Der Hobbit: Die Schlacht der fünf Heere – Soundtrack

botfaost
Tracklisting:

CD 1
01. Fire and Water
02. Shores of the Long Lake
03. Beyond Sorrow and Grief*
04. Guardians of the Three
05. The Ruins of Dale
06. The Gathering of the Clouds*
07. Mithril
08. Bred for War
09. A Thief in the Night
10. The Clouds Burst
11. Battle for the Mountain

CD 2
01. The Darkest Hour
02. Sons of Durin
03. The Fallen
04. Ravenhill
05. To the Death*
06. Courage and Wisdom
07. The Return Journey
08. There and Back Again
09. The Last Goodbye
10. Ironfoot*
11. Dragon-Sickness**
12. Thrain**

*Auf der Deluxe-Edition erweitert
**Bonustrack der Deluxe-Edition

Irgendwie klappt es mit dem Musikeinsatz in den Hobbit-Filmen immer nicht so recht, was angesichts der Tatsache, dass die Verwendung von Shores Musik in den HdR-Filmen grandios war und Jackson dort ein exzellentes Gespür für den Einsatz des Scores hatte, besonders schade ist. Dieses Gespür scheint er irgendwann vor dem Kinostart von „Eine unerwartete Reise“ allerdings verloren zu haben. Anders als beim ersten Teil der Hobbit-Trilogie wurden in „Die Schlacht der fünf Heere“ zwar nicht Shores ursprüngliche Intention durch fragwürdige Ersetzungen unterlaufen, aber wie schon bei „Smaugs Einöde“ scheint Jackson inzwischen oftmals dramatische Stille zu bevorzugen. Die Special Edition des Soundtracks hat eine Laufzeit von etwa 108 Minuten, der Film dauert 144 Minuten. Allerdings gibt es kaum Musik, die im Film, aber nicht auf dem Album zu finden ist, dafür aber einige Stellen, die der geneigte Hörer der CD im Film erwartet, aber letztendlich nicht vorfindet. Und zu allem Überfluss ist die Musik für meinen Geschmack im fertigen Film zu leise abgemischt, sodass sie oftmals in den Soundeffekten untergeht. Ich sagte es ja bereits an anderer Stelle: Ich finde, dass diese Taktik nicht besonders gut funktioniert. Die Musik war in den Mittelerde-Filmen vor „Smaugs Einöde“ ein sehr dominanter Faktor, und das hat bestens funktioniert. Die langen Stilleperioden haben mich im Film irritiert und meine emotionale Investiertheit stark gemindert. Was Shores Musik ebenfalls stark beeinflusst, sind die Änderungen in Jacksons Regiestil und die Angewohnheit, noch bis kurz vor der Premiere am Film zu schneiden. So ist vor allem bei den letzten beiden Filmen auffällig, dass die Einstellungen und Szenen weitaus kürzer sind als in den HdR-Filmen und dass es auch kaum mehr Sequenzen gibt, die wirklich von der Musik dominiert und getragen werden – das Paradebeispiel für eine derartige Szene ist natürlich die Leuchtfeuer-Sequenz in „Die Rückkehr des Königs“. Dies hat jedenfalls zur Folge, dass im Film vor allem kurze Stücke zum Einsatz kommen, die dann auch mit wenig Mühe zusammen mit den Szenen verschoben und umgeschnitten werden können, was man auch auf dem Album anmerkt; die einzelnen Stücke entfalten selten einen richtigen Fluss, man merkt, dass auch die längeren Tracks im Grunde aus mehreren, aneinandergeklebten kurzen Stücken bestehen.
Wie schon bei der Musik der ersten beiden Hobbit-Filme werde ich mich vor allem auf das konzentrieren, was auf dem Album zu hören ist, von dem ich annehme, dass es Shores ursprünglichen Intentionen entspricht. Da ich nur die Special Edition mein Eigen nenne, kann ich nicht sagen, wo bei der Standard Edition etwas fehlt, meines Wissens nach gibt es dort allerdings keine Alternativstücke (wir erinnern uns an Roast Mutton).
Bevor ich mich Shores Material annehme, noch ein paar Worte zu The Last Goodbye, geschrieben und gesungen von Billy Boyd. Das Lied gefällt mir zwar besser als Ed Sheerans I See Fire, aber das will nicht unbedingt etwas heißen. Für meinen Geschmack versucht The Last Goodbye zu sehr Into the West (ein paar Takte stammen sogar direkt daraus) zu sein und will nicht recht zur Stimmung des Films passen – vom Score ganz zu schweigen. Ist es wirklich so schwer, Howard Shore den Abspannsong komponieren zu lassen?
Und nun zum eigentlichen Score. Zuerst einmal ist auffällig, dass es kaum wirklich neue Themen gibt, im Grunde sind es nur zwei, zusätzlich zu einigen kleineren Motiven. Das erste ist das Thema für Dáin Eisenfuß, das am Ende von The Clouds Burst zum ersten Mal erklingt und in The Battle for the Mountain und Ironfoot kräftige Statements erhält. Wie nicht anders zu erwarten gibt es eine gewisse Verwandtschaft zum anderen Zwergenmaterial, vor allem zu The Dwarf Lords, einem nicht verwendeten Stück aus „Eine unerwartete Reise“. Die Variation aus Ironfoot, die von Dudelsäcken dominiert wird, erinnert darüber hinaus an Erebor, ein weiteres nicht verwendetes Stück aus „Eine unerwartete Reise“.
Das zweite neue Thema ist das Gundabad-Motiv, das sich gut in die Riege des restlichen Ork/Mordor-Materials einfügt und zusammen mit Azogs Thema die Hauptidentität des Bösen in diesem Score ist. Beide Themen werden oft nahe beieinander angespielt, etwa in Bred for War: Gundabad direkt am Anfang, Azog bei 0:58 und später wieder Gundabad bei 1:50. Auch in Ravenhill tauchen beide relativ nahe beieinander auf, Gundabad (direkt nach einem Einsatz des Chormotivs aus „Eine unerwartete Reise“, das die Schlacht von Azanulbizar untermalte) bei 1:05, und Azog etwas später bei 4:16.
Weder Dáins Thema noch das Gundabad-Motiv taugen allerdings zum Hauptthema des Films; wer nach einem klassischen, dominanten Thema sucht, wird, mehr noch als bei „Smaugs Einöde“, wohl enttäuscht werden. Dennoch ist „Die Schlacht der fünf Heere“ alles andere als ein Score, der sich, wie etwa „The Dark Knight Rises“ oder „Pirates of the Caribbean: On Stranger Tides“, aus ein paar neuen Themen und ansonsten aus fast eins zu eins aus den Vorgängern übernommener Musik zusammensetzt, im Gegenteil. Die Samen, die Shore in „Eine unerwartete Reise“ und „Smaugs Einöde“ ausgesät hat, tragen nun Früchte. Die leitmotivische Dichte, die Entwicklung und Anwendung der Themen, ist atemberaubend und zur Zeit auch ziemlich einzigartig. Passend zum Titel des Films erhalten viele Themen ein martialisches Gewand, und vor allem ab Mithril, gibt es (freilich mit Unterbrechungen) viel an militarisiertem und sehr intensivem actionreichen Material.
Nachdem die etablierten Themen der HdR-Trilogie in „Smaugs Einöde“ nur ein paar Gastauftritte absolvierten, haben sie in „Die Schlacht der fünf Heere“ wieder eine weitaus größere Präsenz, schließlich soll dieser Soundtrack zu „Die Gefährten“ überleiten. Guardians of the Three ist diesbezüglich eine wahre Fundgrube und ein Idealbeispiel für komplexe Leitmotivik, auch wenn ich zugeben muss, dass Saurons Vertreibung aus Dol Guldur noch ein wenig mehr Schmackes hätte vertragen können. Hier ringen die Themen von Gandalf, Lórien und Bruchtal, Letzteres in einer tollen martialischen Variation, mit den Motiven Saurons und der Ringgeister. Auch das Auenlandmaterial wird wieder dominanter, etwa in The Ruins of Dale und natürlich in The Return Journey und There and Back Again, die Bilbos Heimkehr thematisieren. In Letzterem erklingt auch noch einmal des Geschichte-des-Ringes-Thema, das bereits in Richtung „Die Gefährten“ verweist. Und dann ist da natürlich noch die tolle, martialische Variation des Rückforderung-der-Natur-Themas, das den Auftritt der Adler untermalt (To the Death, 4:22) – und das schöne Adler-Motiv aus „Eine unerwartete Reise“, das es aus unerfindlichen Gründen nicht auf das Album des ersten Hobbit-Films geschafft hat, gibt’s gleich noch dazu.
Darüber hinaus gibt es noch einige andere kleine Andeutungen, etwa zu Beginn von Mithril. In dieser Szene schenkt Thorin Bilbo das Mithril-Hemd, zu diesem Anlass erklingt dieselbe kleine Melodie, die auch schon in „Die Gefährten“ die Weitergabe des Hemdes an Frodo untermalte. Eine weitere derartige Andeutung findet sich auch in Courage and Wisdom, wo sogar das Gefährten-Thema einmal kurz angespielt wird (Thranduil und Legolas unterhalten sich über Aragorn, bei 3:40).
Der wirklich interessante Teil ist allerdings die Verarbeitung und Entwicklung der Themen, die für die Hobbit-Trilogie spezifisch sind. Zu den absoluten Highlights gehört definitiv das Smaug-Material, das gleich in Fire and Water sein volles Potential auslebt und die Entwicklung des Vorgänger-Scores abschließt (gleiches trifft auch auf die Themen von Girion und Bard zu). Mit dem Tod des Drachens verschwinden sein Thema und dessen Untermotive allerdings keinesfalls aus diesem Score. Smaugs thematisches Material geht auf Thorin über, der durch die Drachenkrankheit zunehmend wahnsinniger wird und dessen Verhalten immer mehr an Smaug erinnert. Dabei erreichen die Themen des Drachen nie mehr die Wucht, die sie in Fire and Water haben – Thorin ist immerhin keine feuerspeiende Bestie – sondern spiegeln die immer labiler werdende Geisteshaltung wieder, u.a. dadurch, dass sie auf ungestimmten Instrumenten gespielt werden und immer schräger klingen. Beispiele finden sich in Beyond Sorrow and Grief (ab 1:05), Mithril (ab 0:45) oder The Clouds Burst (ab 0:20).
Eine schöne Entwicklung macht auch das Seestadt-Thema durch. Zu Beginn von The Ruins of Dale ist es noch schwach und zittrig, gezeichnet durch die Attacke des Drachen, aber doch vorsichtig optimistisch: Die Menschen von Esgaroth finden unter Bards Führung in den Ruinen Thals eine Zuflucht. Im Verlauf von The Gathering of the Clouds (1:15) nimmt es an Kraft zu, um in Mithril, als sich die Menschen bewaffnen, in einer kräftigen, martialischen Variation zu erklingen (2:16). In The Darkest Hour erklingt schließlich noch eine Trauervariation mit Chor, die die Verluste in der Schlacht untermalt. Ähnlich geartete Variationen tauchen auch am Ende von Ironfoot auf.
Das Elbenmaterial ist in seinen Einsätzen nicht ganz so dominant, aber doch ziemlich präsent. Die Ankunft von Thranduil und seinen Soldaten in Thal wird zum Beispiel von einer recht martialischen Variation des Waldlandreich-Themas zu Beginn von The Gathering of the Clouds untermalt, und auch im Rest des Scores finden sich zahlreiche Einsätze dieses Motivs, etwa bei 0:38 in Bred for War, bei 3:21 in A Thief in the Night und bei 3:35 in The Clouds Burst. Diese Einsätze gelten Thranduil, weshalb sie auch zumeist ein wenig bedrohlich klingen und so die Zwiespältigkeit der Figur ausdrücken. Besonders interessant ist auch die Variation in The Fallen, die sich, was die Instrumentierung angeht, dem Lórien-Thema annähert (bei 1:20). Im letzten Drittel findet sich darüber hinaus auch die ein oder andere Action-Variation, die zumeist Legolas‘ allen Gesetzen der Physik trotzende Akrobatik untermalen, etwa bei 2:05 und noch mal bei 2:50 in Ravenhill und bei 2:45 in To the Death.
Tauriels Thema dagegen, eine der dominantesten Identitäten von „Smaugs Einöde“, macht sich in „Die Schlacht der fünf Heere“ eher rar und ist nur in Ravenhill (2:17, sehr grimmige Variation) und To the Death (2:45) zu hören. Zumeist wird sie durch das Kili/Tauriel Liebesthema repräsentiert, das vor allem zu Beginn des Films in Shores of the Lonk Lake und gegen Ende in Ravenhill und Courage and Wisdom recht dominant ist.
Und schließlich und endlich wären da noch die Zwergenthemen. Nach „Die Schlacht der fünf Heere“ ist nun auch klar, dass das Leitmotivische Trio der Zwerge der musikalische Kern der Hobbit-Trilogie ist. Diese drei Themen, Erebor, Haus Durins und Thorin sind eng miteinander verwandt und entwickeln sich über den Verlauf der drei Filme konstant weiter. Gerade auf Haus Durins trifft dies besonders zu: Es ist das erste Thema, das in „Eine unerwartete Reise“ zu hören ist, seine Bedeutung offenbart sich allerdings erst in „Smaugs Einöde“, wo es langsam an Kraft gewinnt. Im dritten Teil der Trilogie ist es immer wieder fragmentarisch zu hören, um dann in Mithril (2:28) und Sons of Durin (gleich am Anfang) zu voller Kraft zu kommen. Thorins Thema macht sie im ersten Teil des Scores eher rar, da der neue König unter der Berg vor allem von Smaugs Thema repräsentiert wird, aber es ist zum Beispiel in The Clouds Burst (2:04) zu hören, und nachdem Thorin seinen Wahnsinn überwunden hat, findet es zu nie gekannter Stärke (Sons of Durin, 0:24), um schließlich in Courage and Wisdom sein Ableben zu untermalen (1:50). Ähnlich ergeht es dem Erebor-Thema, das im Verlauf des Scores zumeist eher unterschwellig präsent ist, etwa am Ende von Fire and Water (5:39), und ebenfalls in Sons of Durin hören wir es in seiner aggresivsten, kampfeslustigsten Variation (1:12). Im Grunde genommen kulminiert das gesamte Zwergenmaterial und erreicht in Sons of Durin den krönenden Höhepunkt.
Trotz der Länge des Artikels ist dies nur eine oberflächliche Analyse, die keinen Anspruch auf Vollständigkeit erhebt, und ich habe auch nur die dominanteren Themen behandelt, da meine Rezension sonst den Rahmen sprengen würde. Ich denke aber, es dürfte klar geworden sein, dass Shores Musik zu „Die Schlacht der fünf Heere“ eine atemberaubende leitmotivische Dichte aufweist und vollauf überzeugt.
Fazit: Shores Score schafft das, was Jacksons Film nicht ganz gelingen will: Er ist ein vollauf gelungener Abschluss der Hobbit-Trilogie, ein würdiger Teil der Musik Mittelerdes und auch der beste Soundtrack des Jahres.

Siehe auch:
Der Hobbit: Die Schlacht der fünf Heere
Der Hobbit: Eine unerwartete Reise – Soundtrack
Der Hobbit: Smaugs Einöde – Soundtrack

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