Der König der Löwen – Soundtrack

Nostalgie-Review
lionking
Track Listing:

CD 1
01. Circle of Life/Nants‘ Ingonyama
02. Didn’t Your Mother Tell You Not to Play With Your Food
03. We Are All Connected
04. Hyenas in the Pride Land
05. I Just Can’t Wait to Be King
06. Elephant Graveyard
07. I Was Just Trying to Be Brave
08. Be Prepared
09. Simba, It’s to Die For
10. Stampede
11. Mufasa Dies
12. If You Ever Come Back We’ll Kill You
13. Bowling for Buzzards
14. Hakuna Matata
15. We Gotta Bone to Pick With You
16. Kings of the Past
17. Nala, Is It Really You?
18. Can You Feel the Love Tonight
19. Remember Who You Are
20. This is My Home
21. The Rightful King

CD 2
01. The Morning Report
02. Warthog Rhapsody
03. We Are All Connected (Score Demo)
04. I Was Just Trying to Be Brave‘ (Score Demo)
05. Stampede (Score Demo)
06. Mufasa Dies (Score Demo)
07. This Is My Home (Score Demo)
08. The Rightful King (Score Demo)
09. Circle of Life (Instrumental Demo)
10. Circle of Life – performed by Elton John
11. I Just Can’t Wait to Be King – performed by Elton John
12. Can You Feel the Love Tonight (End Title) – performed by Elton John

Die letzten Wochen ist hier nicht viel passiert, weil ich zuerst krank war und dann Zeit gebraucht habe, um Verpasstes nachzuholen. Dafür gibt es nun allerdings die ausführliche, analytische Besprechung eines Filmmusikklassikers aus meiner Kindheit.
Für Fans des Scores von „Der König der Löwen“ war das Album, das 1994 zusammen mit dem Film erschien, ziemlich frustrierend. Sicher, für jemanden, der lediglich die Songs sein Eigen nennen möchte, reicht diese CD völlig, neben den Filmversionen aller Lieder enthält sie auch die Elton-John-Versionen von Circle of Life, I Just Can’t Wait to Be King und Can You Feel the Love Tonight. Für den Filmmusik-Fan sind magere siebzehn Minuten von Hans Zimmers Score, definitiv eines seiner besten Werke und für den einzigen Oscar des deutschstämmigen Komponisten verantwortlich, einfach nicht genug.
Nach langer, langer Zeit hat Disney nun letztes Jahr, zum zwanzigsten Jubiläum des Films, endlich, im Rahmen seiner Legacy-Collection, den kompletten Score in einem schicken Zwei-CD-Set veröffentlicht, in einer neu abgemischten Version und mit allen Stücken und Songs in korrekter chronologischer Reihenfolge.
Werfen wir zuerst einen Blick auf die Lieder, die ohnehin jeder kennt, bevor wir zum eigentlichen Score kommen: Im Grunde liebe ich sie alle, schon aus nostalgischen Gründen, jedes von ihnen ruft eine Myriade an Kindheitserinnerungen wach. Insgesamt denke ich, dass Circle of Life der stärkste Song ist, schon allein, weil dieses Lied die Atmosphäre des Film sofort festlegt, auch wenn Be Prepared als Schurkensong natürlich mein heimlicher Favorit ist – Jeremy Irons kann zwar nicht singen, aber er klingt so herrlich britisch-böse. Allerdings muss ich zugeben, ohne den Nostalgiefaktor könnten sich die Songs, bis auf Circle of Life (und das auch vor allem wegen Lebo M.s Chorarbeit) wahrscheinlich nicht so gut halten. Anders als bei den von Alan Menken vertonten Disney-Filmen bleiben Songs und Score auch relativ stark voneinander getrennt, zwar nicht völlig, aber dennoch. Da Zimmer und sein Team auch für die Orchestrierung verantwortlich waren, gibt es natürlich gewisse stilistische Überschneidungen (vor allem bei Circle of Life), der Einfluss von Elton John auf den Score ist allerdings sehr gering, in Didn’t Your Mother Tell You Not to Play With Your Food meint man, ein paar Spuren von Be Prepared zu hören und am Ende von Hyenas in the Pride Land finden sich definitiv kurze Adaptionen der Melodien von Can You Feel the Love Tonight und I Just Can’t Wait to Be King. Zusammen mit der Reprise von Circle of Life in The Rightful King war es das allerdings in dieser Hinsicht. Einerseits finde ich das ziemlich schade, weil ich das Zusammenspiel von Score und Songs bei den Menken-Filmen liebe, wo die Melodien der Lieder oftmals leitmotivisch aufgegriffen werden. Andererseits etabliert Zimmer im Score eigene Themen, die schlicht stärker sind als die meisten Melodien von Elton John.
Stilistisch bemüht sich Zimmer, eine afrikanische Atmosphäre zu etablieren, was ihm auch hervorragend gelingt. Zu seinen üblichen, sehr basslastigen und zum Teil (aber, anders als bei vielen seiner späteren Scores noch nicht übermäßig) synthetisch bearbeiteten Orchesterklängen kommen Panflöten, viele Holzbläser und ein bombastischer Chor (besonders effektiv in Stampede und The Rightful King), der dafür sorgt, dass die Musik eine epische Dimension erreicht, die außer „Der Glöckner von Notre-Dame“ kein andere Disney-Score hat. Lebo M. hat daran sicher großen Anteil – „Der König der Löwen“ ist nach „The Power of One“ bereits der zweite Film, an dem er mit Zimmer zusammenarbeitete. Interessanterweise ist „The Power of One“ so etwas wie der Prototyp für „Der König der Löwen“, und auch eine gute Ergänzung. Wer sich fragt, wo der Sound des Films herkommt, sollte einmal in die erste Lebo-M./Hans-Zimmer-Kollaboration reinhören.
Wie bereits erwähnt sind Zimmers Themen ziemlich stark, dies betrifft vor allem das Hauptthema, gemeinhin auch gerne als This Land bezeichnet, nach dem Tracktitel auf dem ursprünglichen Album. Es handelt sich dabei um ein grandioses, emotional unglaublich intensives Thema. Wofür es genau steht ist nicht ganz leicht herauszufinden, im Grunde ist es ein den Film umspannendes Thema, das entweder für das Geweihte Land, das Schicksal oder das rechtmäßige Königtum als Konzept steht. Wie auch immer, als Hauptthema funktioniert es hervorragend und hält den Score in seinen vielen Variationen zusammen. Zum ersten Mal zu hören ist es in We Are All Connected, und von da an taucht es immer wieder in unterschiedlichen Gestalten auf. Besonders erwähnenswert sind die Variationen in I Was Just Trying to Be Brave (melancholisch mit Chor), Remember Who You Are (Gänsehaut-erzeugend) und The Rightfull King (zuerst im Actionmodus und am Ende mit noch mehr Gänsehaut).
Das zweite wichtige Thema gilt Simba und ist erstmals in We Are All Connected ab 0:59 zu hören. Im ersten Drittel des Scores sind die Variationen, wie hier oder in Hyenas in the Pride Land (2:06) zumeist kindlich und verspielt, im zweiten Drittel, quasi während Simbas Selbstverleugnungsphase, taucht es so gut wie gar nicht auf, um dann zusammen mit Nala zu Simba zurückzukehren und ihn daran zu erinnern, wer er ist. In Nala, Is It Really You? (bei 1:30) ist noch einmal eine verspielte Variation zu hören, die an Simbas Kindertage erinnert. In Remember Who You Are wird die Angelegenheit dann ernster, das Stück ist von Fragmenten des Themas durchzogen, bis es am Ende, bei 7:30, schließlich in einer kräftigen, vom Chor begleiteten Variation regelrecht ausbricht und Simbas Heimkehr untermalt. Direkt am Anfang von This Is My Home ist noch einmal eine sehr ähnliche Version zu hören, und schließlich erklingt das Thema noch einmal in seiner triumphalsten Variation in The Rightful King bei 9:50, als Simba seinen Platz als König einnimmt.
Neben diesen beiden Hauptthemen gibt es noch eine ganze Reihe sekundärer Themen, unter anderem für Scar (am besten zu hören in Didn’t Your Mother Tell You Not to Play With Your Food), das durch die Verwendung des Saxophon einen leichten Film-Noir-Klang hat, die Hyänen (Elephant Graveyard) und Timon und Pumbaa (Bowling for Buzzards und The Rightful King ab 5:20), eine eher komödiantische Fanfare. Darüber hinaus existieren noch eine Reihe weiterer, wiederkehrender Motive, deren Zuordnung allerdings recht schwer ist.
Werfen wir zum Schluss noch einen kurzen Blick auf die zweite CD des Sets. Bei The Morning Report und Warthog Rhapsody handelt es sich um Songs, die aus dem fertigen Film geschnitten wurden. The Morning Report wurde in Julie Taymores Mucial-Adaption des Films verwendet und für die Platinum-Edition-DVD des Films animiert und eingefügt, was allerdings zu Protesten führte; und das nicht ganz zu Unrecht, denn im Film selbst stört das Lied die Struktur der Szene (weshalb es für die Blu-Ray-Diamond-Edition auch wieder entfernt wurde). Warthog Rhapsody war ursprünglich das Timon-und-Pumbaa-Lied, bevor es durch Hakuna Matata ersetzt wurde, allerdings taucht es im Direct-to-DVD-Midquel „Der König der Löwen 3: Hakuna Matata“ (bzw. „Der König der Löwen ½“) wieder auf. Die restliche CD ist mit Score-Demos und den Elton-John Versionen von Circle of Life, I Just Can’t Wait to Be King und Can You Feel the Love Tonight gefüllt.
Fazit: Selbst wenn die zweite CD nur für wirkliche Score-Fans ist, die am Entwicklungsprozess interessiert sind, ist die Legacy Collection von „Der König der Löwen“ definitiv schon allein wegen des kompletten Score auf der ersten CD und wegen des wunderschön aufgemacht Albums ihr Geld wert. Der Score selbst ist nach wie vor eine von Hans Zimmers besten Arbeiten.

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