Avengers: Age of Ultron – Soundtrack

Enthält Spoiler!
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Track Listing:

01. Avengers: Age of Ultron Title (Brian Tyler)
02. Heroes (Danny Elfman)
03. Rise Together (Brian Tyler)
04. Breaking and Entering (Brian Tyler)
05. It Begins (Danny Elfman
06. Birth of Ultron (Brian Tyler
07. Ultron/Twins (Danny Elfman
08. Hulkbuster (Brian Tyler
09. Can You Stop This Thing? (Danny Elfman
10. Sacrifice (Brian Tyler)
11. Farmhouse (Danny Elfman)
12. The Vault (Brian Tyler)
13. The Mission (Brian Tyler)
14. Seoul Searching (Brian Tyler)
15. Inevitability/One Good Eye (Danny Elfman)
16. Ultron Wakes (Danny Elfman)
17. Vision (Brian Tyler)
18. The Battle (Brian Tyler)
19. Wish You Were Here (Brian Tyler)
20. The Farm (Danny Elfman)
21. Darkest of Intentions (Brian Tyler)
22. Fighting Back (Brian Tyler)
23. Avengers Unite (Danny Elfman)
24. Keys to the Past (Brian Tyler)
25. Uprising (Brian Tyler)
26. Outlook (Brian Tyler)
27. The Last One (Brian Tyler)
28. Nothing Lasts Forever (Danny Elfman)
29. New Avengers/Avengers: Age of Ultron (Danny Elfman)

Schon allein wegen der Hintergrundgeschichte dieses Scores, von den musikalischen Inhalten ganz zu schweigen, lohnt es sich, eine ausführliche Rezension zu schreiben. Ich muss allerdings darauf hinweisen, dass einiges vom Folgenden Spekulationen sind.

Bereits kurz nach dem Kinostart von „The Avengers“ wurde klar, dass Alan Silvestri für den zweiten Film nicht zurückkehren würde. Zwar war Joss Whedon selbst mit dem Score wohl ziemlich zufrieden, Marvel-Mastermind Kevin Feige allerdings nicht, wobei nicht klar ist, ob Silvestris Ausscheiden von Feige veranlasst wurde, oder ob es die Entscheidung des Komponisten war.

2013 zeichnete sich langsam ab, dass Brian Tyler der dominante Phase-2-Komponist werden würde. Nicht nur lieferte er die Scores für „Iron Man 3“ und „Thor: The Dark World“, er komponierte auch eine Fanfare für das Marvel-Logo und Tyler Bates‘ Score für „Guardians of the Galaxy“ klang so, als hätte Tyler ihn komponiert. Dass er also für „Avengers: Age of Ultron“ ebenfalls komponieren sollte, war nur logisch, und 2014 wurde das auch bestätigt. Dann kam 2015 die überraschende Meldung, dass Danny Elfman am Score des zweiten Avengers-Films beteiligt sei. Zuerst hieß es, er werde „Additional Music“ beisteuern, was viele vermuten ließ, dass Spider-Man, samt seines Themas aus den Raimi-Filmen, einen Cameo-Auftritt im Film haben würde. Dann wurde jedoch der Additional-Music-Zusatz gestrichen und Elfman selbst sagte aus, er habe für „Age of Ultron“ etwa eine Stunde zusätzliche Musik geschrieben.

Tatsächlich ist die Situation nach wie vor recht undurchsichtig. Manche vermuten, Elfman wurde herangezogen, weil sich „The Fast and the Furious 7“ wegen Paul Walkers Tod verzögerte und Tyler es nicht schaffte, beiden Projekten die nötige Aufmerksamkeit zu widmen, während andere annehmen, dass Teile von Tylers Score nicht zu Whedons Zufriedenheit ausfielen und er mehr Elemente des ersten Avengers-Score beibehalten wollte. Was auch immer stimmt, Danny Elfman ist jedenfalls kein Komponist, der oft die Aufgaben eines „Score-Doktors“ übernimmt.

Insgesamt ist der Score des zweiten Avengers-Films ziemlich schwierig zu bewerten, wobei das, was auf dem Album zu hören ist, sehr viel besser wegkommt als die Musik, die es tatsächlich in den Film geschafft hat – insgesamt erinnert mich die Situation ein wenig an die Hobbit-Scores. Wie bei „Smaugs Einöde“ und „Die Schlacht der fünf Heere“ hatte ich den Eindruck, dass die Musik zu leise abgemischt war, sodass sie oft von Soundeffekten übertönt wurde. Und darüber hinaus wurden einige Stücke aus Silvestris Score direkt übernommen, während Tracks, die auf dem Album zu hören sind, im Film entweder völlig untergehen oder überhaupt nicht vorkommen („Eine unerwartete Reise“ lässt grüßen).

Nun könnte man vielleicht erwarten, dass der Score ein völliges Destaster ist, eine inkohärente Stilmischung – interessanterweise trifft das allerdings, wenn man die nicht gerade berauschenden Verarbeitung im Film außen vorlässt, nicht zu. Zwar ist er kein bahnbrechendes Meisterwerk, aber das, was auf dem Album zu hören ist, ist zweifelsohne einer der besten Scores des MCU. Geht man nach den Angaben des Albums stammt etwa ein Drittel der Stücke von Elfman, während der Rest Tyler zugeordnet wird.

Stilistisch ist das Ganze ziemlich genau in der Mitte zwischen Tyler, Elfman und Silvestri; Tyler bemüht sich, seinen Stil noch organischer zu gestalten und sich von der RCP-Methodik wegzubewegen, währen Elfman sich an Tyler anpasst, ohne seine eigene Sensibilität aufzugeben; und beide bemühen sich, stilistische und thematische Hommagen an Alan Silvestri einzubauen. Diese Kombination funktioniert erstaunlich gut. Dennoch, bei aller Liebe zu Brian Tyler, dessen Beiträge zum Score mehr als solide sind: Elfmans Stücke sind ganz klar die Highlights des Albums.

Der größte Pluspunkt von „Age of Ultron“ ist für mich ganz klar die thematische Kontinuität. Endlich, nach so vielen Filmen und Komponisten, kehren mit den Figuren auch die Leitmotive (zumindest einige) zurück. Das betrifft Tylers Themen für Iron Man und Thor, sowie einiges an Silvestri-Material. Zugegeben, da wäre insgesamt noch mehr möglich gewesen. Jedes der Einzelheldenthemen ist im Grunde leider nur fragmentiert zu hören, vor allem Thor und Captain America ziehen da den Kürzeren (was auch der Tatsache geschuldet sein könnte, dass sie in diesem Film wenig dominant sind). Thors Thema taucht in The Battle bei 2:45 kurz, aber knackig auf, während Caps Silvestri-Thema am Anfang von New Avengers/Avengers: Age of Ultron sehr subtil zu hören ist. Eine weitere Variation, die allerdings direkt aus Silvestris Avengers-Score stammt, findet sich im Film, aber nicht auf dem Album.

Mit Iron Mans Thema sieht es da schon besser aus. Auch hiervon gibt es kein komplettes Statement, aber es wird weitaus öfter und markanter referenziert als die Motive der anderen beiden Helden – auch das dürfte dem Umstand geschuldet sein, dass Tony Stark eine wichtigere Rolle hat als einige seiner Kollegen. Der deutlichste Einsatz seines Themas findet sich in Hulkbuster bei 1:05, eine weitere Actionvariation taucht bei 0:42 in Breaking and Entering auf, und darüber hinaus gibt es auch noch eine subtile Klavierversion in Birth of Ultron (0:58) und einige weitere Stücke, in denen Fragmente des Themas zu hören, man muss sich allerdings ziemlich anstrengen.

Es gibt noch ein paar mehr Silvestri-Anleihen, so taucht etwa das Helicarrier-Motiv wieder auf (Outlook, 1:28), das mit Abstand wirkungsvollste wiederkehrende Element ist das Avengers-Thema. Zwar komponierte Elfman ein neues Hauptthema für den Film, integrierte jedoch das Kernmotiv von Silvestris Thema. Das Ergebnis ist ein grandioses, heroisches Hybridthema, das im Film selbst zwar untergeht, auf dem Album aber dafür umso mehr zu glänzen weiß. Bereits im zweiten Track, Heroes, wird es eingeführt, und weitere, sehr heroische Variationen sind in It Begins, Avengers Unite und New Avengers/Avengers: Age of Ultron zu hören, während in The Farm, Farmhouse und Nothing Lasts Forever emotionalere Versionen erklingen.

Es gibt noch einige weitere neue Themen, die sogar auf dem Album ein wenig untergehen und im Film natürlich ungleich schwerer auszumachen sind. Da wäre vor allem das fast schon tragisch anmutende Streicherthema für Ultron, das vor allem in der zweiten Hälfte von Birth of Ultron und in Ultron/Twins zu hören ist. Darüber hinaus gibt es noch ein Liebesthema für Natasha und Bruce, das am Ende von Breaking and Entering und am Anfang von The Last One zu hören ist, sowie ein Motiv für Wanda Maximoff, das in Ultron Twins (2:40) angedeutet wird, in Can You Stop this Thing an Kraft gewinnt und in Inevitably/One Good Eye regelrecht ausbricht (1:36)

Insgesamt ist „Age of Ultron“ für die Marvel-Scores definitiv ein Riesenschritt in die richtige Richtung, auch wenn durchaus noch Luft nach oben ist. Da die beiden Komponisten getrennt voneinander gearbeitet haben und das eigentliche Hauptthema, der Avengers-Hybrid, von Elfman erst spät beigesteuert wurde (und somit in Tylers Stücken nicht auftaucht), gibt es beim narrativen Fluss des Scores das eine oder andere Problem. Es wäre interessant zu wissen, wie Tylers ursprüngliche Pläne für den Score aussahen, oder wie er geworden wäre, hätte man Elfman von vornherein mit einbezogen. So hätte er das Hybridthema zum Beispiel im Verlauf des Films aus Silvestris Thema entwickeln können, das hätte auch gut zur Umformung des Teams am Ende des Films gepasst. Außerdem hätte ich es schön gefunden, wenn Brian Tylers Actionstücke noch thematischer wären. Während Tracks wie Rise Together für sich genommen sehr gut und wuchtig sind, fehlt ihnen doch das gewisse Etwas, das zum Beispiel Inevitably/One Good Eye hat – definitiv eines der absoluten Highlights. Wie Danny Elfman hier sein eigenes Material, Silvestris Avengers- und Cap- sowie Tylers Iron-Man-Thema miteinander verbindet und kontrapunktiert ist erstklassig; mehr davon.

Fazit: „Avengers: Age of Ultron“ ist einer der besten, wenn nicht gar der beste Marvel-Score, symphonisch, heroisch und, am wichtigsten, thematisch. Zwar gibt es durchaus noch Verbesserungspotential und man fragt sich unweigerlich, wie der Score wohl geworden wäre, hätte Danny Elfman ihn allein und mit genug Zeit komponiert, aber insgesamt ist er doch mehr als zufriedenstellend. Es wäre nur schön gewesen, hätte man im Film auch mehr von ihm gehört.

Und als kleiner Bonus, meine persönlichen Komponistenwünsche für die Scores der kommenden Marvel-Filme. Diese Liste spiegelt nicht wieder, was ich für wahrscheinlich halte, nur, was ich gerne hätte. „Ant-Man“ lasse ich aus, da er schon im Juli ins Kino kommt und Christopher Becks Score wahrscheinlich bereits aufgenommen ist.

Captain America: Civil War: Da die Russo-Brüder wieder Regie führen, wird es mit ziemlicher Sicherheit auf Henry Jackman hinauslaufen, aber da das eine Wunschliste ist: Danny Elfman. Nachdem er gezeigt hat, dass er wunderbar im Marvel-Universum zurechtkommt und keine Probleme hat, mit den Themen anderer Komponisten zu arbeiten, und da „Civil War“ wohl ohnehin eher so etwas wie „Avengers 2,5“ werden wird, nun, wer wäre besser geeignet? Und falls der MCU-Spider-Man tatsächlich hier seinen ersten Auftritt haben sollte, umso besser…

Doctor Strange: Christopher Young. Ein Komponist seines Kalibers sollte sowieso mehr hochkarätige Aufträge bekommen, und das wäre genau seine Kragenweite. Die Chancen dafür stehen gar nicht mal schlecht, denn Regisseur Scott Derrickson hat schon mehrfach mit Young zusammengearbeitet.

Guardians of the Galaxy 2: Tyler Bates. Sein Score zum ersten Teil war zwar kein Überflieger, aber sehr solide und unterhaltsam. Ohnehin sehr wahrscheinlich, da James Gunn auch „Guardians 2“ inszeniert.

The [hier neues Adjektiv einsetzen] Spider-Man: Sollte mein Wunsch für „Civil War“ eintreffen, warum nicht nochmal Danny Elfman? Ansonsten wäre John Powell eine gute Wahl. Seine dynamischen, extrovertierten Kompositionen würden hervorragend zu einem neuen, wohl ziemlich jugendlichen Spider-Man passen.

Thor: Ragnarök: Brian Tyler. Tylers Thor-Thema kam in „Age of Ultron“ viel zu kurz, und in der Zwischenzeit ist es mir ziemlich ans Herz gewachsen. Außerdem: Kontinuität!

Avengers: Infinity War Teil 1: Nochmal Russo-Brüder. Bitte nicht Henry Jackman, zumindest nicht Henry Jackman im Winter-Soldier-Modus. Entweder nochmal Elfman und Tyler im Doppelpack, oder Elfman alleine. Ich hätte keinerlei Probleme damit, wenn Elfman in Phase 3 die Rolle einnehmen würde, die Brian Tyler in Phase 2 innehatte.

Black Panther: Okay, der hier ist kniffelig, weil ich mit der Figur nicht sonderlich gut vertraut bin und keine Ahnung habe, in welche Richtung der Film gehen könnte. Passe.

Captain Marvel: Debbie Wiseman. Es ist vielleicht ein wenig plakativ, für Marvels ersten Film mit einer Superheldin als Titelfigur auch eine Komponistin zu wollen. Im Grunde gilt hier aber dasselbe wie bei „Black Panther“. Und ich bin der Meinung, dass Wiseman definitiv mehr Ansehen verdient hat, das sie mit einem Marvel-Score bekommen könnte. Also warum nicht hier? Alternativ auch bei „Black Panther“, „Spider-Man“ oder „Doctor Strange“.

Avengers: Infinity War Teil 2: Siehe Teil 1.

Inhumans: Im Grunde derselbe Fall wie bei „Black Panther“. Vielleicht jemand, der noch keine Superheldenerfahrung hat. Federico Jusid? Alexandre Desplat? Rachel Portman?

Siehe auch:
Avengers: Age of Ultron

Avengers: Age of Ultron

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Story: Nach der Zerschlagung von S.H.I.E.L.D. ist es an den Avengers, die diversen Hydra-Zellen weltweit zu zerschlagen. In der osteuropäischen Nation Sokovia finden sie dabei Lokis Zepter, in dessen Kern ein mächtiges kosmisches Artefakt eingebunden wurde. Tony Stark (Robert Downey jr.) arbeitete schon seit längerem an einem Programm namens Ultron (James Spader), das der Erde endgültig Frieden bringen und jegliche außerirdische Invasion abwehren soll; mithilfe des Zepters scheint die Fertigstellung Ultrons nun plötzlich in unmittelbarer Nähe zu sein. Dummerweise gehen Tonys Pläne nach hinten los; Ultron entwickelt ein eigenes Bewusstsein und beginnt, seine Mission mit äußerst radikalen Maßnahmen umzusetzen: Er ist der Meinung, es könne nur Frieden herrschen, wenn die Menschheit ausgelöscht wird. Dazu muss Ultron allerdings zuerst die Avengers besiegen, weshalb er die mysteriösen und mächtigen Zwillinge Wanda (Elizabeth Olson) und Pietro Maximoff (Aaron Taylor-Johnson) auf seine Seite zieht…

Kritik: „Avengers: Age of Ultron“ ist der von mir am zweitmeisten ersehnte Film des Jahres (nach „The Force Awakens“, versteht sich), und als solcher ein Streifen, über den es mal wieder viel zu schreiben gibt. Dieses Review wird so weit wie möglich spoilerfrei bleiben, es folgen dann allerdings noch eine ausführlichere Besprechung und eine Rezension des Soundtracks.

Viele der Stilmittel, die bereits „The Avengers“ ausmachen, kehren nun natürlich wieder zurück: Auch in „Age of Ultron“ bemüht sich Joss Whedon, einen ausgeglichenen Ensemblefilm abzuliefern, was allerdings sichtlich schwerer wird, denn nicht nur sind alle Avengers-Mitglieder des vorherigen Films wieder mit dabei, es tauchen auch noch diverse neue Figuren auf. Whedon scheint sich vor allem zu bemühen, die Mitglieder des Teams ausreichend in Szene zu setzen, die in Phase 2 keine eigenen Solofilme hatten. Sowohl Clint Barton (Jeremy Renner) als auch Bruce Banner (Mark Ruffalo) und Natasha Romanoff (Scarlett Johannson) erhalten ihre eigenen Charakterhandlungsbögen, die beiden Letztgenannten bekommen sogar eine Romanze, die sich bereits offscreen entwickelt hat. Die Helden mit eignen Filmen in Phase 2 müssen dagegen eher zurückstecken; dies betrifft vor allem Cap (Chris Evans) und Thor (Chris Hemsworth). Tony Stark dagegen erhält noch einiges an Fokus, da er es ist, der Ultron entwickelt. Da „Age of Ultron“ allerdings ziemlich genau gleich lang wie „The Avengers“ ist, bedeutet das, dass der Film doch insgesamt etwas überladen und gehetzt für seine Laufzeit wirkt. Zwar ist nichts völlig unplausibel und ohne Hintergrund, wie manche dem Film vorwerfen, aber einige der subtileren Hinweise und Erklärungen gehen schlicht unter. Auch manche der Subplots wirken etwas zu knapp thematisiert (Thor, die Zwillinge). Gerüchten zufolge soll es einen Extended Cut geben, was ich auf jeden Fall begrüße, eine zusätzliche halbe Stunde könnte „Age of Ultron“ entzerren.

Eng damit verknüpft ist das Tempo des Films: „The Avengers“ begann noch relativ gemütlich, „Age of Ultron“ dagegen stürzt sich mitten ins Getümmel und das Tempo bleibt den ganzen Film über enorm hoch, die Avengers stürzen von Schauplatz zu Schauplatz. Das bedeutet zwar nicht, dass es nicht auch ruhigere, dialoglastige Szenen gäbe, aber dennoch… Apropos Dialog: Die größte Stärke des Films sind, wie nicht anders zu erwarten, Joss Whedons Dialoge und die Charakterinteraktion. Schauspielerisch gibt es absolut nichts zu meckern, allesamt sind gut drauf und geben ihr Bestes. Da ich den Film in der deutschen Synchro gesehen habe, kann ich leider (noch) nichts zu James Spader als Ultron sagen, allerdings muss ich sagen, dass Andreas Fröhlich hier auf jeden Fall einen ziemlich guten Job als fieser Roboter macht.

Auch die Action ist natürlich wieder grandios, wobei das Finale mir persönlich dem ersten Film ein wenig zu ähnlich war. Zwar bemüht sich Whedon um Variation – dieses Mal wird nicht Manhattan auseinandergenommen, sondern eine Stadt des fiktiven osteuropäischen Landes Sokovia, aber trotzdem hoffe ich, dass es in künftigen Marvel-Filmen mal ein wenig aus den urbanen Gebieten rausgeht.

Fazit: „Age of Ultron“ ist definitiv eine würdige Fortsetzung mit extrem hohem Tempo, allerdings ist der Film zu kurz, sodass manches auf der Strecke bleibt. Auch die finale Schlacht ist der des Vorgängers ein wenig zu ähnlich, sodass ich „Age of Ultron“ momentan ein wenig unter „The Avengers“ ansiedeln würde, da der erste Teil als Film runder und besser ausbalanciert wirkt. Sollte tatsächlich ein Extended Cut kommen, könnte es sein, dass ich dieses Urteil noch einmal revidieren muss.

GoT: The House of Black and White

Trieft nur so vor Spoilern!
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Nach einem durchaus gelungenen Staffelstart folgt mit „The House of Black White“ nun erstmal wieder eine Episode, die alle Handlungsstränge knapp anreißt und vor allem die Arbeit der ersten Episode fortführt. Weitere Figuren werden wieder eingeführt, Handlungsstränge vorbereitet und der aktuelle Status Quo zementiert.

Braavos
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Arya (Maisie Williams) vor dem Haus von Schwarz und Weiß

Nachdem Arya in der letzten Folge fehlte, eröffnet ihre Ankunft in Braavos „The House of Black and White“. Während wir in den Romanen Braavos als Handlungsort zusammen mit Arya zum ersten Mal betreten, kam es in der Serie bereits in der letzten Staffel vor, als Stannis und Davos einen Abstecher zur Eisernen Bank gemacht haben. Damals war außer einer Panoramaaufnahme und dem Inneren besagter Bank allerdings nicht allzu viel zu sehen. Da Braavos in Staffel 5 allerdings ein bedeutender Handlungsort ist, ändert sich das. Der Hafen, in den Arya gebracht wird, dürfte der Ragman’s Harbor (auf Deutsch Lumpenhafen, wenn ich mich recht erinnere) sein, der Hafen, in dem Schiffe aus aller Welt angelegen – Braavos zweiter Hafen, der Purpurne Hafen, ist den Einheimischen vorbehalten. Es kann natürlich sein, dass die Serie auf dieses Detail nicht eingeht.

Das Haus von Schwarz und Weiß, der Tempel des vielgesichtigen Gottes und Hauptquartier der Männer ohne Gesicht, entspricht ziemlich genau der Beschreibung des Romans, lediglich das Gesicht an der Tür fehlt, allerdings scheint es sich in der Serie nicht bei den anderen Tempeln auf der Insel der Götter zu befinden, stattdessen ist es isoliert – oder wirkt zumindest so.

Aryas Initiation in der Serie unterscheidet sich stark vom Roman, wo sie ins Haus von Schwarz und Weiß geht und ohne größere Probleme vom „Verantwortlichen“ als, nun, Lehrling ist wohl das beste Wort, akzeptiert wird. Dieser Verantwortliche, dessen Namen weder Arya noch der Leser erfährt, wird von ihr als „the kindly man“ bezeichnet.
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Jaqen H’ghar (Tom Wlaschiha)?

In der Serie öffnet auf ein Klopfen ein Priester (Cedric Henderson), der sie jedoch abweist, woraufhin Arya Jaqens Münze wegschmeißt und durch die Straßen von Braavos stromert, wo sie schließlich von mehreren Tunichtguten beinahe angegriffen wird, bis der Priester eingreift und enthüllt dass es sich bei ihm um Jaqen H’ghar handelt – ab diesem Zeitpunkt wird er dann natürlich auch von Tom Wlaschiha gespielt. Diese Entwicklung ist relativ interessant, da es eine derartige Enthüllung bei Martin (bislang?) nicht gab. Die Frage, die sich stellt, ist, ob die Serie damit die Frage nach Jaqens Verbleibt auch für die Bücher beantwortet, was ich allerdings bezweifle. Unter Buchlesern gibt es diesbezüglich zwei Theorien, die erste besagt, dass Jaqen tatsächlich der „kindly man“ ist, während die zweite (und plausiblere) davon ausgeht, dass der Gesichtslose in Oldtown sein Unwesen treibt und sich als Novize der Citadel ausgibt. Für die Nichtbuchleser ist die Rückkehr einer bereits bekannten Figur wahrscheinlich besser als die Einführung einer neuen, wobei es auch in der Serie tatsächlich nicht unbedingt Jaqen selbst sein muss, der „kindly man“ könnte auch einfach nur dieses Gesicht tragen. Er beteuert auch, er sei niemand, das kann sich aber auch darauf beziehn, dass die Gesichtslosen eigentlich keine Namen mehr tragen und „Jaqen H’ghar“ ohnehin nur eine Deckidentität war.

Im grünen Tal
Der Brienne/Pod-Handlungsstrang bewegte sich bereits in der letzten Staffel von den Romanen weg, was sich hier nun ungebrochen fortsetzt. Nur zu Erinnerung: Bei Martin blieb Briennes Suche nach Sansa (und Arya) völlig erfolglos, sie irrte in den Flusslanden umher, sah, was der Krieg angerichtet hatte, und am Ende wartete die untote Catelyn Stark alias Lady Stoneheart. Diese scheint nun leider aus der Serie vollständig entfernt worden zu sein, Briennes Reise geht in eine völlig andere Richtung. Den Auslöser hierfür finde ich allerdings irgendwie lächerlich: Nachdem Brienne und Pod in der zehnten Folge von Staffel 4 zufällig Arya und dem Bluthund begegnet sind, begegnen sie nun ebenso zufällig Sansa und Littlefinger. Westeros kann nicht besonders groß sein, wenn man sich da die ganze Zeit über den Weg läuft. Und dann erlebt Brienne mit Sansa quasi noch einmal dasselbe wie mit Arya – egal, welches Medium, Brienne hat einfach kein Glück. Der ganze anschließende Kampf samt Verfolgungsjagd wirkt schließlich ziemlich unnötig (wenn auch schön inszeniert) und dient wohl mal wieder vor allem dazu, ein wenig Action in diese ansonsten doch eher dialoglastige Folge zu bringen. Insgesamt ist der ganze Handlungsstrang schlicht und einfach sehr, sehr ungeschickt inszeniert und lässt Logik und Plausibilität mitunter gerne außen vor.

King’s Landing
In King’s Landing wird derweil ein neuer Subplot eröffnet, der ebenfalls noch weiter von den Romanen wegführt. Dort begibt sich Jaime in die Flusslande, um aufzuräumen und mit den letzten Rebellen, etwa Brynden Tully, der Riverrun hält, fertig zu werden – und ganz ähnlich wie bei Brienne scheint auch hier am Ende Lady Stoneheart zu warten.

In der Serie geht Jaime stattdessen nach Dorne, um Myrcella nach King’s Landing zurückzuholen, nachdem Cersei eine recht eindeutige Botschaft erhält. Diese Entwicklung stammt nicht völlig von Benioff und Weiss, da Cersei in „A Fest for Crows“ tatsächlich ein Mitglied der Königsgarde nach Dorne schickt, um Myrcella zurückzuholen, allerdings handelt es sich dabei um Ser Balon Swann und nicht um Jaime, da dieser, wie bereits erwähnt, gerade in den Flusslanden tätig ist.

Die Motivation für Jaimes Weggang von beiden Seiten wird auch geändert. Bei Martin war es Cersei, die Jaime mehr oder weniger loswerden wollte, weil er in ihren Augen verweichlichte (während er tatsächlich zu erkennen begann, was für eine Person seine Schwester wirklich ist), in der Serie dagegen scheint Jaime eher Cerseis Gunst zurückgewinnen zu wollen.

Wie zu erwarten war, nimmt Jaime Bronn mit; da dieser ziemlich viele Fans hat, wäre es wohl eher kontraproduktiv gewesen, ihn einfach, wie in den Romanen, aus der Handlung zu entfernen. Als Jaime ihn abholt sehen wir auch zum ersten Mal Lollys Stokeworth (Elizabeth Cadwallader), Bronns Angetraute, die mit der Buchversion dieser Figur kaum etwas gemein hat, da sie weder massiv übergewichtig ist, noch allzu sehr zurückgeblieben wirkt, höchstens nervig.

Nach Jaimes Weggang widmet sich Cersei einem neuen Hobby: Zwergenköpfe sammeln. Ich bin gespannt, ob das in der Serie ähnlich ausartet wie im Roman oder ob es bei diesem einen, repräsentativen Zwergenkopf bleibt. Das folgende Treffen des Kleinen Rates ist das Highlight der Episode, auch, weil es sehr schön zeigt, wie Cersei vorgeht, um ihre Herrschaft zu sichern. Mace Tyrell und Pycelle sind ein weiteres Mal die Deppen, und ich kann mir nicht helfen, ich mag Anton Lesser als Qyburn einfach verdammt gerne. Darüber hinaus ist es auch schön, Ian Gelder als Kevan Lannister wieder dabei zu haben, der, sehr buchgetreu, keine Hemmungen hat, Cersei seine Ansichten darzulegen, vielleicht mit der falschen Begründung, aber trotzdem.

Dorne
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Fürst Doran Martell (Alexander Siddig)

Auch im tiefsten Süden von Westeros wurde einiges verändert und vereinfacht. Während Doran Martell (Alexander Siddig), der kranke und scheinbar schwache und zurückhaltende Fürst von Sunspear, derselbe geblieben ist, wurden die Familienverhältnisse stark vereinfacht. Seine beiden älteren Kinder, Arianne und Quentyn, wurden ersatzlos aus der Serie gestrichen, sodass sein jüngster Sohn Trystane (Toby Sebastian), mit dem Myrcella (Aimee Richardson) verlobt ist, nun auch der Erbe von Dorne ist. In den Romanen ist es Arianne, die mit den Sandschlangen, Oberyn Martells Bastardtöchtern ein Komplott schmiedet, in der Serie scheint es dagegen Oberyns Geliebte Ellaria zu sein, die in „A Feast for Crows“ nur eine kleine, wenig rachsüchtige Rolle spielt. Man darf auch noch gespannt sein, wie groß die Rolle von Areo Hotah (DeObia Oparei), Doran Martells Leibwächter wohl ausfällt. Die spanischen Drehorte für Dorne, das muss noch gesagt werden, sind außergewöhnlich schön und passend.

Auf dem Weg nach Meeren
Tyrion und Varys reisen per Kutsche nach Meereen und sprechen über Politik und Philosophie. Während derartige Diskussionen zwischen Conleth Hill und Peter Dinklage immer amüsant sind, merkt man dieser doch an, dass sie vor allem da ist, um Lücken zu füllen und den beiden beliebten Schauspielern bzw. Figuren mehr Zeit zu verschaffen. Prinzipiell gibt es da schlechtere Methoden, aber trotzdem fehlt diese Zeit an anderer Stelle, zum Beispiel an der Mauer.

Meereen
Daario und Grey Worm gelingt es, einen Sohn der Harpyie in Gewahrsam zu nehmen, was für Daenerys allerdings zu noch mehr Problemen führt, da sich nun die Frage stellt, was man am besten mit ihm macht: Ein Exempel statuieren? Oder doch lieber, wie Ser Barristan vorschlägt, ihm einen fairen Prozess geben? Mossador nimmt Daenerys die Entscheidung ab, was sie nun allerdings vor ein ähnlich geartetes Problem stellt: Wie geht sie mit Mossadors Tat um? Daenerys handelt schließlich, wie ein Stark handeln würde: Fair, aber dumm, indem sie ihn vor versammelter Stadt hinrichten lässt, was ihre Befreiten nicht sonderlich gut aufnehmen.

Tatsächlich fand ich den Anfang des Ganzen ziemlich gut, sowohl die Entdeckung des Sohnes der Harpyie und das Zusammenspiel von Daario und Grey Worm, als auch die Ratssitzung und das anschließende Gespräch mit Ser Barristan. Daenerys‘ Entscheidung bezüglich Mossador allerdings… nun, es erinnert tatsächlich stark an das Zerwürfnis zwischen Robb Stark und Rickard Karstark in Staffel 3. Das Ergebnis lässt sich für jeden, der nicht vollkommen blind ist, vorausahnen, und ich denke, dass Daenerys auch so schon genug Probleme hat.
Was ich in der Besprechung von letzter Woche noch vergessen hatte: Mossador ist tatsächlich (zumindest theoretisch) ein Buchcharakter, bei Martin ist er allerdings kein Sklave aus Meereen, sondern ein Unbefleckter und Missandeis Bruder und er stirbt auch nicht durch Daenerys‘ Befehl, sondern wird von den Söhnen der Harpyie ermordet. Immerhin dürfen wir am Ende der Folge Drogon wiedersehen der, mehr noch als die anderen beiden Drachen, verdammt groß geworden ist und auch verdammt gut aussieht.

Castle Black
Shireen ist die Lehrerin vom Dienst: Nach Ser Davos bringt sie nun Gilly das Lesen bei. Zugegeben, die Szene ist niedlich, aber letztendlich ebenfalls ziemlich unnötig. Immerhin ist der Dialog zwischen Stannis und Jon weitaus relevanter, da Ersterer Letzterem anbietet, ihn zu Jon Stark und damit nominell zum Lord von Winterfell zu machen, etwas, was Jon sich immer vorgestellt hat. Somit steht er vor dem alten Stark-Problem: Handle ich nach meinen Wünschen oder nach dem, was die Ehre gebietet? Für Jon gibt es darauf natürlich nur eine Antwort.

In der folgenden Wahl des neuen Lord Commander, immerhin ein enorm wichtiges Ereignis, zeigt sich die größte Schwäche dieser Folge. Sowohl das Wahlverfahren als auch die Wahl selbst wurden gegenüber der Vorlage stark vereinfacht. Oft lässt sich das nicht vermeiden, besonders, wenn man nur zehn Stunden pro Staffel zur Verfügung hat, gerade in „The House of Black and White“ wäre es allerdings problemlos möglich gewesen, das ohnehin unnötige Füllmaterial wegzulassen und stattdessen der Wahl mehr Zeit einzuräumen, da sie nicht nur für Jon, sondern auch für Sams Charakterentwicklung einen großen Stellenwert hat. Im Roman ist er es nicht, der Jon vorschlägt, stattdessen zettelt er eine Intrige an, durch die Jon die Wahl gewinnt, weshalb im Grunde Sam für viele der folgenden Entwicklungen direkt verantwortlich ist. Außerdem zeigt die Wahl, wozu Sam fähig ist, wenn er nur will.

Fazit: „The House of Black and White“ fällt leider um einiges schwächer aus als die erste Episode der fünften Staffel, vor allem wegen unnötigem Füllmaterial und mangelndem Fokus

Stück der Woche: New Avengers


Ein Aspekt von „Age of Ultron“, auf den ich mich besonders freue (bzw. freute), ist der Score, und das hat gleich mehrere Gründe. Zum einen wäre da die Tatsache, dass Brian Tyler ihn komponierte, der bereits für die Scores für „Iron Man 3“ und „Thor: The Dark World“ verantwortlich war, und sich auch willig zeigte, Alan Silvestris Themen miteinzubeziehen (Silvestris Captain-America-Thema hat einen kurzen Gastauftritt im zweiten Thor-Film). Die Implikation ist klar: Endlich leitmotivische Kontinuität im MCU. Dann ist dann noch die Tatsache, dass Danny Elfman als zusätzlicher Komponist herangezogen wurde, eine zumindest interessante Entscheidung, da sich die Stile von Elfman und Tyler doch recht stark unterscheiden. Andererseits liefert Elfman in Sachen Comicverfilmungen fast immer sehr gute Sachen, egal, ob es sich dabei um Batman, Spider-Man, Hellboy oder „Wanted“ handelt.

Nun ja, heute ist der Score auf Youtube aufgetaucht. Viele ziehen es zwar vor, den Score erst im Film zu hören, ich persönlich mag es allerdings, zumindest bei Soundtracks, von denen ich mir viel erhoffe, sie bereits vorher gehört zu haben. Gerade, wenn man sich einen Film im Kino anschaut, überlagern die optischen Reize meistens die visuellen, und das Wiedererkennen ist dann oftmals leichter als das Erkennen.
Der erste Eindruck war auf jeden Fall positiv, alle vier bereits etablierten Themen (Captain America, Avengers, Iron Man und Thor) tauchen auf, wenn auch meistens in fragmentierter und eher subtiler Form. Darüber hinaus ist der Score ziemlich kohärent und bewegt sich stilistisch weg vom RCP-Sound und stärker hin zu größerer Komplexität und orchestraler Vielschichtigkeit.

Das mit Abstand interessanteste Element ist auf jeden Fall Danny Elfmans (jedenfalls wird dieses Stück Danny Elfman zugeorndet, es kann aber natürlich sein, dass Tyler daran ebenfalls mitkomponiert hat) neues Avengers-Thema, wobei das nicht ganz korrekt ist: Dieses Thema ist viel mehr eine Erweiterung des Silvestri-Themas. Dieses war zwar durchaus eingängig und im Film auch sehr funktional, aber letztendlich doch eher Silvestri auf Autopilot. Elfman vollbringt das Kunsstück, einerseits dem ursprünglichen Thema, dessen Elemente immer wieder durchschimmern, treu zu bleiben, und doch andererseits etwas neues zu kreieren und das alte Thema gleichzeitig zu vervollkommnen. Elfmans neue Bestandteile erinnern mich dabei ein wenig an Howard-Shores Rückforderung-der-Natur-Thema aus den beiden Mittelerde-Trilogien. Noch ein interessantes Detail am Rande: Wer im oben eingebettetn Stück genau aufpasst, erkennt am Anfang vielleicht die Fragmente des Captain-America-Themas. Auf jeden Fall Hut ab, ich denke, der Age-of-Ultron-Score ist der bislang beste MCU-Soundtrack.

Und nun noch kurz zu etwas, das leider weniger erfreulich ist: Wie seit Montag durch die Medien geht, hat Disney seine Preispolitik in einem äußerst geldgierigen Schachzug geändert (die Kinos müssen nun 53% statt der bisherigen 47% abdrücken), was vor allem viele kleinere Kinos in die Bredouille bringt, weshalb viele von ihnen sich nachvollziehbarerweise dazu entschlossen haben, „Age of Ultron“ zu boykottieren. Zwar habe ich schon viele zu lange gewartet und bin viel zu gespannt und emotional investiert, um mir „Age of Ultron“ nicht anzusehen, aber natürlich verurteile diese Politik trotzdem aufs heftigste und hoffe, dass der Protest Wirkung zeigt und dass Disney zurückrudert.

Weiterführendes Material von Blogger-Kollegen:
https://mightymovies.wordpress.com/2015/04/22/meinung-preispolitik-aus-dem-wunderland/
https://infernalcinematicaffairs.wordpress.com/2015/04/21/diskussion-protestwelle-deutsche-kinobetreiber-boykottieren-avengers-age-of-ultron/

Aktuell: Trailer zu „Batman V Superman: Dawn of Justice“


Der erste Trailer zum Sequel zu „Man of Steel“, das gleichzeitig das DC Cinematic Universe weiter aufbauen und etablieren sollte, hatte das fatale Pech, einen Tag nach dem genialen Trailer zu „The Force Awakens“ auf das Publikum losgelassen zu werden. Beides sind große Filme, auf die Fans schon lange, lange gewartet haben: Die Rückkehr der alten SW-Garde und das erste Aufeinandertreffen von Batman und Superman auf der Leinwand. Da ist es nicht verwunderlich, dass beide Trailer miteinander verglichen werden, und dabei gewinnt der SW-Trailer um Längen, weil er einfach rundum gelungen konzipiert ist und es nicht nur bei mir geschafft hat, Gänsehaut auszulösen, nicht zuletzt Dank des perfekten Musikeinsatzes. Der BVS-Trailer dagegen hat das übliche, dröge RCP-Tiefbassdröhnen, das mich inzwischen ziemlich aufregt.
Aber gut, tun wir mal so, als hätten wir den SW-Trailer nicht wenige Stunden zuvor gesehen und versuchen, diesen Trailer allein für sich genommen zu betrachten. Und ich denke, so ist er ganz in Ordnung. Nicht grandios, aber er verspricht zumindest einige interessante Elemente. Die Bildsprache und Atmosphäre des Trailers erinnert eher an Snyders Verfilmung von „Watchmen“ als an „Man of Steel“, was ich durchaus begrüßen würde, da mir die erzwungene „Nolanisierung“ von MoS ziemlich missfallen hat (auf eine Reduzierung der Shaky-Cam hoffe ich ebenfalls). Der Comicfan erkennt definitiv einige visuelle Anspielungen, etwa an „Kingdom Come“ (Superman steigt aus den Wolken herab) oder „The Dark Knight Returns“ (das Zusammentreffen von Batman und Superman). Auch inhaltlich ist Interessantes dabei, gerade, was die Kontroverse um Superman angeht, das kann gut werden, wenn es passend inszeniert wird. In diesem Zusammenhang ist die Tatsache, dass Chris Terrios Name vor dem von David Goyer genannt wird, ebenfalls positiv.
Insgesamt würde ich also sagen, dass der Trailer zwar keine Begeisterung hervorruft, aber doch zu vorsichtigem Optimismus Anlass gibt.

GoT: The Wars to Come

Trieft nur so vor Spoilern!
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Und es geht wieder los, die Game-of-Thrones-Saison hat begonnen. Staffel 5 der Serie verspricht vor allem eines: Noch stärkere Abweichung von der Vorlage. Ich bin ja nun kein Purist, der Änderungen gleich verurteilt, nur weil es Änderungen sind, allerdings sollten auch Änderungen sinnvoll sein. Manche sind natürlich dem Medienwechsel geschuldet, andere weniger, aber sie bereichern die Story; Margaery Tyrells größere Rolle gehört für mich zum Beispiel dazu – Serien-Margaery ist in meinen Augen eine weitaus interessantere Figur als Buch-Margaery. Gerade in Staffel 4 gab es allerdings auch einige Änderungen, die ich ziemlich misslungen fand, weshalb ich nach wie vor denke, dass Staffel 4, trotz einiger richtig guter Episoden, bislang die schwächste ist.

Dass es ab Staffel 5 massive Anpassungen geben würde, war ohnehin abzusehen. Die Bände „A Feast for Crows“ und „A Dance with Dragons“ sind nämlich aus vielen Gründen sehr viel schwerer umzusetzen als die ersten drei, und das nicht nur wegen der geographischen Aufspaltung (an die sich die Serie ohnehin nicht hält – wäre auch unsinnig). In den Bänden 4 und 5 von „A Song of Ice and Fire“ führt Martin eine Myriade an neuen Figuren und Handlungsorten ein – Benioff und Weiss müssen hier sehr genau abwägen, und ich hoffe, dass sie gute Entscheidungen getroffen haben. Nun, wir werden sehen.

Auf der Intro-Karte taucht mit Pentos ein Ort auf, den wir seit Staffel 1 nicht mehr gesehen haben, die signifikanteste Änderung findet sich aber bei Winterfell: Das Modell qualmt nicht mehr, und statt dem Schattenwolf der Starks ist dort nun der gehäutete Mann der Boltons zu sehen.

 

King’s Landing
Staffel 5 beginnt mit etwas, das in GoT bislang nicht zu sehen war: Einem Flashback. Die junge Cersei Lannister (Nell Williams) sucht zusammen mit ihrer Freundin Melara Hetherspoon (Isabella Steinbarth) eine Waldhexe (Jodhi May) auf, um von ihr etwas über die Zukunft zu erfahren. Der Name der Waldhexe wird in der Serie nicht genannt, der Buchleser weiß jedoch, dass es sich dabei um „Maggy the Frog“ handelt. Maggy ist dabei allerdings nicht ihr wirklicher Name, sondern eine Verballhornung des Wortes „Maegi“ (wir erinnern uns an Staffel 1). Die Serien-Version dieser Figur ist weitaus ansehnlicher als die Buch-Version, die ziemlich hässlich ist; hier ist Maggy im Grunde nur schmutzig.

Da Cersei drei Fragen stellen darf, hier allerdings nur zwei vorkommen, denke ich, dass wir im Verlauf der Serie noch einmal zu diesem Flashback zurückkehren werden, insbesondere da noch ein wichtiges Detail fehlt: Im Roman erklärt Maggy Cersei, dass sie durch die Hand des Valonqar (Valyrisch für „kleiner Bruder“) getötet werden wird, was ihren Hass auf und ihre Furcht vor Tyrion erklärt – natürlich ist aber auch Jaime Cerseis kleiner Bruder, und es ist darüber nicht einmal eindeutig, dass es überhaupt Cerseis kleiner Bruder sein muss.

Es gibt noch ein paar kleinere Details, die sich in Roman und Serie unterscheiden, etwa die Anzahl der prophezeiten Kinder des Königs und die Tatsache, dass Cersei bei Martin mit zwei Freundinnen unterwegs ist, aber diese sind unbedeutend.
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Maggy the Frog (Johdi May)

Nach dieser Einführung, die sich auch gut vor dem Vorspann gemacht hätte, springt die Episode direkt nach King’s Landing, wo Cersei bei Baelors Septe eintrifft, um Lord Tywin die letzte Ehre zu erweisen. Dort warten bereits viele Edle des Reiches, darunter auch der von Paul Bentley gespielte Hohe Septon, dessen Rolle und Amt in dieser Staffel noch an Signifikanz gewinnen werden. Diplomatisch und feinfühlig, wie Cersei nun einmal ist, lässt sie alle anderen warten und besucht den Leichnam ihres Vaters erst allein, nur Jaime ist anwesend. Erfreulicherweise ist dieses Beisammensein von Jaime, Cersei und einem toten nahen Verwandten gelungener als das letzte, nicht zuletzt, weil Charles Dance‘ letzte Szene in der Serie von The Rains of Castamere unterlegt wird. Während es im Buch eine sehr ähnliche Konversation zwischen den beiden Lannistergeschwistern gibt, ist hier doch ein wichtiges Detail anders: Serien-Cersei errät sofort, dass es Jaime war, der Tyrion befreit hat.

Beim anschließenden Leichenschmaus kehren zwei alte Bekannte in die Serie zurück: Lord Tywins Bruder Ser Kevan Lannister und sein Sohn Lancel, beide abermals gespielt von Ian Gelder und Eugene Simon. Beide haben wir zum letzten Mal in Staffel 2 gesehen, Lancel wurde bei der Schlacht um King’s Landing verletzt und Kevan war bei Tywins Kriegsrat in Harrenhal zugegen. Wie in den Romanen hat Lancel währenddessen zum Glauben gefunden (in ziemlich extremer Weise), während sein Vater darüber nicht sonderlich begeistert ist.

In „A Feast for Crows“ hat das vor allem Auswirkungen auf Jaimes Handlungsstrang in den Flusslangen, da Jaime in der Serie allerdings nach Dorne geht, entschieden sich Benioff und Weiss dazu, ihn in King’s Landing zu belassen, um den fundamentalistischen Anhängern des Glaubens ein zusätzliches, bekanntes Gesicht zu geben. Die Einführung der „Spatzen“ wird dadurch leichter und ist ziemlich gelungen, immerhin spielen diese im King’s-Landing-Handlungsstrang noch eine bedeutende Rolle.

 

Pentos
Tyrion kommt in Pentos an und ist dabei in einem ähnlich mitleiderregenden und zugleich abstoßendem Zustand wie im Roman: Kaputt, stinkend, mit seinem Schicksal und seinen Taten hadernd und dauerbetrunken. Im Gegensatz zum Roman wurde allerdings bereits sehr viel gerafft und vereinfacht; bei Martin ist es Magister Illyrio, der Tyrion empfängt und ihn eine Weile bei sich beherbergt. In der Serie dagegen entschied man sich, Illyrio, der immerhin in der ersten Staffel zwei Auftritte hatte, durch Varys zu ersetzen. Dennoch befinden sich der Zwerg und die Spinne in Illyrios Haus, der Magister hat nur keinen Auftritt.

Varys erklärt, dass er in Wirklichkeit die ganze Zeit die Targaryen zurück auf den Thron bringen wollte und versucht Tyrion dafür zu gewinnen. Insgesamt ist Varys hier sehr offenherzig und ehrlich, für meinen Geschmack ein wenig zu sehr. In den Romanen ist er nur ein einziges Mal so ehrlich, und da spricht er mit jemandem, der praktisch schon tot ist.

Nun, wie dem auch sei, die erste Etappe der Reise zu Daenerys unternehmen Varys und Tyrion gemeinsam. Was sich im Vorfeld der Staffel bereits andeutete, scheint nun ziemlich sicher zu sein: Aegon VI. und Lord Jon Connington fallen der Schere zum Opfer. Bei Aegon VI. handelt es sich, so wird von seinen Unterstützern zumindest behauptet, um den totgeglaubten Sohn von Rhaegar Targaryen, während im Fandom unter anderem vermutet wird, es handle sich um einen Blackfyre-Prätendenten. Jedenfalls bricht Tyrion zusammen mit Aegon, Connington und einigen weiteren Gefährten gen Meereen auf, während er in der Serie erst einmal von Varys begleitet wird. Ich denke, dass es notwendige Kürzungen sind, damit das Personal nicht ausufert, wirklich bewerten lässt sich dies aber erst, wenn in „The Winds of Winter“ oder „A Dream of Spring“ bekannt wird, wie und in welchem Ausmaß sich der Aegon/Connington-Handlungsstrang auswirkt. Ein zusätzlicher Bonus, der sich durch diese Änderung ergibt, sind mehr Szenen zwischen Conleth Hill und Peter Dinklage, was immer gut ist.

 

Meereen
Die Harpyie fällt. Leider macht das Daenerys das Regieren auch nicht unbedingt leichter, denn die Schwierigkeiten häufen sich: Die Söhne der Harpyie, maskierte Mitglieder der ehemaligen Herrscherfamilien Meereens, töten einen der Unbefleckten. Hierbei handelt es sich mal wieder um eine Kondensierung: Im Roman wird Daenerys von mehreren derartigen Vorfällen berichtet, in der Serie dagegen wird einer herausgegriffen und visualisiert.
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Ein Sohn der Harpyie

Dany erörtert die Situation mit ihren Beratern, zu denen nun auch Hizdahr zo Loraq und Mossador (Reece Noi), einer der aufständischen Sklaven der letzten Staffel, gehören. Ersterer kehrt im Verlauf der Folge mit Daario Naharis aus Yunkai zurück, das erneut befriedet werden musste, und beginnt anschließend damit, Daenerys um die Wiedereröffnung der Arenen von Meereen zu bitten – in den Romanen ist das sein hervorstechendstes Merkmal, während dort die Sache mit dem gekreuzigten Vater, die ihm zusätzliche Sympathie verleiht, fehlt.

Nach eine Gespräch mit Daario über besagte Arenen und eine Drachenkönigin ohne Drachen besucht Daenerys Rhaegal und Viserion, die noch größer und unkontrollierbarer und deren Animationen, gerade für eine TV-Serie, wirklich exzellent sind.

 

Das grüne Tal
Im Grunde ist dieser Handlungsstrang nun schon über die erschienen Bücher hinaus; in „A Feast for Crows“ erzählen Sansas Kapitel vor allem, wie sie sich an ihre neue Situation anpasst, von der Eyrie hinabsteigt und anschließend von Littlefinger in höfischer Intrige unterwiesen wird.

Dies alles hat die Serie im Grund direkt übersprungen, der Sansa-Subplot fängt damit an, dass sie, Littelfinger und Yohn Royce Robin Arryn dabei zusehen, wie er beim Schwerkampftraining versagt. Sansa und Littelfinger halten sich damit allerdings nicht lange auf, sondern begeben sich auf eine Reise – die Trailer und der Einsatz des Stark-Themas deuten bereits darauf hin, dass es Richtung Norden geht, auch wenn uns Sansa versichert, es gehe nach Westen.

 

Castle Black
Nach der Schlacht hat sich die Lage auf Castle Black wieder beruhigt, Ser Alisser Thorne und Janos stolzieren herum, während Jon Snow abermals die Rekruten trainiert. Aber dennoch ist durch die Anwesenheit von Stannis Baratheon alles anders.

Während die anderen Handlungsstränge inzwischen alle schon bei „A Fest for Crows“ oder „A Dance with Dragons“ sind, ist dieser noch „zurück“, will heißen: Hier wird noch Material aus „A Storm of Swords“ adaptiert. Nach den Abweichungen und Ausdehnungen der letzten Staffel scheint die Jon-Snow-Handlung nun wieder stärker zum Buch zurückzukehren: Die Dialoge mit Melisandre und Stannis sind alle mehr oder weniger vorlagengetreu, wenn auch insgesamt vereinfacht. Bei Martin ist Davos allerdings nicht zusammen mit Stannis zur Mauer gekommen, sondern erledigt eine Sondermission in White Harbor. Während dieser Subplot im Roman durchaus ganz interessant ist, weil er dem Norden eine neue Facette hinzufügt, ist er für die Serie tatsächlich eher belanglos und ich begrüße seine Kürzung, da gerade in der Serie Davos‘ Anwesenheit auf der Mauer für eine sehr viel interessantere Konstellation sorgt.
snowrayderJon Snow (Kit Harrington) und Mance Rayder (Ciáran Hinds)

Stannis hätte gerne, dass die Wildlinge für ihn kämpfen, und Jon Snow soll Mance Rayder überzeugen, das Knie zu beugen, wovon dieser nicht besonders begeistert ist, weshalb er verbrannt werden soll, was schließlich am Ende der Episode auch geschieht. In „A Dance with Dragons“ ist es allerdings der Lord der Knochen, der, von Melisandre magisch verkleidet, den Flammen geopfert wird, während Mance später eine gesonderte Mission übernimmt. In der Serie scheint es tatsächlich Mance selbst zu sein, der verbrannt wird. Einerseits kann ich das nachvollziehen, denn Benioff und Weiss müssen viele der Handlungsstränge der Bände 4 und 5 stark vereinfachen, da sie sonst schlicht nicht umsetzbar sind, allerdings finde ich es dennoch verdammt schade, denn Ciáran Hinds ist ein hervorragender Schauspieler, und die Serie hätte ehrlich gesagt von seiner Präsenz profitiert – vor allem in Staffel 4 hätte man diesbezüglich noch einiges unterbringen können. So wirkt es, als habe man Mance Rayders Potential teilweise verschenkt. Immerhin darf Hinds in dieser Episode noch ein letztes Mal glänzen.

 

Fazit: Durchaus gelungene erste Folge der neuen Staffel, wenn auch nicht ganz auf dem Niveau von „Two Swords“. Die Aussparung einiger Handlungsstränge zugunsten anderer erweist sich wieder als sinnvoll, um eine ausgewogenere Erzählstruktur zu schaffen.

Penny Dreadful Staffel 1

dreadful
Die Idee, die verschiedenen Figuren und Kreaturen der viktorianischen Horror-Literatur aufeinander treffen zu lassen ist nicht unbedingt neu. Schon in den frühen, schwarz-weißen Universal-Filmen geschah das, und diese Tradition wurde später in Werken wie „Anno Dracula“ von Kim Newman oder „Die Liga der außergewöhnlichen Gentlemen“ von Alan Moore fortgesetzt. Die Prämisse der Showtime-Serie „Penny Dreadful“, u.a. ersonnen von John Logan und Sam Mendes, Autor und Regisseur von „Skyfall“, ist also alles andere als revolutionär, dafür aber, zumindest für mich, unheimlich reizvoll, denn ich liebe viktorianische Horror- und Schauerromane. Der Name der Serie kommt, passenderweise, von den Penny Dreadfuls, den Horror-Schundheften des 19. Jahrhunderts. Zwei dieser Werke werden auch direkt als solche referenziert: „Varney the Vampyre“, eine der Prä-Dracula Vampirgeschichten und „Sweeney Todd“, das durch die Musicaladaption von Steven Sondheim und die Filmumsetzung besagten Musicals durch Tim Burton heute sicher noch weitaus bekannter ist als „Varney“.

Vornehmlich werden in „Penny Dreadful“ Figuren und Handlungselemente dreier klassischer Werke der viktorianischen Schauerliteratur verarbeitet: „Dracula“ von Bram Stoker, „Frankenstein“ von Mary Shelley und „Das Bildnis des Dorian Gray“ von Oscar Wilde. Hinzu kommen weitere, nicht ganz spezifisch feststellbare Einflüsse und Konzepte, etwa dämonische Besessenheit, Hinweise auf ägyptische Götter und diverse bestialische Morde, die vage an Jack the Ripper erinnern.

Handlung
Aufgrund der Natur der Serie werde ich hier nur eine sehr knappe Inhaltsangabe geben und mich anschließend zu den adaptierten Elementen einzeln und detaillierter äußern. Da dies eine analytische Rezension ist, ist sie nicht völlig spoilerfrei. Ich werde mich bemühen, die Schlusstwists nicht zu enthüllen, aber gerade einige der früheren Entwicklungen kann ich nicht auslassen, wer also gar nichts wissen will, sollte hier aufhören zu lesen.

Sir Malcolm Murray (Timothy Dalton) und die mysteriöse Vanessa Ives (Eva Green) suchen nach Murrays verschwundener Tochter Mina (Olivia Llewellyn). Dazu sichern sie sich die Hilfe des Arztes Victor Frankenstein (Harry Treadaway) und des amerikanischen Revolverhelden Ethan Chandler (Josh Hartnett). Diese haben allerdings auch jeweils eigene Probleme: Frankenstein wird von der von ihm aus Leichenteilen geschaffenen Kreatur Caliban (Rory Kinnear) heimgesucht, die ihrem Erschaffer nicht gerade wohlgesonnen ist, während Chandler um das Leben seiner Geliebten Brona (Billie Piper), die an Tuberkulose leidet, fürchtet.
Und dann ist da noch der mysteriöse, undurchschaubare Dorian Gray (Reeve Carney)…

Dracula
„Penny Dreadful“ adaptiert die grundlegenden Werke eher in groben Zügen oder entnimmt gewisse Elemente und Figuren und ordnet sie neu an. Die Dracula-Elemente bilden dabei im Grunde den Hauptplot der Serie und treten die Handlung los: Es ist nicht schwer zu erraten, wer für Mina Murrays (bzw. Mina Harkers) Verschwinden verantwortlich ist. Dracula selbst taucht in dieser ersten Staffel allerdings noch nicht auf. Dafür hat Professor van Helsing einen Auftritt. Letztendlich lässt sich relativ schwer bestimmen, wie viel von „Dracula“ als Teil der Vorgeschichte passiert, allerdings kann man wohl davon ausgehen, dass die Handlung des Romans zumindest in groben Zügen passiert ist, nur mit dem Unterschied, dass Dracula gewonnen hat. Außer van Helsing und Mina wird von den Romanfiguren nur noch Jonathan Harker namentlich erwähnt. Die Vampire, die in der ersten Staffel tatsächlich vorkommen, sind größtenteils eher von der ziemlich hirnlosen Sorte (einer erinnert vage an Graf Orlok aus „Nosferatu“), sie sind lediglich Marionetten eines Meisters, dessen Name in der ersten Staffel noch nicht genannt wird – aber es weiß ohnehin jeder, wer dahintersteckt. Ich denke, zukünftige Staffeln werden enthüllen, wie viel „Dracula“ tatsächlich in „Penny Dreadful“ steckt.

Obwohl ich zugeben muss, dass ich den Grafen durchaus gerne bereits gesehen hätte, ist der Schachzug, ihn noch nicht in dieser Staffel einzuführen, ein ziemlich kluger: Dracula ist die wohl populärste Horrorgestalt, sein Präsenz hätte wahrscheinlich alles andere überschattet. Da die anderen Figuren nun jedoch eine Staffel Zeit hatten, sich zu etablieren, dürfte Draculas Auftritt zu einem späteren Zeitpunkt besser umsetzbar sein.

Frankenstein
Gerade hier trifft die „Adaption in groben Zügen“ noch mehr zu als bei „Dracula“, wo der Roman immerhin passiert sein könnte. Rein handlungstechnisch werden nur die Grundideen übernommen: Victor Frankenstein baut ein Monster aus Leichenteilen (wohl aber nicht, wie bei Shelley, an der Uni Ingolstadt). Tatsächlich baut er zu Beginn der Staffel bereits seine zweite Kreatur, Proteus (Alex Price), nachdem er mit der ersten Schöpfung, die später von einem Schauspieler (Alun Armstrong), der sich ihrer annimmt, den Namen Caliban bekommt, nicht zufrieden war. Von Frankensteins familiärem Hintergrund, der im Roman eine wichtige Rolle spielt, findet sich in der Serie nichts. Caliban dagegen ist, auch wenn er eigentlich zu attraktiv ist, von der Figurenkonzeption her mit dem Monster des Romans ziemlich genau identisch. Wie dieses ist auch Calbian gleichzeitig sowohl intelligent und sensitiv als auch brutal, wenn er verletzt wird oder nicht bekommt, was er will.

Dorian Gray
Dorian Gray bleibt als Figur die gesamte erste Staffel über sowohl ziemlich mysteriös als auch ziemlich unbeteiligt. Er agiert zwar mit den Figuren, vor allem Vanessa Ives und Ethan Chandler, aber mir hat sich weder sein Zweck noch seine Rolle im Plot wirklich offenbart, es ist unheimlich schwer zu sagen, in welche Richtung er sich im Verlauf entwickeln könnte, ob er Verbündeter oder Feind der Protagonisten wird. Auch hier scheint vor allem die Grundprämisse des Romans übernommen worden zu sein. Anspielungen oder weitere Inhalte von Wilde finden sich kaum. Was es mit Dorian Gray auf sich hat, versteht man allerdings nur, wenn man den Roman kennt, der zumindest in Deutschland weniger bekannt ist als „Frankenstein“ oder „Dracula“. Gray selbst pflegt in der Serie zwar einen hedonistischen Lebensstil und hat sowohl mit Vanessa Ives als auch mit Ethan Chandler Sex, zeigt aber, zumindest bisher, noch nichts von Dorian Grays wirklich düsteren Seiten.

Allgemeine Umsetzung
Was nach Sichtung der ersten Staffel vor allem auffällt ist, dass die einzelnen Handlungsstränge die ganze Zeit über parallel ablaufen, aber kaum Auswirkungen aufeinander haben. Victor Frankenstein und Ethan Chandler sind Vanessa Ives und Malcolm Murray zwar im Hauptplot behilflich, ihre eigenen Handlungsstränge sind aber fast völlig separiert. Dorian Gray wiederum hat eigentlich keinen eigenen Handlungsstrang, sondern mischt sich immer wieder in die anderen ein, allerdings ohne einen wirklich großen Unterschied zu machen. Insgesamt wirkt das alles noch ein wenig orientierungslos. Dieser Kritikpunkt kann sich mit der nächsten Staffel allerdings sehr schnell relativieren, sofern sich die einzelnen Handlungsstränge stärker miteinander verknüpfen und klar wird, wohin sich Dorian Gray bewegt.

Insgesamt ist das aber auch eigentlich schon der größte Kritikpunkt. Ich hätte mir noch mehr Anspielungen an die Vorlagen gewünscht, in den Rückblicksszenen mit Mina und Vanessa hätte noch ein kurzer Auftritt von Lucy Westenra platziert werden können, man hätte Basil Hallward oder Henry Wotton erwähnen können – eben kleine Anspielungen, um Fans eine Freude zu machen. Von diesen Kritikpunkten abgesehen reiht sich „Penny Dreadful“ allerdings hervorragend in die Riege der aktuell laufenden, qualitativ hochwertigen Horror-Serien wie „American Horror Story“ oder „Hannibal“ ein, sofern man sich an einigen Übertreibungen und einem gewissen Mangel an Subtilität nicht stört.

Vor allem schauspielerisch trumpft die Serie auf, die Leistungen aller Beteiligten sind durchweg exzellent. Wie bei einer derartigen Serie nicht anders zu erwarten sind so ziemlich alle Figuren sehr zwielichtig, haben dunkle Geheimnisse und melodramatische Hintergründe – dass dies alles funktioniert, ist in erster Linie den Schauspielern zu verdanken. Eva Green muss noch einmal gesondert genannt werden, denn ihr wird hier wirklich einiges abverlangt. Vor allem ihre Besessenheitsszenen sind meisterhaft und mit Sicherheit die eindrucksvollsten seit langer Zeit, vielleicht sogar die eindrucksvollsten seit „Der Exorzist“ – und Greens Gesicht wurde dabei nicht derartig elaboriert dämonisiert, wie es bei Linda Blair der Fall war.

Die Atmosphäre ist ein weiterer, dicker Pluspunkt der Serie, das viktorianische London wird gekonnt und düster in Szene gesetzt, die Kulissen, von Dorian Grays Haus bis zum Grand Guignol, sind sehr beeindruckend und ganz allgemein wird optisch einiges geboten, im Verlauf der acht Episoden nimmt die alpraumhafte Intensität der Bilder stetig zu. Abel Korzeniowskis eindringliche, tragische und düstere Musik tut ihr Übriges.

Fazit: Obwohl die einzelnen Handlungsstränge noch ein wenig orientierungslos wirken, hat „Penny Dreadful“ insgesamt eine vielversprechende erste Staffel, die vor allem durch schauspielerische Glanzleistungen und eine grandiose Atmosphäre überzeugt. Für schwache Nerven ist sie allerdings definitiv nichts, die FSK-16-Bewertung wird in mehr als einer Hinsicht voll ausgereizt.

Intro
Trailer

Die zehn besten Intros von TV-Serien

Und gleich die nächste Blogparade, dieses Mal nicht von der singenden Lehrerin an mich weitergereicht, sondern sogar von ihr ausgerufen. Gefragt wird nach den besten TV-Serien-Intros, und ich bin ganz stolz auf mich, weil ich es sogar geschafft habe, sie in eine Qualitätsreihenfolge bringen. Mir ist übrigens erst im Nachhinein aufgefallen, dass es sich, mit einer Ausnahme, um extra für die Serie komponierte Score-Intros handelt, aber bei meinen Vorlieben hätte ich das wirklich vorausahnen können. Nun ja, immerhin, die Intros von „The Big Bang Theory“ und „Die Sopranos“ sind ganz knapp an der Liste vorbeigeschrammt.

Platz 10: True Blood (Bad Things von Jace Everett)

Tatsächlich hatte ich mir lange überlegt, ob ich nicht doch lieber „Die Sopranos“ auf Platz 10 setzen sollte, beide Intros sind sich, bezüglich der Konzeption, doch recht ähnlich: Eindringlicher Song, der vor allem zur Etablierung der grundsätzlichen Themen dient, während die Bilder eine Vorahnung der Atmosphäre vermitteln. Während Tony Sopranos Fahrt durch New Jersey ein wenig eleganter ist, finde ich den True-Blood-Vorspann aber letztendlich aufgrund der äußerst kreativen Bildsprache und der diversen surrealen Elemente einfach besser. Musikalisch sind beide Intros für mich ähnlich: Nicht ganz mein Musikgeschmack, aber für das Setting der Serie ungeheuer passend. Aus diesem Grund entscheiden hier die Bilder über den Sieger.

Platz 9: Rome (Jeff Beal)

Noch ein Vorspann, der sich vor allem durch eine enorm kreative Bildsprache hervortut. Es handelt sich um eine Kamerafahrt durch die Straßen der titelgebenden antiken Stadt, wobei sich die Graffitis bewegen und Hinweise auf Themen und Inhalte der Serie geben und Anspielungen historischer bzw. mythischer Gegebenheiten zeigen (etwa die römische Wölfin). Musikalisch ist dieses Intro vor allem interessant, weil Komponist Jeff Beal sich um eine authentische Instrumentierung bemühte, besonders eingängig oder mitreißend ist die Komposition zwar leider nicht, aber die grundsätzlichen Anforderungen erfüllt sie allemal.

Platz 8: Superman: The Animated Series

Zugegeben, dieses Intro ist nicht wirklich besonders, für eine Action-Zeichentrickserie ist es sogar ziemlich konventionell: Einzelszenen aus verschiedenen Folgen, unterlegt vom Titelthema. Aber dieses Intro ist für mich wirklich sehr stark nostalgisch aufgeladen und erinnert mich daran, wie ich als Kind am Samstagmorgen vor dem Fernseher saß und voller Freude auf die nächste Folge wartete (dasselbe lässt sich auch über Platz 5 und 2 sagen). Shirley Walkers Thema ist natürlich trotz der eher konventionellen Natur vollauf gelgungen, und wenn ich ehrlich bin muss ich zugeben, dass ich es ein bisschen lieber mag als John Williams‘ Thema für Superman – allerdings sind beide qualitativ meilenweit von Hans Zimmers unterirdischem Man-of-Steel-Leitmotiv entfernt.

Platz 7: Die Tudors (Trevor Morris)

Die meisten Serien dieser Liste sind Serien, die ich ziemlich gut finde, „Die Tudors“ ist da eine Ausnahme. Ich finde sie zwar nicht wirklich schlecht, aber doch insgesamt eher annehmbar denn mitreißend, und ich habe sie nicht einmal zu Ende geschaut.
Was den Vorspann angeht, ist es hier im Grunde genau umgekehrt wie bei „Rome“: Optisch ist dieses Intro nicht das einfallsreichste, auch wenn es seinen Job tut, Atmsophäre etabliert und Charaktere kurz vorstellt, aber ich liebe Trevor Morris‘ Titelthema, wobei ich nicht einmal genau sagen kann, weshalb, denn es ist nicht besonders außergewöhnlich. Es spricht mich einfach irgendwie auf einer emotionalen Ebene an, auf jeden Fall in einem Ausmaß, das ihm Platz 8 dieser Top 10 sichert.

Platz 6: Penny Dreadful (Abel Korzeniowski)

Für das viktorianische London und die Figuren der klassischen Gothic Novels bin ich immer zu haben. „Penny Dreadful“ überzeugt schon beim herrlich düsteren, atmosphärisch dichten Vorspann, der wunderbare die Gegensätze der Gothic Novel wiederspiegelt: Eine noble Oberfläche und tiefe Abgründe dahinter. Dazu noch das schöne Streicherthema von Abel Korzeniowski, das genau die richtige Stimmung vermittelt und mit seinem osteuropäischen Einschlag an die Musik von „Bram Stoker’s Dracula“ (Kilar), „The Wolfman“ (Elfman) und „Drag Me to Hell“ (Young) erinnert.

Platz 5: Gargoyles (Carl Johnson)

Oh, Nostalgie. Als Kind habe ich „Gargoyles“, Disneys ersten Versuch, eine Action/Abenteuer-Serie zu machen, geliebt – und auch jetzt ist die Serie immer noch ziemlich gut; tatsächlich plane ich schon seit Längerem, einen Artikel darüber zu schreiben. Wie dem auch sei, das Intro hat an der Wirkung der Serie definitiv seinen Anteil, was vor allem Carl Johnsons Gargoyles-Thema sowie Keith Davids mächtiger Stimme geschuldet ist. Im Gegensatz zu vielen anderen Disney-Zeichentrickserien entschied man sich gegen ein Lied im Vorspann (das hätte die ernstere Atmosphäre zerstört), und beschloss sich stattdessen, die grundsätzliche Handlung durch Bilder und einen Monolog vorzustellen, was wunderbar funktioniert.

Platz 4: Die Simpsons (Danny Elfman)

Wahrscheinlich eines der ikonischsten Intros der Fernsehgeschichte, nicht zuletzt wegen Danny Elfmans Thema, das ohne Zweifel zu den Instrumentalstücken gehört, die wirklich fast jeder kennt. Das schön bei den „Simpsons“ ist, dass durch Tafel- und Couch-Gag jedes Intro ein wenig anders ist als die anderen. Und selbst mit nachlassender Qualität der Serie enttäuschten die Intros auch weiterhin nicht. So gibt es inzwischen eine Game-of-Thrones-Version, eine Kesha-Version und, mein Favorit, ein Treehouse-of-Horror-Intro von Guillermo del Toro, bei dem er sich wohl gefragt hat, wie viele Horror-Anspielungen er in knapp drei Minuten unterbringen kann.

Platz 3: American Horror Story (Charlie Clouser)

Charlie Clouser gehört nicht unbedingt zu meinen Lieblingskomponisten, aber er hat ein, zwei ganz brauchbare Themen geschrieben, darunter das Hauptthema der Saw-Reihe und auch das Thema von „American Horror Story“. Wobei „Thema“ es hier nicht wirklich gut trifft: Bei der Untermalung des Vorspanns dieser Anthologie-Serie handelt es sich eher um rhythmische Soundeffekte denn um wirkliche Musik, aber in Zusammenarbeit mit den alptraumhaften Bildern funktioniert das ganze phänomenal. Auch hier dient das Intro vor allem dazu, das Kommende anzudeuten. Bei jeder Staffel zeigt der Vorspann kurze Eindrücke und bereitet thematisch auf die Handlung vor, im Intro der ersten Staffel sind Utensilien aus dem titelgebenden „Murder House“ zu sehen, die zweite Staffel zeigt Szenen aus der Anstalt und die dritte „Hexenzeug“.

Platz 2: Batman: The Animated Series (Danny Elfman)

Nostalgie die Dritte. Ich halte dieses Intro immer noch für eines der genialsten der Fernsehgeschichte, weil es im Grunde ohne Worte alles ausdrückt, was man über Batman wissen muss, und zugleich zeigt es die Möglichkeiten des visuellen Stils der Serie, der im Zeichentrickbereich der frühen 90er geradezu revolutionär anders war: Die vielen, kreativen Schatten, das Art Déco, die allgemeine Düsternis. Dazu noch Danny Elfmans anderes ikonisches Thema, und fertig. Die Titeleinblendung der Serie ist nicht mehr nötig, weil ohnehin jeder weiß, worum es sich handelt.

Platz 1: Game of Thrones (Ramin Djawadi)

Wer mich kennt weiß, dass der GoT-Vorspann bei einer derartigen Top 10 unweigerlich auf Platz 1 landet. Wie auch immer man es bewertet, es ist mit Sicherheit eines der durchdachtesten und schlicht aufwendigsten Intros der Fernsehgeschichte. Vor jeder Episode tauchen auf der kunstvoll gestalteten Karte die Handlungsorte der Episode auf und heben sich als mechanische Miniaturen aus dem Boden. Besonders gelungen ist, wie die Karte die Orte darstellt und dabei die Handlung wiederspiegelt. So ist das Modell von Harrenhal kaputt, und ab dem Ende der zweiten Staffel steigt von Winterfell Rauch auf. Ramin Djawadis GoT-Thema ist zwar verhältnismäßig simpel, funktioniert im Kontext aber wunderbar und ist ein richtig fieser Ohrwurm.

Aktuell: Bücher, die verfilmt gehören

Es hagelt wieder Blogstöckchen und -paraden. Sowohl die singende Lehrerin als auch xsehu fragen, initiiert von Ma-Go Filmtipps, nach drei Büchern, die verfilmt gehören. Mit zwei Nominierungen macht das nach Adam Riese sechs zu verfilmende Objekte. Und da ich Comicfan bin, sind es drei Bücher (nun ja, mehr oder weniger, da es sich um Grunde um Kollektivnennungen handelt) und drei Comic-Bücher (und wenn ich „Bücher“ sage, meine ich eine Graphic Novel und zwei Serien).

„Dracula“
Das ist in diesem Fall nicht (bzw. nicht nur) konkret auf Bram Stokers Roman bezogen, sondern eher auf die Figur im allgemeinen. Ich bin ein großer Dracula-Fan, und obwohl er, zusammen mit Sherlock Holmes, die literarische Figur ist, die am öftesten in Film und Fernsehen umgesetzt wurde, ist die Zahl wirklich guter Dracula-Filme (und Serien) sehr gering. Die Dracula-Adaptionen der letzten Zeit, etwa „Dracula Untold“ oder die Dracula-Serie mit Jonthan Rhys Meyers, waren ziemlich enttäuschend. Ist es wirklich zu viel verlangt, mal wieder einen guten Dracula-Film sehen zu wollen? Das kann gerne eine (zur Abwechslung mal Vorlagengetreue) Verfilmung von Bram Stokers Roman sein, oder die Grundidee von „Dracula Untold“ sinnvoll umgesetzt (das könnte eine tolle Serie abgeben), oder aber eine Verfilmung von Kim Newmans „Anno Dracula„. Möglichkeiten und Vorlagen gibt es genug, es müssten sich nur mal die richtigen Leute dranmachen.

Die Darth-Bane-Trilogie von Drew Karpyshyn
Wie xeshu denke ich auch, dass es im Star-Wars-EU einige wunderbare Titel gibt, die sich hervorragend für Spin-offs eignen würden. Das erste Spin-off, „Rogue One“, wird sich aller Voraussicht nach mit den Piloten der Allianz und den Plänen des Todessterns auseinandersetzen, sollten die Spin-offs allerdings erfolgreich werden, hoffe ich, dass Disney auch mutigere Projekte zulässt. Die Darth-Bane-Romane wären meine bevorzugten Kandidaten: Sie erzählen von der Entstehung der Regel der Zwei und natürlich vom Lebensweg des Titelhelden (na ja, Titelschurken), der diese begründete, und bieten viel Stoff für einen düsteren und philosophischen Star-Wars-Film mit Schurkenfokus. Auf dem Regiestuhl hätte ich gerne jemanden wie Guillermo del Toro, während Christopher Young die Musik beisteuern müsste.

Die Zamonien-Romane von Walter Moers
Ich denke, als Realfilme wären Walter Moers‘ Zamonienromane schwierig umzusetzen, da etwa 90 Prozent des Personals nicht aus Menschen besteht, aber in Form eines Zeichentrick- oder Animationsfilmes könnte das was werden (es gab mal eine Ankündigung, aber daraus ist wohl nichts geworden). Eine Serie wäre auch interessant, evtl. als Anthologieserie, ähnlich wie „American Horror Story“ oder „True Detective“, in der jede Staffel eine mehr oder weniger in sich geschlossene Geschichte erzählt (eine Staffel „Rumo“, eine Staffel „Die Stadt der träumenden Bücher“ etc.). Es gibt außerhalb von Japan sowieso viel zu wenig anspruchsvolle Zeichentrickserien für Erwachsene, so spontan fällt mir da nur HBOs „Spawn“ ein. Das wäre natürlich ein sehr riskantes Unterfangen, aber defintiv eines, das ich sehr gerne sehen würde.

„Saga“ von Brian K. Vaughan und Fiona Staples
„Saga“ kann man sich, zumindest bezüglich der Stimmung und der Charaktere, am ehesten wie eine FSK16/R-Rated-Version von „Guardians of the Galaxy“ vorstellen: Eine ziemlich schräge, abgedrehte und lustige Sci-Fi-Comicserie mit einem Romeo-und-Julia-Grundplot: Alana und Marco gehören zu verfeindeten Spezies, haben aber zusammen ein Kind gezeugt und sind nun auf der Flucht, wobei sie alle möglichen und unmöglichen Gestalten treffen, sich mit ihnen anfreunden oder sie zu Feinden machen. „Saga“ ist schlicht und einfach verdammt erfrischend, einerseits lustig, andererseits spricht es aber auch durchaus relevante Themen auf interessante Weise an.

„From Hell“ von Alan Moore und Eddie Campbell
Ja, ja, es gibt den Film aus den 90ern, der hat mit dem Comic allerdings nicht allzu viel zu tun. Gerade hier drängt sich eine werkgetreue Serienadaption, die es schafft, die Komplexität der Vorlage umzusetzen, fast schon auf. Vielleicht wäre Alan Moore dann ja auch endlich mal mit einer Umsetzung eines seiner Werke zufrieden.

„Requiem, der Vampirritter“ von Pat Mills und Olivier Ledroit
Requiem“ ist die wohl abgedrehteste Vampir-Comicserie, die es derzeit gibt, blasphemisch, extrem schwarzhumorig, mitunter recht krank, völlig durchgeknallt, aber mit abartig genialen Bildern: Jedes Panel von Olivier Ledroit ist ein Kunstwerk. Ich glaube zwar nicht, dass eine werkgetreue Verfilmung jemals zustande kommen könnte, aber schon allein der Versuch wäre mit Sicherheit sehenswert.