Die besten Song-Momente in Filmen und Serien

Hier kommt noch ein ziemlich verspätetes Stöckchen, geworfen von der singenden Lehrerin und inszeniert von taranKino. Gefragt wird nach den besten Songmomenten in Filmen und Serien (wobei der Fokus hier auf Filmen liegt). Es wäre mir natürlich ein leichtes, so eine Liste mit Scoremomenten zu füllen, aber das bedarf einer eigenen Parade und sollte dann auch so genannt werden. Aus diesem Grund gibt es hier auch keine Score-Beispiele. Hier zu finden sind entweder Lieder, die für den Film komponiert wurden, oder Musikstücke (sowohl Lied als auch Instrumentalstücke) die vorher bereits existierten. Die Liste ist wertfrei, die Anordnung der Einträge ist willkürlich.

Dies Irae (Wolfgang Amadeus Mozart, John Ottman), in „X2: X-Men United“

Ich liebe es, wenn eine Szenen bzw. Action-Choreographie genau auf die Musik abgestimmt ist, so wie es in „X2: X-Men United“ der Fall ist. Das Dies Irae aus Mozarts Requiem, wahrscheinlich sein bekanntestes Stück, das ohne einen Vogelfänger oder die Königin der Nacht auskommt, untermalt die erste Actionszene des Films. Die Verbindung zum Geschehen findet sich dabei nicht nur in der Choreographie, sondern auch im Inhalt: Nightcrawler ist eine zutiefst religiöse Figur, weshalb sich die Verwendung eines kirchlichen Stückes natürlich anbietet. Mozarts Original wurde von John Ottman minimal bearbeitet, um noch besser zur Szene zu passen. Da Ottman bei Bryan Singers Filmen nicht nur für die Musik, sondern auch für den Schnitt verantwortlich ist, hat er wirklich ein Händchen für derartige Momente, wie sich im Verlauf dieser Liste noch einmal zeigen wird.

The Verdict/Für Elise (Ludwig van Beethoven, Ennio Morricone), in „Inglourious Basterds“

Quentin Tarantinos Filme sind dafür bekannt, dass sie praktisch nie extra für den Film komponierte Scores haben; die Musik wird vom Regisseur selbst ausgewählt und meistens extrem passend in den Film integriert – ich denke mal, wenn ich behaupte, dass Tarantino wohl der Regisseur ist, der die Verwendung bereits existierender Musik in seinen Filmen am besten beherrscht, wird mir kaum jemand widersprechen. Obwohl es viele gelungene Momente in Tarantinos Filmen gibt, fiel mir doch die Wahl nicht schwer. „Inglourious Basterds“ ist in meinen Augen mit Abstand Tarantinos bester Film, denn schon die Anfangsszene weiß den Zuschauer in ihren Bann zu ziehen. Das dem klassischen Western entlehnte Holzhacken wird, wie könnte es anders sein, untermalt von einem Stück des klassischen Westernkomponisten Ennio Morricone (der zwar auch viele andere Sachen gemacht hat, aber vor allem, dafür bekannt ist). Bei The Verdict handelt es sich um eine Adaption von Beethovens Für Elise, dem Morricone ein Western-Setting verpasst, weshalb es zu dieser Anfangsszene natürlich perfekt passt: Eine an einen Western gemahnende Sequenz mitten im von den Nazis besetzten Frankreich.

The Times They Are A-Chanin’ (Bob Dylan), in: „Watchmen”

Mit Zack Synders Scorevorlieben kann ich nicht besonders viel anfangen, sowohl Tyler Bates‘ als auch Hans Zimmers Arbeit für den Watchmen- und Man-of-Steel-Regisseur finde ich ziemlich unterirdisch. Aber es lässt sich nicht leugnen, der Mann versteht es, passende Songs auszuwählen. „Watchmen“ insgesamt ist ein gelungenes Beispiel, aber in keiner anderen Szene wird dies so deutlich wie beim aufwendig gestalteten Vorspann, zu dem Bob Dylans The Times They Are A-Changin‘ erklingt, während die Montage genau auf die Musik abgestimmt ist.

„Amadeus“ (Wolfgang Amadeus Mozart, Antonio Salieri)

Ich konnte mich einfach nicht entscheiden. Miloš Formans „Amadeus“ gehört zu meinen absoluten Lieblingsfilmen und ist mit großartigen Musikmomenten randvoll. Und das liegt nicht nur an der Qualität der Musik (Mozart halt), sondern auch daran, wie meisterhaft diese integriert und zum bestimmenden Mittel der Narrative wird, egal ob sie gerade diegetisch oder extradiegetisch eingesetzt wird. Zu meinen absoluten Favoriten gehören: Mozart komponiert „ausversehen“ aus Salieris Willkommensmarsch das Non più andrai (aus „Le Nozze di Figaro“), die Don-Giovanni-Szene, der zur Stimmung passende Wechsel zwischen „Die Zauberflöte“ und dem Requiem, als Mozart beides parallel komponiert, und natürlich das Komponieren am Totenbett (Confutatis Maledictis). Ich hätte auch problemlos eine Liste nur mit Momenten aus „Amadeus“ füllen können, aber das wäre vielleicht etwas eintönig geworden.

Misty Mountains (Plan 9), in: „Der Hobbit: Eine unerwartete Reise“

Dieses Lied hat den ersten Hobbit-Trailer zu einem der besten Trailer überhaupt gemacht, es fängt die Stimmung der Szene perfekt ein, es wird zum Leitmotiv, es ist einfach rundum gelungen. Und ich habe an anderer Stelle bereits ziemlich viel darüber geschrieben.

Der Ritt der Walküren (Richard Wagner), in: „Apocalypse Now“

Definitiv kein schöner Songmoment, aber dafür perfekt inszeniert – und zwar so perfekt, dass Wagners Ritt der Walküren inzwischen immer zuerst mit „Apocalypse Now“ in Verbindung gebracht wird, bevor jemand überhaupt an „Die Walküre“ denkt, was auch daran liegen könnte, dass es so viele Anspielungen gibt; zum Beispiel verwendete Zack Snyder in „Watchmen“ für die Vietnam-Szene mit dem Comedian und Doctor Manhattan ebenfalls dieses Stück.

Time in a Bottle (Jim Croce), in: „X-Men: Days of Future Past“

Nochmal X-Men, nochmal Bryan Singer und John Ottman, nochmal eine zur Musik choreographierte Actionszene. So unzufrieden ich auch mit dem Score, den Ottman für „Days of Future Past“ komponiert hat, bin, so gelungen ist doch seine Schneidearbeit, gerade in dieser Szene und gerade in Bezug auf den hier verwendeten Song. Obwohl ich das Dies Irae Time in a Bottle vorziehe, ist doch die Quicksilver-Szene noch um ein gutes Stück stärker, da hier die Verknüpfung von Bild und Musik noch reibungsloser funktioniert. Darüber hinaus wird Quicksilver so perfekt charakterisiert, ohne, dass er ein einziges Wort verliert – es tut mir Leid für Aaron Taylor-Johnson, aber seine Version der Figur hatte quasi schon verloren, bevor sie überhaupt angetreten ist.

Vide Cor Meum (Patrick Cassidy), in: „Hannibal“

In einer Szene in „Hannibal“ besucht der Doktor in Florenz eine Oper, Ridley Scott entschied sich dabei allerdings dafür, keine existierende Oper zu verwenden, sondern heuerte den irischen Komponisten Patrick Cassidy an, um extra für den Film eine Arie zu komponieren die, passend zur Handlung, auf „La Vita Nuova“ von Dante Aligheri basiert. Diese Arie gefiel Ridley Scott übrigens so gut, dass er sie „Hannibal“ noch einmal extradiegetisch verwendete und auch in „Königreich der Himmel“ einsetzte. Für mich ist Vide Cor Meum der mit Abstand beste musikalische Moment aller Hannibal-Lecter-Adaptionen, und umso begeisterter war ich, als genau diese Arie auch in der finalen Szene der ersten Staffel von „Hannibal“ eingesetzt wurde. Was für ein perfekter Abschluss.

Hoist the Colours (Hans Zimmer), in: „Pirates of the Caribbean: At World’s End“

Zwar ist „At World’s End“ der Pirates-Film, den ich insgesamt am schlechtesten finde, allerdings ist er auch der Pirates-Film, der die besten Einzelszenen und mit Abstand die beste Musik hat. Ein hervorragendes Beispiel für beides ist die Eröffnungsszene des Films, in der eine Massenhinrichtung stattfindet. Die Piraten auf dem Weg zum Strick beginnen allerdings, ein Lied zu singen, das als Aufruf fungiert und gleichzeitig die Geschichte von Davy Jones und Calypso thematisiert. Im Verlauf des Films wird Hoist the Colours ähnlich verwendet wie Misty Mountains: Die Melodie fungiert im Score als Leitmotiv der Bruderschaft – und ist darüber hinaus das in meinen Augen beste Thema, das Hans Zimmer komponiert hat.

Also sprach Zarathustra (Richard Strauss), in: „2001: A Space Odysee“

Ganz ähnlich wie Der Ritt der Walküren ist auch Strauss’ Also sprach Zarathustra (zumindest der Anfang) inzwischen fast untrennbar mit einem Film verbunden. Die Szene mit dem Affen, dem Knochen und dem großen, schwarzen Monolithen gehört wahrscheinlich zu den ikonischsten der Filmgeschichte und wurde unzählige Male parodiert – sie auszulassen wäre fast schon kriminell.

The Rains of Castamere (Ramin Djawadi), in: „Game of Thrones“

Eigentlich wollte ich mich ja auf Filme beschränken, aber da mit „Hannibal“ zumindest teilweise eine Serie reingerutscht ist warum dann nicht noch eine zweite? Auch zu The Rains of Castamere habe ich schon einiges geschrieben. Die Lannisters sind das einzige Haus, das so etwas wie eine eigene Hymne besitzt, und da ist es natürlich nur logisch, die Melodie dieser Hymne zu ihrem Thema zu machen. Es existieren zwei Abspannversionen des Liedes, einmal von The National und einmal von Sigur Rós. Zweifellos am interessantesten sind allerdings die diegetischen Einsätze, die ab der zweiten Staffel immer wieder auftauchen. Mal wird das Lied von Tyrion gepfiffen, mal singt es Thoros von Myr, die Lannister-Soldaten nutzen es, um sich vor der Schlacht von King’s Landing Mut zu machen, und dann ist da natürlich der geradezu ikonische Einsatz bei der Roten Hochzeit…

Advertisements

6 Kommentare zu “Die besten Song-Momente in Filmen und Serien

  1. Ach, das finde ich immer so klasse wie du deinen Fokus auf klassische Scores und Stücke setzt und da scheinbar auch auf einiges an Fachwissen zurückgreifen kannst. Ich bin ja quasi Seiteneinsteiger und höre zwar Klassiker, aber immer nur, das was ich gerade irgendwo aufgeschnappt habe. Jedenfalls sieht man deiner Liste an, dass sie etwas anders ist als die vieler anderer Teilnehmer.
    Ich bin aber auch schwer geschockt. Als ich Also sprach Zarathustra in deiner Liste gesehen habe, fiel mir auf, dass ich die vollkommen außer Acht gelassen und gar nicht daran gedacht habe. Ist also nicht in meiner Liste, obwohl ich ein großer Fan der Szene bin. Oh man! 😦 Aber schön, dass du sie in der Liste hast 😉

    • hemator sagt:

      „Also sprach Zarathustra“ ist natürlich Pflicht 😉
      Gerade wegen der Diversität finde ich solche Stöckchen auch immer sehr interessant: Ist allgemein natürlich auch immer die Frage, womit man aufwächst und wovon man geprägt wird. Ich habe schon als Kind viel klassische Musik gehört, hatte sogar entsprechende Hörspiele, und werde deshalb immer von orchestraler Musik „angezogen“.
      Die beiden Einträge auf der Liste, die nicht entweder für den Film geschrieben oder wieder verwendete klassische Stücke sind, schätze ich tatsächlich vor allem im Filmzusammenhang, höre sie mir aber eigentlich nicht losgelöst an.

  2. Was für eine großartige Liste! Zwar haben wir mit „Misty Mountains“ nur eine einzige Übereinstimmung, aber alle deine gewählten Beispiele (vielleicht für mich mit Ausnahme der Szene aus GoT, die mir grad gar nichts sagt, da ich ja die Serie seit längerem nicht mehr verfolge) kann ich absolut unterschreiben. Toll – wenn auch nicht unerwartet -, dass du so viele klassische Stücke dabei hast! Ich freue mich ja auch immer, wenn ein Stück aus Mozarts Requiem verwendet wird, weil ich das schon gesungen habe (ein TOLLES Erlebnis!). Und endlich mal jemand, der „Amadeus“ erwähnt (und liebt). Ich hatte immer das Gefühl, dass der Film inzwischen total in Vergessenheit geraten ist! „Time in a bottle“ – wohl eine der besten Szenen aus den X-Men-Filmen! Und die „Hannibal“-Szene… ach, einfach toll, was du zusammengestellt hast!

    Danke fürs Auffangen! 🙂

    • hemator sagt:

      Ich fang immer gerne auf (und bastel momentan an deinem Schurkenstöckchen ;)), und über solch lobende Worte freue ich mich natürlich besonders.
      Dass das Live-Singen von Mozarts Requiem ein tolles Erlebnis ist, glaube ich dir aufs Wort, gerade was Klassik angeht, gehört es definitiv zu meinen absoluten Lieblingsstücken, vor allem natürlich Dies Irae und Confutatis (schon allein, weil ich dabei immer Tom Hulce und F.Murray Abraham vor meinem inneren Auge sehen :D)
      Aber stimmt, die Genialität von „Amadeus“ wird viel zu wenig gewürdigt, ich glaube, ich muss da mal noch einen ausführlichen Artikel schreiben – wollte ich eigentlich schon lange, aber man schafft ja eh immer nur einen Bruchteil von dem, was man sich vornimmt. Immerhin war dieses Stöckchen eine gute Gelegenheit, den Film hier endlich mal zu erwähnen.

  3. afictionesse sagt:

    Dann wird dir „The Matrix“ gefallen. Ich sage nur: „Chateau“. 😉

    • hemator sagt:

      Keine Sorge, ich kenne die Matrix-Musik, Don Davis‘ Scores haben es in meiner Liste der besten Filmscores auf Platz 20 geschafft 😉 https://hemator.wordpress.com/2015/02/18/top-10-x-2-filmscores/
      „Chateau“ wäre auf der Film/Song-Liste tatsächlich auch fehl am Platz, es stammt zwar von Rob Dougan und nicht von Don Davis, wurde aber spezifisch für diese Szene komponiert und zählt somit nach meinen Maßstäben als Score-Moment, nicht als Song-Moment. Etwas anderes wäre „Clubbed to Death“ aus Teil 1.
      Was die Wirkung des Stücks im Film angeht, finde ich auch, dass es in der entsprechenden Szene sehr gut passt. Von der Musik her ist es nicht ganz Fall, ich mag die rein orchestralen Sachen lieber. Von Don Davis gibt es übrigens ein alternatives Stück für die Szene, dass dann wieder nicht ganz so gut passt, aber mir musikalisch stärker zusagt (ist so schön old school, und ich finde es grandios, wie er die diversen Motive eingearbeitet hat). Man kann halt nicht alles haben 😀

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s