Stück der Woche: Finale (William Tell Overture)


Es gibt ein paar klassische Stücke, die fast jeder schon einmal gehört hat. Dazu gehören, neben Mozarts Eine kleine Nachtmusik oder dem ersten Satz von Beethovens Fünfter Symphonie auch die Ouvertüre der Oper „Wilhelm Tell“ (bzw. „Guillaume Tell“) von Gioachino Rossini – anders als bei den anderen beiden Beispielen fällt die Zuordnung zum Komponisten vielen allerdings recht schwer.
Bei „Wilhelm Tell“ handelt es sich um Rossinis letzte Oper, die 1829 in Paris uraufgeführt wurde. Zwar ist ihr Bekanntheitsgrad weit geringer als der von Rossinis bekanntester Oper, „Der Barbier von Sevilla“, allerdings hat die Ouvertüre gewissermaßen ein Eigenleben entwickelt, oder genauer: Das letzte Viertel der Ouvertüre (der Marsch der Schweizer Soldaten) hat ein Eigenleben entwickelt. Dies ist vor allem auf die häufige Verwendung in Film und Fernsehen zurückzuführen: Das schnittige, unglaublich einprägsame Stück taucht überall auf, von Reiterszenen in alten Filmen über klassische Donald-Duck-Cartoons bis hin zu „A Clockwork Orange“, diversen Werbespots oder „Scrubs“. Die (vor allem für Amerikaner) berühmteste Verwendung der Overtüre findet sich allerdings in den Radio- und Fernsehserien, die die Abenteuer des Lone Ranger erzählen.
So ist es wenig verwunderlich, dass der Marsch der Schweizer Soldaten auch in Gore Verbinskis viel gescholtener Filmadaption von 2013 auftaucht. Der eigentliche Score stammt von Hans Zimmer (und einer Vielzahl seiner üblichen Assistenten und Helfershelfer) und ist insgesamt eher mittelmäßig (wenn auch um Welten besser als die im selben Jahr erschienene Filmmusik von „Man of Steel“). Zimmer mischt Stilmittel, die wir bereits aus vielen seiner Scores (etwa „Sherlock Holmes“, „Pirates of the Caribbea“, „Rango“ etc.)
kennen mit musikalischen, von Ennio Morricone geprägten Westernklischees. Ursprünglich hatte Zimmer nicht vor, die Wilhelm-Tell-Ouvertüre als Anspielung an die klassischen Lone-Ranger-Serien einzubauen, allerdings bestand Verbinski darauf, weshalb Zimmer Geoff Zanelli, einen erfahrenen Remote-Control-Mitarbeiter, der es bislang allerdings, anders als etwa Ramin Djawadi oder Henry Jackman, noch nicht geschafft hat, sich einen eigenen Namen zu machen, damit beauftragte, die Ouvertüre für den Film zu adaptieren. Und erfreulicherweise leistete Zanelli wunderbare Arbeit, seine Bearbeitung des Rossini-Stückes stellt zweifellos das Highlight des Scores (und des Films) dar. Dabei blieb Zanelli dem Geist des ursprünglichen Werkes stets treu und verwässerte es nicht mit unnötigen Remote-Control-Stilmitteln (ein passendes Gegenbeispiel findet sich in „Sherlock Holmes: Spiel im Schatten“, in dem Stück To the Opera! wird ein Ausschnitt aus Mozarts „Don Giovanni“ stark verzimmert). Stattdessen passte er es behutsam an die finale Actionszene an und arbeitete gekonnt die eigentlichen Themen des Films ein, so als hätten sie schon immer dazugehört (etwa bei 4:40, 6:55 oder 8:34). Das ist mal wirklich ein musikalischer Tribut, der sich sehen lassen kann.

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Ein Kommentar zu “Stück der Woche: Finale (William Tell Overture)

  1. 360hcopa sagt:

    Hat dies auf Liebes Tagebuch….. rebloggt und kommentierte:
    Wie fein recherchiert …… und H.R. Giger als Hintergrundbild, ist schon ein Reblog wert. Danke

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