Sansas Handlungsstrang in dieser Staffel letztendlich ihre bisherige Charakterentwicklung schlicht und einfach wieder umkehrt. Nachdem sie sich in der vierten Staffel vom Opfer zur Spielerin entwickelte, befindet sie sich gewissermaßen nun wieder in derselben (bzw. einer schlimmeren) Position wie in Staffel 2: Abermals ist sie einem Sadisten ausgeliefert, abermals ist sie das Opfer. Selbst, wenn wir von diversen weiteren Implikationen einmal absehen (allgemeines Frauenbild etc.), kann ich es schlicht nicht ausstehen, wenn Figuren dieselbe Lektion noch einmal lernen und dieselbe Entwicklung immer wieder durchmachen.

Bis auf wenige kurze Momente war Sansa in den Winterfell-Szenen insgesamt extrem passiv. Wäre es nicht viel interessanter gewesen, Sansa statt Jeyne Poole eine andere Figur ersetzen zu lassen, nämlich Wyman Manderly? Wenn Benioff und Weiss sie in der Theorie zur Spielerin entwickeln, hätten sie das dann nicht auch in der Praxis tun können? Statt dieser völligen Passivität hätte sie zumindest etwas Ähnliches versuchen können wie Margaery bei Joffrey, immerhin konnte sie ihr eine Staffel lang zusehen und lernen. Das neuste Promokapitel, das George R. R. Martin auf seinem „Not a Blog“ veröffentlicht hat, schildert Sansa genau in so einer Situation, freilich nicht mit Ramsay, sondern Harry Hardyng, dem Erben des Grünen Tals nach Robin (bzw. Robert) Arryn.

Fazit: „Unbowed, Unbent, Unbroken“ ist leider ein Tiefpunkt der Serie, und das nicht nur wegen der Sansa-Kontroverse; auch der Dorne-Handlungsstrang entwickelt sich höchst enttäuschend.

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