GoT: The House of Black and White

Trieft nur so vor Spoilern!
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Nach einem durchaus gelungenen Staffelstart folgt mit „The House of Black White“ nun erstmal wieder eine Episode, die alle Handlungsstränge knapp anreißt und vor allem die Arbeit der ersten Episode fortführt. Weitere Figuren werden wieder eingeführt, Handlungsstränge vorbereitet und der aktuelle Status Quo zementiert.

Braavos
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Arya (Maisie Williams) vor dem Haus von Schwarz und Weiß

Nachdem Arya in der letzten Folge fehlte, eröffnet ihre Ankunft in Braavos „The House of Black and White“. Während wir in den Romanen Braavos als Handlungsort zusammen mit Arya zum ersten Mal betreten, kam es in der Serie bereits in der letzten Staffel vor, als Stannis und Davos einen Abstecher zur Eisernen Bank gemacht haben. Damals war außer einer Panoramaaufnahme und dem Inneren besagter Bank allerdings nicht allzu viel zu sehen. Da Braavos in Staffel 5 allerdings ein bedeutender Handlungsort ist, ändert sich das. Der Hafen, in den Arya gebracht wird, dürfte der Ragman’s Harbor (auf Deutsch Lumpenhafen, wenn ich mich recht erinnere) sein, der Hafen, in dem Schiffe aus aller Welt angelegen – Braavos zweiter Hafen, der Purpurne Hafen, ist den Einheimischen vorbehalten. Es kann natürlich sein, dass die Serie auf dieses Detail nicht eingeht.

Das Haus von Schwarz und Weiß, der Tempel des vielgesichtigen Gottes und Hauptquartier der Männer ohne Gesicht, entspricht ziemlich genau der Beschreibung des Romans, lediglich das Gesicht an der Tür fehlt, allerdings scheint es sich in der Serie nicht bei den anderen Tempeln auf der Insel der Götter zu befinden, stattdessen ist es isoliert – oder wirkt zumindest so.

Aryas Initiation in der Serie unterscheidet sich stark vom Roman, wo sie ins Haus von Schwarz und Weiß geht und ohne größere Probleme vom „Verantwortlichen“ als, nun, Lehrling ist wohl das beste Wort, akzeptiert wird. Dieser Verantwortliche, dessen Namen weder Arya noch der Leser erfährt, wird von ihr als „the kindly man“ bezeichnet.
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Jaqen H’ghar (Tom Wlaschiha)?

In der Serie öffnet auf ein Klopfen ein Priester (Cedric Henderson), der sie jedoch abweist, woraufhin Arya Jaqens Münze wegschmeißt und durch die Straßen von Braavos stromert, wo sie schließlich von mehreren Tunichtguten beinahe angegriffen wird, bis der Priester eingreift und enthüllt dass es sich bei ihm um Jaqen H’ghar handelt – ab diesem Zeitpunkt wird er dann natürlich auch von Tom Wlaschiha gespielt. Diese Entwicklung ist relativ interessant, da es eine derartige Enthüllung bei Martin (bislang?) nicht gab. Die Frage, die sich stellt, ist, ob die Serie damit die Frage nach Jaqens Verbleibt auch für die Bücher beantwortet, was ich allerdings bezweifle. Unter Buchlesern gibt es diesbezüglich zwei Theorien, die erste besagt, dass Jaqen tatsächlich der „kindly man“ ist, während die zweite (und plausiblere) davon ausgeht, dass der Gesichtslose in Oldtown sein Unwesen treibt und sich als Novize der Citadel ausgibt. Für die Nichtbuchleser ist die Rückkehr einer bereits bekannten Figur wahrscheinlich besser als die Einführung einer neuen, wobei es auch in der Serie tatsächlich nicht unbedingt Jaqen selbst sein muss, der „kindly man“ könnte auch einfach nur dieses Gesicht tragen. Er beteuert auch, er sei niemand, das kann sich aber auch darauf beziehn, dass die Gesichtslosen eigentlich keine Namen mehr tragen und „Jaqen H’ghar“ ohnehin nur eine Deckidentität war.

Im grünen Tal
Der Brienne/Pod-Handlungsstrang bewegte sich bereits in der letzten Staffel von den Romanen weg, was sich hier nun ungebrochen fortsetzt. Nur zu Erinnerung: Bei Martin blieb Briennes Suche nach Sansa (und Arya) völlig erfolglos, sie irrte in den Flusslanden umher, sah, was der Krieg angerichtet hatte, und am Ende wartete die untote Catelyn Stark alias Lady Stoneheart. Diese scheint nun leider aus der Serie vollständig entfernt worden zu sein, Briennes Reise geht in eine völlig andere Richtung. Den Auslöser hierfür finde ich allerdings irgendwie lächerlich: Nachdem Brienne und Pod in der zehnten Folge von Staffel 4 zufällig Arya und dem Bluthund begegnet sind, begegnen sie nun ebenso zufällig Sansa und Littlefinger. Westeros kann nicht besonders groß sein, wenn man sich da die ganze Zeit über den Weg läuft. Und dann erlebt Brienne mit Sansa quasi noch einmal dasselbe wie mit Arya – egal, welches Medium, Brienne hat einfach kein Glück. Der ganze anschließende Kampf samt Verfolgungsjagd wirkt schließlich ziemlich unnötig (wenn auch schön inszeniert) und dient wohl mal wieder vor allem dazu, ein wenig Action in diese ansonsten doch eher dialoglastige Folge zu bringen. Insgesamt ist der ganze Handlungsstrang schlicht und einfach sehr, sehr ungeschickt inszeniert und lässt Logik und Plausibilität mitunter gerne außen vor.

King’s Landing
In King’s Landing wird derweil ein neuer Subplot eröffnet, der ebenfalls noch weiter von den Romanen wegführt. Dort begibt sich Jaime in die Flusslande, um aufzuräumen und mit den letzten Rebellen, etwa Brynden Tully, der Riverrun hält, fertig zu werden – und ganz ähnlich wie bei Brienne scheint auch hier am Ende Lady Stoneheart zu warten.

In der Serie geht Jaime stattdessen nach Dorne, um Myrcella nach King’s Landing zurückzuholen, nachdem Cersei eine recht eindeutige Botschaft erhält. Diese Entwicklung stammt nicht völlig von Benioff und Weiss, da Cersei in „A Fest for Crows“ tatsächlich ein Mitglied der Königsgarde nach Dorne schickt, um Myrcella zurückzuholen, allerdings handelt es sich dabei um Ser Balon Swann und nicht um Jaime, da dieser, wie bereits erwähnt, gerade in den Flusslanden tätig ist.

Die Motivation für Jaimes Weggang von beiden Seiten wird auch geändert. Bei Martin war es Cersei, die Jaime mehr oder weniger loswerden wollte, weil er in ihren Augen verweichlichte (während er tatsächlich zu erkennen begann, was für eine Person seine Schwester wirklich ist), in der Serie dagegen scheint Jaime eher Cerseis Gunst zurückgewinnen zu wollen.

Wie zu erwarten war, nimmt Jaime Bronn mit; da dieser ziemlich viele Fans hat, wäre es wohl eher kontraproduktiv gewesen, ihn einfach, wie in den Romanen, aus der Handlung zu entfernen. Als Jaime ihn abholt sehen wir auch zum ersten Mal Lollys Stokeworth (Elizabeth Cadwallader), Bronns Angetraute, die mit der Buchversion dieser Figur kaum etwas gemein hat, da sie weder massiv übergewichtig ist, noch allzu sehr zurückgeblieben wirkt, höchstens nervig.

Nach Jaimes Weggang widmet sich Cersei einem neuen Hobby: Zwergenköpfe sammeln. Ich bin gespannt, ob das in der Serie ähnlich ausartet wie im Roman oder ob es bei diesem einen, repräsentativen Zwergenkopf bleibt. Das folgende Treffen des Kleinen Rates ist das Highlight der Episode, auch, weil es sehr schön zeigt, wie Cersei vorgeht, um ihre Herrschaft zu sichern. Mace Tyrell und Pycelle sind ein weiteres Mal die Deppen, und ich kann mir nicht helfen, ich mag Anton Lesser als Qyburn einfach verdammt gerne. Darüber hinaus ist es auch schön, Ian Gelder als Kevan Lannister wieder dabei zu haben, der, sehr buchgetreu, keine Hemmungen hat, Cersei seine Ansichten darzulegen, vielleicht mit der falschen Begründung, aber trotzdem.

Dorne
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Fürst Doran Martell (Alexander Siddig)

Auch im tiefsten Süden von Westeros wurde einiges verändert und vereinfacht. Während Doran Martell (Alexander Siddig), der kranke und scheinbar schwache und zurückhaltende Fürst von Sunspear, derselbe geblieben ist, wurden die Familienverhältnisse stark vereinfacht. Seine beiden älteren Kinder, Arianne und Quentyn, wurden ersatzlos aus der Serie gestrichen, sodass sein jüngster Sohn Trystane (Toby Sebastian), mit dem Myrcella (Aimee Richardson) verlobt ist, nun auch der Erbe von Dorne ist. In den Romanen ist es Arianne, die mit den Sandschlangen, Oberyn Martells Bastardtöchtern ein Komplott schmiedet, in der Serie scheint es dagegen Oberyns Geliebte Ellaria zu sein, die in „A Feast for Crows“ nur eine kleine, wenig rachsüchtige Rolle spielt. Man darf auch noch gespannt sein, wie groß die Rolle von Areo Hotah (DeObia Oparei), Doran Martells Leibwächter wohl ausfällt. Die spanischen Drehorte für Dorne, das muss noch gesagt werden, sind außergewöhnlich schön und passend.

Auf dem Weg nach Meeren
Tyrion und Varys reisen per Kutsche nach Meereen und sprechen über Politik und Philosophie. Während derartige Diskussionen zwischen Conleth Hill und Peter Dinklage immer amüsant sind, merkt man dieser doch an, dass sie vor allem da ist, um Lücken zu füllen und den beiden beliebten Schauspielern bzw. Figuren mehr Zeit zu verschaffen. Prinzipiell gibt es da schlechtere Methoden, aber trotzdem fehlt diese Zeit an anderer Stelle, zum Beispiel an der Mauer.

Meereen
Daario und Grey Worm gelingt es, einen Sohn der Harpyie in Gewahrsam zu nehmen, was für Daenerys allerdings zu noch mehr Problemen führt, da sich nun die Frage stellt, was man am besten mit ihm macht: Ein Exempel statuieren? Oder doch lieber, wie Ser Barristan vorschlägt, ihm einen fairen Prozess geben? Mossador nimmt Daenerys die Entscheidung ab, was sie nun allerdings vor ein ähnlich geartetes Problem stellt: Wie geht sie mit Mossadors Tat um? Daenerys handelt schließlich, wie ein Stark handeln würde: Fair, aber dumm, indem sie ihn vor versammelter Stadt hinrichten lässt, was ihre Befreiten nicht sonderlich gut aufnehmen.

Tatsächlich fand ich den Anfang des Ganzen ziemlich gut, sowohl die Entdeckung des Sohnes der Harpyie und das Zusammenspiel von Daario und Grey Worm, als auch die Ratssitzung und das anschließende Gespräch mit Ser Barristan. Daenerys‘ Entscheidung bezüglich Mossador allerdings… nun, es erinnert tatsächlich stark an das Zerwürfnis zwischen Robb Stark und Rickard Karstark in Staffel 3. Das Ergebnis lässt sich für jeden, der nicht vollkommen blind ist, vorausahnen, und ich denke, dass Daenerys auch so schon genug Probleme hat.
Was ich in der Besprechung von letzter Woche noch vergessen hatte: Mossador ist tatsächlich (zumindest theoretisch) ein Buchcharakter, bei Martin ist er allerdings kein Sklave aus Meereen, sondern ein Unbefleckter und Missandeis Bruder und er stirbt auch nicht durch Daenerys‘ Befehl, sondern wird von den Söhnen der Harpyie ermordet. Immerhin dürfen wir am Ende der Folge Drogon wiedersehen der, mehr noch als die anderen beiden Drachen, verdammt groß geworden ist und auch verdammt gut aussieht.

Castle Black
Shireen ist die Lehrerin vom Dienst: Nach Ser Davos bringt sie nun Gilly das Lesen bei. Zugegeben, die Szene ist niedlich, aber letztendlich ebenfalls ziemlich unnötig. Immerhin ist der Dialog zwischen Stannis und Jon weitaus relevanter, da Ersterer Letzterem anbietet, ihn zu Jon Stark und damit nominell zum Lord von Winterfell zu machen, etwas, was Jon sich immer vorgestellt hat. Somit steht er vor dem alten Stark-Problem: Handle ich nach meinen Wünschen oder nach dem, was die Ehre gebietet? Für Jon gibt es darauf natürlich nur eine Antwort.

In der folgenden Wahl des neuen Lord Commander, immerhin ein enorm wichtiges Ereignis, zeigt sich die größte Schwäche dieser Folge. Sowohl das Wahlverfahren als auch die Wahl selbst wurden gegenüber der Vorlage stark vereinfacht. Oft lässt sich das nicht vermeiden, besonders, wenn man nur zehn Stunden pro Staffel zur Verfügung hat, gerade in „The House of Black and White“ wäre es allerdings problemlos möglich gewesen, das ohnehin unnötige Füllmaterial wegzulassen und stattdessen der Wahl mehr Zeit einzuräumen, da sie nicht nur für Jon, sondern auch für Sams Charakterentwicklung einen großen Stellenwert hat. Im Roman ist er es nicht, der Jon vorschlägt, stattdessen zettelt er eine Intrige an, durch die Jon die Wahl gewinnt, weshalb im Grunde Sam für viele der folgenden Entwicklungen direkt verantwortlich ist. Außerdem zeigt die Wahl, wozu Sam fähig ist, wenn er nur will.

Fazit: „The House of Black and White“ fällt leider um einiges schwächer aus als die erste Episode der fünften Staffel, vor allem wegen unnötigem Füllmaterial und mangelndem Fokus

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Ein Kommentar zu “GoT: The House of Black and White

  1. Wie schon auf Hogs-Head debattiert, sehe ich dies genauso, wie meine – zeitgleich mit Deiner entstandenen – Besprechung deutlich wird. Mit Daenerys würde ich – gerade nach den Äußerungen von George R.R. Martin in seinem letzten Interview – keine Lebensversicherung abschließen. Merkwürdig, dass andere Besprechungen – etwa bei Serienjunkies – diese Folge sogar besser finden als Folge 1. Ich kann dem – wie Du – nicht folgen.

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