Dracula Untold

draculauntold
Story: Der Kampf gegen die türkischen Heerscharen unter Sultan Mehmet II. (Dominic Cooper) scheint für die Osteuropäer aussichtslos. Vlad dem Pfähler (Luke Evans), dem Fürsten von Transsylvanien, bleibt nur eine Möglichkeit: Unterwerfung und Tribut in Form von 1000 Jungen, inklusive seines eigenen Sohnes Ingeras (Art Parkinson), oder Auslöschung. Doch es gibt einen Ausweg: In den Bergen haust ein alter Vampir (Charles Dance). Vlad kontaktiert ihn, und der Vampir macht ihn zu seinesgleichen und gibt dem Fürsten so die Macht, die Türken zu besiegen, sowie die Möglichkeit, den vampirischen Zustand nach drei Tagen zu beenden, sollte er in dieser Zeit kein Blut trinken. Allerdings steht nun mehr auf dem Spiel als nur der Sieg in der Schlacht, denn als durstiger Vampir ist Vlad eine Bedrohung für seinen Sohn und seine Frau Mirena (Sarah Gadon)…

Kritik: Mit Dracula in all seinen Ausprägungen und Variationen beschäftige ich mich nun schon ziemlich lange, aus diesem Grund war „Dracula Untold“ letztendlich natürlich Pflichtprogramm. Ursprünglich hatte ich vor, ins Kino zu gehen, aber nun muss die Blu-Ray ausreichen.
Die Verbindung des Vampirs Dracula mit dem (losen) historischen Vorbild Vlad Tepes ist nun wirklich keine neue Idee, selbst als „Bram Stoker’s Dracula“ Anfang der 90er in die Kinos kam, hatten sich schon einige dieses Konzepts bedient, und heute gehört es fast schon zum guten Ton. Von seiner Konzeption her erinnert „Dracula Untold“ ein wenig an den völlig miserablen „Dark Prince: The True Story of Dracula“ mit Rudolf Martin in der Titelrolle, der, neben vielen anderen Schwächen, nicht wusste, was er eigentlich sein will; über die meiste Zeit scheint es sich um einen Historienfilm zu handeln, nur um Vlad dann am Ende doch (völlig grundlos) zum Vampir zu machen. Wenigstens diese Schwäche umgeht „Dracula Untold“, denn der Film ist ganz zweifellos Fantasy-Action.
Um das gleich einmal von vorneherein klarzustellen: Weder mit Stokers Roman, noch mit dem historischen Vlad Tepes hat dieser Film besonders viel zu tun. Im Grunde folgt „Dracula Untold“ einem typischen Fantasy- oder gar Superhelden-Plot, der mit einigen Verweisen auf Vlad Tepes gewürzt ist. Historische Genauigkeit durfte man hier sicherlich keine erwarten, aber die Filmemacher haben es anscheinend nicht einmal versucht; das fängt schon damit an, dass Vlad hier wieder einmal zum Herrscher über Transsylvanien gemacht wurde, statt zum Voivoden der Walachei (was er eigentlich war). Von Stokers Figur bleibt schließlich fast gar nichts außer einiger grundlegender vampirischer Eigenschaften.
Das alles ist allerdings nicht das größte Problem dieses Streifens, denn damit hatte ich ehrlich gesagt gerechnet. Das Hauptproblem liegt vor allem darin, dass der Film seinen Plot so konventionell und geradezu langweilig umsetzt, vor allem in Bezug auf den Protagonisten. Luke Evans spielt hier um Grunde dieselbe Rolle wie im zweiten und dritten Hobbit-Film. Über seine Zwiespältigkeit und die Herkunft seines Beinamens werden wir lediglich informiert und beides spielt auch nicht wirklich eine Rolle. Der Dracula dieses Films ist keine wirklich zwiespältige Figur, er ist am ehesten ein wenig zwielichtig und tut ein paar fragwürdige Dinge, von einem Grenzgänger ist er allerdings weit entfernt. Es ist genau dasselbe Problem wie bei „Maleficent“: Man hatte wohl Angst, den Zuschauern einen zu fragwürdig handelnden Charakter zuzumuten und hat deshalb lieber sicher gespielt und damit dem Film viele Möglichkeiten geraubt.
Ähnlich profillos ist Mehmet als Widersacher, der praktisch völlig farblos bleibt und lediglich seine Plotfunktion erfüllt. Gerade das ist wirklich ärgerlich, weil der historische Mehmet eine extrem interessante, facettenreiche und widersprüchliche Figur der Geschichte ist – es kann hin und wieder helfen, tatsächlich historische Fakten miteinzubeziehen.
Und dann wären da noch die diversen Löcher im Plot: „Dracula Untold“ sollte urpsrünglich „Dracula: Year Zero“ heißen und Avatar-Hauptdarsteller Sam Worthington sollte die Titelrolle spielen – seit dieser Ankündigung wurde das Drehbuch oft umgeschrieben, und das merkt man auch. Fähigkeiten und Schwächen der Vampire sind inkonsistent, es fehlen Informationen – u.a. sollte der von Charles Dance dargestellte Altvampir wohl ursprünglich Caligula sein, im fertigen Film finden sich allerdings nur noch diffuse Andeutungen, und vor allem das Ende bedarf, sollte es ein Sequel (oder die von Universal geplante Monster-Version der Avengers) geben, einiges an Erläuterungen.
Trotzdem ist der Film nicht wirklich unterirdisch, die meisten Darsteller sind ihm Rahmen des ihnen möglichen durchaus gut (die Schuld ist zu meist beim Drehbuch zu suchen), vor allem Charles Dance macht als bösartiger Altvampir eine verdammt gute Figur, und einige der Actionszenen sind auch durchaus kreativ und unterhaltsam, auch wenn das PG13-Rating an einigen Stellen unangenehm auffällt. Leider kommt „Dracula Untold“ selbst in seinen besten Momenten niemals über das Mittelmaß hinaus und schafft es nicht einmal ansatzweise, das Potential, das diese Grundidee hat, auszuschöpfen. Das trifft auch auf Ramin Djawadis Score zu, der wie eine Mischung aus „Game of Thrones“, „Pacific Rim“ und „Man of Steel“ klingt.
Noch ein kleines interessantes Detail zum Schluss: Es ist faszinierend, wie sehr „Dracula Untold“ sich bemüht, „Bram Stoker’s Dracula“ von Francis Ford Coppola, in meinen Augen immer noch der beste Dracula-Film, seinen Respekt zu zollen. Das beginnt bei der Titeleinblendung und dem ähnlich inszenierten Prolog (inklusive eines Feldes voll Gepfählter vor rotem Himmel) und erstreckt sich über die Musik, die in den vampirbezogenen Szenen die flüsternden Chöre von Wojciech Kilars Score nachahmt (natürlich ohne an die Qualität des polnischen Komponisten heranzukommen) und Charles Dances Make-up, das entfernt an den alten Dracula erinnert, und geht bis zur Reinkarnation von Draculas Frau (in der letzten Szene wohlgemerkt), die natürlich auch in „Dracula Untold“ durch den Fall von einer Burgzinne stirbt.
Fazit: „Dracula Untold“ ist bestenfalls in höchstem Maße mittelmäßig und schlimmstenfalls gerade deshalb wirklich enttäuschend, da die Idee, wenn sie auch keinesfalls neu ist, ziemlich viel Potential hat.

Trailer